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Buschtrommeln für „mau“ – Die Geschäftsidee von „Two Tickets“ – ein Tauschhandel der besonderen Art

Für Couch-Potatoes sind bei dieser Firma – das Logo lässt daran keinen Zweifel – die Stunden angezählt! „Runter vom Sofa, rein in die Stadt!“ lautet der Slogan der deutschlandweit aktiven Berliner Firma „Two Tickets“, der eine pfiffige Marketing-Idee zugrunde liegt: Für einen Mitgliedsbeitrag ab 7,99 im Monat, haben KulturinteressentInnen Zugriff auf Freikarten sowie verloste oder reduzierte Tickets für unterschiedlichste Veranstaltungen in ganz Deutschland.

  • Erlebe die Veranstaltungen immer zu zweit, lerne gern auch andere Stadtentdecker kennen.

Entdecke die Szene sowie neue Veranstaltungsorte!

  • Wir losen dir Freikarten für Veranstaltungen nach deinen Interessen zu. Benachrichtigungen kannst du direkt auf dein Handy empfangen!
  • Lasse dich von unseren Veranstaltungsvorschlägen überraschen und inspirieren.

So deren Angebot im O-Ton auf der Homepage

Stellt sich die Gretchenfrage nach dem Benefit für uns Kunst- und Kulturschaffende, denn Freikarten sind und bleiben nun einmal Freikarten. Droht aber, besonders bei en-suite-Aufführungen, Zuschauerschwund, so füllt uns dieses System die Ränge – statt mit gähnender Leere, mit Klientel für mögliche künftige Mund-zu-Mund-Propaganda!

„Die Probleme begannen, als Mensch bemerkte, dass er Publikum braucht, applaudierendes Publikum … “ Foto von Werner-Bauer aus einer Bildsequenz der jourfixe-Satire nach E. Kishons „Kein Applaus für Podmanitzki“

Für unsere Kulturplattform jourfixe-muenchen hat sich das „Two-Tickets-System“ erstmals 2010 bewährt. Damals gastierten wir mit meinem jourfixe-Historical „Das Lied von Lili Marleen“ bei Heiko Dietz in seinem unvergessenen „Theater … und so fort“ in Schwabing. Leider stellte sich bald heraus, dass mein Konzept multimedialer Bühnen-Collagen/Historicals damals noch zu wenig bekannt war für die beträchtliche Anzahl von Terminen, mit denen wir uns an der Bühne eingebucht hatten. Das Theater blieb ziemlich leer, Tag für Tag. Das Problem daran war nicht nur, dass keiner an solchen Abenden verdiente und der Sohn von Lale Andersen, aus solidarischer Verzweiflung, Abend für Abend Freunden aus eigener Tasche Karten spendierte – nein, das viel größere Problem war – und ist, dass sich bei schlecht besuchten Vorstellungen keine wirklich gute Bühnen-Atmosphäre entwickeln kann, was bei den wenigen Zuschauern noch zusätzlich einen schlechten Eindruck hinterlässt. Die so dringend benötigten Buschtrommeln werden diese danach kaum betätigen. Heiko halte ich bis heute zugute, dass er die Situation ohne ein böses Wort uns gegenüber hinnahm. Und das, obwohl er als Leiter eines privaten Theaters auch mit jeden Cent rechnen musste.

Doch eines Abends war alles anders: der Raum wieder annehmbar gefüllt, die Stimmung entsprechend aufgeräumt – die Kasse allerdings weiterhin auch. Ich staunte Bauklötze, woher diese ganzen Freikarten-BesitzerInnen kamen. Heiko klärte mich daraufhin über das System sowie den Nutzen für uns Veranstalter der „Two Tickets“ auf und bei mir fiel der eine oder andere Groschen dahingehend, warum es sich bei manchen KollegInnen immer einen Tick mehr füllte, als bei uns 😉 Fakt ist: Nicht jede Veranstaltung bekommt man gleichermaßen voll, schon gar nicht bei der heutigen Konkurrenz von TV und Internet und einer Klientel, die es nach einem Arbeitstag im Daten-Overkill nicht auch noch massenweise ins Kulturleben drängt. Inzwischen stelle ich daher routinemäßig, selbst bei erfolgreichem Kartenvorverkauf, zu jeder jourfixe-Veranstaltung mindestens 1 x 2 Karten zur Verlosung bei Two Tickets ein,  allein schon aus PR-Gründen.

Übrigens steht „der Bus mit den Rekruten aus Tel Aviv“ in Ephraim Kishons Satirensammlung „Kein Applaus für Podmanitzki“ für genau die gleiche (Not)Lösung seit Jahrzehnten startbereit, gestaltet sich aber um einiges unhandlicher … 😉


Two Tickets war bisher für mich eine feste, zugleich aber phantomatische Einrichtung aus der virtuellen Marketing-Welt. Daher habe ich meinen Berlin-Aufenthalt u.a. dazu genutzt, die Macherinnen und Macher am Prenzlauer Berg ganz reell in ihrem UR-Berliner-Altbau zu besuchen. Auf dem Titelbild bin ich mit unserer neuen Ansprechpartnerin zu sehen, Frau Dunja Böhnisch.

Details: https://www.twotickets.de/


Verzeichnis aller jourfixe–Blogbeiträge mit jew. Link

 

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Vom Gschdanzl zum Requiem – Tonkünstlerin Michaela Dietl, Portrait und Interview

„(…) geprägt durch ihre Heimat, ist das Bayerische ihre Sprache und sie gibt ihm seine Schönheit zurück,“ schrieb Petra Finsterle, vom Club Voltaire München, über die bayerische Tonkünstlerin Michaela Dietl. Wobei die Stücke, die sie singt und spielt, fast ausschließlich aus eigener Feder stammen. An der LMU hat sie Germanistik, Philosophie und Geschichte studiert, auf den Straßen Europas das Musizieren und Komponieren mit ihrem Akkordeon, das ihr in bester Familientradition schon als Kind unter den Christbaum gelegt wurde. Die härteste Entertainment­-Schule der Welt, das Trottoir, formte sie zu einer Musikerin, die, bei aller Vielfalt, ein sehr persönlicher Stil charakterisiert. Ihre künstlerische Vita umfasst inzwischen zahlreiche Musiken für Bühne, Funk und Fernsehen, neben eigenen Solo­-Programmen und CD’s eigener Lieder. Nun hat sie ein Requiem komponiert.

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Michaela Dietl, Artist Studio, März 2016

Um darüber mehr zu erfahren, traf ich mich mit Michaela Dietl  zu einem Gespräch im  Artist Studio, im Münchner Künstlerhaus. Mit ihrem Akkordeon erläuterte sie mir „live“, anhand von Hörbeispielen, ihre Arbeitsweise und künstlerische Konzeption und trug allererste Ausschnitte aus ihrem Requiem vor, wobei sie die gesamte Komposition für 16-köpfiges Akkordeonorchester, Alphorn und Sopran  in ihrem Spiel auf dem  Akkordeon  hörbar machte.

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Flyer zur Uraufführung (Tim Walter, Carola Dietl)

Umso gespannter bin ich jetzt auf die  Uraufführung ihres Requiems, am 29. Mai 2016, um 20 Uhr, in der Himmelfahrtskirche in München-Sendling.

Vorlage – und zugleich Inspiration –  für „Requiem – Gedenken in Liebe, ein Tango“ war ein Text von Felix Eder, den Michaela Dietl in Worten und Klängen zu einer persönlichen Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des Lebens erweitert hat. Über die sparsam gehaltenen Liedtexte hinaus, setzt Dietl mit dem Klang ihres Akkordeon-­Ensembles ihre Vision des „Stirb und Werde“ um, punktuell ergänzt durch den Lebensatem eines Alphorns (Roswitha Pross), immer dort, wo die Komposition fast unerträglicher Tiefe bedarf, aus der sich wiederum die Gesänge zweier Sopranistinnen emporschwingen (Beatrice Greisinger und Irmengard Zehrer). Das Wissen um die Endlichkeit ihres Lebens verarbeitet Dietl in Tango-Rhythmen, die hier den „kleinen Tod“symbolisieren, als Generalprobe für den „großen Tod“. Dessen Endgültigkeit verkörpert im Finale Tänzerin Viorica Prepelita, mit einem kontrastierenden „Tanz des Lebens“.

GdS:  In der Regel verbindet man ja mit Leuten, die ein Requiem schreiben, die Klassik-Ecke und nicht Künstler_Innen, die aus der kleinen großen  Kleinkunstszene kommen, sag ich jetzt mal … Was würdest Du darauf antworten?

MD: Äh … (überlegt)

GdS: Vielleicht … „Denkt doch nicht immer in Schubladen!“ ..?

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Michaela Dietl fotografiert 2016 von Roswitha Pross

MD:  Ja, das trifft es. Ich hatte dabei immer einen Satz von Schopenhauer, von dem ich vieles nicht mag, aber für den Satz liebe ich ihn – im Kopf. Er hat gesagt: „Welcher Schmerz ist größer? Wenn du es tust oder wenn Du es nicht tust?“ Ich wusste, wenn ich das Requiem komponiere, wird das schmerzlich werden, denn dazu muss ich sehr tief in mir graben, was mir nicht leicht fallen wird, aber wenn ich es nicht tue, dann würde ich auf ewig etwas vermissen; nämlich, dass ich es nicht probiert habe. Dass ich mich, einschließlich meines Akkordeons und allem, was noch daran hängt, der Herausforderung nicht gestellt habe. Denn für mich war das Thema einfach da. Aus. Und zwar sehr privat. Und weil mein Instrument das Akkordeon ist, habe ich das Requiem also auch für dieses Instrument geschrieben.

GdS: Glaubst Du, dass weil Du von der Straßenmusik kommst, in die Komposition mehr Leben hineingeschrieben hast, als Requiem-Komponisten, die dem Elfenbeinturm der klassischen Musik entstammen?

MD: Ich hab mir halt beim Requiem vorgenommen, mich nicht irgendwelchen Erwartungen anzupassen, nach dem Motto: „Das muss jetzt alles sehr großartig sein.“ Mein Kernanliegen war: „Ich möchte die Musik fühlen.“ Daher hab ich auch nicht darauf geachtet, ob es kompliziert werden könnte, sondern überlegt: „Was passt für mich auf dem Akkordeon zum Thema ‚Requiem‘? Was spüre ich?“ Deshalb habe ich auch nicht auf einem Computer komponiert, nicht einmal die einzelnen Stimmen, sondern gleich auf dem Instrument probiert, ob der Klang passt oder nicht und dann einzelne Elemente hinzugefügt. Echt mühsam für die heutige Zeit. Aber ich wollte eben nicht technisch abliefern, einfach sagen: „Das passt dazu, da drücke ich drauf …“ Das kann man ja alles machen und es ist auch praktisch, aber für mich passt diese Arbeitsweise nicht. Für mich muss die Musik unmittelbar spielbar sein, für mich ganz alleine. Das bildet die Grundlage meiner Komposition, auch wenn in Folge mehr an Instrumenten und Gesang dazu kommt.

GdS: Würdest Du sagen, Du lebst Deinen Traum?

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Roswitha Pross bei Proben zu Michaela Dietls „Requiem“, Foto: Stießberger

MD: Dadurch, dass ich Musik mache? Ja, das würde ich schon. Dass sich der Traum aber auch verändert hat, das ist ebenfalls klar. Diese Einsicht gab und gibt mir Halt, auch während der ganzen Anstrengung des Komponierens. Ich wusste, in dem Requiem steckt Musik, die ich schon immer schreiben wollte, und bei der es darum geht, das Publikum anders zu fesseln, und einmal nicht dieser ganze  Unterhaltungs-Zirkus gefordert ist, wo man also auch einmal mit langen Tönen arbeitet … für die oft keine Ruhe vorhanden ist … die ich ganz tief in mir gehört habe.

Gds: Mit „Zirkus“ meinst Du den Bühnenzirkus?

MD: Ja und ich verstehe es auch – wenn ein Fest stattfindet, wenn von Anfang feststeht: „Jetzt muss es wieder a Gaudi werden“, dann geht man da hin und weiß worum es geht. Aber es gibt im Leben auch diese anderen Komponenten, es gibt die Traurigkeit, es gibt die Tränen, und  wenn ich diese Komponenten andauernd abspalten muss, dann drohen sie sich irgendwann zu verselbstständigen. Jetzt, mit dem Requiem, habe ich das Gefühl, dafür einen eigenen Raum geschaffen zu haben und dadurch werden auch alle anderen Facetten klarer, für mich ein sehr reinigender Prozess insgesamt.

GdS: Wenn Du sagst „reinigen“ oder auch „Requiem“, gibt es bei Dir eine Glaubenskomponente, die in die Komposition mit hinein spielt?

Das 16-köpfige Akkordeon-Orchester bei einer "Requiem"-Probe in der Himmelfahrtskirche 2016

Das 16-köpfige Akkordeon-Orchester bei einer „Requiem“-Probe in der Himmelfahrtskirche, im Mai 2016, Foto: Klaus Stießberger

MD: Also, das hat nichts mit Konfession zu tun, sondern wenn ich beispielsweise einen Teil des Requiems als „Demut“ bezeichne, dann handelt es sich einfach um die Demut vor dem Leben und damit auch um die Demut vor dem Tod. Die Blume stirbt … Das gehört halt dazu. Es gibt einen schönen Satz von Woody Allen: „Ich habe keine Angst vor dem Sterben. Ich möchte bloß nicht dabei sein, wenn es passiert.“ Das finde ich super aufgelöst, mit Humor. Es gilt, die Endlichkeit anzunehmen. Mir fällt das nicht leicht. Wenn ich aber in die Natur blicke und mir deren Werdegang anschaue, dann gelingt es mir, mich ein Stück weit wieder in den Fluss hinein zu begeben, in diesen Kreislauf von „Stirb und werde“. Ich gebe zu, dass ich noch vor fünf Jahren anders gedacht habe. Und das ist ja auch eine Art von Sterben, von Vergänglichkeit – die gehört dazu. Was Altes loslassen und was Neues beginnen …


„Requiem – Gedenken in Liebe, ein Tango“, wurde realisiert mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferats der Landeshauptstadt München sowie von Lisl Funder, Kärnten

Die Eintrittskarten (€ 15,-/erm. € 12;-)  für die Uraufführung am Sonntag, 29. Mai 2016, 20 Uhr, in der Himmelfahrtskirche (München-Sendling), sind an der Abendkasse erhältlich. > Wegbeschreibung

Platz-Reservierungen: requiem–gedenken–in–liebe@web.de


Jeder Handgriff ein Gebet“ – Michaela Dietls Requiem aus Sicht ihres Kollegen Jon Michael Winkler 


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„Und ich gehe heute noch“ – Vom Ausstieg ins Leben der Künstlerin Naomi Isaacs

An einem Sonntag Mittag 1984 saß Sekretärin Naomi Isaacs  im Biergarten des Wirtshaus Am Gehrenberg. Sie erinnert sich – sinngemäß: „Ich saß unter Kastanienbäumen und genoss eine Stimmung, die der an schönen Sommertagen glich, mit Vogelgezwitscher und dem Lärmen spielender Kinder, während die Erwachsenen ihren Kaffee tranken. Es war einer dieser seltenen, absolut klaren Tage, an denen man von der Terrasse aus den ganzen Bodensee überblicken konnte.“ Die Weite des Ausblicks inspirierte Naomi zu einer Vision grenzenloser Möglichkeiten: „Wenn ich jetzt aufstehe und anfange zu gehen, einfach so, zu Fuß, dann könnte ich bis an den Bodensee kommen und dann den See mit der Fähre überqueren und weiter gehen, immer weiter, denn wer sollte mich aufhalten können? Im selben Moment ist ein Teil von mir aufgestanden und los gegangen und dieser Teil geht heute noch …“

Das Wirthsaus am Gehrenberg über dem Bodensee, Quelle: Südkurier

Das Wirthsaus am Gehrenberg über dem Bodensee, Quelle: Südkurier

Bereits ein Jahr zuvor hatte es in Naomi zu rumoren begonnen. Anlass war der 40. Geburtstag, der, wie so oft an runden Geburtstagen, eine innerliche Bestandsaufnahme heraufbeschwor. Beim Aufwachen hatte sie überlegt: „Gestern war Dienstag, heute ist Mittwoch – fühl ich mich jetzt anders? Ja,“ entschied sie, „zu alt, um mir mit vierzig noch von jemanden sagen zu lassen, wo es lang geht und viel zu jung zum sterben.

Naomi Isaacs mit ihrem damaligen Mann in den 80er Jahren

Naomi Isaacs mit ihrem damaligen Mann in den 80er Jahren

Seit Jahren trafen sie und ihr damaliger Ehemann sich regelmäßig mit einer Gruppe Freunden zum Essen. Eines Abends stellte Naomi fest, dass sie sich für kein einziges der vielen Gerichte auf der Speisekarte erwärmen konnte. „‚Steak wäre klasse, aber nee, zuviel zum Kauen, Scampi wäre schön, aber der ganze Reis mit Sauce zu viel …‘ Alles, was ich mir auf der Karte anschaute, war  irgendwie nicht so wie ich es haben w0llte. Innerlich ahnte ich, dass es hier um mehr ging, als nicht zu wissen, was ich bestellen wollte. Die Wahrheit war, dass ich keinen Hunger mehr hatte und das auf vielen Ebenen. Ich merkte: ‚Something is rearing its ugly head‘.

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Wer kennt es nicht, dieses leise Unbehagen, das einen im Lauf des Lebens beschleicht und ganz leise aber unentwegt zu fragen scheint: „Na, wo sind sie denn geblieben, die vielen Träume und Pläne, mit denen man sich das Leben bunt pflastern wollte? Wann ist sie verloren gegangen, diese Leichtigkeit mit der man die Gegenwart ausgelebt hast, ohne dabei auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, ob die Zukunft abgesichert genug sei. Wo ist der jugendliche Tatendrang geblieben? So vieles scheint ausgesperrt, hinter einem Riegel, den man seinem Dasein irgendwann unmerklich selbst vorgeschoben hat …

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Naomi beschreibt diesen Vorgang auf der biografischen Seite ihrer Homepage so: „Allmählich  wandelten sich unsere Interessen und wir hörten auf, die Clubs zu besuchen. Ich arbeitete als ‚Tippse‘ in einem großen Konzern. Über die nächsten 15 Jahre und viele Firmen stieg ich auf zur Abteilungssekretärin.

Naomi Susan Isaacs 1987

Naomi Susan Isaacs 1987

Als Naomi 1984 am Gehrenberg beschloss, ihrer Vision Taten folgen zu lassen, hatten sich ihr Mann und sie bereits auseinander gelebt und im Guten getrennt.

Wovor sich Naomi damals am meisten fürchtete, war etwas, das sie als „Hauptbeschäftigung aller alleinstehenden Damen mittleren Alters“ bezeichnet: „Es sich abends daheim gemütlich zu machen“, begleitet von Fragestellungen ohne tieferen Sinn, wie „Was koche ich für mich, welches Deckchen lege ich heute auf? Das wäre für mich, wie langsames Sterben.“

Türkenstraße_Muenchen_Allotria-Jazz-Club_Gerry_Hayes_Naomi_Isaacs_jourfixe-BlogWas also tun, mit den Abenden? Glücklicherweise gab es noch den Allotria-Jazzclub von Gerry Hayes in der Türkenstraße. Naomi war positiv überrascht: „Die Gesichter waren zwar neu, aber die Atmosphäre dort, der Geruch in der Kneipe, nach Bier und Zigaretten, waren noch genau so, wie ich sie von früher kannte. Und der Klang von Jazz fuhr mir wieder voll unter die Haut.“ Der Allotria-Club sollte nicht Naomis einziges Jazzdomizil bleiben …

Um 1990 in der "alten" Untefahrt mit Wirtin Liesl

Um 1990 in der „alten“ Untefahrt mit Wirtin Liesl

Es gab da ja auch noch die Unterfahrt, bis heute einer der international renommiertesten Jazzclubs, „die zu meinem „zweiten Wohnzimmer“ wurde. Ich half in der Küche und an der Kasse, stieg bei den Jamsessions ein …„, so Naomi.

Naomi Isaacs mit Jenny Evans, Jazz-Sängerin, Schauspielerin und damals Chefin des Musik-Lokals "Jenny's Place", Foto um 1990

Naomi Isaacs mit Jenny Evans,  damals Chefin des Musik-Lokals „Jenny’s Place“, Foto um 1990

Dann eröffnete die Jazzsängerin und Schauspielerin Jenny Evans ihre coole Musik-Kneipe „Jenny’s Place“, die bis 3 Uhr offen blieb und für die Nachtreiber unter der Jazz-Klientel gesellte sich schließlich auch noch Wolfi Kornemanns legendäres „Nachtcafé“ hinzu, in dem man bis 6 Uhr früh essen und trinken und die halbe Nacht Jazz-Bands live hören konnte. Nachtcafe_Muenchen_Wolfi_Kornemann_Naomi_Isaacs_Gaby_dos_Santos_jourfixe-BlogDie Jazz-Szene Münchens präsentierte sich also Mitte der 80er Jahre als Segen und Fluch für eine Aussteigerin in Spe wie Naomi. Die Nächte wurden lang, länger, schließlich endlos. „Kurz duschen und gleich in die Firma„, fasst Naomi rückblickend diese Zeit zusammen.“Irgendwann hat mein Chef gesagt: ‚Pass auf Naomi, Du wirst dich bald zwischen Arbeit und Musik entscheiden müssen‘ und meinte das als Drohung.“ Sein Kosmos lag so weit weg von Naomis, dass er nicht im entferntesten damit rechnete, dass sich Naomi von ihrer bürgerlichen Existenz innerlich verabschiedet und auf Münchner Bühnen bereits Blut geleckt hatte …

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Mit Folk-Repertoire in der Liederbühne Robinson, 80er Jahre

Auftritt 1960

Auftritt 1960

In der Liederbühne Robinson hatte sie, im Duo mit Gitarrist Gotte Gottschalk, ihr Repertoire an Folksongs aus Jugendzeiten reaktiviert, „einfach um zu sehen, ob ich auf der Bühne noch was kann.“ Sie konnte – und zwar so überzeugend, dass sie Bernhard Fricke, Chef von „David gegen Goliath“, einige Zeit später zur Gründungsfeier seiner Partei auf die Bühne des Zirkus Krone engagierte.

Als Frickes Anruf kam, saß Naomi noch in ihrem Büro. Als der Politiker ihr eröffnete, wie viel Mühe es ihn gekostet habe, sie zu finden und ob sie Zeit habe, noch am gleichen Abend im Zirkus Krone zu singen, glaubte sie zunächst an einen Scherz. Es war keiner und so trat sie, gemeinsam mit Gitarrist Geoff Goodmann und Bassist Chris Lachotta als Schluss-Act auf: „Nach Werner Schneider und Eisi Gulp und vielen weiteren großen Namen kamen zum Schluss wir und sangen ein paar American Folk-Songs. Fricke ging es darum, dass ich Leute zum Mitsingen animiere.

Innenansicht des Zirkus-Krone-Baus in München

Innenansicht des Zirkus-Krone-Baus in München

Ein kluger Schachzug von Fricke; ich wette, die Stimmung war zum Schluss bombastisch, da Naomi mit so ungefähr jeder Publikums-Situation umzugehen versteht. Selbst habe ich gerne und wiederholt Naomi bei jourfixe-Veranstaltungen in ähnlichen Momenten eingesetzt. Typisch Naomi also auch, sich von einer solchen Location nicht einschüchtern zu lassen. Sie berichtet im Gegenteil über diesen Auftritt als: „… sehr gemütlich, groß aber alles wirkte durch die kreisförmige Anordnung sehr nah. Und danach gings in Jenny’s Place zum Feiern.

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Erste Auftritte als Jazz-Sängerin

Dieser Auftritt wirkte motivierend. In der Bühnenwelt Fuß fassen zu können, schien nicht mehr utopisch und fest stand nunmehr für Naomi auch: „Ich konnte nicht länger im Büro bleiben. Es gab dort nichts neues mehr für mich zu lernen, beziehungsweise, was es zu lernen gegeben hätte, hat mich nicht interessiert. Auch hatte ich inzwischen zuviel Eigenständigkeit entwickelt, um von meinem Chef weiterhin tagtäglich Anweisungen entgegen zu nehmen.“ Ein Eklat stand zu erwarten und stellte sich auch bald darauf ein:

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Naomi Isaacs: Wendepunkt im Leben Ende der 80er Jahre

Wir hatten alle im Büro Postkarten, Zeichnungen und lustige Sprüche an den Wänden hängen; ich hatte mich für einige Cartoons von Mordillo entschieden. Eines Tages kam ich ins Büro und die Hälfte meiner Blätter hat gefehlt. Als ich mich nach deren Verbleib erkundigte, kam mein Chef hinzu. ‚Hast du meine Zeichnungen gesehen?‘- ‚Ja, die hab ich runter genommen, weil ich die nicht mehr sehen konnte.‚“ Naomis Antwort fiel ebenso treffend aus, wie sie ungewöhnlich für eine Sekretärin ihrem Chef gegenüber war: “ ‚Du Werner, Du bist mein Chef, und wenn Du mir sagst ich soll die Bilder runter tun, dann muss ich das. Aber was du getan hast, ist Diebstahl.‘ Er wurde kreidebleich, ging in sein Büro und kam zurück mit ein paar Bildern, die er dort im Papierkorb entsorgt hatte.“ Kurz darauf reichte Naomi ihre längst überfällige Kündigung ein.

Naomis fulminanter Auftritt am 70. Geburtstag in der Unterfahrt

Naomi Isaacs fulminanter Auftritt am 70. Geburtstag in der Unterfahrt, 20. Januar 2013

Ich habe Kraft geschöpft aus der Angst vor dem, was mir blüht, wenn ich es nicht mache, erklärt Naomi Isaacs rückblickend. „Nochmal zwanzig Jahre diesen Mist weitermachen und am Ende ein Strauß Blumen und ein Handshake, man feiert mich flüchtig beim Abschied und danach bin ich abgehakt ..?“ Sie fragte sich, was sie denn tatsächlich mit ihrem weiteren Leben anfangen wollte und formulierte damals für sich: „Eigentlich will ich Sängerin werden.

Um 1990

Um 1990

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Zitat von Anais Nin

„Ich habe mich davor gefürchtet, mich mit 65 im Spiegel anzuschauen und mir selbst sagen zu müssen: ‚Und Du hast es nicht einmal versucht!‘

Diese Angst wog bei Naomi stärker, als das Bedürfnis nach relativer Sicherheit, das viele Menschen vor einer so drastischen Kursänderung in der Mitte ihres Lebens abhält.

Mit der Kündigung zum 1. April 1986 trat Naomi Susan Isaacs mit 43 Jahren ihre Laufbahn als Sängerin an. Im Rückblick schreibt sie auf ihrer Homepage: (…) Ich kündigte  meinen Job als Sekretärin und schenkte mir ein Sabbatjahr, um mich ganz der Musik zu widmen und herauszufinden, ob diese Musikwelt mich haben wollte.“ (…)

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Um 1990

Die Musikszene hieß sie zunächst keineswegs unisono „herzlich willkommen im Club!“ Im Gegenteil. Neuankömmlingen, vor allem bürgerlichen Quereinsteigern/Innen gegenüber mauert die Kunst- und Kulturszene gerne, nach dem Motto: „Da könnte ja jeder kommen!“ Zudem stellt sich die Musikszene bis heute häufig als eine Art Macho-County dar. Und nun erschien da aus dem Nichts diese Frau Anfang 40, die künstlerisch noch wenig vorzuweisen hatte, außer dem unbedingten Wunsch, in die Münchner Jazz-Szene einzusteigen. Ausgerechnet! Dazu muss man wissen, dass  durch die swingende Szene unserer Stadt eine sprichwörtliche „Jazz-Polizei“ patrouilliert, die meint, ihre Auffassung darüber, wie sich der Jazz zu präsentieren habe, behüten zu müssen wie einen heiligen Gral. Eine Naomi passte da nicht unbedingt jedem ins Schema.

Darüber hinaus sei allen Anwärterinnen und Anwärtern auf einen Einstieg in das Bohème-Leben versichert:

Naomi auf einer Feier in den 90er Jahren

Naomi auf einer Feier in den 90er Jahren

Bei aller Farbigkeit geht es hier tatsächlich so brotlos zu, wie immer kolportiert wird. Naomi berichtet selbst offen darüber, dass sie einige Zeit lang buchstäblich „aus der Tonne gelebt“ habe. Sie schildert es ohne Selbstmitleid, zu recht, denn dafür sollte besser kein Platz sein, wenn es einen in diese Art von Leben zieht. Naomi setzte aber auch sehr schnell Weichen für den Aufwärtstrend:

90er Jahre: Daheim beim Gesangsunterricht

90er Jahre: Daheim beim Gesangsunterricht

Sie suchte sich Untermieter und sie begann, Gesang zu unterrichten. Beinahe aus dem Stand machte sich Naomi als Gesangslehrerin einen Namen in der Szene und auch mit ihrer Gesangskarriere ging es aufwärts. Sie schreibt auf der biografischen Seite ihrer Homepage:

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Als Coach bei einem Workshop um 1990

Am Ende des ersten Jahres hatte ich eine Italientournee absolviert und eine kleine Schar von Schülern um mich gesammelt. Durch sie entdeckte ich meine Leidenschaft für das Unterrichten. Während der folgenden Jahre besuchte ich kontinuierlich Jazzworkshops im In- und Ausland und ergänzte meine Musikkenntnisse mit Workshops und Ausbildungen in Kinesiologie, Familienstellen nach Bert Hellinger, NLP (Neurolinguistisches Programmieren), ESP und vieles mehr. 

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Naomi Isaacs coached Sängerin Andrea Pancur, längst selbst eine etablierte Größe der interantionalen Klezmerszene, hier bei Dreharbeiten zur BR-Reihe „Lebenslinien“

1990 gründete ich das New Vocal Center, ein Zentrum für Unterricht und Workshops „mit, um und für die Stimme“. Neben dem Unterricht organisierte ich Workshops und durfte einige berühmte Jazz- und Bluessänger willkommen heißen. Es kamen Mark Murphy, Jay Clayton, Theo Bleckmann, Angela Brown und viele mehr, die das Leben des New Vocal Center bereichert haben. Bald nahm meine eigene Reisetätigkeit solche Ausmaße an, dass ich 1998 das New Vocal Center ruhen lassen musste, um mich auf meine eigene Karriere zu konzentrieren.

bio_Naomi_Susan_Isaacs_jourfixe-Blog_Gaby_dos_SantosNaomis Sabbatjahr von 1987 dauert bis heute an. Inzwischen hat die Münchner Kulturszene längst „Ja“ zu Naomi gesagt. Aber der Weg dahin war steinig und nur begehbar für jemanden mit der Konsequenz, Ausdauer und unkonventionellen Lebenshaltung, die Naomi charakterisieren. Sie hält selbst auf ihrer Homepage fest: „Das Musikerleben kann auch manchmal etwas einsam sein und die Reiserei ist nicht immer so glamourös, wie ihr Ruf. Ich habe auf dem Boden in kalten, feuchten Speichern geschlafen, ohne eine richtige Waschgelegenheit, meilenweit entfernt von einer Tasse Kaffee oder einem Stück Brot. Ich musste mir anhören, dass Künstler „einfache Behausungen“ bevorzugen, weil sie sich in einem richtigen Hotel deplatziert fühlen würden. Ich habe im Auto auf öffentlichen Parkplätzen geschlafen und Hoteleinrichtungen gesucht, um mich morgens zu waschen … Andererseits wurde ich eingeladen, privat zu wohnen und habe enorme Gastfreundschaft und Großzügigkeit erlebt – und dabei ein paar Freunde fürs Leben gefunden.“

Längst etabliert und hochangesehen: Naomi Isaacs Ende der 90er Jahre

Längst etabliert und hochangesehen: Naomi Isaacs Ende der 90er Jahre

Ende der 90er Jahre hatte sich Naomi endgültig in der Münchner Künstlerszene etabliert und zeitgleich mit mir die Idee, ein Künstlertreff zu eröffnen. Während ich mit dem Jour Fixe im Nachtcafé begann, startete sie ihren Kultursalon im Café des Theater Drehleier. Zwar unterschieden sich unsere Veranstaltungen konzeptionell deutlich: Ich präsentierte kleine Show-Blöcke, Naomi eine Talkshow und beide waren wir gut besucht. Auf Grund der Prominenz des Nachtcafé lag ich, was die Medienresonnanz anbelangte, im Vorteil. Aaaaber: Von der persönlichen Akzeptanz her punktete eindeutig Naomi, so dass sich zu ihrem einjährigen Jubiläum das „who-is-who“ der Künstlerszene einfand, allen voran die Kabarett-Größe Helmut Ruge. Auch der damalige Kulturreferent, spätere Kulturstaatsminister und Philosophie-Professor Julian Nida-Rümelin fand sich unter den Jubiläumsgästen, ganz privat und unübersehbar turtelnd mit seiner zukünftigen Frau, der Autorin Natalie Weidenfeld. Und am Klavier sass kein geringerer als der Grand-Seigneur des Jazz-Pianos, Joe Kienemann!

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Naomi Isaacs, ca. 2001, Bildcollage: Gaby dos Santos

Dieser Abend entwickelte sich zu dem, was ich mir immer erträumt, jedoch in diesem Ausmaß nie ganz erreicht hatte, allen meinen Anstrengungen zum Trotz oder vielleicht gerade deshalb: Ein rauschendes Bohème-Fest!

Eigentlich gehört Neid nicht zu meinen Schwächen, mit ganz wenigen Ausnahmen und diese Jubiläumsveranstaltung war eine solche! Noch am nächsten Mittag spürte ich das böse Stechen akuten Neids im Bauch! Eigentlich sass ich gemütlich auf der Terasse im Nachtcafé und verspeiste ein gutes Stück Rostbeaf aus der Nobelküche, während Star-Trompeter Dusko Goykovich seine täglichen Musikübungen im Lokal absolvierte. Mir hätte wirklich froh zumute sein können, doch der fiese Neid bohrte und bohrte in mir. Irgendwann hatte ich genug von diesem unrühmlichen Zustand, rief Naomi an und gratulierte ihr – und zwar ehrlich!

Naomi und ich 2014, Foto: Aniela Adams

Naomi und ich 2014, Foto: Aniela Adams

Danach ging es mir besser, und ich war wieder in der Lage, meine im Nachtcafé gesammelten Lorbeeren zu zählen, statt einer Kollegin die ihren zu missgönnen! Ich beschloss, mich fortan in die Riege der Naomi-Fans einzureihen und so meine Magenschleimhäute zu schonen. Ein guter Entschluss, denn mit den Jahren ist Naomi mir eine meiner wenigen vertrauten Menschen und neuerdings auch Haidhausener Nachbarin geworden. Ich liebe es, mit ihr in der Küche plaudernd und philosophierend die Zeit zu vergessen. Zudem gehört Naomi seit Jahren zum kleinen, eingeschworenen Kreis der Vereinsmitglieder des jourfixe-muenchen e. V. und ist mir mehr als einmal mit Rat und Tat helfend beiseite gestanden. Darüber hinaus hat sie mich vor einigen Jahren, auf einem ihrer Workshops, nachhaltig von meinem bis dato fürchterlichen und von allen Teamkollegen gefürchteten Lampenfieber befreit … oooo

Naomi Susan Isaacs Nachtcafé Blues[1]

Ich wechsele ich gerne öfter mal die Pferde,“ sagt Naomi heute noch und überrascht uns, ihre Fans, Freunde und Weggefährten immer wieder neu. So schenkte sie sich und uns zu ihrem 70. Geburtstag Postkarte aus Bali – ein Kinderbuch für Erwachsene“.

Das Buch kostet € 39,- und ist erhältlich bei „Buch in der Au“ und „Kunst- und Textwerk GmbH“, Lesecafé

Die Entstehungsgeschichte des Buches ist typisch für Naomi: Projekten Raum lassen, sich zu entwickeln und der Entwicklung schrittweise folgen. „Ich hatte nie wirklich vor, ein Buch zu schreiben. Es ergab sich ‚Kapitel für Kapitel‘ aus meinem Leben und meinen Begegnungen.“ Ursprünglich sollte sie für ihren musikalischen Partner Christopher Varner das Konzept für ein Musikprojekt mit Kindern schreiben. Zwölf Kinder, zwölf Begegnungen, zwölf Abenteuer – Wie sie ihre Stärken entdecken, an sich glauben lernen und ihren Weg im Leben finden“,  so der Klappentext des Buches, haben sich aus der Kernidee entwickelt, zusammengefasst in einem hinreißend von Samar Ertsey illustrierten Märchenbuch , das sie sowohl auf der Frankfurter wie auch auf der Leipziger Buchmesse vorstellte.

Naomi Isaacs 2014 auf der Frankfurter Buchmesse, wo sie ihr Buch "Postkarte aus Bali" präsentierte

2014 auf der Frankfurter Buchmesse, wo sie ihr Buch „Postkarte aus Bali“ präsentierte

Seit Naomis Abgang aus dem „Acht-bis-siebzehn-Uhr-Alltag“ sind nunmehr fast dreißig Jahre vergangen, in denen Naomi ihre Entscheidung nie bereut hat. „Das Leben ist ein einziges Abenteuer„, befindet sie. „Ich bin dankbar für alles, was ich bisher lernen, erfahren und weitergeben durfte.

1995 Scapeland, Trio für freie Jazz-Improvisationen, mit Erik Z. Eriksson und Georg Janker - Comeback 2015!

1995 SCAPELANDS ( freie Improvisation) mit Erik Z. Eriksson,  Georg Janker Comeback im Herbst 2015!

“ Unter ihrem Namen sind bislang 5 CD’s erschienen; Workshops und Konzerte führen sie in die ganze Welt, zuletzt wieder einmal in die USA sowie nach Fernost. Hinter diesem scheinbar so beneidenswerten Lebensstil verbergen sich jedoch eine Menge Pragmatismus und Disziplin. So hat die berühmte „Tonne“ nicht nur einige Jahre Naomi ernährt, sondern auch die Rente mitfinanziert, die ihr heute finanzielle Unabhängigkeit bietet; eine Errungenschaft, die  Naomi aber nicht in ihrem Tatendrang bremst.

 

Naomi Isaacs gibt einen Workshop

Naomi Isaacs gibt einen Workshop

 An ihrem Geburtstag Anfang 2018 wurde ein neues Projekt aus der Taufe gehoben,
das Institute of Charismology, dessen Gründungsmitglied und Initiatorin sie ist.
 
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Naomi_Isaacs_Portrait_jourfixe-BlogMehr zu Naomi Isaacs und ihre aktuellen Termine findet sich auf ihrer Homepage, die unter Naomis Leitsatz „Celebrating People“ steht: naomisusanisaacs.com

R.HH.Biswurm, in APPLAUS„… keine andere Sängerin, die zum Umfeld der sogenannten Münchner Szene zu rechnen ist, verspritzt derartig viel Individualität, wie es Naomi Isaacs vermag.“

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Naomi_Isaacs_jourfixe-Blog_Shop

Naomi Isaacs entdeckt in Zürich einen Shop gleichen Namens …

Die Hannoversche Zeitung schreibt:

 „Eine Sängerin von entwaffnender Ehrlichkeit und Authentizität, die die Zuhörer in ihren Bann zieht. Nicht nur eine Grundstimmung durchzieht den Abend, es sind so viele, sie könnten ein ganzes Leben füllen …“

Das Titelfoto von Naomi Isaacs stammt von Werner Bauer

Link zur Übersicht aller jourfixe-Blogbeiträge

Standard
Lange Nacht der Musik 2014, Artist Studio München, jourfixe-Collage Kein Applaus für Podmanitzki, Gaby dos Santos, Peter Lang
Allgemein

Vierzehnundeine Lange Nacht kultureller Vielfalt und Toleranz – Nachlese, Bilder, O-Töne und Links

Alljährlich präsentieren sich während einer Langen Nacht – der Musik oder Museen – gleichberechtigt große Kulturtempel neben kirchlichen Einrichtungen, Musikkneipen und sonstigen ausgefallenen Orten, Subkultur neben Hochkultur, „E“(rnste) Kunst und „U“(nterhaltung) – Tür an Tür! Dieser integrative Ansatz ist ein Glücksfall für die Münchner Szene, in der sich so manche Seilschaft als elitär empfindet und weniger etablierten KollegInnen stutenbissigst die eine oder andere Tür zu versperren sucht.

Bayerisches Staatsballett, Glockenbachwerkstatt, Lange Nacht der Musik, jourfixeBlog

Kulturelle Bandbreite bei der Langen Nacht der Musik: links: Glockenbachwerkstatt, rechts Bayerisches Staatsballett

"Die Theatermaske verdrückt eine Träne" - Bildmotiv des jourfixe-muenchen e. V.

Bild: Gaby dos Santos

Dagegen verdeutlicht jede Lange Nacht eindrucksvoll, dass sich die Kulturszene einer Stadt erst über die Summe ihrer unterschiedlichsten künstlerischen Aktivitäten definiert.  Beweis dafür ist die enorme Bandbreite an künstlerischen Angeboten und Spielstätten sowie die ebenso große Bandbreite an Publikum.

O-Ton Verena Thiel, seit 2004 Projektleiterin der Langen Nacht der Musik: Persönliches Fazit >>>

Organisiert werden diese Großveranstaltungen seit nunmehr 15 Jahren vom überschaubaren Team der Münchner Kultur GmbH. Ihr Konzept, anfangs von vielen Seiten noch mit Skepsis bedacht, hat sich inzwischen zu einer festen Einrichtung in der Münchner Kultur-Agenda entwickelt – und zwar nach wie vor als private Initiative! Link zum O-Ton Ralf Gabriel Die Lange Nacht ist eine private Initiative >>>

Dass die Lange Nacht für alle Mitwirkenden auf Augenhöhe ausgelegt ist, zeigt sich bereits bei der vorangehenden Pressekonferenz: Auf dem Podium präsentiert Geschäftsführer Ralf Gabriel sowohl KooperationspartnerInnen kleinerer oder neuer Locations, z.B. 2014 das Musiklokal Pigalle, wie auch VertreterInnen großer Häuser, wie Gasteig. Auch für den allgemeinen Kulturbetrieb maßgebliche Institutionen finden hier eine Plattform, z. B. 2014 erstmals die ZAV, früher bekannt unter der Bezeichnung „Künstlerdienst“, der Agentur für Arbeit München und Gastgeberin der diesjährigen Pressekonferenz.

ZAV, Künstlerdienst München, Agentur für Arbeit München

Das ZAV (Künstlerdienst München) präsentierte ein Spektrum seiner KünstlerInnen

Künstler-Fachvermittlung mit 50 Jahren Marktpräsenz:

http://www.arbeitsagentur.de/web/content/DE/service/Ueberuns/WeitereDienststellen/ZentraleAuslandsundFachvermittlung/Ueberuns/Kuenstlervermittlung/Detail/index.htm?dfContentId=L6019022DSTBAI526087

Christina Stürmer, BMW Welt

Christina Stürmer zum Auftakt der Musiknacht bei der BMW-Welt, Foto: O. Rayermann

DIE OFFENHEIT DER KULTUR-GMBH GEGENÜBER ALLEN KULTURELLEN STRÖMUNGEN entspringt einer seit 15 Jahren unveränderten Grundmotivation Ralf Gabriels: Kulturelle Hemmschwellen und  Vorurteile abbauen, Besucher auch für verstecktere Seiten des Münchner Kulturlebens öffnen und andererseits einen Star wie Christina Stürmer, Auftaktsakt 2014, einer breiten Menge zugänglich machen. Dazu ein weiterer O-Ton von Ralf Gabriel >>> Anekdote

Einige kritische Äußerungen wiederholen sich mit jeder Langen Nacht: Oft beklagen Musiker und kleinere Locations die geringe Beteiligung am Ticket-Erlös. Hierbei muss aber bitte bedacht werden, dass die Kultur-GmbH, als privater Veranstalter, auch alle Risiken und erhebliche Kosten selbst trägt, wie GEMA , Shuttlebusse, Werbekosten, etc.

Als Mitwirkende Erster Stunde bzw. seit der ersten Musiknacht im Jahr 2000, kann ich nur davor abraten, eine Mitwirkung an der Langen Nacht als Einnahme-Quelle einzuplanen. Die Veranstaltungen sind vielmehr eine 1a)-PR-Plattform aufzufassen, gerade auch für kulturelle Nischen und/oder ausgefallene Beiträge, wie z. B. unsere jourfixe-Collagen sowie für (noch) unbekannte Locations. Für den jourfixe-muenchen e. V. haben sich aus der Präsenz bei der Langen Nacht einige der wichtigsten Kontakte, Engagements und Produktionsaufträge ergeben.

Daher bemühe ich mich bei jeder Teilnahme, die Chancen zu nutzen, welche uns die breite Öffentlichkeit dieser Veranstaltung bietet; vor allem den jeweiligen  jourfixe-Beitrag durch eine möglichst ausgefeilte Gestaltung im Programmheft zu profilieren, welches in einer Auflage von ca. 100.000 Exemplaren Verbreitung findet. Wer von uns aus der Freien Szene kann sich normalerweise Werbemaßnahmen in diesem Umfang leisten? Und bei der Veranstaltung selbst, ein gutes Show-Programm vorausgesetzt, mit stetigem Zuschauer-Aufkommen rechnen?

O-Ton Ralf Gabriel: Die Lange Nacht als PR-Plattform 

Elina Goto, Alter Südlicher Friedhof München, Lange Nacht der Musik 2013

Elina Goto friert bei der Musiknacht 2013 auf dem Alten Südfriedhof, Foto: Robert Dreher

Bei der Langen Nacht der Musik 2014 trotzten unerwartet viele ZuschauerInnen der Kälte und dem Regen, um eine öffentliche Probe zur jourfixe-Collage auf dem Alten Südlichen Friedhof Open Air zu erleben! Und in diesem Jahr erfreuten sich sowohl das Artist Studio, als auch wir eines permanenten Zuschauerstroms zu unserer multimedialen Collage „Kein Applaus für Podmanitzki“, mit Livemusik von Peter Lang! Obgleich der doppelbödige und eher kulturkritisch angelegte Unterton der Produktion sicher nicht zum Schenkelklopfen nach einem Fußball-Sieg einlud. Aber, wie gesagt, das Publikum der Langen Nacht setzt sich so unterschiedlich zusammen, dass jede Art Programm auch seine Zuschauer findet.

Artist Studio im Künstlerhaus, Peter Lang, Kishon, Kein Applaus für Podmanitzki, jourfixe-Collage

Peter Lang, Inhaber des Artist Studio und Multi-Instrumentalist in Aktion bei der Musiknacht 2014

Werner Bauer Foto, Kein Applaus für Podmanitzki, Martin Wichmann

Wichmann alias Podmanitzki, Foto: W. Bauer

Einen aufregenden Abend lang konnten wir also stetig wechselndem Publikum die Figur unseres Alter Egos „Jarden Podmanitzki „vorstellen. Mit dieser Collage „aus der nicht immer schönen Welt der Schönen Künste“ wollten wir unseren Künstler-Kollegen, wie auch uns selbst, eine Hommage zum jourfixe-Jubiläumsjahr bieten. Denn: Kishons Podmanitzki ist einer von uns – der „berühmteste aller unbekannten, mittelmäßig erfolgreichen Künstler„. Für uns war es daher eine Herzensangelenheit, diesen Alias aller KünstlerInnen, ganz nah an den Zuschauern, in einem historischen Münchner Künstler-Gewölbe aufleben zu lassen. Vor einem Publikum, das sich uns gezielt aus der breiten Programm-Palette ausgesucht hatte, bereit, sich auf unseren speziellen Humor einzulassen – und zugleich unsere Wirklichkeit ein wenig besser kennen zu lernen. So dokumentiert die Collage u.a. realistisch, unter welchen Umständen und mit wie viel Herzblut in der Freien Theaterszene Kunst entsteht, dabei immer an den Grenzen technischer  Möglichkeiten stoßend und meist an der breiteren Öffentlichkeit vorbei – außer eben bei der Langen Nacht!

Werner Bauer Photography, Kishon, jourfixeCollage

Foto-Collage nach einer Idee von Fotograf Werner Bauer

Link zur Website mit Video/O-Ton Martin Wichmann in einer Doppelrolle als Kunstkritiker Kunstetter und Theaterleiter Spitz, mit Fotos von Werner Bauer; Adaption nach Kishons Episode „Wie Du mir, so ich Dir!“

http://www.jourfixe-muenchen-ev.de/dhtml/jfkatalog/Zwei_aus_der_Kunstszene.html

Es geht in unserer Kishon-Adaption ebenso wie im Alltag vieler Kunstschaffender um das Überleben durch Tingeltangel und um das Bewahren von wenigstens etwas Würde gegenüber einem Kultur-Establishment, dass einen  nicht gelten lassen will. Und es geht um große Träume, die längst begraben sind. – Oder vielleicht doch nicht ganz?

Als ich mich um Mitternacht auf den Heimweg machte, pulsierte die Stadt noch immer, auf diese spezielle Art, welche die Atmosphäre der Langen Nächte auszeichnet. Eine deutsche Stadt zu fortgeschrittener Stunde noch immer in  Bewegung und zwar Generationen übergreifend  – Shuttle-Busse, Sonder-Tram – Eine lebendige Stimmung, die mich an meine Jugend in südlichen Ländern erinnert. Ein wenig Lago Maggiore, ein Hauch von Rio, etwas lärmendes Athen … Und künstlerisch spürte ich, trotz aller Erschöpfung wieder jenen Elan, der mich den Satz aus dem jüdischen Volkslied „Soll Seyn“ nachempfinden lässt, mit dem ich, auf uns Künstler gemünzt, die Kishon-Collage beende:

Zitat_jourfixeCollage_Musiknacht_jourfixeBlog

Dafür danke ich dem Team der Münchner Kultur GmbH und wünsche ihm, ebenso wie meinen KollegInnen und mir noch viele erfolgreiche Lange Nächte künstlerischer Teilhabe!

Weitere Links:

O-Ton von Ralf Gabriel zu den Anfängen der Langen Nächte in München >>>

Werner Bauer fotografiert bei einer Veranstaltung im Artist Studio

Werner Bauer in Aktion im Artist Studio

Die Linse von Fotograf Werner Bauer richtet sich nicht nur in unserer Bild/Klang-Collage fest auf die Welt der berühmten oder auch erfolgreichen unbekannten Künstler >>>

http://www.bauerwerner.com/portraits/artists/artists.html

 

Peter Lang Inhaber Artist Studio im Münchner Künstlerhaus

Das Artist Studio von Peter Lang ist eine eigenständige Firma im UG des Münchner Künstlerhauses

Nicht nur zur Langen Nacht geben sich im Artist Studio Künstler unterschiedlichster Couleur und unterschiedlichsten Bekanntheitsgrad die Klinke in die Hand >>>

http://www.artist-studio.de/gaestefotos/

Fotos zu den diversen Programmen der Langen Nacht der Musik 2014 mit freundlicher Genehmigung von Verena Thiel/Münchner Kultur Gmbh

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