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„Am Anfang war der Auftakt“ – Kurzportrait des russischen Komponisten Vladimir Genin zum Jubiläumskonzerts am Sonntag, 15.4.2018, um 20 Uhr, im Münchner Gasteig

„Etwas über meine Musik zu sagen, fällt mir schwer. Eigentlich braucht nur solche Musik eine Beschreibung, die selbst nicht genug aussagekräftig ist. Wir leben in einer Zeit der „konzeptionellen“ Kunst: Das bedeutet, dass ein Kunstwerk aus eigener Kraft nicht viel bewirken kann; es ist ohne eine verwickelte, ausgeklügelte und pseudophilosophische Deutung kaum lebensfähig. Ein auffallender Titel, Erklärungen des Autors oder eines Kunstwissenschaftlers – das sind all die Krücken, auf denen sich ein Werk heutzutage zum Publikum schleppt. (…)“

Vladimir Genin am Piano; Foto: Homepage/Gallery

Mit dieser Betrachtung empfängt der russische Komponist Vladimir Genin die Besucher seiner Homepage und lässt dabei sogleich ahnen, dass man es hier, im allerbesten Sinne, mit einer eher komplexen Persönlichkeit zu tun hat, die unter anderem Genins langjährige Freundschaft mit dem bedeutenden russischen Komponisten Georgi Sviridov  begründete.

In einem Interview im Dezember 2015 schilderte er seinem Kollegen Jon Michael Winkler, in einem Interview für den jourfixe-Blog, wie es dazu kam.

Gespräch über Georgi Swiridow und das Wesen der Musikwelt an sich: Jon Michael Winkler, musikalischer Leiter der Kulturplattform jourifxe-muenchen mit Komponist Vladimir Genin (re.) im Artist Studio München, Dezember 2015

Der Musikprofessor Genins (…) „hatte mir damals die Aufgabe erteilt, ein Werk von Swiridow zu analysieren. Ich war zunächst nicht begeistert davon, aber als ich daran arbeitete, erkannte ich die Tiefe und Kunstfertigkeit seiner Musik und dementsprechend motiviert schrieb ich darüber. Ich wusste ja nicht, dass mein Professor die Arbeit an Swiridow zum Lesen weiterleiten würde. Darauf folgte eine Einladung an mich auf seine Datscha in der Nähe von Moskau, wo viele bekannte russische Künstler und Wissenschaftler lebten. Auf der einstündigen Autofahrt schärfte mir mein Professor ein, Swiridow ja nicht zu widersprechen und auf keinen Fall mit ihm zu diskutieren, denn er wusste, wie aufbrausend und stur Swiridow sein konnte.

Vladimir Genin, 1989, Zeitungsfoto, USA

JMW: Und haben Sie sich daran gehalten?

VG: Nein, das konnte ich nicht! Als er über einen Zeitungsartikel sprach, war ich anderer Meinung und eröffnete mit der, spätestens seit der öffentlichen Verdammung Dr. Schiwagos , in Russland eigentlich fatalen Floskel: „Also, ich habe das zwar nicht gelesen, aber…“. Schon war die Diskussion in vollem Gang.  (…)

JMW: Da hatten sich wohl zwei Feuerköpfe getroffen! Das passt auch sehr gut zu dem Brief den Swiridow Ihnen nach Ihrer ersten Begegnung schrieb:Ich bin dem Schicksal sehr dankbar für die Gelegenheit, durch die Begegnung mit Ihnen das intensive Leben der neuen Generation empfinden zu dürfen. Behalten Sie dieses Feuer– das wertvollste auf der Welt, weil das Leben ohne es verlischt, verfault… Ich habe viel in meinem Leben gesehen und lernte dieses Feuer zu schätzen.“ (…)

Vladimir Genin wurde am 31. März 1958 in Moskau in eine russische Künstlerdynastie hinein geboren. Beide Eltern waren Musiker,  sein Vater Michail Genin erlangte zudem später als Schriftsteller große Bekanntheit. Genins Großvater wiederum, der Maler Jossif Spinel, wirkte in 60 Filmen als Bühnenbildner mit, darunter in den Klassikern Iwan der Schreckliche und Alexander Newski von Sergej Eisenstein.  Seine breit angelegte Ausbildung erhielt Genin am Moskauer Staatlichen Tschaikowski Konservatorium.

Vladimir Genin am Piano; Foto: Homepage/Gallery

Seine Studien- und erste Schaffenszeit in der damaligen Sowjetunion gestaltete sich für den jungen Freigeist nicht einfach, doch ein Ventil fand sich:  „Kultur war für uns kein Luxus, sondern ein Mittel, das uns half, dort, wo kein offener Protest möglich war, Mensch zu bleiben. „ erläuterte Vladimir Genin Jon Michael Winkler im Interview von 2015. Dennoch empfand Genin das kulturpolitische Klima in Russland auf Dauer als wenig befriedigend. Bereits seit 1997 lebt und arbeitet er inzwischen als Komponist, Pianist und Musikpädagoge in München.

LP-Cover: The Plaint Of-Andrei Bogolubsky – Great Prince Of Vladimir – komponiert von Vladimir Genin

Seine Werke wurden von Sinfonieorchestern, zahlreichen Kammerensembles und Chören in Europa, Russland und in den USA aufgeführt sowie auf internationalen Festivals u.a. in Moskau, Lviv und Belgrad, erschienen auf CDs und wurden von mehreren Verlagen in Deutschland und Russland veröffentlicht.

Zeitnah zum runden Geburtstag Vladimir Genins steht ein großes Jubiläumskonzert im Münchner Kulturzentrum Gasteig an,

Sonntag, den 15. April 2018, im Kleinen Konzertsaal 

Ein hochkarätiges Ensemble > The Menuhin Academy Soloists  (Switzerland) > Sybille Diethelm (Sopran), Guido Schiefen (Cello), Olga Domnina (Piano) sowie Violinist Valeriy Sokolov (mit einer veritablen Stradivari von 1703!), spielt Werke von Genin:

Sinfonietta für Streicher (im Auftrag von Kammerphilharmonie dacapo München, 2010)
“Les Fleurs du Mal“ Lieder aus dem Vokalzyklus nach Ch. Baudelaire für Sopran, Cello und Klavier (2013)
“Sieben Melodien für das Zifferblatt“ Fragmente vom Klavierzyklus (2011)
Pietà – Uraufführung Kammerkonzert für Violine und Streicher (im Auftrag von Valeriy Sokolov, 2016)

Restkarten über München Ticket

Gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München, mit freundlicher Unterstützung von Ries & Erler Musikverlag Berlin

 „Ich hoffe, dass sich die Menschen ohne Deutungen direkt von meiner Musik angesprochen fühlen.“  (Vladimir Genin)

Mehr zu Vladimir Genin auf   WIKIPEDIA          Zur HOMEPAGE von Vladimir Genin


„Der Ewigkeit verpflichtet“ – Der russische Komponist Georgi Swiridow (1915 – 1998) aus Sicht seines Freunds und Kollegen Vladimir Genin; Interview vom Dezember 2015


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„Der Mensch – das klingt stolz“ – Zum 150. Geburtstag des Dichters Maxim Gorki eine Spurensuche in Vorfeld einer Veranstaltungsreihe des russischen Kulturzentrums MIR am 21. und 23. März 2018 im Münchner Gasteig

Der Mensch – das klingt stolz“ äußert einer, dessen Künstlername „Maxim Gorki,  eigentlich „der Bittere“ bedeutet und das mit gutem Grund: Geboren wurde er als Alexei Maximowitsch Peschkow, irgendwann zwischen dem 16. und 28. März 1868, in Nishni Nowgorod, in die Familie eines armen Tischlers hinein. Dass aus diesem Jungen einmal einer der wichtigsten literarischen Chronisten Russlands werden würde, in der wechselvollen Zeit des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, war ihm sicher nicht in die Wiege gelegt. Ebenso wenig, dass er mit dem „Who is who“ der russischen Literaten und Künstler seiner Zeit sowie mit den führenden Köpfen der Oktoberrevolution und der  jungen Sowjetunion auf Augenhöhe verkehren würde.

Noch heute erinnert in Tiflis eine Gedenktafel an den großen Dichter Maxim Gorki, der hier 1892 seine erste Erzählung „Makar Tschudra  verfasste; Bildquelle

Zum Tod Lenins (1924) schrieb dessen Lebensgefährtin Nadeschda Krupskaja im Mai 1930 an Gorki: „Vor meinem Auge sehe ich Iljitschs [Lenins] Gesicht, wie er zuhörte und zum Fenster hinaus in weite Fernen schaute – er zog das Fazit seines Lebens und dachte dabei an Sie.“

Theoretisches Magazin der KI, das zeit ihres Bestehens in den Sprachen der Mitgliedsparteien veröffentlicht wurde

Was Lenin auf dem Totenbett hören will, ist der Artikel, den ihm Gorki zum 50. Geburtstag gewidmet hat, und der im April 1920 im Magazin der Kommunistischen Internationale (Komintern) veröffentlicht wird. Der Dichter beschreibt darin den Kopf der Oktoberrevolution als einen „Romantiker und Idealisten“, der eine Menschheit beglücken wolle. „Das Bild dieses Mannes, der auf unserem Planeten nach Belieben den Hebel der Geschichte bedient, erschreckt mich. Denn Lenin ist nicht der Mann, dem die Geschichte die furchtbare Aufgabe anvertraut hat, diesen bunten, schlecht gebauten Ameisenhaufen umzupflügen, den die Welt „Russland“ nennt. Für ihn ist Russland nur das Ausgangsmaterial eines weltweit vorangetriebenen Experiments.“ Das klingt nach Demontage eines Idols, das Augenmaß und Rücksichten seiner Verstiegenheit opfert. Tatsächlich ist Gorki überzeugt, die Bolschewiki seien im Irrtum, wenn sie die Revolution in einem Land vorantreiben wollten, dessen Bauern lieber Bürger sein und satt werden wollten. Auf ihr revolutionäres Talent zu hoffen, sei vergeblich. „Ich habe das immer den Wahnsinn der Tapferen genannt. Unter diesen Tapferen ist Lenin weit vorn und wohl der Verrückteste.“ [Quelle: Lutz Herden/Der Freitag]

Obgleich sich Gorki gegenüber den Bolschewiki seine eigene Meinung bewahrte, blieb das Image als oberlehrerhafter „proletarischer“ Schriftsteller an ihm hängen. Das liegt daran, dass die Sowjets seine späteren Werke für ihre Ideologie vereinnahmten. Der Slawist Armin Knigge schreibt in seinem Blog „Mein Gorki – Erfahrungen mit einem Forschungsgegenstand“: „(…) Das Gorki-Bild der westdeutschen Slavistik war bis in die 60-er Jahre weitgehend vom Kalten Krieg geprägt. Gorki, der Vater des sozialistischen Realismus, gehörte der sowjetischen Propaganda (einschließlich ihrer Filialen in der DDR und den Ländern des Ostblocks), und dort wollte man ihn auch lassen, denn er war – so die vorherrschende Meinung – einfach ein schlechter Schriftsteller. (…) Sich anders mit Gorki zu beschäftigen, etwa so wie mit Dostojewski oder Tolstoi, konnte eigentlich nur auf Sympathien für linke politische Positionen oder auf mangelnden literarischen Geschmack hindeuten. (…)“

Doch für mich entdecke ich Maxim Gorki immer mehr als aufmerksam kritischen Zeugen seiner Zeit, die er literarisch intensiv begleitet hat, mit den Konsequenzen, die er persönlich aus seinem Leben und seinen Erfahrungen gezogen hat.

Unter entsprechend prekären Verhältnissen wuchs der kleine Alexei  auf, in einer Zeit, in der das Elend der Massen in Russland zu einem wichtigen Thema der literarischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung geworden war. (Wikipedia)

Grassierende Armut an der Schwelle zum 20. Jahrhundert

Bereits seine erste Erzählung „Makar Tschudra (1892), unterzeichnete er mit dem Pseudonym „Maxim Gorki“. Zur Zeit seiner ersten Publikation arbeitete er  in Tiflis, in der Werkstatt der Transkaukasischen Eisenbahn. Damals lagen bereits ein Selbstmordversuch (1887) sowie harte Jahre  hinter ihm, während denen er sich mit unterschiedlichsten (Gelegenheits)Jobs über Wasser gehalten hatte.

Maxim Gorki um 1889

Laut Wikipedia  arbeitete er zunächst als Lumpensammler, dann unter anderem als Laufjunge, Küchenjunge, Vogelhändler, Verkäufer, Ikonenmaler, Schiffsentlader, Bäckergeselle, Maurer, Nachtwächter, Eisenbahner und Rechtsanwaltsgehilfe, ehe er von seiner literarischen Tätigkeit leben konnte. Nebenbei eignete er sich auf autodidaktischem Weg ein umfangreiches Wissen an. 1889 geriet Gorki erstmals wegen seiner Kontakte zu politischen Rebellen ins Visier der zaristischen Polizei. 1895 gelang ihm mit der Erzählung „Tschelkasch“ der Durchbruch, einer sozialkritischen Auseiandersetzung mit den prekären Verhältnissen, unter denen die Unterschicht im Russland des ausgehenden 19. Jahrhunderts zu überleben suchte.

An diesen Erfolg knüpften dann die 1898 veröffentlichten Skizzen und Erzählungen an. 1901 verfasste er nach einer Studentendemonstration in Sankt Petersburg, die durch das brutale Eingreifen der Polizei in einem Massaker endete, das Lied vom Sturmvogel.

„Das Lied vom Sturmvogel“ – Kult hinter dem Eisernen Vorhang –

„Над седой равниной моря ветер тучи собирает. Между тучами и морем гордо реет Буревестник, черной молнии подобный.“

„Anders als Gorkis spätere, realistische Werke oder Dramen, spricht das Lied vom Sturmvogel in bildhaften Gleichnissen,“ schreibt in ihrem Artikel, „Stolzer Vogel-Sturmverkünder,Marianne Walz und greift Zeilen der werkgetreuen deutschen Übersetzung von Bertolt Brecht auf:

 „Ob der grauen Meeresebene / Treibt der Wind Gewölk zusammen. / Zwischen Wolkenzug und Wasser / Schießt der Vogel Sturmverkünder / Einem schwarzen Blitz vergleichbar. (…) „Finsterer und niedrer / Senken sich aufs Meer die Wolken / Und die Wasser steigen singend / Um dem Donner zu begegnen.“ (…) „Denn er [der Sturmvogel] hörte in des Donners Grollen / Lange schon mit scharfem Ohr Erschöpfung. / Denn er weiß, es kann die Wolke niemals / Niemals, niemals eine Sonne decken.“ Das ganze Gedicht unter www.offenesbuch.com

Lew Nikolajewitsch Tolstoi und Maxim Gorki um 1900

Der Erfolg seiner Theaterstücke Die Kleinbürger (1901) und Nachtasyl (1902) steigerten Gorkis Renommee als Literat noch. Beim Regime hingegen kam er auf Grund seines politischen Engagements weniger gut an, und er sah sich diversen Repressalien ausgesetzt: Beispielsweise erhielt er „Schlafverbot“, was einem  Übernachtungsverbot in Städten gleichkam. Im Kollegenkreis hingegen erfreute er sich einer breiten Untersützung. Während einer Reise auf die Krim, wohin er wegen seiner Regime kritischen Haltung verwiesen wurde, bereiteten ihm seine Freunde und Verehrer – unter ihnen illustre Namen wie Fjodor Schaljapin und Iwan Bunin – in Podolsk einen triumphalen Empfang. (Wikipedia)

Auch das Vorhaben von  Zar Nikolaus II., Gorki die Ehrenmitgliedschaft in der Akademie der Wissenschaften zu entziehen, scheiterte am Einspruch so gewichtiger Kollegen wie Anton Tschechow und Wladimir Korolenko. Sein öffentlicher Protest gegen das Massaker von Zivilisten am  „Petersburger Blutsonntag“ brachte Gorki 1905  vorübergehende Haft in der Peter-und-Pauls-Festung ein, die er nutzte, um sein Drama Kinder der Sonne zu verfassen. Nachdem die internationale Presse einen Sturm der Entrüstung entfesselt hatte, ließ man den rebellischen Schriftsteller wieder frei.

Maxim Gorki um 1906 in den USA, wo er seinen Roman Die Mutter, schrieb

Doch als sich das politische Klima erneut verschäfte, begab Gorki sich ins Ausland, erst nach Frankreich, dann in die USA. Dort schrieb er in einem Landhaus in den Adirondacks-Bergen u. a. den Roman Die Mutter, den ihm Lenin später immer wieder als positives Beispiel seiner Literatur vorhielt, und der als wegweisender, erster Roman des Sozialistischen Realismus gilt. Der 1906/1907 erschienene Roman handelt vom revolutionären Kampf eines jungen Arbeiters  und von der daraus erwachsenden proletarischen  Bewusstseinsbildung seiner Mutter. Das Werk wurde in der Sowjetunion zum Klassiker und zwanzig Jahre später, unter demselben Titel von Wsewolod Pudowkin Pudowkin  verfilmt. Bertolt Brecht verfasste im Rahmen seiner „Lehrstücke“ eine Bühnenbearbeitung, die 1932 uraufgeführt wurde.

Da auf Grund seiner politischen Agitationen eine Rückkehr ins zaristische Russland für Gorki unmöglich geworden war, ließ er sich von 1907 bis 1913 auf der Insel Capri nieder. Sein Haus auf Capri wurde alsbald zum Treffpunkt vieler russischer Intellektueller (z. B. den russischen Schriftsteller Nowikow-Priboj) nach der gescheiterten Revolution von 1905.

Mehr als nur ein Schachspiel: Maxim Gorki – Mitte – beobachtet die politischen Rivalen Bogdanow (li) und Lenin auf Capri

1908 kommt es in der Villa Casa Rosa, die Gorki als Herberge umfunktioniert hat, zu einem mehr als nur symbolischen Schachspiel zwischen Alexander Bogdanow und Wladimir Iljitsch Lenin. Beides Anwärter auf die Führerschaft innerhalb der Bolschewiki. Gorki verhehlt nicht seine Sympathien zu Bogdanow, dem undogmatischen Freidenker innerhalb der Partei, und gerät so in die Schusslinie der Dogmatiker. Ein Jahr später gründen Gorki und Bogdanow eine eigene Schule auf Capri, um Arbeiter für Führungspositionen in der Partei zu qualifizieren. Ein Ort freien undogmatischen Denkens soll die Schule sein. [Quelle: Tagesschau24/Prisma]

Eigenwilliger Denker in allen Lebenslagen …

Ein weiterer Disput mit Lenin entwickelte sich in Bezug auf den Glauben: Gorki, für den die Religion immer eine wichtige Rolle gespielt hat, schloss sich den Theorien der Gotterbauer  um Alexander Bogdanow an, die Lenin als „Abweichung vom Marxismus“ verurteilte. Der Konflikt entspann sich vor allem um Gorkis Schrift „Eine Beichte“ (1908), in der er versuchte, Christentum und Marxismus zu versöhnen.

Eine Amnestie anlässlich des dreihundertjährigen Jubiläums des Hauses Romanow im Jahr 1913 ermöglichte Gorki, wieder nach Russland zurückzukehren. Nicht für immer.

1918 wurde die Zeitschrift Nowaja Shisn (Neues Leben) – nun Gorkis Plattform, in der er gegen Lenins Prawda polemisierte und Lynchjustiz und das Gift der Macht brandmarkte – verboten.  Als eine alte Tuberkolose-Erkrankung wieder aufflammte, legte man ihm einen Kuraufenthalt im Ausland nahe. Es folgten weitere Jahre des Exils, die Gorki hauptsächlich in Italien verbrachte. Nach Lenins Tod die Wende:

Am 22. Oktober 1927 beschloss die Kommunistische Akademie in einer Festsitzung anlässlich von Gorkis 35-jährigem Autorenjubiläum, ihn als proletarischen Schriftsteller anzuerkennen. Als Gorki bald darauf nach Sowjetrussland zurückkehrte, wurden ihm alle möglichen Ehrungen zuteil: Gorki bekam den Leninorden und wurde Mitglied des Zentralkomitees der KPdSU. Sein sechzigster Geburtstag wurde im ganzen Land feierlich begangen, zahlreiche Institutionen, u. a. das Moskauer Künstlertheater und das Moskauer Literaturinstitut, wurden nach ihm benannt. Seine Geburtsstadt Nischni Nowgorod wurde 1932 in „Gorki“ umbenannt.

1930 gründete er die Zeitschrift SowjetunionIn zahlreichen literaturwissenschaftlichen Werken der Zeit hob man jene Elemente seines Schaffens hervor, die in den Kanon des Sozialistischen Realismus passten, andere verschwieg man. 

1929: Maxim Gorki (4.v.re.), eingerahmt von Funktionären der Geheimpolizei, besichtigt das „Solowezki-Lager zur besonderen Verwendung“ (SLON)

In diesen letzten Lebensjahren bezeichnete Gorki selbst seine frühere Skepsis der Oktoberrevolution gegenüber als Irrtum, worauf ihn der Westen als Stalins Vorzeigeschriftsteller einstufte. Bei aller berechtigten Kritik, kann ich doch nachvollziehen – und möchte nicht urteilen – dass ein getriebener Geist vermutlich im Alter endlich einmal ankommen wollte. Und zwar in seiner Heimat, auch wenn aus dieser jetzt die Sowjetunion geworden war …

Klaus Mann, der 1934 an einem Kongress der Sowjet-Schriftsteller in Moskau teilgenommen hatte, berichtete von einer Einladung in Gorkis Haus:

Der Dichter, der die extreme Armut, das düsterste Elend gekannt und geschildert hatte, residierte in fürstlichem Luxus; die Damen seiner Familie empfingen uns in Pariser Toiletten; das Mahl an seinem Tisch war von asiatischer Üppigkeit. […] Dann gab es sehr viel Wodka und Kaviar.

Am 18. Juni 1936 starb Gorki, seine Urne wurde an der Kremlmauer in Moskau beigesetzt.  Über Jahrzehnte kursierten zahlreiche Spekulationen um seinen Tod. Der Schriftsteller Gustaw Herling-Grudziński stellte die unterschiedlichen Versionen 1954 im Essay Die sieben Tode des Maxim Gorki zusammen. Inzwischen geht man von einem natürlichen Tod aus.

Nach dem Zerfall von Sowjetunion und Eisernem Vorhang war Gorki auch nicht mehr in Russland und den kommunistischen „Bruderländern“ angesagt und befindet sich seitdem in einer Art historisch-literarischen Dornröschenschlaf. Sein 150. Geburtstag bietet einen guten Anlass, diesen aussergewöhnlichen Menschen, Mann und Literaten neu zu erwecken, der uns bis heute mit Sicherheit noch so einges zu sagen hat:

In der Rückschau auf ihr langes Leben klagt „Die alte Isergil“, in der gleichnamigen Erzählung von 1895: „...ich sehe, daß die Menschen nicht leben, sondern sich immer nur anpassen… und darüber geht das ganze Leben hin.“ … Spannend wird es werden, die Worte und Werke eines Literaten neu zu endecken, dessen wechselvolles Leben an einer historisch bedeutsamen Schnittstelle lag …

Die Chance dazu bietet  sich den Münchnerinnen und Münchnern, am Mittwoch, 21. und Freitag, 23.3. durch  MIRZentrum für russische Kultur in München im Carl-Amery-Saal, Gasteig

 

Idee und künstlerische Leitung: Tatjana Lukina
Veranstalter: MIR e.V., Zentrum russischer Kultur in München
Mit freundlicher Unterstützung der Münchner Stadtbibliothek und dem Fond „Russkij mir“, RF.
Programm als PDF-Download
Kartenvorbestellung bei MIR e.V. / Предварительный заказ: 089/ 351 69 87 oder an allen VVK-Stellen sowie Abendkasse Gasteig


Bisherige jourfixe-Blogbeiträge über MIR-Veranstaltungen

25 Jahre MIR
Zentrum für russische Kultur in München
Der Ewigkeit verpflichtet
Komponist Georgi Swiridow
skizziert von Komponist Vladimir Genin in einem Zeitzeugengespräch mit Jon Michael Winkler
Komponist Alexander Skrjabin, Hommage zum 100. Todesjahr

Kern meiner vorliegenden Kurz-Collage zu Maxim Gorki ist ein Portrait auf  Wikipedia und, wenn keine andere Quellenangabe vorliegt, durch Kursivschrift gekennzeichnet.


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„Der Ewigkeit verpflichtet“ – Der russische Komponist Georgi Swiridow (1915 – 1998)

Ein Zeitzeugengespräch mit dem Komponisten Vladimir Genin, geführt und niedergeschrieben sowie durch Hörbeispiele ergänzt von Jon Michael Winkler, musikalischer Leiter der Kulturplattform jourfixe-muenchen Redaktion und Text-Gestaltung: Gaby dos Santos

Tatjana_Lukina_MIR_Leiterin_mit_Arthur_Galiandin

Anmoderation der Swiridow-Gala: Tatjana Lukina, Arthur_Galiandin

„Georgi Swiridow? Nie gehört ..!“ Mit dieser Wissenslücke steht man hier in Deutschland alles andere als alleine da. Auch mir ging es kürzlich so! Auf Einladung von Tatjana Lukina, Gründerin und Präsidentin des russischen Kulturzentrums in München MIR, saß ich mit meiner Kollegin und Freundin Gaby dos Santos im Carl-Orff-Saal des Münchner Gasteigs. Gebannt lauschten wir den Werken, die auf der Gala zu Ehren des 100. Geburtstags von Swiridow geboten wurden, ein Künstler, der mir bis dato vollkommen unbekannt gewesen war.

Die Ränge und Reihen waren zum großen Teil von Russisch sprechenden ZuhörerInnen besetzt, was die außerordentliche Popularität des Komponisten in seiner Heimat unterstrich.

Die Büste Swiridows vor seinem Grab auf dem Nowodewitschi Friedhof

Die Büste Swiridows vor seinem Grab

Dort gilt er als ein ganz Großer; anlässlich seines Todes bezeichnete Russlands damaliger Ministerpräsident Viktor Tschernomyrdin ihn als „wahren russischen Musiker“  …  Und die zu Gehör gebrachten Werke schlossen in der Tat bei mir eine Bildungslücke: Ich erlebte Swiridow als einen großartigen Komponisten, der auch hierzulande einen größeren Bekanntheitsgrad verdient hätte! Auffällig war dabei seine stilistische Bandbreite:

Shostakovich-Briefmarke, Russland 2000

Shostakovich-Briefmarke Russland 2000

Der Einfluss seines wenige Jahre älteren Lehrers Dimitri Schostakowitsch (z.B. 1940 in seiner Kammersymphonie ), von dem sich Swiridow aber bald löste, um sich der Quelle der russischen Musik zuzuwenden, dem Volkslied sowie – in seiner letzten Schaffensperiode – der geistlichen Chormusik der russisch-orthodoxen Tradition. Dieser Zuwendung verdankt seine Musik die eingängige Melodik, die ihm von der „modernistischen“ Seite als „Anpassung“ zum Vorwurf gemacht wurde. Seine russischen Hörer aber haben es ihm gedankt und seine Musik begleitete sie mitunter bis in den Alltag hinein: Sobald sie die Nachrichten einschalteten, erklangen zur Einleitung – und passend zur sowjetischen Selbstdarstellung der Epoche – die packend-treibenden Klänge seiner Ouvertüre „Zeit, vorwärts!“, die auch zur Namensgeberin dieses abwechslungsreichen und liebevoll gestalteten Gala-Konzerts wurde.

Vladimir Genin spielt am Flügel eine Swiridow gewidmete Eigenkomposition, begleitet von hilipp von Morgen, Carl-Orff-Saal, 31.11.2015

Vladimir Genin spielt am Flügel eine Swiridow gewidmete eigene Komposition, begleitet von Philipp von Morgen, Carl-Orff-Saal, 31.11.2015

Einen besonderen Höhepunkt stellte für uns dabei ein Wortbeitrag dar. Mit federndem Schritt hatte der auf Anhieb sympathisch und agil wirkende Komponist Vladimir Genin die Bühne betreten und trug mit wachen, lachenden Augen, die durch seine Brille hervorblitzten, Ausschnitte aus zwei Briefen vor, die Georgi Swiridow an ihn geschrieben hatte. Gaby und ich waren sofort elektrisiert und tief berührt von deren Inhalt. Wir wollten mehr erfahren und entschlossen uns spontan, Genin zu einem Gespräch ins Artist Studio München, unserem Lieblingsort für solche Begegnungen, einzuladen.

Gespräch über Georgi Swiridow und das Wesen der Musikwelt an sich: Jon Michael Winkler, musikalischer Leiter der Kulturplattform jourifxe-muenchen mit Komponist Vladimir Genin (re.) im Artist Studio, Dez. 2015

Gespräch über Georgi Swiridow und das Wesen der Musikwelt an sich: Jon Michael Winkler, musikalischer Leiter der Kulturplattform jourifxe-muenchen mit Komponist Vladimir Genin (re.) im Artist Studio München, Dezember 2015

Jon Michael Winkler (JMW):  Ich muss gestehen, dass ich zum Zeitpunkt der Gala nicht einmal Swiridows Namen kannte, obwohl ich von jeher die Musik russischer Komponisten liebe. Und mit dieser Unkenntnis stehe ich hierzulande sicher nicht alleine da. In russischen Kreisen hingegen genießt er offensichtlich eine sehr hohe Wertschätzung, ja immense Beliebtheit. Wie erklären Sie sich diese Diskrepanz zwischen West und Ost?

Vladimir Genin (VG): Wissen Sie, zu Zeiten des Eisernen Vorhangs wehte der Wind immer von Westen nach Osten. So haben wir in Russland immer die Bücher gelesen und die Filme angeschaut, die im Westen berühmt wurden. Umgekehrt aber gelangte wenig von der russischen Kultur in den Westen. Viele der dort entstanden großen Werke wurden im Westen kaum wahrgenommen und nicht richtig eingeschätzt. Daran hat sich bis heute eigentlich nicht viel geändert. Der wichtigere Grund im Fall Georgi Swiridows dürfte allerdings sein, dass er als zu „offiziös“ abgestempelt wurde und dass er zudem für einen modernen Komponisten als „zu traditionell“ galt. Beim Volk beliebt und zugleich Tonschöpfer ernster zeitgenössischer Musik zu sein, ist – oder scheint zumindest – unvereinbar.

Jon_Michael_Winkler_musikal_Ltg_Kulturplattform_jourfixe-muenchen_Swiridow_Artist_Studio_Dezember_2015_jourfixe-Blog_Portrait3JMW: Das gilt auch für Komponisten in Deutschland. Die Kriterien für „ernste Musik“ des Wertungsausschusses bei der GEMA lauten, vereinfacht gesagt: Ein im heutigen Sinn „ernstes“ Werk darf keine sangbare Melodik aufweisen, keinen durchgehenden Rhythmus und keine harmonischen Zusammenklänge. Außerdem muss die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Aufführung nach der Uraufführung äußerst gering ausfallen, eine Wahrscheinlichkeit, die nach den ersten drei Kriterien natürlich sehr hoch ist…

VG: (lacht): Ja, das trifft zu! Selbst Carl Orffs „Carmina Burana“ fällt unter die Rubrik „Unterhaltungsmusik“, wenn sie z.B. bei den beliebten Konzerten am Odeonsplatz gespielt wird…

JMW: Und Mozart könnte seine Werke heute nicht mehr als E-Musik anmelden… Aber Spaß beiseite!…

Hat die Diskrepanz hinsichtlich des Bekanntheitsgrades Swiridows in Russland und hierzulande möglicherweise auch politische Hintergründe? Im Klima des „Kalten Krieges“ wurde hier ja misstrauisch beäugt, wer nicht als Dissident oder „Opfer des Systems“ galt, sondern erfolgreich seiner Berufung nachging und darüber hinaus offizielle Ämter bekleidete, wie Swiridow – Als Vorstandsmitglied des Komponistenverbandes der UdSSR und Erster Sekretär der Komponistenunion der Russischen Föderation – konnte er im Westen leicht für einen linientreuen Genossen oder zumindest opportunistischen Mitläufer gehalten werden.

VG: Das ist bei Swiridow allerdings ein komplexes Thema. Er war sicher kein Mitläufer der Partei, ja nicht einmal Parteimitglied, aber er bekleidete von ihr verliehene, hohe Ämter, wie die von Ihnen genannten. Und sicher trat er für ein starkes Russland ein, wie auch sein Umgang mit patriotischen, als „dubios“ gewerteten Künstlern zeigt.

Autor Walentin Rasputin1976

Autor Walentin Rasputin 1976

Er war z.B. befreundet mit dem Schriftsteller Walentin Rasputin , der in seiner Anfangszeit gewiss ein großer Schriftsteller war, der schonungslos über das harte, ja grausame Leben der Bauern auf dem Land schrieb, später aber immer nationalistischere Töne anschlug, bis er schließlich ganz verstummte. Zu dieser Zeit freundete sich Swiridow mit ihm an, doch konnte ich nicht offen mit ihm über diesen Umgang streiten. Dazu war seine Stellung zu hoch und der Altersunterschied zu groß. Ich hätte ihn auch nicht vom Gegenteil überzeugen können…

JMW: Könnte man denn sagen, dass es sich bei Swiridow um einen „romantisch verklärten“ Patriotismus handelte, der auch vielen Komponisten des 19. Jahrhunderts eigen war, als die sogenannten „Nationalstile“ in Westeuropa wie in Russland aufkamen? Die Berliner Zeitung schrieb anlässlich seines Todes ja, dass Teile Swiridows Musik „mächtig“ seien, weshalb sich die sonst einander feindlich gesonnenen Kräfte der Gesellschaft an seinem Sarg vereinten. Ist seine Musik also Klang gewordene Heimatliebe?

VG: Es war viel mehr als Heimatliebe! – Swiridow hat geweint über Russland, über das, was daraus geworden war. Das hat er zwar nicht öffentlich gesagt, aber man kann das aus vielen seiner  Werke heraushören:

Der russische Dichter Sergej Jessenin

Dichter Sergej Jessenin

In Vertonungen von Texten des unter Stalin verbotenen Dichters Sergej Jessenin oder das „Poem zum Gedenken an Sergej Jessenin“ (1956), über die Auslöschung des bäuerlichen Lebens nach der Revolution oder von Gedichten Alexander Blocks, die zwar keinen expliziten Protest darstellen, aber als Lieder so dramatisch sind, dass sie mit dem „sozialistischen Realismus“ eigentlich nicht vereinbar sind.

Es gibt außerdem eine kleine Kantate Es schneit (1965) nach Texten des vom Regime kritisch beäugten Boris Pasternak, in der ein Kinderchor ein berühmtes philosophisches Gedicht vorträgt. Der durch diesen Kunstgriff entstehende, surrealistisch anmutende Effekt verstärkt die an sich selbst gerichteten Worte und wird so zur Aufforderung an jeden Künstler:

     „…Versäum nicht, ruh nicht, Dichter!
Und halt dem Schlafe stand,
Der Ewigkeit verpflichtet,
Und von der Zeit gebannt.“

Doch damit nicht genug! Zuvor erklingt ein in der Sowjetunion wegen seines Inhalts NIE veröffentlichtes Gedicht Pasternaks, das Swiridow wohl aus einer ausländischen Ausgabe hatte, in dem es um das Leid und den qualvollen Tod der Insassen in Stalins Lagern geht. Dass es sich um diese Lager handelt, wird zwar nicht explizit gesagt, aber aus dem Kontext heraus ist es eindeutig:

Душа – Seele:

Swiridow vertonte das Gedicht von Boris Pasternak "Seele"

Georgi Swiridow – Foto – vertonte u. a. das Gedicht „Seele“ von Boris Pasternak

VG: Es ist völlig unglaublich, dass dieses Werk veröffentlicht, aufgeführt und auf Schallplatte gepresst wurde!

JMW: Das passt gar nicht zu der teilweisen Darstellung Swiridows als opportunistischen Mitläufer, wie sie 1998 als Nachruf im SPIEGEL veröffentlicht worden war und aufgrund dessen Sie bei Ihrem Auftritt in Gasteig mit leidenschaftlicher Schärfe eine Gegendarstellung vortrugen. Wie man allein am Beispiel dieser Kantate sehen kann, hat Swiridow angesichts des sowjetischen Machtapparats eine Menge gewagt! – Und die Partei hat wirklich nichts dagegen unternommen?…

G. Swiridow

Komponist Georgi Swiridow

VG: Nein, gar nichts! Und es bleibt auch ein Rätsel, wie er damit durchgekommen ist. Das sogenannte „Tauwetter“ („Ottepel“) unter Nikita Chruschtschow war mit dessen Sturz 1964 schon wieder vorbei gewesen. War es wegen seiner übrigen Verdienste – denn niemand anderes entsprach dem Bild des „Volkskomponisten“ besser als er – die ihn zu einer sakrosanten Person gemacht haben? Hat man ihm diese Vertonung quasi als „Ausrutscher“ stillschweigend verziehen? Oder lag es schlicht und einfach am Unverständnis oder der Schlamperei der Zensoren, die nicht verstanden hatten, worum es in diesem Text wirklich ging? Diese Frage wird sich vermutlich nicht mehr mit Sicherheit klären lassen …

Aber auch in seinem Pathetischen Oratorium über die Oktoberrevolution, nach Texten von Wladimir Majakowski, das als Auftragswerk unmittelbar nach dem tragischen Verlust seines Sohnes entstand, gibt es eine kaum verhüllte Provokation. Der emotional berührendste Part als Höhepunkt des Werks ist nicht das Gespräch mit dem Genossen Lenin, sondern der bewegende Abschied auf immer, den ein General der Weißen Armee, also ein Gegner der Revolution, von seiner geliebten Heimat Russland nimmt. Ich fragte ihn einmal, ob er das absichtlich so gestaltet hätte und er bejahte. Außerdem vertraute er mir an, dass er die Revolution als ein „sich Berauschen von Wahnsinnigen“ empfunden habe. So muss man diese suggestive und mitreißende Musik hören!…“

Jon Michael Winkler

Jon Michael Winkler

JMW: Ja, ein wahrhaft pathetisches Klanggemälde der historischen Ereignisse! Und durch meinen Aufenthalt in Polen vor 30 Jahren und meinen Erfahrungen mit dem kulturellen Leben und dem unglaublich aufmerksamen Publikum dort bin ich überzeugt, dass die Zuhörer in der ehemaligen Sowjetunion solche Zwischentöne auch hörten und verstanden. Musik, Literatur und Kunst waren im Ostblock mehr als ein dekoratives Beiwerk. Sie waren so unverzichtbar wie das tägliche Brot: Nahrung für die Seele eben!

Vladimir Genin

Vladimir Genin

VG: Ja, Kultur war für uns kein Luxus, sondern ein Mittel, das uns half, dort, wo kein offener Protest möglich war, Mensch zu bleiben. Und so hatte Jurij, wie ihn seine Freunde nannten, trotz unterschwelliger Ablehnung gegen die „Apparatschiks“ doch die hohen Ämter in den Komponistenverbänden angenommen, wohl in der Hoffnung die Situation in seinem Umfeld verbessern zu können.  Doch war das nicht wirklich seine Welt. Weder war er ein Funktionär noch ein Organisator. Swiridow wollte sich seiner Musik widmen und das aus ganzem Herzen. In einem seiner Briefe an mich schrieb er später (1983) von der „Generation unserer „Wunderknaben“, die inzwischen aufgewachsen, geschäftig und aggressiv geworden seien, doch keine geistige Kraft besäßen und diese durch fades Handwerk ersetzen würden. „In den Werken dieser Epigonen, die sich wahrscheinlich gerade in unserem Lande die entscheidenden Positionen gekrallt haben, spürt man überall einen Mangel an Geist…“, so Swiridow. Aus diesen Worten kann man entnehmen, dass die vielfache Behauptung, er sei gegen die Avantgarde gewesen und hätte sie unterdrückt, nicht wahr ist, denn er spricht in seinem Brief ja ausdrücklich von „Epigonen“…

JMW: Das alles passt auch ganz und gar nicht zum Vorwurf in dem bereits erwähnten SPIEGEL-Artikel, laut dem ihn der Komponist Edison Denissow jener „Mafia“ zurechnete, deren Angehörige nur für sich, für höhere Honorare und ihre eigene Popularität gearbeitet hätten. Dieser Behauptung bin ich nachgegangen und fand heraus, dass sich Denissow wohl auf einen Vorfall bezog, mit dem Swiridow gar nichts zu tun hatte, weil er zu der Zeit schon nicht mehr dem Vorstand angehörte.

Tichon Chrennikow (1913-2007)

Tichon Chrennikow (1913-2007)

Vielmehr hatte 1979 ein anderes Vorstandsmitglied, Generalsekretär Tichon Chrennikow  eigenmächtig sieben KomponistInnen scharf wegen „avantgardistischer Tendenzen“ kritisiert, unter anderem jenen Denissow sowie die später in die BRD emigrierten Sofia Gubaidulina und Viktor Suslin . Ein weiterer Komponist dieser Gruppe, Dimitri Smirnov, sprach gar von einer „schwarzen Liste“, die zu einer Unterbindung der Aufführungen ihrer Werke geführt hätte, doch belegt eine musikhistorische Untersuchung, dass die Rede Chrennikovs keineswegs zu einem Konzertboykott geführt hat. Alle sieben Komponisten wurden bei Konzerten in der Sowjetunion weiterhin aufgeführt. Die Bezeichnung „Chrennikows Sieben“ wurde eher im Westen genutzt, um zu Zeiten des kalten Krieges die „Interpretationshoheit über die sowjetische Kunst“ zu erlangen und Konzerte und Notenausgaben zu bewerben.

Komponist und Swiridow-Freund Vladimir Genin

Komponist und Swiridow-Freund Vladimir Genin

VG: Diese Komponisten wurden aber tatsächlich unterdrückt! Ihre Werke wurden nur sehr selten aufgeführt, wenn überhaupt und dann nicht in Moskau. Außerdem bekamen sie keine Kompositionsaufträge vom Kultusministerium. Ein fantastischer Komponist, Andrej Wolkonski , wurde aus dem Komponistenverband ausgeschlossen. Alfred Schnittke musste sich jahrelang von seinen Arbeiten für Kino und Theater über Wasser halten. Ich erinnere mich an ein vom Moskauer Komponistenverband veranstaltetes Konzert, bei dem – nach einer kurzfristigen Entscheidung – überraschenderweise Werke von Schnittke gespielt wurden. Der Publikumsandrang war so groß, dass die Eingangstüren aus den Angeln gerissen wurden. Swiridow hat mir gegenüber immer sein großes Interesse an Schnittkes Arbeit bekundet – und ich habe nie erlebt, dass er schlecht über ihn oder einen anderen Avantgardisten gesprochen hätte.

JMW: Schnittke, der übrigens im selben Jahr wie Swiridow starb, war ja im Westen hoch angesehen.

Ñîâåòñêèé êîìïîçèòîð Àëüôðåä Øíèòêå çà ðîÿëåì.

Alfred Schnittke, russischer Komponist 1937 – 1998

VG: Aber, natürlich! Er war schließlich offen gegen das Regime und wurde von ihm unterdrückt, weshalb er 1990 auch nach Hamburg auswanderte. Er entsprach im Westen damit dem Bild des „guten“ weil verfolgten Sowjetkünstlers; Swiridow, aufgrund seines Erfolgs und seiner hohen Ämter, entsprach hingegen dem des „bösen“. Dieses Bild stimmt aber einfach nicht.

JMW: Dieses Bild muss dringend korrigiert werden! Selbst ein ansonsten so seriöses Nachrichtenmagazin wie der SPIEGEL hat Swiridow zu Unrecht, wie wir Ihrer Darstellung entnehmen können,  als „angepassten Komponisten“ deklassiert, der dem „amtlich verordneten Wohlklang“ als „parteigenehmen Reglement“ folgte und als „Sohn eines Postbeamten“ aus Kursk sich mit seinem Schaffen deshalb niemals im Westen habe durchsetzen können. – Ich glaube, dass solche Verzerrungen dazu beigetragen haben, dass wir in Deutschland – und im Westen allgemein – so wenig über Swiridows Leben und Werk wissen.

VG: Ja, aber auch der Neid und die Intrigen der russischen Kollegen im Moskauer Komponistenverband haben da eine große Rolle gespielt, und ich vermute, dass hinter diesem Artikel,  angesichts seiner Schreibweise, auch ein Kollege von damals stecken könnte. – Ich selbst habe das am eigenen Leib erlebt, als mich Swiridow bei der Organisation eines Chorfestivals zu seiner rechten Hand ernannte, da er für solche Aufgaben völlig ungeeignet war. Dabei verfügte er im Komponistenverband bereits über einen offiziellen Assistenten, der zudem der Sohn des stellvertretenden sowjetischen Kultusministers war. Das führte zu vielen Irritationen und Eifersucht bei den Kollegen, die sich wunderten, wie ich als junger Mann zu solch einer Stellung gekommen war. Selbst solche, die ich für Freunde hielt, begannen Unwahrheiten über mich zu verbreiten.

Theater_Wladimir_Andrej_Bogolubsky_Vladimir_Genin_Swiridow_jourfixe-BlogRichtig schlimm wurde es, als ich ein Auftragswerk der Stadt Wladimir, das Mysterienspiel Die Klage um Andrei Bogolubsky (1987) schrieb. Es entstand am Vorabend von Glasnost und Perestroika zur 1000-Jahrfeier des Bekenntnisses Russlands zum Christentum und es war zu der Zeit völlig offen, ob das Jubiläum staatlich gefeiert und damit das Verbot der Aufführung „religiöser“ Werke aufgehoben würde. Doch das geschah tatsächlich! Und mein Stück wurde ein großer Erfolg – allein in Wladimir wurde es 60 Mal gespielt, bei der Firma „Melodia“ in einer Auflage von 20 000 Stück auf Schallplatte gepresst – eine für die damaligen Verhältnisse große Zahl.

Plakat der USA-Tournee von 1989

Plakat der USA-Tournee von 1989

Sogar eine Amerikatournee von Seattle bis San Francisco fand 1989 mit diesem Werk statt. Besonders die auf Chorwerke spezialisierten Kollegen neideten mir das ungemein und sprachen hinter vorgehaltener Hand von „Fehlern“ in meinem Werk, aber keiner sagte mir offen seine Meinung. Sogar in den Sitzungsprotokollen des Moskauer Komponistenverbands wurden Aussagen über mich festgehalten, die nicht den Tatsachen entsprachen. Sollte ich das weiter aushalten, um mir alle paar Jahre bei einem vom Verband veranstalteten Konzert den Applaus auf der Bühne abholen zu können? Nein, ab 1991 entschied ich, mich nur noch so oft wie nötig beim Komponistenverband sehen zu lassen, was selten geschah und in der Folge auch zum allmählichen „Einschlafen“ meiner Freundschaft mit Swiridow führte.

JMW: Mit der Ernennung zu seiner rechten Hand für das Chorfestival hatte er Ihnen also einen Bärendienst erwiesen…. Hat er andere junge Komponisten oder auch Sie auf andere Weise gefördert?

Vladimir Genin, 1989, Zeitungsfoto, USA

Vladimir Genin, 1989, Zeitungsfoto, USA

VG: Nein, er hat sich zwar für die „neue“ Generation interessiert – und für ihn war ich deren Verkörperung – er hat aber weder mich, noch jemand anderen im herkömmlichen Sinn „gefördert“. Er hat lediglich viel mit mir gesprochen, sah meine Partituren durch, hörte sich Aufnahmen an, für die er mir meistens Lob aussprach. Er ging dabei nicht so sehr ins Detail, der Gesamteindruck war ihm das Wichtigste. – Einmal hatte auch ich Gelegenheit den großen Kollegen zu unterstützen. Seine Augenkrankheit, eine Lichtempfindlichkeit, wegen der er getönte Brillen trug, hatte sich verschlechtert, darum bat er mich ihm zu helfen und nach seinen Anweisungen seine Kantate „Kursker Lieder“ für eine kleinere Besetzung umzuschreiben. Bei dieser Arbeit lernte ich seine Denkweise noch viel besser kennen.

JMW: Wie kam es eigentlich zu Ihrer Bekanntschaft?

VG: Durch meinen damaligen Professor im Musikstudium. Er hatte mir damals die Aufgabe erteilt, ein Werk von Swiridow zu analysieren. Ich war zunächst nicht begeistert davon, aber als ich daran arbeitete, erkannte ich die Tiefe und Kunstfertigkeit seiner Musik und dementsprechend motiviert schrieb ich darüber. Ich wusste ja nicht, dass mein Professor die Arbeit an Swiridow zum Lesen weiterleiten würde. Darauf folgte eine Einladung an mich auf seine Datscha in der Nähe von Moskau, wo viele bekannte russische Künstler und Wissenschaftler lebten. Auf der einstündigen Autofahrt schärfte mir mein Professor ein, Swiridow ja nicht zu widersprechen und auf keinen Fall mit ihm zu diskutieren, denn er wusste, wie aufbrausend und stur Swiridow sein konnte.

JMW: Und haben Sie sich daran gehalten?

VG: Nein, das konnte ich nicht! Als er über einen Zeitungsartikel sprach, war ich anderer Meinung und eröffnete mit der, spätestens seit der öffentlichen Verdammung Dr. Schiwagos , in Russland eigentlich fatalen Floskel: „Also, ich habe das zwar nicht gelesen, aber…“. Schon war die Diskussion in vollem Gang. Mein Professor wollte eingreifen, aber das verbat sich Swiridow. Er schickte ihn in die Küche, um seiner Frau bei der Vorbereitung des Abendessens zu helfen, damit er ungestört mit mir reden konnte. Das tat er übrigens immer wieder. (Lacht.)

JMW: Da hatten sich wohl zwei Feuerköpfe getroffen! Das passt auch sehr gut zu dem Brief den er Ihnen nach Ihrer ersten Begegnung schrieb und den Sie bei der Gala ihm zu Ehren vorgetragen haben:

Swiridow schrieb mehrere Briefe an Vladimir Genin, damals noch Student

Komponist Georgi Swiridow schrieb mehrere Briefe an Vladimir Genin, damals noch Student

„Ich bin dem Schicksal sehr dankbar für die Gelegenheit, durch die Begegnung mit Ihnen das intensive Leben der neuen Generation empfinden zu dürfen. Behalten Sie dieses Feuer – das wertvollste auf der Welt, weil das Leben ohne es verlischt, verfault… Ich habe viel in meinem Leben gesehen und lernte dieses Feuer zu schätzen. Aber seien Sie geduldig – keiner wird von den Leuten sofort verstanden. Man muss viel sagen, bevor die Leute anfangen zuzuhören, geschweige denn anfangen zu verstehen.“

VG: Den Brief hat er mir erst nach mehreren Begegnungen geschrieben, aber der Anfang davon war natürlich dieser Tag.

JMW: Bleibt zum Abschluss unseres Gesprächs noch der andere Brief, den sie als sein Vermächtnis bezeichnet haben; ein Vermächtnis, das an Sie und Ihre Freunde und damit ganz allgemein an die Generation nach ihm gerichtet ist. Swiridow schreibt darin unter anderem:

Georgi Swiridow

Georgi Swiridow

„Ihre Aufgabe ist groß und schwierig: Vieles aufzuklären und den wahren Maßstab der Werte wiederzufinden – den Maßstab, der verloren gegangen ist... (Unter den geistlosen und opportunistischen „Epigonen“) … Meine Aufgabe an Sie und Ihre Freunde ist es, zu suchen. Sonst wird unsere Musik nicht mehr zum Ausdruck der Essenz menschlichen Lebens, der Essenz, die verborgen ist und erst durch die Kunst offenbart wird.“

JMW: In wie weit hat Sie dieses Vermächtnis inspiriert? Was genau meinte er mit dem verlorenen Maßstab und der verborgenen Essenz?

VG: Der Maßstab war sicher musikalisch wie menschlich gemeint.

"Nur der Ewigkeit verpflichtet" - Komponist Swiridow in jüngeren Jahren

„Der Ewigkeit verpflichtet“ – Komponist Georgi Swiridow

Es ging Swiridow um den wahren und bleibenden Wert, wie wir ihn in der Musik der großen Komponisten verehren.

Und er selbst schien „riesig“, in seiner Ausstrahlung, seinem Charisma. Er hatte zwar nicht die Stimme dazu, aber niemand hat vom Ausdruck her seine Lieder besser vorgetragen als er selbst, wie eine private Aufnahme mit meinem Freund, dem Pianisten Michail Arkadiev es zeigt. So wie er da singt, das ist reine Essenz, ohne jedes Theater!

Schon vor meiner Begegnung mit Swiridow hatte ich immer Menschen gesucht, die so eine Sicht vertreten. Auch meinen Professoren beim Studium ging es um diesen Ausdruck, um eine Musik, die etwas über den Menschen aussagt.

Vladimir Genin 2015 im Artist Studio München

Vladimir Genin 2015 im Artist Studio München

Swiridow aber wirkte in dieser Hinsicht wie ein gewaltiges Schiff und die anderen um ihn herum nur wie kleine Boote. Er hatte zwar seine Fehler, er war unpraktisch, manchmal stur und aufbrausend, doch letztlich war er ein grandioser Mensch. Aber „vergöttert“ habe ich ihn nie! Mit der Zeit habe ich immer mehr das Wesentliche in seiner Musik entdeckt, zwar auch in seinen präzisen handwerklichen Fähigkeiten und seiner ganz speziellen Sparsamkeit in der Wahl der Mittel, aber noch vielmehr in der spirituell-geistigen Essenz dahinter.

JMW: Ich habe gelesen, dass er über 34 Jahre an seinen geistlichen Chorwerken gearbeitet hat, die sicher als Ausdruck dieser geistig-spirituellen Essenz zu verstehen sind; viele davon entstanden erst in den 80er und 90er Jahren. Obwohl es die Unterdrückung der russisch-orthodoxen Kirche zu jener Zeit schon nicht mehr gab, wurden viele dieser Werke erst nach seinem Tod herausgegeben. Sie erzählten, dass zudem in seiner Wohnung noch stapelweise unveröffentlichte Werke in seinen Schränken lagerten und angesichts dessen frage ich mich, wie es um das musikalische Erbe Swiridows steht? Wird seine Musik heute noch gespielt und wird sie auch in Zukunft gespielt werden?

VG: Ja, sie wird noch gespielt und auch gespielt werden, denn es gibt wohl kaum einen besseren Ausdruck dessen, was man die „russische Seele“ nennt. Wenn Sie Filme von typisch russischen Landschaften sehen, sind diese zu 50 Prozent mit Musik von Swiridow unterlegt – dafür gibt es einfach nichts besseres. Allerdings läuft sie gerade deswegen auch immer Gefahr, von allen Seiten missbraucht zu werden, von den Anhängern der alten Brigaden wie von den neuen Nationalisten. Im Ausland gestaltet sich die Lage für Aufführungen schon schwieriger, da sein Name dort wenig bekannt ist und daher weniger „zahlendes Publikum“ zieht; das gilt natürlich auch für die Veröffentlichung von Noten und Tonträgern. –

Swiridow in jüngeren Jahren am Piano

Swiridow in mittleren Jahren am Piano

Verstanden aber wird Swiridows Musik nur von denen werden, die ihre Essenz begreifen – und da gibt es nicht so viele in unserer schnelllebigen und auf Äußerlichkeiten ausgerichteten Zeit. Die innere Einstellung zum wahren Wert der Kunst, des Geistigen müsste sich dazu erst einmal ändern und meist geschieht das nur durch dramatische äußere Umstände…

„Russische Seele“ – Plakat zu einem gleichnamigen Konzert 2015

JMW:  Abschließen möchte ich mit einem Zitat, dass mir in den von Ihnen gesendeten Unterlagen ins Auge gestochen ist. Für mich trifft es sehr gut die Essenz der „russischen Seele“ in der Kunst, der Musik und in Georgi Swiridows Werk. Es stammt von der amerikanischen Autorin Suzanne Massie, die in ihrem Buch „Land des Feuervogels“ schreibt:

„Das Vermögen, die Schönheit der spirituellen Welt und die Fähigkeit, diese Schönheit durch Verehrung auszudrücken, war eine besondere Gabe Russlands. Durch die Jahrhunderte haben die Russen, selbst in ihrer weltlichen Kunst, ihre Sicht erhalten, dass Kunst vor allem ein göttliches Geschenk ist, dessen grundlegender Zweck es ist, Gott zu dienen und die Menschheit zu erheben.“

 


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