Allgemein

Abschied von Abi Ofarim, Weltstar und Wahlmünchner, mit einer Reminiszenz von Toni Netzle aus ihrer Autobiografie „Mein Alter Simpl“

Wie verwoben Abi Ofarim mit München und auch mit der Münchner Künstlerszene zeitlebens war, zeigten die Reaktionen der vielen MusikerInnen, Kunst- und Kulturschaffenden in den Social Medias, unmittelbar nachdem sich die Meldung seines Todes am gestrigen Freitag in Windeseile verbreitete: R.I.P.’s mit unterschiedlichsten Bild- und Textbotschaften der Anteilnahme. Als Medienkünstlerin mit nur indirektem Kontakt zur Musikbranche und zudem wenig Affinität zu Roten Teppichen, habe ich Abi nur selten gesehen, seit ich ihn vor 23 Jahren in einer griechischen Taverne in der Münchner Leopoldstraße kennen lernte. Damals war Abi der erste internationale Star, dem ich auf Tuchfühlung gegenüberstand, aber er gab sich so locker und zugewandt, dass mir für Schüchternheit gar keine Zeit blieb, zumal unsere Kinder dabei waren: Tal, Abis jüngerer Sohn, war fast noch ein Kind, während sich Gil und meine gleichaltrige Tochter Marika an der Schwelle zur Pubertät befanden und daher auf Anhieb gut miteinander klar kamen. „Gaby hat die selben Augen wie Esther“, bemerkte Abi irgendwann Gil gegenüber. Der nickte, und ich fühlte mich mehr als geschmeichelt über den Vergleich mit der so aparten Sängerin. Doch diesmal trat Abi nicht mit ihr, sondern mit seinen beiden Söhnen, aus der Ehe mit seiner zweiten Frau Sandra, im Rahmen einer Wohltätigkeitsveranstaltung auf.

Für sein Alter besaß Gil Ofarim bereits damals eine besondere Ausstrahlung und starke Bühnenpräsenz – außergewöhnlich für einen so jungen Menschen! Gils spätere Erfolge überraschen mich daher nicht. An jenem Abend stach mir zudem die ungewöhnlich starke Bindung zwischen Vater und Söhnen ins Auge. „Sein größter Stolz: seine Söhne Gil und Tal“, schreibt auch Kimberly Hoppe, am 04.05.2018, in ihrem Nachruf auf Abendzeitung.de, „die Musik im Blut haben und ihn damit stolz machen.“ Grund für mein Treffen mit den Ofarims war der 50. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau im kommenden Jahr, zu dem ich eine Veranstaltungsreihe plante. Mit Abi besprach ich eine mögliche Zusammenarbeit, zu der es leider nie kam, sehr wohl aber zu einigen weiteren Treffen in jener Zeit. Dabei gab mir Abi einen Rat auf den Weg, in Bezug auf meine Unfähigkeit, aus meinen vielfachen Engagements auch Gewinne zu erzielen: „Gaby, wenn Du geben willst, musst Du lernen, auch zu nehmen.“  Dieser Satz begleitet mich …

Toni Netzle und Abi Ofarim Anfang der 1990er Jahre; Bildcollage von Gaby dos Santos aus der Reihe „Nicht immer Simpl- Toni Netzle

Jahre später lernte ich Toni Netzle kennen, die ehemalige Prominentenwirtin im Alten Simpl und erfuhr, dass sie in den 60er Jahren die erste war, die das damals weltberühmte Duo Esther & Abi Ofarim nach Deutschland, München und in ihren Alten Simpl holte. Sie erzählt davon in einem Kapitel ihrer Autobiografie „Mein Alter Simpl“, das ich später für eine Folge der multimedialen Lesereihe  „Nicht immer Simpl – Toni Netzle adaptiert und bebildert habe. In Erinnerung an Abi Ofarim finden sich nachfolgend die Skript-Passage und einige meiner Bildcollagen aus der Produktion, als Hommage, zum Abschied von einem Großen des internationalen Musikgeschäfts, der zugleich einer von uns Münchner Künstlerinnen und Künstlern war – und darüber hinaus eine ausgesprochene Kämpfernatur durch alle Höhen und Tiefen seines bewegten Lebens hindurch.

Intro: Abi und Esther Ofarim waren in den 60er Jahren das wohl erfolgreichste Popduo der Welt. Nur in Deutschland hatten sie noch nie gastiert. Beide waren „Sabre“, das heißt in Israel geborene Juden und sicher nicht besonders erpicht darauf, jenes Land zu besuchen, das für den Holocaust verantwortlich gewesen war. Abgesehen davon, spielten sie bereits in der internationalen Top-Liga, als sich Toni Netzle in den Kopf setzte, das Paar nicht nur nach Deutschland sondern gleich auch noch auf die kleine Bühne ihres Simpls zu holen.

Toni: Ich rief meine Freunde Renate und Imo Moszkowicz an, von denen ich wusste, dass zumindest Esther so etwas wie ein »Ziehkind« von ihnen war. Imo hatte in Israel einen Film mit Esther gedreht. Renate gab mir eine Telefonnummer in Genf, wo die Ofarims damals wohnten. Ich könne einen schönen Gruß ausrichten, ansonsten werde sie sich aber heraushalten.

In Genf bekam ich die Telefonnummer eines Londoner Plattenstudios. Dort rief ich einfach an. Nach wenigen Minuten hatte ich Abi am Telefon. In meinem entsetzlichen Englisch versuchte ich ihm zu erklären, was ich wollte, und er meinte, wenn die Gage und der Termin stimmten, würden sie kommen! Ich war baff und vor Schreck wäre mir beinahe der Hörer aus der Hand gefallen. Der Termin war schnell festgelegt, doch dann hörte ich mein Todesurteil: die Gage! Sicher war sie für heutige Verhältnisse geradezu lächerlich, aber man muss bedenken, dass es Mitte der 60er Jahre war und der SIMPL eine kleine Kneipe.

Es ging um 5.000 Mark Gage, zwei Flugtickets 1.Klasse London – München – London und eine Suite im Bayerischen Hof. Den Namen des Hotels kannten sie, davon hatte ihnen jemand vorgeschwärmt. Jetzt stellte ich die alles entscheidende Frage an Abi: »Was tut ihr dafür?«

Und Abi antwortete: »Wir stehen 24 Stunden zu deiner Verfügung!« Ohne auch nur die kleinste Rückversicherung zu haben, sagte ich fest zu. Woher ich die viele Kohle nehmen sollte, stand in den Sternen.

»Kann ich mich auf Sie verlassen? Wollen Sie einen Vertrag?«

»Wenn du wirklich eine Freundin von Renate und Imo bist, geht alles ok. Ich werde mich erkundigen. Wir sind noch drei Tage unter dieser Telefonnummer zu erreichen.«

Mein Plan war, diese Stars an eine Vorstellung der Stadt München zu verkaufen, die an diesem Abend ein gemischtes Programm präsentieren wollte. Ich war mir ganz sicher, dass mir Herr Huber, der Veranstalter, um den Hals fallen würde. Ich betrat sein Büro und sagte: »Herr Huber, ich habe die Ofarims!«

»Wen?«

»Esther und Abi Ofarim!«

»Wer ist das?«

»Das beste Gesangduo der Welt!«

»Leben die in München?«   

»Nein, in Israel.«

»Und warum wollen die bei uns singen?«

»Ich will, dass sie hier singen, weil die einfach wahnsinnig gut sind!«

»Wo singen die?«

»Auf Platten!«

»Kenne ich nicht. Habe auch noch nie ein Wort über sie gehört. Was soll mit denen sein?«

»Ich will, dass Sie sie in Ihr Programm nehmen.«

»Ich? Warum?«

»Weil Sie damit einen sensationellen Erfolg haben werden!«

»Ich will niemand, den ich nicht kenne. Außerdem würden die sicher Geld kosten und ich habe keines!«

Alle meine Träume waren dahin. Ich wollte gleich in London anrufen und den Termin absagen. Allein brachte ich das Geld nicht auf. Da stürzte aus einem angrenzenden Zimmer eine junge Frau und schrie: »Was, die Ofarims kommen! Waaahnsinn!«

»Na, die brauch ma net«, war Hubers Antwort.

Was jetzt losging, war nicht zu beschreiben. Die junge Mitarbeiterin brüllte so laut, dass aus allen Zimmern Leute zusammen liefen. Die Stadt bekomme die Ofarims angeboten und dieser Trottel lehne sie ab, das war der Tenor von allen. Um es kurz zu machen: die junge Dame scherte sich nicht um ihren Chef, gab mir schriftlich, dass sie bereit sei für einen Auftritt 1.500 DM zu bezahlen. Auch den Termin machten wir fest.

Gewonnen. Einen kleinen Teil des Geldes hatte ich also schon. Auf zum nächsten Termin.

Korridor im Bayerischen Rundfunk; hier handelt Toni Netzle den fehlenden Teil der Gage für die Ofarmis aus

Zu meinem über alles geliebten Dr. Rolf Didczhuhn, genannt Pieto, Hauptabteilungsleiter Unterhaltung beim Bayerischen Rundfunk. Bekannt als Helfer und Retter in der Not.

»Hallo, Pieto.«

»Grüß dich, Toni, was kann ich für dich tun?«, sagte er in seinem wunderbaren breiten baltischen Tonfall.

»Ich bringe dir die Ofarims zu Aufnahmen in dein Studio.«

»Danke, das ist lieb von dir, aber ich brauche sie nicht. Wir haben alles, was es von ihnen gibt.«

Er merkte, wie ich auf meinem Sessel einknickte. »Komm, erzähl mir bitte deine Geschichte. Was ist mit den Ofarims?«

Wahrheitsgetreu erzählte ich die ganze Story: Dass ich die zwei unbedingt bei mir im SIMPL auftreten lassen wolle, es aber finanziell nicht alleine verkrafte.

»Ja«, sagte Pieto nach einer Weile, »du hast recht, wenn die sowieso schon in München sind, ist es für uns doch auch viel billiger, sie zu engagieren – so ohne Spesen. Im Übrigen ist mir eingefallen, dass wir ganz dringend drei oder vier israelische Volklieder brauchen, die uns fehlen. Gut, ich halte das Studio am Vormittag frei. Gage 3.000 DM. Ich danke dir, dass du uns die Ofarims vermittelt hast.«

Ich war gerettet. Ein ganz großes Dankeschön an Pieto! Auch wenn es schon so ungeheuer lange her ist!

Mit Abi sprach ich den ganzen Ablauf telefonisch durch. Ich hatte nichts als sein Wort am Telefon und dennoch hatte ich komischer Weise überhaupt keine Angst, dass irgendetwas schief gehen könnte. Abi bot sogar noch an, die Flugtickets in London zu kaufen, weil sie dort erheblich billiger seien als in Deutschland. Ich sollte ihm dann in München das Geld geben. Ich war richtig begeistert über soviel Entgegenkommen.

Am 5. September 1964 holte ich die beiden um die Mittagszeit am Flughafen ab. Ich kannte sie von Fotos, sie mich nicht. Als ich sie von weitem sah, erschrak ich für einen kurzen Moment – ich kannte sie ja nur durchgestylt von Kopf bis Fuß. Was da auf mich zukam, war ein hinreißendes Hippie-Pärchen.

Er unrasiert, strähnige, lange Haare, in irgendwelchen undefinierbaren Klamotten und Jesuslatschen, Esther im bodenlangen Schlabberlook, barfuß, die Schuhe in der Hand. Die Begrüßung durch Abi war außergewöhnlich herzlich, Esther war äußerst schüchtern und offensichtlich todmüde. Wir fuhren zum Bayerischen Hof.

Dort bat ich sie um ihre Pässe, um ihnen das lästige Einchecken abzunehmen. Hocherhobenen Hauptes ging ich zur Rezeption. Ich brachte ja nicht irgendjemand, sondern zwei Topstars. Aus dem Augenwinkel hatte ich schon beobachtet, wie die anderen Gäste die beiden begutachteten. Esther hatte eben kein Chanel-Kostümchen an, wie die meisten der mittlerweile ganz schön blöd dreinschauenden Damen. Außerdem hatten die beiden wenig Gepäck, dafür aber zwei Gitarrenkoffer. Zu dieser Zeit war es überhaupt noch nicht normal, dass Popstars in First Class Hotels absteigen. Heute würde kein Mensch mehr auch nur einen Blick vergeuden.

An der Rezeption sagte ich stolz:

»Ich habe für Herrn und Frau Ofarim eine Suite reserviert.«

»Ja. Sind die Herrschaften denn schon da?«

»Ja natürlich, da stehen sie. Hier sind die ihre Pässe.«

Ein kurzer Blick in die israelischen Pässe.

»Leider, Frau Netzle, sind das die falschen Pässe. Haben Sie noch jemand dabei?«

»Nein. Aber wieso falsche Pässe? Da stehen die Ofarims – und hier sind ihre Pässe.«

Der Rezeptionist, sehr streng: »Für gewöhnlich stimmen Reservierung und Pass überein. Ich kann Ihnen die Suite leider nicht geben. Ich bin verpflichtet, auf Herrn und Frau Ofarim zu warten.«

»Aber Sie sehen doch, da stehen sie! Das sind die Ofarims.«

»Tut mir sehr leid, dann haben sie falsche Pässe. Ich muss das melden. Einen Moment bitte.«

Abi musste gespürt haben, dass etwas nicht stimmte und klärte das Pass-Missverständnis sofort auf. Im Grunde genommen war es meine Schuld – ich hätte wissen müssen, dass »Ofarim« ein Künstlername ist und in ihren Pässen, wenn ich mich richtig erinnere, „Reichstatt“ steht. Ich wollte die beiden noch zum Essen einladen, aber Esther wollte ins Bett, Abi eigentlich auch, aber vorher erledigten wir noch den finanziellen Teil, sie wollten später noch ein bisschen einkaufen gehen.

»Alles ok. Ich hole Euch um 20 Uhr ab. Bitte seid pünktlich!«

Wie aus dem Ei gepellt erschienen Esther und Abi am Abend zu ihrem ersten Auftritt im Theater an der Leopoldstraße, dem offiziellen Auftakt zur »Schwabinger Woche«. Abi war erstaunt über die Zusammenstellung des Programms, eine Mischung aus literarischem Kabarett und Musiknummern. Er kannte so etwas nicht. Endlich waren die beiden an der Reihe. Der »Ansager«, wie das damals noch hieß, hatte wohl wenig Ahnung, wer dieses Popduo sei und präsentierte sie nicht als etwas Besonderes. Als er dann die Namen sagte, brach ein rauschender Applaus los, der kaum enden wollte, auch als Esther und Abi schon lange auf der Bühne standen. Der »Ansager« konnte das gar nicht fassen und erkundigte sich bei jedem hinter der Bühne, wer denn das wirklich sei. Aber schließlich war auch er fasziniert.

In der Wartezeit vorher war ich schnell in meinem Laden gefahren, um zu sehen, ob überhaupt Gäste sich für »meine« Ofarims interessierten. Schon kurz nach neun Uhr Abends war der SIMPL gesteckt voll. Noch mehr Leute waren gar nicht mehr unterzubringen. Glücklich fuhr ich wieder in das Theater zurück, und erlebte den sensationellen Erfolg der beiden mit, packte sie dann in mein Auto, was sich aber als schwierig und langwierig erwies, da sie schon von Autogrammjägern umringt waren.

Im SIMPL ging ich mit Esther und Abi durch den Kücheneingang direkt in mein kleines Büro, das ich als Garderobe hergerichtet hatte. Esther setzte sich auf meinen Stuhl, den sie für die nächsten anderthalb Stunden nicht mehr verlassen sollte. Aber das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.  Abi und ich gingen einen Blick in die Kneipe werfen. Es waren mindestens nochmal so viele Gäste da, wie bei meinem ersten Besuch vorhin. Die Freunde saßen auf- und übereinander. Mein erster Gedanke war nur: »Hoffentlich passiert nichts!« Ich hatte eine solche Freude, dass ich mit meiner Idee, die Ofarims in den SIMPL zu holen, richtig lag, dass ich das kleine Drama, das sich in meinem Büro abspielte, zuerst gar nicht mitbekam.

Esther weigert sich, im Simpl aufzutreten!

Esther weigerte sich, nochmal aufzutreten. Sie habe ihre Arbeit für heute schon erledigt. Nun sei Schluss, sie gehe jetzt zu Bett. Ich war außer mir und musste feststellten, dass Abi ihr von unserem Deal nichts gesagt hatte. Ich versuchte mit allen Mitteln Esther zu überreden. Wollte sie mit Champagner in bessere Laune bringen, brachte ihr etwas zu essen – alles umsonst. Ich versuchte ihr ganz lieb zu erklären, wie lange die Menschen da draußen schon auf sie warteten, dass sie nur ihretwegen gekommen seien. Esther glaubte mir kein Wort: »Die Leute kennen uns doch gar nicht, die wissen überhaupt nicht wer wir sind. Die haben keine Ahnung, was für Lieder wir singen!« Wieder kam das sehr bestimmte NEIN.

Meine letzte Rettung schienen Renate und Imo Moszkowicz. Mit vielen Mühen holte ich die Beiden aus dem total überfüllen Gastraum in mein Büro. Auch ihnen gelang es nicht Esther umzustimmen. Für mich bahnte sich eine Katastrophe an. Sollte ich jetzt in der Tat gezwungen sein, auf die Bühne zu gehen, um dem Publikum zu sagen, dass Esther Ofarim sich weigert aufzutreten? Man hätte mich gesteinigt. Die meisten saßen schon seit 20 Uhr da und wollten endlich ihre Lieblinge sehen. Esther redete sich immer darauf hinaus, dass sie von einem zweiten Auftritt nichts gewusst habe, Abi habe ihr, wohl wissend, dass sie sich nie darauf eingelassen hätte, das verschwiegen. Ich solle ihr doch den Vertrag zeigen, wenn ich es schriftlich habe, werde sie auftreten. Aber einen Vertrag gab es ja nicht. »Um so besser. Dann gehe ich jetzt. Kann ich bitte ein Taxi haben?«, bat sie sehr bestimmt, aber höflich. Unsere ganzen Gespräche spielten sich natürlich in Englisch ab – ich verstand aber sowieso immer nur die Hälfte!

Auf einmal legte Abi in seiner Muttersprache los. Esther sah ihn mit großen Augen und ganz verschüchtert an, und ich ging aus meinem winzigen Büro. Das war ein richtiger Ehekrach, da wollte ich nicht dabei sein. Kurze Zeit später rumste es ungeheuer. Als ich wieder ins Büro kam, saß Esther wie ein kleines Kind unter dem Gardeobenständer. Abi erklärte mir, dass der Stuhl mit Esther plötzlich umgefallen sei. Aber jetzt meinte sie auf einmal, sie ginge auf die Bühne, sänge ein einziges Lied, und würde danach sofort ins Hotel fahren.

Hurra – wir hatten gewonnen!

Es war schon weit nach Mitternacht, als ich mit wenigen Worten, schweißgebadet und total erschöpft »Esther und Abi Ofarim zum ersten mal in der Bundesrepublik und natürlich im SIMPL« ankündigte. Ein Sturm der Begeisterung brach los. Schon bevor sie auch nur einen Ton gesungen hatten, kamen die Titelwünsche aus dem Publikum. Esther muss gespürt haben, dass ihre Einschätzung unseres Publikums völlig falsch war. Sie ging nach dem ersten Lied nicht von der kleinen Bühne! Fast zwei Stunden lang war ihr Konzert – immer wieder wunderten sie sich, dass die Zuschauer eigentlich alles kannten, was bis dahin veröffentlicht war.

Toni hat gewonnen! Triumphaler Auftritt der Ofarims im Alten Simpl

Sie waren so mitreißend gut, so voller Freude, auch Esther wurde auf einmal richtig witzig. Das Publikum spornte die beiden mit seiner Begeisterung zu immer neuen Höchstleistungen an. Fast möchte ich sagen, dass ich sie nie mehr so gut erlebt habe. Vielleicht ist das aber auch zu subjektiv!

Mir ist es gelungen einen Traum, meinen Traum, in Erfüllung gehen zu lassen! Zum Schluss wussten die beiden schon gar nicht mehr, was sie singen sollten, sie wiederholten einige Nummern, und die Leute tobten.

Der SIMPL glich einem Hexenkessel. Nach Beendigung ihres Konzertes fuhr Esther auch nicht gleich weg.

Nach dem Konzert im Simpl mit Wirtin Toni Netzle, links und dem Ehepaar Moszkowicz

Noch lange saß sie mit ihren alten und neuen Freunden zusammen – ich musste sie darauf aufmerksam machen, dass wir morgens um 10 Uhr im Bayerischen Rundfunk noch eine Verabredung hätten – Abi nahm sie liebevoll in den Arm und brachte sie weg. (…)

Toni Netzle heute als Zeitzeugin, Foto um 2016

Nachtrag 1: Unsere Verabschiedung wurde fast dramatisch, wir hatten uns lieb gewonnen und wollten uns nicht trennen! Wir haben uns nie mehr aus den Augen verloren.

Nachtrag 2: Leider hat sich Esther recht schnell aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Einige Male habe ich sie aber doch noch bei einem Konzert oder einer Fernsehsendung gesehen. Nach wie vor singt sie so, dass mir das Herz aufgeht!


Verzeichnis aller jourfixe–Blogbeiträge mit jew. Link

Advertisements
Standard
Allgemein

„Wo bitte geht’s zu Buch und Bühne?“ Persönliche Reminiszenzen zum Künstlerkreis Kaleidoskop, kombiniert mit einer Chronik von Bernhard Ganter

Jeder, den es in die Welt der Literatur, Malerei oder auf jene Bretter verschlagen hat, die die Welt bedeuten und auch der, der meint, vom Schicksal auf dem Weg dorthin aufgehalten worden zu sein, teilt eine Erfahrung: Schon als Kind verzückte man wahlweise oder en bloc Familie, Lehrer, kurzum das unmittelbare Umfeld mit künstlerischen Darbietungen derart, das einem der Sternenstaub einer künstlerischen Karriere in das Buch des Lebens geschrieben schien. Nachdem aber zwischen Sein und Schein eine Realität liegt, die versorgt werden will, schleicht sich meist das Bedürfnis nach einem gesicherten Broterwerb auf leisen Sohlen ein.

Kuenstlerkreis_Kaleidoskop_Wo_bitte_gehts_zu_Buch_und_Buehne_jourfixe-Blog

Bretter, die die Welt bedeuten … http://www.bauerwerner.com/

Der institutionalisierte Weg über Studium der Kunst, Theaterwissenschaften, Musik und/oder Schauspielerei, Regie etc. wird gar nicht erst eingeschlagen. Oft erst Jahre später erinnert einen dann ein Ereignis daran, dass man doch ursprünglich von einem ganz anderen Lebensweg geträumt hatte … Und in diesem Moment drohen all diese alten Träume von Glanz, Gloria und künstlerischer Selbstverwirklichung unwiederbringlich im Mittelmaß des Daseins zu ersticken.

Mein (Wieder)Erweckungserlebnis war die große Liebe zu einem Künstler. Zum einen stand er genau für jene Welt, in die es mich einst als Kind schon gezogen hatte. Zum anderen weckte das Verzweifelte dieser Beziehung in mir den unbedingten Drang, mich auszudrücken, meine Empfindungen und Gedanken in eine sublimierte, allgemein gültige Form zu bringen und öffentlich kund zu tun. Kurzum, ich fand es an der Zeit, neben Kind und Bürojob, in die Welt der Bohème einzutauchen und dort bitteschön auch gleich gefeiert zu werden. Letzeres erwies sich schnell als Utopie 😉

jourfixe-blog_Gaby_dos_Santos_90erJahre

Gaby dos Santos, 1992, Foto: Wolf-Dieter Roth

Die Welt im allgemeinen und die der Kunst insbesondere schien nicht auf mich zu warten, wem auch immer ich meine frisch verfassten Texte aufdrängte. Da meine Kreativität und ich, auf Grund des damals aktuellen Liebesdramas, eine Phase unausgelebter Sinnlichkeit durchlitten, handelte es sich bei dem Endprodukt um erotische Gedichte, mitunter an der Grenze zum Pornografischen. Das Echo: verhalten.

Wie also sollte ich mir nun Zugang zum Künstlertum erschließen? Zum Glück war und bin ich in München nicht die einzige, die sich über Umwege zur Kunst berufen fühlt(e). Schon bald fand ich mich unter Gleichgesinnten wieder, Schwerpunkt: Literarische Ergüsse. Man traf sich zu irgendwelchen Workshops oder Leseabenden in Kneipen-Hinterzimmern und lauschte den mehr oder weniger gelungenen Texten der Konkurrenz, um dafür im Gegenzug deren Aufmerksamkeit zu ernten und – früher oder später – davon war jeder von uns überzeugt – die allgemeine Anerkennung als größtes literarisches Talent seit … nun ja mindestens seit der Blechtrommel. Gelesen wurde von zusammengehefteten Blättern und „entdeckt“ wurde, soweit ich weiß, keiner von uns …

In dieser Zeit begegnete mir eine wirklich bemerkenswerte Frau, mit starkem künstlerischen Background: Die Schauspielerin, Kabarettistin und Autorin Monica Kleiber. Ihr verstorbener Mann war Regisseur gewesen, ihre Tochter Claudia Kleiber arbeitete ebenfalls als Schauspielerin und Synchronsprecherin. Monica gehörte eigentlich gar nicht in die Riege von uns Greenhorns, da sie eine solide Schauspielausbildung, Bühnenerfahrung und ein uns weit überlegenes lyrisches Können auszeichneten. Sie setzte mir erstmals die Notwendigkeit von Selbstdisziplin, Akribie und Hingabe bei künstlerischen Prozessen auseinander, an der sich früher oder später die Spreu vom Weizen, die wirklich berufenen Kunstschaffenden von den reinen Selbstdarstellern scheiden.

Der Künstlerkreis Kaleidoskop wendet sich an Künstler und an interessiertes Publikum

Der Künstlerkreis Kaleidoskop, seit 1987, wendet sich an Künstler und an interessiertes Publikum

Monica ist es auch zu verdanken, dass ich mich aus dem Dunstkreis von kreativer Selbstverliebtheit und Dilettantismus allmählich zu lösen vermochte, denn sie war es, die mich 1992 in den Künstlerkreis Kaleidoskop einführte, der zwar allen offen stand und steht, sich aber auf einem künstlerisch schwindelerregend höheren Niveau bewegte, als alles, was ich bis dato kennengelernt hatte. Offensichtlich bewegten sich in diesem Zirkel vorwiegend Leute, die ich für mich als „echte“ Künstler und Literaten definierte:

Als erster trat ein gewisser Milan Esten von Funcke auf, Autor und Leiter der Komparserie am Residenztheater. Er las aus seinem gerade erschienen Buch „Liebe – das Jahrtausendmißverständnis“. Aus einem „echten“, gedruckten Buch!, erschienen nicht etwa im Selbst- sondern in einem ebenso „echten“ Verlag!  Ehrfurcht ergriff mich. Erst recht, als ich bemerkte, dass durch den Abend zwei! noch veritablere Schriftsteller führten, die noch mehr „echte“ Bücher bei „echten“ Verlagen ihr eigen nannten. Milan, mit seinem Erstlingsbuch war nur der Auftakt gewesen.

Autor Werner Schlierf um 1990; Quelle: www.kk-kaleidoskop.de

Autor Werner Schlierf um 1990; Quelle: http://www.kk-kaleidoskop.de

Bei dem einen Gastgeber handelte es sich um den unvergessenen Münchner Autor und Dramatiker Werner Schlierf, von dem es ein Stück sogar bis nach New York und „Off-Broadway“ geschafft hatte! Allein die Tatsache, dass einem hier das Wort „Broadway“ – wenn auch etwas „Off“-personifiziert erschien, elektrisierte mich. Der andere Gastgeber war der Autor Bernhard Ganter, der damals gerade eine Anthologie in der Mache hatte, in dem sich zahlreiche, ebenfalls „echte“ Prominente gegen Fremdenfeindlichkeit zu Wort meldeten. Wow! Später lernte ich, dass auch die Gründung dieses Künstlerkreises auf die beiden Autoren zurückzuführen war.

Schriftsteller Bernhard Ganter, Foto: Bertl Jost

Schriftsteller Bernhard Ganter, Foto: Bertl Jost

Bernhard Ganter schreibt dazu rückblickend:

Im Bamberger Haus lernte ich Prinz Luitpold von Bayern und die Gräfin Sayn zu Wittgenstein kennen, die mich fragten, ob ich mir vorstellen könne, das altehrwürdige Haus mit Kultur zu beseelen, einen Künstlerkreis ins Leben zu rufen, einen Treff, wo nicht nur Künstler sondern auch Kunstinteressierte jeglichen Couleurs willkommen sein sollten, mit dem Ziel, einen Freundeskreis von Künstlern, Publizisten und Kunstinteressierten zu schaffen, der die Traditionen vergangener Künstlerstammtische und Künstlervereinigungen fortsetzt, die in München seit dem Ende des 19. Jahrhunderts unsere Stadt entscheidend mitgeprägt haben (Münchner Boheme).

Mein_Alter_Simpl_Toni_Netzle_jourfixe-Blog_Gaby_dos_Santos_Kathi_Kobus_Muenchner_Boheme_Schwabing

Simplizissius-Wirtin Kathi Kobus, Mittelpunkt der legendären Münchner Bohème um 1900, Bildquelle: „Mein Alter Simpl“ von Toni Netzle

Ich holte mir Rat bei meinen Freunden, dem Schriftstellerkollegen Werner Schlierf, dem Karikaturisten Franz Eder.  Am 29. Nov. 1987 trafen wir uns auf der Cafeterrasse des

Kaleidoskop

Die Wiege des Künstlerkreises Kaleidoskop: Das Bamberger Haus im Münchner Luitpoldpark; Quelle: Wikipedia

Bamberger Haus mit Prinz Luitpold von Bayern und der Gräfin Sayn zu Wittgenstein. Das war die Geburtsstunde des Künstlerkreises Kaleidoskop. Am Anfang waren wir nur eine handvoll Künstler, doch mit der Zeit wurden es immer mehr. Unsere Veranstaltungen fanden großen Anklang, so dass auch die Publikumszahl stetig anstieg. So kam es, dass wir uns einvernehmlich mit Prinz Luitplod und Gräfin Sayn zu Wittgenstein trennten, um uns eine größere Bleibe zu suchen.

Eine Odyssee begann, bis wir schließlich im Münchner Hinterhoftheater (heute Theaterplatz, Wirtshaus am Hart) fündig wurden. Viele prominente Künstler fanden seither immer wieder den Weg zum Künstlerkreis Kaleidoskop. Aber auch Künstler, die damals noch keine so großen Namen hatten, traten auf den KKK-Brettern auf, so wie Christian Springer, bevor er in den Olymp der ganz Großen Einzug hielt.

Werner_Schlierf_ Bernhard_Ganter_Gisela_Schneeberger_ Rosario_Liberatore_Franz_Eder_Kuenstlerkreis_Kaleidoskop

Werner Schlierf, Bernhard Ganter, Kabarettistin Gisela Schneeberger, Promiwirt Rosario Liberatore und Karikaturist Franz Eder, Foto: B. Ganter

Oberbürgermeister Christian Ude ließ es sich nicht nehmen, die Laudatio für unsere Preisträgerin Gisela Schneeberger zu halten und schrieb uns ins Stammbuch „Ich habe mich hier sehr, sehr wohl gefühlt …“ und im SZ Interview äußerte Ude:

Der damalige Münchner OB Christian Ude als Laudator

Der damalige Münchner OB Ude als Laudator, Foto: B. Ganter

Der Künstlerkreis Kaleidoskop ist ein würdiger Nachfolger der „Traumstadt„, jener unvergessenen Künstlervereinigung um den Schwabinger Künstler Peter Paul Althaus.“ Das war wie ein Ritterschlag für uns, und wir alle waren mächtig stolz darauf.

Stimmungsbild mit viel TV-Präsenz

Stimmungsbild mit viel TV-Präsenz, Foto: B. Ganter

Ebenso stolz waren wir, dass unsere Veranstaltung von vier Fernsehsendern Besuch erhielt, RTL, Bayerisches Fernsehen, TV München und, was wir nicht für möglich gehalten haben, das ZDF mit Nina Ruge in „Leute heute“!

bild 4 kkk

David Copperfields Limousine fährt am Hinterhoftheater vor … Foto: B. Ganter

Aber manchmal gab es auch ganz lustige Episoden. Als wir den alljährlichen Kaleidoskop-Preis dem Kabarettisten Bruno Jonas und dem Hollywoodautor und Liedtexter Max Colpet – er schrieb u.a. für Marlene Dietrich das Lied „Sag mir wo die Blumen sind …“ – verliehen, wollten wir einen Gag versuchen. Wir charterten eine Strechlimousine und ließen die beiden Künstler damit am Hinterhoftheater vorfahren. Jene Limousine, in der am Tag zuvor der bekannte Las Vegas Magier David Copperfield durch München kutschiert wurde. Stretchlimousine und Hinterhoftheater, konträrer ging das nicht. Schon bei der Anfahrt gab es Probleme. Die drei TV-Kamerateams schalteten jedes Mal ihre Kameras zu spät ein. Und weil sie uns ja beim Vorfahren und Aussteigen filmen wollten, baten sie uns, nochmals um den Stock zu fahren.

Max Colpet mit Frau und Bruno Jonas

Max Colpet mit Frau und Bruno Jonas, Quelle: B. Ganter

Das ging dreimal so. Bruno Jonas wirkte etwas verstört, unsicher, ja fast schüchtern, was ich bei Bruno so nicht kannte. Nach einer Weile, als er sich unbeobachtet fühlte, zog er mich etwas zur Seite und sagte zu mir: „Du, Bernhard, ganz im Ernst, das ist doch hier Vorsicht Kamera, oder?“ Das war’s also.

Von links: Kabarettist Christian Überschall, Autor Bernhard Ganter, Kabarettist Bruno Jonas

Von links: Kabarettist Christian Überschall, Autor Bernhard Ganter, Kabarettist Bruno Jonas; Foto: Ganter

Ich konnte ihn jedoch von der Ernsthaftigkeit unserer Absichten überzeugen, und es wurde ein wunderschöner Abend mit den beiden Preisträgern.

Das in Kürze und trotzdem lang, eine kleine Chronik über das Werden des Künstlerkreises Kaleidoskop. 16 Jahre lang haben Werner Schlierf und ich den Künstlerkreis geleitet, dann konnten wir nicht mehr, aus Zeitmangel.

Soweit erst einmal Bernhard Ganters Bericht.

Während meiner eigenen Zeit als Gast im Künstlerkreis Kaleidoskop lernte ich eine ganze Menge über die Arbeitsweise „echter“ Künstler, ebenso über Mechanismen in der Kunst- und Kulturszene und knüpfte erste Kontakte. Begegnung und Kontakte bilden einfach das „A“ und „O“ in unserer Branche, mehr als in allen anderen.

Wirtshaus_zum Isartal_Gaby_dos_Santos_Seifenblasenfest_Linda_Jo_Rizzo_jourfixe-Blog

1994 führte ich das Wirtshaus zum Isartal als Kleinkunstbühne ein, u. a. mit den schrägen Seifenblasenfesten; Collage: Gaby dos Santos

Bald darauf, 1994, eröffnete ich meine erste eigene Kleinkunstbühne bzw. führte das „Wirtshaus zum Isartal“ als Spielort in dieser Funktion ein. Später folgten die WerkstattBühne in der Gabelsperger Straße und gleich darauf die Gründung des Jour Fixe im Nachtcafé. Entsprechend knapp wurde meine Zeit und nagelte mich an die eigenen Veranstaltungsorte und Projekte fest.

Irgendwann las ich – einige Jahre ist das  nun auch schon wieder her – überrascht und traurig vom Tod Werner Schlierfs. Mein Vorsatz, endlich wieder einmal den Künstlerkreis Kaleidoskop zu besuchen, wurde stärker, ließ sich aber erst im Dezember letzten Jahres verwirklichen, nachdem es mir endlich gelungen war, den Umfang eigener Produktionen (Multimedia-Collagen) entschieden zurück zu fahren, um künftig „öfter mal einen Blick über den kulturellen Tellerrand zu werfen“. Und damit schließt sich, was das Kaleidoskop und mich anbelangt, nunmehr ein Kreis …

Seilschaft aus Budapest: Csaba Gál mit Peter Lang in dessen Artist Studio

Gál mit Peter Lang im Artist Studio, Foto GdS

Zumal der jetzige Kaleidoskop-Leiter  Csaba Gál  wiederum mit dem Inhaber meines Produktionsstudios und jourfixe-Vereinsfreund Peter Lang noch aus Budapester Zeiten gut bekannt ist …

Bernhard Ganter schreibt über Csaba Gál als Nachfolger:

Werner_Schlierf_Csaba_Gal_Kuenstlerkreis-Kaleidoskop_jourfixe-Blog

V. li: Csaba Gál, Werner Schlierf, Charles Kalman; Foto: Dieter Schnöpf

Der Künstlerkreis Kaleidoskop wird seit September 2009 von dem großartigen Künstler und Chansonpoet Csaba Gál geleitet. Ihm gebührt mein Respekt, meine Hochachtung und mein Dank, für sein unermüdliches Wirken, allmonatlich mit einem Programm aufzuwarten das seinesgleichen sucht.

Der „Ungar in Bayern“ Csaba Gál hatte zwischen 2002 und 2004 eine fruchtbare Zusammenarbeit mit Werner Schlierf aufgenommen, von dem er viele Gedichte vertonte, um sie dann im Duo aufzuführen. Auch Schlierfs in der Nachkriegszeit angesiedeltes Theaterstück „Joe und Marianne“ nahm sich Gál an, übersetzte es ins Ungarische und veröffentlichte es in seiner Heimat mit großem Echo. Da Csaba Gál zudem viel von dem legendären aber leider selten gewordenen K & K – Charme versprüht, erscheint mir seine Nachfolge als Leiter des Kulturkreises Kaleidoskop eine sinnige wie stimmige Wahl!

Rote Baskenmütze als Kennzeichen: Chansonpoet und Kaleidoskop_Leiter Csaba Gál im Dezember 2015

Rote Baskenmütze als Markenzeichen: Chansonpoet und Kaleidoskop-Leiter Csaba Gál im Dezember 2015, Foto: Klaus Stießberger

Vor meinem Besuch 2015 war ich zuletzt 1993, mit der begnadeten Chansonsängerin Susan Avilés im Kaleidoskop zu Gast gewesen, kurz nach meiner Hochzeit in Rio. (Wie das Leben so spielt, NICHT mit jener großen Liebe, die mich in die Bohème getrieben und zum Kaleidoskop geführt hatte.) Nun kehrte ich, anlässlich der Verleihung des Kaleidoskop-Tellers im Dezember 2015 zurück, nach – ich habe gerade fassungslos nachgerechnet – 22 Jahren!

Das Künstler-Ehepaar Katja und Konrad Kortin leitete das Kaleidoskop von 2003 - 2009; Quelle: www.kk-kaleidoskop.de

Das Künstler-Ehepaar Katja und Konrad Kortin leitete das Kaleidoskop von 2003 – 2009; Quelle: http://www.kk-kaleidoskop.de

Chapeau an die Herren Schlierf und Ganter, an das Künstler-Paar Katja und Konrad Kortin und schließlich an Csaba Gál, denen allen es zu verdanken ist, dass dieses künstlerische Biotop, nicht wie so manches andere in der Künstlerszene, schnell vertrocknet ist, sondern noch in schönster Blüte steht.

2010 erhält der wohl namhafteste deutsche Liedermacher, Konstantin Wecker, den begehrten Kaleidoskop-Teller. Hier neben Csaba Gál, Quelle: www.kk-kaleidoskop.de

Kaleidoskop-Teller 2010 für Konstantin Wecker http://www.kk-kaleidoskop.de

Anlass für meinen Besuch 2015 war die alljährliche Verleihung des Kaleidoskop-Tellers, den schon Ikonen der Münchner Künstlerszene erhielten, wie beispielsweise 2010 Konstantin Wecker.

Kabarettist Josef Brustmann erwies sich beim Kaleidoskop-Abend auch als Virtuose an der Zither

Kabarettist Josef Brustmann erwies sich beim Kaleidoskop-Abend auch als Virtuose an der Zither; Foto: Klaus Stießberger

Auch 2015 war  ein Programm auf hohem künstlerischen Niveau geboten, u. a. mit dem Träger des Deutschen Kabarettpreises 2015, Kabarettist Josef Brustmann, der eine virtuose Laudatio hielt und zwar auf  Wolfgang Ramadan, der mit einem der Kaleidoskop-Teller 2015 ausgezeichnet wurde.

Wolfgang Ramadan, wortgewaltiger Poet und Preisträger des Kaleidoskop-Tellers 2015

Wolfgang Ramadan, wortgewaltiger Poet und Preisträger des Kaleidoskop-Tellers 2015, Foto: Klaus Stießberger

Ramadan-Kostprobe: Hinter jedem großen Mann steht eine Frau – wie vor jedem kleinen.

An Wolfgang Ramadan, den ich selbst seit vielen Jahren kenne, führt in der bayerischen Kunst – und Kulturszene sowieso seit Jahrzehnten kein Weg vorbei: Poet, Kabarettist, Garchinger Kulturreferent, Schauspieler, Kulturmanager, Networker … Ach, ich glaube, ich widme ihm gelegentlich mal lieber einen eigenen Blog-Beitrag 😉

Kulturverein Arche Noe, Kufstein

Kulturverein Arche Noe, Kufstein, 2015 prämiert im Kaleidoskop; Foto: Stießberger

Der zweite Kaleidoskop-Teller ging 2015 an den Kulturverein Arche Noe Kufstein. In seiner Laudatio äußert Dr. Uwe Kullnick – Präsident des Freien Deutschen Autorenverbandes (FDA) einen Gedanken, den ich  nicht nur für zutreffend auf die Kufsteiner Preisträger, sondern auf die Kleinkunst allgemein halte, die der Künstlerkreis Kaleidoskop schon so lange repräsentiert:

Die Laudation von Dr. Uwe Kullnick berührte mich sehr

Laudator Dr. Uwe Kullnick, Foto: Klaus Stießberger

„Hier gibt es Kleinkunst. Dabei ist hier kaum etwas klein. Vielleicht das Budget, aber wo am Puls Kultur liebender Menschen und abseits der subventionierten Kultur-Groß-Ereignisse und der Riesenveranstaltungen der Musik-Stars, ist es das nicht? Klein ist hier nur der Aufwand und der Obolus der Zuschauer und nahezu winzigklein die Gefahr enttäuscht zu werden. Riesengroß hingegen ist das, was geboten wird, was man genießen und mitnehmen kann, nämlich die Kunst. (…)“

Schon länger suche ich nach einem geeigneten Treffpunkt, an dem auch die Kulturplattform jourfixe-muenchen einmal im Monat eine wieder „fixe“ Anlaufstelle für Kolleginnen und Kollegen, jourfixe-Freundinnen und Freunde bieten kann.

Im Dezember besuchte ich das Kaleidoskop gemeinsam mit der Schauspielerin und Sängerin Krista Posch sowie Fotograf Klaus Stießberger

Kaleidoskop-Besuch 2015: Schauspielerin und Sängerin Krista Posch mit Gaby dos Santos in Begleitung von Fotograf Klaus Stießberger

Dafür scheint der Künstlerkreis Kaleidoskop, mit seinem Ablauf, wie geschaffen: Ein gemütlicher Gast- und Bühnenraum lädt zwischen 18 Uhr und 20 Uhr zum Essen, zu Austausch und Kontakten und danach, bei freiem Eintritt, zu einem stets breit gefächerten Kulturprogramm. Zugleich hoffe ich, das Kaleidoskop mit etwas PR unterstützen zu können und damit ein wenig von dem zurück zu geben, was es mir vermittelt hat, und das auf dem Weg aller Kunstschaffenden sowie für ein besseres Kunstverständnis seitens des Kulturpublikums unbezahlbar ist: Informative Schlüssellochperspektiven auf den Kosmos von Kunst und Kultur.

Kuenstlerkreis_Kaleidoskop_Helmut_Eckl_Schorsch_Hampel_Csaba_Gal

Csaba Gal, Dez. 2015; Foto: Stießberger

Foto: Stießberger

Der nächste Termin ist am Montag, 7. März 16.(KaleidoskopAbende finden immer am 1. Montag des Monats statt)

Mitwirkende:  
Erika Stadler , Liedermacherin
Schorsch Hampel, Bluespoet
Rick Baltes, Liedermacher
Jan-Eike Hornauer, Textzüchter
Helmut Eckl, Münchner Turmschreiber (Poetentaler), Mundartdichter, Satiriker

Durch den Kaleidoskop-Abend führt, wie immer, der Chansonpoet und Conférencier Csaba Gal.

Details und weiterführende Links


Zum Verzeichnis aller bisherigen Blogs

Standard
Linda_Jo_Rizzo_Titel_jourfixe-Blog_Gaby_dos_Santos
Allgemein

Sängerin Linda Jo Rizzo, die Februarvögel & ich – eine Geschichte aus der Künstlerszene

Linda_Jo_Rizzo_Kirr-Royal_Muenchen_jourfixe-Blog_Gaby_dos_Santos

Aktuelles Foto von Linda Jo Rizzo, am 28.2. live im „KIRR ROYAL“, München http://www.kirr-royal.de/

„Frühlings-Aufwärmer“ nennt sich – nomen est omen – die Show von Sängerin Linda Jo Rizzo, mit der ich am 28. Februar meinen mentalen Winter-Kehraus begehen werde! Eingeleitet wurde er bereits durch den Gesang der „Februarvögel„, die irgendwann zur Monatsmitte hin, wenn das Licht beginnt sich zu verändern, ein ganz spezielles Gezwitscher anstimmen.  Gesang in zwei Varianten zum Monatsausklang also, zwei Sounds, die mich bereits seit Anfang der 90er Jahre begleiten …

jourfixe-Blog_Gaby_dos_Santos_1993_Wolf-Dieter_Roth

Gaby dos Santos 1993, Foto: Wolf-Dieter Roth

Kurz bevor mir Linda zum ersten Mal begegnete, hatte ich mich gerade in einem Liebeskummer häuslich eingerichtet, in den eines Februar Morgens unvermittelt gut gelauntes Vogelzwitschern hereinplatzte! Der Gesang der  – wie ich sie seither nenne – „Februarvögel„,  der den Zeitenwechsel ankündigt: Im selben Jahr stellten sich die Weichen für mein künftiges Bohème-Leben, heiratete ich Edir dos Santos und lernte über diesen neuen Mann auch die Sängerin und Entertainerin Linda Jo Rizzo kennen, eine Bekanntschaft, die nun schon länger als meine Ehe andauert …

Linda_Jo_Rizzo_Gaby_dos_Santos_1994_Pressefoto_jourfixe-Blog

Pressefoto von Linda Jo Rizzo um 1994

Der Veranstalter Peter Günther und seine Frau Renée hatten in eine gehobene italienische Gaststätte im Elisenhof geladen: Da Domenico. Zwischen Antipasti-Auslagen und italienischen Delikatessen trat, für mich ganz unerwartet, eine Sängerin auf und überzog das Italo-Ambiente mit einem Hauch von Vegas: Linda Jo Rizzo. Sofort erkundigte ich mich, wer diese Sängerin sei. Eine ehemalige Chart-Königin, die mit der US Girlband The Flirts nach Europa gekommen und dort der Liebe wegen geblieben sei, erfuhr ich.

Linda_Jo_Rizzo_New-York_Festival_di_Sanremo_jourfixe-Blog_Gaby_dos_SantosAls Italo-Amerikanerin war Linda das Singen in die Wiege gelegt. Und so wundert es nicht, dass bei einer New Yorker Version des legendären „Festival di Sanremo“ ihre Gesangskarriere begann, siehe obiges Foto.

 

Linda_Jo_Rizzo_Model-1976_Milano_jourfixe-Blog_Gaby_dos_Santos

Bei einem der ersten Fotoshootings, 1976 in Mailand

Doch zunächst verschlug es sie als Model nach Italien. Patent, wie sie schon damals war, begann sie, die Lücken zwischen den einzelnen Shooting-Jobs mit Auftritten als Sängerin zu füllen. Jahre später traf sie ihre alten Musikkontakte aus Italien bei einem Abendessen in New York …

Mit am Tisch sass ausgerechnet auch Musikproduzent Bobby Orlando …

 

Linda_Jo_Rizzo_The_Flirts_1983_jourfixe-Blog_Gaby_dos_Santos

The Flirts/Linda Jo Rizzo 1983

Nach einem kurzfristig angesetzten Vorsingen engagierte Orlando Linda vom Fleck weg für die Girlgroup „The Flirts“.

Cover 1983

Cover 1983

Nach einem ersten Album in USA begann das Trio durch Europa zu touren und eroberte dort in verschiedenen Ländern die Top-Ten-Charts.

 

Linda_Jo_Rizzo_The_Flirts_Disco _Time_jourfixe-Blog_Gaby_dos_SantosGerne erinnert sich Linda an ihre schillernden Auftritte während der Disco-Ära und an den positiven Sound der 80ies-Musik, der inzwischen wieder gefragt ist.

1985

Linda 1985, zu Beginn ihrer Solo-Karriere

Mitte der 80er Jahre startete Linda in eine Solo-Karriere und wäre nicht Linda gewesen, hätte sie sich nicht umgehend neu orientiert, kaum dass die Disco-Welle abebbte: So konzentrierte sie sich in den 90er Jahren auf Gala-Auftritte und lernte, nach Partitur zu singen, um mit großen Orchestern aufzutreten. Sie, die so gerne improvisiert, konnte und kann auch „punktgenau“.

Und genau so auf den Punkt erlebte ich Linda, als ich sie 1994 für meine allererste Kleinkunstbühne im Wirtshaus zum Isartal buchte. „Alles unter einem Wirtshausdach“ lautete mein damaliges Konzept, mit dem ich mich stilistisch nach allen Kunstrichtungen hin öffnen wollte. Kunst unterschiedlichster Art, in lockerer Atmosphäre präsentiert, mit dem Ziel kreativer Reibung. Das Konzept auf die Spitze trieben die „Seifenblasen-Feste“, eine Reihe, bei der endgültig künstlerische Stile, Talent und Selbstdarstellung in Reinkultur auf einander prallten! Und Linda, mit ihrem US-Show-Glamour, mitten drin ..!

Wirtshaus_zum Isartal_Gaby_dos_Santos_Seifenblasenfest_Linda_Jo_Rizzo_jourfixe-Blog

1994 fand sich Linda Jo Rizzo, mit ihrer typischen professionellen Coolness, in einem der schrägen „Seifenblasenfeste“ meiner damaligen Kleinkustbühne „Wirtshaus zum Isartal“ wieder …

Sie erschien zum Soundcheck, stellte knapp fest:“Gaby, this here will not be my audience,“ und sollte Recht behalten. Ihre Fans passten überhaupt nicht zu denen der französischen Ab-und-An-Chansonette und ihr Entertainment-Stil kontrastierte allzu sehr mit der Bühnendramatik der Conférenciere und Sängerin Susan Avilés. Wen ich noch in die Veranstaltung mixte, weiß ich nicht mehr, aber vor lauter Breitband-Programm kam nichts und niemand zur Geltung. Glücklicherweise hat mir Linda, die ich danach für eine ganze Zeit aus den Augen verlor, diesen Anfängerinnen-Flop, trotz ihrer ausgesprochenen Professionalität, nie nachgetragen!

Nachtcafe_Gaby_dos_Santos_jourfixe-muenchen_jourfixe-Blog

Von  1999 – 2002 betreute ich meinen Kultur-Treff jourfixe-muenchen sowie die PR  im Münchner Nachtcafé

Erst 2000 traf ich sie bei einer Veranstaltung im Münchner Nachtcafé wieder, als sich meine Aktivitäten ebenfalls von Kleinkunstbühne zu einem der Münchner Top-Clubs verlagert hatten. „Gaby, I got to talk to you“, sprach sie mich an und lud mich zu ihrem Auftritt in den Nightclub des Bayerischen Hofs. In diesem Hochglanz-Ambiente kamen ihr Können und ihre künstlerische Präsenz ganz anders zur Geltung als seinerzeit im Brettl-Ambiente des Isartals. Ich war begeistert und empfahl sie dem Booking-Zuständigen im Nachtcafé, denn wenn ein Act und eine Künstlerin dort ins Programm gepasst hätten, dann Linda und ihre Show. Aus irgendwelchen Gründen, die nur persönlicher Natur sein konnten, stieß ich aber in puncto Nachtcafé-Engagement auf Granit.

Linda Jo Rizzo 2013 bei der Verleihung des Sigi-Sommer-Talers

Linda Jo Rizzo 2013 bei der Verleihung des Sigi-Sommer-Talers

Inzwischen hatte Linda, deren zweite Leidenschaft schon seit immer das Kochen war – als Tochter eines italienischen Kochs auch dies genetisch bedingt 😉 das einzige Restaurant mit Livemusik in München eröffnet, das „Piazza Linda“, das von 2000 bis 2008 nicht nur als beliebte Anlaufstelle für allgemeines Publikum galt, sondern auch für die Künstlerszene, vor und auf der Bühne. Linda war es auch, die den heute gut etablierten Jazz-Sänger Thomas de Lates bei sich im Lokal entdeckte, als er ganz unbedarft seiner heutigen Frau Petra Windisch de Lates ein Geburtstagsständchen darbrachte.

Des öfteren gesellte sich Linda samt Küchenschürze auf der Bühne dazu und sorgte trotzdem für Glamour-Einlagen. Oft habe ich mich gefragt, wie sie diesen Spagat zwischen Kulinarik und Kunst hin bekommt, ohne dabei an Allure einzubüßen.

Hippodrom_Oktoberfest_Linda_Jo_Rizzo_Sepp_Kraetz_Gaby_dos_Santos_jourfixe-Blog

Linda tritt beim Oktoberfest von 1999 bis 2012 im Hippodrom von Sepp Krätz als Stargast auf

Nach der Zeit von „Piazza Linda“ dauerte es bis Januar 2014, ehe wir uns wieder begegneten, diesmal bei der Geburtstagsfeier von besagtem Thomas de Lates, dessen Gesangstalent Linda Jahre zuvor entdeckt hatte. Wir unterhielten uns bis weit nach Mitternacht, zwei Frauen, die gemeinsame Erinnerungen teilten und ähnlich gelagerte Erfahrungen, auch wenn wir künstlerisch ganz unterschiedlich aufgestellt sind. Wir nahmen uns fest vor, uns bald zu einem Blog-Interview im Artist Studio von Peter Lang, einem gemeinsamen Weggefährten, zu treffen. Dieses „bald“ dauerte bis Dezember. Früher hatte sich kein gemeinsamer Termin finden lassen …

Gaby_dos_Santos_Linda_Jo_Rizzo_Artist_Studio_Muenchen_im_Kuenstlerhaus_jourfixe-Blog

Linda Jo Rizzo und Gaby dos Santos im Artist Studio München beim Interview für den jourfixe-Blog

Zum Schluss einer intensiven Interview-Session fragte ich sie nach ihrem persönlichen Lieblingssong. Die Antwort viel so vielschichtig aus, wie Linda es selbst ist >>>

Linda_Jo_Rizzo_live_jourfixe-Blog_Gaby_dos_SantosFreedom’s just another word for nothin‘ left to lose
Nothin‘, it ain’t nothin‘ honey, if it ain’t free
And feelin‘ good was easy, Lord, when he sang the blues
You know feelin‘ good was good enough for me
Good enough for me and my Bobby McGee …

Mehr über Linda und ihre nächsten Auftritte unter:

http://www.lindajorizzo.de/

 ************************************************************************************

Verzeichnis aller jourfixe-Blogs >>>

http://www.jourfixe-muenchen-ev.de/jourfixe_Blog_Verzeichnis.html

 

Standard