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„Münchner & Zuagroaste“ – Vorschau auf die Red Carpet Vernissage 2018 von Fotograf Dirk Schiff

Mosaikartig kristallisiert sich aus den Portraits und Stadt-Ansichten von Fotograf Dirk Schiff jenes Flair heraus, das die bayerische Landeshauptstadt und deren Bewohner charakterisiert: Eine aussterbende, aber noch einflussreiche Gruppe lupenreiner Münchner Urgesteine, wie die ehemalige Prominentenwirtin, Schauspielerin und Autorin Toni Netzle oder Großbuchhändlerin Nina Hugendubel, zu denen sich Zuagroaste in wachsender Überzahl und unterschiedlichster Couleur gesellen, ob nun Tresenfürst Charles Schumann oder Serienhauptdarsteller Sebastian Fischer (Sturm der Liebe), Unternehmer und Nobelgalerist Dirk Kronsbein oder Fußball-Legende Lothar Matthäus, Influencer*Innen wie Alexandra Polzin und internationale Leinwandhelden, wie Mario Adorf.

Dieses Portrait von Gunna Wendt stammt aus dem Fotoshooting 2018 in der Monacensia, dem „literarischen Gedächtnis der Stadt“. Auf Gunnas Biografie beruht mein Historical „Franziska zu Reventlow – Zum 100. Todestag“.

Beispielhaft für die enge Bindung einer aus dem Hohen Norden Zuagroasten zu ihrer Wahlheimatstadt München ist die Schriftstellerin Gunna Wendt, in deren Biografien sich eine Reihe Schwabinger Legenden so lebensnah verewigt finden, dass sie dafür mit dem Schwabinger Kunstpreis auszgezeichnet wurde. Ein Foto für Peymann Amin, Ex-Juror von Germany’s Next Topmodel hielt Dirk Schiff auch bereit – und selbstredend 😉 für mich, als Leiterin der Kulturplattform jourfixe-muenchen, der Dirk angehört.

Ansicht des Nymphenburger Schlosses in München; Foto Dirk Schiff

Womit wir beim Stichwort „Seilschaften“ angelangt wären, die hier besonders gut funktionieren, zumal die Stadtgesellschaft, obgleich aus einem Mix kontrastierender Charaktere zusammen gewürfelt, sich eines gemeinsamen Nenners erfreut: Dem des allgemeinen Selbstverständnisses „mia san mia“ – wer oder was auch immer … Man feiert und inszeniert sich gerne und oft, anhand eines barocken Lebensstils, der den nahen Süden erahnen lässt …

Wies’n Madl Anne Schiff, Ehefrau des Künstlers, Oktoberfest 2018

Dabei kleidet man das Münchnerische mitunter neu ein, buchstäblich bei den fantasievollen Oktoberfest-Outfits, die mit Tracht wenig, mit Zuckerguss umso mehr zu tun haben, zur großen Freude von Designern und Betrachtern, hinreißend festgehalten in einem Foto, das Anne Schiff, ironisch verschämt, in einem pinkfarbenen Dirndl dominiert. Die Biotope intellektueller Askese vertritt in dieser München-Ausstellung Rainer Langhans, 68-er Ikone und Ex-Bewohner des RTL Dschungel-Camps. Der US-amerikanische Jude Terry Swartzberg engagiert sich derweil für die Verlegung von Stolpersteinen in München und für Bürgerrechte, während Jutta Speidel sich seit Jahren für obdachlose Mütter einsetzt. An ihre Verein HORIZONT e.V. geht daher auch ein Teil des Erlöses der Fotos. Dirk Schiff schreibt dazu auf der Homepage von portraitiert.deDie Schauspielerin Jutta Speidel habe ich bereits für meine erste Fotoausstellung We are all the same! portraitiert. Daraus ist eine tolle Zusammenarbeit entstanden. Ich konnte Einblicke in die wundervolle Vereinsarbeit von Frau Speidel gewinnen und habe mich dazu entschlossen, HORIZONT e. V. mit meiner Ausstellung zu unterstützen. Sie können jetzt bereits Fotos der Ausstellung in unserem Shop erwerben. Mit jedem Kauf spenden Sie 25 Prozent des Kaufpreises an HORIZONT e.V.

Im Pressetext des veranstaltenden Hotels Le Méridien München heißt es entsprechend: Die Münchner verbindet seit jeher ein besonderes Verhältnis zu Vielfalt, zu Engagement – und vor allem auch zu ihren Neu-Münchnern. „Das haben wir in bewegender Form 2015 erlebt, als die Stadt tausende Flüchtlinge willkommen hieß“, so der Fotokünstler Dirk Schiff. Bereits im letzten Jahr sendete er mit den 80 Porträts von Prominenten, Flüchtlingen und Menschen von nebenan, im Rahmen von We are all the same! – Wir sind alle gleich! eine eindrucksvolle Botschaft über den Wert von Offenheit in unserer Gesellschaft.

Geben und Nehmen bei der Kulturplattform jourfixe-muenchen: Mitglied Franz Westner​, Kulturmanager und Verleger (SALON LiteraturVerlag) verbrachte seinen Feiertag bei den Vorbereitungen zu Dirks Ausstellung 2018 im Showroom des Le Méridien zu helfen.

Den Musikteil des Abends bestreiten der Sänger und Schauspieler Ben Blaskovic, (sein Portrait ist links auf dem Foto zu sehen) mit Songs seines aktuellen Albums Those who dig  sowie Tuija Komi, bekannt aus The Voice of Germany und kürzlich von der Süddeutschen Zeitung als echte finnische Jazz-Diva bezeichnet. Sie wird Titel ihrer neuen CD Land Of The Midnight Sun vorstellen.

Bei beiden Musikern handelt es sich natürlich um Künstler, für die Dirk Schiff in seiner Ausstellung ebenfalls „ein Foto hatte“.

Theresa Klamert, Schauspielerin

„Mich interessieren die Geschichten, die hinter den Gesichtern von Menschen stecken.“ erläutert Dirk Schiff auf seiner Homepage. Und einmal mehr ist es ihm gelungen, diese hinter den ausdrucksstarken Portraits durchschimmern zu lassen. Auch der Stadt selbst begegnet man in dieser Ausstellung, eingefangen in Momentaufnahmen, die durch ungewöhnliche Details und Perspektiven bestechen.

Inzwischen hängen die Bilder, hier eine kleine Foto-Dokumentation:

Geschafft! Die erste  Die erste Wand mit Bildern von Wahl/Münchnern für die Red-Carpet-Vernissage 2018 von jourfixe-Mitglied, Fotokünstler Dirk Schiff steht im großzügigen Showroom des Hotels Le Méridien München 

Geschafft! Die erste Wand mit jener Auswahl an Münchnern & Zuagroasten, die Dirk Schiff für seine diesjährigeRed-Carpet-Vernissage zusammengestellt hat:  Beispielsweise der „Stadtschreiber“ – jawohl, München gönnt sich so etwas nach wie vor  Andriano Riegerhof, Filmlegende Mario Adorf oder auch der vielseitige jourfixe-Künstler Albrecht von Weech, oben rechts im Bühnen-Outfit zu sehen. bei einem Shooting zu „Kann denn Liebe Sünde sein? Bruno Balz“, ein Historical, in dem Albrecht die UFA-Hits von Zarah Leander & Co. singt. Die Aufführung findet übrigens 2 Tage nach Dirks Vernissage, also am 7.11./19.30 Uhr, in der Pasinger Fabrik statt …


Dirk Schiffs Vernissage Münchner & Zuagroaste findet am Montag, 5. November, um 19 Uhr statt, wie immer im Hotel Le Méridien München.


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Die Liebe zu ihrer Mutter kostete sie mit 16 Jahren das Leben! Die Geschichte hinter den Stolpersteinen von Rosa Mittereder und Tochter Erna Wilhelmine – Klartext von Drehbuch/Autor Peter Probst

Sie sank dahin, ein Hauch von Gold, violetten hingemäht, gedenkt in einem Gedicht die Auschwitz Überlebende und Künstlerin Rachel Knobler ihrer mit sieben Jahren von den Nazis ermordeten Schwester … Ein solcher Hauch goldenen Gedenkens legte sich am 27. Juni 2017 über eine (weitere) Reihe Münchner Hauseingänge, aus denen man einst Mitbürger_Innen auf eine Reise – meist ohne Wiederkehr – in die Vernichtungslager der Nazis verschleppt hatte.  Nun aber fanden wieder zwei Namen zurück in ihre Heimatstadt …

Rosi und Erna Mittermeyer: Auf individuellen Gedenksteinen im Geiste zurückgekehrt in die Münchner Römerstraße, unter großer Anteilnahme von Freund_Innen der Nachkommen und Anwohner_Innen:  Li. im Vordergrund: Regisseurin Doris Dörrie (Foto: Peter Probst/Amelie Fried)

„Gedenken auf den Spuren der Ermordeten“ titelte dazu die Süddeutsche Zeitung und zitierte den umtriebigen Vorsitzenden des Vereins „Stolpersteine für München„, Terry Schwarzberg:„(…). „Ein Tag der Trauer, weil es um das Gedenken an unschuldig ermordeten Menschen geht, aber auch ein Tag der Freude.“ Diese hat Gunter Demnig ausgelöst, auf dessen Idee diese Art der Erinnerungskultur beruht. Da die Stadt München keine Stolpersteine auf öffentlichem Grund duldet, können sie nur auf privatem Gelände verlegt werden. Vor dem Hauseingang in der Ickstattstraße zum Beispiel, oder bei den Anwesen Herzog-Heinrich-Straße 5 und Römerstraße 7, wo Demnig am Dienstag weitere acht Stolpersteine zum Gedenken an die einstigen Bewohner in den Boden einließ.“ (Ende Zitat SZ)

Die beiden letzten Steine wurden diesmal in der Schwabinger Römerstraße verlegt, womit sich ein Traum für Peter Probst erfüllte. Er postete: Ich bin sehr glücklich, dass die Steine endlich fast da liegen, wo sie hingehören. 10 Zentimeter vom öffentlichen Raum entfernt. Und traurig für die Angehörigen, die die Verlegung gestern nicht (mehr) miterleben konnten. 

„Stolperstein-Schöpfer“ Gunter Demnig waltet einmal mehr seines Amtes und schafft Platz für die Stolpersteine von Rosi und Erna

Die Zeremonie begann gewohnt archaisch, mit dem ohrenbetäubenden Lärm des Preßlufthammers, mit dem der Schöpfer und Vater aller Stolpersteine, Bildhauer Gunter Demnig, Raum für seine goldenen Gedenk-Miniaturen schaffte. Die wenigen, aber umso präziser eingesetzten Handgriffe verrieten, wie viel Gewandtheit sich Demnig inzwischen bei seinen Verlegungen angeeignet hat. Geräuschkulisse und Staub, gepaart mit kleinen Menschenansammlungen, die das Geschehen gebannt verfolgen, unterbrechen zumindest für einen Moment auch den Alltag unbeteiligter Passanten. Nicht wenige bleiben stehen, erkundigen sich und erhalten von den Mitgliedern des Münchner Vereins „Stolpersteine für München“ Auskunft sowie Info-Material. Wessen Schicksal jeweils gedacht wird, erschließt sich allen Anwesenden aus den kurzen Ansprachen, die jede Stolperstein-Verlegung begleiten.

Für eine eben solche übergebe ich an dieser Stelle das – virtuelle – Wort an Peter Probst, um dessen Angehörige es bei der Verlegung in der Schwabinger Römerstraße 7 es diesmal ging.

Drehbuch/Autor Peter Probst hielt eine bewegende Ansprache, die aber auch an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ. Rechts neben ihm der PR-Fachmann, Netzwerker und Vorstand von „Stolpersteine auch in München“, Terry Schwartzberg

Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Freunde, liebe Familienangehörige, ich möchte mich zuallererst ganz herzlich bedanken. Bei Gunther Demnig, dem Schöpfer des weltweit größten dezentralen, mittlerweile in zwanzieuropäischen Ländern verwirklichten Kunstwerks „Stolpersteine“. Die Bedeutung seines Beitrags zur Erinnerungskultur für die Nachkommen von NS-Opfern, aber auch für die junge Generation ist kaum zu ermessen. Ich danke weiter der unermüdlichen Münchner Stolpersteine-Initiative, die sich von schwer nachvollziehbaren Entscheidungen der Politik und Kultusgemeinde, aber auch persönlichen Angriffen nicht entmutigen lässt und sich weiter für ein würdiges und allen Bürgern zugängliches Gedenken einsetzt. Mit ganz herzlicher Dank aber gilt heute den Eigentümern des Anwesens Römerstraße 7, im Besonderen Frau Billon dank deren Initiative der heutige Tag erst möglich wurde.

Am 16.7.1923 heiratet die aus Mittelfranken stammende Jüdin Rosa Loewi den katholischen Münchner Rechtsanwalt Franz Mittereder. Vor allem für Franz’ Vater, den Oberpostrat Alois Mittereder, ist die Heirat ein Skandal. Seine Tochter Josephine – meine Großmutter – hat ihn als so bigott wie brutal beschrieben, als Mann, der tagsüber ganz vorne in der Fronleichnamsprozession mitmarschierte und nachts seine Frau verprügelte.

Dass Alois nur einen Monat nach der Eheschließung seines Sohnes stirbt, ist wohl eher eine Erleichterung für das frischvermählte Paar. Übrigens auch für meinen Vater, der als uneheliches Kind – als „Kind der Schande“ – vom Großvater aus dem Familienverbund ausgeschlossen wird.

Sie unterbrechen mit ihrem leuchtenden Gold den Alltagslauf der Passanten. Dazu sind sie konzipiert und werden auch regelmäßig seitens Anwohnern und Mitgliedern des „Stolperstein“-Vereins gereinigt.

Am 20.4.1925 bekommen die Mittereders ein Kind, sie nennen es Erna Wilhelmine. Schon ein Jahr später (am 19.4.1926) stirbt Franz gerade einmal 41jährig, und das Mädchen ist Halbwaise. Rosa Mittereder und ihre Tochter leben bis zum November 1941 in der Maxvorstadt und in Schwabing, ab dem 10.7.1930 in der Römerstraße 7. Ab Mitte 1940 ist Erna offiziell in der Bauerstraße 20 gemeldet. Sie hat im Kinderheim der Israelitischen Jugendhilfe (dem sogenannten Antonienheim) einen Kurs in Hauswirtschaft absolviert und hilft der 75jährigen Jüdin Flora Böhm im Haushalt. Als diese im Frühjahr 1941 ins Altenheim der Kultusgemeinde in der Kaulbachstraße zieht, kehrt Erna zu ihrer Mutter zurück.

Am 20.11.1941 müssen Rosa und Erna Mittereder die Römerstraße 7 unter Zwang verlassen. Offiziell geht es zum „Arbeitseinsatz im Osten“ nach Riga. Da das Ghetto Riga jedoch völlig überfüllt ist, wird der Zug mit etwa 1000 Münchner Juden unterwegs nach Kaunas in Litauen umgeleitet. Im nahe der Stadt gelegenen Fort IX kommt es auf Befehl des Chefs des Einsatzkommandos 3 der Einsatzgruppe A, Karl Jäger, zu einer Massenexekution. Nach fünf Tagen lebt kein einziger der tausend Münchner Juden mehr, auch nicht Rosa und Erna Mittereder.

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Die Kennkarte von Erna Mittereder, ausgestellt im März 1939. Wie bei allen Bürgerinnen jüdischer Abstammung findet sich der Name „Sara“ beigefügt. Das Dokument wäre bis 1944 gültig gewesen, lange nach Ernas Tod … Quelle: Peter Probst

Über das Schicksal von Rosa und Erna wurde in unserer Familie fast nie gesprochen. Mein Vater handelte das Thema Krieg, trotz seiner mutigen, antifaschistischen Biographie, möglichst mit einigen, wenig aussagekräftigen, Anekdoten ab. So hielt ich Rosa und Erna lange für entfernte Verwandte und begann viel zu spät nachzufragen. Mein Vater hätte mir allerdings auch wenig erzählen können. Er erfuhr erst mit über 80 Jahren durch meine Recherche, dass seine Tante und Kusine nicht, wie von ihm vermutet, nach Auschwitz deportiert worden waren.

Eine für unser Bild der beiden zentrale Geschichte allerdings hat er mir hinterlassen. Danach hatte im November 1941 nur Rosa Mittereder den Befehl erhalten, sich mit 50 Kilo Gepäck zur Verschickung in den Osten bereit zu machen. Ihre Tochter war nach der Rassenlehre der Nazis nur „Halbjüdin“ und sollte vorerst verschont bleiben. In der Wohnung in der Römerstraße kam es dann zu einer dramatischen Szene. Die Gestapo traf ein, um Rosa abzuholen. Erna sollte der Obhut Kreszentia Gnams, einer Kusine meiner Großmutter übergeben werden. Doch plötzlich weigerte sich das 16jährige Mädchen, seine Mutter alleine gehen zu lassen. Es klammerte sich so lange an ihr fest, bis die Polizisten die Geduld verloren. „Dann kommst du halt auch mit, du Judenfratz“, diesen Satz hat mein Vater mehrfach wörtlich zitiert.

Die Mittereders schickten noch ein Familienmitglied, das eine etwas höhere Parteifunktion innehatte, zum Deportationsbahnhof Milbertshofen, um den Irrtum aufzuklären – vergeblich. Inzwischen stand auch Ernas Name auf der Liste und wurde nicht mehr gelöscht – die Liebe zu ihrer Mutter kostete sie das Leben …

Ich stelle mir vor, dass vor den Stolpersteinen Schüler stehenbleiben und sagen: „Schau mal, diese Erna war genauso alt wie ich, als die Nazis sie abgeholt haben“, und dass das bei dem einen oder anderen der Auslöser dafür ist, sich näher mit der Geschichte der beiden und der Juden in unserer Stadt zu beschäftigen. Für uns Angehörige ist heute ein Tag der Erleichterung. Die Verlegung der Stolpersteine für Rosa und Erna Mittereder auf dem privaten Grund des Anwesens Römerstraße 7 ist für uns Nachkommen ein großes Glück und ein gewisser Trost. Es gibt wieder einen Ort, an dem wir gedenken können, einen Ort auch, der andere zum Nachdenken bringen kann …“

Autorin und Moderatorin Amelie Fried blieb nur das Fotografieren der Zeremonie ihres Mannes Peter Probst. Ihr wurde bislang die Verlegung von Stolpersteinen für ihre Angehörigen, seitens der zuständigen Hausgemeinschaft am Färbergraben wie auch der Landeshauptstadt München verwehrt. Links Aktivist, Autor und Journalist Johann Türk (Foto: Edith Grube)

Seine Rede beendete Peter Probst mit Worten, die meiner Meinung nach berechtigter nicht hätten sein können: „Aber wir bleiben traurig und empört. Empört wegen des nach wie vor geltenden Verbots der Stadt, Stolpersteine auf öffentlichem Grund zu verlegen. Neben mir steht meine Frau Amelie Fried. Auch aus ihrer Familie wurden Mitglieder aus München deportiert und von den Nazis umgebracht. Auch sie würde sich für Max und Lilli Fried, die in Auschwitz starben, von Herzen Stolpersteine wünschen. Sie hat beim Besitzer des Hauses im Färbergraben nachgefragt – der letzten freiwilligen Adresse der beiden – und eine mehr als unfreundliche Absage bekommen.

Das ist die brutale Folge des städtischen Verbots: Angehörige, die nichts Anderes wollen, als auf eine Art zu gedenken, die in über 1000 deutschen Städten möglich ist, werden erneut gedemütigt. Und glauben Sie uns, jüdische Familien und auch solche mitjüdischen Verwandten blicken auch in der Bundesrepublik Deutschland auf eine lange Folge von Demütigungen zurück.“

Amelie Frieds Mutter schilderte, dass in Ulm die Stadt selbst, anhand von PR-Maßnahmen und Shuttle-Bussen alles unternehme, um Stolpersteinverlegungen  zu unterstützen. Ihren Ausführungen folgen u.a: im Hintergrund Politikerin Claudia Stamm (mut-bayern.de), im roten Kleid Aktivistin Edith Grube, re. mit Strohhut, Aktivist Dr. Thomas (Tom) Nowottny, Er hatte für das individuelle Recht auf die Verlegung von Stolpersteinen gegen die Landeshauptstadt geklagt. Verdeckt: Bestseller-Autor/Biograf Christian Sepp („Sophie Charlotte“)

Peter Probst fügt seiner Rede hinzu: Helfen Sie uns auch deswegen dabei, die Aufhebung des Verlegungsverbots in München durchzusetzen. Was heute in der Römerstraße 7 dank der Offenheit und des historischen Bewusstseins der Eigentümer und Bewohner gelungen ist, muss Schule machen. Denn München ist eine in vieler Hinsicht reiche Stadt – definitiv arm, ja armselig aber ist sie beim Thema Stolpersteine auch auf öffentlichem Grund. Ich danke Ihnen!

(Ende der Rede von Drehbuch/Autor Peter Probst)

Der Tod gehört zum Leben und das Gedenken an die Verstorbenen also mitten unter uns, gerade wenn es darum geht, deren mahnendes Schicksal sichtbar in Erinnerung zu halten, jedes einzelne, kostbare und doch vorzeitig ausgelöschte Menschenleben für sich …

Zuletzt wurde, wie immer ein Kaddish, ein jüdisches Totengebet zu Ehren der Ermordeten gesprochen. Ein lebensbejahendes, von vielen Anwesenden, u.a. Janne Weinzierl, Reiner und Judith Bernstein, Riva Neust u.v.m. mitgesungenes „Shalom“-Lied auf Hebräisch schloss sich dem kontemplativen Moment an und erinnerte einmal mehr daran, dass der Tod zum Leben gehört und somit unbedingt mitten unter uns, entlang der Straßen unseres Alltags!

Zur demokratisch unschön ausgetragenen Stolperstein-Debatte in München habe ich bereits in der Vergangenheit zwei jourfixe-Blogbeiträge veröffentlicht >>>

Zu den drei Verlegungen am 4. Juli 2016
Ein Abend vehementer Diskussionen im Rahmen der Reihe „Nymphenburger Gespräche“ (Nov. 2015)

Zum Verzeichnis aller  jourfixe-Blogbeiträge mit jeweiligem Link

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