Allgemein

Eine kleine Chronik zum Frauenwahlrecht

Ich muss Ihnen ja wohl nicht sagen, meine Damen, dass diese ganze Emanzipationsgeschichte für uns Frauen ein Fluch ist. Denn es ist – meine Damen – ein Privileg, sich ganz der Familie widmen zu können. Frauen in der Politik, meine Damen, ist schlicht gegen die göttliche Ordnung (…)

Demonstration von Sufragetten 1912, in New York; Quelle: Library Of Congress’s

Dieser Kommentar richtet sich keineswegs gegen die Sufragetten, die Anfang des 20. Jahrhundert leidenschaftlich und teilweise sogar unter Einsatz des Lebens, um das Wahlrecht für Frauen kämpften. Vielmehr stammt dieser Satz aus der gleichnamigen, absolut sehenswerten Schweizer Kömödie „Die Göttliche Ordnung.“ die vom Kampf der Schweizerinnen im Jahr !1971 um ihr Stimmrecht erzählt.

Anlässlich einer Feier zu „100 Jahre Frauenwahlrecht“ im Landtag, warf die BayernSPD  einen Blick zurück auf den beschwerlichen Weg der Europäerinnen bis an die Wahlurnen ihrer Nationen:

Kurt Eisner rief am 8. November 1918 nicht nur den Freistaat Bayern aus, sondern auch das Frauenwahlrecht. Tapfere Frauen wie die Feministinnen Anita Augspurg und Lida Heymann hatten für die Rechte von Frauen gegen viele Widerstände gekämpft. Zum ersten Mal in Deutschland durften Frauen dann bei der Bayerischen Landtagswahl am 12. Januar 1919 an die Wahlurnen. Ein halbes Jahrhundert hat es noch gedauert, bis die Schweizer Frauen ihr Wahlrecht erstritten hatten. Wie ihnen noch in den 70er Jahren der Zugang zu vielen Bereichen des Lebens verwehrt wurde,zeigt der Film „“Die Göttliche Ordnung„“ sehr lebensnah. (…)

Frauenwahlrecht? Pro und Kontra in der Schweiz, 1971

Die Eidgenossen gehörten damit zu den Schlusslichtern in Bezug auf das Frauenwahlrecht. Und – nota bene! – sowohl die Schweiz als auch Liechtenstein holten als einzige Länder dazu keinen Parlamentsbeschluss ein, vielmehr waren die Männer selbst aufgerufen, darüber abzustimmen. Dass die kein großes Interesse hegten, den Frauen allgemein – und den eigenen insbesondere, freiwillig mehr Rechte einzuräumen, liegt in der Natur des Menschlichen. Von der Reaktion der Liechtensteinerinnen berichtet der WDR auf seiner Internetseite:

Begrenzte Begeisterung gegenüber der „Damenwahl“, Berlin, 1919

Jetzt gehen die Frauen in die Offensive: Eine „Aktion Dornröschen“ will nicht länger schlafen, bis ein Prinz sie aufweckt. Die Frauen klagen vor dem Staatsgerichtshof von Liechtenstein. Der bemüht allerdings das Neue Testament: „Die Frau schweige in der Gemeinde.“ Daraufhin reichen zwölf Frauen Klage beim Europarat ein. Liechtenstein mache sich einer massiven Menschenrechtsverletzung schuldig, es sei ein Geschlechter-Apartheids-Staat. Der außenpolitische Druck wirkt. 1984 gibt es erneut ein Referendum – und nun eine knappe Mehrheit von 51,3 Prozent für das Frauenwahlrecht. 1992 wird die Gleichberechtigung in der Verfassung festgeschrieben, seit 1999 gibt es ein Gleichstellungsgesetz.

Die Frauen in Liechtenstein haben damit noch vor der Jahrtausendwende erreicht, was in Finnland schon seit 1906 gilt (…), wie mir bereits unser jourfixe-Mitglied, die finnische Sängerin Tuija Komi, berichtet hatte. Im damaligen Finnland, einem russischen Großfürstentum, herrschten soziale Unruhen, die schließlich nicht nur den Frauen, sondern generell der Mehrheit der Bevölkerung erstmals zum Wahlrecht verhalfen. Nachdem Finnland, das Frauenwahlrecht eingeführt hatte, folgten Norwegen im Jahr 1913, Dänemark und Island 1915.

Frauen bei einer Wahl, Wien 1912, Quelle: Wikimedia

Olympe de Gouges, Pastell von Alexander Kucharski (1741–1819)

„Dem Erlangen des Frauenwahlrechts ging ein langer Kampf der Frauenbewegung voraus, der bereits im 18. Jahrhundert begann“, so nachzulesen auf Wikipedia:“ Als erste „moderne“ Kämpferin für das Frauenwahlrecht gilt Olympe de Gouges. Sie verfasste im Laufe der Französischen Revolution unter anderem die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin (veröffentlicht September 1791), wurde zur Zeit der Terrorherrschaft im Sommer 1793 verhaftet wegen Feindschaft zu Robespierre und im Herbst nach kurzem Schauprozess hingerichtet.

1776 wurde im US-Bundesstaat New Jersey durch Verfassung das Wahlrecht für alle Personen ab einem gewissen Besitzstand eingeführt. Das galt somit auch für Witwen, nicht jedoch für verheiratete Frauen, weil diese nichts besitzen durften; das Wahlrecht wurde 1807 auf Männer eingeschränkt.“

Eine Vorreiterrolle bzgl. des Frauenwahlrechts nahmen die sozialdemokratischen Parteien ein: „Allgemeines, gleiches, direktes Wahl- und Stimmrecht […] ohne Unterschied des Geschlechts für alle Wahlen und Abstimmungen!“, forderte  die SPD in ihrem Erfurter Programm von 1891.

Heutzutage sind Wahlen auch für uns Frauen so selbstverständlich, dass eine ganze Reihe von uns nicht einmal mehr dieses Recht wahrnimmt! Und selbst wenn: Gleichstellung erschöpft sich nicht im Recht, Kreuzchen auf Wahlzettel malen zu dürfen. Statistiken zum Anteil von Frauen an den Schaltstellen in Wirtschaft, Industrie, Kunst und Kultur widersprechen nach wie vor dem Anspruch einer Gleichstellung von Mann und Frau! So sind auch im 21. Jahrhundert wir Frauen gefordert, uns für unsere Gleichberechtigung in allen Lebenslagen einzusetzen. Das sind wir uns schuldig, unseren Töchter und ganz besonders unseren Vorreiterinnen, die für ihren Kampf weit mehr aufs Spiel setzen mussten, als nur Zeit und Energie!

Frauen tanzen ausgelassen in den altehrwürdigen Hallen des bayerischen Landtags, allen voran Schauspielerin Veronika von Quast (li). So geschehen bei der SPD-Veranstaltung zu „100 Jahre Frauenwahlrecht„, im Dezember 2017


Titelmotiv: ZDF heute/Facebook, Bild-Quelle: Bundestag


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Gesine Schwan – Genossin mit europäischem Profil – kommentiert von Dr. Roland Jerzewski

Gesine Schwan wirkte auf Anhieb wie Balsam auf meine derzeit politisch wunde Genossinnen-Seele. Vor Beginn ihres Vortrags vor Schülerinnen und Schülern der Europäischen Schule München (ESM), hatten sich Lehrkräfte und Ehrengäste in der Direktionsetage um die Politikerin versammelt, die dort vorab ihre Ansichten klar zum Ausdruck brachte, Lösungsvorschläge inklusive.

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Gesine Schwan, Mai 2061, neben Rudolph Ensing, Direktor der ESM vor Veranstaltungsbeginn; Foto: C. Neudeck

Nachdem es unserer Parteispitze, durch Zickzack-Kurse und öffentlich gewordene Unwahrheiten sowie durch halbherzig angegangene Reformen und  als unbefriedigend bis faul empfundene Kompromisse gelungen ist, die SPD derart zu kompromittieren, dass man schon als einfaches Mitglied scharf angegriffen wird – „IHR habt doch …, IHR habt nicht …, IHR seid schuld …“, bot der Auftritt von Genossin Schwan eine willkommene Abwechslung, was den Polit-Stil anbelangte. Sicher lässt sich solcher außerhalb einer Regierungsverantwortung auch wesentlich leichter vertreten; gut tat es mir trotzdem, ihren Ausführungen zu folgen, zumal mir Gesine Schwan aus der Seele sprach, sowohl was ihre Haltung und Vorschläge in der Flüchtlingsfrage anbelangte, wie auch durch ihre leidenschaftliche  Hinwendung zum Vereinigten Europa. Die klare Kante, die Prof. Schwan in ihren Ausführungen zeigte, verdeutlichte mir einmal mehr, wie gleichgespült Politik an der Spitze heutzutage geworden ist, den Medien und der Unvernunft mancher Bürger_Innen sei dank: Nur nichts äußern, was fehlinterpretiert werden, sich als Fehler entpuppen oder der Masse missfallen könnte. Spätestens seit Angela Merkel beinahe die Wahl 2005 verloren hätte, weil sie den Wähler_Innen schon im Vorfeld die Erhöhung der Mehrwertsteuer wahrheitsgemäß angekündigt hatte, hat sich die Spitzenpolitik von ihren Ecken, Kanten und jedweder unangenehmen Wahrheit verabschiedet, so sehr, dass dieses Verhalten schon gar nicht mehr weiter auffällt, außer in der kontrastierenden Begegnung mit Politiker_Innen vom Schlag einer Gesine Schwan, die der Politik ein Stück Profil und Glaubwürdigkeit zurück erstatten. Um europäische Überzeugungsarbeit vor dem jungen Publikum der ESM zu leisten, hatte die Politikerin es sich nicht nehmen lassen, für einen zweistündigen Auftritt extra nach München einzufliegen, denn Europa ist ihr, wie ja auch mir, ein Herzensanliegen. Schwan vertritt es mit einer solchen Leidenschaft, dass die Europa-Hymne, die von ESM-Schüler_Innen aus allen Nationen zum Europatag gesungen wurde, mir im Rückblick etwas weniger nach Farce klang …

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Schüler_Innen singen am Europa-Tag 2016 die Hymne im Foyer der Europäischen Schule München, Foto: Carolin Neudeck

Überraschend war für mich nur Gesine Schwans relativ positive Einstellung zu TTIP, die sie mit ihrer Befürwortung eines vernünftig regulierten Welthandels begründete. Leider fehlte die Zeit, um nachzufragen, wie denn ein solcher, angesichts der wiederholten Vertrauensbrüche – ich sage nur „NSA“ – zu gewährleisten wäre, zumal den Bürgerinnen und Bürgern von Anfang an ein unerträgliches Mass an Intransparenz bzgl. der Verhandlungen zugemutet wurde. Honni soit, qui mal y pense? Nicht unbedingt, glaube ich … 

An dieser Stelle übergebe ich die Berichterstattung an Dr. Roland Jerzweski, Koordinator der Reihe „Europäische Identitäten“ an der Europäischen Schule München (ESM) und langjähriges Mitglied der Kulturplattform jourfixe-muenchen:

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Dr. Roland Jerzewski mit Prof. Gesine Schwan; Foto: C. Neudeck

Ein Paukenschlag zum Abschluss der Europäischen Identitäten: Ehrengast bei der Festveranstaltung des Europatages war, nach Guido Westerwelle und Edmund Stoiber, in diesem Jahr Gesine Schwan, eine der profiliertesten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in der Bundesrepublik.

Die Politikwissenschaftlerin war von 1999-2008 Präsidentin der Europauniversität Viadrina in Frankfurt/Oder, von 2004-2009 deutsch-polnische Koordinatorin zweier Bundesregierungen und wurde durch ihre Kandidatur für das Amt der Bundespräsidentin bundesweit bekannt. Prof. Dr. Gesine Schwan ist mehrsprachig, ihre Forschungsarbeit hat sie nach Frankreich, Polen und in die USA geführt. Als SPD-Politikerin setzt sie immer wieder eigene Akzente. Selbst jetzt im wohlverdienten Ruhestand ist sie präsenter denn je, engagiert sich unermüdlich zivilgesellschaftlich und weiß gleichermaßen, wie „die da oben“ und die übrigen Menschen im Lande „ticken“.

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Prof. Gesine Schwan, zweimalige Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin, Europäerin und SPD-Politikerin in der Europa-Halle der ESM. Foto: Carolin Neudeck

In ihrer kurzen Europa-Rede nimmt sie kein Blatt vor den Mund, schilt kräftig die Bundeskanzlerin, deren prinzipiell richtige Flüchtlingspolitik anfangs unreflektiert gewesen sei und nunmehr inkonsequent, so als ob man den Hebel einfach wieder umlegen könnte. Aber Gesine Schwan belässt es nicht bei kritischen Anmerkungen, sondern sie macht konkrete Lösungsvorschläge: Warum sollten die europäischen Städte und Gemeinden nicht eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise übernehmen, schließlich trügen viele von ihnen ja ohnehin schon die Hauptlast, seien allerdings abhängig von Grundsatzentscheidungen ihrer Staaten. Es gebe z.B. Kommunen in Spanien und Polen, die gern Flüchtlinge aufnehmen würden und dafür bereits Kapazitäten geschaffen hätten, aber von ihren Regierungen zurückgepfiffen wurden. Ein mit 30 Milliarden Euro ausgestatteter europäischer Solidaritätsfonds könnte die Kommunen unterstützen oder sie für Hilfsprogramme fit machen.

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Europa-Tag 2016: Gesine Schwan mit Schüler_Innen der ESM, Foto: Neudeck

Sechs Schüler der Höheren Schule diskutieren mit Gesine Schwan auf dem Podium über „Europa am Scheideweg“, über die Flüchtlingskrise und das Abkommen mit der Türkei, über europäische Werte und faule Kompromisse, über Willkommenskultur und deren Ablehnung, innenpolitisch und als Streitpunkt zwischen den EU-Staaten, schließlich auch über Brexit und TTIP und über die neue Regierung in Polen. Was unser östliches Nachbarland angeht, so vertraut Schwan der langerprobten Aufsässigkeit der polnischen Zivilgesellschaft, das Freihandelsabkommen lehnt sie nicht pauschal ab und hinsichtlich des britischen Europareferendums bleibt sie „cool“. Selbst für Zusatzfragen aus dem Publikum nimmt sie sich Zeit, obgleich am späten Nachmittag schon der nächste Termin in Düsseldorf ansteht: „Quo vadis Polen?“ Zum Schluss appelliert sie an die Schüler aus über 28 Ländern, vor lauter Detailkritik und angesichts der Fliehkräfte, die eine EU-Desintegration auslösen könnte, nicht den Glauben an das vereinigte Europa zu verlieren, sondern sich mutig einzumischen, sich für die eigene europäische Zukunft zu engagieren und diese nicht anderen zu überlassen.

Die Veranstaltung mit Gesine Schwan, an der neben dem polnischen Generalkonsul auch Vertreter der Europäischen Kommission, des Europäischen Patentamts, der Elternvereinigung und über 200 Schüler teilnahmen, bildet den Schlussakkord des Großprojekts „Europäische Identitäten“, das unter der Leitung von Dr. Roland Jerzewski in den vergangenen Jahren namhafte Europäer an die ESM lockte, u.a. die Schriftsteller Peter Schneider, Klaus Kordon, Holly-Jane Rahlens, Sylvie Germain und Mathias Énard (Prix Goncourt 2015), den griechisch-orthodoxen Metropoliten Augoustinos von Deutschland, den Diplomaten und Protokollchef des spanischen Königshauses Alonso Álvarez de Toledo oder den Budapester Historiker Andreas Opłatka. In enger Kooperation mit Stiftungen, Kulturinstituten und diplomatischen Vertretungen und der Kulturplattform „Jourfixe-München“ weitete die Schule ihren Blick auf die Vielfältigkeit ganz Europas, was auch in Begegnungsprojekten mit Polen, Ungarn, Rumänien, Slowenien und der Türkei zum Ausdruck kam. Hauptsponsor des Identitätsprojekts war die Elternvertretung der Europäischen Schule München.

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Direktor Rudolph Ensing am Rednerpult, Koordinator Dr. Jerzewski geht ab; Foto: Neudeck

ESM-Direktor Rudolph Ensing würdigt Prof. Gesine Schwan als Vollbluteuropäerin und Kosmopolitin, HS-Leiter Anton Hrovath betont ihren Vorbildcharakter für junge Europäer. Die Schüler sprechen im Nachhinein von einer „Grande Dame in Form und Inhalt“, hochkompetent und sehr sympathisch (Clara).

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Dr. Jerzewski, Direktor Ensing verabschieden Gesine Schwan; Foto: Neudeck

Gesine Schwan habe gezeigt, dass Politik ebenso interessant wie menschlich rüberkommen könne und kein langweiliger Smalltalk sein müsse, dass Jugendliche auf diese Art und Weise Lust auf Politik bekämen und dieses Fach auch im europäischen Schulsystem zum Pflichtfach werden müsste (Vlad). Während Philipp Schwans Vorschlag zur Lösung der Flüchtlingskrise skeptisch sieht, lobt Simeon ihr Abrücken von ausschließlich nationalstaatlichen Regelungen. Diskussionsmoderator Adriano findet den Ehrengast angesichts des ebenso komplizierten wie brisanten Themas „schlichtweg erfrischend“. Das gilt auch für den strahlenden Sonnenschein nach Verlassen der Europahalle, regelrechtes Kaiser-, pardon Schwan-Wetter!


Übersicht der wichtigsten Gäste und Kooperationspartner_Innen der Projektreihe „Europäische Identitäten


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„Kommt herbei zu einem gleichen Wort zwischen uns …“ Muslimisches Leben in München als gesellschaftliche Chance

„Wir brauchen Kulturdolmetscher“, sagte der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel in einer Rede in Mainz; man könne schließlich nicht erwarten, dass jeder Flüchtling gleich ein lupenreiner „Verfassungspatriot“ sei. Diesbezüglich jedoch könnten unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger mit Migrationshintergrund wertvolle Hilfestellung leisten.

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Mitglieder der „Flüchtlingshilfe Muenchner Muslime“ beim Großeinkauf von Socken, Quelle: FMM

Und das tun sie auch längst, wie ich im September bei einer Pressekonferenz der „Flüchtlingshilfe Münchner Muslime V.i.G“ selbst erfuhr. In deren Selbstdarstellung heißt es: Münchner Muslime sind multikulturell und bringen daher eine große Sprach- und Kulturvielfalt mit. Zudem zeichnen wir uns durch unterschiedlichste Bildungshintergründe aus“.

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Pressekonferenz der „Flüchtlingshilfe Münchner Muslime“ im Gemeinderaum der Pasinger Moschee. In der Mitte Aida Dedovic, Foto: MFI

Aida Dedovic, die informelle Leiterin der neuen Vereinigung, ergänzt in der Süddeutschen Zeitung: “ ‚Wir sind alle multilingual, wir haben einen großen Erfahrungsschatz.“ Diese Erfahrung haben sie zuletzt auch eingebracht. Fluechtlingshilfe_Muenchner_Muslime_Aida_Dedovic_Muenchner_Forum_Islam_jourfixe-BlogVor allem am Hauptbahnhof und in den Notquartieren, aber auch in den Unterkünften in der Bayern- und Funkkaserne. Sie haben gedolmetscht, sie haben Spenden bei Unternehmen gesammelt, sie haben sich in die Helferlisten eingetragen, nicht als Muslime, sondern als Personen, die Farsi können oder Essen austeilen wollen. Und denen sich gerade neu ankommende Flüchtlingsfrauen mitunter leichter öffnen, wenn auch ihr Gegenüber in der Helferweste ein Kopftuch trägt.‘

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Mitglieder der FLÜCHTLINGSHILFE MÜNCHNER MUSLIME, in der Mitte, hinten, Aida Dedovic sowie Vertreter der gastgebenden Pasinger Moschee, dritter von links Imam Idriz, MFI

Dedovic sehe die aktuelle Flüchtlingskrise als „Riesenchance“ sowohl für unsere Stadt, wie auch für unsere muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger; geeignet, Vorurteile auszuräumen, die von mehr oder weniger latenter Islamophobie geprägt sind,“ so die Süddeutsche weiter.

Heinrich Bedford Strohm zum Islam in Deutschland

H. Bedford-Strohm, 2015

„Der FRIEDLICHE Islam gehört zu Deutschland“ äußerte Anfang dieses Jahres auch Heinrich Bedfort-Strohm, Ratsvorsitzender der evangelischen Kirche.

Für diesen Islam steht das  „Münchner Forum für Islam (MFI) aus deren Broschüre ich einige Passagen zitiere:

Das MFI setzt sich für ein aufgeklärtes und rationales Islamverständnis ein. In Deutschland wird es muslimischen Theologen und Imamen heute möglich sein, Mechanismen des rationalen Denkens (Idschtihad) und der Innovation (Tadschdid) in das Religionsverständnis einzubringen und Fehlentwicklungen zu korrigieren. In diesem Sinne wird angestrebt, theologische Aus- und Fortbildungsangebote für Imame in deutscher Sprache aufzubauen, ebenso für Religionsunterricht, religiöse Dienstleitungen (wie z.B. Eheschließungen, Bestattungen) anzubieten, und Aufklärung über den Islam in dem hier dargestellten Sinn für die Öffentlichkeit zu leisten.MFI_jourfixe-Blog_Muenchner_Forum_fuer_Islam

Das MFI ist rational und reformorientiert, aber mit einer Tradition in Einklang, die offen für neue Auslegungen ist. Das MFI beschäftigt sich nicht mit Formen sondern mit Inhalten. Unterschiede im Denken, Glauben und in Rechtsmeinungen lassen wir beiseite und wollen uns auf die verbindenden Normen und Werte konzentrieren.

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Aussenfassade von Altstadt-Moschee und MFI, Hotterstraße

Das MFI lehnt pseudoreligiösen Aberglauben, Übertreibungen und Extremismus entschieden ab und basiert auf einem Islamverständnis in Einklang mit Wissenschaft, Vernunft, Ethik und Seele. Der Gesandte Gottes Muhammed (s) hat die Menschen eindringlich davor gewarnt, „in religiösen Dingen die Grenzen zu überschreiten“, das normale Maß, den gesunden Menschenverstand, also das Herz des Menschen, außer Acht zu lassen.“

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Iman Idriz, Stadtdekanin Kittelberger (EKD), Petra und Dieter Reiter, Münchner OB, am Marienplatz, Foto: MFI

Link zum Image-Film des MFI, in dem auch Vertreter/Innen unserer Stadt zu Wort kommen, u. a. die evangelische Stadtdekanin Barbara Kittelberger, Bürgermeister Josef Schmid und Apostolos Malamoussis, Erzpriester der griechisch-orthodoxen Gemeinde.

Das MFI plant ein großes Bauvorhaben, dazu schreibt die SZ im Juli 2015: „An den Rand des Kreativquartiers will der Verein ein Gemeindezentrum bauen, das neben dem Gebetsraum für 800 Muslime auch eine Bibliothek, ein Museum, Akademieräume und einen für alle Bürger offenen Andachtsraum umfasst, einen öffentlichen Platz sowie Restaurant und Café. Der erste Entwurf des Architekten Alen Jasarevic mit seiner raffiniert gestalteten Fassade stieß in der Öffentlichkeit auf breite Zustimmung.“

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Modell des geplanten Münchner Forums für Islam in der Dachauer Straße, Foto: MFI

Mehr über den Verein MFI, einschließlich einer Broschüre zum geplanten Bau, findet sich unter www.islam-muenchen.de

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Spenden dringend benötigt, Foto: MFI

Ob dieses Projekt wirklich realisiert werden kann, hängt jetzt unter anderem davon ab, ob die Initiatoren bis Ende das Jahres den Kaufpreis für das von der Stadt reservierte Grundstück zusammen bekommen werden. Geld aus Saudi Arabien ist keines zu erwarten, weil das MFI kategorisch jede Einflussnahme seitens potentieller Geldgeber ablehnt

Zum Vorstand des MFI zählt nicht zuletzt Benjamin Idriz, eine der zentralen Figuren, wenn nicht DIE zentrale Figur der Münchner Muslime für interreligiösen Dialog. Seit 1995 ist er Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg e.V. und seit 2009 Vorsitzender des Vereins “Münchener Forum für Islam” e.V. Darüber hinaus ist er Autor des Buchs „Grüß Gott, Herr Imam – Eine Religion ist angekommen(Diederichs Verlag, 2010).

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Imam Benjamin Idriz, Foto: MFI

Der Untertitel „Eine Religion ist angekommen“ liest sich vielversprechend und trifft durchaus zu. Ebenso zutreffend ist aber leider auch, dass längst noch nicht alle Muslime wirklich bei uns angekommen sind. Der  ZDF-Beitrag „Ein Staat, zwei Welten“ greift diese Problematik ebenso anschaulich wie Besorgnis erregend auf und stellt die Gretchen-Frage:  „Wie die etwa 800.000 Flüchtlinge in die Gesellschaft integriert werden, ist eine Frage unserer Zukunft. Werden sie in Parallelwelten abtauchen oder lernen, unser Wertesystem zu akzeptieren? Toleranz dürfe nicht dazu führen, dass sich in unserer Gesellschaft solche Parallelgesellschaften mit eigenen Regeln ausbreiten, so die Dokumentation, denn „… in unserem Recht spiegelt sich die Wertevorstellung unserer Gesellschaft!“,  wie ein deutscher Richter im Film betont.

Entsprechend fordert auch Sigmar Gabriel, dass das Gesetz immer über der Religion stehen müsse und keiner in unserer Gesellschaft sein Bekenntnis über andere stellen dürfe.

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Standbild aus der ZDF-Dokumentation von 2013 „Ein Staat – zwei Welten“

Ebenso forderte kürzlich der Journalist Jakob Augstein eine „neue Leitkultur“. Den Begriff „Leitkultur“, laut Arte,  hatte ursprünglich der Politologe Bassam Tibi geprägt. „Er benutzte ihn, um grundlegende gesellschaftliche Werte zu beschreiben, wie Demokratie, Laizismus, Aufklärung und Menschenrechte.“ Der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz wandelte den Begriff 2000 ab, in dem er  (…)“ bemängelte, es gebe keine allgemein akzeptierte Definition mehr von dem, „was wir unter unserer Kultur verstehen„. Diese „Leitkultur“ verstand Merz als Gegenmodell zur „multikulturellen Gesellschaft“, die man in den Reden der damaligen rot-grünen Regierung oft wiederfand. (…)“

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Jakob Augstein fordert eine „neue Leitkultur“, Foto: ARD

Augsteins Haltung eignet sich aber nicht als später Triumph für Merz, denn Augstein bezieht sich vielmehr auf Bassam Tibi. Unsere Gesellschaft müsse auf den Wandel, der sich längst in ihr vollzogen habe, eingehen und sich über eine gemeinschaftliche Leitkultur neu definieren. Diese aktualisierte Leitkultur solle eine Art verbindlich schützenden Überbau bilden, unter dem sich kulturelle Vielfalt positiv entfalten könne. Diese Forderung wiederholte er kürzlich bei MAISCHBERGER und erntete sogleich Gegenwind. Es könne nicht angehen, dass wir (Deutsche) uns nun auch noch nach den Migranten richteten, befand sinngemäß die Sprecherin einer Bürgerinitiative.  Hier war sie wieder spürbar, die Angst vor dem Verlust des Vetrauten durch das Schreckgespenst einer „Überfremdung“ …

Monotheistische_Religionen_Interreligioeser_Dialog_Halbmond_David-Stern_Kreuz_jourfixe-Blog_Gaby_dos_SantosFür mich steht fest, dass sich das „Rad der Zeit“ nicht mehr zurück drehen lässt. Wozu auch? Es lebt sich doch recht gut in dieser inzwischen bunten Gesellschaft? Nun gilt es, sich diese zu vergegenwärtigen und im positiven Sinne zu bewahren. Insofern stimme ich Jakob Augstein zu und habe mich ein wenig unter Muslimen in München umgesehen.

Da unsereins zur Zeit viel über Islam und Islamismus diskutiert – oft auch schwadroniert – man aber eigentlich nicht viel Konkretes darüber weiß, begann ich meine Recherche mit dem 3-teiligen Dokumentarfilm  „Mohammed, der Prophet“  von Faris Kermani und Ziauddin Sardaran. Die Dokumentation zeigt ein faszinierendes Portrait des großen Religionsstifters und geschickten Staatsmannes, obwohl – oder gerade weil – der Beitrag auch kritische Stimmen zu Wort kommen lässt. Aufschlussreich fand ich auch den Einblick in Mohammeds Lehren im historischen Kontext und den Zusammenhang zwischen den drei monotheistischen Religionen.

PHOENIX MOHAMMED - DER PROPHET, "Erste Offenbarungen", am Mittwoch (26.08.15) um 20:15 Uhr. Filmregisseur Faris Kermani © PHOENIX/ZDF, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter PHOENIX-Sendung bei Nennung "Bild: PHOENIX/ZDF" (S2). PHOENIX-Kommunikation, Tel: 0228/9584-196, Fax: -199, presse@phoenix.de

Empfehlenswert! MOHAMMED – DER PROPHET, Teil 1: „Erste Offenbarungen“, Filmregisseur Faris Kermani, Ausstrahlung 26.8.2015  © PHOENIX/ZDF

Mohammed bezeichnet die Juden und Christen übrigens als Volk der Schrift. Im Koran 3:64 steht:

„Sprich: ‚O Volk der Schrift, kommt herbei zu einem gleichen Wort zwischen uns, daß wir nämlich Allah allein dienen und nichts neben Ihn stellen, und daß nicht die einen von uns die anderen zu Herren annehmen neben Allah.‘ Und so sie den Rücken kehren, so sprechet: ‚Bezeuget, daß wir Muslime sind‘.“

Koran Vignette

Koran Vignette

Die drei Religionen verbindet auch, dass ihre Heiligen Schriften Tora, Bibel und Koran in einem altertümlichen Stil und in einer bildhaften, nicht immer eindeutigen Sprache abgefasst sind. Bei falscher Lesart ergibt sich daraus emotionaler und schlimmstenfalls auch ganz realer Zündstoff; jener der zu den Kreuzzügen im Mittelalter führte, jener, der jüdische Siedler dazu treibt, sich in palästinensischen Gebieten niederzulassen und eben auch jener Zündstoff, durch den für die Islamisten ein „Dschihad“, ein ihrer Auffassung nach „Heiliger Krieg“, entflammt ist.

Muslime_Islam_Koran

Der Koran – das Heilige Buch der Muslime

Zum Begriff „Dschihad“ sowie zu weiteren „25 Fragen zum Islam“ bin ich im Internet auf folgende Erläuterung gestoßen:

„Oft werden in den Medien Begriffe wie ‚Dschihad‘ und “heiliger Krieg“ genannt und gleichgesetzt. Im Islam gibt es den Begriff des heiligen Krieges nicht. Gemeint ist eigentlich das Wort ‚Dschihad‘, welches ‚Anstrengung‘ oder genauer ‚sich auf dem Wege Gottes anstrengen‘ bedeutet. Jede Anstrengung im Alltagsleben, die unternommen wird, um Gott zufriedenzustellen, kann als Dschihad betrachtet werden. Eine der höchsten Stufen des Dschihad ist es, sich gegen die Herrschaft eines Tyrannen zu erheben und ihm die Wahrheit zu sagen. Gegen sein Ego zu kämpfen und sich von schlechten Verhaltensweisen fernzuhalten, ist ebenfalls eine große Anstrengung auf dem Wege Gottes. Zum Dschihad gehört auch, dass man zu den Waffen greift, um den Islam oder ein muslimisches Land zu verteidigen. Diese Art des Dschihad muß von einer religiösen Führung oder von einem muslimischen Staatsoberhaupt, das dem Koran und der Sunna (dem Beispiel des Propheten Muhammad) folgt, ausgerufen werden.“ *Originaltitel: 25 Most Frequently Asked Questions About Islam, Dr. Shahid Athar, 1993

Mekka_Makkah_Hadsch_Islam_Kaaba_jourfixe-Blog_Gaby_dos_Santos

Die Kaaba in Mekka ist das Ziel der großen Wallfahrt (Haddsch), die jeder Muslim einmal in seinem Leben unternehmen soll, sofern er dazu in der Lage ist. Die Pilger umrunden sie siebenmal gegen den Uhrzeigersinn und preisen dabei Allah; diese Umrundung wird Tawāf (‏طواف‎) genannt. (Quelle: Wikipedia)

Den letzten obigen Passus bzgl. des Einsatzes von Waffen muss man im historischen Kontext betrachten: Die Kaaba in Mekka war schon vor Mohammed ein religiöses Zentrum für Pilger aus allen Ecken Arabiens, die dort einer Vielzahl unterschiedlicher Gottheiten huldigten und viel Geld in die Stadt brachten. Die damals in Mekka herrschende Kaste empfand Mohammed, mit seiner neuen monotheistischen Glaubenslehre, als politische wie finanzielle Bedrohung. Mohammed  floh daher und ließ sich mit seinen Getreuen in Medina nieder. Es folgten zahlreiche blutige Auseinandersetzungen mit den Heeren Mekkas. Dennoch hat Mohammed immer betont, dass der bewaffnete Kampf nur der Verteidigung dienen dürfe. 

Wie oft musste ich mir in letzter Zeit anhören, Religion (und damit war keineswegs nur der Islam gemeint) stifte nichts als Unheil! Aber sind es nicht immer wir Menschen selbst, die die Gebote Gottes pervertieren?

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Die 16 Münchner Imame formulieren die Erklärung: „Nicht im Namen Allahs … Und nicht in unserem Namen!” Foto: MFI

Erschüttert über die Greueltaten des IS wandten sich im September 2014 die 16 Münchner Imame mit der Deklaration „Nicht im Namen Allahs … Und nicht in unserem Namen!“ an die Öffentlichkeit. Nachstehend Ausschnitte:

„(…) Weil wir Muslime sind, sind wir entsetzt über die Verbrechen, die im Namen unserer Religion im Irak und in Syrien begangen werden! (…)

Wir sind zutiefst traurig über die Zerschlagung der uralten Tradition des Miteinanders im Nahen Osten, wo Menschen unterschiedlichen Glaubens und vielfältiger Kulturen seit Hunderten von Jahren zusammenleben.

Wir solidarisieren uns mit Christen, Juden, Jesiden, Schiiten oder Sunniten – wer auch immer wo auch immer unter Gewalt, Terror und Vertreibung leidet.

Wir wehren uns dagegen, dass der Hass aus anderen Regionen der Welt nach Deutschland gebracht werden soll, und arbeiten für ein friedliches Miteinander hier in Deutschland, wo wir zuhause sind.

Wir Imame, die Verantwortung in unseren Gemeinden übernommen haben, um die Botschaft des Islam weiterzutragen, engagieren uns seit Jahren für ein friedliches Zusammenleben in Deutschland und setzen uns in unseren Predigten und in unserem Wirken in den Gemeinden für ein aufgeklärtes und gemäßigtes Religionsverständnis ein, gemäß dem Koran und der Tradition.

Wir leiden unter den aktuellen Nachrichten ja nicht weniger als andere, sondern mehr, weil es unsere Religion ist, die dabei so unbeschreiblich pervertiert wird. Müssen die Imame lauter schreien? Ja, müssen sie! Denn es sind die Irren, die Ungebildeten und Fehlgeleiteten, die Gewalttäter allerorten, die das Bild unserer Religion nach außen bestimmen. Und es ist unsere Aufgabe – wessen sonst! – dagegen aufzutreten. Wir können nur an alle appellieren, nicht uns hier an den Wahnsinnstaten anderer, wo auch immer auf der Welt, zu messen. Nicht uns, und nicht DEN Islam. So wie wir nicht das Christentum und nicht das Judentum an dem messen wollen und werden, was Einzelne oder extremistische Strömungen an Leid verursachen.

IS-Terror_verurteilt_von_Muenchner_Imamen_SZ_Beitrag2014

„Imame verurteilen den IS-Terror“   SZ-Artikel von Bernd Kastner, September 2014

(…) Der Koran verurteilt das Töten Unschuldiger in der entschiedensten Formulierung, die denkbar ist:

مَنْ قَتَلَ نَفْسًا بِغَيْرِ نَفْسٍ أَوْ فَسَادٍ فِي الْأَرْضِ فَكَأَنَّمَا قَتَلَ النَّاسَ جَمِيعًا وَمَنْ أَحْيَاهَا فَكَأَنَّمَا أَحْيَا النَّاسَ جَمِيعًا
Wer ein menschliches Wesen tötet, ohne (dass es) einen Mord (begangen) oder auf der Erde Unheil gestiftet (hat), so ist es, als ob er alle Menschen getötet hätte. Und wer es am Leben erhält, so ist es, als ob er alle Menschen am Leben erhält.“ (Koran: 5/32)

Unser Prophet Muhammed sagt:
لهدم الكعبة حجراً حجرا أهون من قتل مسلم
In den Augen Gottes ist es eine geringeres Vergehen, die Kaaba zu zerstören, als einen friedliebenden Menschen zu töten.

Dem Frieden gilt der gemeinsame Ruf aller Religionen. Barmherzigkeit ist mit weitem Abstand diejenige Aussage, die uns der Koran am häufigsten über Gott vor Augen hält. Allah selbst ist السلام „as-salam“, der Friede, und der wahre Muslim, der während seines Gebetes täglich dieses Wort immer wieder ausspricht, ist derjenige Mensch, der in Frieden mit Gott, mit sich selbst, seiner Umgebung, allen Menschen, Tieren und Pflanzen sowie mit dem ganzen Kosmos lebt. Allah fordert die Muslime dazu auf, die Botschaft des Friedens zu verbreiten und sich selbst ihrem Gegner gegenüber gerecht zu verhalten, um damit sein Herz zu erweichen und aus ihm einen Freund zu machen:

وَلا تَسْتَوِي الْحَسَنَةُ وَلا السَّيِّئَةُ ادْفَعْ بِالَّتِي هِيَ أَحْسَنُ فَإِذَا الَّذِي بَيْنَكَ وَبَيْنَهُ عَدَاوَةٌ كَأَنَّهُ وَلِيٌّ حَمِيمٌ
Und nimmer sind das Gute und das Böse gleich. Wehre (das Böse) in bester Art ab, und siehe da, der, zwischen dem und dir Feindschaft herrschte, wird wie ein treuer Freund sein.“ (Koran: 41/34)

Als eine Konsequenz aus dem koranischen Gebot:

يَاأَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا ادْخُلُوا فِي السِّلْمِ كَافَّةً
Ihr, die ihr glaubt! Tretet allesamt ein in den Frieden“ (Koran: 2/208)

müssen die Muslime in der ganzen Welt lautstark ihre Parteinahme für den Frieden entschieden und unmissverständlich, überall und unablässig kundtun. Islam bedeutet: der friedliebende Gehorsam Allah gegenüber, friedliche Akzeptanz und friedliche Praxis des Glaubens im Namen Allahs. Muslim bedeutet: der „friedliebende Mensch“, der Mensch, der Frieden auf Erden verbreitet. Dies bekundet der Prophet Muhammed (s) am besten, indem er den Muslim folgendermaßen beschreibt:

المسلم من سلم الناس من لسانه ويده
Der Muslim d.h. der friedliebende Mensch, ist verantwortlich dafür, dass die anderen friedliebenden Menschen vor seinen Händen und Worten sicher sind.

Wir rufen die Politik dazu auf, – in transparenter Weise gemeinsame Wege mit den Moscheegemeinden zu finden, wie wir den Extremismus effektiv bekämpfen können. Der Generalverdacht, unter den wir oft gestellt werden, ist kontraproduktiv und hat die Situation immer weiter verschärft! Die Politik muss dringend differenzierter vorgehen und unterscheiden, von welcher Seite tatsächliche Gefahr ausgeht, diese entschieden bekämpfen – aber ebenso entschieden mit denjenigen zusammenarbeiten und sie engagiert unterstützen, die den Islam richtig interpretieren und dadurch sehr viel effektiver gegen Missbrauch vorgehen können. (…)!

Link zur vollständigen Deklaration 

Am "Tag der Offenen Moschee 2015" erklärt ein Mitglied des MFI den Besuchern das geplante Bauvorhaben

Am „Tag der Offenen Moschee 2015“ erklärt ein Mitglied des MFI den Besuchern das geplante Bauvorhaben, Foto: MFI

Inzwischen war ich selbst schon zweimal zu Besuch im Münchner Forum für Islam, das vorläufig seinen Sitz in den Räumlichkeiten der Münchner Altstadt-Moschee, in der Hotterstraße 16 hat. Erstmals war ich zum „Tag der Offenen Moschee“ dort, den die islamischen Religionsgemeinschaften in Deutschland seit 1997 jedes Jahr am 3. Oktober  veranstalten. Eine deutsche Muslima führte mich durch die Räumlichkeiten und im Anschluss setzen wir uns zu einem Gespräch zusammen, das ich als  sehr anregenden Austausch zwischen zwei Frauen auf spiritueller Suche empfand.

Das Freitagsgebet beginnt in der Sommerzeit um 13.30 Uhr und im Winter um 12.30 Uhr, Foto: MFI

Das Freitagsgebet beginnt in der Sommerzeit um 13.30 Uhr, im Winter um 12.30 Uhr, Foto: MFI

Letzte Woche nahm ich erstmals am Freitagsgebet teil. Die Rituale eines Gottesdienstes, egal welcher Glaubensrichtung, rein sachlich beschreiben zu wollen, halte ich für wenig Erfolg versprechend. Hinter den festgeschriebenen, sichtbaren Abläufen verbirgt sich die Symbolik eines tieferen Sinnes. Und den kann nur jeder für sich selbst nachempfinden, vorausgesetzt man spürt das Bedürfnis, sich auf ein solches spirituelles Erlebnis einzulassen. Kürzlich wurde ich gefragt, ob man als „Ungläubige(r)“ denn überhaupt eine Moschee betreten dürfe?

Imam Idriz beim Freitagsgebet

Imam Idriz beim Freitagsgebet, Foto: MFI

Auf meine Nachfrage hin, teilte mir Imam Idriz mit, in der Moschee in Penzberg und in der Altstadt-Moschee in München sei jeder zum Freitagsgebet willkommen. Natürlich könne er nur für diese beiden Orte sprechen. Die Freitags-Predigt wird grundsätzlich auf Deutsch gehalten, der Gottesdienst beginnt während der Sommerzeit um 13.30 Uhr und im Winter um 12.30 Uhr und dauert ca. eine Stunde …As-salamu_aleiukm_wa_rahmetulla_Friede_Gnade_sei_mit_Eucch

Hinzufügen möchte ich noch die Bildbeschreibung, die ich auf der FB-Seite des Münchner Forums für Islam gefunden habe: „Wer den Gebetsritus der Muslime kennt, weiß, dass das Gebet mit ‚Allahu-akbar‘ (Gott ist der Größte) beginnt und sich dieser Spruch in allen Phasen des Gebetes wiederholt, nur nicht am Ende des Gebetes. Der Betende endet sein Gebet nicht mit ‚Allahu-akbar‘, sondern mit ‚As-salamu aleiukm wa rahmetullah‘, ‚der Friede und die Gnade sei mit euch!‘ Er wendet seinen Kopf zur rechten und zur linken Seite und verkündet den Frieden an alle Menschen und sagt: ‚Gott, Du bist der Friede selbst. Von Dir kommt Friede, und zu Dir führt der Friede zurück‘. Mit diesem Ritus macht sich der Muslim bewusst: So wie ich während des Gebetes nicht Böses gesprochen, gedacht oder getan habe, bleibe ich bis zum kommenden Gebet, in meinem Umfeld, mit allen Menschen, die sich zu meiner rechten und zu meiner linken Seite befinden, friedlich!‘ … „

Ähnlich unserem evangelischen Friedensgruß nach dem Abendmahl, so habe ich den Abschluss des muslimischen Gebets empfunden. Bewundernswert finde ich die Disziplin, mit der die frommen Muslime ihren Glauben ausüben, der soviel mehr verlangt, mehr an Gebeten, mehr an Verzicht und Ritualen, als es die Ausübung meines Glaubens fordert. Besonders in der heutigen, so durchgetakteten Zeit!

Das Kopftuch - ein polarisierendes Accessoire ...

Das Kopftuch – ein polarisierendes Thema

Bei meinen Besuchen in der Hotterstraße musste ich immer wieder feststellen, wie tief verwurzelt Vorurteile und Klischees in mir steckten und weiterhin stecken, wie so oft, wenn man von Gegebenheiten nur ansatzweise Ahnung hat. Begegnet man ihnen dann tatsächlich, zeigen sie sich anders als erwartet. Beispiele: Die deutsche Muslima, mit der ich mich so angeregt unterhalten habe, war kein unterdrücktes Mauerblümchen sondern eine selbstbewusste Akademikerin  – doch ja, sie trug sehr wohl das Kopftuch, ebenso trägt es die eine ihrer Töchter – doch nein, die andere trägt es nicht … Nein, der Imam sah nicht streng, asketisch oder gar düster aus – ja, er wirkte lebensbejahend und in Zivil eher wie ein Dressman – und  ja, er gab mir tatsächlich die Hand, mir, einer Frau, obgleich ein anderer Imam doch gerade der CDU-Politikerin Julia Klöckner den Händedruck verweigert hatte, auf  Grund ihres Geschlechts  ..?

Foto: MFI

Foto: MFI

Klischees können sich in der Realität bestätigen und  zeitgleich durch sie zurecht gerückt werden! Ich glaube, unsere sogenannte „abendländische“ Gesellschaft sollte bereit sein, ein wenig genauer hinzuschauen und den interreligiösen Dialog zu suchen, wo immer möglich, statt sich in diffusen Ängsten zu verlieren. Die Osmanen stehen nicht vor Wien! Sicher, der Islamismus, der macht auch mir Angst, große Angst …

„Wir haben auch Angst“, erwiderte letzten Freitag der Imam  …

Das Münchner Forum für Islam - Vision und Chance für ALLE Münchnerinnen und Münchner

Das Münchner Forum für Islam – Vision und Chance für ALLE Münchnerinnen und Münchner, Foto: MFI

Der Seher Johannes schreibt: „Ich sah einen Engel fliegen mitten durch den Himmel, der hatte ein ewiges Evangelium zu verkündigen denen, die auf Erden wohnen, allen Nationen und Stämmen und Sprachen und Völkern.“

(Offenbarung des Johannes 14,6)


Ein Großteil des Bildmaterials für diesen Blog wurde mir bereits am Wochenende seitens des Münchner Forums für Islam zur Verfügung gestellt und weitere Fotos von Aida Dedovic, Vorsitzende der Flüchtlingshilfe Münchner Muslime. Beiden danke ich für das Entgegenkommen und Vertrauen.


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Allgemein

Nicht immmer Simpl: Toni Netzle – zum bevorstehenden 85. Geburtstag

Mag sein, dass es in der Künstlerszene mitunter zugeht, wie im Haifischbecken. Dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – verwandelt sich selbiges mitunter in einen Koi-Karpfenteich, es bedarf nur des richtigen Anlasses. Und ein solcher ist mit der Hommage-Veranstaltung zu Toni Netzles bevorstehendem 85. Geburtstag gegeben:

Alter_Simpl_Hans_Beierlein_Toni_Netzle_Brigitte_Bardot_Amelie_Fried_Gaby_dos_Santos_jourfixe-Blog

Montage einiger Simpl-Gäste: Von links: Gunther Sachs, Brigitte Bardot, Dagobert Lindlau, Amelie Fried, Paul Breitner, Barbara Dickmann, Marie Waldburg, Hans R. Beierlein  – im Vordergrund Playboy Ralf Eden sind in der Retrospektive in Bild und/oder O-Ton vertreten u. v. m.

Einige ehemalige Simpl-Gäste reisen zur Matinee am Donnerstag, 19. März, um 11 Uhr im PresseClub München sogar extra an. Andere haben Fotoalben gewälzt, um mir noch Bildmaterial für die Multimedia-Retrospektive zu überlassen, die unter dem Titel: „Nicht immer Simpl: Toni Netzle“ im PresseClub gezeigt werden wird. Ganz zu schweigen von den vielen O-Tönen, die ich seit 2012 für diese Dokumentation zusammengetragen habe. Nie wurde mir ein Interview verweigert, ob hoch beschäftigte Musikproduzenten wie Ralf Siegel oder Politiker wie Peter Gauweiler oder Horst Ehmke, ob die Schauspieler Michaela May und Christian Wolff oder „Traumschiff“-Schöpfer Wolfgang Rademann. Und alle hatten sie mir viel zu erzählen, über drei wechselvolle Jahrzehnte am wohl berühmtesten historischen Tresen Münchens, den Toni Netzle zu ihrem Wohnzimmer erklärt und so auch geführt hatte, wie Paul Breitner in einem seiner O-Ton Beiträge anmerkt:

 

Horst_Ehmke_Alter_Simpl_SPD_Toni_Netzle_Gaby_dos_Santos_jourfixe-Blog„Eigentlich war der Simpl ziemlich spießig“, so Toni Netzle. Gemeint sind jene ungeschriebenen Wertvorstellungen, mit denen sie in ihrem legendären Lokal drei Jahrzehnte lang jedem neuen Zeitgeist auf ihre Art begegnete. Marianne Strauss ließ daher ihre Kinder im Schutz des Simpls die ersten Erfahrungen mit dem Nachtleben sammeln, die Schwabinger Krawalle fanden hier eine Plattform und Politiker unterschiedlichster Couleur „hinterchambrierten“ Partei übergreifend in Tonis Büro.

Dieter_Olaf_Klama_Alter_Simpl_Toni_Netzle_Gaby_dos_Santos_jourfixe-BlogIn der drangvollen Enge tummelten sich Studenten, Paradiesvögel, Adabeis und viele Medienvertreter, wobei der journalistische Instinkt vor der Tür zu bleiben hatte. Im Simpl war jedermann privat zu Gast. Auch dies ein ungeschriebenes Gesetz der Dame des Hauses, das so mancher Weltstar zu schätzen wusste, in der Zeit zwischen 1960 und 1992, als München noch als heimliche Hauptstadt galt.


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In ihren Memoiren schildert Toni detailliert den Hype, den die Fimpremiere von „Shalocko“ in ihrem Lokal verursachte und listet auf, wie diskriminierend die Filmgesellschaft die Verpflegung der Stars und Gäste organisierte: Erstklassiger Sekt nur für BB, Mittelklasse für Co-Star Peter van Eyck, während der andere Co-Star, weil nur „der Indianer“ sich mit Bier zu begnügen hatte. Sean Connery kam gar nicht erst, weil dies eine Veranstaltung der BB war.

 

Mit der Wende verlagerte sich der internationale Fokus nach Berlin und Tonis Streben wieder auf die Schauspielerei, ihrem erlernten Beruf. Nach einer emotionalen Abschiedsfeier mit Stars wie Rudi Carell „… bin ich mit meinem Lebensgefährten und meinem Hund gegangen, ohne mich auch nur noch ein einziges Mal umzudrehen …“erinnerte sich Netzle später.

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Toni Netzles Autobiografie: „Mein Alter Simpl“ ist im Münchner Hirschkäfer Verlag erschienen,. ISBN 978-3-940839-10-7

Ganz trennen wollte sie sich aber nicht von ihren vielen Erinnerungen und verfasste ihre Autobiografie, mit der sie ein neues, zeitgenössisches Kapitel zur Chronik des Alten Simpls hinzufügte.

Gegründet wurde dieser 1903 von Käthi Kobus.  Im Gefolge hatte sie die Literaten und Zeichner des Satireblatts Simplizissimus und die berühmte Bulldogge von Zeichner Thomas Theodor Heine als Maskottchen. Kobus übernahm kurzerhand Namen und Hund aus der literarischen Vorlage, woran sich bis heute nichts geändert hat, wie die Simpl-Bulldogge in der Collage selbst zu berichten weiß, begleitet von vielen historischen Bildern und mit Stimme und Worten von Toni Netzle. Hier eine Kostprobe, leider nur als Hörspiel:

 

Das Lokal entwickelte sich unter Käthi Kobus zur Keimzelle dessen, was als „Schwabinger Bohème der Jahundertwende“ zur Legende werden sollte, obgleich sich der Alte Simpl in Maxvorstadt und nicht in Schwabing befindet. Wie auch immer trafen sich hier ii namhafte Literaten, wie Thomas Mann, Strindberg oder Ludwig Thoma und Peter Paul Althaus, Paradiesvögel wie die barfüßige Gräfin Franziska von Reventlow, Revoluzzer wie Erich Mühsam, die Dichter und Kabarettisten Karl Valentin und Joachim Ringelnatz. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg gab Käthi Kobus das Lokal aus Altersgründen auf.

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Bildcollage aus meiner Produktion „Das Lied von Lili Marleen“; Quelle der Fotos: Nachlass von Theo Prosel

Die nächste große Blütezeit erlebte der Alte Simpl unter dem Wirt und Kabarettisten Theo Prosel.

http://www.theo-prosel.de/

Unvergessen bleibt u.a. sein Song: „Ich hab die schönen Maderln nicht erfunden …“  Eine der vielen KünstlerInnen, die Prosel für seine Bühne engagierte, war die Sängerin Lale Andersen. Für sie vertonte ein junger Komponist namens Rudolf Zink die erste Fassung eines Liedes, das später, in der Version von Norbert Schulze Weltruhm erlangen sollte: „Lili Marleen„. Lale Andersen äußerte später, dass ihr die ursprüngliche, sehr nostalgische Melodie von Rudolf Zink wesentlich mehr entsprochen habe.  Hier ein Ausschnitt dieser weitgehend unbekannten Fassung, von Lale Andersen selbst gesungen:

 

Ja, und dann wäre da noch die Geschichte, wie Theo Prosel einem jungen Studenten namens Franz-Joseph Strauß Hausverbot auf Lebenszeit erteilte, noch bevor eine Bombe dem Simpl erst einmal für Jahren den Garaus machen sollte …

Es gäbe noch so viel zu erzählen, von gestern und vorgestern, im Alten Simpl, aber mehr wird an dieser Stelle nicht verraten. Einiges davon präsentieren wir am 19. März  in Bild und Ton im PresseClub, als unsere Hommage an Toni Netzle – im Namen zahlreicher Menschen, die bewegende Erinnerungen mit dem Alten Simpl und Toni Netzle verbinden ….

Details zu der  Matinee am 19.3.

http://www.jourfixe-muenchen-ev.de/dhtml/jourfixe_News.html

 

Details zur Produktion „Nicht immer Simpl: Toni Netzle“

http://www.jourfixe-muenchen-ev.de/dhtml/jfkatalog/Toni_Netzle_Simpl_Collage.html

 

Details zu Toni Netzle

http://www.jourfixe-muenchen-ev.de/Toni_Netzle.html

 

Alle Informationen finden sich zudem in einer PDF-Broschüre zum Downloaden zusammengefasst:

http://www.jourfixe-muenchen-ev.de/Bilder2014/Toni_Netzle_2015_Simpl_Collage_Gaby_dos_Santos.pdf

 

Ein Verzeichnis aller bisherigen Blog-Beiträge findet sich unter

http://www.jourfixe-muenchen-ev.de/jourfixe_Blog_Verzeichnis.html

 

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