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Salon reloaded: Wohnzimmerkonzerte von Petra und Thomas de Lates in München-Schwabing

Immer wieder träumt jemand davon, gerade in einer Stadt wie München, die auf eine große Bohème-Tradition zurückblickt, eines Tages als Salonnier/e große Kreative und faszinierende Zeitgenoss_Innen um sich zu scharen, wie das Licht die Motten … Ein nachvollziehbarer Traum, der aber heutzutage meist unsanft auf dem Boden unserer schnelllebig gewordenen Gesellschaft zu landen droht und/oder an der Konkurrenz von TV und Social Medias zu scheitern! An mir selber beobachte ich, dass ich abends regelmäßig, nach dem Overkill an Daten und Kommunikation des Tages, kapituliere und mich in meinen heimischen Kokon zurück ziehe. Das höchste meiner noch vorhandenen Gefühle ist ein Abend in kleinster Runde, bei guten Gesprächen.

Einem Duo jedoch gelingt es regelmäßig, mich aus meiner selbst gewählten privaten Isolation zu locken: Das Ehepaar Petra und Thomas de Lates. Dem Klischee entsprechend, leben sie in Schwabing, zwar in einem modernen Hochhaus, aber in einer Wohnung, die, ausgestattet mit einer Unzahl Büchern und CD’s, Kunst und Kultur an allen Regal/Wänden verströmt.

Petra Windisch de Lates habe ich vor ! 33 Jahren in der Jazz-Szene kennen und schätzen gelernt, und seitdem waren wir beide fleißig in München und darüber hinaus unterwegs: Petra ist Mitbegründerin und Vorsitzende der Hilfsorganisation „Deutsche Lebensbrücke e.V.“ und zudem mit der Förderung des Jazz befasst, sowohl als langjähriges (Vorstands)Mitglied der Jazzmusiker Initiative München (JIM), wie auch als Programmchefin der Reihe „Jazz and Beyond“ im Münchner Künstlerhaus. Obgleich der Jazz in den letzten Jahrzehnten leider an Popularität verloren hat, ist Petras Reihe inzwischen etabliert und rege besucht. Da sie darüber hinaus zu den wenigen mir bekannten Personen gehört, die es schaffen, ganz ohne Anfeindungen aus zu kommen und zudem eine charismatische und anregende Gesprächspartnerin ist, erfreut sie sich eines entsprechend großen und vor allem schillernden Freundeskreises, den zu pflegen sie sich auch die Zeit nimmt, mit welchem Energie spendendem Perpetuum Mobile auch immer ihr das, wie vieles mehr, gelingt!

Sängerin Linda Jo Rizzo

Sängerin Linda Jo Rizzo

An ihrer Seite Ehemann Thomas, dessen gesangliches Talent von einer anderen Szene-Figur vor einigen Jahren erst entdeckt wurde: Von Entertainerin Linda Jo Rizzo. (Dazu s. auch u. „Linda & die Februarvögel„.) Seitdem singt Thomas … Der obligate Aufschrei in der Szene „Da könnte doch jeder kommen ...“ ist schnell verstummt, da er rasch und mit Unterstützung seiner Frau, einiges mehr an Auftrittsmöglichkeiten etc. auch für Kolleg_Innen aufgetan hat. Hinzu kommt der augenzwinkernde, unnachahmliche K & K-Charme, der ihn durch Vita und Gigs begleitet.

Sänger Thomas de Lates

Sänger Thomas de Lates

Da seine Auftritte zudem stimmig besetzte Bands und Repertoire auszeichnen, besuche ich gerne seine Konzerte, zumal auch diese, ebenso wie die „Jazz & Beyond“-Konzertreihe seiner Frau, immer dieser „Petra und Thomas de Lates“-Flair umweht.

Beim ersten Wohnzimmerkonzert von Petra und Thomas de Lates

Wenn ein solches Powerpaar dann zu Soiree oder Brunch zu sich einlädt, darf man von eben solcher Atmosphäre mit LebensART ausgehen, von schmackhaftem Essen und vor allem von spannenden Gesprächen und Bekanntschaften, dank der Gäste unterschiedlichster Couleur, die hier verkehren und mit denen man von den Gastgebern schnell und intensiv in Gespräch verwickelt wird. Bei „P und T“ habe ich letztes Jahr die wunderbare finnische Sängerin Tuija Komi kennengelernt, deren Auftritte ich seitdem regelmäßig verfolge. Bei „P und T“ bin ich auf den Allround-Künstler Albrecht von Weech aufmerksam geworden, der den Gesangspart in der Reprise „Kann denn Liebe Sünde sein?- Bruno Balz“ übernehmen wird, mit Lutz Bembenneck als Rezitator und Thomas Erich Killinger als musikalischer Leiter und Pianist.

Edgar Wilson spielte das 1. Wohnzimmerkonzert bei Petra und Thomas

Und apropos Piano: Das haben sich Thomas und Petra kürzlich auch noch besorgt, somit der Entwicklung ihres Salons folgend, den sie allerdings noch nie als solchen zu bezeichnen nötig hatten. Nun steht bereits das zweite Wohnzimmerkonzert bevor:

Mit Pianist Daniel Vasiljev, der ein ehemaliger Schüler von Leonid Chizhik war und Band Leader von Honest Talk ist, sowie dem Sänger Julian Williams alias J–Luv, verspricht der Musikteil spannend zu werden. Ich freue mich jedenfalls schon sehr! Details zu dieser Veranstaltung am Sonntag, den 26. Februar, 11 Uhr bis 15.30 Uhr, s. Homepage der Kultuplattform jourfixe-muenchen, unter „Kalender„.


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„Burli“ – Regisseur Bernd Fischerauer präsentiert einen beeindruckenden Roman vor prominentem Publikum

Es verbirgt sich einiges aus Bernd Fischerauers persönlicher Biografie in der Titelfigur seines Debüt-Romans „Burli“, den der bekannte Regisseur und Drehbuchautor vergangene Woche in Till Hoffmanns Schwabinger Lustspielhaus vorstellte.

Das Lustspielhaus erwies sich als atmosphärisch kongeniale Spielstätte für das Klassentreffen der Münchner TV- und Filmfamilie

Bernd Fischerauer, Jahrgang 1943, wuchs wie sein „Burli“, im Graz der Nachkriegsjahre und des Wirtschaftswunders auf, als sich noch so mancher brauner Filz unter sorgfältig ausgekämmten Teppichfransen verbarg. Die gradlinige, gleichermaßen unschuldige wie schelmische „Ich“-Perspektive des jugendlichen Erzählers entlarvt jedoch die kleinen und großen Lebenslügen der Erwachsenen. Besonders berührt hat mich dabei die liebevolle Darstellung der Gefühls- und Gedankenwelt eines typischen Teenagers, dem die Ungeheuerlichkeiten des Lebens – sein Vater wird unter anderem als Kriegsverbrecher gesucht – nicht weniger aber auch keinesfalls mehr bedeuten, als erste erotische Abenteuer und seine erste große Liebe! Intensiv hat sich der Autor dabei in diesen frühen Lebensabschnitt zurück empfunden und ihn literarisch neu belebt: „Burli“ erlebt und reflektiert die Ereignisse mit instinktivem Gespür für die Handlungsweisen und Motivationen der Menschen in seinem Umfeld, ohne dass dahinter jemals ein erhobener Zeigefinger des Autors spürbar würde.

Gebannt bin ich seinen detailliert skizzierten Momentaufnahmen gefolgt, aus denen sich mosaikartig Handlungsstrang und Rückblenden entwickeln, vor der Kulisse einer nur scheinbar idyllischen Gutbürgerlichkeit, die mit Ritualen sorgsam bewahrt wird, wie das „Abendbrot um Punkt Sieben“ – das viele Leser_Innen sicher selbst noch erinnern. Dazu lautet ein für Burli typischer Kommentar: „Als ob ein Butterbrot kalt werden könnte (…)“ Auch drakonischen Strafen seitens seiner Eltern sieht er sich immer wieder ausgesetzt, wie dem berüchtigten „Scheitelknien“, was bedeutet, stundenlang auf der Kante eines Brennholzscheites knien zu müssen. Entsprechend fühlt sich „Burli“ bei Abwesenheit seiner Eltern stets befreit. Das geschieht im Verlauf der Geschichte immer öfter, denn da ist ... die Sache mit der Vergangenheit seines Vaters, die sich Adolf, von allen „Burli“ genannt, nach und nach erschließt. Da gibt es geheimnisvolle Fremde, die plötzlich an der Tür klingeln, (…) Erwachsene, die immer ein Geheimnis mehr haben, als Burli durchschaut, aber auch (…) seinen Onkel Hubert, den Antifaschisten und Kinobetreiber. Am Ende kommt es zu einem großen Showdown. (Zitate aus dem Klappentext des Romans) Doch zu guter Letzt erweist sich der ganze Sturm, der durch das Leben des „Burli“ und seines Umfelds fegt, als ein Sturm im Wasserglas, denn 1957 werden auch die durch das Dritte Reich „Schwerbelasteten“ amnestiert. „Es gibt nach 1957 keine ehemaligen Nazis mehr in Österreich!“ so Dieter Stiefel, ein österreichischer Experte für Wirtschafts- und Sozialgeschichte.

Genau das macht den Roman von Bernd Fischerauer in meinen Augen umso wichtiger. Über die NS-Vergangenheit in Österreich und deren Aufarbeitung nach dem Krieg, ist mir bislang nur wenig bekannt gewesen, ganz zu schweigen von einem Roman zu diesem Thema. Ein entsprechend großes Anliegen muss Bernd Fischerauer die Präsentation seines Werkes gewesen sein. Und auch ein drängendes, denn Bernd Fischerauer ist seit einiger Zeit schwer erkrankt. Daher wusste er auch nicht, ob er selbst einer Lesung gewachsen sein würde. Diesen Part übernahm für ihn in Wien niemand geringerer als der Burgschauspieler Peter Simonischeck, der derzeit weltweit als „Toni Erdmann“ im gleichnamigen Film gefeiert wird.

In München und Salzburg las der Schauspieler Johannes Silberschneider (rechts im Bild) und wurde der Qualität des Buches mit seinem Vortrag mehr als gerecht. Leider habe ich während der gesamten Lesung die Augen geschlossen gehalten, um mich ganz auf die Sprache des Autors zu konzentrieren und dabei Mimik und Gestik des Darstellers verpasst, wie mir Toni Netzle später berichtete …

Einen Roman muss man so schreiben, dass Bilder entstehen„, äußert Bernd Fischerauer in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Ich finde, dass ihm das wirklich gelungen ist, ebenso wie der Spagat, bei allem Detailreichtum in den Schilderungen, Spannung und Wortwitz nicht zu vernachlässigen. Das durfte ich bei meiner anschließenden Lektüre des Romans immer wieder feststellen. „Burli“ hat mich gepackt, und nur ungerne habe ich mich von dieser ebenso derb wie pointiert formulierenden Teenager-Figur verabschiedet. Deren Abenteuer auf dem Weg in die Welt der Erwachsenen hätte ich gerne noch länger verfolgt; auch wegen des angenehm unsentimentalen Stils des Buches, in dem es auch endet: Eine Amnestie – und Schwamm über die Vergangenheit …

Bernd Fischerauer hat bei seiner Buchpräsentation am Eingang des Saals alle Gäste persönlich begrüßt und es sich später nicht nehmen lassen, jedes Buch – und es wurden viele – zu signieren, wofür die zahlreich erschienenen und mehrheitlich prominenten Gäste aus der Münchner TV- und Filmfamilie geduldig anstanden. Auf obigem Foto, zweite von links, ist die Schauspielerin Kathrin Ackermann zu sehen und ganz rechts Kommissar a.D. Horst Schickl, alias Wilfried Klaus aus der TV-Serie SOKO 5113.

Zur Matinée erschienen war Bernd Fischerauer mit seiner Frau, der Schauspielerin Rita Russek,(auf obigem Foto links), bekannt u.a. aus der Krimiserie Wilsberg. Bei seinem Anblick bin ich ein wenig erschrocken, hatte ich ihn doch vor einem Jahr in der Hanns-Seidel-Stiftung kennen gelernt, wo er die Aufführung einer der Simpl-Collagen von Toni Netzle und mir besucht hatte. Schmal ist er inzwischen geworden, die Behandlungen haben Spuren hinterlassen, aber er wirkte gut aufgelegt. Kein Wunder, stand doch eine Menschenmenge schon einige Zeit vor Einlass in der Occamstraße Schlange!

Uschi Glas und Toni Netzle

Uschi Glas und Toni Netzle

 Großes Hallo auch im Publikum; man kannte sich weitestgehend persönlich und ansonsten zumindest vom Sehen oder aus der Presse.Toni erläuterte mir später, dass gut zwei Drittel des Publikums ehemalige Gäste von ihr gewesen wären. Lange unterhielt sie sich mit Uschi Glas und wirbelte ansonsten fast die ganze Zeit vor und nach der Vorstellung durch das Publikum: Hier ein Küsschen vom Münchner Tatort-Kommissar Miroslav Nemec, dort ein Plausch mit TV-Star Peter Fricke, ein herzliches Wiedersehen mit dem Komponisten Eberhard Schoener, den ich auch gerne kennen gelernt hätte, da ich seine Arbeit schätze und mich seine Ausstrahlung „in echt“ ziemlich beeindruckte. Auch freute ich mich, den Regisseur Erich Neureuther, erwartungsgemäß bei einem solchen „Klassentreffen“, zu begegnen. Ihn kenne ich inzwischen recht gut, da er mir als Zeitzeuge für meine Produktion zum 450 Jubiläum des Alten Südfriedhofs ein ausführliches Interview zu seiner Familiensaga gegeben hat, die noch viel bewegter ist, als die über „Die Glückliche Familie“, mit Maria Schell, Maria Furtwängler,  Siegfried Rauch und Susanna Wellenbrinck, für die er seinerzeit reichlich TV-Lorbeeren erntete.
Bernd Fischerauer signiert mein Buch-Exemplar

Bernd Fischerauer signiert mein Buch

Die Liste der Promi-Gäste ließe sich noch endlos fortsetzen, war aber für mich nicht das Besondere an dieser Veranstaltung. Abgesehen von der Lesung beeindruckte mich vielmehr, dass sich hier, jenseits aller Roten Teppiche, einfach Menschen versammelt hatten, um die Arbeit eines Kollegen, Freundes und Wegbegleiters von Herzen zu würdigen. Dem schloss sich auch die „BUNTE“ an.Tanja May und Celia Tremper widmeten Autor, Buch und Lesung die Titelstory der Woche, inklusive eines Abdrucks des Buch-Covers, obgleich Berlinale & Co. sicher genug anderen Stoff geboten hätten. Celia Trempers Sohn Terence hatte bereits bei der Veranstaltung eine ganze Reihe Pressefotos dazu geschossen. Aber „Boulevard“ ist und bleibt von Amts wegen eben „Boulevard“ und so wurde als Titelbild das große Portrait-Foto einer ernst blickenden Rita Russek gewählt und daneben ein kleineres von ihr und Bernd.„Rita Russek – Große Angst um ihren Mann“ lautet dazu die Schlagzeile. Darunter heißt es: „Star-Regisseur Bernd Fischerauer ist schwer erkrankt. Bewundernswert, wie seine Frau ihm jetzt beisteht. Er ist die Liebe ihres Lebens„.

Melancholische Stimmung im Lustspielhaus nach der Veranstaltung

Bleibt zu hoffen, dass diese vielfältige und hochkarätig besetzte Aufmerksamkeit nicht davon ablenkt, dass mit „Burli“ ein wertvoller neuer Beitrag auf dem Buchmarkt erschienen ist, dem in Kürze übrigens das nächste Buch folgen wird, Offensichtlich kann Bernd Fischerauer, ganz wie zeitweise sein „Burli“ im Roman, nicht mehr vom Schreiben lassen …

Im SZ-Interview von Eva-Elisabeth Fischer Bekenntnisse eines Apolitischen, 9.2.17, „über seinen ersten Roman „Burli“, politische Altlasten und die Lügen nach der Stunde Null in Österreich„, räumt der Regisseur und Drehbuchautor ein: „Ich hatte immer den großen Wunsch und andererseits auch den großen Bammel davor, mich an Prosa zu wagen. (…) Du kennst so viel gute Bücher, warum sollst Du jetzt auch noch ein schlechtes schreiben?‘ „

Das „Warum“ beantwortet Konstantin Wecker in einer Würdigung zum Buch: Bernd Fischerauer weiß zu bewegen, zu verzaubern, zu erschrecken und zu berühren …“


Bernd Fischerauer / Burli / Roman ISBN: 978-3-7117-2046-7 /

288 Seiten, gebunden / €24,00 inkl. MwSt. / Picus Verlag /

auch als Ebook erhältlich


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