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Buschtrommeln für „mau“ – Die Geschäftsidee von „Two Tickets“ – ein Tauschhandel der besonderen Art

Für Couch-Potatoes sind bei dieser Firma – das Logo lässt daran keinen Zweifel – die Stunden angezählt! „Runter vom Sofa, rein in die Stadt!“ lautet der Slogan der deutschlandweit aktiven Berliner Firma „Two Tickets“, der eine pfiffige Marketing-Idee zugrunde liegt: Für einen Mitgliedsbeitrag ab 7,99 im Monat, haben KulturinteressentInnen Zugriff auf Freikarten sowie verloste oder reduzierte Tickets für unterschiedlichste Veranstaltungen in ganz Deutschland.

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So deren Angebot im O-Ton auf der Homepage

Stellt sich die Gretchenfrage nach dem Benefit für uns Kunst- und Kulturschaffende, denn Freikarten sind und bleiben nun einmal Freikarten. Droht aber, besonders bei en-suite-Aufführungen, Zuschauerschwund, so füllt uns dieses System die Ränge – statt mit gähnender Leere, mit Klientel für mögliche künftige Mund-zu-Mund-Propaganda!

„Die Probleme begannen, als Mensch bemerkte, dass er Publikum braucht, applaudierendes Publikum … “ Foto von Werner-Bauer aus einer Bildsequenz der jourfixe-Satire nach E. Kishons „Kein Applaus für Podmanitzki“

Für unsere Kulturplattform jourfixe-muenchen hat sich das „Two-Tickets-System“ erstmals 2010 bewährt. Damals gastierten wir mit meinem jourfixe-Historical „Das Lied von Lili Marleen“ bei Heiko Dietz in seinem unvergessenen „Theater … und so fort“ in Schwabing. Leider stellte sich bald heraus, dass mein Konzept multimedialer Bühnen-Collagen/Historicals damals noch zu wenig bekannt war für die beträchtliche Anzahl von Terminen, mit denen wir uns an der Bühne eingebucht hatten. Das Theater blieb ziemlich leer, Tag für Tag. Das Problem daran war nicht nur, dass keiner an solchen Abenden verdiente und der Sohn von Lale Andersen, aus solidarischer Verzweiflung, Abend für Abend Freunden aus eigener Tasche Karten spendierte – nein, das viel größere Problem war – und ist, dass sich bei schlecht besuchten Vorstellungen keine wirklich gute Bühnen-Atmosphäre entwickeln kann, was bei den wenigen Zuschauern noch zusätzlich einen schlechten Eindruck hinterlässt. Die so dringend benötigten Buschtrommeln werden diese danach kaum betätigen. Heiko halte ich bis heute zugute, dass er die Situation ohne ein böses Wort uns gegenüber hinnahm. Und das, obwohl er als Leiter eines privaten Theaters auch mit jeden Cent rechnen musste.

Doch eines Abends war alles anders: der Raum wieder annehmbar gefüllt, die Stimmung entsprechend aufgeräumt – die Kasse allerdings weiterhin auch. Ich staunte Bauklötze, woher diese ganzen Freikarten-BesitzerInnen kamen. Heiko klärte mich daraufhin über das System sowie den Nutzen für uns Veranstalter der „Two Tickets“ auf und bei mir fiel der eine oder andere Groschen dahingehend, warum es sich bei manchen KollegInnen immer einen Tick mehr füllte, als bei uns 😉 Fakt ist: Nicht jede Veranstaltung bekommt man gleichermaßen voll, schon gar nicht bei der heutigen Konkurrenz von TV und Internet und einer Klientel, die es nach einem Arbeitstag im Daten-Overkill nicht auch noch massenweise ins Kulturleben drängt. Inzwischen stelle ich daher routinemäßig, selbst bei erfolgreichem Kartenvorverkauf, zu jeder jourfixe-Veranstaltung mindestens 1 x 2 Karten zur Verlosung bei Two Tickets ein,  allein schon aus PR-Gründen.

Übrigens steht „der Bus mit den Rekruten aus Tel Aviv“ in Ephraim Kishons Satirensammlung „Kein Applaus für Podmanitzki“ für genau die gleiche (Not)Lösung seit Jahrzehnten startbereit, gestaltet sich aber um einiges unhandlicher … 😉


Two Tickets war bisher für mich eine feste, zugleich aber phantomatische Einrichtung aus der virtuellen Marketing-Welt. Daher habe ich meinen Berlin-Aufenthalt u.a. dazu genutzt, die Macherinnen und Macher am Prenzlauer Berg ganz reell in ihrem UR-Berliner-Altbau zu besuchen. Auf dem Titelbild bin ich mit unserer neuen Ansprechpartnerin zu sehen, Frau Dunja Böhnisch.

Details: https://www.twotickets.de/


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