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Geburtstag auf Wolke 7: Fotostrecke, Kommentare und weiterführende Links zur Künstlerfeier an meinem 60. Geburtstag, 4. Juni 2018, bei Terry Swartzberg in München

Runde Geburtstage verleiten mich regelmäßig zum Kassensturz: Wo genau stehe ich an diesem Stichtag, in Bezug auf meine Pläne, Ziele, Überzeugungen und auf meine Gefühlswelt? Und wer steht an meiner Seite, beziehungsweise mir zur Seite? Nehme ich den aktuellen, sechzigsten Geburtstag zum Maßstab, fällt meine biografische Zwischenbilanz um so vieles besser aus, als mir selbst bislang bewusst war. Von der Zuneigung meiner Gäste fühlte ich mich regelrecht eingelullt, von vielen liebevollen Gesten, Zuwendungen, Worten und künstlerischen Darbietungen. Dass die Gästeliste sich fast ausschließlich aus künstlerischen WegbegleiterInnen und engen KooperationspartnerInnen unterschiedlichstem Datums zusammensetzte, spielte dabei für mich keine Rolle, denn in meinem Leben verlaufen die Grenzen zwischen künstlerischer, beziehungsweise kultureller Arbeitswelt und Privatleben seit Jahrzehnten fließend.

Glücklich – Gaby dos Santos am 60. Geburtstag. Links im Hintergrund Christiane von Nordenskjöld, Kustodin (Ateliermuseum) der Magda-Bittner-Simmet-Stiftung

Die prägnantesten Momentaufnahmen, festgehalten von mehreren Gästen, habe ich in nachstehender Fotostrecke zusammengestellt, kommentierjt und verlinkt, weil diese nicht nur eine schöne Erinnerung für mich – und hoffentlich für meine Gäste – darstellen, sondern auch widerspiegeln, wofür die Kulturplattform jourfixe-muenchen steht. Nachfolgendes Gruppenfoto zeigt zwar nicht alle der geladenen !80 Gästen, aber einen guten Querschnitt:

Kurz vor Beginn der Künstler-Session: HINTEN von links: Manuela Rosenkind (Illustratorin, Autorin „Mia Meilenstein„), Harry Rosenkind (Musik-Promoter, Schlagzeuger der Kultrockband „Sahara“), Elisabeth Sorger (Malerin, Sprecherin der MKG-Münchner Künstlergenossenschaft), Reiner Mauthe, Catherine Houdayer (Modeexpertin), Jörn Pfennig (Lyriker, Bestseller mit „Grundlos zärtlich“), ganz an der Wand Arno Baum (Musik-Booker, Bassist der Progressive-Rockband PROGNOSTIC) und ansatzweise zu sehen Piaistin Masako Ohta; MITTLERE REIHE im Sessel: Ulrike Keil (Musikwissenschaftlerin, Pressechefin von Musikerlebnis/Tonicale, musica femina münchen) mit Ehemann, Michaila Kühnemann (Film- und Radiomacherin RADIO MÜNCHEN, Kabarettistin, Liedermacherin), Peter Lang (Inhaber Artist Studio München, als Musiker Mitbegründer der ungarischen Kultbands Hungaria und Omega), Claudia Cane (Rockröhre), VORNE, neben mir, Christine Weissbarth (Schauspielerin, Moderatorin und Referentin bei der Hanns-Seidel-Stiftung) sowie, halbverdeckt, Cecilia Gagliardi (Sängerin, Gitarristin, Theater im Roßstall/Germering)

Die  Kulturplattform jourfixe-muenchen steht seit fast zwanzig Jahren für kulturelle und künstlerische Vielfalt, mit dem Ziel gegenseitiger Inspiration und der Bildung von Synergien. Diese Vielfalt spiegelte sich in der Geburtstagsfeier wieder: Die Künstler- und Kulturschaffenden des jourfixe sind unterschiedlichster Couleur, doch bilden Know How, Offenheit und Interesse gegenüber anderen Kunstformen, Freude an künstlerischen Synergien und multidisziplinären Projekten einen kittenden, gemeinsamen Nenner. Als Mitglied kann man sich bei uns nicht bewerben; statt dessen spreche ich gezielt Kunst- und Kulturschaffende an, die ich mir als Bereicherung unseres künstlerischen Pools erhoffe, zur Entwicklung gemeinsamer Projekte und gegenseitigen Unterstützung.

Gastgeber Terry Swartzberg, Journalist, PR-Fachmann und Vorsitzender von „Stolpersteine für München e.V.“ stellte mir für meine Geburtstagsfeier sein historisches Häuschen am Nockerberg zur Verfügung und ermöglichte so einen unvergesslichen Abend! Foto: Dirk Schiff (portraitiert.de)

Apropos gegenseitige Unterstützung: Eben mal sein ganzes Haus für die Feier zu meinem 60. Geburtstag zur Verfügung stellen – das macht ihm so schnell keiner nach und entspricht seinem Wesen: Für den Kosmopoliten Terry Swartzberg sind Aufgeschlossenheit, soziales Engagement (u.a. in seinen PR-Kampagnen) und phantasievoll gestaltete Lebensfreude zwei Seiten einer Medaille. Nach rund 25 Jahren als Korrespondent für die International Herald Tribune, gilt sein großes Engagement seit einigen Jahren dem Verein Stolpersteine für München e.V., dem er vorsteht und mit dem er aktuell ein großes Sommerfest vorbereitet, am Mittwoch, 20. Juni 2018, um 20 Uhr, bei freiem Eintritt im Jüdischen Museum München, mehr unter jourfixe-News. Und einmal mehr ist einfach jede/r herzlich willkommen! Ohne Anmeldung und bei freiem Eintritt.

„Gabys gute Geister“ nannte meine Freundin Edith Grube Reiner Mauthe, Marianne Niederkofler, Sigi Blässer und Jon Michael Winkler; Letzterer ist nicht nur mein enger Vertrauter sondern auch Erster Vorsitzender des jourfixe-Vereins. Für mich bedeuten die vier Menschen auf obigem Foto weit mehr als Mainzelmännchen! Mit ihnen ist in Teilen mein Leben verwoben. Fest steht aber auch, dass  ohne deren Hilfe diese Geburtstagsfeier gar nicht zu stemmen gewesen wäre. Der untere Bildteil zeigt einen Ausschnitt des üppigen Büffets: Alle Gäste waren gebeten worden, Speisen und Getränke anstelle von Geschenken mitzubringen. Foto: Stey

 

Geburtstagskind Gaby dos Santos führt Prof. Thomas Pekny, Intendant Komödie im Bayerischen Hof, durch Terry Swartzbergs historisches Domizil am Nockerberg, Foto: Oliver Stey

 

Theaterwelten: Angelica und Lili Fell, Geschäftsführung der inklusiven FBM-Freien Bühne München mit Thomas Pekny, Chef der Komödie im Bayerischen Hof; Foto: Dirk Schiff

 

Kommt Moses nicht zum Berg … Nachdem es im Winter wegen einer Endlosschlange nicht möglich gewesen war, das Rockmuseum im Olyimpiaturm zu erreichen, kam dessen Betreiber, Herbert Hauke eben zu uns. Neben ihm seine Frau Gabi, Tourbegleiterin und Assistentin von Sissi Perlinger; Foto: Schiff

 

Foto links: Die finnische Sängerin Tuija Komi im Gespräch mit musica-femina-Grafikerin Irmgard Voigt; Foto rechts: Claudia Strauch (Strauch Media) im Gespräch mit Behar Heinemann, links und  Petra Windisch de Lates (Vorstand Lebensbrücke e.V. und J.I.M.-Jazzmusiker Initiative München)

 

Foto links: Das Sänger-Ehepaar Maya und Charles Logan; Rechts schneide ich eine der Geburtstagstorten an, die mir Gäste gebacken haben, assistiert von Gabi Hauke, dahinter jourfixe-Gründungsmitglied Angelika Grimm (Sozialpädagogin); Foto: Elisabeth Sorger

 

V.l. Alexander Diepold (Madhouse), hat gerade in München den alljährlichen Gedenktag für die im Holocaust ermordeten Sinti und Roma durchgesetzt, daneben Eva Giesel, Litag Theaterverlag, rechts Uta Horstmann, Bundesverdienskreuzträgerin für ihr lebenslanges Engagement für Sinti & Roma, auf den Stufen Esthera und Artur Silber (Musik-Manager DownTown Studios,PR–Agentur Silberpfeil, Schlagzeuger, u.a. PROGNOSTIC)

 

Unter den Nazis wurden ihre Ethnien unter dem Sammelbegriff „Zigeuner“ verfolgt, doch hier ist Differenzierung angesagt: Von links: Oliver Stey, aus einer Zirkus- und Schausteller-Dynastie, der das größte Privatarchiv dazu führt, die schillernde Behar Heinemann, eine, wie sie es selbst formuliert „stolze Rom“ (Autorin und Kulturmanagerin) sowie der Sinto Alexander Diepold (Madhouse-Chef), dem München seit diesem Jahr einen festen Gedenktag für die verfolgten Sinti & Roma verdankt; Fotos: Dirk Schiff

 

Fotografin Anne Schiff – Mit ihr und ihrer Familie erlebe ich immer wieder kuschelige private Stunden; Rechts Stephanie Bachhuber (Bayer. Staatsoper) Am Vortrag meines Geburtstags feierten wir den 20. Jahrestag unserer Freundschaft! Fotos: Dirk Schiff

 

Geniales Geschenk von Naomi Isaacs (Institute for Charismology): Ein Kaleidoskop – zeitlose Freude! Links von ihr Reiner Mauthe, rechts Sänger Charles B. Logan, an der improvisierten Bar; Rechtes Bild: Ulrich Floßdorf, Traumatherapeuth etc. bei Alexander Diepolds Familienberatungsstelle Madhouse; Foto: Stey

 

Die finnische Sängerin Tuija Komi kam auf Krücken! Und verstand sich mit Gastgeber Terry Swartzberg offensichtlich prima. Für mich ist sie ein veritabler Sonnenschein, kann aber auch „traurig“ und sang später bei der Session à capella ein melancholisches finnisches Gänsehaut-Lied; Fotos: Dirk Schiff

 

Von links: Petra Windisch de Lates (Vorstand Lebensbrücke e.V. und J.I.M.-Jazzmusiker Initiative München), Kriminalautorin Sabine Vöhringer („Die Montez Juwelen„) Michaila Kühnemann, Radio München, Moderatorin, Filmemacherin, Kabarettistin, Musikerin, Foto/Ausschnitte von Oliver Stey

 

Blick von Terry Swarzbergs Terrasse in den Innenhof. Von vorne links: Dr. Ulrich Schäfert, Leiter Kunstpastoral der Erzdiözese,, Grafikerin/Illustratorin Elena Buono, Heidi und Peter Lang, Artist Studio und Kulturjournalistin Heidi Weidner; ganz re. Sängerin Tuija Komi; Foto: Oliver Stey

 

Totale des Innenhofs – Im Vordergrund zu sehen ist Regisseur Rüdiger Nüchtern, ganz hinten wird es Italienisch: An der Wand die Grafikerin und Illustratorin Elena Buono und vor Ihr die Sängerin und Kabarettistin Cecilia Gagliardi, die einer römischen Künstlerdynastie entstammt; Foto: Dirk Schiff

Links neben Musikerin Cecilia Gagliardi (Theater im Roßstall/Germerin) die japanische Pianistin Masako Ohta, bei der ich mich fragte, wie sie aus einem Keyboard in Schoß-Format derart perlende Klänge zu zaubern vermochte. Rechts Sängerin Linda Jo Rizzo, die kürzlich das Hippodrom zum Kochen brachte. Foto-Ausschnitte: Dirk Schiff

Höhepunkt der Feier waren sicherlich die Geburtstagsständchen der MusikerInnen unter den Gästen sowie ein eigens zu meinem Geburtstag getextetes Gedicht SIXTY SEXY GABY des Lyrikers Jörn Pfennig! Große Freude! …

Lyriker Jörn Pfennig, zwei Ausschnitte von Fotos von Dirk Schiff

Vorbemerkung:

Eines Deutschen Dichters Scheitern
ist für ihn und die Welt ein wahrer Graus.
Doch manchmal kann es beide auch erheitern –
probieren wir’s doch einfach mal aus:

Das Gedicht:

Der Deutsche Dichter muss ja nicht denken –
von dieser Pflicht hat sein Volk ihn befreit
um sie dem Deutschen Denker zu schenken
der sich immer schon sehr
aber seither noch mehr
schier unglaublicher Bedeutung erfreut.
(… mehr)

Stimmungsbild während der temperamentvollen Performance von Jazz-Sängerin Jenny Evans; rechts außen Hausherr Terry Swartzberg, neben ihm Jazz-Sänger Thomas de Lates, Foto: Oliver Stey

 

Zwei Momente der Performance von Jazz-Sängerin Jenny Evans: Ein peppiges Lied à capella und aus eigener Feder über die Vorzüge reifer Frauen; Jennys Auftritt berührte mich sehr, denn oft war ich früher in ihrem Jazz-Lokal Jenny’s Place zu Gast gewesen und hätte mir nie träumen lassen, sie einmal als Geburtstagsgast zu begrüßen … Foto-Ausschnitte: Dirk Schiff

 

Csaba Gal, Leiter des Künstlerkreises Kaleidoskop und Cecilia Gagliardi (‚Theater im Roßstall/Germering) singen „Bella Ciao“, das „House Of Rising Sun“ Italiens, Foto: Dirk Schiff

 

Mitwirkende an der Künstlersession: Jazz-Sänger Thomas de Lates und zwei der Musiker der Progressive-Rockband PROGNOSTIC: Keyborder Martin Stellmacher und Sänger Charles B. Logan

 

Vertraute aus wilden Zeiten: Journalistin Daniela Schwan (rechts neben mir). Links zu sehen ist Kabarettistin Karin Engelhard. Dahinter Klaus Onnich, Kurator MVG-Museums – Foto: Dirk Schiff

 

Ein schönes Portrait-Foto von Kulturjournalistin Daniela Schwan; Foto: Dirk Schiff (portraitiert.de)

 

Mit meinem alten Freund aus wilden Datscha-Zeiten, Zarko Mrdjanov, Gitarrist von Massel Tov, meiner Schwägerin Sigi und Heidi Lang vom Artist Studio, Foto: Dirk Schiff

 

Elisabeth Sorger, Malerin und Sprecherin der MKG – Münchner Künstlergenossenschaft, Martin Hubensteiner, Ausstellungsmacher der LV1871, Gaby dos Santos und Christine Weissbarth, Referentin/Moderatorin der Hanns-Seidel-Stiftung, Foto: Dirk Schiff

 

In der Mitte Claudia Weigel, (Parlamentarische Beraterin Hochschul- und Kulturpolitik, Fauenpolitik für die BayernSPD Landtagsfraktion), links Autorin Gunna Wendt, nach deren Biografie über Franziska zu Reventlow wir zur Zeit, gemeinsam mit Musikerin Michaela Dietl, eine Collage zum 100. Todestag produzieren

 

Renate Lettenbauer und Lising Pagenstecher, wie ich Mitglieder von musica femina münchen    und Rockröhre Claudia Cane, die später Janis Joplins „Mercedes Benz“ sang; Foto: Dirk Schiff

 

Meine Freundin Edith Grube, Tochter und Nichte der KZ-Überlebenden Werner und Ernst Grube; Aktivistin (Stolpersteine für München e.V.) und Verwaltungssupervisor bei Madhouse, mit ihrem Mann Robert; Links: Harry Rosenkind (Musikpromoter und Schlagzeuger der Kult-Rockband „Sahara„)

 

Meine Collage über Textdichter Bruno Balz brachte mich mit diesen beiden Herren zusammen: Mein Bühnenpartner Lutz Bembenneck (li) und der „Experte“ für die Talkrunde nach der Aufführung, Albert Knoll, Archivar der KZ-Gedenkstätte Dachau und Vorstand des Forums Homosexualität München,

 

Unsere beiden jourfixe-Fotografen einmal selbst vor der Linse von Oliver Stey: Links: Dirk Schiff/ portraitiert.de und rechts Bernd Sannwald, ein As in abstraktv wirkender Detail-Fotografie

 

Dieses Portrait von Naomi Isaacs fand Dirk Schiff (portraitiert.de) so ansprechend, dass er spontan beschloss, es in seine neue Herbst-Ausstellung „Münchner und Zuagroste“ einzubeziehen. Wie bereits seine erfolgreiche Ausstellung im Vorjahr mit Uschi Glas, „We are all the same“, findet die Vernissage im Hotel Le Méridien statt, diesmal zugunsten von Jutta Speidels HORIZONT e.V.

 

Es ist spät geworden … Christiane von Nordenskjöld, Kustodin (Ateliermuseum) der Magda-Bittner-Simmet-Stiftung im Gespräch mit Jon Michael Winkler;; Foto: Stey

 

Ein glückliches Geburtstagskind sagt: „Danke!“


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„Ich bekomme soviel zurück“- Ein Gespräch mit Petra Windisch de Lates, Mitbegründerin (1989) und Vorstand der Deutschen Lebensbrücke e.V. sowie der Jazzmusiker Initiative/Jazzfest München

Das Foto zeigt mich langem Gespräch mit meiner jourfixe-Kollegin Petra Windisch de Lates, die mir von ihrer Arbeit bei der Deutschen Lebensbrücke e.V. berichtete, deren Gründungsmitglied (1989) und Vorstand sie ist. Mir boten sich Einblicke in eine Hilfsorganisation, die nach dem Credo tätig ist, dass wirkungsvolle Hilfe nicht nur empathischer sondern auch qualitativ hoher Güte bedarf. Entsprechend steht Petra mit beidem Beinen geerdet in ihrem Manager-Job! Für eine vergleichbareTätigkeit in Wirtschaft oder Industrie würde sie ein Vielfaches verdienen, „aber ich bekomme soviel zurück„, von den Kindern und deren Eltern, denen sie mit der Deutschen Lebensbrücke eine Zukunft schenken konnte. Ab und an geht der Kampf um eine solche Zukunft verloren, auch davon berichtete mir Petra in bewegenden Worten. Doch die positiven Erlebnisse würden überwiegen. Dennoch, mit der Veränderung der Medienlandschaft und auch des allgemeinen Lebensstandards, sei Spendensammeln schwerer geworden.

Ehrenamtlich engagiert sich die studierte Biologin für Jazz, u.a. im Vorstand von J.I.M., der Jazzmusiker Initiative München. Mit ihrem Mann, Sänger Thomas de Lates, führt sie zudem einen „Salon reloaded


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„We Are All The Same“ – Blick hinter die Kulissen eines ungewöhnlichen Projekts von Fotokünstler Dirk Schiff

„We All The Same“ ist ein Titel mit einer eindeutigen, fast banalen Aussage, der aber schon beim zweiten Hinsehen aneckt! Wir sind doch nicht alle gleich?

V.li.: Serena/ehrenamtliche Flüchtlingshelferin, Sahra Wagenknecht/Politikerin DIE LINKE, Anuj Sharma/Designer, Darlington/Flüchtling

Im Gegenteil, es lebe der Individualismus, beseelt wie wir gerade hierzulande vom Zeitgeist der Ichbezogenheit sind. Und tatsächlich zeichnet ja auch jeden von uns etwas einzigartiges aus. Um das hervorzuheben, hat Dirk Schiff alle seine Modelle vor ein und dem selben dunkeln Hintergrund abgelichtet. Dieses puristische Konzept ist zwar nicht überall gleichermaßen auf Begeisterung gestoßen, die Konsequenz des Fotokünstlers in diesem Punkt hat sich jedoch gelohnt: Entstanden sind eindrucksvolle Momentaufnahmen von Menschen unterschiedlichster Couleur, ob nun Promi oder Flüchtling, Kind oder älterer Mensch, ob aus Europa, Asien, Afrika oder den USA.

Mir persönlich entlockt diese Vielfalt an Einzigartigem großen Respekt vor jedem einzelnen der Modelle, die zudem vor dem Grundgesetz ja alle gleich sein sollten. Betonung auf „sollten“.

Der Fotoband WE ARE ALL THE SAME von Dirk Schiffportraitiert.de,  € 22,50 im SHOP SALON Literatur VERLAG von Franz Westner, Hardcover, 102 Seiten, ISBN-13 : 978-3-939321-79-8 Mit Zitaten u. Portraits ganz unterschiedlicher Prominenter, Flüchtlinge und Menschen von nebenan

Uschi Glas schreibt dazu im Vorwort zum begleitenden Fotobuch: „Es geht nicht darum, dass wir alle gleich sind, sondern dass wir alle Menschen sind. Und dass es alle verdienen, gleich behandelt zu werden; vor dem Gesetz, bei der Wohnungssuche, bei der Bewerbung um einen Arbeitsplatz – und nicht zuletzt in der Schule.
Besonders wichtig ist mir Chancengerechtigkeit. Das ist das, was ich unter Gleichheit verstehe: Schon Kinder sollen unabhängig von ihrer sozialen oder ethnischen Herkunft die gleichen Möglichkeiten haben.“

Fotograf Dirk Schiff mit Uschi Glas und Make-up-Artist Coriful

Entsprechend tatkräftig hat sie Dirk Schiffs Projekt unterstützt, der einen Teil des Erlöses an ihren Verein „brotZeit e.V.“ spenden wird, den anderen an die „Flüchtlingshilfe München e.V.“  Unter anderem vermittelte die Schauspielerin Dirk über „brotZeit e.V.“ den Kontakt zu Kindern aus unterschiedlichsten Ländern, mit denen dem Fotograf einige der intensivsten Aufnahmen seiner Serie gelang.

Nicht um Brotzeit sondern um Haute Cusine drehte sich hingegen das Shooting in Johann Lafers Table d’Or, zu dem der bekannte TV-Koch Dirk in vollem Ornat empfing …

Dirk Schiff mit Sternekoch Johann Lafers, in dessen Gourmet-Tempel „Table d’or“

Auf das sicherlich ungewöhnlichste Fotoshooting begleitete ich Dirk Schiff selbst: Es führte uns in die Berge Südtirols, wo der legendäre Bergsteiger Reinhold Messner eines seiner Bergmuseen betreibt. Erwartet hatten wir eine Hochburg voller Messner-Devotionalien; statt dessen empfing uns zwar tatsächlich eine Burg auf felsigem Terrain (Verbotschild für Highheels inklusive!), allerdings ausgestaltet zu einem märchenhaft anmutendem Panoptikum, voller Erinnerungen an Messners Touren über die Bergmassive dieser Welt:

Foto-Audienz bei einem ganz Großen: In Reinhold Messners Bergmuseum, Bozen, Juni 2017, Foto Dirk Schiff

Eine Grotte mit Souveniers aus den Anden, in Lichtspiele getaucht, ein Turmzimmer mit sakralen Gegenständen aus dem Himalaya, beseelt mittels einer Klang-Installation. An den ungewöhnlichsten Stellen, auf Glastüren, am Gemäuer, in Steinboden eingelassen, verteilten sich philosophische Zitate von „A“ wie Aristoteles, bis „Y“ wie Neil Young. Eine schmaler Steg führte zum Rundgang über die Burgmauern und bot einen umwerfenden Blick über Bozen. Die ausrangierten Sessel einer Schwebebahn luden zur Pause ein und Buddhas bevölkerten das Gelände ebenso, wie historische Elemente aus dem Mittelalter und moderne Skulpturen.

Selfies kann Dirk auch besser als ich; hier vor einem monumentalen Berggemälde mit Messner in dessen Museum bei Bozen, Juni 2017

Reinhold Messner selbst erwies sich als beinahe scheu, ganz das Gegenteil des Bildes, das er bei öffentlichen Auftritten vermittelt. Mich schüchtert soviel Zurückhaltung ja ein, nicht so Dirk, dem es – ich weiß nicht wie – gelang, in kürzester Zeit diesen Mann fotografisch genau als den Menschen einzufangen, der sein Leben zu großem inneren Reichtum verdichtet und für die Nachwelt zusammengetragen hat. 

Albrecht von Weech

Überhaupt bot sich Dirk Schiff, im Rahmen seiner Fotoshootings, ein Programm absoluter Kontraste. Dennoch ist es ihm gelungen, auch bei den extravagantesten Modellen, zum Kern ihrer Persönlichkeit durchzudringen, wie zum Beispiel bei Albrecht von Weech, Conférencier, Chansonnier und aktuell jourfixe-Künstler im Historical Kann denn Liebe Sünde sein? – Bruno Balz

„Mich hat beeindruckt, welche Geschichte hinter den Gesichtern von Menschen steckt, …“   so Dirk Schiff. Er berichtet weiter: „Für das Projekt wurden Flüchtlinge, Prominente und Personen wie Sie und ich fotografiert.“ In der Tat finden sich in der Ausstellung Publizisten wie Walter Kohl neben ehrenamtlichen Flüchtlingshelferinnen wie Serena (s. Foto ganz oben), Weltstars wie Mario Adorf neben Schwabinger Ikonen, wie die ehemalige Prominentenwirtin des Alten Simpls, Toni Netzle, der Posterkönig Wolfgang Roucka oder der Stadtschreiber von Minga, W. A. Riegerhof (Hallo, KIR München), bekannte TV-Gesichter, wie Telenovela-Star Louisa von Spies oder Florian Stadler, „Influencer“, wie Jeanette Graf und Journalisten, wie Robert Pölzer, BUNTE-Chefredakteur .

W. A. Riegerhof, Stadtschreiber von Minga (u.a. Hallo, KIR München)

Für mich persönlich jedoch bewirkte  „We Are All The Same“, dass ich dank des Shootings nicht nur ein wunderschönes Foto von mir bekommen habe, das ich seitdem als Profil-Foto auf allen Social-Medias nutze, sondern auch, dass ich Dirk und seine bezaubernde Familie während dieser Zusammenarbeit kennen und schätzen gelernt habe, eine sicher nachhaltige Verbindung, auch über dieses Projekt hinaus …

Dirk und ich diskutieren Einstellungen beim Fotoshootings zu „We Are All The Same“, März 2017, Foto: Anne Schiff

Ausgestellt werden die Bilder im Hotel Le Méridien Munich. Le Méridien steht für über 100 Hotels und Resorts weltweit und bildet schon seit einiger Zeit Schnittstellen zwischen dem Reisen und der Kunst, nicht zuletzt mit dem Projekt „Unlock Art – Kunst entschlüsseln“ in Partnerschaft mit namhaften Kunst- und Kulturstätten weltweit. Hier in München besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem MUCA – Museum of Urban and Contemporary Art.

Die Vernissage findet „mit großem Bahnhof“ am Mittwoch, den 4. Oktober 2017 statt, als Resonanz auf die vielen bekannten Persönlichkeiten, die es Dirk Schiff gelungen ist, für dieses Projekt ins Boot zu holen, wohl wissend, dass klingende Namen für verstärktes öffentliches Interesse sorgen und dabei die Aufmerksamkeit auf sein Kernanliegen bündeln würden:

Modou, Flüchtling aus Senegal

Eine Lanze für all die Menschen zu brechen, die unserer Hife bedürfen, durch Empathie, Respekt und vor allem auch ganz konkret durch Spenden! Entsprechend werden zur Vernissage auch VertreterInnen weiterer Hilfsorganisationen erwartet: Allen voran Jutta Speidel, die sich für Dirks Projekt als Modell zur Verfügung gestellt hat und selbst, mit ihrem Verein „Horizont e.V.“, alleinerziehenden Müttern in prekärer Lage beisteht. Desweiteren Petra Windisch de Lates, Gründerin und Leiterin, seit nunmehr fast !28 Jahren, der Deutschen Lebensbrücke e.V.

Angesagt zur Vernissage hat sich auch ein neues jourfixe-Mitglied, das sich mit dem Anliegen dieser Benefiz-Veranstaltung ganz besonders identifizieren dürfte: Der syrische Schriftsteller Foud Yazij. In seiner Heimat zählte er zu den bekanntesten Autoren, bis er sich zu einem der Wortführer des Arabischen Frühlings in Homs aufschwang und fliehen musste. Danke eines Stipendiums des PEN-Clubs Deutschland lebt er aktuell in München, wo er an einem neuen Buch arbeitet, in dem er seine Sicht auf die politischen Ereignisse der letzten Jahre in Syrien, in Romanform, darstellen wird.

„(…) Straßenlaternen flüstern leise – Auf vertraute Art und Weise – Unsere Geschichten, denn in jedem Stück Asphalt von dir – Steckt was von mir (…)“ 

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So lautet eine Zeile aus dem Song der jungen Liedermacherin Julia Kautz, die als musikalisches Highlight bei der Vernissage auftritt:  Auch sie ist eine „Zugereiste“, die mit dieser Liebeserklärung an ihre Wahl-Heimatstadt München derzeit im aktuellen Werbespot der Stadtwerke München zu hören ist, der auf Hochrotation im Kino, TV, Internet und Radio läuft. Mit ihrem Lied schließt sich an diesem Abend thematisch ein Kreis, denn so unterschiedlich wir wirken und handeln mögen, in unseren Bedürfnissen und Sehnsüchten sind wir uns alle gleich …


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Salon reloaded: Wohnzimmerkonzerte von Petra und Thomas de Lates in München-Schwabing

Immer wieder träumt jemand davon, gerade in einer Stadt wie München, die auf eine große Bohème-Tradition zurückblickt, eines Tages als Salonnier/e große Kreative und faszinierende Zeitgenoss_Innen um sich zu scharen, wie das Licht die Motten … Ein nachvollziehbarer Traum, der aber heutzutage meist unsanft auf dem Boden unserer schnelllebig gewordenen Gesellschaft zu landen droht und/oder an der Konkurrenz von TV und Social Medias zu scheitern! An mir selber beobachte ich, dass ich abends regelmäßig, nach dem Overkill an Daten und Kommunikation des Tages, kapituliere und mich in meinen heimischen Kokon zurück ziehe. Das höchste meiner noch vorhandenen Gefühle ist ein Abend in kleinster Runde, bei guten Gesprächen.

Thomas-de-Lates-und-Petra-Windisch-de-Lates_Bildausschnitt_IsarboteEinem Duo jedoch gelingt es regelmäßig, mich aus meiner selbst gewählten privaten Isolation zu locken: Das Ehepaar Petra und Thomas de Lates. Dem Klischee entsprechend, leben sie in Schwabing, zwar in einem modernen Hochhaus, aber in einer Wohnung, die, ausgestattet mit einer Unzahl Büchern und CD’s, Kunst und Kultur an allen Regal/Wänden verströmt.

Petra Windisch de Lates habe ich vor ! 33 Jahren in der Jazz-Szene kennen und schätzen gelernt, und seitdem waren wir beide fleißig in München und darüber hinaus unterwegs: Petra ist Mitbegründerin und Vorsitzende der Hilfsorganisation „Deutsche Lebensbrücke e.V.“ und zudem mit der Förderung des Jazz befasst, sowohl als langjähriges (Vorstands)Mitglied der Jazzmusiker Initiative München (JIM), wie auch als Programmchefin der Reihe „Jazz and Beyond“ im Münchner Künstlerhaus. Obgleich der Jazz in den letzten Jahrzehnten leider an Popularität verloren hat, ist Petras Reihe inzwischen etabliert und rege besucht. Da sie darüber hinaus zu den wenigen mir bekannten Personen gehört, die es schaffen, ganz ohne Anfeindungen aus zu kommen und zudem eine charismatische und anregende Gesprächspartnerin ist, erfreut sie sich eines entsprechend großen und vor allem schillernden Freundeskreises, den zu pflegen sie sich auch die Zeit nimmt, mit welchem Energie spendendem Perpetuum Mobile auch immer ihr das, wie vieles mehr, gelingt!

Sängerin Linda Jo Rizzo

Sängerin Linda Jo Rizzo

An ihrer Seite Ehemann Thomas, dessen gesangliches Talent von einer anderen Szene-Figur vor einigen Jahren erst entdeckt wurde: Von Entertainerin Linda Jo Rizzo. (Dazu s. auch u. „Linda & die Februarvögel„.) Seitdem singt Thomas … Der obligate Aufschrei in der Szene „Da könnte doch jeder kommen ...“ ist schnell verstummt, da er rasch und mit Unterstützung seiner Frau, einiges mehr an Auftrittsmöglichkeiten etc. auch für Kolleg_Innen aufgetan hat. Hinzu kommt der augenzwinkernde, unnachahmliche K & K-Charme, der ihn durch Vita und Gigs begleitet.

Sänger Thomas de Lates

Sänger Thomas de Lates

Da seine Auftritte zudem stimmig besetzte Bands und Repertoire auszeichnen, besuche ich gerne seine Konzerte, zumal auch diese, ebenso wie die „Jazz & Beyond“-Konzertreihe seiner Frau, immer dieser „Petra und Thomas de Lates“-Flair umweht.

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Wohnzimmer-Konzert

Wenn ein solches Powerpaar dann zu Soiree oder Brunch zu sich einlädt, darf man von eben solcher Atmosphäre mit LebensART ausgehen, von schmackhaftem Essen und vor allem von spannenden Gesprächen und Bekanntschaften, dank der Gäste unterschiedlichster Couleur, die hier verkehren und mit denen man von den Gastgebern schnell und intensiv in Gespräch verwickelt wird. Bei „P und T“ habe ich letztes Jahr die wunderbare finnische Sängerin Tuija Komi kennengelernt, deren Auftritte ich seitdem regelmäßig verfolge. Bei „P und T“ bin ich auf den Allround-Künstler Albrecht von Weech aufmerksam geworden, der den Gesangspart in der Reprise „Kann denn Liebe Sünde sein?- Bruno Balz“ übernehmen wird, mit Lutz Bembenneck als Rezitator und Thomas Erich Killinger als musikalischer Leiter und Pianist.

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Pianist Edgar Wilson beim ersten Wohnzimmer-Konzert

Und apropos Piano: Das haben sich Thomas und Petra kürzlich auch noch besorgt, somit der Entwicklung ihres Salons folgend, den sie allerdings noch nie als solchen zu bezeichnen nötig hatten. Nun steht bereits das vierte Wohnzimmerkonzert bevor:

Das nächste Wohnzimmer-Konzert findet am Sonntag, den  16. September 2018, von 11 Uhr bis 15.30 Uhr statt; UK-Beitrag (Konzert, Snacks/Drinks, Piano-Wartung) 25 EUR Anmeldung unbedingt erforderlich unter: pwindisch@mnet-mail.de

ZU GAST diesmal: Volker Giesek (p, voc) & Christina Mantel (voc): „ALLES MENSCH“
„Luxus-Pop mit deutschen Texten aus tiefster Seele, Jazz und Soul und Rock ’n’ Roll. Ohrwürmer, verwegene Wendungen und coole Grooves“

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Volker Giesek (p, voc) & Christina Mantel (voc) mit dem Projekt „ALLES MENSCH“ zu Gast bei dem Wohnzimmer-Konzert von Thomas und Petra de Lates

Zu Salonière Petra Windisch de Lates hautsächlicher Tätigkeit als Leiterin der Hilfsorganisation Lebensbrücke e.V. s.a. im jourfixeblog.wordpress.com > „Ich bekomme soviel zurück“


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„Alles wird anders, aber nichts ändert sich“: Jazz-Reminiszenzen mit einem Gastbeitrag von Jörn Pfennig

Dieses Jahr besuchte ich, nach längerer Abstinenz, wieder einmal das Jazzfest München. Für mich war es in vielerlei Hinsicht eine Heimkehr – zu den Zeiten, als ich mich der Jazz-Szene eng verbunden betrachtete. Nicht zuletzt war ich ja mit Edir dos Santos verheiratet, der viele Jahre Schlagzeuger in den Formationen des Jazz-Geigers Hannes Beckmann war. Zudem hat mich ein Großer der Münchner und internationalen Jazzszene überhaupt erst mit Jazz „angefixt“ …

Dass ich Kunst- und Kulturschaffende werden würde, wusste ich schon als Kind, mein konkreter Einstieg erfolgte jedoch über die Jazzszene, nach einem kleinen Umweg über  Münchens Bar- und Kneipenlandschaft. Nach einer behüteten Jugend in Norditalien, trieb mich damals Nachholbedarf an „wildem Leben“ um, als ich 1979 in München aufschlug. Geplant war ein Studium der Theaterwissenschaften, aus dem sich jedoch ein Intensivkurs in „Kneipologie“ entwickelte. In dieser Zeit begegnete mir Joe Haider, seines Zeichens begnadeter Jazzpianist und einer DER zentralen Figuren der Münchner Jazzszene in den 60er und 70er Jahren. Wir becherten das eine ums andere Mal in schönster Eintracht und legten damit einen hochprozentigen Paarlauf hin, der für mein weiteres Leben Weichen stellen sollte, denn damals interessierte mich Joe und Joe stand für Jazz, und so begann ich mich mit dieser Musik und ihrer Münchner Szene näher zu befassen. Beides war mir bis dato weitgehend fremd geblieben, da ich aus der „Generation Rock“ stamme, der Musik, die in den 60er und 70er Jahren den Jazz immer mehr zurück gedrängt hatte, zumal „Modern Jazz“ ja nun auch nicht gerade die „auf erstes Hinhören“ eingängigste aller Musikformen ist.

jourfixe-Blogbeitrag von Marcus Woelfle "Sepp Werkmeister, Doyen der deutschen Jazzfotografen" https://jourfixeblog.wordpress.com/…/sepp-werkmeister-doye…/

Joe Haider, der große Jazzpianist, 1970 im Münchner Domicile; Foto: Sepp Werkmeister

Dank meinem Faible für Joe Haider jedoch nahm ich mir die Zeit, auch ein zweites und drittes Mal „hinzuhören“ und schließlich eröffnete sich mir eine neue Art von Musikerlebnis: Die konzentrierte und differenzierte Einlassung auf Klangreisen, deren Wendungen niemand vorhersagen kann, weder auf, noch vor der Bühne. Ich lernte den improvisierten Dialog der Instrumente schätzen, der sich bei Jazz-Konzerten unter den Musiker_Innen entwickelt und ihnen ein spitzbübisches Lächeln auf ihre Gesichter zaubert; ich entdeckte die Faszination gelungener Übergänge von freien Solo-Improvisationen zurück in das Zusammenspiel der Band. Im Grunde lernte ich damals bewusster „Musik hören“, eine Fähigkeit, die mir bis heute bei meinen Produktionen zugute kommt, ebenso wie die Tatsache, dass ich zwar „besser hören“ gelernt habe, dies aber zwangsläufig noch immer aus der Warte des Publikums tue, um das es ja letztendlich bei jeder Veranstaltung geht – oder, meiner Meinung nach, zumindest gehen sollte.

Die Zeit meiner Ankunft in München fiel mit dem Sterben der Münchner Kleinkunst-Szene zusammen, mit fatalen Folgen für die Künstler_Innen. Ohne Spielort keine Gigs und ohne Gigs wiederum lassen sich kein Ensemble und erst recht keine Band dauerhaft zusammen halten. Die Jazzszene traf es besonders hart: Die glamouröse Oberflächlichkeit der 80er Jahren ließ die Jazzszene, mit ihrem Anspruch an die  Zuhörerschaft, immer mehr zur kulturellen Randerscheinung schrumpfen. Schließlich ergriffen eine Reihe Münchner Jazzmusiker_Innen die Initiative zu einer Jazzmusikerinitiative, die die Situation des Jazz in München verbessern sollte. Über  das musikalische Handwerk hinaus zeichneten und zeichnen diese Jazz-Aktivist_Innen konzeptionelle, administrative und verbale Fähigkeiten aus, womit ich das virtuelle Wort nun an den Jazzmusiker, Autor und Lyriker Jörn Pfennig übergebe, der die Anfänge der Münchner Jazzinitiative mitgestaltet  und aufschlussreich zu Papier gebracht hat:

Jazzmusiker, Autor und Lyriker Jörn Pfennig, Mitbegründer von JIM, der Jazzmusikerinitiative München

Jörn Pfennig, Jazzmusiker, Autor und Lyriker Mitbegründer von JIM, der Jazzmusikerinitiative München

Es war wohl eher die Stunde eins oder anderthalb, in der ich zu dem stieß, was sich da im Jazzclub Unterfahrt zusammenbraute, -traute, -staute. Noch namenlos, ungeordnet, liebenswürdig, aber mit grandioser Entschlossenheit, es nun endlich einmal aufzunehmen mit den Verwaltern jener exorbitanten Summen, die eine einohrig hochkulturell ausgerichtete Politik auf ein Segment ohnehin nicht darbender Bürger kübelt, während Musiker und Veranstalter, die sich der Subkultur/Abteilung Jazz verschrieben haben, ständig über den Rand der Existenz in einen feindselig gurgelnden Abgrund schauen. Das schrie nach gerechterer Verteilung, und das tat es denn auch bei den ersten Versammlungen, in denen – makellos basisdemokratisch – jeder zu Wort kam, der es nur lauthals genug vortrug. Doch eh wir’s uns versahen, hatte uns eine göttlich ordnende Hand eine Sitzungsleitung geschenkt, welche die Wortmeldungen bis ins zehnte Glied akkurat vermerkte. Das Chaos ging zurück, die Organisierung schritt fort – vorerst allerdings gut verträglich.
Um eine Initiative zu gründen, braucht es nichts als den beherzten Beschluss der Beteiligten, dass man von nun eine solche sei. Und natürlich einen Namen, der dem Außenstehenden möglichst besagt, worum es dieser Neugründung geht. JazzmusikerInitiative-München – auch einfachere Geister, als dies gemeinhin der Selbsteinschätzung von Jazzmusikern entspricht, hätten wohl zu dieser Bezeichnung gefunden, aber die Wucht des Schlichten entwickelt ja gerade auf politischem Terrain ihre besondere Kraft. Und dort wollten wir hin. Schon gab es einen Termin beim Kulturreferat, zu dem aus basisdemokratischen Gründen jeder mitkommen konnte, der sich davon einen Sinn versprach. Dieses traf immerhin auf neun Personen zu, und so herrschte beim Vorbringen unserer Anliegen haufenweise Sinn und recht wenig Platz. Da wir aber nicht nur Anliegen vorzutragen hatten, sondern auch eine preiswerte Idee, wurde aus dem Termin beim Referat ein Termin beim Referenten, dem wir besagte Idee dann sinnvollerweise bloß noch zu viert referierten.
In immer geordneteren Sitzungen hatten wir uns unterdessen nicht nur das einleuchtende Kürzel J.l.M herbeidiskutiert, sondern auch ein Projekt, mit dem wir sowohl uns, als auch dem Kulturreferat und dem Rest der Welt Gutes tun konnten: Ein Festival der Münchner Jazzmusiker, also unserer selbst, wollten wir auf die Beine stellen, aber – und das war das Schlaue daran – unter schmerzhaftem Verzicht eben dieser Unsererselbst auf ein Honorar. So zu Märtyrern geworden, musste uns der Kulturreferent Gnade erweisen, was er denn auch tat. Irgendwann, irgendwie war es dann da: das Organisationstriumvirat Hannes Beckmann-Rudi Martini– Jörn Pfennig. Keiner weiß genau, wie es dazu kam. Vermutlich waren es aber ganz natürliche Gründe wie überbordendes Engagement, unbezähmbarer Fleiß und eine fast schon gottlose Kühnheit. Verlockende Summen, die mancher Misstrauische für die Motivation verantwortlich wähnte, waren jedenfalls nicht in Sicht. Da der unterzeichnende Chronist ein Drittel des denkwürdigen Trios darstellte, könnte er mit Fug und Recht noch manch anderer falschen Vermutung den Garaus machen. Beispielsweise der, dass hinter der ungeheuren Effizienz dieses Teams eine ebenso ungeheure Harmonie steckte. Um dieses zurecht zu rücken, gleichzeitig der Gefahr des Anekdotischen auszuweichen und es dabei dann auch zu belassen, sei hier nur folgende Grundkonstellation grob skizziert:

Kandidat Martini läuft in den Morgenstunden zwischen neun und zehn zur Bestform auf.

Kandidat Beckmann erlebt dagegen seinen mental-kreativen Schub nachts zwischen drei und vier.

Folglich sind beide Kandidaten telekommunikativ inkompatibel und bedürfen eines Mittlers. Kandidat Pfennig bangt nun morgens viel zu frühen und nachts viel zu späten Telefonaten entgegen, die aber alle sein müssen, denn schließlich gilt es, ein Festival auf die Beine zu stellen, wie es die Welt noch nicht gesehen hat.

Flyer des 1. Jazzfests, gestaltet von Alexander Fischer

Flyer des 1. Jazzfests, gestaltet von Alexander Fischer

Als am Mittwoch, den 19. September 1990 um 18 Uhr der Kulturreferent der Landeshauptstadt München das erste J.l.M.-Jazzfest eröffnete, waren für insgesamt 5 Tage insgesamt 32 Konzerte mit insgesamt mehr als 200 Musikern organisiert. Ein wunderbares, altgedientes Zirkuszelt stand auf dem Olympiagelände inklusive Versorgungstrakt in Sachen Essen und Trinken. Alles war vorhanden, was ein brausendes Fest brauchte, bloß kein Publikum – zumindest nicht in einer Anzahl, die komfortabel gewesen wäre für die ersten auftretenden Künstler. Das Gefühl war mulmig, die Parolen waren durchhaltend und der wiederholte Hinweis auf die bekannten Eigenarten des Münchner Publikums klang hilflos. Aber siehe da: allmählich füllte sich das Zelt tatsächlich bis zur Rammelvollheit, und der Stimmungszeiger landete im roten Bereich der Euphorie.
So sollte es Gottseidank dann auch bleiben. Wir erlebten aber darüber hinaus noch einen herrlichen Schub in Richtung gemeinsam erlebter Katastrophen, die einander ja näher bringen sollen. Am übernächsten Tag nämlich fing es derartig an zu unwettern, dass dem würzigen Kürzel J.l.M. alsbald die galgenhumorige Interpretation „Jazz im Morast“ zugedacht war. Da jedoch nicht nur der Regen strömte, sondern auch das Publikum, da im Zelt nicht nur der Sumpf dampfte sondern auch der Jazz, wurde es ein unvergessliches Fest.
Unvergesslich? Na ja, möglicherweise fand der eine oder andere Musikant die nachfolgenden Jazzfeste doch wesentlich erinnerungswürdiger – da gab’s dann nämlich schon eine ordentliche Gage. (Soweit der Bericht von Jörn Pfennig)

1993, nach unserer Hochzeit in Rio, schlossen Edir und ich uns J.I.M. an. Die Vereinstreffen, die damals einmal im Monat im Jazzclub Unterfahrt abgehalten wurden, beeindruckten mich. Zum ersten Mal begriff ich, dass das „Kunst schaffen“, neben der kreativen, auch eine starke kulturpolitische Komponente beinhaltet, sobald man auf Fördermittel angewiesen ist … Fasziniert lauschte ich daher den Argumentationen der Wortführer_Innen, die vom Wesen her unterschiedlicher kaum hätten sein können:

Foto von Hannes Beckmann (+ 2016) für eines der Jazzfeste

Hannes Beckmann (+ 2016) um 2000, im Programm des Jazzfests München

Der ideenreiche, aus dem Bauch agierende Jazzgeiger Hannes Beckmann, der stets dazu neigte, alles an sich reißen zu wollen, der empfindsame und erfolgreiche PR-Stratege Rudi Martini, der rhetorisch brilliante Analytiker Jörn Pfennig, der strukturierte Wolfgang Schmid, damals Erster Vorsitzender des Vereins und viele, viele mehr.

Wolfgang_Schmid_Doldinger_Passport_Wolfgang_Schmid_s_KICK

Bassist Wolfgang Schmid (u.a. KICK, PASSPORT/Doldinger)

Weibliche Aktivistinnen waren – und sind es leider bis heute – in dieser Szene unterrepräsentiert. Neben Jazz-Sängerin und Gesangscoach Naomi Isaacs nahm an den JIM-Treffen hauptsächlich Sängerin Jenny Evans teil, damals bereits mitten in jener Metamorphose, aus der sie als eine von Deutschlands „Leading Jazz-Ladies“ hervorgehen sollte.

Selbst beteiligte ich mich nicht an den Diskussionen, zu neu war mir die Materie. Dafür lernte ich aber  umso mehr über kulturpolitisches Taktieren, Revier-Kämpfe und das Spannungsfeld zwischen der visionären und der konkreten Planungsphase künstlerischer Projekte. Noch mehr lernte ich über das Wesen von Künstlervereinen, deren Vorteile und Tücken; Erfahrungswerte, die in Folge in die Satzung der von mir initiierten Kulturplattform jourfixe-muenchen e.V. eingeflossen sind …

Mit der Zeit habe ich mich künstlerisch in eine andere Richtung entwickelt, aber die Erinnerung an meine überbordende  Jugend und an die ersten Berührungen mit der Künstlerwelt, bleiben mit der Jazzszene eng verbunden. Schon das Intro eines Jazz-Standards genügt mir, um mich zurück in diese swingende Phase meines Lebens zu beamen, die sich mir im Rückblick voller nostalgischer Anklänge zeigt, ganz so,  wie in dem alten Schlager „Those Were The Days my friend …“, nur eben halt gescattet statt geträllert.

Am Ende einer langen Jazznacht mit der finnischen Sängerin Tuija Lahti-Klein(rechts) und meiner Freundin Petra Windisch de Lates. Petra gehört zusammen mit Michael Wüst und Andy Lutter zum Organisationsteam der Jazzmusiker Initiative München, der wir nun schon zum 27. Mal ein solches Jazzfest verdanken

Jazzfest München 2016, Carl-Orff-Saal/Gasteig: Gaby dos Santos, Petra Windisch de Lates (JIM Vorstand) und Sängerin Tuija Lahti-Klein(rechts)

So erging es mir auch kürzlich wieder, als ich das Jazzfest besuchte:

Joe Haider spielte auf dem Jazzfest 2016

Joe Haider, Jazzfest 2016

Das diesjährige Motto lautete „Legendary“ und präsentierte als ersten Programmpunkt des Abends Joe Haider, meinen indirekten Jazz-Mentor von einst . Über zwanzig Jahre hatte ich ihn weder persönlich getroffen noch auf der Bühne erlebt. Nun dominierte er als Grandseigneur den Carl-Orff-Saal und erinnerte mich zunächst nur vage an meinen Kompagnon aus den frühen 80er Jahren. Doch im Verlauf seiner Moderationen offenbarte sich wieder sein spezieller, mir noch immer vertrauter Schalk. Während ich mich in den Sound dieses spannenden Ensembles – Bläser zu Streich-Quartett – versenkte, spürte ich, dass sich diesbezüglich ein Kreis in meinem Leben geschlossen hatte, und dass es nun an der Zeit ist, den Jazz wieder stärker in mein Leben einzubeziehen, gemeinsam mit all den jazzenden Weggefährt_Innen aus den 80er und 90er Jahren, die mir – noch – geblieben sind …  Eine Art Fazit lieferte mir an diesem Abend Jörn Pfennig, den ich ebenfalls zu lange schon nicht mehr gesprochen hatte, mit einem russischen Zitat:

„Alles wird anders, aber nichts ändert sich.“


Fotos: J.I.M./Künstlerfotos aus den Programmen diverser Jazzfeste / Foto Joe Haider jung: Sepp Werkmeister / Schnappschuss Jazzfest 2016: Gaby dos Santos


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Letzter Gig: Hannes Beckmanns Trauerfeier am 24. März 2016

Die letzte Bühne von Jazzgeiger und Komponist Hannes Beckmann, lag im vorderen Bereich des Saales, war in warmes Licht getaucht und mit Blumen geschmückt. Zwischendrin stand der Sarg, den ich aber nicht wirklich mit Hannes in Bezug zu bringen vermochte. Zu sehr hatte mich die Nachricht seines Todes überrascht, ja schockiert. Von der Verschlechterung seines Zustands in den letzten Monaten hatte ich nichts erfahren und gegen seine langjährige Krebserkrankung war er bislang erfolgreich mit dem selben Kampfgeist und eisernen Willen angetreten, mit dem er sich allen Herausforderungen des Lebens gestellt hatte, stets „direttissima“, ab durch die Menge, auch wenn die sich davon nicht immer begeistert zeigte, zumal er sich meist durchzusetzen verstand …

Die Trauerfeier begann mit einer Einspielung von „Tango des Friedens“, einer frühen Komposition Beckmanns, die noch aus der Zeit seiner spektakulären afro-brasilianischen Jazzband „Sinto“ stammt. Doch auch in späteren Konzerten hatte dieses Lied einen festen Platz in Hannes Repertoire und ist daher eng mit meinen Erinnerungen an ihn verbunden. Das Stück wird von stampfenden Tango-Rhythmen getragen, über die sich immer wieder ein fast jubelndes Geigensolo erhebt, befreit und triumphierend, mit dem unverwechselbaren Klang von Hannes Geigenspiel. Mit diesem Klang nahm Hannes noch einmal einen ganzen Raum für sich ein und in seine musikalische Präsenz mischten sich bruchstückhaft meine Erinnerungen; vor allem die an die frühen 80er Jahre, als ich ihn kennengelernt hatte, in jenem schrillen Jahrzehnt, in dem exzessiv und auf der Überholspur gelebt, die Nächte zum Tag gemacht wurden, ganz so als wolle man austesten, wo die Grenzen lagen. Die haben inzwischen viele von uns, nicht zuletzt ich, deutlich aufgezeigt bekommen und gesundheitlich Tribut zollen müssen,  für all die Gier auf Leben, Lust und Liebe in jungen Jahren. Die Erinnerung an deren Intensität aber möchte ich nicht missen und die spiegelt sich für mich in Hannes Musik und seiner Art zu spielen wieder, ganz besonders in „Tango des Friedens“, den Hannes sicher nicht ohne Grund an den Anfang seiner Trauerfeier gestellt hat. Gerade dadurch, dass das Stück den meisten Anwesenden vertraut war, vermittelte es in diesem Rahmen, was für mich vorher unfassbar gewesen war: Hier und jetzt fand ein Abschied statt, ein Lebewohl, kein „Auf Wiedersehen bis zum nächsten Mal in der Unterfahrt, im Prinzregententheater, im Resi, Gasteig oder spätestens beim nächsten Hannes-Geburtstagskonzert Ende August …

Vielen der Anwesenden, die dicht an dicht im Krematorium saßen oder auch standen, ging es scheinbar ähnlich. Die meisten hielten nun ihre Köpfe gesenkt, griffen verstohlen nach Taschentüchern. Glücklicherweise saß ich unter Freunden, neben Jazzsänger Thomas de Lates und Petra Windisch de Lates, Vorstandsvorsitzende der Deutsche Lebensbrücke e.V. Petra hatte ich zusammen mit Hannes und dessen Frau Brigitta 1984 kennengelernt, ebenso meinen späteren Mann Edir dos Santos, der als Schlagzeuger bei Sinto und später punktuell im Hannes-Beckmann-Quartett mitspielte. Edir und ich haben 1993 in Rio geheiratet, auf der anschließenden Hochzeitsparty im damaligen Multikulti-Lokal „Möwe“ hat auch Hannes für uns gespielt. Inzwischen sind wir geschieden, stehen aber in gutem Einvernehmen, und so freuten wir uns beide, den jeweils anderen bei dieser Trauerfeier nach längerer Zeit wieder zu sehen und durch Hannes Verbundenheit zu empfinden.

Auch sonst entdeckte ich unter den Trauergästen zahlreiche vertraute Gestalten, mit denen mich schöne wie hässliche, traurige oder auch irritierende Erlebnisse aus über drei Jahrzehnten verbinden, mit Hannes Beckmann als gemeinsamen Nenner. Noch einmal war es ihm gelungen, uns alle zusammenzuführen, zu einem Spektrum dessen, was die Künstlerszene einer Stadt ausmacht: Die Erfolgreichen neben denen, die über den Status des „Tingelns“ nie hinaus gekommen sind; die inzwischen Gebrechlichen, oft euphemistisch als „Grandames“ und „Grandseigneurs“ von … (irgendwas) tituliert, Seite an Seite mit dem künstlerischen Nachwuchs; gereifte Künstlerpersönlichkeiten neben ewig Frustrierten und dazwischen, ganz privat und bescheiden, unser Kulturreferent Hans-Georg Küppers. Neben ihm Michael Stephan, Direktor des Münchner Stadtarchivs, wobei beide unabhängig von einander gekommen waren.

Volksschauspielerin Ilse Neubauer verlas eine Grußbotschaft von Alt-OB Christian Ude, seit Studienzeiten ein Duzfreund von Hannes, der neben Violine und Komposition auch Jura studiert hat. Sehr berührt hat mich ein Beitrag von Ottfried Fischer, der es sich nicht nehmen ließ, obgleich von seiner Parkinson Erkrankung inzwischen deutlich gezeichnet, einen kleinen Text für Hannes zu verfassen und auch selbst vorzutragen.

Atemlose Stille herrschte, als Thomas Beckmann, ein renommierter klassischer Cellist, ein Solo für den verstorbenen Bruder spielte. Noch vor zwei Jahren hatte er launig durch ein Konzert zugunsten seiner Obdachlosenhilfe „Gemeinsam gegen Kälte e.V.“ geführt, dass er mit Hannes im Prinzregententheater gegeben hatte, und über das ich in meinem Blog „Warum sitzt der Mann da?“ berichtet habe …

Unter den Trauerrednern befand sich Hannes langjähriger Arzt, Dr. Michael Molls, emeritierter Professor an der TU für Strahlentherapie und Radiologische Onkologie. Aus seinem Nachruf wurde offenkundig, wie nachhaltig ihn sein Patient beeindruckt hatte. Auch Hannes Bruder Ludger erinnerte mit immer wieder stockender Stimme an die bewundernswerte Haltung, die Hannes während der gesamten Zeit seiner Erkrankung gezeigt hatte, der Einsicht folgend: „Was kann man verlangen, wenn man jahrelang in beiden Händen eine brennende Kerze hält?“ 

Auch mir gegenüber hat Hannes, bei unserer letzten Besprechung geäußert, dass es ihm noch nie so gut gegangen sei, wie jetzt, mit und gerade wegen seiner Krankheit. Kurz nach deren Ausbruch erlebte ich ihn sogar während einer Phase von Chemo und Bestrahlung bei einem Auftritt und zwar als den  ganz normalen „Teufelsgeiger“, als den man ihn kannte. Und nun, 2014, sah er so gut aus, wie lange nicht mehr: Drahtig, vorwärtsschauend, eloquent wie eh und je, den Sprachproblemen, unter denen er seit einem Schlaganfall 2012 litt, so gar keine Beachtung einräumend.

Ab den 90er Jahren, als ich selbst kulturell und künstlerisch aktiv wurde, herrschte zwischen Hannes und mir meist Funkstille, unterbrochen hauptsächlich von Phasen des Kräftemessens bis hin zum offenen Schlagabtausch. Perioden des Waffenstillstands oder der Allianz waren wertvoll und rar. Hannes vermittelte mir oft das Gefühl, mich gegen seine Dominanz und grenzenlose Zielstrebigkeit zur Wehr setzen zu müssen, um nicht von ihm überrannt zu werden und mitunter verwandelt mich mein Selbsterhaltungstrieb in eine kleine Bestie  … Geschenkt haben wir uns jedenfalls gegenseitig nichts.

Allerdings habe ich Hannes seinem unmittelbaren Umfeld gegenüber, ob Freunde oder Familie, als außergewöhnlich loyal erlebt, mitunter gepaart mit einem bestimmenden und fordernden Wesen. Offensichtlich bis zuletzt. Die evangelische Regionalbischöfin Susanne Breit-Kessler berichtete in ihrer Trauerrede von der letzten Mail, die sie von Hannes kurz vor dessen Tod erhalten hatte, in der er sie in Du-Ansprache, das „DU“ wohlbemerkt in Großbuchstaben, anwies, ihre gemeinsame Produktion „Kreuzwegstationen ii“ nunmehr doch bitte verabredungsgemäß zu bewerben.

Diese letzte Produktion, moderne Passionsmusik für großes Ensemble und Chor von Hannes Beckmann, zu Bildprojektionen von Cäsar W. Radetzky und lyrischen Texten von Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, ist am 16.3.2016, gerade einmal einen Tag vor Hannes Tod auf CD erschienen und somit sein kompositorisches Vermächtnis. Spirituell wie leider auch existenziell schließt sich damit ein Kreis in Hannes Leben: Tragischerweise wurde der erste Teil „Die Blaue Krone – Kreuzwegstationen i“ unmittelbar vor Ausbruch von Hannes Krebserkrankung fertig gestellt, wie der der katholische Leiter der Traufeier, Dr. Ulrich Schäfert vom Kunstpastoral der Erzdiözese erinnerte. Einmal habe Hannes ihm gegenüber geäußert, dass sich das kompositorische Timing im Nachhinein anfühle, wie die Vorwegnahme seines eigenen Leidensweges. In Konzeption und Umsetzung beider Teile, so wurde in den Würdigungen sowohl seitens Ulrich Schäfert, wie auch seitens Susanne Breit-Kessler deutlich, verbirgt sich Spiritualität ohne Ende; eine Facette von Hannes Persönlichkeit, die ich nie kennen lernen durfte. In der Auseinandersetzung mit dieser Art von Themen, wie auch in der beiderseitigen interdisziplinären Umsetzung künstlerischer Projekte, hätten wir wirkliche Anknüpfungspunkte finden können. Allein diese Erkenntnis, die sich mir erst aus der Trauerfeier erschlossen hat, lässt mir Hannes Beckmann näher und vertrauter erscheinen, als jemals zu Lebzeiten. Das empfinde ich als schade und zugleich tröstlich.

Ausschnitte aus Hannes „Kreuzweg ii“-Kompostionen führten, im Wechsel mit den Ansprachen, durch die Trauerfeier. Genau auf den Punkt abgestimmt, schloss sich zu einer Passage aus dem letzten Stück „Surrection Hymn“ der Vorhang. Noch einmal hatte der Maestro virtuos dirigiert!

Die Blaue Krone – Kreuzweg i, Trailer

„Kreuzwegstationen ii“  > Hörproben und Bestell-Center

Früher sind wir uns bei Gigs über den Weg gelaufen, inzwischen sind es Trauerfeiern …„, merkte Jazzbassist Gary Todd an, der im Krematorium des Münchner Ostfriedhofs zu meiner Rechten saß. Und tatsächlich sind in der letzten Zeit bereits eine ganze Reihe alter Weggefährten verstorben, wie vor zwei Jahren Hannes enger Freund und Bandmitglied Michael Blam aus Belgrad,  der Saxophonist Klaus Kreuzeder oder im letzten Jahr Rudi Martini, Jazz-Drummer und Mitinitiator (neben Hannes und Doldinger-Bassist Wolfgang Schmid) der Jazzmusiker Initiative München (J.I.M.). Wir alle sind, ob mit-, für- oder gegeneinander, älter bis alt geworden, grau bis „friedhofsblond“ oder zumindest gefärbt. Dass die Zusammensetzung der Trauergäste dennoch nicht zu einem Abgesang in die Jahre gekommener Künstler_Innen und Kunstliebhaber_Innen tendierte, ist u.a. einer weiteren Facette von Hannes Persönlichkeit geschuldet: Seiner Zuwendung an junge Menschen, ob im privaten Rahmen oder als Dozent an der Hochschule für Musik und Theater Münchenwo er das von ihm konzipierte Projekt „Jazz-Improvisation, Freies Spiel, Ethno-Elemente für Streichinstrumente“ leitete (Wikipedia), aber auch als Schöpfer und Leiter einer ganzen Reihe musikalischer Projekte, in die er vielversprechende Schüler_Innen eingebunden hatte, so zum Beispiel in seiner letzten Formation:

Maestro Beckmann und die Münchner BahnhofskapelleIn dieser Bahnhofskapelle vereinen sich Musiker verschiedenster Generationen und Nationen. Hierbei handelt es sich um ein professionelles, international besetztes, kleines Orchester (Kammerorchesterstärke) in dem neben erfahrenen, bekannten und erfolgreichen Musikern auch junge KünstlerInnen ihre Chance finden. Manche sind noch Beckmanns Studenten, einige starten nach Studienabschluß gerade ins Berufsleben. In der Rhythmusgruppe spielen brasilianische Musiker: Edir dos Santos aus Rio, „Alafin“ Marinho und sein 15-jähriger Sohn Lincoln aus Bahia. (Quelle: www.hannes-beckmann.de)

 Zu Besuch bei Jazzgeiger Hannes Beckmann – Merkur.de, 2.7.2014

Seine Kunst-/Fertigkeit an die Jugend weiterzugeben, das war ihm wichtig. Dito die multikulturelle Farbigkeit des Münchner Bahnhofviertels, mit dem er als Anwohner seit Jahrzehnten verwurzelt war und das ihn sowohl zum Namen seiner letzten Formation inspirierte, wie auch zu seiner Suite „Canto Migrando für großes, ungewöhnlich besetztes Orchester.

Typisch für den visionären Musiker Hannes Beckmann war, dass er bis zuletzt voller Pläne und Zielstrebigkeit steckte. Nie hätte er zu Lebzeiten sich oder ein Vorhaben einfach aufgegeben. Nun aber, so glaube ich, hat mein alter Freund und Gegner jenen Frieden gefunden, um den ich noch zu kämpfen habe.

Auf der Traueranzeige der Familie heißt es:

„Deine Geige ist verstummt, deine Töne klingen weiter!“


Im Sinne von Hannes Beckmann, der die Obdachlosenhilfe seines Bruders zeitlebens unterstützt hat, wurde in der Traueranzeige, statt um Blumen oder Kränze, um eine entsprechende Spende gebeten:

 SPENDENKONTO:

GEMEINSAM GEGEN KÄLTE e.V.
Commerzbank AG
IBAN: DE78 3004 0000 0110 9966 00
BIC: COBADEFFXXX


 Nachrufe: Bayerischer Rundfunk   Süddeutsche Zeitung


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Sängerin Linda Jo Rizzo, die Februarvögel & ich – eine Geschichte aus der Künstlerszene

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Aktuelles Foto von Linda Jo Rizzo, am 28.2. live im „KIRR ROYAL“, München http://www.kirr-royal.de/

„Frühlings-Aufwärmer“ nennt sich – nomen est omen – die Show von Sängerin Linda Jo Rizzo, mit der ich am 28. Februar meinen mentalen Winter-Kehraus begehen werde! Eingeleitet wurde er bereits durch den Gesang der „Februarvögel„, die irgendwann zur Monatsmitte hin, wenn das Licht beginnt sich zu verändern, ein ganz spezielles Gezwitscher anstimmen.  Gesang in zwei Varianten zum Monatsausklang also, zwei Sounds, die mich bereits seit Anfang der 90er Jahre begleiten …

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Gaby dos Santos 1993, Foto: Wolf-Dieter Roth

Kurz bevor mir Linda zum ersten Mal begegnete, hatte ich mich gerade in einem Liebeskummer häuslich eingerichtet, in den eines Februar Morgens unvermittelt gut gelauntes Vogelzwitschern hereinplatzte! Der Gesang der  – wie ich sie seither nenne – „Februarvögel„,  der den Zeitenwechsel ankündigt: Im selben Jahr stellten sich die Weichen für mein künftiges Bohème-Leben, heiratete ich Edir dos Santos und lernte über diesen neuen Mann auch die Sängerin und Entertainerin Linda Jo Rizzo kennen, eine Bekanntschaft, die nun schon länger als meine Ehe andauert …

Linda_Jo_Rizzo_Gaby_dos_Santos_1994_Pressefoto_jourfixe-Blog

Pressefoto von Linda Jo Rizzo um 1994

Der Veranstalter Peter Günther und seine Frau Renée hatten in eine gehobene italienische Gaststätte im Elisenhof geladen: Da Domenico. Zwischen Antipasti-Auslagen und italienischen Delikatessen trat, für mich ganz unerwartet, eine Sängerin auf und überzog das Italo-Ambiente mit einem Hauch von Vegas: Linda Jo Rizzo. Sofort erkundigte ich mich, wer diese Sängerin sei. Eine ehemalige Chart-Königin, die mit der US Girlband The Flirts nach Europa gekommen und dort der Liebe wegen geblieben sei, erfuhr ich.

Linda_Jo_Rizzo_New-York_Festival_di_Sanremo_jourfixe-Blog_Gaby_dos_SantosAls Italo-Amerikanerin war Linda das Singen in die Wiege gelegt. Und so wundert es nicht, dass bei einer New Yorker Version des legendären „Festival di Sanremo“ ihre Gesangskarriere begann, siehe obiges Foto.

 

Linda_Jo_Rizzo_Model-1976_Milano_jourfixe-Blog_Gaby_dos_Santos

Bei einem der ersten Fotoshootings, 1976 in Mailand

Doch zunächst verschlug es sie als Model nach Italien. Patent, wie sie schon damals war, begann sie, die Lücken zwischen den einzelnen Shooting-Jobs mit Auftritten als Sängerin zu füllen. Jahre später traf sie ihre alten Musikkontakte aus Italien bei einem Abendessen in New York …

Mit am Tisch sass ausgerechnet auch Musikproduzent Bobby Orlando …

 

Linda_Jo_Rizzo_The_Flirts_1983_jourfixe-Blog_Gaby_dos_Santos

The Flirts/Linda Jo Rizzo 1983

Nach einem kurzfristig angesetzten Vorsingen engagierte Orlando Linda vom Fleck weg für die Girlgroup „The Flirts“.

Cover 1983

Cover 1983

Nach einem ersten Album in USA begann das Trio durch Europa zu touren und eroberte dort in verschiedenen Ländern die Top-Ten-Charts.

 

Linda_Jo_Rizzo_The_Flirts_Disco _Time_jourfixe-Blog_Gaby_dos_SantosGerne erinnert sich Linda an ihre schillernden Auftritte während der Disco-Ära und an den positiven Sound der 80ies-Musik, der inzwischen wieder gefragt ist.

1985

Linda 1985, zu Beginn ihrer Solo-Karriere

Mitte der 80er Jahre startete Linda in eine Solo-Karriere und wäre nicht Linda gewesen, hätte sie sich nicht umgehend neu orientiert, kaum dass die Disco-Welle abebbte: So konzentrierte sie sich in den 90er Jahren auf Gala-Auftritte und lernte, nach Partitur zu singen, um mit großen Orchestern aufzutreten. Sie, die so gerne improvisiert, konnte und kann auch „punktgenau“.

Und genau so auf den Punkt erlebte ich Linda, als ich sie 1994 für meine allererste Kleinkunstbühne im Wirtshaus zum Isartal buchte. „Alles unter einem Wirtshausdach“ lautete mein damaliges Konzept, mit dem ich mich stilistisch nach allen Kunstrichtungen hin öffnen wollte. Kunst unterschiedlichster Art, in lockerer Atmosphäre präsentiert, mit dem Ziel kreativer Reibung. Das Konzept auf die Spitze trieben die „Seifenblasen-Feste“, eine Reihe, bei der endgültig künstlerische Stile, Talent und Selbstdarstellung in Reinkultur auf einander prallten! Und Linda, mit ihrem US-Show-Glamour, mitten drin ..!

Wirtshaus_zum Isartal_Gaby_dos_Santos_Seifenblasenfest_Linda_Jo_Rizzo_jourfixe-Blog

1994 fand sich Linda Jo Rizzo, mit ihrer typischen professionellen Coolness, in einem der schrägen „Seifenblasenfeste“ meiner damaligen Kleinkustbühne „Wirtshaus zum Isartal“ wieder …

Sie erschien zum Soundcheck, stellte knapp fest:“Gaby, this here will not be my audience,“ und sollte Recht behalten. Ihre Fans passten überhaupt nicht zu denen der französischen Ab-und-An-Chansonette und ihr Entertainment-Stil kontrastierte allzu sehr mit der Bühnendramatik der Conférenciere und Sängerin Susan Avilés. Wen ich noch in die Veranstaltung mixte, weiß ich nicht mehr, aber vor lauter Breitband-Programm kam nichts und niemand zur Geltung. Glücklicherweise hat mir Linda, die ich danach für eine ganze Zeit aus den Augen verlor, diesen Anfängerinnen-Flop, trotz ihrer ausgesprochenen Professionalität, nie nachgetragen!

Nachtcafe_Gaby_dos_Santos_jourfixe-muenchen_jourfixe-Blog

Von  1999 – 2002 betreute ich meinen Kultur-Treff jourfixe-muenchen sowie die PR  im Münchner Nachtcafé

Erst 2000 traf ich sie bei einer Veranstaltung im Münchner Nachtcafé wieder, als sich meine Aktivitäten ebenfalls von Kleinkunstbühne zu einem der Münchner Top-Clubs verlagert hatten. „Gaby, I got to talk to you“, sprach sie mich an und lud mich zu ihrem Auftritt in den Nightclub des Bayerischen Hofs. In diesem Hochglanz-Ambiente kamen ihr Können und ihre künstlerische Präsenz ganz anders zur Geltung als seinerzeit im Brettl-Ambiente des Isartals. Ich war begeistert und empfahl sie dem Booking-Zuständigen im Nachtcafé, denn wenn ein Act und eine Künstlerin dort ins Programm gepasst hätten, dann Linda und ihre Show. Aus irgendwelchen Gründen, die nur persönlicher Natur sein konnten, stieß ich aber in puncto Nachtcafé-Engagement auf Granit.

Linda Jo Rizzo 2013 bei der Verleihung des Sigi-Sommer-Talers

Linda Jo Rizzo 2013 bei der Verleihung des Sigi-Sommer-Talers

Inzwischen hatte Linda, deren zweite Leidenschaft schon seit immer das Kochen war – als Tochter eines italienischen Kochs auch dies genetisch bedingt 😉 das einzige Restaurant mit Livemusik in München eröffnet, das „Piazza Linda“, das von 2000 bis 2008 nicht nur als beliebte Anlaufstelle für allgemeines Publikum galt, sondern auch für die Künstlerszene, vor und auf der Bühne. Linda war es auch, die den heute gut etablierten Jazz-Sänger Thomas de Lates bei sich im Lokal entdeckte, als er ganz unbedarft seiner heutigen Frau Petra Windisch de Lates ein Geburtstagsständchen darbrachte.

Des öfteren gesellte sich Linda samt Küchenschürze auf der Bühne dazu und sorgte trotzdem für Glamour-Einlagen. Oft habe ich mich gefragt, wie sie diesen Spagat zwischen Kulinarik und Kunst hin bekommt, ohne dabei an Allure einzubüßen.

Hippodrom_Oktoberfest_Linda_Jo_Rizzo_Sepp_Kraetz_Gaby_dos_Santos_jourfixe-Blog

Linda tritt beim Oktoberfest von 1999 bis 2012 im Hippodrom von Sepp Krätz als Stargast auf

Nach der Zeit von „Piazza Linda“ dauerte es bis Januar 2014, ehe wir uns wieder begegneten, diesmal bei der Geburtstagsfeier von besagtem Thomas de Lates, dessen Gesangstalent Linda Jahre zuvor entdeckt hatte. Wir unterhielten uns bis weit nach Mitternacht, zwei Frauen, die gemeinsame Erinnerungen teilten und ähnlich gelagerte Erfahrungen, auch wenn wir künstlerisch ganz unterschiedlich aufgestellt sind. Wir nahmen uns fest vor, uns bald zu einem Blog-Interview im Artist Studio von Peter Lang, einem gemeinsamen Weggefährten, zu treffen. Dieses „bald“ dauerte bis Dezember. Früher hatte sich kein gemeinsamer Termin finden lassen …

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Linda Jo Rizzo und Gaby dos Santos im Artist Studio München beim Interview für den jourfixe-Blog

Zum Schluss einer intensiven Interview-Session fragte ich sie nach ihrem persönlichen Lieblingssong. Die Antwort viel so vielschichtig aus, wie Linda es selbst ist >>>

Linda_Jo_Rizzo_live_jourfixe-Blog_Gaby_dos_SantosFreedom’s just another word for nothin‘ left to lose
Nothin‘, it ain’t nothin‘ honey, if it ain’t free
And feelin‘ good was easy, Lord, when he sang the blues
You know feelin‘ good was good enough for me
Good enough for me and my Bobby McGee …

Mehr über Linda und ihre nächsten Auftritte unter:

http://www.lindajorizzo.de/

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