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„Mit Laptop und Staffelei“ – Fotos, Impressionen und Pressespiegel zum Festakt der MKG im Ägyptischen Museum (noch bis 25.2.)

„150 Jahre sind ein dickes Brett.“ Mit dieser knappen Feststellung beschrieb Paul Martin Cambeis,  der amtierende, 19. Präsident der MKG, die gewichtige Nachfolge, die er 2017 angetreten hat. Dass er diese durchaus auszufüllen versteht, belegen nicht nur seine fundierte Ausbildung an der Münchner Kunstakademie und die überbordende künstlerische Vita in gefühlt allen nur möglichen Kunstsparten, sondern ebenso sein pointierter und zugleich lässiger Stil, ob er nun einen Pinsel, einen Hobel oder eben eine traditionsreiche Künstlergemeinschaft ins „21. Jahrhundert führt“.

Paul Martin Cambeis vor dem Gemälde „Die Regie verliert die Kontrolle“, von Professor Zhao Yangbo, Öl/Leinwand, 180 cm x 240 cm, Katalog 2018/S. 84; Foto: Lippert

„Feiern mit Weggefährten und Kollegen“, lautete das Motto der diesjährigen Jubiläumsveranstaltung. Dementsprechend sinnbildlich wiedervereinigt zeigt ein Foto Paul Martin Cambeis vor einem beeindruckenden Gemälde von Professor Zhao Yangbo, prominenter zeitgenössischer Vertreter der Münchener Secession, die sich vor 125 Jahren, nach künstlerischen Differenzen, von der MKG Münchner Künstlergenossenschaft abgespalten hatte. „Bestimmt trug Lenbach durch seinen Eigensinn maßgeblich dazu bei“, räumt Cambeis in seinem Grußwort zu Katalog/Festschrift ein, „doch heute, 125 Jahre danach, haben wir die Trennung überwunden.

Paul Martin Cambeis „Selbst das Maul offen haltend“ Bronze, 30 x 50 x 48 / Katalog 2018/S. 132; Foto Ravasz

Gut so! Ein – vorübergehender -„Theaterdonner“ sei ab und an auch unseren Kolleginnen und Kollegen der Bildenden Künste vergönnt.  Ein recht leidenschaftliches Gemüt zeichnet uns Kunst- und Kulturschaffende ja angeblich alle aus, und so verwundert es auch nicht weiter, dass die „Schwimmende“ von Brigitte Yoshiko Pruchnow das erhitzte Selbstbildnis des MKG-Vorsitzenden auf dem Foto links nicht wirklich zu besänftigen scheint. 😉

Das Motto „Feiern mit Weggefährten und Kollegen“ gipfelte in der Auszeichnung des Ehepaars Maja und Peter Grassinger, deren Lebenswerk die Erhaltung und der künstlerische Betrieb des Münchner Künstlerhauses am Lenbachplatz ist.

Ein Leben für das Münchner Künstlerhaus – Dafür wurde das Ehepaar Maja und Peter Grassinger mit der MKG-Ehrenmedaille 2018 ausgezeichnet; Neben ihnen: S.K.H. Prinz Christoph von Bayern und Gemahlin IKH Prinzessin Gudila von Bayern, Foto: Lippert

MKG-Ehrenpräsident Nikos W. Dettmer bei Eröffnung der Jubiläumsausstellung, Foto Lippert

Dafür hatte Maler und Bildhauer Nikos W. Dettmer , Ehrenpräsident der MKG und Mitglied der Kulturplattform jourfixe-muenchen, eigens eine Medaille gestaltet, die ab sofort jedes Jahr im Rahmen der Ausstellungseröffnung der MKG an Münchnerinnen und Münchner verliehen wird, die sich in besonderer Weise um die Künstler und das kulturelle Leben in München verdient gemacht haben. In seiner Laudatio in der Festschrift äußert sich Dettmer:“ Nach Jahrzehnten aufopfernder Arbeit steht das Künstlerhaus heute als Begegnungs- und Aufführungsstätte für Künstler aller Sparten zur Verfügung. Unermüdlich schaffen Maja Grassinger und ihr hervorragendes Team den anstrengenden Drahtseilakt zwischen Ökonomie und Kunst.“ (…)

Peter Lang kann nicht nur „seriös mit Fliege“, sein Alias ist „Genosse Rock’n Roll„, Hier spielt er neben dem „Jazztrio“ von Franz Hämmerle (Allotrianer); Pappel, 238 cm x 90 cm x 80 cm, Katalog S. 138, Foto: Radesz

Auch mit der musikalischen Umrahmung schloss sich historisch ein Kreis: Engagiert war unser Freund und jourfixe-Mitglied Peter Lang, Inhaber des Artist Studio im UG des Münchner Künstlerhauses. Der ungarische Multiinstrumentalist bespielte, in bewährt souveräner Manier, mit seiner EinMannBigBand, das Untergeschoss des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst, in dem seit einigen Jahren die Jahresausstellung der MKG stattfindet – und durch sie eine Verbindung zwischen zeitgenössischer Gegenständlicher Kunst und antiker Kunst hergestellt wird. Peter Lang für den Musikteil vorgeschlagen hatte MKG-Sprecherin Dr. Elisabeth Sorger.  Wie sie uns einmal bei einer jourfixe-Versammlung verriet, hatte sie Peter und seine Bandcollegen als blutjunges Mädchen angehimmelt, als diese im Budapester Jugendpark ihr Publikum musikalisch verzückten. Peter war nämlich Gründungsmitglied der beiden ungarischen Kultbands Omega und Hungaria“. Damals hätte Elisabeth sich nie träumen lassen, dass sie eines Tages Peter selbst engagieren würde!

Überfülltes Auditorium bei den Festansprachen zum 150. MKG-Jubiläum – Bildmitte: Dr. Elisabeth Sorger, Sprecherin der MKG, links außen Promi-Journalistin Daniela Schwan, meine Freundin aus wilderen Zeiten, heute u.a. Redakteurin von WIR! in Bayern Foto: Lippert

Brigitta Rambeck, Leiterin des traditionsreichen Münchner Seerosenkreises

Herzog Franz von Bayern schreibt in seinem Grußwort: „Genau 100 Jahre ist es her, dass zum letzten Mal ein Mitglied meiner Familie die Schirmherrschaft für die Jahresausstellung der Münchner Künstlergenossenschaft übernahm. Umso mehr bin ich erfreut, dass diese Verbindung 2018 wieder belebt wird. (…) Sie (die MKG) besteht weiterhin und passt sich den Anforderungen an eine moderne Künslerorganisation an, als ein Forum für den Austausch im Zeitalters des Internets und der Digitalisierung. Dafür wünsche ich der Künstlergenossenschaft und ihren Mitglieder alles Gute.

Nach Sichtung des aktuellen Pressespiegels zum Jubiläum der MKG, mit vielen Statements von Präsident Paul Martin Cambeis zum künftigen Kurs dieser altehrwürdigen Münchner Institution, tippe ich auf das erfolgreiche Prinzip „Laptop mit Lederhosen„, also auf das ur-bayerische Talent, Tradition zu bewahren und mit modernen Errungenschaften aufzupeppen.

Besucher der Vernissage, Foto: Lippert

Der Bayerische Rundfunk widmete der MKG zum 150. Jubiläum bereits einen Beitrag, aufrufbar in der ARD-Mediathek:

28.01.2018 | 9 Min. | Verfügbar bis 27.01.2019 | Quelle: © Bayerischer Rundfunk

 Sie waren Malerfürsten ebenso wie arme Künstlerkreaturen als König Ludwig II. die „Münchener Künstlergenossenschaft“ 1868 mit königlichen Privilegien versah. Hundert Künstlerinnen und Künstler zählt die MKG heute – keine Avantgarde, sondern meisterhafte Traditionalisten der Malerei, Grafik und der Bildhauerei.

Vernissage der Jahresausstellung 2018 der MKG, Foto Radesz


Zur MKG-Münchner Künstlergenossenschaft s. a.

jourfixe-Blogbeitrag 2018: Ein Meilenstein der Münchner Kunstgeschichte

jourfixe-Blogbeitrag 2017: Nur mit dem Herzen sieht man gut“   

jourfixe-Blogbeitrag 2016: Unkuratiert streiten


Ausstellungsdauer noch bis Sonntag, 25. Februar 2018

Zeiten: MO geschl./ DI: 10 – 20 Uhr / MI – SO: 10 – 18 Uhr


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Ein Meilenstein der Münchner Kunstgeschichte: 150 Jahre MKG – Münchner Künstlergenossenschaft königlich priviligiert 1868

Herzog Franz von Bayern übernimmt die Schirmherrschaft eines wahrhaft königlichen Jubiläums von seinem Vorfahren König Ludwig II: Vor 150 Jahren verlieh Ludwig II. der MKG Münchner Künstlergenossenschaft königliche Privilegien, handelte es sich bei den Mitgliedern doch um Bildende Künstler, die den Ruf Münchens als Hotspot künstlerischer Avantgarde weit über die Landesgrenzen hinaus trugen. „Die MKG, 1868 gegründet, pflegt seit ihren Anfängen die Bildsprache der Klassischen Kunst. Die MKG ist sich sicher, dass es sich lohnt, auch im erweiterten Kunstbegriff unserer Tage diese Kunstposition weiter zu pflegen. Den historischen Kontext der MKG begleiten Namen wie Spitzweg, Leibl, Lenbach und viele andere, welche Kunstgeschichte im Allgemeinen und die Münchens im Besonderen bereichert haben„, schreibt Paul Martin Cambeis, der amtierende Präsident, im MKG-Newsletter vom Januar 2018. Und das finde ich gut so, denn gerne werden in selbsternannt kunstelitären Kreisen diejenigen als uncool belächelt, die mit der Fortführung einer Tradition befasst sind, und sei es auf noch so künstlerisch hohem und anspruchsvollem Niveau!

Logo-Bild von Paul-Martin Cambeis, Präsident der MKG, zur Jubiläumsausstellung 2018; Alle Rechte vorbehalten

Wohin der weitere Weg dieser ältesten Künstlervereinigung Münchens führen soll, zeigt  Paul Martin Cambeis in seinem Logo-Bild zur Jubiläumsausstellung: Darin hüllt er sich selbstironisch  in das Gewand der Marianne, Gallionsfigur der französischen Revolution. Unübersehbar  entschlossen führt er die Künstler-KollegInnen in den Aufbruch: 150 Jahre und kein bisschen müde … So deute ich sein pfiffiges Bild, in das er gekonnt Zitate aus Bildern berühmter Vor-Kollegen eingefügt hat.

Gefeiert wird das Jubiläum mit einem Festakt für geladene Gäste und der Vernissage der MKG-Jahresausstellung 2018, am DO, 1. Februar, um 18 Uhr, im Souterrain des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst, anschließend öffentliche Ausstellung, FR, 2.2. – SO, 25.2.

Bei der Vernissage zur MKG Jahresausstellung 2016, Gaby dos Santos und Paul Martin Cambeis, inzwischen MKG-Präsident, im Ägyptischen Museum

Die Jahresausstellung der MKG findet nun schon seit einigen Jahren in diesem Museum statt. So verbindet sich historisch gewachsene Münchner mit uralter Kunstgeschichte …

Dr. Elisabeth Sorger, Malerin und Sprecherin der MKG

Bereits 2016 und 2017 hatte ich Gelegenheit, mir die Ausstellungen anzusehen. Beide Male inspirierten mich die kreative Bandbreite der Exponate sowie überraschende Momentaufnahmen bei den Vernissagen zu jourfixe-Blogbeiträgen. Aufmerksam geworden auf diese UR-Münchner Institution war ich über unser jourfixe-Mitglied, Dr. Elisabeth Sorger, Vorstandsmitglied und Sprecherin der MKG.

Nikos W. Dettmer, Maler, Bildhauer und Ehrenpräsident der MKG in seinem Atelier

Bei der Vernissage im letzten Jahr hielt dann der damalige Präsident und jetzige Ehrenpräsident, Nikos W. Dettmer eine derart flammende Rede zum Umgang mit Kunst allgemein und mit Gegenständlicher Kunst insbesondere, dass ich auch mit ihm Kontakt aufnahm und ebenfalls für eine jourfixe-Mitgliedschaft gewinnen konnte, nachdem sich bei meinem Besuch in seinem Atelier herauskristallisiert hatte, wie ähnlich unsere Einstellungen in Bezug auf Kunst und Kultur sind.

7.03.2017
Vom Umgang mit Bildender Kunst
und zur Eröffnungsrede von MKG–Präsident Nikos W. Dettmer
21.04.2016
Die Jahresausstellung 2016 der MKG im Ägyptischen Museum

Die Jubiläumsausstellung 2018 verspricht besondere Höhepunkte: 111 Künstler und Künstlerinnen, aus den Sparten Malerei, Grafik und Bildhauerei, sind mit 169 Exponaten vertreten. So viele Arbeiten haben wir im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst noch nie gezeigt! Das ist aber noch nicht alles. Ganz neu dieses Jahr sind unser Portfolio mit einer Übersicht aller Mitglieder der MKG, sowie eine animierte Diashow über die Anfänge der MKG bis heute.

Zur Einstellung auf die Jahresausstellung 2018

Alles Gute zum Geburtstag und mindestens nochmals so viele Jahre Kreativität, liebe Künstlerinnen und Künstler der MKG! 🙂


Verzeichnis aller jourfixe–Blogbeiträge mit jeweiligem Link

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„Nur mit dem Herzen sieht man gut!“​ Vom Umgang mit Bildender Kunst und zur Eröffnungsrede von MKG-Präsident Nikos W. Dettmer zur Jahresausstellung 2017

Der Kaiser ist nackt, dennoch jubelt das Volk ihm und insbesondere seinem neuen, angeblich maßgeschneiderten Outfit zu. Zwei Hochstapler haben ihnen versichert, dass NUR die Klugen des Kaisers neue Kleider würden wahrnehmen können. Unter diesen Umständen ziehen es alle Bürger vor, den neuen Look ihres Souveräns mit Begeisterung zu quittieren, gerade weil sie nichts sehen. Nur nicht vor den anderen als dumm gelten! In die allgemeine Heuchelei hinein platzt die Stimme eines Kindes. Noch frei von gesellschaftlichem Geltungsdrang, ruft es erstaunt: „Aber der Kaiser ist doch nackt?“ Erst jetzt trauen sich die Erwachsenen, das Offensichtliche auch auszusprechen …

Das vielsagende Märchen „Des Kaiserns neue Kleider„, von Hans Christian Andersen, in einer Umsetzung des Malers Jos Huber [s. nachstehendes Bild], ist das Plakatmotiv zur Jahresausstellung 2017 der MKG; eines, das mir inhaltlich nahe steht:

In meinen bald 20 Jahren als Leiterin der Kulturplattform „jourfixe-muenchen bin ich vielen „nackten Kaisern“ begegnet. Stets wurden und werden sie von einer Entourage begleitet, die bejubelt, was zu bejubeln angemessen scheint, weil es der Zeitgeist so diktiert, auf Kosten der individuellen Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur. Doch schrieb nicht Antoine de Saint Exupéry, in „Der Kleine Prinz“ so treffend: „Nur mit dem Herzen sieht man gut.“ Diese Worte plädieren, jenseits aller intellektuellen Verkopfungen, für Wahrnehmung auf persönlicher und vor allem sinnlicher Ebene. Nicht zufällig ist oft davon die Rede, ob ein Kunstwerk einem etwas „sagt“, ob es also in einen Dialog mit dem Betrachter zu treten vermag; eine grundsätzliche Frage, die sich als solche jedem Zeitgeist entzieht.

MKG-Präsident Nikos W. Dettmer Foto:  Homepage

Die Auswirkungen des Zeitgeistes auf die Situation der Bildenden Kunst in München, insbesondere auf die der „Realistischen Kunst„, analysierte in seiner Eröffnungsrede vom 2. März 2017, Nikos W. Dettmer, seit 2014 Präsident der MKG/Münchner Künstlergenossenschaft königlich priviligiert 1868.

Nachstehend, Passagen aus seiner Rede: „Als ich vor drei Jahren die Präsidentschaft der MKG übernehmen durfte, hatte ich die Vision, diese Künstlergemeinschaft wieder in altem Glanz erstrahlen zu lassen. Diese Vision nahm durch das Buch über die MKG Gestalt an, das von unserem Ehrenpräsidenten Jochen Oberländer initiiert und von Charlotte Mosebach verwirklicht wurde.

Seitenansicht aus dem aktuellen Ausstellungskatalog – Copyright Buchcover: Nikos W. Dettmer/Paul Martin Cambeis, alle Rechte vorbehalten; zum Internet-Shop der MKG

NIKOS W. DETTMER, 02.03.17: „Schon Jahre vorher war ich, mittels Internet, durch die Welt gereist und habe festgestellt, dass die Realistische Kunst in anderen Ländern niemals an Bedeutung verloren hat. In München dagegen führte die MKG, trotz aller Bemühungen, ein mediales Schattendasein. Wir erinnern uns an so manchen Presse-Beitrag, der die Arbeiten der MKGler in die Ecke altmodischer „Blümchenmalerei“ schob. Das gipfelte in der Interview-Frage: “Ach, bei Ihnen sind ja viele über fünfzig, kann man denn da noch kreativ sein?“

Bild links: Von wegen „Blümchen-Malerei“! Die Werke des Malers, Bildhauers und künstlerischen Allrounders Paul Martin Cambeis prägt in diesem Jahr eine regelrechte Primaten-Invasion: Ob zwei- oder drei-dimensional, ob uni oder mehrfarbig, stehen unsere tierischen Verwandten im Mittelpunkt und finden sich mit zwei Werken (ein Bild, eine Skulptur) in der aktuellen Jahresausstellung der MKG wieder. In Cambeis‘ Affenwelt gähnt es sich gern viel, mit Auswirkungen auch auf den Schöpfer selbst 😉

NIKOS W. DETTMER, 02.03.17: „Dass die MKG im Haus der Kunst bis zu zweitausend Vernissage-Besucher anzog, blieb offensichtlich für Print und Medien ohne Belang. Wahrscheinlich wurden diese Besucher als ebenso altmodisch eingestuft, wie die Exponate selbst und zählten daher nicht als Argument für eine ernsthafte mediale Auseinandersetzung mit der MKG.“

Eine Hommage an das Münchner Urgestein Karl Valentin zeigt Präsident Nikos W. Dettmer bei der diesjährigen MKG-Ausstellung 2017

 Aus der Rede von NIKOS W. DETTMER, 02.03.17: „Ich widme mich seit Anfang der 80-ziger Jahre beruflich der Kunst. Die Zeiten haben sich geändert. Natürlich!
  • Wo sind die alteingesessenen Kunsthandlungen geblieben, wie Koestler, Fuchs, Otto und andere, die die Realistische Kunst vertraten?
  • Wo sind die schlitzohrigen Zwischenhändler, die im Atelier die Arbeiten von der Staffelei noch nass weg kauften?
  • Wo sind die Zeiten , als es noch Sinn machte, die Maximilianstraße zu betreten? Kein Security-Mann starrte einen grimmig hinter Glastüren von Nobelmarken an. Monaco Franze konnte man begegnen und im „Roma“ die Prominenz beim Kaffee treffen, während ein paar Meter weiter der schillernde Rudolf Moshammer seiner kleinen Mutter aus dem Rolls Royce half. Zeitgleich drehte Klaus Lemke in Schwabing seinen neusten Film …

Vorbei! Vorbei …! Geschichte! Der Kunstbetrieb hat sich verändert. Das Goldene Kalb blökt lauter und ohne Hemmungen!“

Kein „Goldenes Kalb“, aber goldene Farbe auf und unter den hinteren Kühen in der Installation „Als die Sonne durch die Wolken brach“ des südkoreanischen Künstlers Oh Seok Kwon, MKG-Katalog 2017/Nr. 70

NIKOS W. DETTMER, 02.03.17: „Den Platz der Kunsthandlung hat die Kunstgalerie eingenommen, mit dem Ziel, an einem Kunstbetrieb teilzuhaben, bei dem es um viel Geld geht. Galerien, Sammler, Museen, Kunst-Presse, Kunstvermittler und Auktionshäuser bilden für den einfachen Kunstkonsumenten ein undurchsichtiges Netzwerk. Angeblich sollen weltweit 10000 Mitspieler dieses Netzwerk am Leben halten, davon 2000 in Deutschland!

„Warten auf die Königstochter …“, eines der MKG-Exponate 2017 von Dr. Elisabeth Sorger

Künstler werden heutzutage im Internet „geranked„. Ihr derzeitiger Wert zeigt sich in Tabellen. Soll man „ihn“ jetzt kaufen oder noch etwas warten? Weltweit finden sich schwer bewachte Hallen, in denen Kunstwerke im Wert von Abermillionen als reine Spekulationsobjekte gebunkert werden! Junge Künstler können in Kursen lernen, wie sich ihre Kunst am besten vermarkten lässt. Viel Energie fließt in die all entscheidende Frage: „Wie komme ich auf den Kunstmarkt?“

Am Anfang der Internet-Ära waren meine Kunsthändler noch empört, wenn irgendwo meine Adresse auftauchte. Heute genügt ein Klick um den Künstler zu finden, weil er eine Webseite besitzen muss, um seine Professionalität zu beweisen. Nicht zu vergessen die sozialen Netzwerke wie Facebook, Instagram und Konsorten. Innerhalb dieser neuen Gegebenheiten hat sich die MKG mit Webseite, Facebook und vielem mehr, in den letzten drei Jahren etabliert.

In diesem Jahr nun freuen wir uns ganz besonders, dass auch junge Talente der Münchner Kunstkademie den Weg zu uns gefunden haben und dass unseren Bemühungen, die MKG ins rechte Licht zu rücken, Erfolg beschieden war! (…)“

NIKOS W. DETTMER, 02.03.17: „Das Potential dieser Künstlervereinigung ist noch lange nicht ausgeschöpft. Warum ich dies behaupte? Eine Vereinigung, die 149 Jahre existiert, wird von einem bestimmten Geist, einer Idee beseelt, die, unabhängig von Trends, in eine Form drängt, sich realisiert und Menschen nachhaltig inspiriert. Ich glaube, dass dank der Begeisterung der alteingesessenen Mitglieder und der Energie neuer,  junger Talente, die MKG dabei ist, an den Glanz historischer Zeiten anzuschließen.“

Vor Zeittafeln zur langen Historie der Münchner Künstlergenossenschaft: MKG- Pressesprecherin und Malerin Dr. Elisabeth Sorger mit Dr. h.c. Georg Engel, Herausgeber und Chefredakteur des Online-Magazins „Ungarn Panorama

NIKOS W. DETTMER, 02.03.17: „Auch glaube ich daran, dass der künstlerische Stellenwert des Realismus niemals veralten kann, weil er Mensch und Natur spiegelt und so, behaupte ich, ein Grundbedürfnis des Menschen erfüllt. Denn die ganze Welt, jede Begegnung, jedes Ereignis, hat mit uns persönlich zu tun und birgt daher in sich,  für jeden von uns, eine Chance: Erkenne Dich selbst! Und das Kunstwerk kann dabei helfen!

Aus dem Abschluss der Rede von NIKOS W. DETTMER, am 2. März 2017: „Daher wird unsere gute alte MKG lächelnd die vorüberziehenden Karawanen auf Innovationsuche beobachten und zugleich gelassen ihren eigenen Weg voranschreiten! …“

(Soweit aus der Rede von Nikos W. Dettmer)

Malerin und MKG-Pressesprecherin Dr. Elisabeth Sorger mit Gaby dos Santos

Und ob die MKG lächelnd die Karawanen zeitgenössischer Kunst an sich vorüberziehen lassen kann! Müssen diese doch erst noch erreichen, was die MKG, allen Unkenrufen zum Trotz, längst geschafft hat: Wurzeln in unserer Stadt zu schlagen und nachhaltig künstlerisch zu wirken. In diesem Sinne freue ich mich schon auf die Jubiläumsausstellung der MKG, 2018 und halte mich ansonsten, was mein Kunst(Selbst)Verständnis anbelangt, an den visionären Apple-Begründer Steve Jobs:

„Lass nicht den Lärm anderer Meinung deine innere Stimme verstummen. Und vor allem, hab den Mut deinem Herzen und deiner Intuition zu folgen. Die wissen nämlich irgendwie bereits, was du tatsächlich [werden] willst. Alles andere ist zweitrangig.” (Steve Jobs’ Stanford Commencement Address, 2005)


Die Ausstellung läuft noch bis Freitg, 26. März 2017, im  Ägyptischen Museum, im Münchner Kunstareal, Gabelsberger Str. 35, UG;

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag: 10 Uhr – 18 Uhr,  zusätzlich am Dienstag bis 20 Uhr


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Unkuratiert streiten … Die Jahresausstellung 2016 der MKG im Ägyptischen Museum

Vernissagen machen richtig Spaß, wenn die Exponate stilistische Vielfalt aufweisen und die Ausstellenden ohne prätentiöses Gehabe einfach Freude darüber ausstrahlen, sich und ihre Werke der Öffentlichkeit vorzustellen. Ein gutes Beispiel dafür bot die ungarische Malerin Elisabeth Sorger bei der Jahresausstellung 2016 der Münchner Künstlergenossenschaft:

Elisabeth Sorger vor ihrem Exponat, MKG 2016

Malerin Elisabeth Sorger vor ihrem Exponat, MKG-Jahresausst. 2016

Kunst war immer schon die Berufung, Informatik lange ihr Beruf. Seit Sorger jedoch 1999 ihr „heimisches Atelier“ verlassen hat, blickt sie bereits auf 43 nationale und internationale Ausstellungen zurück, die sie 2014 bis nach San Antonio/Texas in die „Greenhouse Gallery International of fine Art“ führte!

Aktuell gehört Elisabeth Sorger zu den ausgewählten Teilnehmer_Innen der diesjährigen Ausstellung der MKG – Münchner Künstlergenossenschaft königlich priviligiert 1868zu deren Vernissage Sorger ihren Landsmann und alten Freund Peter Lang (Artist Studio) und mich eingeladen hatte. Die Begriffe „königlich“ und „priviligiert“ hatten mich im Vorfeld der Veranstaltung fürchten lassen, das Umfeld könne sich als Ansammlung selbstzufriedener Münchner Traditionalisten entpuppen, deren Visionen und persönliche Errungenschaften sich in der großen Vergangenheit ihrer Vorgänger_Innen erschöpfen. Und hatte nicht der zeitweilige MKG Präsident Franz von Lenbach (1836 – 1904) der Gruppe einst sogar den Rücken gekehrt, um eine eigene Künstlerschaft um sich zu scharen, die er nach eben jener Allotria (= Halligalli)-Stimmung benannte, die die MKG vehement abgelehnt haben soll? „Bei uns gibts fei koa Allotria!“ So kolportieren es zumindest Allotrianer.

Peter Grassinger, Allotrianer und Ehrenpräsident des Münchner Künstlerhauses in der historischen Kegelbahn; Foto: Werner Bauer

Peter Grassinger, Allotrianer und Ehrenpräsident des Münchner Künstlerhauses in der historischen Kegelbahn; Foto: Werner Bauer

Bis heute treffen sie sich wöchentlich im Münchner Künstlerhausvon Allotria-Stimmung  jedoch habe ich während meiner jourfixe-Zeit im Künstlerhaus nicht viel zu spüren bekommen. Im Gegenteil: Unter anderem machte ich mich unbeliebt, weil unser jourfixe-Team ab und zu die historische Kegelbahn als Künstler-Garderobe nutzte und somit eben jenen Raum entweihte, in dem der Prinzregent Luitpold mit Lenbach und seinen Allotrianern einst zu kegeln pflegte! Auch bei anderen Gelegenheiten, wie der Recherche zur Collage über den Alten Südlichen Friedhofwar ich in Kontakt zu Nachfahren illustrer Münchner gekommen, Begegnungen, die ich, als Münchnerin ohne jegliche Vergangenheit, meist als eher frostig empfand. Daher habe ich inzwischen eine zwiespältige Haltung zu Münchner Organisationen und Familien entwickelt, deren Wurzeln in der Gründerzeit oder gar noch davor liegen, vor allem was die Durchführung gemeinsamer künstlerischer Projekte anbelangt. Meiner Meinung nach erfordern kreative Prozesse Hingabe und kein Standesbewusstsein.

MKG-Praesident Nikos_W_Dettmer bei seiner Eröffnungsrede zur MKG Ausstellung 2016

MKG-Praesident Nikos Dettmer bei der Eröffnungsrede

Doch meine Bedenken bezüglich der MKG-Vernissage erwiesen sich schnell als unbegründet. Nach einer erfreulich kurzen und ebenso herzlichen Rede seitens MKG-Präsident Nikos W. Dettmer, überraschte mich die Festrede von Dr. Matthias Mühling, Direktor des Lenbachhauses.

Dr. Matthias Mühling, Präsident Lenbachhaus

Dr. Matthias Mühling, Präsident Lenbachhaus

Eine Ansprache, die, zusammengefasst, für kreative Reibung und künstlerischen Wildwuchs als Impulsgeber plädierte, so wie ich sie seit 1999 in den Mittelpunkt meines Konzepts für die Kulturplattform jourfixe-muenchen gestellt, aber nicht aus dem Mund eines Vertreters der Hochkultur erwartet habe. Besagte zwei Impulsgeber verhindern meiner Meinung nach unter anderem, dass künstlerische Endprodukte, seien es nun Bilder, Kompositionen, Literatur oder Bühnenstücke in nichts sagender Perfektion erstarren. Ein künstlerischer „Wurf“ aber bedarf leidenschaftlicher Risikobereitschaft und Kompromisslosigkeit. Kuratoren und Konsens stehen dem leicht auch mal im Weg, vor allem im Frühstadium künstlerischer Entwicklungen. Bravo und merci für Ihre Worte, Dr. Mühling!

"Lebenslinien" - grafische Arbeit der ungarischen Künstlerin Elisabeth Sorger auf der MKG-Ausstellung 2016 im Ägyptischen Museum München

„Lebenslinien“ – grafische Arbeit der ungarischen Künstlerin Elisabeth Sorger auf der MKG-Ausstellung 2016 im Ägyptischen Museum München

Nach den einführenden Reden begegnete uns der Grand Seigneur unter den aktuellen Allotrianern, der offensichtlich den Kolleginnen und Kollegen der MKG die Ehre erweisen wollte: Peter Grassinger, seines Zeichens auch Ehrenpräsident des Münchner Künstlerhauses. Seinem unermüdlichen  Einsatz, wie auch dem seiner Frau Maja Grassinger ist zu verdanken, dass das Künstlerhaus der Stadt als kultureller Spielort erhalten bleibt.

Minotaurus_Martin_Cambeis_MKG_Ausstellung-2016_jourfixe-Blog

„Minotaurus“-Skulptur, Paul Martin Cambeis, MKG-Ausstellung 2016

Eine schöne Überraschung war es auch, Paul Martin Cambeis wieder zu treffen, dessen künstlerische Vielfalt mich immer neu überrascht. Kennengelernt habe ich ihn als Mitglied des Fastfood-Improtheaters sowie als Maler und Comic-Zeichner. In letzterer Funktion hat er mir in einer Nacht-und-Nebel-Aktion eine Aufführung der Collage „Cajun Tales“ gerettet, in dem er alle ursprünglich darin enthaltenen Comic-Zeichnungen durch eigene  ersetzte, nachdem uns zwei Wochen vor Termin die Rechte zur Projektion der alten Comic-Bilder entzogen worden waren. Inzwischen ist Martin Cambeis Vorstandsmitglied der MKG und mit – wieder eine neue Facette – gleich mehreren Skulpturen in der Ausstellung vertreten.

Außergewöhnlich ist auch die Location, in der neuerdings die MKG-Jahresausstellungen stattfinden: Das Ägyptische Museum, das nun wieder  einmal, neben Jahrtausende alten Werken, jene von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern beherbergt. Zu einem solchen Wett“Streit“ uralter und moderner sowie sehr unterschiedlicher Kunststile, bedarf es sicher keines Kurators …

Die Jahresausstellung der MKG 2016 ist noch bis Sonntag, 28. April zu sehen, täglich von 10 – 18 Uhr, dienstags bis 20 Uhr, montags geschlossen


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