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Geburtstag auf Wolke 7: Fotostrecke, Kommentare und weiterführende Links zur Künstlerfeier an meinem 60. Geburtstag, 4. Juni 2018, bei Terry Swartzberg in München

Runde Geburtstage verleiten mich regelmäßig zum Kassensturz: Wo genau stehe ich an diesem Stichtag, in Bezug auf meine Pläne, Ziele, Überzeugungen und auf meine Gefühlswelt? Und wer steht an meiner Seite, beziehungsweise mir zur Seite? Nehme ich den aktuellen, sechzigsten Geburtstag zum Maßstab, fällt meine biografische Zwischenbilanz um so vieles besser aus, als mir selbst bislang bewusst war. Von der Zuneigung meiner Gäste fühlte ich mich regelrecht eingelullt, von vielen liebevollen Gesten, Zuwendungen, Worten und künstlerischen Darbietungen. Dass die Gästeliste sich fast ausschließlich aus künstlerischen WegbegleiterInnen und engen KooperationspartnerInnen unterschiedlichstem Datums zusammensetzte, spielte dabei für mich keine Rolle, denn in meinem Leben verlaufen die Grenzen zwischen künstlerischer, beziehungsweise kultureller Arbeitswelt und Privatleben seit Jahrzehnten fließend.

Glücklich – Gaby dos Santos am 60. Geburtstag. Links im Hintergrund Christiane von Nordenskjöld, Kustodin (Ateliermuseum) der Magda-Bittner-Simmet-Stiftung

Die prägnantesten Momentaufnahmen, festgehalten von mehreren Gästen, habe ich in nachstehender Fotostrecke zusammengestellt, kommentierjt und verlinkt, weil diese nicht nur eine schöne Erinnerung für mich – und hoffentlich für meine Gäste – darstellen, sondern auch widerspiegeln, wofür die Kulturplattform jourfixe-muenchen steht. Nachfolgendes Gruppenfoto zeigt zwar nicht alle der geladenen !80 Gästen, aber einen guten Querschnitt:

Kurz vor Beginn der Künstler-Session: HINTEN von links: Manuela Rosenkind (Illustratorin, Autorin „Mia Meilenstein„), Harry Rosenkind (Musik-Promoter, Schlagzeuger der Kultrockband „Sahara“), Elisabeth Sorger (Malerin, Sprecherin der MKG-Münchner Künstlergenossenschaft), Reiner Mauthe, Catherine Houdayer (Modeexpertin), Jörn Pfennig (Lyriker, Bestseller mit „Grundlos zärtlich“), ganz an der Wand Arno Baum (Musik-Booker, Bassist der Progressive-Rockband PROGNOSTIC) und ansatzweise zu sehen Piaistin Masako Ohta; MITTLERE REIHE im Sessel: Ulrike Keil (Musikwissenschaftlerin, Pressechefin von Musikerlebnis/Tonicale, musica femina münchen) mit Ehemann, Michaila Kühnemann (Film- und Radiomacherin RADIO MÜNCHEN, Kabarettistin, Liedermacherin), Peter Lang (Inhaber Artist Studio München, als Musiker Mitbegründer der ungarischen Kultbands Hungaria und Omega), Claudia Cane (Rockröhre), VORNE, neben mir, Christine Weissbarth (Schauspielerin, Moderatorin und Referentin bei der Hanns-Seidel-Stiftung) sowie, halbverdeckt, Cecilia Gagliardi (Sängerin, Gitarristin, Theater im Roßstall/Germering)

Die  Kulturplattform jourfixe-muenchen steht seit fast zwanzig Jahren für kulturelle und künstlerische Vielfalt, mit dem Ziel gegenseitiger Inspiration und der Bildung von Synergien. Diese Vielfalt spiegelte sich in der Geburtstagsfeier wieder: Die Künstler- und Kulturschaffenden des jourfixe sind unterschiedlichster Couleur, doch bilden Know How, Offenheit und Interesse gegenüber anderen Kunstformen, Freude an künstlerischen Synergien und multidisziplinären Projekten einen kittenden, gemeinsamen Nenner. Als Mitglied kann man sich bei uns nicht bewerben; statt dessen spreche ich gezielt Kunst- und Kulturschaffende an, die ich mir als Bereicherung unseres künstlerischen Pools erhoffe, zur Entwicklung gemeinsamer Projekte und gegenseitigen Unterstützung.

Gastgeber Terry Swartzberg, Journalist, PR-Fachmann und Vorsitzender von „Stolpersteine für München e.V.“ stellte mir für meine Geburtstagsfeier sein historisches Häuschen am Nockerberg zur Verfügung und ermöglichte so einen unvergesslichen Abend! Foto: Dirk Schiff (portraitiert.de)

Apropos gegenseitige Unterstützung: Eben mal sein ganzes Haus für die Feier zu meinem 60. Geburtstag zur Verfügung stellen – das macht ihm so schnell keiner nach und entspricht seinem Wesen: Für den Kosmopoliten Terry Swartzberg sind Aufgeschlossenheit, soziales Engagement (u.a. in seinen PR-Kampagnen) und phantasievoll gestaltete Lebensfreude zwei Seiten einer Medaille. Nach rund 25 Jahren als Korrespondent für die International Herald Tribune, gilt sein großes Engagement seit einigen Jahren dem Verein Stolpersteine für München e.V., dem er vorsteht und mit dem er aktuell ein großes Sommerfest vorbereitet, am Mittwoch, 20. Juni 2018, um 20 Uhr, bei freiem Eintritt im Jüdischen Museum München, mehr unter jourfixe-News. Und einmal mehr ist einfach jede/r herzlich willkommen! Ohne Anmeldung und bei freiem Eintritt.

„Gabys gute Geister“ nannte meine Freundin Edith Grube Reiner Mauthe, Marianne Niederkofler, Sigi Blässer und Jon Michael Winkler; Letzterer ist nicht nur mein enger Vertrauter sondern auch Erster Vorsitzender des jourfixe-Vereins. Für mich bedeuten die vier Menschen auf obigem Foto weit mehr als Mainzelmännchen! Mit ihnen ist in Teilen mein Leben verwoben. Fest steht aber auch, dass  ohne deren Hilfe diese Geburtstagsfeier gar nicht zu stemmen gewesen wäre. Der untere Bildteil zeigt einen Ausschnitt des üppigen Büffets: Alle Gäste waren gebeten worden, Speisen und Getränke anstelle von Geschenken mitzubringen. Foto: Stey

 

Geburtstagskind Gaby dos Santos führt Prof. Thomas Pekny, Intendant Komödie im Bayerischen Hof, durch Terry Swartzbergs historisches Domizil am Nockerberg, Foto: Oliver Stey

 

Theaterwelten: Angelica und Lili Fell, Geschäftsführung der inklusiven FBM-Freien Bühne München mit Thomas Pekny, Chef der Komödie im Bayerischen Hof; Foto: Dirk Schiff

 

Kommt Moses nicht zum Berg … Nachdem es im Winter wegen einer Endlosschlange nicht möglich gewesen war, das Rockmuseum im Olyimpiaturm zu erreichen, kam dessen Betreiber, Herbert Hauke eben zu uns. Neben ihm seine Frau Gabi, Tourbegleiterin und Assistentin von Sissi Perlinger; Foto: Schiff

 

Foto links: Die finnische Sängerin Tuija Komi im Gespräch mit musica-femina-Grafikerin Irmgard Voigt; Foto rechts: Claudia Strauch (Strauch Media) im Gespräch mit Behar Heinemann, links und  Petra Windisch de Lates (Vorstand Lebensbrücke e.V. und J.I.M.-Jazzmusiker Initiative München)

 

Foto links: Das Sänger-Ehepaar Maya und Charles Logan; Rechts schneide ich eine der Geburtstagstorten an, die mir Gäste gebacken haben, assistiert von Gabi Hauke, dahinter jourfixe-Gründungsmitglied Angelika Grimm (Sozialpädagogin); Foto: Elisabeth Sorger

 

V.l. Alexander Diepold (Madhouse), hat gerade in München den alljährlichen Gedenktag für die im Holocaust ermordeten Sinti und Roma durchgesetzt, daneben Eva Giesel, Litag Theaterverlag, rechts Uta Horstmann, Bundesverdienskreuzträgerin für ihr lebenslanges Engagement für Sinti & Roma, auf den Stufen Esthera und Artur Silber (Musik-Manager DownTown Studios,PR–Agentur Silberpfeil, Schlagzeuger, u.a. PROGNOSTIC)

 

Unter den Nazis wurden ihre Ethnien unter dem Sammelbegriff „Zigeuner“ verfolgt, doch hier ist Differenzierung angesagt: Von links: Oliver Stey, aus einer Zirkus- und Schausteller-Dynastie, der das größte Privatarchiv dazu führt, die schillernde Behar Heinemann, eine, wie sie es selbst formuliert „stolze Rom“ (Autorin und Kulturmanagerin) sowie der Sinto Alexander Diepold (Madhouse-Chef), dem München seit diesem Jahr einen festen Gedenktag für die verfolgten Sinti & Roma verdankt; Fotos: Dirk Schiff

 

Fotografin Anne Schiff – Mit ihr und ihrer Familie erlebe ich immer wieder kuschelige private Stunden; Rechts Stephanie Bachhuber (Bayer. Staatsoper) Am Vortrag meines Geburtstags feierten wir den 20. Jahrestag unserer Freundschaft! Fotos: Dirk Schiff

 

Geniales Geschenk von Naomi Isaacs (Institute for Charismology): Ein Kaleidoskop – zeitlose Freude! Links von ihr Reiner Mauthe, rechts Sänger Charles B. Logan, an der improvisierten Bar; Rechtes Bild: Ulrich Floßdorf, Traumatherapeuth etc. bei Alexander Diepolds Familienberatungsstelle Madhouse; Foto: Stey

 

Die finnische Sängerin Tuija Komi kam auf Krücken! Und verstand sich mit Gastgeber Terry Swartzberg offensichtlich prima. Für mich ist sie ein veritabler Sonnenschein, kann aber auch „traurig“ und sang später bei der Session à capella ein melancholisches finnisches Gänsehaut-Lied; Fotos: Dirk Schiff

 

Von links: Petra Windisch de Lates (Vorstand Lebensbrücke e.V. und J.I.M.-Jazzmusiker Initiative München), Kriminalautorin Sabine Vöhringer („Die Montez Juwelen„) Michaila Kühnemann, Radio München, Moderatorin, Filmemacherin, Kabarettistin, Musikerin, Foto/Ausschnitte von Oliver Stey

 

Blick von Terry Swarzbergs Terrasse in den Innenhof. Von vorne links: Dr. Ulrich Schäfert, Leiter Kunstpastoral der Erzdiözese,, Grafikerin/Illustratorin Elena Buono, Heidi und Peter Lang, Artist Studio und Kulturjournalistin Heidi Weidner; ganz re. Sängerin Tuija Komi; Foto: Oliver Stey

 

Totale des Innenhofs – Im Vordergrund zu sehen ist Regisseur Rüdiger Nüchtern, ganz hinten wird es Italienisch: An der Wand die Grafikerin und Illustratorin Elena Buono und vor Ihr die Sängerin und Kabarettistin Cecilia Gagliardi, die einer römischen Künstlerdynastie entstammt; Foto: Dirk Schiff

Links neben Musikerin Cecilia Gagliardi (Theater im Roßstall/Germerin) die japanische Pianistin Masako Ohta, bei der ich mich fragte, wie sie aus einem Keyboard in Schoß-Format derart perlende Klänge zu zaubern vermochte. Rechts Sängerin Linda Jo Rizzo, die kürzlich das Hippodrom zum Kochen brachte. Foto-Ausschnitte: Dirk Schiff

Höhepunkt der Feier waren sicherlich die Geburtstagsständchen der MusikerInnen unter den Gästen sowie ein eigens zu meinem Geburtstag getextetes Gedicht SIXTY SEXY GABY des Lyrikers Jörn Pfennig! Große Freude! …

Lyriker Jörn Pfennig, zwei Ausschnitte von Fotos von Dirk Schiff

Vorbemerkung:

Eines Deutschen Dichters Scheitern
ist für ihn und die Welt ein wahrer Graus.
Doch manchmal kann es beide auch erheitern –
probieren wir’s doch einfach mal aus:

Das Gedicht:

Der Deutsche Dichter muss ja nicht denken –
von dieser Pflicht hat sein Volk ihn befreit
um sie dem Deutschen Denker zu schenken
der sich immer schon sehr
aber seither noch mehr
schier unglaublicher Bedeutung erfreut.
(… mehr)

Stimmungsbild während der temperamentvollen Performance von Jazz-Sängerin Jenny Evans; rechts außen Hausherr Terry Swartzberg, neben ihm Jazz-Sänger Thomas de Lates, Foto: Oliver Stey

 

Zwei Momente der Performance von Jazz-Sängerin Jenny Evans: Ein peppiges Lied à capella und aus eigener Feder über die Vorzüge reifer Frauen; Jennys Auftritt berührte mich sehr, denn oft war ich früher in ihrem Jazz-Lokal Jenny’s Place zu Gast gewesen und hätte mir nie träumen lassen, sie einmal als Geburtstagsgast zu begrüßen … Foto-Ausschnitte: Dirk Schiff

 

Csaba Gal, Leiter des Künstlerkreises Kaleidoskop und Cecilia Gagliardi (‚Theater im Roßstall/Germering) singen „Bella Ciao“, das „House Of Rising Sun“ Italiens, Foto: Dirk Schiff

 

Mitwirkende an der Künstlersession: Jazz-Sänger Thomas de Lates und zwei der Musiker der Progressive-Rockband PROGNOSTIC: Keyborder Martin Stellmacher und Sänger Charles B. Logan

 

Vertraute aus wilden Zeiten: Journalistin Daniela Schwan (rechts neben mir). Links zu sehen ist Kabarettistin Karin Engelhard. Dahinter Klaus Onnich, Kurator MVG-Museums – Foto: Dirk Schiff

 

Ein schönes Portrait-Foto von Kulturjournalistin Daniela Schwan; Foto: Dirk Schiff (portraitiert.de)

 

Mit meinem alten Freund aus wilden Datscha-Zeiten, Zarko Mrdjanov, Gitarrist von Massel Tov, meiner Schwägerin Sigi und Heidi Lang vom Artist Studio, Foto: Dirk Schiff

 

Elisabeth Sorger, Malerin und Sprecherin der MKG – Münchner Künstlergenossenschaft, Martin Hubensteiner, Ausstellungsmacher der LV1871, Gaby dos Santos und Christine Weissbarth, Referentin/Moderatorin der Hanns-Seidel-Stiftung, Foto: Dirk Schiff

 

In der Mitte Claudia Weigel, (Parlamentarische Beraterin Hochschul- und Kulturpolitik, Fauenpolitik für die BayernSPD Landtagsfraktion), links Autorin Gunna Wendt, nach deren Biografie über Franziska zu Reventlow wir zur Zeit, gemeinsam mit Musikerin Michaela Dietl, eine Collage zum 100. Todestag produzieren

 

Renate Lettenbauer und Lising Pagenstecher, wie ich Mitglieder von musica femina münchen    und Rockröhre Claudia Cane, die später Janis Joplins „Mercedes Benz“ sang; Foto: Dirk Schiff

 

Meine Freundin Edith Grube, Tochter und Nichte der KZ-Überlebenden Werner und Ernst Grube; Aktivistin (Stolpersteine für München e.V.) und Verwaltungssupervisor bei Madhouse, mit ihrem Mann Robert; Links: Harry Rosenkind (Musikpromoter und Schlagzeuger der Kult-Rockband „Sahara„)

 

Meine Collage über Textdichter Bruno Balz brachte mich mit diesen beiden Herren zusammen: Mein Bühnenpartner Lutz Bembenneck (li) und der „Experte“ für die Talkrunde nach der Aufführung, Albert Knoll, Archivar der KZ-Gedenkstätte Dachau und Vorstand des Forums Homosexualität München,

 

Unsere beiden jourfixe-Fotografen einmal selbst vor der Linse von Oliver Stey: Links: Dirk Schiff/ portraitiert.de und rechts Bernd Sannwald, ein As in abstraktv wirkender Detail-Fotografie

 

Dieses Portrait von Naomi Isaacs fand Dirk Schiff (portraitiert.de) so ansprechend, dass er spontan beschloss, es in seine neue Herbst-Ausstellung „Münchner und Zuagroste“ einzubeziehen. Wie bereits seine erfolgreiche Ausstellung im Vorjahr mit Uschi Glas, „We are all the same“, findet die Vernissage im Hotel Le Méridien statt, diesmal zugunsten von Jutta Speidels HORIZONT e.V.

 

Es ist spät geworden … Christiane von Nordenskjöld, Kustodin (Ateliermuseum) der Magda-Bittner-Simmet-Stiftung im Gespräch mit Jon Michael Winkler;; Foto: Stey

 

Ein glückliches Geburtstagskind sagt: „Danke!“


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Vom Wirtschaftswunder in die Unsterblichkeit: Die Malerin Magda Bittner-Simmet und ihr Schwabinger Ateliermuseum

Sei wie das Veilchen im Moose, sittsam, bescheiden und fein …“ so lautete ein beliebter Eintrag in die Poesie-Alben meiner Generation. Ich bin Jahrgang 1958. Der Feminismus steckte da noch in den Kinderschuhen und mir wäre daher nicht in den Sinn gekommen, es doch besser mit der „stolzen Rose“ zu halten, „die immer bewundert will sein„. Das Streben nach Anerkennung und Erfolg kam in den Lebensentwürfen für Frauen lange nicht vor, ganz zu schweigen von dem Wunsch, das eigene Lebenswerk über den Tod hinaus präsent zu halten. Doch genau dafür hat sich eine Künstlerin entschieden, die in eine Zeit hineingeboren wurde, in der noch nicht einmal das Wahlrecht für Frauen galt: Magda Bittner-Simmet, „akademische Kunstmalerin“, gefragte Portraitistin, Globetrotterin, Netzwerkerin, bayerische Gesellschaftslöwin und schließlich Stifterin in eigener Sache.

1916 wurde sie in eine großbürgerliche Erdinger Familie hineingeboren, der sie sich in puncto „Vita“ aber nur insofern fügte, als dass sie sich zur Lehrerin für Kurz- und Schönschrift ausbilden ließ. Dem schloss sie, nicht gerade zur Freude des Vaters, ein Studium an der Münchner Kunstakademie an, an der erst seit 1920 auch Studentinnen zugelassen waren. Dort studierte sie unter anderem bei Elke Brauneis, selbst eine der ersten Kunstdozentinnen, eine Begegnung, die wegweisend für Magda Bittner-Simmets eigene künstlerische Karriere gewesen sein dürfte.

Magda Simmet 1935 – Ganz offensichtlich schon damals eine ungewöhnlich selbstbewusste junge Frau, Quelle: Homepage der Magda Bittner-Simmet Stiftung

Zu ihrem Werdegang ist auf der Homepage der Magda Bittner-Simmet Stiftung/Leben nachzulesen: „Um sich ihr Studium zu finanzieren, arbeitete die zielstrebige Studentin gleichzeitig als Fachlehrerin für Kurz- und Plakatschrift sowie als Zeichen- und Werklehrerin. (…) 1944 schloss sie ihr Studium mit einem Erfolgsdiplom ab und verwendete ihren Titel ‚akademische Kunstmalerin‘ seitdem mit Stolz.

Nach Kriegsende suchte sie trotz der allgemein schweren Lebens- und Arbeitsumstände beharrlich weiter ihre eigene Sprache der Malerei, die nun ihrem persönlichen Ausdruckswillen entsprechen sollte. Um ihren Porträtstil weiter zu verfeinern, wurde sie 1951 nochmals Gaststudentin bei dem für dieses Genre hochgeschätzen Münchner Akademieprofessor Hans Gött.

Ihre Eigenständigkeit rettete sie über die Tragödie ihres Lebens hinweg, als 1947, noch im Jahr der Hochzeit, ihr Mann, der Arzt Max Bittner, überraschend an einer Infektion verstarb, wahrscheinlich nach der Gabe von gepanschtem Penicillin, wie sie in jenen Zeiten oft und mit fatalen Folgen erfolgte und im Film „Der Dritte Mann“ thematisiert wird. Kein Jahr verheiratet und Witwe mit gerade 31 Jahren! Eine solche Lebenssituation hätte viele andere Frauen in die Selbstaufgabe getrieben, nicht so Magda Bittner-Simmet.

Schnappschuss eines Selbstportraits

Die Autorin Gunna Wendt beschrieb sie in einem aktuellen Kurzportait als eine Mischung aus Scarlett O’Hara,  Franziska zu Reventlow, in deren Tradition sie sich stilisierte und dabei,  wie Fassbinders Maria Braun, die Chancen des Wirtschaftswunders für sich zu nutzen verstand. Deren Vertreter konnten sich wieder Kunst leisten und sahen sich auch selber gerne auf Leinwand verewigt, oft von der bekannten Malerin Bittner-Simmet.

Magda Bittner Simmet 1972 in ihrem Atelier in der Schwabinger Leopoldstraße; bei dem Oben-Ohne-Portrait oben rechts handelt es sich um ein Selbstbildnis, Foto: MBS

Im Künstlerviertel Schwabing, das noch immer vom Flair seiner legendären Vergangenheit zehrte, eröffnete Magda Bittner-Simmet ein eigenes Atelier und portraitierte schon bald das „Who is who“ der Münchner Gesellschaft, in einer Zeit, in der laut Dr. Oettker Werbung eine Frau doch angeblich nur zwei Probleme umtrieben: Was ziehe ich an und was koche ich heute? Der Bundesverband deutscher Stiftungen schreibt dazu in einem seiner Archivportraits:

Magda Bittner Simmet 1960 mit Schriftsteller Oskar Maria Graf  am Stammtisch des Seerosenkreises

Entgegen der Zeitströmung malte sie gegenständlich. Ihre bevorzugten Sujets waren Landschaftsdarstellungen und ganz besonders Porträts. Modell saßen ihr viele Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kirche und Kultur, u.a. der Bayerische Innenminister Wilhelm Hoegner, Landesbischof Hans Lilje und der Schriftsteller Oskar Maria Graf.

Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Magda Bittner-Simmet durch den damaligen Kultusminister H. Zehetmaier, April 1989

Im Gegensatz zu vielen, auch heutigen Künstler-Kolleg_Innen, ging Bittner-Simmet pragmatisch mit Beruf UND Berufung um, wohl wissend, dass Schöpfertum alleine noch keine Existenz zementiert: Die Künstlerin setzte sich in verschiedenen Organisationen für die soziale Absicherung von Künstlerinnen ein, war Vorsitzende der Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfördererinnen e. V. (GEDOK) München und erhielt für ihr berufspolitisches Engagement das Bundesverdienstkreuz. (Bundesverband deutscher Stiftungen in einem Archivportrait)

Eine ihrer Leidenschaften war das Reisen, für sie auch Quelle neuer Bildmotive und Inspirationen. Sie organisierte auch Gruppenreisen für Kolleg_Innen, aber scheute sich dabei nicht, ihr „Revier“ energisch abzugrenzen und beispielsweise einen Maler auszuschließen, nachdem er, zumindest ihrer Auffassung nach, wiederholt Motive von ihr kopiert hatte, so Biografin Gunna Wendt in ihrem Kurzportrait.

Die Autorin Gunna Wendt trägt ein Kurzportrait zu Magda Bittner Simmet, in deren Ateliermuseum vor, März 2017, im Rahmen des Münchner Stiftungsfrühlings

Nunmehr 40 Jahre alt ist das Künstlerhaus, das Magda Bittner-Simmet am Schwabinger Bach errichten ließ. Das Dachgeschoss baute sie zu einer großzügigen, lichtdurchfluteten Atelierwohnung aus, die Wohneinheiten in den beiden unteren Etagen vermietete sie.

Magda Bittner-Simmet bei einem ihrer Künstlerfeste im Atelier am Schwabinger Bach

Heute fließen diese Mieteinnahmen in die nach ihr benannten und bereits zu Lebzeiten geplanten Magda Bittner-Simmet Stiftung.

Vorstand Verena Walterspiel bei einer Einführungsrede, März 2017

Dank einer testamentarischen Verfügung erfüllte sich posthum Magda Bittner-Simmets großer Wunsch dieser eigenen Stiftung, und die Atelierwohnung verwandelte sich in ein Ateliermuseum, in dem Kustodin Christiane von Nordenskjöld, anhand von Führungen und Vorträgen regelmäßig an Werk und Leben einer bewundernswert zielorientierten Künstler-Persönlichkeit erinnert.

Mich fasziniert jeder Besuch aufs Neue, denn mit Betreten des Ateliers fühle ich mich in die Zeit meiner Kindheit und Jugend zurück katapultiert, angesichts der vielen Exponate aus dem persönlichen Besitz der Künstlerin. In der Mitte des Hauptraumes befindet sich der erhöhte Sessel, in dem einst ihre illustre Klientel Platz nahm, um sich von der Künstlerin in Öl verewigen zu lassen. Doch ich empfinde dieses Möbelstück eher als Thron der Künstlerin selbst, deren unsichtbare Präsenz bis heute den Ort dominiert.

Kustodin Christiane von Nordenskjöld während einer Führung. Rechts  der Portraitier-Stuhl

Das Ateliermuseum im Künstlerhaus am Schwabinger Bach bietet einen ungewöhnlichen ErfahrungsOrt für das Lebensgefühl der Nachkriegszeit und Wirtschaftswunderjahre. Ein Besuch im ehemaligen Atelier von Magda Bittner-Simmet ist wie eine Zeitreise (…), beschreibt die Homepage der Stiftung treffend die ganz spezielle Atmosphäre des Ortes, die zwar vorwiegend, aber nicht nur vom Nachlass der Stifterin geprägt wird, sondern auch von der liebevollen Akribie und dem Einfallsreichtum, die, seitens Kustodin und Vorstand, das vielseitige Veranstaltungsangebot begleiten, das ebenfalls den künstlerischen Nachlass der Malerin Magda Bittner-Simmet als Bildgedächtnis der Münchner Kunst- und Zeitgeschichte zu erschließen und der Öffentlichkeit zugänglich machen möchte.

So führte beispielsweise kürzlich der Vortrag „Kunst und Käseigel“ die Besucher_Innen zurück in die erfolgreichen Wirtschaftswunderjahre der Stifterin, einschließlich einer stimmigen kulinarischen Begleitung … [s. obiges Foto]

Aber nicht nur die Stifterin und ihr Werk werden hier thematisiert, sondern auch Biografien anderer Künstlerinnen, die selbstbestimmt ihre Laufbahn verfolgten, wie beispielsweise die Schwabinger „Traumprinzessin“ Bele Bachem.

Im Gegensatz zu manchen anderen Museen und Kunsttempeln empfinde ich dieses Ateliermuseum als einen Ort, der Kunst und Kultur regelrecht atmet, weil er einen ganz nah an seine Schöpferin heran führt. Dazu findet sich auf der Homepage der Magda Bittner-Simmet Stiftung ein Zitat:

„Die Wohnung, das Milieu, die Gegenstände, mit denen sich ein Mensch umgibt, verraten fast alles über ihn…“ (Jean Baudrillard)


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Gunna_Wendt_Liesl_Karlstadt_Schwabinger_Kunstpreis_2017_Franziska_zu_Reventlow
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Schwabinger Kunstpreis 2017 für Autorin und jourfixe-Mitglied GUNNA WENDT

Mit ihrer Feder hat Gunna Wendt nicht zuletzt München/Schwabing ein ganzes Stück weit auferstehen lassen, mit wunderbaren Biografien, z. B. zu Liesl Karlstadt (s. obige Fotomontage) oder zu „Franziska zu Reventlow – Die anmutige Rebellin„. Aus letzterer Biografie entsteht gerade ein jourfixe-Historical, mit Musiken von Michaela Dietl und einer Multimedia-Show mit historischen Bildcollagen von Gaby dos Santos verwoben mit Reventlow-Texten,  das 2018, zum 100sten Todestag der „barfüßigen Gräfin“ auf Tour gehen soll.

Franziska zu Reventlow – eine der Gallionsfiguren der legendären Schwabinger Bohème. Gunna Wendt widmete ihr eine Biografie

Nun ist es unter anderem dieser Gräfin (s. obiges Foto) bzw. deren Verbundenheit zu München, Zitat: „Schwabing ist ein Zustand„, zu verdanken, dass Gunna Wendts literarische Arbeit mit diesem renommierten Münchner Preis gewürdigt wird. Auszug aus der Pressemitteilung des Kulturreferats der Landeshauptstadt München:

Wenn Lena Christ, Franziska zu Reventlow, Liesl Karlstadt und Emmy Hennings in unserer heutigen Zeit eine Seelenverwandte wählen dürften, dann wäre es Gunna Wendt. Die Münchner Schriftstellerin lässt in ihren Biografien, die sich teils so mitreißend wie Romane lesen, die Schwabinger Bohème wiederauferstehen. Eine Würdigung jener Künstlerinnen, die lange im Schatten ihrer berühmten Männer standen, obwohl sie selbst hoch talentiert waren und Werke von großer Eigenständigkeit schufen.

Mutige Frauen, die sich über alle gesellschaftlichen Grenzen hinwegsetzten und zu Vorbildern wurden. Auch die Frauen aus Gunna Wendts jüngstem Projekt zählen dazu: es geht darin um die Liebes- und Arbeitsbeziehung zwischen Thomas Manns Tochter Erika und der Schauspielerin Therese Giese. Doch die Autorin hält nicht nur mit ihren Biografien den Mythos Schwabing lebendig, sondern auch mit liebevoll recherchierten Ausstellungen. Obendrein hat sie eine charmante Anleitung verfasst zu einem Spaziergang durch die Kaffeehäuser der Schwabinger Bohème. Eine Einladung, mit allen Sinnen in die legendäre Zeit von damals einzutauchen.

Die Preisverleihung findet am 26. Juni im Rahmen einer geschlossenen Veranstaltung im Verwaltungszentrum der Stadtsparkasse München statt.

Informationen auch unter www.muenchen.de/kulturfoerderung unter ‚Preise‘.“

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Zu sehen und hören ist Gunna Wendt aber bereits am Sonntag, 26. März, um 14 Uhr, im Ateliermuseum der Magda Bittner–Simmet Stiftung, am Englischen Garten, gemeinsam mit der Autorin Renée Rauchalles >

Veranstaltung im Rahmen des Münchner Stiftungsfrühlings 2017, bei freiem Eintritt!


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