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Geburtstag auf Wolke 7: Fotostrecke, Kommentare und weiterführende Links zur Künstlerfeier an meinem 60. Geburtstag, 4. Juni 2018, bei Terry Swartzberg in München

Runde Geburtstage verleiten mich regelmäßig zum Kassensturz: Wo genau stehe ich an diesem Stichtag, in Bezug auf meine Pläne, Ziele, Überzeugungen und auf meine Gefühlswelt? Und wer steht an meiner Seite, beziehungsweise mir zur Seite? Nehme ich den aktuellen, sechzigsten Geburtstag zum Maßstab, fällt meine biografische Zwischenbilanz um so vieles besser aus, als mir selbst bislang bewusst war. Von der Zuneigung meiner Gäste fühlte ich mich regelrecht eingelullt, von vielen liebevollen Gesten, Zuwendungen, Worten und künstlerischen Darbietungen. Dass die Gästeliste sich fast ausschließlich aus künstlerischen WegbegleiterInnen und engen KooperationspartnerInnen unterschiedlichstem Datums zusammensetzte, spielte dabei für mich keine Rolle, denn in meinem Leben verlaufen die Grenzen zwischen künstlerischer, beziehungsweise kultureller Arbeitswelt und Privatleben seit Jahrzehnten fließend.

Glücklich – Gaby dos Santos am 60. Geburtstag. Links im Hintergrund Christiane von Nordenskjöld, Kustodin (Ateliermuseum) der Magda-Bittner-Simmet-Stiftung

Die prägnantesten Momentaufnahmen, festgehalten von mehreren Gästen, habe ich in nachstehender Fotostrecke zusammengestellt, kommentierjt und verlinkt, weil diese nicht nur eine schöne Erinnerung für mich – und hoffentlich für meine Gäste – darstellen, sondern auch widerspiegeln, wofür die Kulturplattform jourfixe-muenchen steht. Nachfolgendes Gruppenfoto zeigt zwar nicht alle der geladenen !80 Gästen, aber einen guten Querschnitt:

Kurz vor Beginn der Künstler-Session: HINTEN von links: Manuela Rosenkind (Illustratorin, Autorin „Mia Meilenstein„), Harry Rosenkind (Musik-Promoter, Schlagzeuger der Kultrockband „Sahara“), Elisabeth Sorger (Malerin, Sprecherin der MKG-Münchner Künstlergenossenschaft), Reiner Mauthe, Catherine Houdayer (Modeexpertin), Jörn Pfennig (Lyriker, Bestseller mit „Grundlos zärtlich“), ganz an der Wand Arno Baum (Musik-Booker, Bassist der Progressive-Rockband PROGNOSTIC) und ansatzweise zu sehen Piaistin Masako Ohta; MITTLERE REIHE im Sessel: Ulrike Keil (Musikwissenschaftlerin, Pressechefin von Musikerlebnis/Tonicale, musica femina münchen) mit Ehemann, Michaila Kühnemann (Film- und Radiomacherin RADIO MÜNCHEN, Kabarettistin, Liedermacherin), Peter Lang (Inhaber Artist Studio München, als Musiker Mitbegründer der ungarischen Kultbands Hungaria und Omega), Claudia Cane (Rockröhre), VORNE, neben mir, Christine Weissbarth (Schauspielerin, Moderatorin und Referentin bei der Hanns-Seidel-Stiftung) sowie, halbverdeckt, Cecilia Gagliardi (Sängerin, Gitarristin, Theater im Roßstall/Germering)

Die  Kulturplattform jourfixe-muenchen steht seit fast zwanzig Jahren für kulturelle und künstlerische Vielfalt, mit dem Ziel gegenseitiger Inspiration und der Bildung von Synergien. Diese Vielfalt spiegelte sich in der Geburtstagsfeier wieder: Die Künstler- und Kulturschaffenden des jourfixe sind unterschiedlichster Couleur, doch bilden Know How, Offenheit und Interesse gegenüber anderen Kunstformen, Freude an künstlerischen Synergien und multidisziplinären Projekten einen kittenden, gemeinsamen Nenner. Als Mitglied kann man sich bei uns nicht bewerben; statt dessen spreche ich gezielt Kunst- und Kulturschaffende an, die ich mir als Bereicherung unseres künstlerischen Pools erhoffe, zur Entwicklung gemeinsamer Projekte und gegenseitigen Unterstützung.

Gastgeber Terry Swartzberg, Journalist, PR-Fachmann und Vorsitzender von „Stolpersteine für München e.V.“ stellte mir für meine Geburtstagsfeier sein historisches Häuschen am Nockerberg zur Verfügung und ermöglichte so einen unvergesslichen Abend! Foto: Dirk Schiff (portraitiert.de)

Apropos gegenseitige Unterstützung: Eben mal sein ganzes Haus für die Feier zu meinem 60. Geburtstag zur Verfügung stellen – das macht ihm so schnell keiner nach und entspricht seinem Wesen: Für den Kosmopoliten Terry Swartzberg sind Aufgeschlossenheit, soziales Engagement (u.a. in seinen PR-Kampagnen) und phantasievoll gestaltete Lebensfreude zwei Seiten einer Medaille. Nach rund 25 Jahren als Korrespondent für die International Herald Tribune, gilt sein großes Engagement seit einigen Jahren dem Verein Stolpersteine für München e.V., dem er vorsteht und mit dem er aktuell ein großes Sommerfest vorbereitet, am Mittwoch, 20. Juni 2018, um 20 Uhr, bei freiem Eintritt im Jüdischen Museum München, mehr unter jourfixe-News. Und einmal mehr ist einfach jede/r herzlich willkommen! Ohne Anmeldung und bei freiem Eintritt.

„Gabys gute Geister“ nannte meine Freundin Edith Grube Reiner Mauthe, Marianne Niederkofler, Sigi Blässer und Jon Michael Winkler; Letzterer ist nicht nur mein enger Vertrauter sondern auch Erster Vorsitzender des jourfixe-Vereins. Für mich bedeuten die vier Menschen auf obigem Foto weit mehr als Mainzelmännchen! Mit ihnen ist in Teilen mein Leben verwoben. Fest steht aber auch, dass  ohne deren Hilfe diese Geburtstagsfeier gar nicht zu stemmen gewesen wäre. Der untere Bildteil zeigt einen Ausschnitt des üppigen Büffets: Alle Gäste waren gebeten worden, Speisen und Getränke anstelle von Geschenken mitzubringen. Foto: Stey

 

Geburtstagskind Gaby dos Santos führt Prof. Thomas Pekny, Intendant Komödie im Bayerischen Hof, durch Terry Swartzbergs historisches Domizil am Nockerberg, Foto: Oliver Stey

 

Theaterwelten: Angelica und Lili Fell, Geschäftsführung der inklusiven FBM-Freien Bühne München mit Thomas Pekny, Chef der Komödie im Bayerischen Hof; Foto: Dirk Schiff

 

Kommt Moses nicht zum Berg … Nachdem es im Winter wegen einer Endlosschlange nicht möglich gewesen war, das Rockmuseum im Olyimpiaturm zu erreichen, kam dessen Betreiber, Herbert Hauke eben zu uns. Neben ihm seine Frau Gabi, Tourbegleiterin und Assistentin von Sissi Perlinger; Foto: Schiff

 

Foto links: Die finnische Sängerin Tuija Komi im Gespräch mit musica-femina-Grafikerin Irmgard Voigt; Foto rechts: Claudia Strauch (Strauch Media) im Gespräch mit Behar Heinemann, links und  Petra Windisch de Lates (Vorstand Lebensbrücke e.V. und J.I.M.-Jazzmusiker Initiative München)

 

Foto links: Das Sänger-Ehepaar Maya und Charles Logan; Rechts schneide ich eine der Geburtstagstorten an, die mir Gäste gebacken haben, assistiert von Gabi Hauke, dahinter jourfixe-Gründungsmitglied Angelika Grimm (Sozialpädagogin); Foto: Elisabeth Sorger

 

V.l. Alexander Diepold (Madhouse), hat gerade in München den alljährlichen Gedenktag für die im Holocaust ermordeten Sinti und Roma durchgesetzt, daneben Eva Giesel, Litag Theaterverlag, rechts Uta Horstmann, Bundesverdienskreuzträgerin für ihr lebenslanges Engagement für Sinti & Roma, auf den Stufen Esthera und Artur Silber (Musik-Manager DownTown Studios,PR–Agentur Silberpfeil, Schlagzeuger, u.a. PROGNOSTIC)

 

Unter den Nazis wurden ihre Ethnien unter dem Sammelbegriff „Zigeuner“ verfolgt, doch hier ist Differenzierung angesagt: Von links: Oliver Stey, aus einer Zirkus- und Schausteller-Dynastie, der das größte Privatarchiv dazu führt, die schillernde Behar Heinemann, eine, wie sie es selbst formuliert „stolze Rom“ (Autorin und Kulturmanagerin) sowie der Sinto Alexander Diepold (Madhouse-Chef), dem München seit diesem Jahr einen festen Gedenktag für die verfolgten Sinti & Roma verdankt; Fotos: Dirk Schiff

 

Fotografin Anne Schiff – Mit ihr und ihrer Familie erlebe ich immer wieder kuschelige private Stunden; Rechts Stephanie Bachhuber (Bayer. Staatsoper) Am Vortrag meines Geburtstags feierten wir den 20. Jahrestag unserer Freundschaft! Fotos: Dirk Schiff

 

Geniales Geschenk von Naomi Isaacs (Institute for Charismology): Ein Kaleidoskop – zeitlose Freude! Links von ihr Reiner Mauthe, rechts Sänger Charles B. Logan, an der improvisierten Bar; Rechtes Bild: Ulrich Floßdorf, Traumatherapeuth etc. bei Alexander Diepolds Familienberatungsstelle Madhouse; Foto: Stey

 

Die finnische Sängerin Tuija Komi kam auf Krücken! Und verstand sich mit Gastgeber Terry Swartzberg offensichtlich prima. Für mich ist sie ein veritabler Sonnenschein, kann aber auch „traurig“ und sang später bei der Session à capella ein melancholisches finnisches Gänsehaut-Lied; Fotos: Dirk Schiff

 

Von links: Petra Windisch de Lates (Vorstand Lebensbrücke e.V. und J.I.M.-Jazzmusiker Initiative München), Kriminalautorin Sabine Vöhringer („Die Montez Juwelen„) Michaila Kühnemann, Radio München, Moderatorin, Filmemacherin, Kabarettistin, Musikerin, Foto/Ausschnitte von Oliver Stey

 

Blick von Terry Swarzbergs Terrasse in den Innenhof. Von vorne links: Dr. Ulrich Schäfert, Leiter Kunstpastoral der Erzdiözese,, Grafikerin/Illustratorin Elena Buono, Heidi und Peter Lang, Artist Studio und Kulturjournalistin Heidi Weidner; ganz re. Sängerin Tuija Komi; Foto: Oliver Stey

 

Totale des Innenhofs – Im Vordergrund zu sehen ist Regisseur Rüdiger Nüchtern, ganz hinten wird es Italienisch: An der Wand die Grafikerin und Illustratorin Elena Buono und vor Ihr die Sängerin und Kabarettistin Cecilia Gagliardi, die einer römischen Künstlerdynastie entstammt; Foto: Dirk Schiff

Links neben Musikerin Cecilia Gagliardi (Theater im Roßstall/Germerin) die japanische Pianistin Masako Ohta, bei der ich mich fragte, wie sie aus einem Keyboard in Schoß-Format derart perlende Klänge zu zaubern vermochte. Rechts Sängerin Linda Jo Rizzo, die kürzlich das Hippodrom zum Kochen brachte. Foto-Ausschnitte: Dirk Schiff

Höhepunkt der Feier waren sicherlich die Geburtstagsständchen der MusikerInnen unter den Gästen sowie ein eigens zu meinem Geburtstag getextetes Gedicht SIXTY SEXY GABY des Lyrikers Jörn Pfennig! Große Freude! …

Lyriker Jörn Pfennig, zwei Ausschnitte von Fotos von Dirk Schiff

Vorbemerkung:

Eines Deutschen Dichters Scheitern
ist für ihn und die Welt ein wahrer Graus.
Doch manchmal kann es beide auch erheitern –
probieren wir’s doch einfach mal aus:

Das Gedicht:

Der Deutsche Dichter muss ja nicht denken –
von dieser Pflicht hat sein Volk ihn befreit
um sie dem Deutschen Denker zu schenken
der sich immer schon sehr
aber seither noch mehr
schier unglaublicher Bedeutung erfreut.
(… mehr)

Stimmungsbild während der temperamentvollen Performance von Jazz-Sängerin Jenny Evans; rechts außen Hausherr Terry Swartzberg, neben ihm Jazz-Sänger Thomas de Lates, Foto: Oliver Stey

 

Zwei Momente der Performance von Jazz-Sängerin Jenny Evans: Ein peppiges Lied à capella und aus eigener Feder über die Vorzüge reifer Frauen; Jennys Auftritt berührte mich sehr, denn oft war ich früher in ihrem Jazz-Lokal Jenny’s Place zu Gast gewesen und hätte mir nie träumen lassen, sie einmal als Geburtstagsgast zu begrüßen … Foto-Ausschnitte: Dirk Schiff

 

Csaba Gal, Leiter des Künstlerkreises Kaleidoskop und Cecilia Gagliardi (‚Theater im Roßstall/Germering) singen „Bella Ciao“, das „House Of Rising Sun“ Italiens, Foto: Dirk Schiff

 

Mitwirkende an der Künstlersession: Jazz-Sänger Thomas de Lates und zwei der Musiker der Progressive-Rockband PROGNOSTIC: Keyborder Martin Stellmacher und Sänger Charles B. Logan

 

Vertraute aus wilden Zeiten: Journalistin Daniela Schwan (rechts neben mir). Links zu sehen ist Kabarettistin Karin Engelhard. Dahinter Klaus Onnich, Kurator MVG-Museums – Foto: Dirk Schiff

 

Ein schönes Portrait-Foto von Kulturjournalistin Daniela Schwan; Foto: Dirk Schiff (portraitiert.de)

 

Mit meinem alten Freund aus wilden Datscha-Zeiten, Zarko Mrdjanov, Gitarrist von Massel Tov, meiner Schwägerin Sigi und Heidi Lang vom Artist Studio, Foto: Dirk Schiff

 

Elisabeth Sorger, Malerin und Sprecherin der MKG – Münchner Künstlergenossenschaft, Martin Hubensteiner, Ausstellungsmacher der LV1871, Gaby dos Santos und Christine Weissbarth, Referentin/Moderatorin der Hanns-Seidel-Stiftung, Foto: Dirk Schiff

 

In der Mitte Claudia Weigel, (Parlamentarische Beraterin Hochschul- und Kulturpolitik, Fauenpolitik für die BayernSPD Landtagsfraktion), links Autorin Gunna Wendt, nach deren Biografie über Franziska zu Reventlow wir zur Zeit, gemeinsam mit Musikerin Michaela Dietl, eine Collage zum 100. Todestag produzieren

 

Renate Lettenbauer und Lising Pagenstecher, wie ich Mitglieder von musica femina münchen    und Rockröhre Claudia Cane, die später Janis Joplins „Mercedes Benz“ sang; Foto: Dirk Schiff

 

Meine Freundin Edith Grube, Tochter und Nichte der KZ-Überlebenden Werner und Ernst Grube; Aktivistin (Stolpersteine für München e.V.) und Verwaltungssupervisor bei Madhouse, mit ihrem Mann Robert; Links: Harry Rosenkind (Musikpromoter und Schlagzeuger der Kult-Rockband „Sahara„)

 

Meine Collage über Textdichter Bruno Balz brachte mich mit diesen beiden Herren zusammen: Mein Bühnenpartner Lutz Bembenneck (li) und der „Experte“ für die Talkrunde nach der Aufführung, Albert Knoll, Archivar der KZ-Gedenkstätte Dachau und Vorstand des Forums Homosexualität München,

 

Unsere beiden jourfixe-Fotografen einmal selbst vor der Linse von Oliver Stey: Links: Dirk Schiff/ portraitiert.de und rechts Bernd Sannwald, ein As in abstraktv wirkender Detail-Fotografie

 

Dieses Portrait von Naomi Isaacs fand Dirk Schiff (portraitiert.de) so ansprechend, dass er spontan beschloss, es in seine neue Herbst-Ausstellung „Münchner und Zuagroste“ einzubeziehen. Wie bereits seine erfolgreiche Ausstellung im Vorjahr mit Uschi Glas, „We are all the same“, findet die Vernissage im Hotel Le Méridien statt, diesmal zugunsten von Jutta Speidels HORIZONT e.V.

 

Es ist spät geworden … Christiane von Nordenskjöld, Kustodin (Ateliermuseum) der Magda-Bittner-Simmet-Stiftung im Gespräch mit Jon Michael Winkler;; Foto: Stey

 

Ein glückliches Geburtstagskind sagt: „Danke!“


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„Aus dem Schutzraum der Heimlichkeit“ – Werkschau von Meier/Miserre, Bildhauer und Spion, bis 29. April 2018, im Hotel Le Méridien München

Was für ein Plot, den sich hier das Leben hat einfallen lassen:

Horst Meier, alias Erwin Miserre und seinerzeit DDR-Agent, entdeckt während seiner Mission im Brüssel der NATO, das Brüssel der Kunst. Meier, der schon in der DDR als Kulturjournalist tätig gewesen war, taucht daraufhin, trotz seiner Legende als Elektro-Installateur, tief in die Brüsseler Kunstszene ein. Dabei lernt er einen ihrer wichtigsten Vertreter kennen, den Bildhauer Olivier Strebelle, dessen monumentale Plastiken sich nicht nur in Brüssel finden, sondern  weltweit.

Academie Royale des Beaux Arts in Brüssel

Kurzerhand schreibt sich Meier/Miserre an der Königlichen  Akademie der Künste in Brüssel ein und wird in Folge Schüler und Assistent von Olivier Strebelle. In diese Zeit, Ende der 60er Jahre, “ (…) fiel das künstlerische Erwachen Horst Meiers.

Cover des Buches von Günther Rothe: „Meier/Missere – Aus dem Schutzraum der Heimlichkeit“

Und obwohl er Strebelle so bewunderte, hielt er sich nicht lange mit epigonalen Verbeugungen auf, sondern entwickelte seine ganz eigene und unverwechselbare Formensprache.“ So nachzulesen im Buch/Katalog „Meier/Misserre – Aus dem Schutzraum der Heimlichkeit“, in einem der Vita Horst Meiers gewidmeten Kapitel des Autors Gerald Grundmann. Darin beschreibt Grundmann auch Meiers Skulpturen:

„Deren wesentliches Merkmal sind fließende, organisch wirkende Körper, die sich zwar äußerlich als elegante Einheiten gebärden, aber im Inneren aus präzise gefügten Teilen bestehen, die wie Schlüssel und Schloss ineinanderpassen und keinen Millimeter Spielraum dulden. So hüllen sie Präzision in Ästhetik, Härte in Weichheit, Komplexität in Schlichtheit und stehen sinnbildlich für eine zutiefst menschliche Vielschichtigkeit. (…) 

„Zugriff“ – Skulptur von Horst Meier mit autobiografischem Bezug?

Im Gegensatz zu vielen KünstlerKollegInnen blieb Meier/Miserre viel Zeit, „(…) seine oft komplexen Modelle zu gestalten, weil die Tätigkeit für die HVA nur den kleineren Teil seiner Aufmerksamkeit beanspruchte. Er observierte nicht nächtelang Menschen oder wartete in Autos auf deren Ankunft. Nur einmal pro Woche, jeden Mittwoch ab 22 Uhr, war er für das Hauptquartier über Kurzwelle zu erreichen und erfuhr, wen er treffen und was er wohin bringen sollte. So lebte er im Grunde hauptberuflich als Künstler (…)“ rekapituliert Grundmann Meiers Leben in Brüssel. “ (…) In seinem Herzen hatte die Kunst die erste Stelle erobert, und er war nicht länger nur ihr staunender Besucher, sondern ein aktiver Teil ihrer Welt geworden. (…)“

Horst Meier 1972 als Erwin Miserre im belgischen Ostende; Foto: Buch

1976 jedoch gerät sein Leben, zwischen Brotjob als Agent und künstlerischem Dasein, aus der Balance. Enttarnung droht, und aus Sicherheitsgründen beordert man ihn zurück in die DDR. Da er der Stasi als „verbrannt“ gilt, schickt man ihn mit bereits 51 Jahren und einer auskömmlichen Rente in den Ruhestand. Dieser Umstand erlaubt ihm die nahtlose Fortsetzung seiner künstlerischen Arbeit. Gleichwohl schmerzt ihn die Trennung von Brüssel und vor allem von seinem zwischenzeitlich zum Freund gewordenen Mentor Olivier Strebelle, dem er die Gründe seiner Umsiedelung nicht erläutern darf.

Den Freundeskreis in seiner neuen alten Heimat hält Horst Meier begrenzt. Dazu zählt ab den 1980er Jahren auch der Leipziger Musiker und Maler Günther Rothe, der zudem eine kleine Kunstgießerei betreibt, eine Nebentätigkeit, die die beiden Männer zusammenführt. Seit Meiers Tod 2016 verwaltet Rothe auch den Nachlass des Bildhauers und widmet ihm besagtes Buch „Meier/Missere – Aus dem Schutzraum der Heimlichkeit„, in dem er Werk und Vita des Freundes detailliert in Texten unterschiedlicher Autoren präsentiert sowie anhand von Fotografien des Künstlers und seiner Werke. Im Vorwort zu diesem Buch erinnert Rothe:

Kurator Günther Rothe eröffnet die Ausstellung „Meier/Miserre“ im Hotel Le Méridien München, im Januar 2018

Als ich ihn 1982 in seinem Atelier in Freudenberg bei Berlin zum ersten Mal traf und seine Modelle und Plastiken betrachten und berühren durfte, war ich unmittelbar ergriffen von ihrer außergewöhnlichen visuellen Sprache, ihrer Sinnlichkeit und Ästhetik. Horst Meier und ich haben uns auf Anhieb verstanden und deshalb in den kommenden Jahren – zwar sporadisch, aber immer wieder gern – zusammengearbeitet. Erst seine schwere Erkrankung, die ihn zunehmend von der Welt und ihren Menschen entfernte, hinderte uns daran. Umso mehr war es mir eine Ehre und Verpflichtung als er mir die Verwaltung seines künstlerischen Erbes und die Ausführung der gusstechnischen Arbeit zur Fertigstellung seiner im Modell vorhandenen Plastiken antrug. In diesem Katalog sowie in weiteren Publikationen und Ausstellungen werden sie daher erstmals einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. (…)

An diesen Vorsatz hat sich Rothe gehalten und das Werk des Freundes aus jenem Dornröschenschlaf geweckt, in dem es sein Schöpfer, selbst noch nach der Wende, bewahrt hatte. Der Publizist Martin Tschechne, der mit einem Beitrag in Rothes Buch vertreten und Namensgeber des Buchtitels ist, hält diesen Umstand für das Werk künstlerisch von Vorteil: „Kein Markt und keine öffentliche Kritik hatten die Gelegenheit, darauf Einfluss zu nehmen, es zu verwässern, zu korrumpieren, es zu zerreden und seine Intensität zu relativieren.

Gaby dos Santos, Kulturplattform jourfixe-muenchen. mit Influencerin und Moderatorin Alexandra Polzin nach der Vernissage im Le Méridien München, 29.1.2018;

Jedoch ein Leben lang, konsequent und mit künstlerischer Hingabe „nur für die Schublade“ zu arbeiten, beinhaltet auch den Verzicht auf jene öffentliche Anerkennung, die für Kunstschaffende doch der eigentliche, unverzichtbare Lohn ihrer Arbeit bedeutet? Jedenfalls zumeist. Persönlich sind mir in meinen über zwei Jahrzehnten vor und auf der Bühne sowie im Kunstbetrieb allgemein, noch nie zuvor KünstlerInnen begegnet, die auf Publikum freiwillig verzichtet hätten. Und selbst würde ich mir auch nicht die fortgesetzte Plünderung meines Innenlebens zu künstlerischen Zwecken zumuten wollen, ohne nach wenigstens einem klitzekleinen Bisschen Applaus zu schielen … Chapeau vor Horst Meiers einmaligem Mangel an künstlerischer Eitelkeit!

Inzwischen jedoch erregen Werk und Vita von Horst Meier – Künstler und Spion“ – Süddeutsche Zeitung – erhebliches mediales Interesse und eine von Günther Rothe kuratierte Ausstellung befindet sich seit 2017 „on tour“, aktuell im Hotel Le Méridien Munich. Dort fügen sich die Skulpturen auf erstaunliche Weise in das Ambiente des Hotels ein, so dass man die Exponate auf ersten Blick gar nicht einer Wanderausstellung zuordnet, sondern sie für Teil der Raumausstattung hält! So zumindest empfand ich es, zumal ich im Vorfeld auch keine Zeit gehabt hatte, mich mit dem Hintergrund dieser Vernissage auseinander zu setzen.

Die Gäste strömen zur Vernissage von „Meier/Miserre“ im Präsentationssaal des Hotel Le Méridien München. Rechts im Bild: Kurator Günther Rothe

Nachdem bereits im Oktober 2017 unser jourfixe-Mitglied Dirk Schiff hier sehr erfolgreich seine Benefiz-Ausstellung We Are All The Same, mit Uschi Glas als Ehrengast, präsentiert hatte, reizte es mich, einmal privat an einem der Kunst-Events dieses Hotels teilzunehmen, in Begleitung des Kunstfotografen und seinerseits jourfixe-Mitglieds Bernd Sannwald, der mir, noch unter dem Eindruck des Erlebten, ein begeistertes Feedback mailte:

PR-Dame Michaela Rosien und Fotograf Bernd Sannwald; Foto Marian Wilhelm

Herr Rothe stellte engagiert und mit leuchtenden Augen  (neben einem Video über die Guss-Herstellung) Meier/Miserres Skulpturen vor, die allerhöchsten Ansprüchen genügen und eine Augenweide sondergleichen sind; aus vielen Einzelstücken zusammen gesetzte Meisterwerke eines Künstlers, der ebenso geheimnisvoll wie genial war (…) schwärmte Sannwald. Und weiter:

Das Publikum folgt der Einführung von Kurator Günther Rothe mit atemloser Spannung: Diese Vernissage eröffnet nicht mit verbalen Elfenbeintürmen aus der Welt der Schönen Künste, sondern mit der Schilderung eines Daseins im noch nie dagewesenen Spannungsfeld zwischen Kunst und Geheimdienst!

„Für mich gestalteten sich dieser Abend, die Begegnung mit Herrn Rothe, dessen Begeisterung, Meier/Miserres Werke und Geschichte, zutiefst erfüllend, umwerfend, voller Staunen und Bewunderung! Kurz: Gigantisch! ! Ein absolutes Muss für Kunstinteressierte!

Einige der noch bis 29.4.2018 im Hotel Le Méridien München ausgestellten Skulpturen von Horst Meier, fotografiert während der detaillierten Führung von Kurator Günther Rothe, Januar 2018

Dabei sind die Skulpturen auf verschiedenste Weise anziehend: Die filigrane Arbeit, die unterschiedlichen Materialien und Oberflächen, die Formen, die mich zum Teil an Arbeiten von Otto Freundlich erinnern –

Millimeterarbeit: Fotograf Bernd Sannwald kommt beim Zusammensetzen einer Skulptur von Horst Meier  ganz schön ins Schwitzen. Kurator Günther Rothe assistiert …

… Und dann durfte ich noch eine Skulptur zusammen setzen. Die Einzelstücke, wie Schmeichler in die Hand nehmen und dann zusammen fügen, was gar nicht so einfach war. Dank von Herzen!

Kurzum und ins Neu-Deutsche übertragen: Bernd Sannwald hat die Kunst von Horst Meier „angefixt“. Inzwischen selbst Besitzer einer „Meier“-Skulptur, steht er zudem weiterhin mit Günther Rothe in Kontakt. Als Fotograf selbst im Reich der visuellen Kunst unterwegs, entdeckte sein Auge an jenem Abend noch wesentlich mehr Details an den Skulpturen als ich es vermochte. Mir vermittelte jedoch Günther Rothes anschließende Führung durch die Ausstellung einiges mehr an Verständnis, nicht nur für die Besonderheiten der Skulpturen, sondern auch für die aufwändigen Techniken des Gießens, die den Werken zugrunde liegen und auf die auch im Buch „Meier/Miserre – Aus dem Schutzraum der Heimlichkeit“ in einem separaten Kapitel eingegangen wird.

Alexandra Polzin, Suzanne Landsfried und Hoteldirektor Frank Beiler, Le Méridien, vor einer goldfarbenen Skulptur von Horst Meier; Foto: Marian Wilhelm

Aber nun möchte nicht ausgerechnet ich diejenige sein, die ein hochspannendes künstlerisches Vermächtnis virtuell doch noch zerredet, sondern Ihnen und Euch, liebe Leserinnen und Leser aus München, einen Besuch der öffentlichen Ausstellung im Foyer und ersten Stock des Hotel Le Méridien Munich, noch bis 29.4.2018 empfehlen, denn, wie Kurator Günther Rothe so wunderbar treffend am Ende seines Vorworts schreibt:

Noch bis 29.4.2018 im Hotel Le Méridien zu besichtigen: Skulptur von Horst Meier

In ihrer Gesamtheit bilden die Plastiken ein unverkennbar zusammengehöriges Oeuvre und zeigen doch, jede für sich, ihre ganz eigenen Qualitäten, die unsere Phantasie beflügeln und ihre Geheimnisse unserer Entdeckung überlassen. Denn …

… die Bedeutung eines Kunstwerks liegt nicht im Willen seines Schöpfers – oder im Sachverstand von Gelehrten -, sondern in der Vorstellungskraft seiner Betrachter.“


Le Méridien steht für über 100 Hotels und Resorts weltweit und bildet schon seit einiger Zeit Schnittstellen zwischen dem Reisen und der Kunst, nicht zuletzt mit dem Projekt „Unlock Art – Kunst entschlüsseln“ in Partnerschaft mit namhaften Kunst- und Kulturstätten weltweit. Hier in München besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem MUCA – Museum of Urban and Contemporary Art.


„Meier/Miserre – Aus dem Schutzraum der Heimlichkeit“ > 2016, im Verlag Michael Imhof erschienen, ISBN-10: 3731904179 – ISBN-13: 978-3731904175


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