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Geburtstag auf Wolke 7: Fotostrecke, Kommentare und weiterführende Links zur Künstlerfeier an meinem 60. Geburtstag, 4. Juni 2018, bei Terry Swartzberg in München

Runde Geburtstage verleiten mich regelmäßig zum Kassensturz: Wo genau stehe ich an diesem Stichtag, in Bezug auf meine Pläne, Ziele, Überzeugungen und auf meine Gefühlswelt? Und wer steht an meiner Seite, beziehungsweise mir zur Seite? Nehme ich den aktuellen, sechzigsten Geburtstag zum Maßstab, fällt meine biografische Zwischenbilanz um so vieles besser aus, als mir selbst bislang bewusst war. Von der Zuneigung meiner Gäste fühlte ich mich regelrecht eingelullt, von vielen liebevollen Gesten, Zuwendungen, Worten und künstlerischen Darbietungen. Dass die Gästeliste sich fast ausschließlich aus künstlerischen WegbegleiterInnen und engen KooperationspartnerInnen unterschiedlichstem Datums zusammensetzte, spielte dabei für mich keine Rolle, denn in meinem Leben verlaufen die Grenzen zwischen künstlerischer, beziehungsweise kultureller Arbeitswelt und Privatleben seit Jahrzehnten fließend.

Glücklich – Gaby dos Santos am 60. Geburtstag. Links im Hintergrund Christiane von Nordenskjöld, Kustodin (Ateliermuseum) der Magda-Bittner-Simmet-Stiftung

Die prägnantesten Momentaufnahmen, festgehalten von mehreren Gästen, habe ich in nachstehender Fotostrecke zusammengestellt, kommentierjt und verlinkt, weil diese nicht nur eine schöne Erinnerung für mich – und hoffentlich für meine Gäste – darstellen, sondern auch widerspiegeln, wofür die Kulturplattform jourfixe-muenchen steht. Nachfolgendes Gruppenfoto zeigt zwar nicht alle der geladenen !80 Gästen, aber einen guten Querschnitt:

Kurz vor Beginn der Künstler-Session: HINTEN von links: Manuela Rosenkind (Illustratorin, Autorin „Mia Meilenstein„), Harry Rosenkind (Musik-Promoter, Schlagzeuger der Kultrockband „Sahara“), Elisabeth Sorger (Malerin, Sprecherin der MKG-Münchner Künstlergenossenschaft), Reiner Mauthe, Catherine Houdayer (Modeexpertin), Jörn Pfennig (Lyriker, Bestseller mit „Grundlos zärtlich“), ganz an der Wand Arno Baum (Musik-Booker, Bassist der Progressive-Rockband PROGNOSTIC) und ansatzweise zu sehen Piaistin Masako Ohta; MITTLERE REIHE im Sessel: Ulrike Keil (Musikwissenschaftlerin, Pressechefin von Musikerlebnis/Tonicale, musica femina münchen) mit Ehemann, Michaila Kühnemann (Film- und Radiomacherin RADIO MÜNCHEN, Kabarettistin, Liedermacherin), Peter Lang (Inhaber Artist Studio München, als Musiker Mitbegründer der ungarischen Kultbands Hungaria und Omega), Claudia Cane (Rockröhre), VORNE, neben mir, Christine Weissbarth (Schauspielerin, Moderatorin und Referentin bei der Hanns-Seidel-Stiftung) sowie, halbverdeckt, Cecilia Gagliardi (Sängerin, Gitarristin, Theater im Roßstall/Germering)

Die  Kulturplattform jourfixe-muenchen steht seit fast zwanzig Jahren für kulturelle und künstlerische Vielfalt, mit dem Ziel gegenseitiger Inspiration und der Bildung von Synergien. Diese Vielfalt spiegelte sich in der Geburtstagsfeier wieder: Die Künstler- und Kulturschaffenden des jourfixe sind unterschiedlichster Couleur, doch bilden Know How, Offenheit und Interesse gegenüber anderen Kunstformen, Freude an künstlerischen Synergien und multidisziplinären Projekten einen kittenden, gemeinsamen Nenner. Als Mitglied kann man sich bei uns nicht bewerben; statt dessen spreche ich gezielt Kunst- und Kulturschaffende an, die ich mir als Bereicherung unseres künstlerischen Pools erhoffe, zur Entwicklung gemeinsamer Projekte und gegenseitigen Unterstützung.

Gastgeber Terry Swartzberg, Journalist, PR-Fachmann und Vorsitzender von „Stolpersteine für München e.V.“ stellte mir für meine Geburtstagsfeier sein historisches Häuschen am Nockerberg zur Verfügung und ermöglichte so einen unvergesslichen Abend! Foto: Dirk Schiff (portraitiert.de)

Apropos gegenseitige Unterstützung: Eben mal sein ganzes Haus für die Feier zu meinem 60. Geburtstag zur Verfügung stellen – das macht ihm so schnell keiner nach und entspricht seinem Wesen: Für den Kosmopoliten Terry Swartzberg sind Aufgeschlossenheit, soziales Engagement (u.a. in seinen PR-Kampagnen) und phantasievoll gestaltete Lebensfreude zwei Seiten einer Medaille. Nach rund 25 Jahren als Korrespondent für die International Herald Tribune, gilt sein großes Engagement seit einigen Jahren dem Verein Stolpersteine für München e.V., dem er vorsteht und mit dem er aktuell ein großes Sommerfest vorbereitet, am Mittwoch, 20. Juni 2018, um 20 Uhr, bei freiem Eintritt im Jüdischen Museum München, mehr unter jourfixe-News. Und einmal mehr ist einfach jede/r herzlich willkommen! Ohne Anmeldung und bei freiem Eintritt.

„Gabys gute Geister“ nannte meine Freundin Edith Grube Reiner Mauthe, Marianne Niederkofler, Sigi Blässer und Jon Michael Winkler; Letzterer ist nicht nur mein enger Vertrauter sondern auch Erster Vorsitzender des jourfixe-Vereins. Für mich bedeuten die vier Menschen auf obigem Foto weit mehr als Mainzelmännchen! Mit ihnen ist in Teilen mein Leben verwoben. Fest steht aber auch, dass  ohne deren Hilfe diese Geburtstagsfeier gar nicht zu stemmen gewesen wäre. Der untere Bildteil zeigt einen Ausschnitt des üppigen Büffets: Alle Gäste waren gebeten worden, Speisen und Getränke anstelle von Geschenken mitzubringen. Foto: Stey

 

Geburtstagskind Gaby dos Santos führt Prof. Thomas Pekny, Intendant Komödie im Bayerischen Hof, durch Terry Swartzbergs historisches Domizil am Nockerberg, Foto: Oliver Stey

 

Theaterwelten: Angelica und Lili Fell, Geschäftsführung der inklusiven FBM-Freien Bühne München mit Thomas Pekny, Chef der Komödie im Bayerischen Hof; Foto: Dirk Schiff

 

Kommt Moses nicht zum Berg … Nachdem es im Winter wegen einer Endlosschlange nicht möglich gewesen war, das Rockmuseum im Olyimpiaturm zu erreichen, kam dessen Betreiber, Herbert Hauke eben zu uns. Neben ihm seine Frau Gabi, Tourbegleiterin und Assistentin von Sissi Perlinger; Foto: Schiff

 

Foto links: Die finnische Sängerin Tuija Komi im Gespräch mit musica-femina-Grafikerin Irmgard Voigt; Foto rechts: Claudia Strauch (Strauch Media) im Gespräch mit Behar Heinemann, links und  Petra Windisch de Lates (Vorstand Lebensbrücke e.V. und J.I.M.-Jazzmusiker Initiative München)

 

Foto links: Das Sänger-Ehepaar Maya und Charles Logan; Rechts schneide ich eine der Geburtstagstorten an, die mir Gäste gebacken haben, assistiert von Gabi Hauke, dahinter jourfixe-Gründungsmitglied Angelika Grimm (Sozialpädagogin); Foto: Elisabeth Sorger

 

V.l. Alexander Diepold (Madhouse), hat gerade in München den alljährlichen Gedenktag für die im Holocaust ermordeten Sinti und Roma durchgesetzt, daneben Eva Giesel, Litag Theaterverlag, rechts Uta Horstmann, Bundesverdienskreuzträgerin für ihr lebenslanges Engagement für Sinti & Roma, auf den Stufen Esthera und Artur Silber (Musik-Manager DownTown Studios,PR–Agentur Silberpfeil, Schlagzeuger, u.a. PROGNOSTIC)

 

Unter den Nazis wurden ihre Ethnien unter dem Sammelbegriff „Zigeuner“ verfolgt, doch hier ist Differenzierung angesagt: Von links: Oliver Stey, aus einer Zirkus- und Schausteller-Dynastie, der das größte Privatarchiv dazu führt, die schillernde Behar Heinemann, eine, wie sie es selbst formuliert „stolze Rom“ (Autorin und Kulturmanagerin) sowie der Sinto Alexander Diepold (Madhouse-Chef), dem München seit diesem Jahr einen festen Gedenktag für die verfolgten Sinti & Roma verdankt; Fotos: Dirk Schiff

 

Fotografin Anne Schiff – Mit ihr und ihrer Familie erlebe ich immer wieder kuschelige private Stunden; Rechts Stephanie Bachhuber (Bayer. Staatsoper) Am Vortrag meines Geburtstags feierten wir den 20. Jahrestag unserer Freundschaft! Fotos: Dirk Schiff

 

Geniales Geschenk von Naomi Isaacs (Institute for Charismology): Ein Kaleidoskop – zeitlose Freude! Links von ihr Reiner Mauthe, rechts Sänger Charles B. Logan, an der improvisierten Bar; Rechtes Bild: Ulrich Floßdorf, Traumatherapeuth etc. bei Alexander Diepolds Familienberatungsstelle Madhouse; Foto: Stey

 

Die finnische Sängerin Tuija Komi kam auf Krücken! Und verstand sich mit Gastgeber Terry Swartzberg offensichtlich prima. Für mich ist sie ein veritabler Sonnenschein, kann aber auch „traurig“ und sang später bei der Session à capella ein melancholisches finnisches Gänsehaut-Lied; Fotos: Dirk Schiff

 

Von links: Petra Windisch de Lates (Vorstand Lebensbrücke e.V. und J.I.M.-Jazzmusiker Initiative München), Kriminalautorin Sabine Vöhringer („Die Montez Juwelen„) Michaila Kühnemann, Radio München, Moderatorin, Filmemacherin, Kabarettistin, Musikerin, Foto/Ausschnitte von Oliver Stey

 

Blick von Terry Swarzbergs Terrasse in den Innenhof. Von vorne links: Dr. Ulrich Schäfert, Leiter Kunstpastoral der Erzdiözese,, Grafikerin/Illustratorin Elena Buono, Heidi und Peter Lang, Artist Studio und Kulturjournalistin Heidi Weidner; ganz re. Sängerin Tuija Komi; Foto: Oliver Stey

 

Totale des Innenhofs – Im Vordergrund zu sehen ist Regisseur Rüdiger Nüchtern, ganz hinten wird es Italienisch: An der Wand die Grafikerin und Illustratorin Elena Buono und vor Ihr die Sängerin und Kabarettistin Cecilia Gagliardi, die einer römischen Künstlerdynastie entstammt; Foto: Dirk Schiff

Links neben Musikerin Cecilia Gagliardi (Theater im Roßstall/Germerin) die japanische Pianistin Masako Ohta, bei der ich mich fragte, wie sie aus einem Keyboard in Schoß-Format derart perlende Klänge zu zaubern vermochte. Rechts Sängerin Linda Jo Rizzo, die kürzlich das Hippodrom zum Kochen brachte. Foto-Ausschnitte: Dirk Schiff

Höhepunkt der Feier waren sicherlich die Geburtstagsständchen der MusikerInnen unter den Gästen sowie ein eigens zu meinem Geburtstag getextetes Gedicht SIXTY SEXY GABY des Lyrikers Jörn Pfennig! Große Freude! …

Lyriker Jörn Pfennig, zwei Ausschnitte von Fotos von Dirk Schiff

Vorbemerkung:

Eines Deutschen Dichters Scheitern
ist für ihn und die Welt ein wahrer Graus.
Doch manchmal kann es beide auch erheitern –
probieren wir’s doch einfach mal aus:

Das Gedicht:

Der Deutsche Dichter muss ja nicht denken –
von dieser Pflicht hat sein Volk ihn befreit
um sie dem Deutschen Denker zu schenken
der sich immer schon sehr
aber seither noch mehr
schier unglaublicher Bedeutung erfreut.
(… mehr)

Stimmungsbild während der temperamentvollen Performance von Jazz-Sängerin Jenny Evans; rechts außen Hausherr Terry Swartzberg, neben ihm Jazz-Sänger Thomas de Lates, Foto: Oliver Stey

 

Zwei Momente der Performance von Jazz-Sängerin Jenny Evans: Ein peppiges Lied à capella und aus eigener Feder über die Vorzüge reifer Frauen; Jennys Auftritt berührte mich sehr, denn oft war ich früher in ihrem Jazz-Lokal Jenny’s Place zu Gast gewesen und hätte mir nie träumen lassen, sie einmal als Geburtstagsgast zu begrüßen … Foto-Ausschnitte: Dirk Schiff

 

Csaba Gal, Leiter des Künstlerkreises Kaleidoskop und Cecilia Gagliardi (‚Theater im Roßstall/Germering) singen „Bella Ciao“, das „House Of Rising Sun“ Italiens, Foto: Dirk Schiff

 

Mitwirkende an der Künstlersession: Jazz-Sänger Thomas de Lates und zwei der Musiker der Progressive-Rockband PROGNOSTIC: Keyborder Martin Stellmacher und Sänger Charles B. Logan

 

Vertraute aus wilden Zeiten: Journalistin Daniela Schwan (rechts neben mir). Links zu sehen ist Kabarettistin Karin Engelhard. Dahinter Klaus Onnich, Kurator MVG-Museums – Foto: Dirk Schiff

 

Ein schönes Portrait-Foto von Kulturjournalistin Daniela Schwan; Foto: Dirk Schiff (portraitiert.de)

 

Mit meinem alten Freund aus wilden Datscha-Zeiten, Zarko Mrdjanov, Gitarrist von Massel Tov, meiner Schwägerin Sigi und Heidi Lang vom Artist Studio, Foto: Dirk Schiff

 

Elisabeth Sorger, Malerin und Sprecherin der MKG – Münchner Künstlergenossenschaft, Martin Hubensteiner, Ausstellungsmacher der LV1871, Gaby dos Santos und Christine Weissbarth, Referentin/Moderatorin der Hanns-Seidel-Stiftung, Foto: Dirk Schiff

 

In der Mitte Claudia Weigel, (Parlamentarische Beraterin Hochschul- und Kulturpolitik, Fauenpolitik für die BayernSPD Landtagsfraktion), links Autorin Gunna Wendt, nach deren Biografie über Franziska zu Reventlow wir zur Zeit, gemeinsam mit Musikerin Michaela Dietl, eine Collage zum 100. Todestag produzieren

 

Renate Lettenbauer und Lising Pagenstecher, wie ich Mitglieder von musica femina münchen    und Rockröhre Claudia Cane, die später Janis Joplins „Mercedes Benz“ sang; Foto: Dirk Schiff

 

Meine Freundin Edith Grube, Tochter und Nichte der KZ-Überlebenden Werner und Ernst Grube; Aktivistin (Stolpersteine für München e.V.) und Verwaltungssupervisor bei Madhouse, mit ihrem Mann Robert; Links: Harry Rosenkind (Musikpromoter und Schlagzeuger der Kult-Rockband „Sahara„)

 

Meine Collage über Textdichter Bruno Balz brachte mich mit diesen beiden Herren zusammen: Mein Bühnenpartner Lutz Bembenneck (li) und der „Experte“ für die Talkrunde nach der Aufführung, Albert Knoll, Archivar der KZ-Gedenkstätte Dachau und Vorstand des Forums Homosexualität München,

 

Unsere beiden jourfixe-Fotografen einmal selbst vor der Linse von Oliver Stey: Links: Dirk Schiff/ portraitiert.de und rechts Bernd Sannwald, ein As in abstraktv wirkender Detail-Fotografie

 

Dieses Portrait von Naomi Isaacs fand Dirk Schiff (portraitiert.de) so ansprechend, dass er spontan beschloss, es in seine neue Herbst-Ausstellung „Münchner und Zuagroste“ einzubeziehen. Wie bereits seine erfolgreiche Ausstellung im Vorjahr mit Uschi Glas, „We are all the same“, findet die Vernissage im Hotel Le Méridien statt, diesmal zugunsten von Jutta Speidels HORIZONT e.V.

 

Es ist spät geworden … Christiane von Nordenskjöld, Kustodin (Ateliermuseum) der Magda-Bittner-Simmet-Stiftung im Gespräch mit Jon Michael Winkler;; Foto: Stey

 

Ein glückliches Geburtstagskind sagt: „Danke!“


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Letzter Gig: Hannes Beckmanns Trauerfeier am 24. März 2016

Die letzte Bühne von Jazzgeiger und Komponist Hannes Beckmann, lag im vorderen Bereich des Saales, war in warmes Licht getaucht und mit Blumen geschmückt. Zwischendrin stand der Sarg, den ich aber nicht wirklich mit Hannes in Bezug zu bringen vermochte. Zu sehr hatte mich die Nachricht seines Todes überrascht, ja schockiert. Von der Verschlechterung seines Zustands in den letzten Monaten hatte ich nichts erfahren und gegen seine langjährige Krebserkrankung war er bislang erfolgreich mit dem selben Kampfgeist und eisernen Willen angetreten, mit dem er sich allen Herausforderungen des Lebens gestellt hatte, stets „direttissima“, ab durch die Menge, auch wenn die sich davon nicht immer begeistert zeigte, zumal er sich meist durchzusetzen verstand …

Die Trauerfeier begann mit einer Einspielung von „Tango des Friedens“, einer frühen Komposition Beckmanns, die noch aus der Zeit seiner spektakulären afro-brasilianischen Jazzband „Sinto“ stammt. Doch auch in späteren Konzerten hatte dieses Lied einen festen Platz in Hannes Repertoire und ist daher eng mit meinen Erinnerungen an ihn verbunden. Das Stück wird von stampfenden Tango-Rhythmen getragen, über die sich immer wieder ein fast jubelndes Geigensolo erhebt, befreit und triumphierend, mit dem unverwechselbaren Klang von Hannes Geigenspiel. Mit diesem Klang nahm Hannes noch einmal einen ganzen Raum für sich ein und in seine musikalische Präsenz mischten sich bruchstückhaft meine Erinnerungen; vor allem die an die frühen 80er Jahre, als ich ihn kennengelernt hatte, in jenem schrillen Jahrzehnt, in dem exzessiv und auf der Überholspur gelebt, die Nächte zum Tag gemacht wurden, ganz so als wolle man austesten, wo die Grenzen lagen. Die haben inzwischen viele von uns, nicht zuletzt ich, deutlich aufgezeigt bekommen und gesundheitlich Tribut zollen müssen,  für all die Gier auf Leben, Lust und Liebe in jungen Jahren. Die Erinnerung an deren Intensität aber möchte ich nicht missen und die spiegelt sich für mich in Hannes Musik und seiner Art zu spielen wieder, ganz besonders in „Tango des Friedens“, den Hannes sicher nicht ohne Grund an den Anfang seiner Trauerfeier gestellt hat. Gerade dadurch, dass das Stück den meisten Anwesenden vertraut war, vermittelte es in diesem Rahmen, was für mich vorher unfassbar gewesen war: Hier und jetzt fand ein Abschied statt, ein Lebewohl, kein „Auf Wiedersehen bis zum nächsten Mal in der Unterfahrt, im Prinzregententheater, im Resi, Gasteig oder spätestens beim nächsten Hannes-Geburtstagskonzert Ende August …

Vielen der Anwesenden, die dicht an dicht im Krematorium saßen oder auch standen, ging es scheinbar ähnlich. Die meisten hielten nun ihre Köpfe gesenkt, griffen verstohlen nach Taschentüchern. Glücklicherweise saß ich unter Freunden, neben Jazzsänger Thomas de Lates und Petra Windisch de Lates, Vorstandsvorsitzende der Deutsche Lebensbrücke e.V. Petra hatte ich zusammen mit Hannes und dessen Frau Brigitta 1984 kennengelernt, ebenso meinen späteren Mann Edir dos Santos, der als Schlagzeuger bei Sinto und später punktuell im Hannes-Beckmann-Quartett mitspielte. Edir und ich haben 1993 in Rio geheiratet, auf der anschließenden Hochzeitsparty im damaligen Multikulti-Lokal „Möwe“ hat auch Hannes für uns gespielt. Inzwischen sind wir geschieden, stehen aber in gutem Einvernehmen, und so freuten wir uns beide, den jeweils anderen bei dieser Trauerfeier nach längerer Zeit wieder zu sehen und durch Hannes Verbundenheit zu empfinden.

Auch sonst entdeckte ich unter den Trauergästen zahlreiche vertraute Gestalten, mit denen mich schöne wie hässliche, traurige oder auch irritierende Erlebnisse aus über drei Jahrzehnten verbinden, mit Hannes Beckmann als gemeinsamen Nenner. Noch einmal war es ihm gelungen, uns alle zusammenzuführen, zu einem Spektrum dessen, was die Künstlerszene einer Stadt ausmacht: Die Erfolgreichen neben denen, die über den Status des „Tingelns“ nie hinaus gekommen sind; die inzwischen Gebrechlichen, oft euphemistisch als „Grandames“ und „Grandseigneurs“ von … (irgendwas) tituliert, Seite an Seite mit dem künstlerischen Nachwuchs; gereifte Künstlerpersönlichkeiten neben ewig Frustrierten und dazwischen, ganz privat und bescheiden, unser Kulturreferent Hans-Georg Küppers. Neben ihm Michael Stephan, Direktor des Münchner Stadtarchivs, wobei beide unabhängig von einander gekommen waren.

Volksschauspielerin Ilse Neubauer verlas eine Grußbotschaft von Alt-OB Christian Ude, seit Studienzeiten ein Duzfreund von Hannes, der neben Violine und Komposition auch Jura studiert hat. Sehr berührt hat mich ein Beitrag von Ottfried Fischer, der es sich nicht nehmen ließ, obgleich von seiner Parkinson Erkrankung inzwischen deutlich gezeichnet, einen kleinen Text für Hannes zu verfassen und auch selbst vorzutragen.

Atemlose Stille herrschte, als Thomas Beckmann, ein renommierter klassischer Cellist, ein Solo für den verstorbenen Bruder spielte. Noch vor zwei Jahren hatte er launig durch ein Konzert zugunsten seiner Obdachlosenhilfe „Gemeinsam gegen Kälte e.V.“ geführt, dass er mit Hannes im Prinzregententheater gegeben hatte, und über das ich in meinem Blog „Warum sitzt der Mann da?“ berichtet habe …

Unter den Trauerrednern befand sich Hannes langjähriger Arzt, Dr. Michael Molls, emeritierter Professor an der TU für Strahlentherapie und Radiologische Onkologie. Aus seinem Nachruf wurde offenkundig, wie nachhaltig ihn sein Patient beeindruckt hatte. Auch Hannes Bruder Ludger erinnerte mit immer wieder stockender Stimme an die bewundernswerte Haltung, die Hannes während der gesamten Zeit seiner Erkrankung gezeigt hatte, der Einsicht folgend: „Was kann man verlangen, wenn man jahrelang in beiden Händen eine brennende Kerze hält?“ 

Auch mir gegenüber hat Hannes, bei unserer letzten Besprechung geäußert, dass es ihm noch nie so gut gegangen sei, wie jetzt, mit und gerade wegen seiner Krankheit. Kurz nach deren Ausbruch erlebte ich ihn sogar während einer Phase von Chemo und Bestrahlung bei einem Auftritt und zwar als den  ganz normalen „Teufelsgeiger“, als den man ihn kannte. Und nun, 2014, sah er so gut aus, wie lange nicht mehr: Drahtig, vorwärtsschauend, eloquent wie eh und je, den Sprachproblemen, unter denen er seit einem Schlaganfall 2012 litt, so gar keine Beachtung einräumend.

Ab den 90er Jahren, als ich selbst kulturell und künstlerisch aktiv wurde, herrschte zwischen Hannes und mir meist Funkstille, unterbrochen hauptsächlich von Phasen des Kräftemessens bis hin zum offenen Schlagabtausch. Perioden des Waffenstillstands oder der Allianz waren wertvoll und rar. Hannes vermittelte mir oft das Gefühl, mich gegen seine Dominanz und grenzenlose Zielstrebigkeit zur Wehr setzen zu müssen, um nicht von ihm überrannt zu werden und mitunter verwandelt mich mein Selbsterhaltungstrieb in eine kleine Bestie  … Geschenkt haben wir uns jedenfalls gegenseitig nichts.

Allerdings habe ich Hannes seinem unmittelbaren Umfeld gegenüber, ob Freunde oder Familie, als außergewöhnlich loyal erlebt, mitunter gepaart mit einem bestimmenden und fordernden Wesen. Offensichtlich bis zuletzt. Die evangelische Regionalbischöfin Susanne Breit-Kessler berichtete in ihrer Trauerrede von der letzten Mail, die sie von Hannes kurz vor dessen Tod erhalten hatte, in der er sie in Du-Ansprache, das „DU“ wohlbemerkt in Großbuchstaben, anwies, ihre gemeinsame Produktion „Kreuzwegstationen ii“ nunmehr doch bitte verabredungsgemäß zu bewerben.

Diese letzte Produktion, moderne Passionsmusik für großes Ensemble und Chor von Hannes Beckmann, zu Bildprojektionen von Cäsar W. Radetzky und lyrischen Texten von Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, ist am 16.3.2016, gerade einmal einen Tag vor Hannes Tod auf CD erschienen und somit sein kompositorisches Vermächtnis. Spirituell wie leider auch existenziell schließt sich damit ein Kreis in Hannes Leben: Tragischerweise wurde der erste Teil „Die Blaue Krone – Kreuzwegstationen i“ unmittelbar vor Ausbruch von Hannes Krebserkrankung fertig gestellt, wie der der katholische Leiter der Traufeier, Dr. Ulrich Schäfert vom Kunstpastoral der Erzdiözese erinnerte. Einmal habe Hannes ihm gegenüber geäußert, dass sich das kompositorische Timing im Nachhinein anfühle, wie die Vorwegnahme seines eigenen Leidensweges. In Konzeption und Umsetzung beider Teile, so wurde in den Würdigungen sowohl seitens Ulrich Schäfert, wie auch seitens Susanne Breit-Kessler deutlich, verbirgt sich Spiritualität ohne Ende; eine Facette von Hannes Persönlichkeit, die ich nie kennen lernen durfte. In der Auseinandersetzung mit dieser Art von Themen, wie auch in der beiderseitigen interdisziplinären Umsetzung künstlerischer Projekte, hätten wir wirkliche Anknüpfungspunkte finden können. Allein diese Erkenntnis, die sich mir erst aus der Trauerfeier erschlossen hat, lässt mir Hannes Beckmann näher und vertrauter erscheinen, als jemals zu Lebzeiten. Das empfinde ich als schade und zugleich tröstlich.

Ausschnitte aus Hannes „Kreuzweg ii“-Kompostionen führten, im Wechsel mit den Ansprachen, durch die Trauerfeier. Genau auf den Punkt abgestimmt, schloss sich zu einer Passage aus dem letzten Stück „Surrection Hymn“ der Vorhang. Noch einmal hatte der Maestro virtuos dirigiert!

Die Blaue Krone – Kreuzweg i, Trailer

„Kreuzwegstationen ii“  > Hörproben und Bestell-Center

Früher sind wir uns bei Gigs über den Weg gelaufen, inzwischen sind es Trauerfeiern …„, merkte Jazzbassist Gary Todd an, der im Krematorium des Münchner Ostfriedhofs zu meiner Rechten saß. Und tatsächlich sind in der letzten Zeit bereits eine ganze Reihe alter Weggefährten verstorben, wie vor zwei Jahren Hannes enger Freund und Bandmitglied Michael Blam aus Belgrad,  der Saxophonist Klaus Kreuzeder oder im letzten Jahr Rudi Martini, Jazz-Drummer und Mitinitiator (neben Hannes und Doldinger-Bassist Wolfgang Schmid) der Jazzmusiker Initiative München (J.I.M.). Wir alle sind, ob mit-, für- oder gegeneinander, älter bis alt geworden, grau bis „friedhofsblond“ oder zumindest gefärbt. Dass die Zusammensetzung der Trauergäste dennoch nicht zu einem Abgesang in die Jahre gekommener Künstler_Innen und Kunstliebhaber_Innen tendierte, ist u.a. einer weiteren Facette von Hannes Persönlichkeit geschuldet: Seiner Zuwendung an junge Menschen, ob im privaten Rahmen oder als Dozent an der Hochschule für Musik und Theater Münchenwo er das von ihm konzipierte Projekt „Jazz-Improvisation, Freies Spiel, Ethno-Elemente für Streichinstrumente“ leitete (Wikipedia), aber auch als Schöpfer und Leiter einer ganzen Reihe musikalischer Projekte, in die er vielversprechende Schüler_Innen eingebunden hatte, so zum Beispiel in seiner letzten Formation:

Maestro Beckmann und die Münchner BahnhofskapelleIn dieser Bahnhofskapelle vereinen sich Musiker verschiedenster Generationen und Nationen. Hierbei handelt es sich um ein professionelles, international besetztes, kleines Orchester (Kammerorchesterstärke) in dem neben erfahrenen, bekannten und erfolgreichen Musikern auch junge KünstlerInnen ihre Chance finden. Manche sind noch Beckmanns Studenten, einige starten nach Studienabschluß gerade ins Berufsleben. In der Rhythmusgruppe spielen brasilianische Musiker: Edir dos Santos aus Rio, „Alafin“ Marinho und sein 15-jähriger Sohn Lincoln aus Bahia. (Quelle: www.hannes-beckmann.de)

 Zu Besuch bei Jazzgeiger Hannes Beckmann – Merkur.de, 2.7.2014

Seine Kunst-/Fertigkeit an die Jugend weiterzugeben, das war ihm wichtig. Dito die multikulturelle Farbigkeit des Münchner Bahnhofviertels, mit dem er als Anwohner seit Jahrzehnten verwurzelt war und das ihn sowohl zum Namen seiner letzten Formation inspirierte, wie auch zu seiner Suite „Canto Migrando für großes, ungewöhnlich besetztes Orchester.

Typisch für den visionären Musiker Hannes Beckmann war, dass er bis zuletzt voller Pläne und Zielstrebigkeit steckte. Nie hätte er zu Lebzeiten sich oder ein Vorhaben einfach aufgegeben. Nun aber, so glaube ich, hat mein alter Freund und Gegner jenen Frieden gefunden, um den ich noch zu kämpfen habe.

Auf der Traueranzeige der Familie heißt es:

„Deine Geige ist verstummt, deine Töne klingen weiter!“


Im Sinne von Hannes Beckmann, der die Obdachlosenhilfe seines Bruders zeitlebens unterstützt hat, wurde in der Traueranzeige, statt um Blumen oder Kränze, um eine entsprechende Spende gebeten:

 SPENDENKONTO:

GEMEINSAM GEGEN KÄLTE e.V.
Commerzbank AG
IBAN: DE78 3004 0000 0110 9966 00
BIC: COBADEFFXXX


 Nachrufe: Bayerischer Rundfunk   Süddeutsche Zeitung


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