Nie zu spät für ein Liebesgedicht … Zum heutigen Post von Lyrikerin und Malerin Tania Rupel Tera

Bild von Tania Rupel Tera, gepostet auf ihrer Facebookseite, Februrar 2018

Die Sonne brennt, und brennt, und brennt
Als ob es nie anders war
Als ob es nie anders wird
Als ob kein Ende existiert

Der Schnee fällt, und fällt, und fällt
Als ob es nie anders war
Als ob es nie anders wird
Als ob kein Ende existiert

Worauf warten wir noch
Wann lieben wir uns
Als ob es nie anders war
Als ob es nie anders wird
Als ob kein Ende existiert

„Der Schrei der Tropfen“ von Tania Rupel Tera: Lyrik und Bilder –  ISBN/EAN: 9783939321729

Jede Woche postet die Lyrikerin und Malerin Tania Rupel Tera auf ihrer Facebook-Seite eines ihrer Bilder, die sie bevorzugt in Acryl, Öl und Pastell malt. Inzwischen erkenne ich ihre Werke auf ersten Blick, anhand ihrer kraftvollen Farben – nicht unbedingt knallig bunt, aber Aufmerksamkeit fordernd, die Linien mit einer Bestimmtheit gesetzt, der ich mich nicht entziehen kann! Ebenso wenig, wie dem Wortlaut ihrer Gedichte, deren Klarheit mich von der ersten Zeile an fesselt, bis sie mich schließlich, stets ein wenig atemlos entlassen, nach einer Kaskade an Gedanken und Bildern, innerhalb nur weniger Verse; oft begleitet von einem lakonischen Unterton, der in unerwartete  Schlusspointen mündet.

Tania Rupel Tera, Gasteig, Münchner Bücherschau 2017

Das erste Mal getroffen habe ich Tania Rupel Tera im Künstlerkreis Kaleidoskop. Eine schöne Bulgarin, die im gemischten Programm dieses Abends mit einigen Gedichten vertreten war. Ehrlich gesagt erwartete ich nicht viel von diesem Auftritt. Zum einen zeichnet sich der Künstlerkreis bewusst dadurch aus, dass die Qualität der Darbietungen sehr unterschiedlich ausfällt und damit einen wünschenswert paritätischen Querschnitt durch die Welt der Münchner Kleinkunst darstellt. Zum anderen wählen viel zu viele angehende LiteratInnen ausgerechnet Dichtung als Einstieg in das Schreiben. (So übrigens auch ich, 😦  vor vielen Jahren) Die Möglichkeit textlicher Kürze erscheint verlockend. Dabei wird übersehen, dass es dafür auf jedes einzelne Worte in besonderem Maße ankommt, von der Schwierigkeit des Textvortrags bei Lesungen ganz zu schweigen. Doch bereits ab dem Moment, an dem sich Tania Rupel Tera auf eine Bühne begibt, weicht alle Zierlichkeit von ihr, sie baut sich mit der Wucht ihrer Worte regelrecht vor dem Publikum auf.

Dabei ist Deutsch nicht einmal ihre Muttersprache. Geboren und aufgewachsen ist Tera in Bulgarien, als Tochter eines in ihrer Heimat bedeutenden Literaten. Nach einem Studium der Literatur und Journalistik an der Universität „Kliment Ochridski“ in Sofia, siedelte sie 2005 nach München über. Seit 2013 ist sie Mitglied im Freien Deutschen Autorenverband Bayern (FDA) und in der Autoren Galerie 1, seit 2017 Mitglied der Kulturplattform jourfixe-muenchen.

Tania Rupel Tera, 2017 fotografiert von jourfixe-Mitglied Dirk Schiff  für die Benefiz-Fotoausstellung „We Are All The Same“. Der gleichnamige Fotoband ist, wie Teras Lyrik, im SALON LiteraturVERLAG von jourfixe-Mitglied Franz Westner erschienen

Über sich selbst äußert sie auf der Homepage des SALON LiteraturVERLAGs von jourfixe-Mitglied Franz Westner:

Tania Rupel Tera mit Verleger Franz Westner, SalonLiteratur Verlag, am Stand auf der Leipziger Buchmesse

Gegenstand meiner Arbeit ist der Mensch, sein Wesen, sein bewegtes Inneres, seine Seele mit all ihren Facetten. Am meisten interessiert mich, welche Gefühle, Sehnsüchte, Ängste und Wunden sich tief in ihm verbergen. So entstehen Momentaufnahmen – manchmal zart und poetisch in Metaphern und Allegorien, manchmal expressionistisch und mit der Wucht aufbrechender Worte und Farben.“

(Tania Rupel Tera)

Heute Vormittag fügte Tania Rupel Tera ihrem wöchentlichen Bild-Post obiges Gedicht bei, in Form eines verspäteten Sankt-Valentin-Grußes, denn, so die Künstlerin, „es ist nie zu spät für ein Liebesgedicht.“ Für die Liebe wohl auch nicht. Trifft sie einen nicht sowieso unausweichlich, um unendlich zu brennen und sei es nur, um danach zu Nichts zu verglühen?  Heute morgen hatte ich wieder lyrische NachDenkZeit …

Von Tania Rupel Tera dort erschienen:

Der Schrei der Tropfen, Lyrik, Gemälde

„Blick ins Buch“ als Flipbook


Zu Tania Rupel Teras Facebook-Seite


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Im Herztakt der Liebe … Musikalische Gedichte neu interpretiert von Pianistin Masako Ohta auf der CD „Poetry Album“; Präsentation Einstein/München am 24.2.18

Die japanische Pianistin Masako Ohta und Stefan Winter, Labelchef von Winter & Winter: Zwei Kreative, die ich mit einem ungewöhnlichen Zugang zu künstlerischen Stoffen verbinde … Nun ist ihr erstes gemeinsames „Poetry Album“ erschienen, mit der Liebe als DEM verbindenden Element aller Stücke. Die ist thematisch normalerweise dem Schlagerhimmel vorbehalten, doch bei dieser Klassik-Produktion bildet sie den Roten Faden im Repertoire, wie der Info-Text erläutert: „Hinter jedem Werk verbirgt sich eine – manchmal geheime, manchmal viel zu kurze, machmal lebenslange – Liaison. Das berühmteste Stück stammt aus der Feder Ludwig van Beethovens, aber möglicherweise heißt es in Wirklichkeit nicht »Für Elise«, sondern »Für Therese«. Im Alter von 40 Jahren verliebt sich Ludwig in die 19-jährige Therese Malfatti … Johann Sebastian Bachs »Prelude und Fugue C-Dur« ist seiner großen Liebe Anna Magdalena gewidmet. Komponisten schreiben musikalische Gedichte. Was geschieht zwischen Johannes Brahms, ein enger Freund und Helfer der Schumann Familie, und Clara, dessen Mann Robert Gesundung im Sanatorium sucht? Wie klingen Clara und Robert Schumanns und Johannes Brahms Kompositionen? Die Reise der Werke geht durch die Jahrhunderte. (…) 

Auf eine intensive Klangreise hatte mich Stefan Winter schon einmal, 1999, entführt, querfeldbeet durch das Argentinien des Tangos. Dabei setzte die Produktion einen für mich faszinierenden Schwerpunkt auf Authentizität statt auf Perfektion: Da sangen alte Männer ein wenig angetrunken in Kneipen, da stützte eine Geräuschkulisse das klagende Bandoneon, Tango in unterschiedlichsten Erscheinungsformen, an seinen Originalschauplätzen vorgestellt! Diese Form der Darstellung zog mich ganz tief in das musikalische Gesehen hinein … Nun bin ich natürlich sehr gespannt auf die aktuelle Produktion, noch dazu im Tandem mit Masako, die sowohl Mitglied bei unserer Kulturplattform jourfixe-muenchen ist, wie auch bei musica femina münchen.

Masako Ohta spielt sich im Meta-Theater warm. Dezember 2016

Masako Ohta ist mir immer wieder als Pianistin in ungewöhnlichen Projekten aufgefallen und persönlich erstmals begegnet bei der Aufführung der „No Trilogie“ in Axel Tangerdings Meta Theater.

„Die aus Tokyo stammende japanische Pianistin Masako Ohta ist – sowohl solistisch als auch kammermusikalisch – im Bereich der klassischen und Neuen Musik sowie der Improvisation unterwegs. Ihr Klavierstudium absolvierte sie an der Toho Gakuen School (Universität) of Music Tokyo und an der Universität der Künste Berlin, außerdem Meisterkurse bei András Schiff, György Sebök und György Kurtag.

Sie beschäftigt sich intensiv mit Poesie, Klang und Musik aus Japan, Europa und anderen Kulturkreisen und kreiert interkulturelle und interdisziplinäre Projekte und Konzertreihen wie „Phantasiestücke“, „Kammermusik-GENund „Wurzeln & Flügel“. (…) Mit dem Motto „ganzheitliches Klavierspiel“ verbindet sie ihre Klavierlehre mit japanischer Kalligraphie.“ Mehr unter www.masako-ohta.de.

Masako Ohta in Grandsberg, Foto: © Winter & Winter

Die CD-Präsentation findet statt am:

Sa, 24. Februar 2018, um 20:00 Uhr, Einstein Kultur, in Halle 4, in München,  Eintritt: EUR 20.00 / erm.: EUR 15.00 > Kartenbestellung


Rezension aus dem Münchner Feuilleton, Februar 2018 – Nr. 71, von Klaus von Seckendorff

Masako Ohta: Poetin des Klaviers: Der freie Fluss


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„Mit Laptop und Staffelei“ – Fotos, Impressionen und Pressespiegel zum Festakt der MKG im Ägyptischen Museum (noch bis 25.2.)

„150 Jahre sind ein dickes Brett.“ Mit dieser knappen Feststellung beschrieb Paul Martin Cambeis,  der amtierende, 19. Präsident der MKG, die gewichtige Nachfolge, die er 2017 angetreten hat. Dass er diese durchaus auszufüllen versteht, belegen nicht nur seine fundierte Ausbildung an der Münchner Kunstakademie und die überbordende künstlerische Vita in gefühlt allen nur möglichen Kunstsparten, sondern ebenso sein pointierter und zugleich lässiger Stil, ob er nun einen Pinsel, einen Hobel oder eben eine traditionsreiche Künstlergemeinschaft ins „21. Jahrhundert führt“.

Paul Martin Cambeis vor dem Gemälde „Die Regie verliert die Kontrolle“, von Professor Zhao Yangbo, Öl/Leinwand, 180 cm x 240 cm, Katalog 2018/S. 84; Foto: Lippert

„Feiern mit Weggefährten und Kollegen“, lautete das Motto der diesjährigen Jubiläumsveranstaltung. Dementsprechend sinnbildlich wiedervereinigt zeigt ein Foto Paul Martin Cambeis vor einem beeindruckenden Gemälde von Professor Zhao Yangbo, prominenter zeitgenössischer Vertreter der Münchener Secession, die sich vor 125 Jahren, nach künstlerischen Differenzen, von der MKG Münchner Künstlergenossenschaft abgespalten hatte. „Bestimmt trug Lenbach durch seinen Eigensinn maßgeblich dazu bei“, räumt Cambeis in seinem Grußwort zu Katalog/Festschrift ein, „doch heute, 125 Jahre danach, haben wir die Trennung überwunden.

Paul Martin Cambeis „Selbst das Maul offen haltend“ Bronze, 30 x 50 x 48 / Katalog 2018/S. 132; Foto Ravasz

Gut so! Ein – vorübergehender -„Theaterdonner“ sei ab und an auch unseren Kolleginnen und Kollegen der Bildenden Künste vergönnt.  Ein recht leidenschaftliches Gemüt zeichnet uns Kunst- und Kulturschaffende ja angeblich alle aus, und so verwundert es auch nicht weiter, dass die „Schwimmende“ von Brigitte Yoshiko Pruchnow das erhitzte Selbstbildnis des MKG-Vorsitzenden auf dem Foto links nicht wirklich zu besänftigen scheint. 😉

Das Motto „Feiern mit Weggefährten und Kollegen“ gipfelte in der Auszeichnung des Ehepaars Maja und Peter Grassinger, deren Lebenswerk die Erhaltung und der künstlerische Betrieb des Münchner Künstlerhauses am Lenbachplatz ist.

Ein Leben für das Münchner Künstlerhaus – Dafür wurde das Ehepaar Maja und Peter Grassinger mit der MKG-Ehrenmedaille 2018 ausgezeichnet; Neben ihnen: S.K.H. Prinz Christoph von Bayern und Gemahlin IKH Prinzessin Gudila von Bayern, Foto: Lippert

MKG-Ehrenpräsident Nikos W. Dettmer bei Eröffnung der Jubiläumsausstellung, Foto Lippert

Dafür hatte Maler und Bildhauer Nikos W. Dettmer , Ehrenpräsident der MKG und Mitglied der Kulturplattform jourfixe-muenchen, eigens eine Medaille gestaltet, die ab sofort jedes Jahr im Rahmen der Ausstellungseröffnung der MKG an Münchnerinnen und Münchner verliehen wird, die sich in besonderer Weise um die Künstler und das kulturelle Leben in München verdient gemacht haben. In seiner Laudatio in der Festschrift äußert sich Dettmer:“ Nach Jahrzehnten aufopfernder Arbeit steht das Künstlerhaus heute als Begegnungs- und Aufführungsstätte für Künstler aller Sparten zur Verfügung. Unermüdlich schaffen Maja Grassinger und ihr hervorragendes Team den anstrengenden Drahtseilakt zwischen Ökonomie und Kunst.“ (…)

Peter Lang kann nicht nur „seriös mit Fliege“, sein Alias ist „Genosse Rock’n Roll„, Hier spielt er neben dem „Jazztrio“ von Franz Hämmerle (Allotrianer); Pappel, 238 cm x 90 cm x 80 cm, Katalog S. 138, Foto: Radesz

Auch mit der musikalischen Umrahmung schloss sich historisch ein Kreis: Engagiert war unser Freund und jourfixe-Mitglied Peter Lang, Inhaber des Artist Studio im UG des Münchner Künstlerhauses. Der ungarische Multiinstrumentalist bespielte, in bewährt souveräner Manier, mit seiner EinMannBigBand, das Untergeschoss des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst, in dem seit einigen Jahren die Jahresausstellung der MKG stattfindet – und durch sie eine Verbindung zwischen zeitgenössischer Gegenständlicher Kunst und antiker Kunst hergestellt wird. Peter Lang für den Musikteil vorgeschlagen hatte MKG-Sprecherin Dr. Elisabeth Sorger.  Wie sie uns einmal bei einer jourfixe-Versammlung verriet, hatte sie Peter und seine Bandcollegen als blutjunges Mädchen angehimmelt, als diese im Budapester Jugendpark ihr Publikum musikalisch verzückten. Peter war nämlich Gründungsmitglied der beiden ungarischen Kultbands Omega und Hungaria“. Damals hätte Elisabeth sich nie träumen lassen, dass sie eines Tages Peter selbst engagieren würde!

Überfülltes Auditorium bei den Festansprachen zum 150. MKG-Jubiläum – Bildmitte: Dr. Elisabeth Sorger, Sprecherin der MKG, links außen Promi-Journalistin Daniela Schwan, meine Freundin aus wilderen Zeiten, heute u.a. Redakteurin von WIR! in Bayern Foto: Lippert

Brigitta Rambeck, Leiterin des traditionsreichen Münchner Seerosenkreises

Herzog Franz von Bayern schreibt in seinem Grußwort: „Genau 100 Jahre ist es her, dass zum letzten Mal ein Mitglied meiner Familie die Schirmherrschaft für die Jahresausstellung der Münchner Künstlergenossenschaft übernahm. Umso mehr bin ich erfreut, dass diese Verbindung 2018 wieder belebt wird. (…) Sie (die MKG) besteht weiterhin und passt sich den Anforderungen an eine moderne Künslerorganisation an, als ein Forum für den Austausch im Zeitalters des Internets und der Digitalisierung. Dafür wünsche ich der Künstlergenossenschaft und ihren Mitglieder alles Gute.

Nach Sichtung des aktuellen Pressespiegels zum Jubiläum der MKG, mit vielen Statements von Präsident Paul Martin Cambeis zum künftigen Kurs dieser altehrwürdigen Münchner Institution, tippe ich auf das erfolgreiche Prinzip „Laptop mit Lederhosen„, also auf das ur-bayerische Talent, Tradition zu bewahren und mit modernen Errungenschaften aufzupeppen.

Besucher der Vernissage, Foto: Lippert

Der Bayerische Rundfunk widmete der MKG zum 150. Jubiläum bereits einen Beitrag, aufrufbar in der ARD-Mediathek:

28.01.2018 | 9 Min. | Verfügbar bis 27.01.2019 | Quelle: © Bayerischer Rundfunk

 Sie waren Malerfürsten ebenso wie arme Künstlerkreaturen als König Ludwig II. die „Münchener Künstlergenossenschaft“ 1868 mit königlichen Privilegien versah. Hundert Künstlerinnen und Künstler zählt die MKG heute – keine Avantgarde, sondern meisterhafte Traditionalisten der Malerei, Grafik und der Bildhauerei.

Vernissage der Jahresausstellung 2018 der MKG, Foto Radesz


Zur MKG-Münchner Künstlergenossenschaft s. a.

jourfixe-Blogbeitrag 2018: Ein Meilenstein der Münchner Kunstgeschichte

jourfixe-Blogbeitrag 2017: Nur mit dem Herzen sieht man gut“   

jourfixe-Blogbeitrag 2016: Unkuratiert streiten


Ausstellungsdauer noch bis Sonntag, 25. Februar 2018

Zeiten: MO geschl./ DI: 10 – 20 Uhr / MI – SO: 10 – 18 Uhr


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20 Männer, 1 Frau! Die Nominierungen für den Musikautorenpreis 2018 lösen Shitstorm gegen GEMA aus; musica femina münchen reagiert

Die aktuellen Beiträge auf der Facebook-Seite der GEMA decken die komplette Skala emotionaler Ausdrucksformen ab, von „stinksauer“ bis „sarkatisch“, viele Posts enthalten pointierte Argumentationen, andere machen ihren Emotionen Luft, doch alle vereint Fassungslosigkeit gegenüber der absoluten Überzahl an nominierten männlichen Textern und Komponisten.

Zu dem von ihr ausgelobten Musikautorenpreis 2018  schreibt die GEMAWir feiern die Musik und ihre Schöpfer – feiern Sie mit! Mit der zehnten Verleihung des Deutschen Musikautorenpreises rückt die GEMA am 15. März 2018 Komponisten und Textdichter ins Rampenlicht, die mit ihren Werken die deutsche Kulturlandschaft maßgeblich bereichern. Diesen kreativen Köpfen im Hintergrund gebührt die Anerkennung, die oftmals nur den Interpreten zuteil wird. Weil sie Werke geschaffen haben, die uns berühren und durch unser Leben begleiten.

Ganz offensichtlich ist dabei die schöpferische Leistung der „xxx_innen“, der Komponistinnen und Liedtexterinnen, der ausschließlich von Männern besetzten Jury schlichtweg entgangen. Für mich beweist dieser Vorfall einmal mehr die Wichtigkeit einer Initiative wie  mfm – musica femina münchen e.V., die sich zum Ziel gesetzt hat, die Rolle der Frau in der Musik zu fördern. Entsprechend stach deren Facebook-Redakteurin, der Musikwissenschaftlerin Susanne Wosnitzka, die Nominiertenliste der GEMA sofort ins Auge.

musica femina muenchen – Bildleiste der Hompage mit Komponistinnen

Gemeinsam mit mfm-Geschäftsführerin Anne Holler-Kuthe wandte sie sich umgehend an das Mitglied des GEMA-Aufsichtsrats, Charlotte Seither, mit einem Schreiben, das Bände spricht:

Liebe Frau Dr. Seither,

mit Entsetzen haben wir gesehen, dass von 21 Nominierten beim Deutschen Musikautorenpreis 2018 nur eine einzige Frau in der Liste auftaucht und die Jury ausschließlich mit Männern besetzt ist. Kann die GEMA wirklich alle Mitglieder auf diese Weise repräsentieren? Wir haben uns alle bisherigen 210 Kommentare auf der Facebook-Seite der GEMA durchgelesen und uns gefreut, dass es durchweg konstruktive Kommentare gibt.

Wie kam diese absolut männerlastige Nominierung zustande?

Wir haben bisher kein GEMA-Statement in dieser Angelegenheit gefunden, lediglich ein persönliches Statement des Jurysprechers, der u.a. schreibt „…Für mich hat Musik nichts mit Mann oder Frau zu tun, sie ist gut oder eben nicht…“ Das suggeriert uns und allen FacebookKommentator_innen, dass Musik von Frauen nicht gut sein kann.

Wie sehen Sie das als Komponistin?

Wir von musica femina münchen e.V. setzen uns seit 30 Jahren für die gleichberechtigte Teilhabe der Komponistinnen an der Musikkultur ein.

Archiv_Frau_und_Musik_Susanne_Wosnitzka_jourfixe-Blog_Gaby_dos_Santos_Titelbild

Musikwissenschaftlerin Susanne Wosnitzka vor einer Collage des Archivs Frau und Musik > BLOGBEITRAG

Diese Nominierung bestätigt all unsere Erfahrungen und oftmals mühselige Arbeit, der Gesellschaft zu erklären, dass es überhaupt Musik von Frauen gibt.

Wie erklären Sie sich, dass ein so bedeutendes Archiv wie das Archiv Frau und Musik in Frankfurt/Main auf der Roten Liste bedrohter Kultureinrichtungen steht? In einem Land, das heuer 100 Jahre Frauenwahlrecht feiert. Diesem Archiv ist nämlich zu verdanken, dass Musik von Frauen in Europa und vor allem Deutschland seit knapp 40 Jahren überhaupt erst beachtet wurde.

Bis heute findet sich keine Komponistin in den Schulmusikbüchern, außer Clara Schumann und Fanny Hensel, aber ausschließlich als „Frau von …“ und „Schwester von …“. Dies alles scheint sich in der Nominierungsliste der GEMA widerzuspiegeln.

Wir besitzen eine (unvollständige) Liste von 1834 Komponistinnen aus 11 Jahrhunderten. Wo wird ihre Musik gehört und geachtet?

Viele unserer Vereinsmitglieder sind GEMA-Mitglieder. Unser Verein müsste diesen eigentlich empfehlen, was Frau Oriana Lai in ihrem Facebook-Kommentar schreibt: „Frauen brauchen ab sofort auch keine GEMA-Gebühren, keine Mitgliedsbeiträge, usw. zu bezahlen. Wer nicht für die GEMA existent ist, braucht auch nicht zu bezahlen.“ (…)

Abschließend nehmen die beiden Frauen des mfm-Vorstands noch Bezug auf einen lesenswerten Artikel, den Charlotte Seither, selbst Musikautorenpreisträgerin 2014, in Ausgabe 1/2017 der Nachrichten des DKV – Deutschen Komponistenverbands veröffentlicht hat:

Titelbild zu Nachrichten DKV (Deutscher Komponistenverband), Ausgabe 1/2017

 „Gleiche Chancen – gleiche Zukunft? Frauen in der Kunst und Kultur“

„Wenn die Frage der Chancengerechtigkeit mehr sein soll als ein bloßes Ornament, wenn sie wirklich in die Gesellschaft eingreifen und sie verändernwill, dann erfordert dies ein noch konsequenteres Handeln von Politik und Institutionen. Andere Länder sind dabei schon längst an uns vorbeigezogen. Tun wir es ihnen einfach nach.“ lautet am Ende des Artikels Charlotte Seithers Fazit.

Daher erfolgte auch ihre Reaktion auf die Anfrage von musica femina münchen sofort und per Telefon. Nun wird sich mfm mit einem offiziellen Brief an den Vorstandsvorsitzenden der GEMA wenden. Letzterer dämmert inzwischen auch, was die Entscheidung der Jury ausgelöst hat. So ist nunmehr auf der Facebook-Seite der GEMA nachzulesen:

Liebe Community, wir begrüßen die Diskussion auf unserer Seite. Jeder Kommentar wurde und wird gelesen. Eure Kritik nehmen wir sehr ernst, denn das Thema ist ernst. Gemeinsam mit unseren Mitgliedern werden wir die Diskussion aufgreifen und überlegen, wie wir geeignete Rahmenbedingungen schaffen können, damit dieses gender gap beseitigt werden kann und wir die Rolle der Frauen in der Musikbranche langfristig stärken können.

Ergänzung am 09.02.2018, 16:35 Uhr: 
Wir haben für Euch Informationen zur Wahl der Jury und der Nominierten zusammengestellt: http://bit.ly/2EffRrx. 
Am Mittwoch haben wir die Nominierten für 7 von 10 Kategorien bekannt gegeben. Wir können Euch schon so viel sagen: Auf der Bühne am 15. März werden starke Frauen stehen. (…) Aha 😉

Vielleicht ist es ja durch diesen Vorfall gelungen, endlich einmal einen gut hörbaren Weckruf auszulösen. In meinen über 20 Jahren Erfahrung als Kunst – und Kulturschaffende kann ich die Beobachtungen und Kritikpunkte von mfm nur bestätigen, als ein noch immer deutlich spürbares Phänomen in der gesamten Kunst- und Kulturbranche. Allerdings steht mit musica femina münchen musikschaffenden Frauen ein konkretes Netzwerk zur Seite, wie auch dieser jüngste Eklat zeigt. Daher kann ich meinen Kolleginnen aus anderen Kunst – und Kultursparten nur empfehlen, die letzten Reste möglicherweise verbliebener Stutenbissigkeit zu begraben und sich ebenso in Seilschaften zu organisieren, wie es uns die Männer seit jeher erfolgreich vormachen. Was meine eigene Kulturplattform jourfixe-muenchen anbelangt, so steht die Gleichstellung von Künstlerinnen auf der Agenda ganz oben. Neben musica femina münchen  zählt auch die Autorinnenvereinigung zu den Mitgliedern unseres Netzwerkes und hoffentlich gesellt sich noch die eine oder andere Frauen-Seilschaft dazu.


Zum Thema siehe auch den jourfixe-Blogbeitrag

26.01.2016
Wahrnehmung und Rolle der Frau in der Musik

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„Todeszug in die Freiheit“ – MO, 29.1.2018, 23.55 Uhr, ARD, Impressionen der Vorschau im Jüdischen Museum München

„Wir wussten nicht, in welcher Sprache … zu welchem Gott sie in Ihrer Verzweiflung gebetet hatten … kannten nicht ihre Namen“, hieß es sinngemäß in einer Trauerrede, die 1945 für ermordete KZ-Häftlinge in einer kleinen Ortschaft bei Prag gehalten wurde. Die Toten waren Opfer der mörderischen Willkür einiger SS-Wachen geworden, die während eines Zugstopps wahllos auf Häftlinge geschossen hatten, als diese sich mit etwas Proviant versorgen wollten, das ihnen von der einheimischen Bevölkerung gespendet wurde. Nun, tragischerweise nur wenige Tage vor Kriegsende, trug man sie zu Grabe, doch wurden sie einzeln und respektvoll beigesetzt, anstatt, wie sonst bei KZ-Häftlingen üblich, in einem Massengrab verscharrt zu werden; ein Akt stiller Auflehnung dem NS-Regime gegenüber und  eine weitere, letzte Geste der Menschlichkeit, der viele, ganz unterschiedliche Hilfsmaßnahmen vorangegangen waren, mit denen die Bevölkerung entlang der Bahnstrecke Zeichen von Solidarität, Nächstenliebe und Barmherzigkeit gesetzt hatte.

Waggon mit weiblichen Häftlingen auf dem Bahnhof Roztoky, heimliche Aufnahme von Vladimír Fyman, 30. April 1945. Mittelböhmisches Museum, Roztoky; Bildquelle: Gedenkstelle Flossenbürg

Mit dem Näherrücken der Allierten war begonnen worden, Häftlinge aus den Konzentrationslagern zu evakuieren; zu diesem Zweck wurden zahlreiche Züge eingesetzt. Was diesen „Todeszug“ von den anderen unterschied, war nicht nur seine Größe von !77 offenen Güterwagons voller Häftlinge, oder die Hilfs- und Sabotagemaßnahmen, mit denen die Bevölkerung seine Fahrt begleitete, sondern dass dieser Zug die meisten seiner Insassen in die Freiheit führte, die am Ende der Reise Partisanen für sie erkämpften! Durch glückliche Umstände sind zu den Ereignissen um diesen Zugtransport eine ganze Reihe filmischer und fotografischer Zeugnisse  in tschechischen Archiven erhalten geblieben. Sie bilden die Grundlage zum Dokumentarfilm „Todeszug in die Freiheit“, einer Produktion des Bayerischen Rundfunks:

„Jahrelang haben die beiden Filmer Andrea Mocellin und Thomas Muggenthaler, die für den Film „Verbrechen Liebe„/Bayerischer Rundfunk, mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet wurden, diese Geschichte recherchiert. Es ist ihnen gelungen, zahlreiche Zeitzeugen zu finden, Menschen, die damals in den Waggons ihrem Schicksal entgegen fieberten, genauso aber auch viele tschechische Helfer, die damals dabei waren“, so das ERSTE auf der Homepage zum Dokumentarfilm Todeszug in die Freiheit

Aus dem Vorspann des Dokumentarfilms „Todeszug in die Freiheit“

Hilfe und Rettung erfolgten auf unterschiedlichste Weise. Einige Häftlinge, die ihren Waggon hatten verlassen dürfen, wurden von der Bevölkerung in den Wartesaal des kleinen Bahnhofs geschleust, dort heimlich neu eingekleidet und dann ins Freie geleitet. Manche versteckten sich in der örtlichen Typhus-Station, deren Betreten den SS- und Wehrmachtstruppen wegen der Ansteckungsgefahr untersagt war. Auch unter den Häftlingen fanden sich Typhus-Patienten, die selbstlos vor Ort versorgt wurden, was einer Helferin das Leben kostete … Mehr zu den damaligen Vorkommnissen berichtete im Anschluss an die Filmvorführung auch die Witwe eines der damaligen Ärzte  in Roztoky.

Zug mit KZ-Häftlingen, 1945, Quelle: Mittelböhnmisches Museum/ARD-Homepage

An der Produktion beteiligt und im Film auch als Kommentator präsent, ist Jörg Skribeleit, seit fast zwanzig Jahren Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Dass er sich nicht allein als institutionalisierter Verwalter eines NS-Tatorts versteht, sondern sich mit Leidenschaft für dessen historische Aufarbeitung und Dokumentation einsetzt, wurde nicht nur anhand seiner Erläuterungen im Film selbst spürbar, sondern auch im anschließenden Gespräch mit Mocellin und Muggenthaler. Andrea Mocellin erinnerte, wie ihnen nach einer einstündigen Vorbesprechung zum Film mit Schaudern aufgefallen war, dass dabei zwanzig unterschiedliche Begriffe für „sterben“ gebraucht worden waren!

Nachbesprechung von „Todeszug in die Freiheit“ von Thomas Muggentaler (ganz links) und Andrea Mocellin (2. von re.), moderiert von Andreas Bönte/BR (Mitte); ganz rechts Jörg Skribeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg; Jüdisches Museum München, 23.1.18

Einfühlsam moderiert wurde die Nachbesprechung von Andreas BönteFernsehjournalist und stellvertretender Fernsehdirektor des Bayerischen Rundfunks sowie Leiter des Programmbereichs BR FernsehenARD-alpha und 3sat. Entsprechend kündigte er Reprisen im BR-Fernsehen an, ebenso einen ganzen Themenabend rund um den Film auf ARD-alpha. Der Zeitpunkt stehe allerdings noch nicht fest.

Erfreulich und wohlverdient empfand ich den Großen Bahnhof, mit dem das Publikum, darunter hochrangige Münchner Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Politik, den Film aufnahm. Zusätzliche Würdigung erhielt dieser durch das Erscheinen von Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.

Kultusminister Ludwig Spaenle

Als hingegen nicht ganz befriedigend empfand ich die einleitende Rede von Dr. Ludwig Spaenle, bayerischer Staatsminister für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst (CSU). Leider sprach er einseitig den Antisemitismus und die „Shoah“ an, den nationalsozialistischen Völkermord an den Juden Europas, obgleich im Film auch das Schicksal von Häftlingen eine Rolle spielt, die aus anderen, politischen Gründen zu Opfern wurden. Ebenso erschien mir überflüssig, da im Kontext unverständlich, Dr. Spaenles abschließende Versicherung seiner Verbundenheit mit dem Staat Israel, der hier in keiner Weise Thema war. Vielmehr ging es doch an diesem Abend um eine beeindruckende Dokumentation zu Leid und Zivilcourage am Ende des Dritten Reiches? Einmal mehr stellte sich mir die Frage nach dem Sinn von Reden aus den Reihen der Politik bei solchen Anlässen.

Der geschäftsführende Vorstand der Freien Bühne München, vertreten durch Gründerin Angelica (Mitte) und Marie-Elise Fell (rechts) im Jüdischen Museum

Zu verdanken hatte ich diesen Filmabend unserem jourfixe-Neumitglied Angelica Fell. Die gelernte Journalistin (BR, ZDF, Print) und Initiatorin der inklusiven Freien Bühne München (FMB e.V.), entpuppt sich immer wieder  als begnadete Netzwerkerin, die es nicht nur versteht, Menschen zusammenzuführen, sondern dazu auch stets einen anregenden Rahmen auftut, wie eben diese Filmvorschau im Jüdischen Museum, zu der sich zahlreiche Kolleginnen des ehemaligen ZDF-Kultmagazins „Mona Lisa“ zusammengefunden hatten –„lauter Monalisen“, wie Angelica sie scherzhaft nannte, zumal mit Andrea Mocellin eine weitere Ex-Kollegin sogar im Mittelpunkt der Veranstaltung stand! Allerdings lebt diese, wie sie mir beim anschließenden Empfang berichtete, inzwischen in Berlin und arbeitet für den rbb – Rundfunk Berlin Brandenburg.

Allererstes Treffen im Jüdischen Museum, nach monatelangen Telefonaten und Emails: Constanze Hegetusch, Autorin der TV-Doku „Die unheilvolle Narbe“, die am Vorabend im BR gelaufen war und Gaby dos Santos

Angelica verdanke ich auch die erste persönliche Begegnung mit Dokumentarfilmerin Constanze Hegetusch. Ihr Film Die unheilvolle Narbe, über das Schicksal der Sinteza und Holocaust-Überlebenden Rita Prigmore war am Vorabend, in der Reihe „Lebenslinien„, im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt worden, und ich hatte ihn  über meine Social-Media-Kanäle und die jourfixe-Seiten auf Facebook mitbeworben. Zwar hatte ich nicht damit gerechnet, die Dokumentarfilmerin, nach monatelangen Emails und Telefonaten ausgerechnet an diesem Abend endlich persönlich kennen zu lernen, aber ein erstes Treffen gerade in diesem, ebenfalls NS-Opfern gewidmeten Rahmen, fühlte sich für mich sehr stimmig an!

Beim Empfang im Jüdischen Museum nach der Filmvorführung: Von links: Angelica Fell, Thomas Muggenthaler, Andrea Mocellin und Gaby dos Santos, Hintergrund li.: Jörg Skribeleit

Ende Januar, rund um den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, am 27. Januar, erfolgen regelmäßig Publikationen, TV- und Radio-Sendungen sowie Veranstaltungen zum Thema, natürlich auch im Jüdischen Museum München, dessen  Veranstaltungen, betreut von der Kulturmanagerin, Kunsthistorikerin und Galeristin Anne Uhrland, ich sehr schätze. Unvergessen bleibt mir dabei der Gedenkabend am 27.1.2015, mit Holocaust–Zeitzeugin Helga Verleger, in Kooperation mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, der mich zum jourfixe-Blogbeitrag „Naja …“ Holocaust-Zeitzeugin Helga Verleger im Jüdischen Museum inspirierte –

Allmählich versterben solche ZeitzeugInnen. Für umso wichtiger halte ich jede Art von Dokumentationsarbeit, die dazu beiträgt, die Erinnerung mahnend wach zu halten, wie dieser „Roadmovie der besonderen Art“, der uns Zuschauerinnen und Zuschauer moralisch in die Pflicht nimmt: Für mich persönlich lautet seine Botschaft, dass Menschlichkeit und Zivilcourage auch unter widrigen Umständen, in vielfältiger Form möglich sind, die Bereitschaft vorausgesetzt, sich sehenden Auges und mit Empathie der Not anderer zu stellen! Insofern halte ich diesen Film gerade aktuell für gesellschaftlich relevant und finde es schade, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender mit Bildungsauftrag einem solchen Beitrag, wie überhaupt der Reihe „Geschichte im ERSTEN“, keinen prominenteren Sendeplatz einräumt, als montags am späten Abend!


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Zwischen Schalk und Hohem C: Die Mittsommernachtstimme der Finnin Tuija Komi heizt am 20.1., von 18 Uhr bis 22 Uhr, mit „Jazzango“ Erdings Therme ein

Die sonst so zurückhaltend kritische Süddeutsche Zeitung bezeichnete sie als „eine echte finnische Jazz-Diva“, Sängerin Tuija Komi, unsere Wahlmünchner jourfixe-Kollegin aus dem Hohen Norden.

Doch auf ein Genre festlegen lässt sich die Künstlerin nicht. Viel zu weitläufig ihr Repertoire und viel zu irrlichtern ihre Bühnenpräsenz, angesiedelt zwischen Schalk und künstlerischen Anspruch. Allein durch ihre unnachahmlichen Conférencen gerät jeder Auftritt zur Show, von der Qualität ihrer gesanglichen Darbietungen ganz zu schweigen. So versetzte sie bei einer „Blind Audition“ der TV-Sendung „The Voice Of Germany“ die Jury 2014 glattweg in Verzückung.

Da  Tuija Komi sich grundsätzlich nicht stilistisch einordnen mag, hat sie sich bei ihrem neuesten Musik-Projekt auch die Wahl zwischen Jazz und Tango gespart und präsentiert ihre aktuelle Repertoire-Schöpfung unter – nomen est omen – dem Oberbegriff „Jazzango„. Dieses Projekt versteht sich als Pas de deux zwischen „nordisch cooler Melancholie“ und „südlichem Feuer“ und besingt die Sehnsucht des einen nach dem anderen, in English, Finnisch, Deutsch, Portugiesisch und Spanisch!

Begleitet wird Tuija Komi von Vlad Cojocaru, dem Akkordeon-Virtuosen aus Moldawien. Beide stellen sich hier der musikalischen Herausforderung einer intimen Duo-Besetzung und berühren gerade in dieser schnörkellosen, auf das Wesentliche reduzierten Fassung umso mehr. Im Programm finden sich sowohl Klassiker des argentinischen Tangos, als auch Bossa Nova, Highlights von Astor Piazolla und Carlos Gardel sowie so einiges aus dem unerschöpflichen Fundus an Tangos aus Tuija Komis Heimat, auch bezeichnet als Blues der Finnen„.

Hörbeispiele von der neuen CD „SATUMAA“ -Midnight Tango from Finland,– ENJA RECORDS 

Wo nun eine kulturelle Vertreterin Finnlands wie Tuija Komi auftritt, sind nicht nur die Leidenschaft zum Gesang allgemein und  die zu Jazzango insbesondere greifbar, sondern ebenso eine weitere  ur-finnische Einrichtung, die der Sauna.

Dachten sich auch die Therme Erdingdie größten Therme der Welt – und engagierten Tuija und Vlad als abschließenden Highlight Act der langen THERMENWELT-Nacht „Nordic Nights“, die in mystische Eis- und Schneelandschaften entführt. „Lauschen Sie der emotional-russischen Musik des Balalaika-Trios oder lassen Sie sich von der Schneekönigin im Stonehenge verzaubern. Mit  Ästhetik und akrobatischer Höchstleistung zeigen Top-Akrobaten aus der Ukraine auf der Showbühne am Vitalpool ihr Können, präsentiert von Schuhbecks teatro „, lädt die Homepage ein. Faszinierende Eisschnitzkunst am großen Außenbecken der VitalTherme & Saunen, traditionell-nordische Aufguss-Specials …“ und, und, und.

Nächster Termin ist Samstag, 20. Januar; Tuija Komi und Vlad Cojocaru treten mit ihrem Jazzango-Programm von 18 Uhr bis 22 Uhr auf.

Tuija & Vlad vor einem Auftritt in den riesigen Therme Erding


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Buschtrommeln für „mau“ – Die Geschäftsidee von „Two Tickets“ – ein Tauschhandel der besonderen Art

Für Couch-Potatoes sind bei dieser Firma – das Logo lässt daran keinen Zweifel – die Stunden angezählt! „Runter vom Sofa, rein in die Stadt!“ lautet der Slogan der deutschlandweit aktiven Berliner Firma „Two Tickets“, der eine pfiffige Marketing-Idee zugrunde liegt: Für einen Mitgliedsbeitrag ab 7,99 im Monat, haben KulturinteressentInnen Zugriff auf Freikarten sowie verloste oder reduzierte Tickets für unterschiedlichste Veranstaltungen in ganz Deutschland.

  • Erlebe die Veranstaltungen immer zu zweit, lerne gern auch andere Stadtentdecker kennen.

Entdecke die Szene sowie neue Veranstaltungsorte!

  • Wir losen dir Freikarten für Veranstaltungen nach deinen Interessen zu. Benachrichtigungen kannst du direkt auf dein Handy empfangen!
  • Lasse dich von unseren Veranstaltungsvorschlägen überraschen und inspirieren.

So deren Angebot im O-Ton auf der Homepage

Stellt sich die Gretchenfrage nach dem Benefit für uns Kunst- und Kulturschaffende, denn Freikarten sind und bleiben nun einmal Freikarten. Droht aber, besonders bei en-suite-Aufführungen, Zuschauerschwund, so füllt uns dieses System die Ränge – statt mit gähnender Leere, mit Klientel für mögliche künftige Mund-zu-Mund-Propaganda!

„Die Probleme begannen, als Mensch bemerkte, dass er Publikum braucht, applaudierendes Publikum … “ Foto von Werner-Bauer aus einer Bildsequenz der jourfixe-Satire nach E. Kishons „Kein Applaus für Podmanitzki“

Für unsere Kulturplattform jourfixe-muenchen hat sich das „Two-Tickets-System“ erstmals 2010 bewährt. Damals gastierten wir mit meinem jourfixe-Historical „Das Lied von Lili Marleen“ bei Heiko Dietz in seinem unvergessenen „Theater … und so fort“ in Schwabing. Leider stellte sich bald heraus, dass mein Konzept multimedialer Bühnen-Collagen/Historicals damals noch zu wenig bekannt war für die beträchtliche Anzahl von Terminen, mit denen wir uns an der Bühne eingebucht hatten. Das Theater blieb ziemlich leer, Tag für Tag. Das Problem daran war nicht nur, dass keiner an solchen Abenden verdiente und der Sohn von Lale Andersen, aus solidarischer Verzweiflung, Abend für Abend Freunden aus eigener Tasche Karten spendierte – nein, das viel größere Problem war – und ist, dass sich bei schlecht besuchten Vorstellungen keine wirklich gute Bühnen-Atmosphäre entwickeln kann, was bei den wenigen Zuschauern noch zusätzlich einen schlechten Eindruck hinterlässt. Die so dringend benötigten Buschtrommeln werden diese danach kaum betätigen. Heiko halte ich bis heute zugute, dass er die Situation ohne ein böses Wort uns gegenüber hinnahm. Und das, obwohl er als Leiter eines privaten Theaters auch mit jeden Cent rechnen musste.

Doch eines Abends war alles anders: der Raum wieder annehmbar gefüllt, die Stimmung entsprechend aufgeräumt – die Kasse allerdings weiterhin auch. Ich staunte Bauklötze, woher diese ganzen Freikarten-BesitzerInnen kamen. Heiko klärte mich daraufhin über das System sowie den Nutzen für uns Veranstalter der „Two Tickets“ auf und bei mir fiel der eine oder andere Groschen dahingehend, warum es sich bei manchen KollegInnen immer einen Tick mehr füllte, als bei uns 😉 Fakt ist: Nicht jede Veranstaltung bekommt man gleichermaßen voll, schon gar nicht bei der heutigen Konkurrenz von TV und Internet und einer Klientel, die es nach einem Arbeitstag im Daten-Overkill nicht auch noch massenweise ins Kulturleben drängt. Inzwischen stelle ich daher routinemäßig, selbst bei erfolgreichem Kartenvorverkauf, zu jeder jourfixe-Veranstaltung mindestens 1 x 2 Karten zur Verlosung bei Two Tickets ein,  allein schon aus PR-Gründen.

Übrigens steht „der Bus mit den Rekruten aus Tel Aviv“ in Ephraim Kishons Satirensammlung „Kein Applaus für Podmanitzki“ für genau die gleiche (Not)Lösung seit Jahrzehnten startbereit, gestaltet sich aber um einiges unhandlicher … 😉


Two Tickets war bisher für mich eine feste, zugleich aber phantomatische Einrichtung aus der virtuellen Marketing-Welt. Daher habe ich meinen Berlin-Aufenthalt u.a. dazu genutzt, die Macherinnen und Macher am Prenzlauer Berg ganz reell in ihrem UR-Berliner-Altbau zu besuchen. Auf dem Titelbild bin ich mit unserer neuen Ansprechpartnerin zu sehen, Frau Dunja Böhnisch.

Details: https://www.twotickets.de/


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