„Mit Laptop und Staffelei“ – Fotos, Impressionen und Pressespiegel zum Festakt der MKG im Ägyptischen Museum (noch bis 25.2.)

„150 Jahre sind ein dickes Brett.“ Mit dieser knappen Feststellung beschrieb Paul Martin Cambeis,  der amtierende, 19. Präsident der MKG, die gewichtige Nachfolge, die er 2017 angetreten hat. Dass er diese durchaus auszufüllen versteht, belegen nicht nur seine fundierte Ausbildung an der Münchner Kunstakademie und die überbordende künstlerische Vita in gefühlt allen nur möglichen Kunstsparten, sondern ebenso sein pointierter und zugleich lässiger Stil, ob er nun einen Pinsel, einen Hobel oder eben eine traditionsreiche Künstlergemeinschaft ins „21. Jahrhundert führt“.

Paul Martin Cambeis vor dem Gemälde „Die Regie verliert die Kontrolle“, von Professor Zhao Yangbo, Öl/Leinwand, 180 cm x 240 cm, Katalog 2018/S. 84; Foto: Lippert

„Feiern mit Weggefährten und Kollegen“, lautete das Motto der diesjährigen Jubiläumsveranstaltung. Dementsprechend sinnbildlich wiedervereinigt zeigt ein Foto Paul Martin Cambeis vor einem beeindruckenden Gemälde von Professor Zhao Yangbo, prominenter zeitgenössischer Vertreter der Münchener Secession, die sich vor 125 Jahren, nach künstlerischen Differenzen, von der MKG Münchner Künstlergenossenschaft abgespalten hatte. „Bestimmt trug Lenbach durch seinen Eigensinn maßgeblich dazu bei“, räumt Cambeis in seinem Grußwort zu Katalog/Festschrift ein, „doch heute, 125 Jahre danach, haben wir die Trennung überwunden.

Paul Martin Cambeis „Selbst das Maul offen haltend“ Bronze, 30 x 50 x 48 / Katalog 2018/S. 132; Foto Ravasz

Gut so! Ein – vorübergehender -„Theaterdonner“ sei ab und an auch unseren Kolleginnen und Kollegen der Bildenden Künste vergönnt.  Ein recht leidenschaftliches Gemüt zeichnet uns Kunst- und Kulturschaffende ja angeblich alle aus, und so verwundert es auch nicht weiter, dass die „Schwimmende“ von Brigitte Yoshiko Pruchnow das erhitzte Selbstbildnis des MKG-Vorsitzenden auf dem Foto links nicht wirklich zu besänftigen scheint. 😉

Das Motto „Feiern mit Weggefährten und Kollegen“ gipfelte in der Auszeichnung des Ehepaars Maja und Peter Grassinger, deren Lebenswerk die Erhaltung und der künstlerische Betrieb des Münchner Künstlerhauses am Lenbachplatz ist.

Ein Leben für das Münchner Künstlerhaus – Dafür wurde das Ehepaar Maja und Peter Grassinger mit der MKG-Ehrenmedaille 2018 ausgezeichnet; Neben ihnen: S.K.H. Prinz Christoph von Bayern und Gemahlin IKH Prinzessin Gudila von Bayern, Foto: Lippert

MKG-Ehrenpräsident Nikos W. Dettmer bei Eröffnung der Jubiläumsausstellung, Foto Lippert

Dafür hatte Maler und Bildhauer Nikos W. Dettmer , Ehrenpräsident der MKG und Mitglied der Kulturplattform jourfixe-muenchen, eigens eine Medaille gestaltet, die ab sofort jedes Jahr im Rahmen der Ausstellungseröffnung der MKG an Münchnerinnen und Münchner verliehen wird, die sich in besonderer Weise um die Künstler und das kulturelle Leben in München verdient gemacht haben. In seiner Laudatio in der Festschrift äußert sich Dettmer:“ Nach Jahrzehnten aufopfernder Arbeit steht das Künstlerhaus heute als Begegnungs- und Aufführungsstätte für Künstler aller Sparten zur Verfügung. Unermüdlich schaffen Maja Grassinger und ihr hervorragendes Team den anstrengenden Drahtseilakt zwischen Ökonomie und Kunst.“ (…)

Peter Lang kann nicht nur „seriös mit Fliege“, sein Alias ist „Genosse Rock’n Roll„, Hier spielt er neben dem „Jazztrio“ von Franz Hämmerle (Allotrianer); Pappel, 238 cm x 90 cm x 80 cm, Katalog S. 138, Foto: Radesz

Auch mit der musikalischen Umrahmung schloss sich historisch ein Kreis: Engagiert war unser Freund und jourfixe-Mitglied Peter Lang, Inhaber des Artist Studio im UG des Münchner Künstlerhauses. Der ungarische Multiinstrumentalist bespielte, in bewährt souveräner Manier, mit seiner EinMannBigBand, das Untergeschoss des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst, in dem seit einigen Jahren die Jahresausstellung der MKG stattfindet – und durch sie eine Verbindung zwischen zeitgenössischer Gegenständlicher Kunst und antiker Kunst hergestellt wird. Peter Lang für den Musikteil vorgeschlagen hatte MKG-Sprecherin Dr. Elisabeth Sorger.  Wie sie uns einmal bei einer jourfixe-Versammlung verriet, hatte sie Peter und seine Bandcollegen als blutjunges Mädchen angehimmelt, als diese im Budapester Jugendpark ihr Publikum musikalisch verzückten. Peter war nämlich Gründungsmitglied der beiden ungarischen Kultbands Omega und Hungaria“. Damals hätte Elisabeth sich nie träumen lassen, dass sie eines Tages Peter selbst engagieren würde!

Überfülltes Auditorium bei den Festansprachen zum 150. MKG-Jubiläum – Bildmitte: Dr. Elisabeth Sorger, Sprecherin der MKG, links außen Promi-Journalistin Daniela Schwan, meine Freundin aus wilderen Zeiten, heute u.a. Redakteurin von WIR! in Bayern Foto: Lippert

Brigitta Rambeck, Leiterin des traditionsreichen Münchner Seerosenkreises

Herzog Franz von Bayern schreibt in seinem Grußwort: „Genau 100 Jahre ist es her, dass zum letzten Mal ein Mitglied meiner Familie die Schirmherrschaft für die Jahresausstellung der Münchner Künstlergenossenschaft übernahm. Umso mehr bin ich erfreut, dass diese Verbindung 2018 wieder belebt wird. (…) Sie (die MKG) besteht weiterhin und passt sich den Anforderungen an eine moderne Künslerorganisation an, als ein Forum für den Austausch im Zeitalters des Internets und der Digitalisierung. Dafür wünsche ich der Künstlergenossenschaft und ihren Mitglieder alles Gute.

Nach Sichtung des aktuellen Pressespiegels zum Jubiläum der MKG, mit vielen Statements von Präsident Paul Martin Cambeis zum künftigen Kurs dieser altehrwürdigen Münchner Institution, tippe ich auf das erfolgreiche Prinzip „Laptop mit Lederhosen„, also auf das ur-bayerische Talent, Tradition zu bewahren und mit modernen Errungenschaften aufzupeppen.

Besucher der Vernissage, Foto: Lippert

Der Bayerische Rundfunk widmete der MKG zum 150. Jubiläum bereits einen Beitrag, aufrufbar in der ARD-Mediathek:

28.01.2018 | 9 Min. | Verfügbar bis 27.01.2019 | Quelle: © Bayerischer Rundfunk

 Sie waren Malerfürsten ebenso wie arme Künstlerkreaturen als König Ludwig II. die „Münchener Künstlergenossenschaft“ 1868 mit königlichen Privilegien versah. Hundert Künstlerinnen und Künstler zählt die MKG heute – keine Avantgarde, sondern meisterhafte Traditionalisten der Malerei, Grafik und der Bildhauerei.

Vernissage der Jahresausstellung 2018 der MKG, Foto Radesz


Zur MKG-Münchner Künstlergenossenschaft s. a.

jourfixe-Blogbeitrag 2018: Ein Meilenstein der Münchner Kunstgeschichte

jourfixe-Blogbeitrag 2017: Nur mit dem Herzen sieht man gut“   

jourfixe-Blogbeitrag 2016: Unkuratiert streiten


Ausstellungsdauer noch bis Sonntag, 25. Februar 2018

Zeiten: MO geschl./ DI: 10 – 20 Uhr / MI – SO: 10 – 18 Uhr


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Ein Meilenstein der Münchner Kunstgeschichte: 150 Jahre MKG – Münchner Künstlergenossenschaft königlich priviligiert 1868

Herzog Franz von Bayern übernimmt die Schirmherrschaft eines wahrhaft königlichen Jubiläums von seinem Vorfahren König Ludwig II: Vor 150 Jahren verlieh Ludwig II. der MKG Münchner Künstlergenossenschaft königliche Privilegien, handelte es sich bei den Mitgliedern doch um Bildende Künstler, die den Ruf Münchens als Hotspot künstlerischer Avantgarde weit über die Landesgrenzen hinaus trugen. „Die MKG, 1868 gegründet, pflegt seit ihren Anfängen die Bildsprache der Klassischen Kunst. Die MKG ist sich sicher, dass es sich lohnt, auch im erweiterten Kunstbegriff unserer Tage diese Kunstposition weiter zu pflegen. Den historischen Kontext der MKG begleiten Namen wie Spitzweg, Leibl, Lenbach und viele andere, welche Kunstgeschichte im Allgemeinen und die Münchens im Besonderen bereichert haben„, schreibt Paul Martin Cambeis, der amtierende Präsident, im MKG-Newsletter vom Januar 2018. Und das finde ich gut so, denn gerne werden in selbsternannt kunstelitären Kreisen diejenigen als uncool belächelt, die mit der Fortführung einer Tradition befasst sind, und sei es auf noch so künstlerisch hohem und anspruchsvollem Niveau!

Logo-Bild von Paul-Martin Cambeis, Präsident der MKG, zur Jubiläumsausstellung 2018; Alle Rechte vorbehalten

Wohin der weitere Weg dieser ältesten Künstlervereinigung Münchens führen soll, zeigt  Paul Martin Cambeis in seinem Logo-Bild zur Jubiläumsausstellung: Darin hüllt er sich selbstironisch  in das Gewand der Marianne, Gallionsfigur der französischen Revolution. Unübersehbar  entschlossen führt er die Künstler-KollegInnen in den Aufbruch: 150 Jahre und kein bisschen müde … So deute ich sein pfiffiges Bild, in das er gekonnt Zitate aus Bildern berühmter Vor-Kollegen eingefügt hat.

Gefeiert wird das Jubiläum mit einem Festakt für geladene Gäste und der Vernissage der MKG-Jahresausstellung 2018, am DO, 1. Februar, um 18 Uhr, im Souterrain des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst, anschließend öffentliche Ausstellung, FR, 2.2. – SO, 25.2.

Bei der Vernissage zur MKG Jahresausstellung 2016, Gaby dos Santos und Paul Martin Cambeis, inzwischen MKG-Präsident, im Ägyptischen Museum

Die Jahresausstellung der MKG findet nun schon seit einigen Jahren in diesem Museum statt. So verbindet sich historisch gewachsene Münchner mit uralter Kunstgeschichte …

Dr. Elisabeth Sorger, Malerin und Sprecherin der MKG

Bereits 2016 und 2017 hatte ich Gelegenheit, mir die Ausstellungen anzusehen. Beide Male inspirierten mich die kreative Bandbreite der Exponate sowie überraschende Momentaufnahmen bei den Vernissagen zu jourfixe-Blogbeiträgen. Aufmerksam geworden auf diese UR-Münchner Institution war ich über unser jourfixe-Mitglied, Dr. Elisabeth Sorger, Vorstandsmitglied und Sprecherin der MKG.

Nikos W. Dettmer, Maler, Bildhauer und Ehrenpräsident der MKG in seinem Atelier

Bei der Vernissage im letzten Jahr hielt dann der damalige Präsident und jetzige Ehrenpräsident, Nikos W. Dettmer eine derart flammende Rede zum Umgang mit Kunst allgemein und mit Gegenständlicher Kunst insbesondere, dass ich auch mit ihm Kontakt aufnahm und ebenfalls für eine jourfixe-Mitgliedschaft gewinnen konnte, nachdem sich bei meinem Besuch in seinem Atelier herauskristallisiert hatte, wie ähnlich unsere Einstellungen in Bezug auf Kunst und Kultur sind.

7.03.2017
Vom Umgang mit Bildender Kunst
und zur Eröffnungsrede von MKG–Präsident Nikos W. Dettmer
21.04.2016
Die Jahresausstellung 2016 der MKG im Ägyptischen Museum

Die Jubiläumsausstellung 2018 verspricht besondere Höhepunkte: 111 Künstler und Künstlerinnen, aus den Sparten Malerei, Grafik und Bildhauerei, sind mit 169 Exponaten vertreten. So viele Arbeiten haben wir im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst noch nie gezeigt! Das ist aber noch nicht alles. Ganz neu dieses Jahr sind unser Portfolio mit einer Übersicht aller Mitglieder der MKG, sowie eine animierte Diashow über die Anfänge der MKG bis heute.

Zur Einstellung auf die Jahresausstellung 2018

Alles Gute zum Geburtstag und mindestens nochmals so viele Jahre Kreativität, liebe Künstlerinnen und Künstler der MKG! 🙂


Verzeichnis aller jourfixe–Blogbeiträge mit jeweiligem Link

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Pyramidale Party zum 10jährigen Bestehen des August Dreesbach Verlags

Am Freitag, den 3. Februar 2017, feierte der August Dreesbach Verlag sein 10jähriges Jubiläum; Grund zum gratulieren, in einer Zeit in der, wie es der Publizist Christian Nürnberger einmal formulierte, „immer mehr Menschen Bücher schreiben“ (möchten) „doch immer weniger Menschen Bücher lesen“. Der Don-Quichottismus, sich gerade in einer solchen Zeit mit einem kleinen, feinen Verlag auf dem enger werdenden Literaturmarkt zu engagieren, zeugt von Kampfgeist und einem Individualismus, der sich auch in der Gästeschar wiederspiegelte, die meine Freundin, die Autorin und ehemalige Simpl-Wirtin Toni Netzle und ich stundenlang mit Gusto beobachteten.

Die Münchner Autorin, Schauspielerin und ehemalige Prominentenwirtin im Alten Simpl, Toni Netzle (re) zusammen mit Gaby dos Santos, 03.02.17,  August Dreesbach Verlag, Foto: Elisabeth Sorger

Nicht der gewohnte Einheitsbrei aus der bildungsbürgerlichen Kulturelite unserer Stadt, die sich vor lauter „elitär“ nicht einmal selbst zu zelebrieren traut, bevölkerte die Verlagsräumlichkeiten, sondern eine bunte Mischung ausgeprägter Persönlichkeiten, mit viel Nonchalance in Kleidung und Auftreten, dem Kosmos von Historie und Literatur entsprungen; darunter eine ganze Reihe Autor_Innen des Verlags, die sich hier einer individuellen Betreuung in einem Umfang erfreuen dürfen, den ein großer Verlag so gar nicht zu leisten imstande oder auch willens wäre, da sich dort die Betreuung auf die jeweiligen Top-Literaten des Hauses konzentrieren muss. Entsprechend formuliert auch der Verlag in der Selbstdarstellung auf der Homepage: Gemeinsam mit unseren Autoren wollen wir ansprechende Bücher machen: gründlich recherchiert und gut geschrieben, sorgfältig lektoriert, ästhetisch gestaltet und professionell hergestellt.

Benannt wurde der Verlag nach dem deutschen Poltiker August Dreesbach (1844 – 1906), wozu der Verlag auf seiner Website schreibt: (…) 1890 zog er als erster badischer Sozialdemokrat in den Reichstag ein. Als Geschäftsleiter der Mannheimer Volksstimme und Redakteur des Pfälzisch-Badischen Volksblattes war ihm zudem das Recht der freien Meinungsäußerung ein Anliegen, außerdem setzte er sich für den Zugang aller Schichten zu Bildung und Wissen ein. August Dreesbach starb am 25.11.1906 in Berlin. Geradlinigkeit und das Einstehen für die eigenen Ansichten, gepaart mit politischem Idealismus – diese Eigenschaften machten August Dreesbach im ausgehenden 19. Jahrhundert zu einem individuellen, starken Charakter, dessen Vorstellungen und Bestrebungen in der damaligen Zeit manches Mal aneckten.

Gründe genug, August Dreesbach ein Denkmal zu setzen und unseren von Optimismus und Idealismus geprägten Verlag nach ihm zu benennen, der sich zunächst das Verlegen historischer Bücher zur Aufgabe machte. Dass wir mit den neu hinzugekommenen Schwerpunkten Kunst und Typografie neue Wege beschreiten, wäre sicherlich auch im Sinne von August Dreesbach gewesen! (…)

Nomen est omen … und so steht an der Spitze des Verlags die junge, charismatische Leiterin Dr. Anne Dreesbach, die sich auch als Autorin einbringt. Als Gastgeberin der Jubiläumsfeier empfing sie ihre Gäste in stimmungsvoll dekoriertem Ambiente und mit einer Büffetbandbreite an – vor allem – süßen Sünden, die durchaus mit dem Catering der legendären Lambertz-Parties konkurrieren konnten … Das Auge aß und trank, via Champagner-Pyramide, eifrig mit. Nur Toni Netzle widerstand, erlag statt dessen einer Biografie über König Otto I. von Bayern, dem unglücklichen Bruder von „Kini“ Ludwig II. und verzog sich in eine Ecke, um sofort mit der Lektüre zu beginnen. Das Buch hat sie seitdem nicht mehr verlassen 😉

Natürlich war auch dessen Autor Jean Louis Schlim zugegen, ein Luxemburger, der sich ausgerechnet dem königlich-bayerischen Colorit verschrieben hat: (…) Im Besonderen befasst er sich mit der Technikbegeisterung des bayerischen Königs Ludwig II., zu der er mehrere Publikationen veröffentlicht hat … „ und über eine mehr als umfangreiche Sammlung über den unvergessenen bayerischen Kini verfügt.

Autor Christian Sepp, Foto

Es war unser Freund, Autor Christian Sepp (Foto) gewesen, der einen Teil unserer jourfixe-Clique eingeladen hatte. Beim Verlag brachte er vor einiger Zeit seine vielbeachtete Biografie über „Sophie Charlotte – Sisis leidenschaftliche Schwester“ heraus.“ Die Prinzessin verbrannte an ihrer Leidenschaftlichkeit buchstäblich mit Seele und Leib. In Kürze kommt die dritte Auflage dieser spannenden Biografie auf den Markt. Details zu Autor und Buch habe ich vor einiger Zeit in dem jourfixe-Blogbeitrag „Sophie Charlotte -eine Frau, die zu früh lebte“ zusammengefasst.

Dazu habe ich Christians Sepps Biografie geradezu verschlungen, weil sie gleich zwei meiner persönlichen Themen-Schwerpunkte abdeckt: (Bayerische) Geschichte und das Schicksal von Frauen, die, Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts, tragischerweise zu früh lebten und/oder denen es tatsächlich gelang, sich in einer von Männern dominierten Geschäftswelt durchzusetzen, wie die frühere Grande Dame des Filmgeschäfts Ilse Kubaschewski (1907 – 2001). Der Co-Gastgeber, Autor und Historiker Dr. Michael Kamp (www.historische-projekte.de) hat für seine Biografie über Kubaschewski kürzlich Toni Netzle als Zeitzeugin interviewt, da es kaum prominente (deutsche und punktuell internationale) Protagonist_Innen des 20. Jahrhunderts gibt, denen Toni nicht begegnet ist. Aus diesem Grund nutze auch ich meine Freundin des öfteren als Haut überzogenes Nachschlagewerk der Zeitgeschichte. Auch auf die Biografie von Dr. Kamp, die in Kürze vorgestellt werden wird, bin ich schon sehr gespannt. Eine Frau im Filmgeschäft der UFA und der Adenauer-Ära? Beide Epochen standen nun wahrlich nicht für emanzipierte Frauenbilder!

„Na, wo soll ich denn jetzt bloß hingucken?“ Gaby dos Santos etwas desorientiert neben Malerin Elisabeth Sorger

Mit von der Partie (obiges Foto) an diesem Abend war auch unsere jourfixe-Freundin, die Malerin Elisabeth Sorger, Pressesprecherin der MKG (Münchner Künstlergenossenschaft). Auch in diesem Jahr ist sie wieder mit Exponaten unter den ausstellenden Künstler_Innen bei der MKG Jahresausstellung 2017 (3. 3. – 26. 3.) im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst München vertreten. Auf der Party ging es uns allerdings mal nicht um die unser aller Leben so sehr bestimmende Kunst, vielmehr testete ich Spaßes halber mit Elisabeth die Foto-Box vor Ort, ein herrlicher aber auch irritierender Zeitvertreib, denn: Elisabeth groß, ich klein und die Technik bzw. der Fokus der Linse nicht ganz nachvollziehbar 😉 Entsprechend desorientiert wirkt mein Blick im fotografischen Endergebnis, siehe Fotostrecke oben.

Ein herzliches „merci“ für eine in vielerlei Hinsicht pyramidale Party, alles Gute und vor allem noch ein langes erfolgreiches Bestehen dem August Dreesbach Verlag und viel Fortune bei seinem individuellen Kampf gegen alle Windmühlen unserer virtuellen Welt!


Zum Verzeichnis aller bisherigen jourfixe-Blogbeiträge mit jeweiligem Link

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Herzogin Sophie Charlotte – Eine Frau, die zu früh lebte

‚Emanzipiert, für geisteskrank erklärt, entmündigt. Herzogin Sophie Charlotte war mit König Ludwig II. verlobt, heiratete einen französischen Adligen und wollte diesen dann für einen bürgerlichen Arzt verlassen‘.

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Sophie Charlotte um 1866, Foto: Christian Sepp

Biograf Christian Sepp über eine Frau, die zu früh lebte“, resümiert Oliver Das Gupta nach einem SZ-Interview mit dem Autor. Die Rede ist von  Sophie Charlotte – Sisis leidenschaftliche Schwester – So lautet auch der Titel des Buches, erschienen 2014 im August Dreesbach Verlag und jetzt auch als Taschenbuch erhältlich.

In diesem SZ-Interview bringt Autor und Historiker Christian Sepp das Außergewöhnliche dieser Frau auf den Punkt: „Ihr Wertesystem war ein anderes als im 19. Jahrhundert im Hochadel üblich. Gefühle und persönliches Glück waren ihr im zentralen Augenblick ihres Lebens wichtiger als alles andere.“

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Edgar Hanfstaengl, portraitiert von seinem Vater Franz Hanfstaengl, um 1866; Quelle: Wikipedia

Spuren dieser emotionalen Hingabe führen  auf den Alten Südlichen Friedhof. Im Familiengrab der Familie Hanfstaengl liegt der Prokurist Edgar Hanfstaengl begraben,  Sophies „theurer, lieber Freund“, zu dem sie eine heimliche Beziehung während ihrer Verlobung mit König Lugwig II. unterhielt. „Als ihr Verlobter in Paris weilt, schreibt sie an Edgar gleich in ihrem ersten Brief: ‚Hoffnung gibt es keine für uns. Was bleibt uns – Entsagen.

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Das Verlobungsbild 1867: Ludwig II und Sophie Charlotte

Mit Schauder blicke ich in die Zukunft, der Tag meiner Trauung steht wie ein schwarzer Schatten vor meiner Seele, ich möchte entfliehen dem unbarmherzigen Schicksal. Warum mußte ich Dich kennen lernen, jetzt da meine Freiheit in Feßeln geschlagen ist?“  ist in Christian Sepps Biografie nachzulesen, denn Sophie Charlottes Briefe hat ihr Geliebter aufbewahrt, entgegen ihren ausdrücklichen Wunsch.

Fünf dieser Briefe sind bis heute erhalten und Koenig_LudwigII_und_seine_verbrannte_Braut_Heinz_Gebhardt_Sophie_Charlotte_jourfixxe-Blogwurden von Hanfstaengls Tochter 1980 dem Münchner Autor und Fotografen Heinz Gebhardt übergeben, der auf Grund dieser Dokumente das Buch König Ludwig II. und seine verbrannte Braut schrieb – und mir 2013 davon erzählte, als ich zu meinem Projekt über den Alten Südlichen Friedhof in München recherchierte. Mich faszinierte die Geschichte sosehr, dass ich sie auf Facebook postete, wo sie mein Freund, der Historiker Christian Sepp las, der bereits zu Sophie Charlotte recherchierte und darauf hin Heinz Gebhardt kontaktierte.

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Christian Sepp, Autor der Biografie „Sophie Charlotte – Sisis leidenschaftliche Schwester“ vor Schloss Possenhofen am Starnberger See, ehemaliges Sommerschloss der Herzöge in Bayern

Darüber hinaus recherchiert Christian Sepp u. a. intensiv  im Geheimen Hausarchiv und im Münchner Stadtarchiv und stößt über Ebay schließlich auf einen Fund, der es ihm ermöglicht, wichtige Wissenslücken zu schließen.

Nachlass_Louise_d-Alencon_Christian_Sepp_jourfixe-Blog

Aus dem Nachlass von Louise von Bayern, Tochter von Sophie Charlotte. Die Dokumente und Fotos befinden sich nunmehr in Besitz des Autors und Historikers Christian Sepp

In seinem Vorwort schreibt er: „Ein Brief aus dem 19. Jahrhundert zum Verkauf auf eBay. Aber es kommt noch besser: Denn der Brief entpuppt sich als Teil eines kleinen Nachlasses, der von einer Privatperson angeboten wird. Briefschatulle_Nachlass_Louise_d_Orleans_Christian_Sepp_jourfixe-BlogIch zögere nicht wirklich lange und wenige Tage später, mitten im Hochsommer, steht eine blau-weiße Briefschatulle auf meinem Küchentisch, dazu zwei Ordner gefüllt mit Briefen, Bildern, Postkarten, Sterbebildchen, Zeitungsausschnitten und vielem mehr. Bei der ersten Durchsicht stelle ich fest, dass all diese liebevoll gesammelten Erinnerungen aus dem Nachlass der Prinzessin Louise von Bayern, Sophie Charlottes Tochter, einer geborenen d’Orléans stammen müssen (…) Und mir wird klar: Wenn das kein Auftrag ist, die Geschichte zu erzählen, was dann?

Liebevoll gestaltete Taschenbuchausgabe

Liebevoll gestaltete Taschenbuchausgabe

Als ich die ersten Kapitel des Buches gelesen hatte, schickte ich Christian Sepp spontan eine Mail: „Frage mich, wie Du die akribische Recherche, die man hinter jeder Zeile des Buches spürt, in nur so kurzer Zeit hinbekommen hast? Ich lerne dank Dir gerade viel Neues über die jüngere bayerische Geschichte.“ Darauf antwortete er: „Reine Recherchezeit waren ca. sieben Monate, aber nebenher habe ich gearbeitet. Dann habe ich mir sieben Wochen freigeschaufelt und ca. ein Drittel des Textes geschrieben. Danach habe ich wieder Arbeit und Schreiben kombiniert und mir immer einzelne Wochen freigenommen. Vom Vertragsabschluss mit dem Verlag bis zur Abgabe des Manuskripts lagen in etwa zwanzig Monate. Es war einfach meine Sympathie für Sophie, die mich so vorangetrieben hat – und dass mich die Geschichte so berührt hat, vor allem je mehr ich darüber herausgefunden habe.“

Sophie Charlotte

Sophie Charlotte

An Christian Sepps Biografie fesselt mich in der Tat besonders, wie sensibel und detailliert er die Lebensumstände dieser Adligen des 19. Jahrhunderts nachempfindet. Gefangen in den Konventionen und patriachalischen Strukturen ihrer Zeit, steht Sophie Charlotte (1847 – 1897) exemplarisch für die untergeordnete Rolle der Frauen damals. Entsprechend stellt Christian Sepp an den Anfang seines Buches die letzte Strophe von Annette von Droste-Hülshoffs Gedicht, „Am Turme“. Es endet mit den Zeilen:

Annette_von_Droste_Hülshoff_um_1845

Droste-Hülshoff um 1845

Nun muß ich sitzen so fein und klar,

Gleich einem artigen Kinde,

Und darf nur heimlich lösen mein Haar,

Und lassen es flattern im Winde!

Ferdinand von Orléans, Herzod von Alencon, Sophie-Charlottes Ehemann

Ferdinand von Orléans, Herzog von Alencon, Sophie Charlottes Ehemann

Als zwanzigjährige Braut des Königs von Bayern fügt sich Sophie Charlotte noch dem gesellschaftlichen Diktat ihrer Zeit und beendet die Romanze. Doch nur kurz darauf löst der König, der sich Hals über Kopf in Richard Horning verliebt hat, selbst die Verlobung. Sophie Charlotte muss sich damals doppelt vom Schicksal verhöhnt gefühlt haben, folgt aber zunächst weiter dem einer Frau ihres Standes vorgezeichneten Weg und ehelicht Ferdinand von Orléans, Herzog von Alencon.

Sophie_Charlotte_von_Alencon_Christian_Sepp_jourifxe-BlogAls sich aber Herzogin Sophie Charlotte mit vierzig Jahren noch einmal unsterblich verliebt, ist sie fest entschlossen, diesmal alle Standesraison fallen zu lassen und ihrem Herzen zu folgen. Sie fordert von ihrem Mann die Scheidung, um den bürgerlichen Arzt, Dr. Franz Glaser zu heiraten. Ein solches Anliegen vorzutragen, hat sich in der 700jährigen Geschichte des Hauses Wittelsbach noch keine Frau getraut! Auch musste Sophie Charlotte klar gewesen sein, wie ausgeprägt bei ihrem Mann, noch dazu ein strenggläubiger Katholik, das Standesbewusstsein war. Entsprechend groß gestalteten sich seine Bemühungen, Sophie, mit Unterstützung der ganzen Familie, von ihrem Vorhaben abzubringen. Als weder gute Worte noch Drohungen fruchteten, erklärte man sie für geistesgestört und sperrte sie für einige Zeit in das Sanatorium Maria Grün bei Graz weg. „Wollen sie es mit mir machen, wie mit dem König?“ hält Sophie Charlotte bei ihrer Einlieferung dagegen.

"Für die Nervenleidenden aus den höheren Klassen der Gesellschaft": Das Sanatorium Maria Grün vor den Toren von Graz; Foto: C. Sepp

„Für die Nervenleidenden aus den höheren Klassen der Gesellschaft“: Das Sanatorium Maria Grün vor den Toren von Graz; Foto: C. Sepp

Schließlich resigniert sie und wird nach einiger Zeit wieder in die Obhut beziehungsweise unter die Kuratel ihrer Familie entlassen. Während des letzten Jahrzehnts ihres Lebens wendet sie sich verstärkt ihrem Glauben und karitativen Aufgaben zu, mit der selben leidenschaftlichen Hingabe, die ihr in der Liebe auszuleben verwehrt geblieben war. Ihren Tod  ahnt sie voraus und verfügt, mit kahl geschorenem Schädel und im Gewand einer Ordensschwester beigesetzt zu werden. So entledigt sie sich mit ihrem letzten Willen auch endgültig der  Insignien ihrer Weiblichkeit. Das wirft bei mir die Frage auf, ob sich ihr Gewissen zuletzt doch noch dem Zeitgeist gebeugt hat?

Zeitgenossische Zeichnung des furchtbaren Brands auf dem Wohltätigkeitsbazar

Zeitgenossische Zeichnung des Unglücks

Sie stirbt in einem Feuer, das 1897 auf einem Wohltätigkeitsbazar in Paris ausbricht. Sophie Charlotte wird nur fünfzig Jahre alt, doch betrachtet man ihre Fotos im Verlauf der Jahre, so hat sie eine innere Flamme längst selbst verzehrt, eh es die wirklichen Flammen vollenden. Identifiziert werden kann sie nur noch durch ihren Zahnarzt.

Die Toten-Skulptur Sophie Charlottes auf dem Sakrophag in der königlichen Familienkapelle in Dreux/FR

Die Toten-Skulptur Sophie Charlottes auf dem Sakrophag in der königlichen Familiengruft der Orléans in Dreux/FR

Sophie Charlotte war ein Opfer der Konventionen ihrer Zeit, eines von vielen, denen Theodor Fontane mit seinem Gesellschaftsroman „Effi Briest“ ein tragisches Denkmal setzte. Darin mahnt Luise von Briest ihre Tochter: „Nicht so wild Effi, nicht so leidenschaftlich. Ich beunruhige mich immer, wenn ich dich so sehe …“

Sophie als junges Mädchen posiert am Boden sitzend auf Augenhöhe mit ihren geliebten Hunden, Foto Jean Schlim / C. Sepp

Sophie Charlotte, als junges Mädchen, posiert am Boden sitzend auf Augenhöhe mit ihren geliebten Hunden

Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, denke ich oft, wie viel mehr Welt und Wahlmöglichkeiten mir offen gestanden sind und noch immer stehen, als selbst noch der Generation meiner Eltern. Obgleich Konventionen heutzutage in weiten Kreisen glücklicherweise eine eher zweitrangige Rolle spielen, so habe ich, in der mir eigenen Maßlosigkeit des öfteren so über die Stränge geschlagen, dass immer wieder die eine oder andere Stimme laut wurde, ich wäre nicht ganz dicht … Gaby_dos_Santos_jourfixe-Blog_Sophie_Charlotte_von_AlenconIn eine Anstalt eingewiesen hat mich aber niemand; dazu ist unsere Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten zu tolerant geworden. Den 68ern sei herzlich gedankt!

Wir haben uns in den letzten Jahrzehnten eine freiheitliche Gesellschaftsordnung erkämpft, die Tragödien wie die literarische einer „Effi Briest“ oder die reale einer Sophie Charlotte heute undenkbar machen. Mögen wir sie uns erhalten!


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