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„Warnung für die Zukunft“ … Zu den T4-Morden und der Verlegung von 32 weiteren Stolpersteinen in München

Ich weiß nicht, ob ich ihn gemocht hätte, sagte Margareta Flygt am Ende einer bewegenden Ansprache, aber Opfer sind auch nicht dazu da, um Heilige zu sein. So oder so – er hätte das Recht zu leben gehabt. Diese Worte galten Dr. Anton Braun, dem der erste Stolperstein der großen Münchner Verlegung am 12. November 2018 gewidmet war. Um der Verlegung für ihren ermordeten Angehörigen beizuwohnen, war Margareta von weit her, aus Malmö/Schweden angereist. Sie schilderte in einer sehr persönlichen Rede, wie sie selbst in der Schule, auf Grund ihrer deutschen Wurzeln, als „Nazi-Schwein“ beschimpft wurde, obgleich ihre Familiengeschichte die von Opfern des Nationalsozialismus ist.

Margareta Flygt aus Malmö mit dem Stolperstein für Dr. Anton Braun, 1910 – 1940

Dennoch sprach auch sie ein Verhalten an, das ich leider ebenfalls immer wieder beobachte, ein (unwillkürliches) Bewerten von Opfern, als gäbe es solche erster und solche zweiter Klasse. In Margaretas Familie sei lieber über den Großvater gesprochen worden, der aus politischen Gründen von den Nationalsozialisten verfolgt worden sei, oder über das Schicksal des jüdischen Onkels, als über den Tod im Gas des Cousins, denn dieser zählte zu den Opfern der sogenannten T4-Aktion, eine nach 1945 gebräuchlich gewordene Bezeichnung für die systematische Ermordung von mehr als 70.000 Menschen mit körperlichen, geistigen und  seelischen Behinderungen im Dritten Reich, unter Leitung der Zentraldienststelle T4, Abkürzung für Tiergartenstr. 4, in Berlin. (> MEHR)

Der Stolperstein für Dr. Anton Braun, verlegt von Bildhauer Gunter Demnig am 12.11.2018 in der Franziskaner Str. 41, in München-Haidhausen

Wie ich, lebte Anton Braun in Haidhausen, wurde 1910, sozusagen drei Ecken von mir entfernt, in der Schornstraße 1 geboren und promovierte als Chemiker. Möglicherweise ausgelöst durch den Prüfungsstress, erkrankte er mit 28 Jahren an Schizophrenie und wurde mehrfach in die psychiatrische Anstalt Eglfing-Haar eingeliefert. Vermutet wird auch, dass eine homosexuelle Orientierung erschwerend (nach NS-Maßstäben) hinzu kam. (Hierzu s. im jourfixeblog.wordpress.com den Beitrag > Rosa Winkel)

Schloss Harteim, heute Gedenkstätte, Quelle

Es folgten mehrere Einweisungen in die Psychiatrie – mit ihren damals brutalen „Heilmethoden“. In Folge wurde Braun einer Zwangssterilisation unterzogen und schließlich, am 24. Oktober 1940, nach Schloss Hartheim überstellt. Für Anton Braun bedeutete das die „Endstation“ seines Lebens, mit gerade 30 Jahren … denn noch am selben Tag kam er dort zu Tode. Der Familie wurde als Ursache eine Sepsis angegeben, erläuterte Prof. Michael von Cranach. Der Mediziner (…) hat wesentliches zur Aufarbeitung der Psychiatrie in der Zeit des Nationalsozialismus geleistet und ist bei seinen Forschungen auch auf die Krankenakte von Anton Braun gestoßen, neben dessen Name sich vielsagend der Stempel „arbeitet nicht!“ befand.

Transportbus für die Invaliden nach Schloss Hartheim; Quelle

Die rigorose Entsorgung aller Menschen, die der Allgemeinheit nicht (länger) dienlich sind … Ein Horrorszenario auch für mich persönlich, da ich wegen meiner psychosomatischen Beschwerden schon seit 2014 Frührente (+ HartzIV) beziehe. Und doch gelingt es mir, mich auf vielfältige Weise in die Gesellschaft einzubringen. Dr. Braun hätte das möglicherweise auch gekonnt, wenn er nur eine Chance dazu erhalten hätte. Inklusion als Chance nicht nur für die Betroffenen, sondern ebenso für die Gesellschaft zu begreifen, sehe ich als einen vielversprechenden Ansatz, der ausgebaut und vor allem behütet sein will: In seiner Rede zeigte sich Professor von Cranach erschüttert über den Umstand, dass nicht etwa eine Auswahl finsterer NS-Doktoren hinter der T4-Aktion gestanden sei, sondern schlichtweg die honorige ärztliche Elite jener Zeit! Bei T4  habe es sich um Höhepunkt und Umsetzung einer Diskussion gehandelt, die bereits seit der Jahrhundertwende in Gang gewesen sei, bezüglich des Umgangs mit „lebensunwerten“ Elementen in der Gesellschaft. Das nationalsozialistische Regime habe lediglich dem sogenannten „Gnadentod“ (Welch zynischer Euphemismus!) endgültig die Tür aufgestoßen. Professor von Cranach schloss mit dem Appell, dass die Kenntnis der Vergangenheit noch aktiver in die Gegenwart getragen werden müsse, als Warnung für die Zukunft!

Momentaufnahme der Rede von Professor Michael von Cranach, ganz links im Bild

Vor diesem Hintergrund, beziehungsweise in diesem Zusammenhang irritiert mich sehr, dass die Münchner Abendzeitung noch am selben Tag, in einem Artikel von Myriam Siegert Wieder Debatte um Stolpersteine, einmal mehr die deutsch-israelische Fotografin und vehemente Stolperstein-Gegnerin Gabriela Meros zu Wort kommen lässt: Meine Mutter fragt immer wieder: Warum verstehen es die anderen nicht, dass uns (jüdische Bürger*Innen) das verletzt?“, sagt Gabriella Meros. Eine Frage, die München seit langem umtreibt. „Was haben die Stolpersteine bisher gebracht?“, fragt sie. „Der Antisemitismus steigt.“ (> MEHR)

Den Sinn der Stolpersteine unmittelbar der Bekämpfung des aktuellen Antisemtismus zuzuordnen, empfinde ich als einseitige, da aus dem Gesamt-Kontext gerissene Betrachtung.

Aktivistin Edith Grube mit ihrem Stolpersteine-für-München-Anstecker, den sie nie ablegt

Vielmehr stellen doch die Stolpersteine eine von den Nachkommen freiwillig gewählte Form – unter mehreren Möglichkeiten – des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus dar und zwar gleichermaßen für ALLE OPFERGRUPPEN! Nun ist ja gerade über die sogenannten „Euthanasie-Programme“ noch vergleichsweise wenig bekannt, so dass für mich die Konfrontation mit dieser Thematik, zum Auftakt der Stolperstein-Verlegungen vom 12.11.2018, eine wichtige neue Erfahrung bedeutet hat, sowohl von der menschlichen Tragik, wie auch von der medizinisch historischen Seite her. Davon zeugt für mich von nun an der Stolperstein für Dr. Anton Braun, in der Franziskaner Str. 41, in München-Haidhausen.

Dr. Monika Offenberger, Vorstandsmitglied „Stolpersteine für München“

Verlegt wurden diesmal insgesamt 32 Stolpersteine, so viele, wie nie zuvor in München – und auch diesmal eigenhändig von ihrem Schöpfer, dem Bildhauer Gunter Demnig, der die Stolpersteine als ein Kunstprojekt für Europa konzipiert hat. Federführend bei den Münchner Verlegungen, so auch diesmal, ist der Verein Stolpersteine für München. Dieser Initiative steht der Journalist, Aktivist und PR-Fachmann Terry Swartzberg vor, der zwei zielführende Voraussetzungen in den Verein einbrachte: Ausgiebiges PR-Know How und – noch wichtiger: Leidenschaft für die Sache, wie er selbst bekundet.

„Der Mr. Stolperstein aus München“ nannte ihn Deutschland Radio Kultur schon 2015 – Terry Swartzberg, mit der Politikerin Claudia Stamm, Gründungsvorsitzende der Partei MUT

Dass die Anzahl (!90 aktuell) der in München verlegten Stolpersteine stetig wächst, erklärt sich aus der pfiffigen Lösung, die der Verein gefunden hat: Die Stolpersteine werden so platziert, dass sie sich gerade noch auf privatem Grund befinden, aber dennoch, so betonte auch Stolpersteine-München Vorstand Dr. Monika Offenberger in ihrer Ansprache, öffentlich gut sichtbar liegen. > Mehr zu den Standorten in ganz München. Hinzu kommt, dass sich erfreulicherweise immer mehr Hauseigentümer*Innen zur Verlegung von Stolpersteinen auf ihrem Grund bereit finden.

Bildhauer Gunter Demnig hat fast alle der inzwischen 70.000 Stolpersteine europaweit eigenhändig verlegt

Mehr zu den Verlegungen vom 12. November 2018 findet sich aktuell auf der Homepage des Vereins Stolpersteine für München e.V., unter > „NEWS“


Presse/Medien:


Weitere Beiträge zum Thema „Stolpersteine in München“ im jourfixeblog.wordpress.com:

–   Stolpersteine auch in München
–   Terry Swartzbergs Steine des Anstosses
–   Die Liebe zu ihrer Mutter kostete sie das Leben!

sowie ein Beitrag zum neu gegründeten Verein Bürgerbegehren für Stolpersteine auf öffentlichem Grund in München e.V., dem die aktuelle Kompromisslösung, Stolpersteine auf privatem Grund zu verlegen, nicht weit genug greift: > Auch Heilige liegen am Boden


Verzeichnis aller jourfixe–Blogbeiträge mit jew. Link

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Geburtstag auf Wolke 7: Fotostrecke, Kommentare und weiterführende Links zur Künstlerfeier an meinem 60. Geburtstag, 4. Juni 2018, bei Terry Swartzberg in München

Runde Geburtstage verleiten mich regelmäßig zum Kassensturz: Wo genau stehe ich an diesem Stichtag, in Bezug auf meine Pläne, Ziele, Überzeugungen und auf meine Gefühlswelt? Und wer steht an meiner Seite, beziehungsweise mir zur Seite? Nehme ich den aktuellen, sechzigsten Geburtstag zum Maßstab, fällt meine biografische Zwischenbilanz um so vieles besser aus, als mir selbst bislang bewusst war. Von der Zuneigung meiner Gäste fühlte ich mich regelrecht eingelullt, von vielen liebevollen Gesten, Zuwendungen, Worten und künstlerischen Darbietungen. Dass die Gästeliste sich fast ausschließlich aus künstlerischen WegbegleiterInnen und engen KooperationspartnerInnen unterschiedlichstem Datums zusammensetzte, spielte dabei für mich keine Rolle, denn in meinem Leben verlaufen die Grenzen zwischen künstlerischer, beziehungsweise kultureller Arbeitswelt und Privatleben seit Jahrzehnten fließend.

Glücklich – Gaby dos Santos am 60. Geburtstag. Links im Hintergrund Christiane von Nordenskjöld, Kustodin (Ateliermuseum) der Magda-Bittner-Simmet-Stiftung

Die prägnantesten Momentaufnahmen, festgehalten von mehreren Gästen, habe ich in nachstehender Fotostrecke zusammengestellt, kommentierjt und verlinkt, weil diese nicht nur eine schöne Erinnerung für mich – und hoffentlich für meine Gäste – darstellen, sondern auch widerspiegeln, wofür die Kulturplattform jourfixe-muenchen steht. Nachfolgendes Gruppenfoto zeigt zwar nicht alle der geladenen !80 Gästen, aber einen guten Querschnitt:

Kurz vor Beginn der Künstler-Session: HINTEN von links: Manuela Rosenkind (Illustratorin, Autorin „Mia Meilenstein„), Harry Rosenkind (Musik-Promoter, Schlagzeuger der Kultrockband „Sahara“), Elisabeth Sorger (Malerin, Sprecherin der MKG-Münchner Künstlergenossenschaft), Reiner Mauthe, Catherine Houdayer (Modeexpertin), Jörn Pfennig (Lyriker, Bestseller mit „Grundlos zärtlich“), ganz an der Wand Arno Baum (Musik-Booker, Bassist der Progressive-Rockband PROGNOSTIC) und ansatzweise zu sehen Piaistin Masako Ohta; MITTLERE REIHE im Sessel: Ulrike Keil (Musikwissenschaftlerin, Pressechefin von Musikerlebnis/Tonicale, musica femina münchen) mit Ehemann, Michaila Kühnemann (Film- und Radiomacherin RADIO MÜNCHEN, Kabarettistin, Liedermacherin), Peter Lang (Inhaber Artist Studio München, als Musiker Mitbegründer der ungarischen Kultbands Hungaria und Omega), Claudia Cane (Rockröhre), VORNE, neben mir, Christine Weissbarth (Schauspielerin, Moderatorin und Referentin bei der Hanns-Seidel-Stiftung) sowie, halbverdeckt, Cecilia Gagliardi (Sängerin, Gitarristin, Theater im Roßstall/Germering)

Die  Kulturplattform jourfixe-muenchen steht seit fast zwanzig Jahren für kulturelle und künstlerische Vielfalt, mit dem Ziel gegenseitiger Inspiration und der Bildung von Synergien. Diese Vielfalt spiegelte sich in der Geburtstagsfeier wieder: Die Künstler- und Kulturschaffenden des jourfixe sind unterschiedlichster Couleur, doch bilden Know How, Offenheit und Interesse gegenüber anderen Kunstformen, Freude an künstlerischen Synergien und multidisziplinären Projekten einen kittenden, gemeinsamen Nenner. Als Mitglied kann man sich bei uns nicht bewerben; statt dessen spreche ich gezielt Kunst- und Kulturschaffende an, die ich mir als Bereicherung unseres künstlerischen Pools erhoffe, zur Entwicklung gemeinsamer Projekte und gegenseitigen Unterstützung.

Gastgeber Terry Swartzberg, Journalist, PR-Fachmann und Vorsitzender von „Stolpersteine für München e.V.“ stellte mir für meine Geburtstagsfeier sein historisches Häuschen am Nockerberg zur Verfügung und ermöglichte so einen unvergesslichen Abend! Foto: Dirk Schiff (portraitiert.de)

Apropos gegenseitige Unterstützung: Eben mal sein ganzes Haus für die Feier zu meinem 60. Geburtstag zur Verfügung stellen – das macht ihm so schnell keiner nach und entspricht seinem Wesen: Für den Kosmopoliten Terry Swartzberg sind Aufgeschlossenheit, soziales Engagement (u.a. in seinen PR-Kampagnen) und phantasievoll gestaltete Lebensfreude zwei Seiten einer Medaille. Nach rund 25 Jahren als Korrespondent für die International Herald Tribune, gilt sein großes Engagement seit einigen Jahren dem Verein Stolpersteine für München e.V., dem er vorsteht und mit dem er aktuell ein großes Sommerfest vorbereitet, am Mittwoch, 20. Juni 2018, um 20 Uhr, bei freiem Eintritt im Jüdischen Museum München, mehr unter jourfixe-News. Und einmal mehr ist einfach jede/r herzlich willkommen! Ohne Anmeldung und bei freiem Eintritt.

„Gabys gute Geister“ nannte meine Freundin Edith Grube Reiner Mauthe, Marianne Niederkofler, Sigi Blässer und Jon Michael Winkler; Letzterer ist nicht nur mein enger Vertrauter sondern auch Erster Vorsitzender des jourfixe-Vereins. Für mich bedeuten die vier Menschen auf obigem Foto weit mehr als Mainzelmännchen! Mit ihnen ist in Teilen mein Leben verwoben. Fest steht aber auch, dass  ohne deren Hilfe diese Geburtstagsfeier gar nicht zu stemmen gewesen wäre. Der untere Bildteil zeigt einen Ausschnitt des üppigen Büffets: Alle Gäste waren gebeten worden, Speisen und Getränke anstelle von Geschenken mitzubringen. Foto: Stey

 

Geburtstagskind Gaby dos Santos führt Prof. Thomas Pekny, Intendant Komödie im Bayerischen Hof, durch Terry Swartzbergs historisches Domizil am Nockerberg, Foto: Oliver Stey

 

Theaterwelten: Angelica und Lili Fell, Geschäftsführung der inklusiven FBM-Freien Bühne München mit Thomas Pekny, Chef der Komödie im Bayerischen Hof; Foto: Dirk Schiff

 

Kommt Moses nicht zum Berg … Nachdem es im Winter wegen einer Endlosschlange nicht möglich gewesen war, das Rockmuseum im Olyimpiaturm zu erreichen, kam dessen Betreiber, Herbert Hauke eben zu uns. Neben ihm seine Frau Gabi, Tourbegleiterin und Assistentin von Sissi Perlinger; Foto: Schiff

 

Foto links: Die finnische Sängerin Tuija Komi im Gespräch mit musica-femina-Grafikerin Irmgard Voigt; Foto rechts: Claudia Strauch (Strauch Media) im Gespräch mit Behar Heinemann, links und  Petra Windisch de Lates (Vorstand Lebensbrücke e.V. und J.I.M.-Jazzmusiker Initiative München)

 

Foto links: Das Sänger-Ehepaar Maya und Charles Logan; Rechts schneide ich eine der Geburtstagstorten an, die mir Gäste gebacken haben, assistiert von Gabi Hauke, dahinter jourfixe-Gründungsmitglied Angelika Grimm (Sozialpädagogin); Foto: Elisabeth Sorger

 

V.l. Alexander Diepold (Madhouse), hat gerade in München den alljährlichen Gedenktag für die im Holocaust ermordeten Sinti und Roma durchgesetzt, daneben Eva Giesel, Litag Theaterverlag, rechts Uta Horstmann, Bundesverdienskreuzträgerin für ihr lebenslanges Engagement für Sinti & Roma, auf den Stufen Esthera und Artur Silber (Musik-Manager DownTown Studios,PR–Agentur Silberpfeil, Schlagzeuger, u.a. PROGNOSTIC)

 

Unter den Nazis wurden ihre Ethnien unter dem Sammelbegriff „Zigeuner“ verfolgt, doch hier ist Differenzierung angesagt: Von links: Oliver Stey, aus einer Zirkus- und Schausteller-Dynastie, der das größte Privatarchiv dazu führt, die schillernde Behar Heinemann, eine, wie sie es selbst formuliert „stolze Rom“ (Autorin und Kulturmanagerin) sowie der Sinto Alexander Diepold (Madhouse-Chef), dem München seit diesem Jahr einen festen Gedenktag für die verfolgten Sinti & Roma verdankt; Fotos: Dirk Schiff

 

Fotografin Anne Schiff – Mit ihr und ihrer Familie erlebe ich immer wieder kuschelige private Stunden; Rechts Stephanie Bachhuber (Bayer. Staatsoper) Am Vortrag meines Geburtstags feierten wir den 20. Jahrestag unserer Freundschaft! Fotos: Dirk Schiff

 

Geniales Geschenk von Naomi Isaacs (Institute for Charismology): Ein Kaleidoskop – zeitlose Freude! Links von ihr Reiner Mauthe, rechts Sänger Charles B. Logan, an der improvisierten Bar; Rechtes Bild: Ulrich Floßdorf, Traumatherapeuth etc. bei Alexander Diepolds Familienberatungsstelle Madhouse; Foto: Stey

 

Die finnische Sängerin Tuija Komi kam auf Krücken! Und verstand sich mit Gastgeber Terry Swartzberg offensichtlich prima. Für mich ist sie ein veritabler Sonnenschein, kann aber auch „traurig“ und sang später bei der Session à capella ein melancholisches finnisches Gänsehaut-Lied; Fotos: Dirk Schiff

 

Von links: Petra Windisch de Lates (Vorstand Lebensbrücke e.V. und J.I.M.-Jazzmusiker Initiative München), Kriminalautorin Sabine Vöhringer („Die Montez Juwelen„) Michaila Kühnemann, Radio München, Moderatorin, Filmemacherin, Kabarettistin, Musikerin, Foto/Ausschnitte von Oliver Stey

 

Blick von Terry Swarzbergs Terrasse in den Innenhof. Von vorne links: Dr. Ulrich Schäfert, Leiter Kunstpastoral der Erzdiözese,, Grafikerin/Illustratorin Elena Buono, Heidi und Peter Lang, Artist Studio und Kulturjournalistin Heidi Weidner; ganz re. Sängerin Tuija Komi; Foto: Oliver Stey

 

Totale des Innenhofs – Im Vordergrund zu sehen ist Regisseur Rüdiger Nüchtern, ganz hinten wird es Italienisch: An der Wand die Grafikerin und Illustratorin Elena Buono und vor Ihr die Sängerin und Kabarettistin Cecilia Gagliardi, die einer römischen Künstlerdynastie entstammt; Foto: Dirk Schiff

Links neben Musikerin Cecilia Gagliardi (Theater im Roßstall/Germerin) die japanische Pianistin Masako Ohta, bei der ich mich fragte, wie sie aus einem Keyboard in Schoß-Format derart perlende Klänge zu zaubern vermochte. Rechts Sängerin Linda Jo Rizzo, die kürzlich das Hippodrom zum Kochen brachte. Foto-Ausschnitte: Dirk Schiff

Höhepunkt der Feier waren sicherlich die Geburtstagsständchen der MusikerInnen unter den Gästen sowie ein eigens zu meinem Geburtstag getextetes Gedicht SIXTY SEXY GABY des Lyrikers Jörn Pfennig! Große Freude! …

Lyriker Jörn Pfennig, zwei Ausschnitte von Fotos von Dirk Schiff

Vorbemerkung:

Eines Deutschen Dichters Scheitern
ist für ihn und die Welt ein wahrer Graus.
Doch manchmal kann es beide auch erheitern –
probieren wir’s doch einfach mal aus:

Das Gedicht:

Der Deutsche Dichter muss ja nicht denken –
von dieser Pflicht hat sein Volk ihn befreit
um sie dem Deutschen Denker zu schenken
der sich immer schon sehr
aber seither noch mehr
schier unglaublicher Bedeutung erfreut.
(… mehr)

Stimmungsbild während der temperamentvollen Performance von Jazz-Sängerin Jenny Evans; rechts außen Hausherr Terry Swartzberg, neben ihm Jazz-Sänger Thomas de Lates, Foto: Oliver Stey

 

Zwei Momente der Performance von Jazz-Sängerin Jenny Evans: Ein peppiges Lied à capella und aus eigener Feder über die Vorzüge reifer Frauen; Jennys Auftritt berührte mich sehr, denn oft war ich früher in ihrem Jazz-Lokal Jenny’s Place zu Gast gewesen und hätte mir nie träumen lassen, sie einmal als Geburtstagsgast zu begrüßen … Foto-Ausschnitte: Dirk Schiff

 

Csaba Gal, Leiter des Künstlerkreises Kaleidoskop und Cecilia Gagliardi (‚Theater im Roßstall/Germering) singen „Bella Ciao“, das „House Of Rising Sun“ Italiens, Foto: Dirk Schiff

 

Mitwirkende an der Künstlersession: Jazz-Sänger Thomas de Lates und zwei der Musiker der Progressive-Rockband PROGNOSTIC: Keyborder Martin Stellmacher und Sänger Charles B. Logan

 

Vertraute aus wilden Zeiten: Journalistin Daniela Schwan (rechts neben mir). Links zu sehen ist Kabarettistin Karin Engelhard. Dahinter Klaus Onnich, Kurator MVG-Museums – Foto: Dirk Schiff

 

Ein schönes Portrait-Foto von Kulturjournalistin Daniela Schwan; Foto: Dirk Schiff (portraitiert.de)

 

Mit meinem alten Freund aus wilden Datscha-Zeiten, Zarko Mrdjanov, Gitarrist von Massel Tov, meiner Schwägerin Sigi und Heidi Lang vom Artist Studio, Foto: Dirk Schiff

 

Elisabeth Sorger, Malerin und Sprecherin der MKG – Münchner Künstlergenossenschaft, Martin Hubensteiner, Ausstellungsmacher der LV1871, Gaby dos Santos und Christine Weissbarth, Referentin/Moderatorin der Hanns-Seidel-Stiftung, Foto: Dirk Schiff

 

In der Mitte Claudia Weigel, (Parlamentarische Beraterin Hochschul- und Kulturpolitik, Fauenpolitik für die BayernSPD Landtagsfraktion), links Autorin Gunna Wendt, nach deren Biografie über Franziska zu Reventlow wir zur Zeit, gemeinsam mit Musikerin Michaela Dietl, eine Collage zum 100. Todestag produzieren

 

Renate Lettenbauer und Lising Pagenstecher, wie ich Mitglieder von musica femina münchen    und Rockröhre Claudia Cane, die später Janis Joplins „Mercedes Benz“ sang; Foto: Dirk Schiff

 

Meine Freundin Edith Grube, Tochter und Nichte der KZ-Überlebenden Werner und Ernst Grube; Aktivistin (Stolpersteine für München e.V.) und Verwaltungssupervisor bei Madhouse, mit ihrem Mann Robert; Links: Harry Rosenkind (Musikpromoter und Schlagzeuger der Kult-Rockband „Sahara„)

 

Meine Collage über Textdichter Bruno Balz brachte mich mit diesen beiden Herren zusammen: Mein Bühnenpartner Lutz Bembenneck (li) und der „Experte“ für die Talkrunde nach der Aufführung, Albert Knoll, Archivar der KZ-Gedenkstätte Dachau und Vorstand des Forums Homosexualität München,

 

Unsere beiden jourfixe-Fotografen einmal selbst vor der Linse von Oliver Stey: Links: Dirk Schiff/ portraitiert.de und rechts Bernd Sannwald, ein As in abstraktv wirkender Detail-Fotografie

 

Dieses Portrait von Naomi Isaacs fand Dirk Schiff (portraitiert.de) so ansprechend, dass er spontan beschloss, es in seine neue Herbst-Ausstellung „Münchner und Zuagroste“ einzubeziehen. Wie bereits seine erfolgreiche Ausstellung im Vorjahr mit Uschi Glas, „We are all the same“, findet die Vernissage im Hotel Le Méridien statt, diesmal zugunsten von Jutta Speidels HORIZONT e.V.

 

Es ist spät geworden … Christiane von Nordenskjöld, Kustodin (Ateliermuseum) der Magda-Bittner-Simmet-Stiftung im Gespräch mit Jon Michael Winkler;; Foto: Stey

 

Ein glückliches Geburtstagskind sagt: „Danke!“


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„Todeszug in die Freiheit“ – MO, 29.1.2018, 23.55 Uhr, ARD, Impressionen der Vorschau im Jüdischen Museum München

„Wir wussten nicht, in welcher Sprache … zu welchem Gott sie in Ihrer Verzweiflung gebetet hatten … kannten nicht ihre Namen“, hieß es sinngemäß in einer Trauerrede, die 1945 für ermordete KZ-Häftlinge in einer kleinen Ortschaft bei Prag gehalten wurde. Die Toten waren Opfer der mörderischen Willkür einiger SS-Wachen geworden, die während eines Zugstopps wahllos auf Häftlinge geschossen hatten, als diese sich mit etwas Proviant versorgen wollten, das ihnen von der einheimischen Bevölkerung gespendet wurde. Nun, tragischerweise nur wenige Tage vor Kriegsende, trug man sie zu Grabe, doch wurden sie einzeln und respektvoll beigesetzt, anstatt, wie sonst bei KZ-Häftlingen üblich, in einem Massengrab verscharrt zu werden; ein Akt stiller Auflehnung dem NS-Regime gegenüber und  eine weitere, letzte Geste der Menschlichkeit, der viele, ganz unterschiedliche Hilfsmaßnahmen vorangegangen waren, mit denen die Bevölkerung entlang der Bahnstrecke Zeichen von Solidarität, Nächstenliebe und Barmherzigkeit gesetzt hatte.

Waggon mit weiblichen Häftlingen auf dem Bahnhof Roztoky, heimliche Aufnahme von Vladimír Fyman, 30. April 1945. Mittelböhmisches Museum, Roztoky; Bildquelle: Gedenkstelle Flossenbürg

Mit dem Näherrücken der Allierten war begonnen worden, Häftlinge aus den Konzentrationslagern zu evakuieren; zu diesem Zweck wurden zahlreiche Züge eingesetzt. Was diesen „Todeszug“ von den anderen unterschied, war nicht nur seine Größe von !77 offenen Güterwagons voller Häftlinge, oder die Hilfs- und Sabotagemaßnahmen, mit denen die Bevölkerung seine Fahrt begleitete, sondern dass dieser Zug die meisten seiner Insassen in die Freiheit führte, die am Ende der Reise Partisanen für sie erkämpften! Durch glückliche Umstände sind zu den Ereignissen um diesen Zugtransport eine ganze Reihe filmischer und fotografischer Zeugnisse  in tschechischen Archiven erhalten geblieben. Sie bilden die Grundlage zum Dokumentarfilm „Todeszug in die Freiheit“, einer Produktion des Bayerischen Rundfunks:

„Jahrelang haben die beiden Filmer Andrea Mocellin und Thomas Muggenthaler, die für den Film „Verbrechen Liebe„/Bayerischer Rundfunk, mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet wurden, diese Geschichte recherchiert. Es ist ihnen gelungen, zahlreiche Zeitzeugen zu finden, Menschen, die damals in den Waggons ihrem Schicksal entgegen fieberten, genauso aber auch viele tschechische Helfer, die damals dabei waren“, so das ERSTE auf der Homepage zum Dokumentarfilm Todeszug in die Freiheit

Aus dem Vorspann des Dokumentarfilms „Todeszug in die Freiheit“

Hilfe und Rettung erfolgten auf unterschiedlichste Weise. Einige Häftlinge, die ihren Waggon hatten verlassen dürfen, wurden von der Bevölkerung in den Wartesaal des kleinen Bahnhofs geschleust, dort heimlich neu eingekleidet und dann ins Freie geleitet. Manche versteckten sich in der örtlichen Typhus-Station, deren Betreten den SS- und Wehrmachtstruppen wegen der Ansteckungsgefahr untersagt war. Auch unter den Häftlingen fanden sich Typhus-Patienten, die selbstlos vor Ort versorgt wurden, was einer Helferin das Leben kostete … Mehr zu den damaligen Vorkommnissen berichtete im Anschluss an die Filmvorführung auch die Witwe eines der damaligen Ärzte  in Roztoky.

Zug mit KZ-Häftlingen, 1945, Quelle: Mittelböhnmisches Museum/ARD-Homepage

An der Produktion beteiligt und im Film auch als Kommentator präsent, ist Jörg Skribeleit, seit fast zwanzig Jahren Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Dass er sich nicht allein als institutionalisierter Verwalter eines NS-Tatorts versteht, sondern sich mit Leidenschaft für dessen historische Aufarbeitung und Dokumentation einsetzt, wurde nicht nur anhand seiner Erläuterungen im Film selbst spürbar, sondern auch im anschließenden Gespräch mit Mocellin und Muggenthaler. Andrea Mocellin erinnerte, wie ihnen nach einer einstündigen Vorbesprechung zum Film mit Schaudern aufgefallen war, dass dabei zwanzig unterschiedliche Begriffe für „sterben“ gebraucht worden waren!

Nachbesprechung von „Todeszug in die Freiheit“ von Thomas Muggentaler (ganz links) und Andrea Mocellin (2. von re.), moderiert von Andreas Bönte/BR (Mitte); ganz rechts Jörg Skribeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg; Jüdisches Museum München, 23.1.18

Einfühlsam moderiert wurde die Nachbesprechung von Andreas BönteFernsehjournalist und stellvertretender Fernsehdirektor des Bayerischen Rundfunks sowie Leiter des Programmbereichs BR FernsehenARD-alpha und 3sat. Entsprechend kündigte er Reprisen im BR-Fernsehen an, ebenso einen ganzen Themenabend rund um den Film auf ARD-alpha. Der Zeitpunkt stehe allerdings noch nicht fest.

Erfreulich und wohlverdient empfand ich den Großen Bahnhof, mit dem das Publikum, darunter hochrangige Münchner Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Politik, den Film aufnahm. Zusätzliche Würdigung erhielt dieser durch das Erscheinen von Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.

Kultusminister Ludwig Spaenle

Als hingegen nicht ganz befriedigend empfand ich die einleitende Rede von Dr. Ludwig Spaenle, bayerischer Staatsminister für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst (CSU). Leider sprach er einseitig den Antisemitismus und die „Shoah“ an, den nationalsozialistischen Völkermord an den Juden Europas, obgleich im Film auch das Schicksal von Häftlingen eine Rolle spielt, die aus anderen, politischen Gründen zu Opfern wurden. Ebenso erschien mir überflüssig, da im Kontext unverständlich, Dr. Spaenles abschließende Versicherung seiner Verbundenheit mit dem Staat Israel, der hier in keiner Weise Thema war. Vielmehr ging es doch an diesem Abend um eine beeindruckende Dokumentation zu Leid und Zivilcourage am Ende des Dritten Reiches? Einmal mehr stellte sich mir die Frage nach dem Sinn von Reden aus den Reihen der Politik bei solchen Anlässen.

Der geschäftsführende Vorstand der Freien Bühne München, vertreten durch Gründerin Angelica (Mitte) und Marie-Elise Fell (rechts) im Jüdischen Museum

Zu verdanken hatte ich diesen Filmabend unserem jourfixe-Neumitglied Angelica Fell. Die gelernte Journalistin (BR, ZDF, Print) und Initiatorin der inklusiven Freien Bühne München (FMB e.V.), entpuppt sich immer wieder  als begnadete Netzwerkerin, die es nicht nur versteht, Menschen zusammenzuführen, sondern dazu auch stets einen anregenden Rahmen auftut, wie eben diese Filmvorschau im Jüdischen Museum, zu der sich zahlreiche Kolleginnen des ehemaligen ZDF-Kultmagazins „Mona Lisa“ zusammengefunden hatten –„lauter Monalisen“, wie Angelica sie scherzhaft nannte, zumal mit Andrea Mocellin eine weitere Ex-Kollegin sogar im Mittelpunkt der Veranstaltung stand! Allerdings lebt diese, wie sie mir beim anschließenden Empfang berichtete, inzwischen in Berlin und arbeitet für den rbb – Rundfunk Berlin Brandenburg.

Allererstes Treffen im Jüdischen Museum, nach monatelangen Telefonaten und Emails: Constanze Hegetusch, Autorin der TV-Doku „Die unheilvolle Narbe“, die am Vorabend im BR gelaufen war und Gaby dos Santos

Angelica verdanke ich auch die erste persönliche Begegnung mit Dokumentarfilmerin Constanze Hegetusch. Ihr Film Die unheilvolle Narbe, über das Schicksal der Sinteza und Holocaust-Überlebenden Rita Prigmore war am Vorabend, in der Reihe „Lebenslinien„, im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt worden, und ich hatte ihn  über meine Social-Media-Kanäle und die jourfixe-Seiten auf Facebook mitbeworben. Zwar hatte ich nicht damit gerechnet, die Dokumentarfilmerin, nach monatelangen Emails und Telefonaten ausgerechnet an diesem Abend endlich persönlich kennen zu lernen, aber ein erstes Treffen gerade in diesem, ebenfalls NS-Opfern gewidmeten Rahmen, fühlte sich für mich sehr stimmig an!

Beim Empfang im Jüdischen Museum nach der Filmvorführung: Von links: Angelica Fell, Thomas Muggenthaler, Andrea Mocellin und Gaby dos Santos, Hintergrund li.: Jörg Skribeleit

Ende Januar, rund um den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, am 27. Januar, erfolgen regelmäßig Publikationen, TV- und Radio-Sendungen sowie Veranstaltungen zum Thema, natürlich auch im Jüdischen Museum München, dessen  Veranstaltungen, betreut von der Kulturmanagerin, Kunsthistorikerin und Galeristin Anne Uhrland, ich sehr schätze. Unvergessen bleibt mir dabei der Gedenkabend am 27.1.2015, mit Holocaust–Zeitzeugin Helga Verleger, in Kooperation mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, der mich zum jourfixe-Blogbeitrag „Naja …“ Holocaust-Zeitzeugin Helga Verleger im Jüdischen Museum inspirierte –

Allmählich versterben solche ZeitzeugInnen. Für umso wichtiger halte ich jede Art von Dokumentationsarbeit, die dazu beiträgt, die Erinnerung mahnend wach zu halten, wie dieser „Roadmovie der besonderen Art“, der uns Zuschauerinnen und Zuschauer moralisch in die Pflicht nimmt: Für mich persönlich lautet seine Botschaft, dass Menschlichkeit und Zivilcourage auch unter widrigen Umständen, in vielfältiger Form möglich sind, die Bereitschaft vorausgesetzt, sich sehenden Auges und mit Empathie der Not anderer zu stellen! Insofern halte ich diesen Film gerade aktuell für gesellschaftlich relevant und finde es schade, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender mit Bildungsauftrag einem solchen Beitrag, wie überhaupt der Reihe „Geschichte im ERSTEN“, keinen prominenteren Sendeplatz einräumt, als montags am späten Abend!


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„Milton’s Tower – oder die schönheit der dinge“ – Besuch bei Proben zum aktuellen, inklusiven Bühnenstück der Freien Bühne München

 „Das ist unser Leuchtturm und er ist wunderschön, weil hier das Gras unter all den Sternen leise schläft.“

heißt es in „MILTON’S TOWER – oder die schönheit der dinge“. Die Poesie dieser Zeilen steht für den Zauber, der die aktuelle Produktion der Freien Bühne München prägt.

Antonia Neumayer  – („Selkie“/Heyne Verlag) Autorin des Stücks, mit Dino „Tommy“

Den Text geschrieben hat die junge Autorin Antonia Neumayer. „Ihre große Leidenschaft gehört der Fantastik„, schreibt ihr Verlag über sie und entsprechend bewährt hat sich die Zusammenarbeit mit der Freien Bühne München bei diesem Stück, in dem behinderte und nicht behinderte DarstellerInnen gemeinsam spielen. Dass die Dialoge dennoch auf die jeweiligen SprecherInnen zugeschnitten wirken, liegt an der Art, wie dieses Stück erarbeitet wurde, nämlich in einer Reihe von improvisatorischen Prozessen, wie mir die Autorin nach der Probe erläuterte. Sie habe dann die Dialoge in eine feste Form gegossen. Jan Meyer, künstlerischer Leiter der FBM und Regisseur des Stücks, entwickelte daraus eine fantastische Reise durch die Welt der Ängste und Träume, auf die uns die fünf Protagonisten mitnehmen, auf der Suche nach sich selbst. Sie alle hat es auf einen Leuchtturm verschlagen, um dessen Erhalt sie sich kümmern. Dabei hat ein Sturm sie ganz auf sich  zurückgeworfen.

Von links: Ernst Strich, Magdalena Meier, (halb verdeckt) Luisa Wöllisch, Dennis Fell-Hernandez, Regina Gommel, in einer Szene aus „Milton’s Tower“, einer Produktion 2017,  der inkulsiven Freien Bühne München

Eine im Film und auf der Bühne häufiger gewählte Ausgangssituation, die hier jedoch eine ganz neue Perspektive entfaltet, auf Grund der Impulse, die die behinderten Mitwirkenden in das Spiel einbringen. Zu Unrecht wird inklusive Theaterarbeit oft mit einer gönnerhaften Haltung quittiert, nach dem Motto: „Soll den armen Behinderten doch auch einmal die Freude des Mitspielens vergönnt sein“.

Dennis Fell-Hernandez, Luisa Wöllisch und Ernst Strich

Diese Haltung entspringt reiner Unkenntnis. Vielmehr erlebe ich bei integrativen Inszenierungen, dass sie dem Publikum eine erweiterte Perspektive auf die Welt bieten, gerade dadurch, dass behinderte Mitmenschen, auf Grund ihrer besonderen Lebenssituation, eine ganz eigene und auch bewusstere Sichtweise auf das Leben mitbringen, als es in herkömmlichen Biografien der Fall ist, in denen so viel mehr selbstverständlich scheint. So schreibt auch die Freie Bühne München in ihrer Selbstdarstellung „WIR„: Inklusion – das bedeutet Vielfalt als Gewinn, ein buntes Miteinander, ohne Ausgrenzung, Diskriminierung und Behinderung durch Barrieren.

Schauspielerin Magdalena Meier

Nicht durch die schlichte szenische Wiedergabe gesellschaftlicher Normen fesselt mich ein Stück , sondern dadurch, dass mich sein Spiel darüber hinaus führt, zu neuen Überlegungen und – im besten Fall – Erkenntnissen. Und das Ganze bitte für mich in jenem Bühnenmodus, der – jenseits aller Kopflastigkeiten – schlichtweg verzaubert, durch Darstellung, Licht, Requisiten und einer ganzen Kaskade inszenatorischer Ideen. Für mich ist das der Magnet, der mich, trotz aller modernen Medien, noch immer ins Theater zieht und erklärt, warum sich diese Kunstform nicht schon mit den klugen Alten Griechen erschöpft hat, die bereits damals alle großen und kleinen, ewigen Themen des Menschen in Szene setzten.

Der Theaterwissenschaftler und Regisseur Jan Meyer, hier bei den Proben zu „Milston’s Tower“ (15.9.17), ist auch künstlerischer Leiter der Freien Bühne München

Auf all diese wunderbaren Zutaten des Theaters traf ich gestern, obwohl noch längst nicht alle Lichteffekte zum Einsatz kamen, und die Texte noch nicht komplett verinnerlicht waren.

Luisa Wöllisch wurde an der Freien Bühne München zur Schauspielerin ausgebildet; hinter ihr Ernst Strich

Besonders verzaubert hat mich das Spiel von Luisa Wöllisch, die zu jenen Künstlerinnen und Künstlern gehört, bei denen eine unerklärliche Ausstrahlung einsetzt, sobald sie eine Bühne betreten. Neben dieser Qualität kommt bei ihr aber auch solide erlerntes Handwerk hinzu: Nach ihrem Schulabschluss begann sie 2014 eine Berufsqualifizierende Maßnahme an der Freien Bühne München. Seit dem ist sie fester Teil des Ensembles. 2016 spielte sie in ihrem ersten Kinofilm „Die Grießnockernaffäre“ mit. Ab 2018 wird sie neben ihrer Tätigkeit als Schauspielerin zum ersten Mal auch als Schauspielcoach für die Freie Bühne tätig sein. (Quelle: > Homepage der Freien Bühne München)

Die Freie Bühne München ist das erste inklusive Theater in Bayern. Entsprechend ihrem Anspruch, Talente zu entdecken, zu fördern und Räume zum Ausprobieren zu schaffen. Schauspieler, Techniker, das Regieteam, mit und ohne Behinderung, sind Kollegen auf Augenhöhe, die gemeinsam professionell Theater machen.

Premiere: 29. September, 20 Uhr, Black Box, Gasteig München
Karten gibt es auf www.muenchenticket.de


Weitere Termine:

05. Oktober 2017, 20:00 Uhr, abraxas Theaterhaus Augsburg
Karten gibt es unter: 0821/32 46 355 (abraxas Büro)

13. Oktober 2017, 19:00 Uhr, Kleines Theater Haar
Karten gibt es auf: www.reservix.de

14. Oktober 2017, 19:30 Uhr, Wagenhalle, Pasinger Fabrik München
Karten gibt es hier oder unter 089-82 92 90 79

18. November 2017, 19:00 Uhr, Stadttheater Weilheim
Karten gibt es unter 0881/68 611 oder 0881/68 612 – Kreisboten Verlag

Aktueller Trailer
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