„Selbstverglorifizierendes Geschmatze“ – Verbitterung in ziganen Kreisen nach der Gedenkfeier zum Jahrestag des OEZ-Anschlags

Als „selbstverglorifizierende Geschmatze“ kritisiert Oliver Stey die Reden von Ministerpräsident Horst Seehofer und Oberbürgermeister Dieter Reiter zum Jahrestag des Anschlags am Münchner OEZ. Oliver  entstammt der Zirkus-Familie Stey, bezeichnet sich sich daher selbst als „Gaukler und Komödiant bzw. Reisender“ und zählt somit, wie Sinti, Roma und Jenische, zur ziganen Minderheit unserer Bevölkerung, die unter den neun Opfern des OEZ-Attentats junge Menschen aus ihren Reihen beklagen.

Dieter Reiter Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München Gedenkfeier Jahrestag des OEZ-Anschlags

Mit seiner Rede vermochte Oberbürgermeister Dieter Reiter nicht jeden zu erreichen; Foto: Oliver Stey

Bitter stößt Stey an der Rede des Oberbürgermeisters dessen Lob über den gelungenen Einsatz der Münchner Sicherheitskräfte auf. Das hätten die Angehörigen – mit einigen von denen er selbst eng verbunden ist – in diesem Rahmen nun wirklich nicht brauchen können. Zudem hätte das einen unguten Vorgeschmack auf Wahlkampf vermittelt, unangemessen bei einer solchen Gedenkfeier.

Eine sehr emotionale und auch kritische Rede hielt die Mutter des getöteten Can Leyla, Foto: O. Stey

Er verwies dabei auch auf die Rede, die die Mutter eines der Opfer gehalten und in der sie ein Versagen des Systems angeprangert habe. [Wird in Kürze als Video-Clip noch eingefügt.] „In der Tat hätte ein präventives Erkennen der seelischen Struktur des Attentäters, schon lange Zeit vor seiner Tat, viel größeren Nutzen bei der Erhaltung unserer gesellschaftlichen Sicherheit mit sich gebracht“, (…) schreibt Stey dazu auf Facebook. Nachdem sich der OB bisher – aus welchen Gründen auch immer – noch auf keiner einzigen, der ziganen Minderheit gewidmeten Veranstaltung habe blicken lassen, sei seine Teilnahme an dieser Gedenkfeier, noch dazu mit dieser Rede, ziemlich überflüssig gewesen, so Stey sinngemäß.

Noch mehr Frustration und Ablehnung löste in ziganen Kreisen die Rede des Ministerpräsidenten aus: Wie schon Dieter Reiter während der Trauerfeier 2016, im bayerischen Landtag, erwähnte er den „Antisemitismus„, den es gelte, zu bekämpfen, nicht aber den „Antiziganismus„! Er wünsche sich, „dass dieses neue Denkmal auch zum Mahnmal wird, ein Mahnmal für Frieden und Verständigung, für Hilfsbereitschaft und Solidarität, für Miteinander und Mitmenschlichkeit. Geben wir Hass und Gewalt, Hassparolen und Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus keine Chance.“ (Quelle/Details: muenchen.de)

Der Auschwitz-Überlebende Sinto Peter Höllenreiner (Bildmitte mit vierbeiniger Begleitung) bei der Gedenkfeier

Ein allgemeines Bekenntnis gegen Rassismus hätte schon gereicht, beklagte auch Alexander Diepold, Leiter des Beratungszentrums für Sinti und Roma „Madhouse“, aber angesichts der Tatsache, dass sich unter den Todesopfern junge Deutsche mit Sinti- respektive Roma-Wurzeln befanden, hätte, wenn schon der „Antisemitismus“, dann auch der „Antiziganismus“ Erwähnung finden müssen!

Sicher handelt es sich hier um einen Lapsus, doch zeigt dieser einmal mehr auf, dass die Präsenz von ziganen Mitbürger_Innen in unserer Mitte allzu oft schlichtweg übersehen wird, es sei denn in Zusammenhang mit Mißständen und „Täterzuschreibungen„, wie es Alexander Diepold mir gegenüber in einem Telefonat formulierte.

Edith Grube Stolpersteine in München Alexander Diepold Sinti und Roma Beratunszentrum Madhouse München

Alexander Diepold mit Aktivistin Edith Grube

Als aktuelles Beispiel nannte er den Beitrag in der Süddeutschen Zeitung, vom  4. Juli 2017 > Kriminalität > Titel „Wo ist Johnny?“ Erzählt wird von der kriminellen Karriere von „Johnny, dem Zigeuner„, als liefere dessen ethnische Abstammung die Begründung für seine kriminelle Vita gleich mit. Noch immer ist das Klischee der nomadenhaften, kriminellen und schmutzigen „Zigeuner“ in unserer Vorstellung verwurzelt. Reißerische Berichte über neueste Vergehen und bettelnde Banden von“Zigeunern“ untermauern solcherart Vorurteile und stehen einer differenzierten Betrachtung im Weg. Sicher ist die Anfälligkeit für Straftaten seitens Roma, die dem Prekariat in ihren Heimatländern im Osten zu entfliehen suchen, größer, als unter der Villenbevölkerung Grünwalds, was aber den sozialen Umständen und nicht der Ethnie geschuldet ist.

Nicht wahrgenommen als solche werden hingegen die integrierten ziganen Mitbürger_Innen, die mitten unter uns leben. Oft verschleiern sie sogar selbst ihre Herkunft, aus Angst vor beruflichen wie privaten Nachteilen.

Marcella Reinhardt, Bildausschn. Oliver Stey

Marcella Reinhardt, Mitbegründerin und Vorsitzende des Regionalverbandes deutscher Sinti und Roma in Augsburg, erzählte einmal, sie habe sich früher immer als Italienerin ausgegeben … Wie auch immer, zigane Mitbürger_Innen werden in negativen Zusammenhängen wahrgenommen oder gar nicht. Eine Forumulierung im Stil von „Johnny – das Zigeuner-Opfer“- dürfte  als Schlagzeile schwer zu finden sein. Alexander Diepold beklagt im Zusammenhang den medialen Umgang mit einem schrecklichen Anschlag im Münchner Bahnhofsviertel, am 2. November 2016: „In dem betroffenen Wohnhaus, einer Schrottimmobilie, waren an südosteuropäische Mitbürger, zu horrenden Preisen, mehr oder weniger verschimmelte Zimmer vermietet worden. Dort (Dachauer Str. 24) wurde ein Brandanschlag verübt, bei dem ein junger Vater, mit seinen 9 und 16jährigen Töchtern, bulgarische Roma, starben. Beim OEZ-Anschlag kamen zwei junge Sinti, Roberto Rafael und Guiliano Kollmann, zu Tode. Insgesamt kamen also im letzten Jahr in München fünf junge Menschen aus der Minderheit der Sinti und Roma bei Anschlägen ums Leben, doch dass es sich bei den Opfern um Angehörige unserer , Minderheiten handelte, kam überhaupt nicht zur Sprache.“

Das Denkmal für die Opfer des Anschlags am Olympia-Einkaufszentrum am 22.7.2016, Foto: Oliver Stey

Täglich konfrontiert mit diesen Problemen wird Alexander Diepold, in der von ihm geleiteten Beratungsstelle „Madhouse„, die sein Lebenswerk ist und am 26. September 30. Jubiläum feiert. [Hierüber werde ich an gleicher Stelle zeitnah berichten.] Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Jubiläum, in der Öffentlichkeit, auf medialer wie auf politischer Ebene, die Würdigung erfährt, die unsere Gesellschaft nicht nur dieser städtischen Einrichtung sondern auch deren ziganer Zielgruppe schuldet.

Alexander Diepold ist Geschäftsführer von „Madhouse“, der Beratungsstelle für Sinti und Roma in München, die am 26.9.2017 ihr 30jähriges Bestehen feiert!

Von ihrer Musik lassen wir uns ach so gerne verzaubern und von ihrer Carmen verführen, die Menschen hinter diesen Gemeinplätzen jedoch sind wir noch immer nicht imstande noch wirklich willens, angemessen wahrzunehmen. Dieses Manko fand nun wieder eine traurige, wenn auch sicher versehentliche, Bestätigung im Rahmen der Rede von Ministerpräsident Horst Seehofer. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ihm, beziehungsweise seinem Reden-Schreiber zwangsläufig eine tatsächliche Nähe zu den Opfern fehlte.

Im Gebet vereint … Foto: Oliver Stey

Doch sollte es nicht bei solchen Ansprachen, die in Zusammenhang mit Tragödien stattfinden, jenseits von Protokoll und politischem Kalkül, um Respekt für die Opfer und um ein wenig Trost für die Hinterbliebenen gehen? Dieses ist im Fall von zumindest fünf der Opfer des OEZ Anschlags nicht gelungen, nicht 2016 und erneut nicht 2017 und sorgt inzwischen für entsprechenden Unmut – um die Stimmung in der ziganen Bevölkerung euphemistisch zu umschreiben.

Persönlich würde ich mir wünschen, dass bei solchen Anlässen unsere „Offiziellen“ Tribut durch Anwesenheit zollen, das Wort jedoch geistlichen Begleiter_Innen  und vor allem den Betroffenen selbst überlassen sollten …


R.I.P. Armela Segashi

R.I.P. Can Leyla

R.I.P. Dijamant Zabérgja

R.I.P. Guiliano Kollmann

R.I.P. Hüseyin Dayicik

R.I.P. Roberto Rafael

R.I.P. Sabine S.

R.I.P. Selcuk Kilic

R.I.P. Sevda Dag


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Standard

In der Löwengrube? Ministerpräsident Horst Seehofer im PresseClub

Wohin auch immer in der Welt er während seiner langen politischen Laufbahn gekommen sei, sei „Bayern schon da gewesen“, äußerte der Ministerpräsident heute Vormittag launig im Rahmen von knapp zwei Stunden, in denen er im PresseClub Rede und Antwort stand. Angesichts der aktuellen politischen Lage und weil er schon länger nicht mehr im Club zu Gast gewesen war, fiel der Medienandrang entsprechend groß aus: ARD, ZDF, RTL sowie die lokalen Medien BR und TV München hatten sich jeweils in mehrköpfiger Teamstärke in den überschaubaren Räumlichkeiten des Clubs eingefunden. Dazu Vertreter der Printmedien jeglicher Couleur … und mittendrin eine Bloggerin, die kaum eine Chance auf einen guten Schnappschuss hatte, angesichts des Andrangs 😉

Daniela Philippi, die herzlich entspannte Pressesprecherin des Ministerpräsidenten, erschien als erste. Persönlich habe ich sie sehr positiv in Erinnerung, seit ich bei Vorbereitungen zur Verleihung des Simon-Snopkowski-Preises in einer  kniffligen protokollarischen Frage nicht weiter wusste und mich an sie wandte. Kollegialität statt Allüren – wie schon in früheren Blogs erwähnt, nicht immer und überall ein selbstverständliches Verhalten! Auch mein Name war ihr erfreulicherweise in Erinnerung geblieben. Wir stellten fest: „Philippi“ – „dos Santos“ = zwei sehr nützlich markante Namen im PR-Geschäft …

Kurz vor knappp fand sich erwartungsgemäß auch Charlotte Knobloch, Präsidentin der Jüdischen Gemeinde München ein, inklusive Bodyguards und der vertrauten Aureole wichtiger Unnahbarkeit. Ein Eindruck, der vielleicht täuscht, aber Unnahbare lernt – per Definition – kaum jemand näher kennen. Jedenfalls eskortierte das übliche gezischte „Ach ja, da ist ja auch wieder Charlotte“  ihren Gang durch die inzwischen drangvolle Enge des Raumes. Die Dame hat sich offensichtlich in der Stadt nicht nur Freunde gemacht, nicht zuletzt wegen ihres vielerorts als eigenmächtig empfundenen Engagements GEGEN die Verlegung von Gedenk-Stolpersteinen.  Zu diesen s. auch die engagiert von Terry Schwarzberg betreute Seite: https://www.facebook.com/groups/stolpersteine.muenchen/

Bayerischer_Ministerpraesident_Horst_Seehofer_Charlotte_Knobloch_PresseClub_jourfixe-Blog_Gaby_dos_Santos

Alle Kameras richten sich auf den bayerischen Ministerpräsidenten. Ganz links im Bild Charlotte Knobloch, Präsidentin der Jüdischen Gemeinde München

Der Ministerpräsident traf pünktlichst ein, eine Eigenschaft, die mir schon früher positiv bei ihm aufgefallen und leider nicht sehr verbreitet ist. Im Gegenteil. „Wichtig“ lässt gerne warten. Angenehm fand ich auch, dass Horst Seehofer, als er vor die Wahl gestellt wurde, ob er zunächst eine Rede halten oder gleich Fragen beantworten wolle, sich für letzteres entschied. Mit (häufig sorgfältig austarierten) Ansprachen habe ich so meine Probleme, während hingegen Fragen im PresseClub spontan gestellt und beantwortet werden.

Zu PEGIDA: Unser Vorsitzender, Ruthard Tresselt, startete gleich mit der ersten Frage „in die Vollen“: Was denn der Herr Ministerpräsident zu der pauschalen Aburteilung der PEGIDA Anhänger seitens des deutschen Justizministers als „Nazis in Nadelstreifen“ meine. Spannende Frage, deren Antwort elegant umgangen wurde. Seehofer erklärte „diese Bewegung für überschätzt“. Auch habe er gehofft, dass PEGIDA, nach den tragischen Vorfällen in Frankreich, ihre Kundgebungen absagen würde. Lob aber gebühre der Bevölkerung, gerade in München, die so massiv opponiert und so demonstriert habe, dass man mit den „abscheulichen Parolden der PEGIDA-Rädelsführer nichts am Hut habe“. Grundsätzlich solle man bei Kundgebungen zwar immer hinterfragen, was die Menschen auf die Straße treibe, aber in „keine Olympiade der Parolen“ einsteigen.

Sehr gut fand ich, dass der Ministerpräsident, in Zusammenhang mit seinem Bedauern bezüglich der Vorgänge in Paris, ausdrücklich das Erscheinen des palästinensischen Präsidenten würdigte und als ein wichtiges Zeichen wertete – Letzteres wiederum mit Blick in Richtung von Frau Knobloch. Dieses Detail im Rahmen der Pariser Trauerfeierlichkeiten hatte ich als seitens der Medien unbefriedigend unkommentiert empfunden.

Bayern und die 3 Säulen der CSU:  Der Ministerpräsident betonte, Bayern sei nach wie vor ein christlich geprägtes Land, das in einer langen langen christlich-jüdischen (mit Blick auf Frau Knobloch) Tradition stünde, sich an den christlichen Sittengesetzen und der christlichen Soziallehre orientiere. Diese Haltung beinhalte auch Respekt für andere Religionen und darüber hinaus für deren freie Entfaltung. Daraus resultiere „die Weltoffenheit Bayerns„.

Vorratsdatenspeicherung: Von Charlotte Knobloch auf seine Einstellung zur Vorratsdatenspeicherung befragt, zeigte sich Seehofer erwartungsgemäß als „pro“, allerdings unter strikten Auflagen, also nur nach richterlicher Genehmigung und bei Verdacht auf schwere Straftaten. Auch die Kanzlerin teile diese Ansicht. Er gehe  davon aus, dass die Vorratsdatenspeicherung früher oder später kommen werde, weil unverzichtbar in einer globalisierten Welt.  Seehofer sprach sich für eine „wehrhafte Demokratie“ aus und bedauerte die Unzulänglichkeit der EU-Außengrenzen. Hier müssten die Vereinbarungen zuverlässiger umgesetzt werden, als bisher. Dies habe de Maizière auch bei der letzten EU-Innenminister-Konferenz eins zu eins so kundgetan.

Flüchtlingspolitik/Integration in Bayern: Ein kurdischer Journalist schnitt das Thema an, zu dem Seehofer ein „3-Säulen-Modell“ für den Freistaat skizzierte:

1. Humanität und Solidarität bei der Aufnahme von Flüchtlingen: Und- nicht nur Kirchen und humanitäre Verbände würden hier Engagement und Solidarität zeigen, sondern inzwischen auch breite Teile der Bevölkerung, ganz im Unterschied zu der Flüchtlingsbewegung Ende der 80er / Anfang der 90er Jahre. Ebenso positiv zeige sich die Bevölkerung übrigens gegenüber der Anwerbung ausländischer Fachkräfte, die vor 20 Jahren noch als Konkurrenz betrachtet worden waren. Seehofer wies auch darauf hin, dass in Bayern der Anteil an Migranten höher sei, als beispielsweise in Berlin.

2. Gerechtigkeit: Gerade im Sinne einer breiten Solidarisierung mit Flüchtlingen in schweren Notsituationen, sei jedoch den Bürgern nicht zu vermitteln, wenn auch, wie zum Beispiel häufig aus den Balkan-Staaten, Menschen Asyl beantragten, deren Existenz nicht gleichermaßen bedroht sei, wie die anderer Flüchtlinge. Eine Einhaltung der Rechtsordnung sei hier unabdingbar.

Diesen Punkt empfand ich als etwas zu schwarz-weiß abgehandelt. Ich finde: Man muss nicht unmittelbar vom Tod bedroht sein, um sich dennoch in der Heimat Umständen ausgeliefert zu fühlen, die wir in Deutschland als unzumutbar empfinden würden.

3. Hilfeleistungen in den Heimatländern vor Ort: Gegen den dritten Punkt in Seehofers Modell lässt sich wiederum nichts einwenden. Vor allem Hilfe zur Selbsthilfe ist dringend gefordert, aber leisten wir Wohlstandsländer diesbezüglich auch wirklich genug? Um dies  beurteilen zu können, fehlen mir leider – wieder einmal – die nötigen Hintergrundzahlen.

Horst_Seehofer_Daniela_Philippi_PresseClub-Muenchen_jourfixe-Blog_Gaby_dos_Santos

Daniela Philippi, die Pressesprecherin, folgt konzentriert den Ausführungen ihres Chefs

 Seehofers Rückzug aus der Politik/Presse-Spekulationen: Zur Sprache kam natürlich auch Seehofers Ankündigung, sich nach der nächsten Landtagswahl zurück ziehen zu wollen. Erwähnt wurden dabei natürlich die Presse-Gerüchte um einen möglichen Rückzug vom Rückzug, falls es Seehofer nicht gelingen sollte, sein Amt „harmonisch auf die nächste Generation“ zu übertragen. Solcherart Spekulationen wies Seehofer entschieden zurück. Eine nahtlose Übergabe des Amtes sei dabei sein Ziel, dann wäre seines ein „rundes Werk„, und er sehe in keiner Weise, warum sich dieser Vorsatz nicht erfüllen sollte.

Nun ja, sein Wunsch in unser aller Ohren, aber diesbezüglich befinden wir uns a) auf politischem Parkett und b) hier in Bayern und wenn ich zurückblicke, was sich in der jüngeren Vergangenheit, nach dem Tod von Franz Joseph Strauß bzw. dem Abgang von Stoiber, für Rangeleien, Kungeleien und Schlammschlachten rund um die Nachfolge abgespielt haben, dann bin ich mir keineswegs sicher, ob alles so nahtlos ablaufen wird, wie heute in Aussicht gestellt.

Seehofer schmunzelte, im Duo mit seiner Pressesprecherin, bei seiner lakonischen Feststellung:„Es freut mich zu lesen, was ich so denke“.  Er überlege sich von Fall zu Fall sehr genau, ob er einen solchen Beitrag kommentieren oder übergehen solle. Kürzlich habe er verwundert die Kanzlerin angerufen, weil laut Presse der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, die Maut kritisiert haben sollte. Seehofer habe davon nichts gewusst, ebenso wenig wie Angela Merkel … Jedenfalls laut Seehofer. „Beliebt“ wie die Maut allgemein ist, würde es mich nicht wundern, wenn da doch so das eine oder andere Wort des Vorbehalts zunächst gefallen und dann zurück genommen worden wäre. Aber nun spekuliere ja ich!!!

In puncto EU forderte Seehofer mehr Zusammenhalt in großen Fragen, wie den derzeitigen humanitären und weniger EU in den kleinen Fragen. Und was die Gen-Technik anbelange, so bleibe Bayern Gen-frei und habe darüber auch alleine zu entscheiden, nicht die EU!  „Gut gebrüllt Bayerischer Löwe!“, kann ich nur beistimmen …

Seehofer_Ministerpraesident_Bayern_im_PresseClub_vor_ARD_ZDF_RTL-jourfixe-Blog_Gaby_dos_Santos

Bayerische Ministerpräsidenten erlebe ich ein Stück weit als „Bayerische Löwen“, den heutigen „Löwen“ als in einer Löwengrube voller kritischer Journalisten, …

Zu diesem Punkt und bezüglich vieler weiterer Punkte, die ich in diesem Blog teilweise zusammengefasst habe. Heute erlebte ich alles in allem und wie so oft im PresseClub, einen ganz anderen Menschen, als auf Grund von Medienberichten erwartet. Aber, um beim Bild zu bleiben, der Löwe befand sich auch gerade in einer Löwengrube voller kritischer Journalisten … Die Krux mit aller Politik, die über kommunale Belange hinausgeht, ist ja genau die: Wo endet die Wahrhaftigkeit und wo beginnt rhetorisches Taktieren? Und ist erstere unhaltbar und letztere unvermeidbar in der Großen Politik? Politik in einer Demokratie bleibt ein ständiger Balance-Akt der Kompromisse, der sich von Außenstehenden nie ganz nachvollziehen, geschweige denn bewerten lässt. Umso wichtiger bleibt für mich der persönliche Eindruck UND das persönliche Weiterverfolgen politischer Entwicklungen in Bezug auf die zuvor geäußerten Statements. In diesem Fall sehe ich dem politischen Aschermittwoch der CSU gespannt entgegen …

Und übrigens: Mal sehen, wie sich nächsten Donnerstag die FDP auf ihrem Neujahrsempfang positioniert. Davon werde ich in Kürze an gleicher Stelle berichten.

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Seitens Herrn Dr. h.c. Georg Engel, Chefredakteur und Herausgeber des Online-Magazins Ungarn-Panorama

http://www.ungarnpanorama.com/201404/startseite.php

sind mir nachträglich die Links einiger Ausschnitte obiger Pressekonferenz mit Ministerpräsident Horst Seehofer netterweise übermittelt worden, die ich, mit Dank an Herrn Engel, meinem Beitrag hinzufüge.

Ministerpräsident Horst Seehofer im PresseClub München Teil 1
Diskussion über: Pegida, Meinungsfreiheit, Sicherheitspolitik, Migration, Vorratsdatenhalterung
Moderator: Ruthart Tresselt, Vorsitzender des Internationalen PresseClubs München.
http://youtu.be/kC1ynEq5yJM

Ministerpräsident Horst Seehofer im PresseClub München Teil 2
Diskussion über: Sengen-Abkommen,  Aussenkontrolle, Integration, Zuwanderung
Moderator: Ruthart Tresselt, Vorsitzender des Internationalen PresseClubs München.
http://youtu.be/zpYiObfYgy0

Ministerpräsident Horst Seehofer im PresseClub München Teil 3
Diskussion über: Rücktritt, Migration, Wiedereinreise, Bayernkaserne
Moderator: Ruthart Tresselt, Vorsitzender des Internationalen PresseClubs München.
http://youtu.be/L0EtamqzlMs

Ministerpräsident Horst Seehofer im PresseClub München Teil 4
Diskussion über: Stammstrecke, Konzertsaal, Länderfinanzausgleich
Moderator: Ruthart Tresselt, Vorsitzender des Internationalen PresseClubs München.
http://youtu.be/G0EMPDkBbcs


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