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Geburtstag auf Wolke 7: Fotostrecke, Kommentare und weiterführende Links zur Künstlerfeier an meinem 60. Geburtstag, 4. Juni 2018, bei Terry Swartzberg in München

Runde Geburtstage verleiten mich regelmäßig zum Kassensturz: Wo genau stehe ich an diesem Stichtag, in Bezug auf meine Pläne, Ziele, Überzeugungen und auf meine Gefühlswelt? Und wer steht an meiner Seite, beziehungsweise mir zur Seite? Nehme ich den aktuellen, sechzigsten Geburtstag zum Maßstab, fällt meine biografische Zwischenbilanz um so vieles besser aus, als mir selbst bislang bewusst war. Von der Zuneigung meiner Gäste fühlte ich mich regelrecht eingelullt, von vielen liebevollen Gesten, Zuwendungen, Worten und künstlerischen Darbietungen. Dass die Gästeliste sich fast ausschließlich aus künstlerischen WegbegleiterInnen und engen KooperationspartnerInnen unterschiedlichstem Datums zusammensetzte, spielte dabei für mich keine Rolle, denn in meinem Leben verlaufen die Grenzen zwischen künstlerischer, beziehungsweise kultureller Arbeitswelt und Privatleben seit Jahrzehnten fließend.

Glücklich – Gaby dos Santos am 60. Geburtstag. Links im Hintergrund Christiane von Nordenskjöld, Kustodin (Ateliermuseum) der Magda-Bittner-Simmet-Stiftung

Die prägnantesten Momentaufnahmen, festgehalten von mehreren Gästen, habe ich in nachstehender Fotostrecke zusammengestellt, kommentierjt und verlinkt, weil diese nicht nur eine schöne Erinnerung für mich – und hoffentlich für meine Gäste – darstellen, sondern auch widerspiegeln, wofür die Kulturplattform jourfixe-muenchen steht. Nachfolgendes Gruppenfoto zeigt zwar nicht alle der geladenen !80 Gästen, aber einen guten Querschnitt:

Kurz vor Beginn der Künstler-Session: HINTEN von links: Manuela Rosenkind (Illustratorin, Autorin „Mia Meilenstein„), Harry Rosenkind (Musik-Promoter, Schlagzeuger der Kultrockband „Sahara“), Elisabeth Sorger (Malerin, Sprecherin der MKG-Münchner Künstlergenossenschaft), Reiner Mauthe, Catherine Houdayer (Modeexpertin), Jörn Pfennig (Lyriker, Bestseller mit „Grundlos zärtlich“), ganz an der Wand Arno Baum (Musik-Booker, Bassist der Progressive-Rockband PROGNOSTIC) und ansatzweise zu sehen Piaistin Masako Ohta; MITTLERE REIHE im Sessel: Ulrike Keil (Musikwissenschaftlerin, Pressechefin von Musikerlebnis/Tonicale, musica femina münchen) mit Ehemann, Michaila Kühnemann (Film- und Radiomacherin RADIO MÜNCHEN, Kabarettistin, Liedermacherin), Peter Lang (Inhaber Artist Studio München, als Musiker Mitbegründer der ungarischen Kultbands Hungaria und Omega), Claudia Cane (Rockröhre), VORNE, neben mir, Christine Weissbarth (Schauspielerin, Moderatorin und Referentin bei der Hanns-Seidel-Stiftung) sowie, halbverdeckt, Cecilia Gagliardi (Sängerin, Gitarristin, Theater im Roßstall/Germering)

Die  Kulturplattform jourfixe-muenchen steht seit fast zwanzig Jahren für kulturelle und künstlerische Vielfalt, mit dem Ziel gegenseitiger Inspiration und der Bildung von Synergien. Diese Vielfalt spiegelte sich in der Geburtstagsfeier wieder: Die Künstler- und Kulturschaffenden des jourfixe sind unterschiedlichster Couleur, doch bilden Know How, Offenheit und Interesse gegenüber anderen Kunstformen, Freude an künstlerischen Synergien und multidisziplinären Projekten einen kittenden, gemeinsamen Nenner. Als Mitglied kann man sich bei uns nicht bewerben; statt dessen spreche ich gezielt Kunst- und Kulturschaffende an, die ich mir als Bereicherung unseres künstlerischen Pools erhoffe, zur Entwicklung gemeinsamer Projekte und gegenseitigen Unterstützung.

Gastgeber Terry Swartzberg, Journalist, PR-Fachmann und Vorsitzender von „Stolpersteine für München e.V.“ stellte mir für meine Geburtstagsfeier sein historisches Häuschen am Nockerberg zur Verfügung und ermöglichte so einen unvergesslichen Abend! Foto: Dirk Schiff (portraitiert.de)

Apropos gegenseitige Unterstützung: Eben mal sein ganzes Haus für die Feier zu meinem 60. Geburtstag zur Verfügung stellen – das macht ihm so schnell keiner nach und entspricht seinem Wesen: Für den Kosmopoliten Terry Swartzberg sind Aufgeschlossenheit, soziales Engagement (u.a. in seinen PR-Kampagnen) und phantasievoll gestaltete Lebensfreude zwei Seiten einer Medaille. Nach rund 25 Jahren als Korrespondent für die International Herald Tribune, gilt sein großes Engagement seit einigen Jahren dem Verein Stolpersteine für München e.V., dem er vorsteht und mit dem er aktuell ein großes Sommerfest vorbereitet, am Mittwoch, 20. Juni 2018, um 20 Uhr, bei freiem Eintritt im Jüdischen Museum München, mehr unter jourfixe-News. Und einmal mehr ist einfach jede/r herzlich willkommen! Ohne Anmeldung und bei freiem Eintritt.

„Gabys gute Geister“ nannte meine Freundin Edith Grube Reiner Mauthe, Marianne Niederkofler, Sigi Blässer und Jon Michael Winkler; Letzterer ist nicht nur mein enger Vertrauter sondern auch Erster Vorsitzender des jourfixe-Vereins. Für mich bedeuten die vier Menschen auf obigem Foto weit mehr als Mainzelmännchen! Mit ihnen ist in Teilen mein Leben verwoben. Fest steht aber auch, dass  ohne deren Hilfe diese Geburtstagsfeier gar nicht zu stemmen gewesen wäre. Der untere Bildteil zeigt einen Ausschnitt des üppigen Büffets: Alle Gäste waren gebeten worden, Speisen und Getränke anstelle von Geschenken mitzubringen. Foto: Stey

 

Geburtstagskind Gaby dos Santos führt Prof. Thomas Pekny, Intendant Komödie im Bayerischen Hof, durch Terry Swartzbergs historisches Domizil am Nockerberg, Foto: Oliver Stey

 

Theaterwelten: Angelica und Lili Fell, Geschäftsführung der inklusiven FBM-Freien Bühne München mit Thomas Pekny, Chef der Komödie im Bayerischen Hof; Foto: Dirk Schiff

 

Kommt Moses nicht zum Berg … Nachdem es im Winter wegen einer Endlosschlange nicht möglich gewesen war, das Rockmuseum im Olyimpiaturm zu erreichen, kam dessen Betreiber, Herbert Hauke eben zu uns. Neben ihm seine Frau Gabi, Tourbegleiterin und Assistentin von Sissi Perlinger; Foto: Schiff

 

Foto links: Die finnische Sängerin Tuija Komi im Gespräch mit musica-femina-Grafikerin Irmgard Voigt; Foto rechts: Claudia Strauch (Strauch Media) im Gespräch mit Behar Heinemann, links und  Petra Windisch de Lates (Vorstand Lebensbrücke e.V. und J.I.M.-Jazzmusiker Initiative München)

 

Foto links: Das Sänger-Ehepaar Maya und Charles Logan; Rechts schneide ich eine der Geburtstagstorten an, die mir Gäste gebacken haben, assistiert von Gabi Hauke, dahinter jourfixe-Gründungsmitglied Angelika Grimm (Sozialpädagogin); Foto: Elisabeth Sorger

 

V.l. Alexander Diepold (Madhouse), hat gerade in München den alljährlichen Gedenktag für die im Holocaust ermordeten Sinti und Roma durchgesetzt, daneben Eva Giesel, Litag Theaterverlag, rechts Uta Horstmann, Bundesverdienskreuzträgerin für ihr lebenslanges Engagement für Sinti & Roma, auf den Stufen Esthera und Artur Silber (Musik-Manager DownTown Studios,PR–Agentur Silberpfeil, Schlagzeuger, u.a. PROGNOSTIC)

 

Unter den Nazis wurden ihre Ethnien unter dem Sammelbegriff „Zigeuner“ verfolgt, doch hier ist Differenzierung angesagt: Von links: Oliver Stey, aus einer Zirkus- und Schausteller-Dynastie, der das größte Privatarchiv dazu führt, die schillernde Behar Heinemann, eine, wie sie es selbst formuliert „stolze Rom“ (Autorin und Kulturmanagerin) sowie der Sinto Alexander Diepold (Madhouse-Chef), dem München seit diesem Jahr einen festen Gedenktag für die verfolgten Sinti & Roma verdankt; Fotos: Dirk Schiff

 

Fotografin Anne Schiff – Mit ihr und ihrer Familie erlebe ich immer wieder kuschelige private Stunden; Rechts Stephanie Bachhuber (Bayer. Staatsoper) Am Vortrag meines Geburtstags feierten wir den 20. Jahrestag unserer Freundschaft! Fotos: Dirk Schiff

 

Geniales Geschenk von Naomi Isaacs (Institute for Charismology): Ein Kaleidoskop – zeitlose Freude! Links von ihr Reiner Mauthe, rechts Sänger Charles B. Logan, an der improvisierten Bar; Rechtes Bild: Ulrich Floßdorf, Traumatherapeuth etc. bei Alexander Diepolds Familienberatungsstelle Madhouse; Foto: Stey

 

Die finnische Sängerin Tuija Komi kam auf Krücken! Und verstand sich mit Gastgeber Terry Swartzberg offensichtlich prima. Für mich ist sie ein veritabler Sonnenschein, kann aber auch „traurig“ und sang später bei der Session à capella ein melancholisches finnisches Gänsehaut-Lied; Fotos: Dirk Schiff

 

Von links: Petra Windisch de Lates (Vorstand Lebensbrücke e.V. und J.I.M.-Jazzmusiker Initiative München), Kriminalautorin Sabine Vöhringer („Die Montez Juwelen„) Michaila Kühnemann, Radio München, Moderatorin, Filmemacherin, Kabarettistin, Musikerin, Foto/Ausschnitte von Oliver Stey

 

Blick von Terry Swarzbergs Terrasse in den Innenhof. Von vorne links: Dr. Ulrich Schäfert, Leiter Kunstpastoral der Erzdiözese,, Grafikerin/Illustratorin Elena Buono, Heidi und Peter Lang, Artist Studio und Kulturjournalistin Heidi Weidner; ganz re. Sängerin Tuija Komi; Foto: Oliver Stey

 

Totale des Innenhofs – Im Vordergrund zu sehen ist Regisseur Rüdiger Nüchtern, ganz hinten wird es Italienisch: An der Wand die Grafikerin und Illustratorin Elena Buono und vor Ihr die Sängerin und Kabarettistin Cecilia Gagliardi, die einer römischen Künstlerdynastie entstammt; Foto: Dirk Schiff

Links neben Musikerin Cecilia Gagliardi (Theater im Roßstall/Germerin) die japanische Pianistin Masako Ohta, bei der ich mich fragte, wie sie aus einem Keyboard in Schoß-Format derart perlende Klänge zu zaubern vermochte. Rechts Sängerin Linda Jo Rizzo, die kürzlich das Hippodrom zum Kochen brachte. Foto-Ausschnitte: Dirk Schiff

Höhepunkt der Feier waren sicherlich die Geburtstagsständchen der MusikerInnen unter den Gästen sowie ein eigens zu meinem Geburtstag getextetes Gedicht SIXTY SEXY GABY des Lyrikers Jörn Pfennig! Große Freude! …

Lyriker Jörn Pfennig, zwei Ausschnitte von Fotos von Dirk Schiff

Vorbemerkung:

Eines Deutschen Dichters Scheitern
ist für ihn und die Welt ein wahrer Graus.
Doch manchmal kann es beide auch erheitern –
probieren wir’s doch einfach mal aus:

Das Gedicht:

Der Deutsche Dichter muss ja nicht denken –
von dieser Pflicht hat sein Volk ihn befreit
um sie dem Deutschen Denker zu schenken
der sich immer schon sehr
aber seither noch mehr
schier unglaublicher Bedeutung erfreut.
(… mehr)

Stimmungsbild während der temperamentvollen Performance von Jazz-Sängerin Jenny Evans; rechts außen Hausherr Terry Swartzberg, neben ihm Jazz-Sänger Thomas de Lates, Foto: Oliver Stey

 

Zwei Momente der Performance von Jazz-Sängerin Jenny Evans: Ein peppiges Lied à capella und aus eigener Feder über die Vorzüge reifer Frauen; Jennys Auftritt berührte mich sehr, denn oft war ich früher in ihrem Jazz-Lokal Jenny’s Place zu Gast gewesen und hätte mir nie träumen lassen, sie einmal als Geburtstagsgast zu begrüßen … Foto-Ausschnitte: Dirk Schiff

 

Csaba Gal, Leiter des Künstlerkreises Kaleidoskop und Cecilia Gagliardi (‚Theater im Roßstall/Germering) singen „Bella Ciao“, das „House Of Rising Sun“ Italiens, Foto: Dirk Schiff

 

Mitwirkende an der Künstlersession: Jazz-Sänger Thomas de Lates und zwei der Musiker der Progressive-Rockband PROGNOSTIC: Keyborder Martin Stellmacher und Sänger Charles B. Logan

 

Vertraute aus wilden Zeiten: Journalistin Daniela Schwan (rechts neben mir). Links zu sehen ist Kabarettistin Karin Engelhard. Dahinter Klaus Onnich, Kurator MVG-Museums – Foto: Dirk Schiff

 

Ein schönes Portrait-Foto von Kulturjournalistin Daniela Schwan; Foto: Dirk Schiff (portraitiert.de)

 

Mit meinem alten Freund aus wilden Datscha-Zeiten, Zarko Mrdjanov, Gitarrist von Massel Tov, meiner Schwägerin Sigi und Heidi Lang vom Artist Studio, Foto: Dirk Schiff

 

Elisabeth Sorger, Malerin und Sprecherin der MKG – Münchner Künstlergenossenschaft, Martin Hubensteiner, Ausstellungsmacher der LV1871, Gaby dos Santos und Christine Weissbarth, Referentin/Moderatorin der Hanns-Seidel-Stiftung, Foto: Dirk Schiff

 

In der Mitte Claudia Weigel, (Parlamentarische Beraterin Hochschul- und Kulturpolitik, Fauenpolitik für die BayernSPD Landtagsfraktion), links Autorin Gunna Wendt, nach deren Biografie über Franziska zu Reventlow wir zur Zeit, gemeinsam mit Musikerin Michaela Dietl, eine Collage zum 100. Todestag produzieren

 

Renate Lettenbauer und Lising Pagenstecher, wie ich Mitglieder von musica femina münchen    und Rockröhre Claudia Cane, die später Janis Joplins „Mercedes Benz“ sang; Foto: Dirk Schiff

 

Meine Freundin Edith Grube, Tochter und Nichte der KZ-Überlebenden Werner und Ernst Grube; Aktivistin (Stolpersteine für München e.V.) und Verwaltungssupervisor bei Madhouse, mit ihrem Mann Robert; Links: Harry Rosenkind (Musikpromoter und Schlagzeuger der Kult-Rockband „Sahara„)

 

Meine Collage über Textdichter Bruno Balz brachte mich mit diesen beiden Herren zusammen: Mein Bühnenpartner Lutz Bembenneck (li) und der „Experte“ für die Talkrunde nach der Aufführung, Albert Knoll, Archivar der KZ-Gedenkstätte Dachau und Vorstand des Forums Homosexualität München,

 

Unsere beiden jourfixe-Fotografen einmal selbst vor der Linse von Oliver Stey: Links: Dirk Schiff/ portraitiert.de und rechts Bernd Sannwald, ein As in abstraktv wirkender Detail-Fotografie

 

Dieses Portrait von Naomi Isaacs fand Dirk Schiff (portraitiert.de) so ansprechend, dass er spontan beschloss, es in seine neue Herbst-Ausstellung „Münchner und Zuagroste“ einzubeziehen. Wie bereits seine erfolgreiche Ausstellung im Vorjahr mit Uschi Glas, „We are all the same“, findet die Vernissage im Hotel Le Méridien statt, diesmal zugunsten von Jutta Speidels HORIZONT e.V.

 

Es ist spät geworden … Christiane von Nordenskjöld, Kustodin (Ateliermuseum) der Magda-Bittner-Simmet-Stiftung im Gespräch mit Jon Michael Winkler;; Foto: Stey

 

Ein glückliches Geburtstagskind sagt: „Danke!“


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Im Schatten der Laterne – Nachlese zur Aufführung des „Lili Marleen“-Historicals in der Hanns-Seidel-Stiftung München

Am Ende war das Publikum eingeladen, selbst „Lili Marleen“ zu singen, an der Gitarre begleitet von Artur Kolbe, Referatsleiter bei der Hanns-Seidel-Stiftung und Gastgeber des Abends, von dem auch die Idee stammte.

Artur Kolbe, Referatsleiter bei der HSS und Gastgeber des Abends; Foto: Julia Forbes

Zugegebenermaßen: Im Vorfeld stand ich diesem Vorhaben ziemlich skeptisch gegenüber – Publikumsreaktionen sind schwer einzuschätzen – und Toni Netzle befand, in der ihr eigenen, drastischen Art, das Lied im Publikum zu singen, sei ein „Sakrileg“. Mir hingegen bescherte es wider Erwarten einen hoch emotionalen Moment, den ich als Echo des Publikums auf das empfand, was wir zuvor hatten Revue passieren lassen: Die Geschichte des Liedes von „Lili Marleen“, ihrer Soldat_Innen und der an ihrem Erfolg beteiligten Künstler_Innen.

Toni Netzle und ich während der Präsentation; Foto: Julia Forbes

Einigen Gästen standen beim Singen Tränen in den Augen,  verbanden sich doch für sie, wie sie mir teilweise später erzählten, mit diesem Lied ganz persönliche und auch tragische Erinnerungen. Andere Zuschauer_Innen hingegen sahen in diesem Augenblick das Gespenst des Nationalsozialismus erneut heraufbeschworen, zu eng schien ihnen das Lied mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte verwoben …

Vor der HSS: Filmemacherin Iovanka Gaspar, die die beeindruckende Dokumentation „Dui Rroma“  über die Begegnung zweier ziganer Generationen vor dem Hintergrund des Holocaust gedreht hat; neben ihr unsere Sinteza-Freundin Ramona Röder, Foto: Edith Grube

Einige unserer Gäste mit ziganem Hintergrund erinnerte „Lili Marleen“ nicht nur an das Leid, dass ihren Familien im Dritten Reich widerfahren war, sondern auch an die traumatische Zeit der Balkan Kriege vor zwanzig Jahren, denn dieses Lied ist weitaus mehr, als nur Relikt aus nationalsozialistischen Schreckenszeiten. Zwar trat es 1941, über den Wehrmacht-Sender Radio Belgrad, seinen internationalen Siegeszug an, der Text des Lieds  jedoch fügte sich in keiner Weise in die Diktion der Nazi-Propaganda ein:

(…) Alle Abend brennt sie, doch mich vergaß sie lang
Und sollte mir ein Leid gescheh’n
Wer wird bei der Laterne stehen
Mit dir, Lili Marleen?

Aus dem stillen Raume, aus der Erden Grund
Küßt mich wie im Traume, dein verliebter Mund

Eine so deutliche Anspielung auf den Soldatentod konnte einem Regime mit dauerhaftem Bedarf an Kanonenfutter nicht gefallen, insbesondere, weil in dem Lied auch noch die Sinnlosigkeit eines solchen Endes angesprochen wird: „(…) mich vergaß sie lang …“.  Goebbels befand, dem Lied „hafte Leichengeruch an“, konnte aber nichts gegen dessen Erfolg ausrichten! Der große Zuspruch, vor allem unter den Soldaten, erklärt sich unter anderem dadurch, das der Text von einem der ihren, einem Gardefüsilier, zwischen 1915 und 1935 geschrieben worden war, unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs, dem Autor und Grafiker Hans Leip.

„Lili Marleen“ Originalaufnahme des Orchesters Seidler-Winkler, gesungen von Lale Andersen

In dessen Worten, ergänzt durch die eingängige Musik von Norbert Schultze sowie den Zapfenstreich des Orchesters Seidler-Winkler, fanden im Zweiten Weltkrieg insbesondere die Soldaten sich selbst wieder und ein Stück Heimat in der Fremde –

Bis heute besteht diese Identifikation, wie zu Anfang und Ende meiner Produktion „Das Lied von Lili Marleen“ dargestellt und im anschließenden Vortrag von Wolfgang Ohlert, Oberstleutnant der Bundeswehr a.D.,  erläutert. Ohlert berichtete über seine Begegnung mit „Lili Marleen“ im Kosovo, wo das Lied inzwischen als Zapfenstreich diente, ausgestrahlt vom Bundeswehrsender Radio Andernach,  in der Originalfassung mit Lale Andersen, während Kollegin Marlene Dietrich, mit ihrer englischen Coverversion, die amerikanischen Soldaten ins Bett schickte.

Wolfgang Ohlert, Oberstleutnant der Bundeswehr a.D. während seines Vortrags, daneben ein Foto aus seinem Vortrag

Wie sehr das Lied bis heute die Soldat_Innen anspricht, schildert auch Hauptmann Cordula Hochstrate,  in einer O-Ton-Einblendung der Produktion: „… dass man damit konfrontiert ist, auch zu sterben.  Ich glaube, das ist das, was alle Soldaten verbindet,  was auch der Text mit vermittelt, dass es gerade eben auch nicht gut ausgeht in dem Lied. (…)  Jeder (von uns) der das Lied hört, hat seine Vorstellung davon, wie die Kaserne aussieht, wie er selber davor steht und wie er sein Mädchen oder (lacht) ich dann eben meinen Jungen in den Arm nehme und ich seh mich vor der Laterne …“

Solange diese Laterne nicht verlischt, wird das Lied auch weiterhin Kriegsschauplätze in aller Welt beschallen. Nur spielt sich das inzwischen weit entfernt von unserem Alltagsleben ab. Eine wenig zielführende Verdrängung von Tatsachen, wenn die Laterne eines Tages verlöschen soll. Insofern fand ich es schade, dass die Soldat_Innen der Bundeswehr, die an diesem Abend zu Gast waren, in Zivil erschienen, vermutlich der momentanen politischen Stimmung geschuldet. Camouflage einmal anders herum? Dabei ging es diesmal eben nicht um die große Politik selbst, sondern um diejenigen, die im Ernstfall dafür gerade stehen müssen, verewigt in einem Lied, das bis heute die Menschen in Uniform anspricht, deren Sehnsucht und Schicksal.

Bildcollage von Gaby dos Santos aus der Produktion „Das Lied von Lili Marleen“

Die Geschichte dieses Liedes enttarnt auch die Sinnlosigkeit des Krieges. In einem Feature des Hessischen Rundfunks „Lili Andersen – Lale Marleen“ von Bettina Leder-Hindemith und Sabine Milewski, berichtet 2000 Komponist Norbert Schultze: „Ich bekam sehr viele Briefe von der Front. … Und zu diesen vielen Briefen gehörten vor allem solche aus Afrika … von der Afrikafront … Dass die gesagt haben: „Wir spielen abends Lili Marleen, und drüben, da lassen wir die Lautsprecher extra so, dass die drüben mithören können. Und es hat sich herausgestellt, dass wir eine Art Waffenruhe machen, damit wir in Ruhe unser Lied hören können. Das ist eine gegenseitige Vereinbarung, ohne, dass darüber gesprochen wird. Aber sie wird eingehalten. Und wir wissen genau: Nach dem letzten Ton von ‚Lili Marleen‘ geht die Ballerei wieder los. … „

Vor diesem Hintergrund  finde ich es inzwischen sehr, sehr gut, dass „Lili Marleen“ nach der Show vom Publikum gesungen wurde! Bleibt nur zu hoffen, dass das Lied nicht verstummen und seine Geschichte nicht in Vergessenheit geraten möge, bis die Laterne verlischt …


Die Titelcollage zeigt, zwischen Schauspielerin und Autorin Toni Netzle und HSS-Referatsleiter Artur Kolbe, die Betreuerin und Moderatorin der dortigen Filmseminare, Christine Weissbarth.


Verwandte jourfixe-Blogbeiträge:

Lili Marleen untot im Simpl       Mythos Lili Marleen


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„Mythos Lili Marleen – Ein Lied an allen Fronten“

Das Bild zeigt ein Pärchen auf dem Rückweg, zwischen Laterne und Kasernentor, verloren in einem verwunschenen Wald – einer zerbombten Kulisse aus dem Ersten Weltkrieg … Damals, 1915, nahm nämlich die Geschichte des kleinen Liedchens von der Lili Marleen ihren Anfang und trat eine lange, tragische Reise an, die an die Kriegschauplätze dieser Welt dieser Welt führte .. bis heute.

Dessen Etappen begleitet das Historical „Mythos Lili Marleen“ von Gaby dos Santos, eine Lesung zu historischen Bild-, Klang und Ton-Einblendungen, in denen zahlreiche Zeitzeuginnen wie Sängerin Lale Andersen und Komponist Norbert Schultze zu Wort kommen, unter Verwendung des Hörfunk-Features „Lili Andersen – Lale Marleen“ von Bettina Leder-Hindemith / Sabine Milewski (Hessischer Rundfunk/2000).

Wer aber war sie eigentlich, diese Lili Marleen und wie gelang es ihr, die Schicksale unterschiedlichster Künstler und Künstlerinnen bis heute zu verknüpfen? Und im Dritten Reich sogar Goebbels zu trotzen. Der mochte das Lied überhaupt nicht, befand, es hafte ihm Leichengeruch an. Zu Recht: Die Urfassung des Textes schrieb der Grafiker und Autor Hans Leip als junger Soldat 1915, wenige Tage bevor er an die Front musste. Die letzten Strophen fügte er nachträglich hinzu, noch unter dem Eindruck der Schreckensbilder, denen er im Krieg begegnet war. Sogar eine kleine Melodie schrieb der vielseitige Künstler, die im Historical zu hören ist.

Li: Rudolf Zink sen., Komponist der Urfassung von „Lili Marleen“, re: Cover von Leips „Kleiner Hafenorgel“, aus der der Text stammt

Der Text fand Eingang in sein Buchband „Die kleine Hafenorgel“, dessen Texte, darunter besagte „Lili Marleen“ gleich von mehreren Komponisten vertont wurden. Einer von ihnen, Norbert Schultze, schaffte mit seiner Version der „Lili“ den großen Durchbruch und spendete damit Freund und Feind via Radio Belgrad täglich ein paar Minuten Frieden. Gleichzeitig stand Schultze auf der Gehaltsliste von Goebbels, da er sich auf das Vertonen schmissiger Propaganda-Texte verstand; ein Makel, der nach dem Krieg an ihm haften blieb.

Auch Lale Andersen, die unvergessene Interpretin, blieb unter die Laterne gebannt – ein Leben lang – und ihr jüngster Sohn, Michael Wilke, gleich mit. Mit ihm war ich befreundet, ganz privat und schon lange bevor ich meine Bühnenarbeit begann. Michael verstarb vor kurzem. Ihm ist diese Reprise gewidmet … So schließen sich schicksalhaft Kreise, denn über ihn habe ich Toni Netzle kennengelernt, 2010, während der Uraufführung meines „Lili-Marleen-Historicals im Gasteig.

Gasteig-Premiere 2010: V.li: Rudolf Zink jr. (Sohn des Komponisten Rudolf Zink) Dorli Diehl (Tochter des Simpl-Wirts, 1935-1943, Theo Prosel), Brigitt Salvatori-Galland (Witwe von Komponist Norbert Schultze), Michael Wilke (Sohn von Lale Andersen), Toni Netzle halbverdeckt (Simpl-Wirtin 1960 – 1992), Gaby dos Santos, Mathias Deinert (Lale Andersen Archiv)

Gemeinsam mit der prominenten Münchner Schauspielerin, Autorin und ehemaligen Simpl-Wirtin Toni Netzle ging Gaby dos Santos (Buch/Produktion) im Mai 2017 mit ihrem Lili-Marleen-Historical in Reprise, aus Anlass des Todes von Lale Andersens Sohn Michael Wilke. Gezeigt wurde die Produktion im Rahmen der Filmseminar-Reihe der Hanns-Seidel-Stiftung, moderiert von Christine Weissbarth.

Im Anschluss referierte Oberstleutnant a.D. Wolfgang Ohlert über die Bedeutung des Liedes bis heute, für die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, das leider immer noch gesungen wird – an den Kriegschauplätzen dieser Welt …

Dazu mehr in Kürze in einer Nachlese

Mehr auch im jourfixe-Blogbeitrag „Lili Marleen untot im Simpl“


Verzeichnis aller jourfixe-Blogbeiträge mit jew.Link

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Gaudi & Gaudí: Osterblues mit Promis und Presse

„Größtmögliche Präsenz entwickeln, zeigen und bewahren!“ so lautet das A & O in der Kunst-/Kultur und Medienbranche. In diesem Sinne war die Veranstaltung im PresseClub vergangene Woche, mit der biografischen Collage zum 85. Geburtstag der Münchner Künstlerin und Ex-Wirtin des Alten Simpl, Toni Netzle, ein voller PR-Erfolg für die Jubilarin. Unter dem Titel „Toni, die Legende“ hat sie es bis in die BUNTE geschafft, inklusive der von mir organisatorisch und künstlerisch gestalteten Matinee. In die Society-News von MARIE WALDBURG, unter der Rubrik „Was ich wichtig fand“. So weit, so schön, so gut – so haarscharf daneben für mich …!

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Marie Waldburg skizziert sehr anschaulich Atmosphäre und Wirtin in der Collage „Nicht immer Simpl“. Foto: Bunte

Society-Kolumnistin Marie Waldburg, die selbst mit einem O-Ton in meiner Collage vertreten ist, greift in der aktuellen Ausgabe der Bunten (Donnerstag, 01.4.15) nicht nur die Bedeutung des Alten Simpls unter Toni Netzle nochmals auf, sondern beschreibt auch recht detailliert die Matinee selbst.

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Toni mit Christian und Marina Wolff posieren im Foyer

Waldburg listet auf,  wer sich so alles unter den Gästen befunden hat und widmet einige Sätze Christian Wolff und seiner Frau Marina, unter Erwähnung seiner Laudatio.

Unerwähnt bleibt nur Gaby dos Santos, ihres Zeichens immerhin alleinige Organisatorin der Matinee sowie Autorin und Produzentin der dabei aufgeführten „Simpl“-Collage.  „Aua!“ Wohlbemerkt: Wäre dieser Artikel, wie alle anderen aktuellen Pressestimmen, eine allgemeine Würdigung Toni Netzles und ihres Simpls gewesen, dann hätte ich mich über diesen prominent platzierten Beitrag ebenso wenn nicht noch mehr gefreut, wie über die vielen anderen Veröffentlichungen zur Person „Toni Netzle“. Schließlich war das ja Sinn und Zweck meines wochenlangen Engagements: Toni sollte den „größtmöglichen Bahnhof“ zu ihrem 85. Geburtstag erhalten!

Gaby_dos_Santos_jourfixe-Blog_Ilona_Gruebel_Erich_Neureuther_Gabriele_Weißhaeuptl_Stadtrat_Walter_Zoeller_Anita_Bauer_DureAber  mich in einem Artikel, der sich auf die Veranstaltung selbst bezieht, als Initiatorin überhaupt nicht erwähnt zu sehen, sorgt bei mir derzeit für Blues-Stimmung. Gerade die in der sogenannten (vogel)freien Szene tätigen KünstlerInnen wie ich, ohne Budget für flächendeckende Werbemittel, sind auf Presse-Resonanz angewiesen.  Eine Erwähnung in der Bunten wäre meiner Meinung nach also angemessen gewesen. Zwar bin ich nicht prominent, aber dennoch die maßgebliche Kraft dieser Veranstaltung gewesen.

Gaby_dos_Santos_jourfixe-Blog_Kuenstlermaske_mit_TraeneIn meinen derzeitigen Frust mischt sich auch noch ein schlechtes Gewissen Toni gegenüber, weil ich mich bezüglich der Waldburg-Kolumne nicht ungetrübt wie sonst mit ihr freuen kann. Zu viele, sehr einsame Stunden künstlerischer Arbeit und Herzblut sind in diese Collage geflossen; viel Raubbau habe ich wieder einmal an mir selbst begehen und mein Innerstes umstülpen müssen, um schöpferisch etwas zu leisten. Vor meinem Inneren Auge musste ich Klang, Text und Bild zeitgleich heraufbeschwören, um sie zu einem neuen Ganzen zu verweben, tagelang, wochenlang, unter immensen Druck einem erlösenden „The End“ nachjagen, das, statt näher zu kommen, sich immer weiter zu entfernen schien.

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Gaby dos Santos während der Matinee für Toni Netzle, am 19.3.15 im PresseClub München

„Ach Gaby“, meinte Angelica Fuss, Geschäftsführerin im PresseClub, am Vortag zu mir, „Du wirst sicher wieder bis in die Nacht an der Collage feilen„. Sie sollte recht behalten. Obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, um 23 Uhr den Computer abzuschalten und bis Mitternacht auch meinen Geist. Es galt ja, den Herausforderungen der bevorstehenden Matinee einigermaßen fit entgegen zu treten. Soweit der Plan, den ich übrigens immer bei solchen Anlässen fasse, um ihn dann mit schöner Regelmäßigkeit scheitern zu sehen. Diesmal kapitulierte sogar die vorsorglich eingenommene Schlaftablette angesichts meines Endspurt-Adrenalins. Als ich endlich den Rechner herunter fuhr, zeigte er 4 Uhr morgens an. Entsprechend zog auch  diese Veranstaltung wieder wie ein unwirklicher Film an mir vorüber. Und danach lag ich, ebenfalls wie üblich, drei Tage flach. Kein Außenstehender wird je wirklich nachvollziehen können, wie sehr man bei jeder Produktion aufs Neue Raubbau an sich selbst betreibt, bis zu dieser völligen Erschöpfung, die von der Umwelt häufig in Richtung „künstlerisch-hysterische Hypochondrie“ umgedeutet wird.

Dabobert_Lindlau_Gaby_dos_Santos_jourfixe-Blog_PresseClub_Toni_Netzle_Nicht_immer_Simpl

Für Reporter-Legende Dagobert Lindlau konnte ich beinahe keinen Platz mehr finden

Den letzten Rest Energie raubt einen regelmäßig die Veranstaltung selbst. Da kann man noch soviel Veranstaltungserfahrung gesammelt haben; irgendein unerwartetes Problem stellt sich immer ein. Diesmal unterlief mir ein Faux Pas bzgl. der Reservierungen: Da mir die bei Empfängen übliche Diskriminierung durch namentliche Reservierungen für sogenannte „wichtige“ Gäste und „freie“ Restplätze-Wahl für das „Fuß“Volk zuwider ist, reserviere ich nur für die Gäste, die aktiv zur Entstehung der Produktion beigetragen haben, in diesem Fall vor allem für meine „O-Tön-Partner“, sowie für die LaudatorInnen und für Behinderte. Aber auch das nur bis ca. 10 Minuten vor Veranstaltungsbeginn. In diesem Fall waren jedoch fast alle meine O-Töne prominent und erschienen kurz vor knapp. Angelica Fuss klärte mich später auf, dass Promis dies absichtlich so handhaben, um sich nicht allzu lange dem Ansturm von Presse und Neugierigen auszusetzen. Jedenfalls hatte ich meine liebe Not, überhaupt noch Sitzmöglichkeiten für die Spätankömmlinge aufzutun, wobei die Breitners, übrigens sehr angenehme, bodenständige Menschen, sich über einen Platz in Ausgangsnähe durchaus angetan zeigten. Spekulationen zu folge erlaubte ihnen diese Lage, sich gleich nach Ende der Vorstellung der Presse zu entziehen.

Paul_Breitner_Nicht_immer_Simpl_Toni_Netzle_Gaby_dos_Santos_jourfixe-Blog

Dennoch erntete ich Tadel seitens einiger Gäste, wie ich denn dazu käme Paul Breitner derart weit hinten zu platzieren …

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Toni mit Christian Bruhn, Komponist und GEMA-Präsident, dahinter Peter Grassinger, Ehrenpräsident Münchner Künstlerhaus, neben ihm Naomi Isaacs

Ebenfalls zum zweiten Mal als Zuschauer war auch der Erfolgskomponist und Präsident der GEMA, Christian Bruhn, erschienen, der mir kürzlich noch ein Interview für die Collage gegeben hatte, obwohl, wie er betonte, er die Livemusik bei der Uraufführung 2012 als „fürchterlich“ empfunden habe. Stimmt, die war damals ziemlich in die Hose gegangen, einfach weil kaum Zeit für Proben geblieben war, nachdem wir als freies Ensemble alle Arbeitsschritte einer Produktion und Aufführung in Personalunion stemmen mussten und müssen. Daher – und weil diesmal überhaupt kein Budget für Musiker-Gagen vorhanden war – beschränkte ich mich beim Überarbeiten der Collage darauf, nur meine  Wenigkeit zum Nulltarif schuften zu lassen und konnte daher Bruhn versichern, dass es diesmal keine Livemusik geben werde. Das muss er missverstanden haben, denn als zum Bildvorspann Jon Michael Winklers wunderschön nostalgisches „Amato“ als Ton-Einspielung erklang, protestierte Bruhn lauthals in den Zuschauerraum hinein: „Sie hatten doch gesagt:’Keine Musik!‘

Einen Moment lang bereute ich, Bruhn nicht schon während unseres Vorgesprächs zum O-Ton-Interview Kontra gegeben zu haben. Gegen Kritik an sich gibt es ja nichts einzuwenden. Im Gegenteil: Gerade unter Kollegen kann sie sehr hilfreich sein, wenn sie respektvoll eingebracht wird. Den abschätzigen Blick von oben herab, noch dazu seitens eines soviel erfolgreicheren Kollegen, empfinde ich jedoch als ebenso überflüssig wie unangemessen, zumal sich Bruhn & Co. sehr umschauen würden, wenn sie auch nur eine Produktion unter den Umständen stemmen müssten, unter denen die Freie Szene routinemäßig ihrer künstlerischen Arbeit nachgeht. Mir fordert ein solches Stehvermögen jedenfalls Hochachtung ab. Nicht zuletzt deshalb hatte ich nur aus Rücksicht zu Toni seinerzeit Christian Bruhn gegenüber meinen Mund gehalten. Ist es vielleicht die Angst, den errungenen Erfolg zu verlieren und wieder auf dem Boden kleinkünstlerischer Realität aufzuschlagen, der so manchen etablierten Künstler derart arrogant gegenüber weniger erfolgreichen oder talentierten KollegInnen auftreten lässt?

Toni_Netzle_Michaela_May_Christian_Wolff_Christian_Bruhn_Naomi_Isaacs_Tatjana_Lukina_Mir_Ralph_Siegel_Nicht_immer_Simpl_Collage_jourfixe-muenchen_Gaby_dos_Santos_PresseClub-MuenchenDanach kehrte glücklicherweise Ruhe ein und während der Show herrschte „Emotion pur“. Man verging gemeinsam vor Rührung, verlor sich gemeinsam in nostalgischen Simpl-Reminiszenzen und lachte gemeinsam. Die Hohe Kunst der Toni Netzle, Menschen unterschiedlichster Couleur zusammen zu führen, kam hier wieder einmal zum Tragen und meiner Collage außerordentlich zugute. Ein Publikum das derart „mitgeht“, hat man selten zu Gast! Entsprechend endete die Vorstellung in einem sehr warmen Applaus, mit einer zu Tränen gerührten Toni; für beides bin ich aufrichtig dankbar. Ebenso für die halbe Stunde, die sich Ralf Gabriel, Geschäftsführer der Kultur-GmbH aus seiner übervollen Agenda schälte, um zumindest kurz seine Aufwartung zu machen, obwohl einen Tag später seine Münchner Stiftungswoche startete. Dankbar bin ich auch für das Angebot einer Cutterin, meine Collage in ihrer Firma für „mau“ in eine „Simpl“-DVD zu konvertieren, nach der zahlreiche Gäste nach der Vorstellung gefragt hatten.

Gaby_dos_Santos_jourfixe-BlogHanns_Seidel_Stiftung_Nicht_immer_Simpl_Toni_Netzle_Gaby_dos_Santos_jourfixe_Collage

Reprise der Collage „Nicht immer Simpl – Toni Netzle“, MI, 6. Mai, 18.30 Uhr, Hanns Seidel Stiftung, Lazarettstr. 33, Eintritt frei

Besonders erfreulich und eine schöne Bestätigung ist für Toni und mich, dass eine der anwesenden Gäste, die Moderatorin und Regisseurin Christine Weissbarth uns vom Fleck weg ein Anschluss-Engagement an die renommierte Hanns Seidel Stiftung verschafft hat, das sie selbst moderieren wird. Details in der Info-Broschüre:

http://www.jourfixe-muenchen-ev.de/Bilder2014/Toni_Netzle_2015_Simpl_Collage_Gaby_dos_Santos.pdf

Man sollte also wirklich nicht zulassen, dass Erschöpfung und Frust einem dauerhaft den Blick verhängen! In den über zwanzig Jahren, die ich nun als Kunst- und Kulturschaffende unterwegs bin, habe ich viel Schönes, Berührendes und Anregendes erleben dürfen, doch geprägt haben mich leider vor allem die unvermeidlichen Rückschläge und Härten des Metiers, obgleich mich ja niemand gezwungen hat, diesen Weg einzuschlagen, der mein(e) Beruf(ung) wurde.

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Toni Netzle fotografiert von Werner Bauer

Zurück zur Matinee:  Als ich bemerkte, dass sich ein junger Journalist im Türrahmen eingefunden hatte und fleißig Notizen machte, freute ich mich sehr. Ein weiterer „Toni“-Artikel stand in Aussicht und erschien dann auch pünktlich in der Wochenend-Ausgabe der AZ, gab aber nicht wirklich Anlass zu wilder Freude: „Gaudi ist ihr wichtiger als Geld“ lautete sinngemäß (da mir von Toni nur telefonisch wiedergegeben) der Eyecatcher im Titel. Tonis typisch trockener Kommentar: „Ich kenne nur einen Gaudí (Antoni) und der hat in Barcelona gebaut.“

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Keine „Gaudi“ in Toni Netzles Vokabular, nur Architekt Gaudí!

„Gaudi“ steht in Bayern für jene Art „kracherter“, schenkelklopfender Heiterkeit, der man in bei Fasching, Oktoberfest und mitunter auf weißblauen Volksbühnen begegnet, Anlässe, die Toni allesamt ein Gräuel sind, seit jeher. Vielleicht auch, weil diese Formen des Entertainments stets mit reichlich bayerischem Bier heruntergespült werden wollen. Doch Toni trinkt – ebenfalls seit jeher – leider nur Tee ..!

Auf bundesweite Bühnenebene übertragen, ist Gaudi eine baiuwarische Begleiterscheinung von Comedy, die Antithese zum Kabarett.

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Einleitende Bildprojektion zum Auftritt von Wolfgang Neuss im Alten Simpl

Einer der führenden Kabarettisten der 50er bis 70er Jahre war Wolfgang Neuss, ein ganz, ganz böser Bube des damaligen Politkabaretts, im allerbesten Sinne. Dass dieser Star tatsächlich im Alten Simpl aufgetreten ist, ist auf die Hingabe Tonis der Kunst gegenüber zurückführen, die bezeichnend für ihre Lebenseinstellung ist, und in der ich mich stark wiederfinde. Daher habe ich diese Episode in die Collage integriert. Da Ruhm vergänglich ist, habe ich der ersten Bildprojektion einen erläuternden Untertitel hinzugefügt, aus Rücksicht auf die Jüngeren im Publikum …

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Ausschnitt einer weiteren Bildprojektion zum Auftritt von Wolfang Neuss im Simpl, Foto Heinz Gebhardt

Hier ein Skript-Auszug, aus dem sich ableiten lässt, dass das Engagement von Neuss in den Simpl mit einem Bedürfnis nach „Gaudi“ so gar nichts zu tun hatte:

Ton-Einblendung Toni Netzle  (liest aus ihren Memoiren über einen Simpl-Abend mit Wolfgang Neuss): (…) Sein Programm war so frech, so böse, so wahr, dass einem der Atem stockte. Das war einer der Abende, in denen ich glücklich wie ein kleines Kind in einer Ecke saß, fast heulend vor Freude. So wollte ich meinen SIMPL immer haben. Das war die Erfüllung meiner Träume. An die materielle Seite dachte ich in solchen Momenten überhaupt nicht, denn ein finanzieller Erfolg war das natürlich nicht. Im Gegenteil, es hat mich wahnsinnig viel Geld gekostet, aber was macht das schon? Die ganze Stadt sprach über diesen Abend. Die Zeitungen waren voll, über einen Kabarettabend, den ich mir wirklich nicht habe leisten können. Gott sei Dank habe ich mir solche finanziellen Desaster öfter gegönnt. Es musste einfach sein. Da gab es keinen anderen Weg. Auch das gehörte zu meinem Leben.“

Toni Netzle heute vor einer der vielen Schlagzeilen aus ihrer erfolgreichen Zeit als Simpl-Wirtin

Toni Netzle heute vor einer der vielen Schlagzeilen aus ihrer erfolgreichen Zeit als Simpl-Wirtin

Bei aller Einsicht darüber, dass Schlagzeilen Aufmerksamkeit erregen müssen, ein Titel wie „Gaudi wichtiger als Geld“ schmerzt, ganz besonders als Headline über ihrem Zeitungsportrait, denn er erzeugt eine verzerrte Wahrnehmung dessen, was die Persönlichkeit von Toni ausmachte und ausmacht.

Toni Netzle ist eine Grande Dame der Münchner Künstlerszene, die die Kunst beherrscht, hörbar und direkt dennoch ganz leise Töne anzuschlagen. Obgleich sie aus einer der großen alten Münchner Familien stammt, steht sie für Antoni Gaudí und so gar nicht für bayerische Gaudi – vielleicht auch gerade deshalb …

Was meinen Oster-Blues anbelangt: Offensichtlich stimmt bei mir die Balance zwischen Arbeitsaufwand und künstlerischer wie finanzieller Genugtuung nicht mehr wirklich. Gerade tüftle ich für meine nächsten Jahre, nach Beendigung der noch fest anliegenden Projekte, neue Spielwiesen aus, mit mehr Auslauf für die narzisstische Komponente meiner Persönlichkeit und mit weniger Möglichkeiten mir die positiven Sichtweisen zu verstellen. Ja, es wird langsam aber sicher Zeit für ganz neue Herausforderungen!

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Zum Verzeichnis aller Blogs, unter denen der vorherige detailliert auf Toni Netzle, den Alten Simpl und die Simpl-Collage eingeht, findet sich unter nachstehendem Link:

http://www.jourfixe-muenchen-ev.de/jourfixe_Blog_Verzeichnis.html

Alle Fotos der Veranstaltung stammen von Johannes Schwepfinger/Vorstandsmitglied im PresseClub München,

ein Portrait-Foto von Toni Netzle stammt von Werner Bauer (s. Untertitel)

bei den anderen Abbildungen handelt es sich um eigene Bildcollagen.

 

Standard
Allgemein

Was für ein Herbst!

Was für ein Herbst-Kaleidoskop: Schwarzwald-Expeditionen, eine Veranstaltung mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, unser neuer Oberbürgermeister Dieter Reiter hautnah im PresseClub, ein Engagement an die Evangelische Akademie in Tutzing, eine Demo gegen den Rest der Welt, Chorprobe im Herkulessaal, Vortrag zur Sterbehilfe im Bayerischen Landtag, russischer Tanzabend im Gasteig, Gedenkmarsch der Rosa Liste, Tortenschlacht mit Naomi Isaacs, eigene Aufführungen und und und … Wenn man dann bedenkt, dass ich diesen Herbst mit einer psychosomatischen Reha eingeleitet habe, dann wundert nichts mehr.

Bei dem leidenschaftlich selbst gewählten Lebensstil kann mir keine psychosomatische Klinik auf der ganzen Welt weiterhelfen. Was ich mir dort erträumt hatte, war wohl eine Art Doping-System ohne Nebenwirkungen, um noch mehr aus dieser vielseitigen, schillernden, spannenden Welt in meinem Leben mitnehmen zu können. Da hilft nur eines, was ich mir eh angewöhnt habe: Notbremse ziehen, wenn es mal wieder zu bunt wird!

Gaby dos Santos

Ergotherapeutische Seidentücher, original von mir  in zahllosen Ergotherapie-Stunden produziert, wobei sich dankenswerterweise die Farben stets selbst schattierten, mit schönen Effekten, die mich jedoch bezweifeln lassen, ob wohl wirklich viel eigenes „Dos-Santos-Ich“ in diese Tücher ein-geflossen ist? Die Alternative wäre Körbe flechten gewesen.

Gleichgeschaltet im therapeutischen Hamsterrad fand ich mich jedenfalls in meiner Reha wieder, beraubt aller meiner Möglichkeiten, mir einen eigenständigen, ausgefüllten Alltag zu gestalten. Und das ist mir so gar nicht bekommen. Überhaupt: Unsere Psyche ist unser geistiger Fingerabdruck und daher nicht ohne weiters verallgemeinbar, was in krassem Widerspruch zu dieser Zeit der klammen Kassen steht, in der Massenabfertigung auch im medizinischen Bereich gefragt ist. Jedenfalls hieß es auf Kur „Gruppe, Gruppe“, bis zum Abwinken. Einzig die Gruppentherapie unter Leitung des türkischen Facharztes für Psychosomatik, Dr. Mehmet Tokus, erwies sich als  Highlight-Erfahrung, obwohl auch „Gruppe“:

In obiger Runde lernte ich den persischen Dichter und Sufi-Mystiker RUMI (1202 -1273) sowie mich selbst ein wenig besser kennen. Ein weiteres Merkmal jeder Gruppentherapie, neben der Stuhllanordnung, ist die bereit stehende Kleenex-Box, die hier allerdings schon verräumt und daher auf dieser Abbildung nur angedeutet ist.

Gruppentherapie: Selten so intensiv und in so geistreichem Umfeld geheult – So lässt sich meine Initiation in die Welt der Gruppentherapie zusammenfassen. Durch unseren türkischen Therapeuten und die in dieser Gruppe vorwiegend türkischen Mitpatienten, wehte ein mediterraner Hauch durch den Therapie-Raum. Die Seele wurde anhand der Befindlichkeit einzelner Gruppenmitglieder individuell beleuchtet, auf ebenso einfühlsame wie taktisch kluge Weise. Spannend wurde es immer, wenn sich Dr. Tokus mit halb geschlossenen Augen zurücklehnte, die Gruppe einige Minuten lang in ein beredtes Schweigen fallen ließ, um dann, mit einer durchdacht formulierten Nachfrage, eine Situation aus der Schwebe psychologisch auf DEN EINEN Punkt zu bringen, an dem alle Anwesenden auch ein Stück von sich selbst wiederfanden.  Veranschaulicht wurde das Ganze anhand von Zitaten aus der Welt der Psychoanalyse, aber auch anhand orientalischer Mystik, beispielsweise Zitate von Rumi (s.Foto). Grundsätzlich verkörperte Dr. Tokus für mich etwas von jenem Geist, der den Orient hatte blühen lassen, als Europa sich noch im finstersten Mittelalter befand. Zudem leitete er als „Moderator“, wie er sich bezeichnete, eine Gruppe, in der eine südländisch emotionale und sehr empathische Stimmung herrschte, in der ich mich geborgen fühlte.

Gaby_dos_Santos_schwarzwaelder_LieblingskuhDas euphorische Umarmen von Baumstämmen hingegen, wie von einer anderen Therapeutin angeregt, wäre weniger „meines“ gewesen. Zu barfußtanzend, mal abgesehen davon, dass meine Arme (ausprobieren tue ich alles mal) sich als zu kurz für Baumstämme erwiesen und ich meine Naturverbundenheit eher anhand von Monologen mit Tieren, z. B. mit der erstaunten Kuh links bekunde. (Original-Momentaufnahme)

Schwarzwald_Gaby_dos_SantosAb Woche Drei meiner Seelenrevision am psychosomatischen Fließband erreichte meine Stimmung einen absoluten Tiefpunkt, so dass ich beschloss, die geographische Lage meiner kleinen Reha-Klinik auszunutzen. Statt weiter bei schönstem Sonnenschein in der Lehrküche Vollkornbrote zu produzieren, die ich daheim unter Garantie nie backen würde oder stundenlang in einer Turnhalle Federbälle als sporttherapeuthische Maßnahme zu schlagen, seilte ich mich in die Idylle des Schwarzwalds ab.

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Es folgten 10 wunderbare letzte Tage Wanderurlaub, gesponsert von der DRK, für die ich sehr dankbar bin. Alleine auf Wanderschaft, konnte ich endlich wieder meinen Rhythmus selbst bestimmen, überraschende Eindrücke und auch Erfolgserlebnisse sammeln, als ich unbeirrt auf meinen kurzen Beinen einen Haufen Kilos über 800 Höhenmeter und als schwierig eingestufte Routen bergauf schleppte. Dabei bedachte ich besonders schöne Stellen stets mit einer ausgiebigen Zigarettenpause. Schließlich besagte eines von Dr. Tokus orientalischen Zitaten: Das Bargeld ist die Gegenwart …

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Die Plotzsägmühle bei Bad Herrenalb ist bis heute aktiv

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Die wechselvolle Chronik der Ploetzsägmühle im Schwarzwald

Die Plötzsägmühle in der guten alten Zeit

Die Plötzsägmühle in der guten alten Zeit

Politik inmitten Schwarzwälder Idylle

Politik inmitten Schwarzwälder Idylle

Holzbrücke über die Alb

Holzbrücke über die Alb

Die Alb

Die Alb

100 Millionen Jahre haben diese Felsbrocken auf dem Buckel

100 Millionen Jahre alte Felsbrocken

 

 

 

 

Gaby_dos_Santos_jourfixe-muenchen

Back in town, wie schön! Ich hatte mein Leben zurück! Statt „Macht Schokolade glücklich?“ (Angeblich „ja“, wenn man sie als kleines Stück minutenlang auf der Zunge zergehen lässt) erwartete mich nun ein Seminar im Gasteig zum Thema „Europa fördert KULTUR“- aber wie?„, veranstaltet vom Kulturreferat in Kooperation mit dem „Cultural Contact Point“, respektive der für Deutschland zuständigen Anlaufstelle in Bonn. Vormittags wurden all die Punkte aufgezählt, die für die EU-Jury maßgeblich sind, um Fördermittel in einer Höhe auszuschütten, von der hier vor Ort unsereins nur träumen kann. Aber diese Kriterien wollen ja erstmal in ein künstlerisches Konzept eingebunden und mindestens zwei Partner in zwei weiteren EU-Ländern gefunden werden. Nachmittags hieß es dann – wieder einmal – eine Gruppe! bilden und gemeinsam ein fiktives Thema fördergerecht aufzubereiten. Meine Gruppe folgte dem augenzwinkernden Vorschlag des Schauspielers und Regisseurs Jochen Strodthoff: Museumsluft einfangen und an einem anderen, EU-kompatiblen Ort künstlerisch wieder ausschütten. Wie riecht der Schweiß der Besucher im Angesicht der Mona Lisa? Kunst ganz nah am Menschen – oder so … Interessierten Kolleginnen und Kollegen wenden sich an die Hotline Tel. 0228/201 35-0 oder nutzen nachstehenden Link: http://www.creative-europe-desk.de

Demo gegen alles am Rindermarkt

Demo gegen ALLES am Rindermarkt

Meine alte Bekannte Zehra Spindler hatte auf Facebook zur Demo gegen Monsanto aufgerufen. Naomi Isaacs, Cornelia Prössl und ich hielten dies für eine wichtige Aktion und fanden uns am Rindermarkt ein. Ein wenig spannungsgeladen erschien mir die Stimmung schon, als sich der Treffpunkt allmählich füllte. Es fanden sich viele „wir“ ein, die „wir“ aus den 68er/70 und frühen 80er Jahren, ergraut aber doch immer noch voll Elan dabei und mehr oder weniger in unveränderter Kampfaufmachung. Was dann doch dem einen oder anderen in der Menge einen leicht mumifizierten Anstrich verlieh.

Neue globale Verschwörungstheorien in Buchform werden uns Demonstranten am Sendlinger Tor verlesen

Neue globale Verschwörungstheorien in Buchform werden uns Demonstranten am Sendlinger Tor verlesen

Irgendwie schien es um respektive gegen die ganze Welt zu gehen. Wie wir später erfuhren, hatten sich aus organsiatorischen Gründen alle nur möglichen und unmöglichen Splittergruppen zusammen geschlossen. Schade, denn so verwässerte sich jegliches Anliegen und die Aktion glitt ins Fragliche ab, als die Gelegenheit genutzt wurde, um das neueste Druckwerk in Sachen „Globale Verschwörungstheorien“ ausgiebigst anzupreisen, nachdem man – immerhin – bis Sendlinger Tor über die gesperrte Hauptstraße marschiert war, angeführt von brasilianischen Blechrhythmen. Nachdem sich für uns die Veranstaltung immer mehr ihres Sinnes entleerte, zogen wir weiter zum Damenkränzchen mit absolut glücklich machendem Schokoladenkuchen, in welchem wir unsere Weltverbesserungsambitionen für diesen Tag begruben …

Allround-Küsntlerin Naomi Isaachs und ich bei der Tortenschlacht fotografiert von Aniela Adam, www.die-fotografin-iin-muenchen.de

Allround-Küsntlerin Naomi Isaacs und ich bei der Tortenschlacht, fotografiert von Aniela Adams, http://www.die-fotografin-in-muenchen.de

Florian Pronold, Landesvorsitzende der BayernSPD, Bundesumwelt- und Baustaatssekretär zu Gast im PresseClub

Florian Pronold, Landesvorsitzende der BayernSPD, Bundesumwelt- und Baustaatssekretär, zu Gast im PresseClub

Mein Engagement als politisch denkende Bürgerin erhielt bald darauf einen erheblichen Dämpfer – Dachte ich doch, inzwischen über diverse TV-/Print – und Internet-Beiträge alles nur Wissenswerte über TTIP in Erfahrung gebracht zu haben und dann kommt Florian Pronold in den PresseClub und plädiert für ein Überdenken der totalen Ablehnung von TTIP! Hierzu hat die Bayern-SPD auch eine ausführliche, via-Livestream übertragene Debatte ins Netz gestellt und inzwischen ergänzt. Nachstehend der Link

http://bayernspd.de/ttip-debatte/

An dieser Stelle gestehe ich: Momentan habe die politische Bürgerin Gaby dos Santos gar nicht die Zeit, diesen Beitrag durchzuarbeiten, merke mal wieder, wie schwer es arbeitenden Menschen fällt, sich wirklich so umfassend zu informieren, wie es die Themen erfordern würden. Und wann bitte die tägliche Flut an Meldungen auf ihren Wahrheitsgehalt erschöpfend prüfen? Andererseits verleitet Facebook allzu oft zu vorschneller Parteinahme. Damit möchte ich jetzt nicht sagen, dass ich bzgl. TTIP die Seiten wechsle, sondern meine Meinung zurückstelle, bis ich die Zeit finden werde, alles in Ruhe durchzusehen.

Chorprobe im Herkulessaal mit gefühlvollen Smartphone-Anklängen

Chorprobe im Herkulessaal mit gefühlvollen Smartphone-Anklängen

In der selben Woche lud der Chor der Bayerischen Philharmonie zur Generalprobe in den Herkulessaal der Münchner Residenz, zu Haydn’s „Die Schöpfung“, unter der engagierten Leitung von Mark Mast. Spannend an dieser Produktion war die Einbindung des Barockorchesters L’arpa festante, welches Originalinstrumente aus der Zeit einsetzt, wodurch klangtreue Aufführungen nachempfunden werden können. Während des Konzerts beschäftigte mich allerdings noch eine Frage der zwischenmenschlichen Art: Der Bariton–Solo-Engel war, sobald nicht singend, coram publico nonstop mit seinem Smartphone zu Gange und lächelte dabei wie ein Honigkuchen-Pferd in sich hinein. Amors Pfeile aus der virtuellen Welt? Wäre auch ein Aspekt der Schöpfung  ;–)) Mehr zur Bayerischen Philharmonie, die heuer 20. Jubiläum feiert unter http://www.bayerische-philharmonie.de/Startseite

 

Der alljährliche Gedenkmarsch für die homosexuellen NS-Opfer am 20.10. endete vor dem LeTrans

Der alljährliche Gedenkmarsch für die homosexuellen NS-Opfer am 20.10. endete vor dem LeTrans, der Münchner Begegnungsstätte für Lesben und Transsexuelle

Die homosexuellen Häftlinge kennzeichnete ein rosa Winkel. Um dem Lager-Inferno zu entkommen, willigten eine ganze Reihe Schwuler in eine "freiwillige" Kastration ein

Die homosexuellen Häftlinge kennzeichnete ein rosa Winkel. Um dem Lager-Inferno zu entkommen, willigten eine ganze Reihe Schwuler in eine „freiwillige“ Kastration ein

20. Oktober 1938: Mit dem Übergriff auf die Gäste der Schwulenkneipe „Schwarzfischer“  am Oberanger, Ecke Dultstraße, erwies sich „die Hauptstadt der Bewegung“ auch als Vorreiterin der Verfolgung Homosexueller in der NS-Zeit.

Organisiert von der Rosa Liste,  dem Forum Homosexualität, u.a., versammeln sich jedes Jahr an dieser Stelle vorwiegend Schwule und Lesben, zu einem kleinen Marsch mit Lichtern. Und „klein“ war hier für meinen Geschmack ein Störfaktor. Ich finde, dass noch immer zu wenig der noch kleineren Minderheiten innerhalb der unter den Nazis verfolgten Minderheiten gedacht wird. Auch von den betroffenen Gruppen selbst. Etwa 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer habe ich gezählt. Für all das Leid, das hinter diesem Gedenktag steht, noch immer zu wenig.  Zu wenig für all die Schwulen, welche, wie Stadtrat Thomas Niederbühl, Vorsitzender der ROSA LISTE,  in seiner berührenden Rede treffend sagte, kein anderes Verbrechen begangen hatten, als zu lieben. In seiner Ansprache wies er auch auf die erfreuliche Tatsache hin, dass im nächsten Jahr genau an diesem Ort ein Denkmal aufgestellt wird. Außer ihm sprachen Rita Braatz (LETRA) und der Historiker Albert Knoll, Vorstandsvorsitzender des forum homosexualität münchen, Lesben und Schwule in Geschichte und Kultur. Knoll forderte nicht nur zum Gedenken auf, sondern äußerte auch die Hoffnung, dass schon bald ein würdiger Erinnerungsort nah am Ort des Ereignisses entstehen soll. Interessierte können beispielsweise mit Unterstützung des forum über Lebensläufe betroffener Schwuler forschen und sie aufschreiben. (Zitat Homepage „forum homosexxualität münchen“) http://www.forummuenchen.org/

Das Foto zeigt von li.; Frau Dr. Bosselli, Geschäftsführerin des Forums Kirche und SPD, die evangelische Stadtdekanin Barbara Kittelberger, Prof. Dr. Manzeschke, die SPD-Landtagsabgeordnete Diana Stachowitz, Bürgermeisterin a. D. Gertraud Burkert nach der Veranstaltung im Bayerischen Landtag

Von li.; Frau Dr. Bosselli, Geschäftsführerin des Forums Kirche und SPD, Stadtdekanin Barbara Kittelberger, Prof. Dr. Manzeschke, SPD-MDL Diana Stachowitz, Bürgermeisterin a. D. und Münchner Ehrenbürgerin Gertraud Burkert, nach der Veranstaltung am 21.10.14 im Bayerischen Landtag

Im „Forum Kirche und SPD“ folgte am nächsten Abend die Auftaktveranstaltung der Reihe “Sterbehilfe-Palliativmedizin-Hospiz”. Prof- Dr. theol. habil. Arne Manzeschke, LMU München, referierte über „Veränderungen im Gesundheitswesen, unter dem Aspekt „des Umgangs unserer Gesellschaft mit Tod und Sterben“. Mit seinem Vortrag warf Manzeschke vor allem Fragen auf, was ich angesichts des Thema für absolut richtig hielt. Ebenso bestürzt wie nachdenklich stimmten mich die Wortmeldungen einer Reihe von Gästen, die über sehr persönliche Erfahrungen berichteten.  Diese handelten von äußerst qualvollen Sterbeprozessen. Diese Schilderungen ergänzte Stadtdekanin Barbara Kittelberger mit einen sehr leidenschaftlichen Einwurf: Während ihrer Klinikseelsorge habe sie nichts erlebt, was eine Verklärung des Sterbens rechtfertige. „Man stirbt sehr alleine, so alleine, wie man gekommen ist.“ Angesichts solcher Äußerungen fällt es schwer, Forderungen wie der unseres EKD-Vorsitzenden 100%ig beizupflichten, welcher „schmerzfreies Sterben bei liebevoller Betreuung“ propagiert. Ein frommer Wunsch, der aber – noch? – keineswegs der Realität entspricht. Weder von den Möglichkeiten der Schmerztherapie her, noch angesichts des Pflegenotstands. Aber sicher sollte ein Ausbau der Palliativ-Medizin energisch voran getrieben werden. Persönlich halte ich dennoch nichts von einer Legalisierung der Sterbehilfe. Ich denke, den Ärzten ist schon heute ein gewisser Spielraum gegeben, abhängig von deren Gewissen, welches sich ja auch schlecht staatlich reglementieren lassen würde – oder? Diese Frage wird unsere Gesellschaft jedenfalls noch lange begleiten, und ich bin dem Forum Kirche und SPD dankbar, dass es dieses Thema unter verschiedenen Aspekten auch 2015 weiter beleuchten wird. 

Ein weiteres Schwerpunktthema 2015 wird der interreligiöse Dialog sein, für mich, in Hinblick

Ein Stück neuere bayerische Geschichte dargestellt in Kurzbeiträgen und herausgegeben von Franz Maget, Vorsitzender des Forums Kirche und SPD

Ein Stück neuere bayerische Geschichte dargestellt in Kurzbeiträgen und herausgegeben von Franz Maget, Vorsitzender des Forums Kirche und SPD

auf meine geplante Collage zum Reformationsjahr, ebenfalls ein dankbares Thema.

Mehr Informationen zum Forum Kirche und SPD,  über http://sonntags-blog.de/termine/

Peter Lang alias "Genosse Rock'n Roll" 2014, Foto: Werner Bauer

Peter Lang alias „Genosse Rock’n Roll“ 2014, Foto: Werner Bauer

Mein Freund, Sponsor und Kooperationspartner Peter Lang blickt auf eine erfolgreiche Musikerjugend in Ungarn zurück, als Mitbegründer der ungarischen Kultbands OMEGA und HUNGARIA. Mit letzterer gewann er 1968 „Ungar sucht den Superstar“, zu einer Zeit also, als Dieter Bohlen quasi noch in Windeln lag. Entsprechend angesehen ist Peter bis heute in den ungarischen Kreisen Münchens.

  
Daher erhielten wir über das ungarische Online-Magazins Ungarn-Panorama
die Einladung zu einer Veranstaltung mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, zu der die deutsch-ungarische Gesellschaft in die Hanns Seidel Stiftung geladen hatte.

Unter den Gästen fand sich übrigens auch, ganz ungewohnt mit Schlips und Kravatte, Musiker und Produzent Leslie Mandoki, zu meiner Überraschung ein guter alter Bekannter und ehemaliger Kooperationspartner von Peter.

In der Hanns Seidel Stiftung, als Gastgeberin einer Veranstaltung mit Viktor Orbán, die Präsidentin der deutsch-ungarischen Gesellschaft in München, Elisabeth Schosser

In der Hanns Seidel Stiftung, als Gastgeberin einer Veranstaltung mit Viktor Orbán, die Präsidentin der deutsch-ungarischen Gesellschaft in München, Elisabeth Schosser – Foto: Ungarn Panorama

Viktor Orbán kam in Begleitung von Edmund Stoiber, welcher auch die Begrüßungsrede hielt. Kern seiner Rede war ein Appell, Ungarn mit differenzierteren Augen zu betrachten. In diesem Punkt sprach er mir aus der Seele, nicht nur in Bezug auf Ungarn, sondern ganz grundsätzlich: Meiner Meinung nach sollten wir uns ein wenig damit zurückhalten, anderen Ländern öfter mal unsere Auffassung von „political correctness“ aufdrücken zu wollen. Zu Recht wies Viktor Orbán gestern darauf hin, dass jedes Land seine eigene (kulturelle) Geschichte habe und damit andere Verhältnisse, auf die mit unterschiedlichen, nicht eins zu eins übertragbaren Wegen reagiert werden müsse.

Peter Lang mit ca. 6 Jahren

Peter Lang mit ca. 6 Jahren

Was weiß denn ich, ein aus den komfortablen westdeutschen Verhältnissen hervorgegangenes SPD-Mitglied, wie meine politische Einstellung aussähe, wenn man meine Familie unter einem kommunistischen Regime enteignet hätte, mit fatalen Folgen für die Großeltern, wie bei Peter Lang z. B. der Fall? Wenn ich jahrzehntelang durch eine Diktatur in eingeschränkt gewesen wäre? Und würde ich mir weiterhin die Vision einer gesellschaftlichen Chancengleichheit leisten wollen, wenn mich nicht das engmaschige deutsche Sozialnetz sichern würde, ich vielmehr um meine nackte Existenz fürchten oder gar kämpfen müsste? Oder aber Millionen gescheffelt hätte?

Wie auch immer. Man kommt nicht umhin, der Orbán-Regierung zuzugestehen, dass das Land unter ihrer Führung einen Aufschwung erlebt und mit einer entsprechenden absoluten Wahlstimmen-Mehrheit für ihre Fides-Partei quittiert worden ist.

Viktor_Orban_Hanns_Seidel_Stiftung_Gaby_dos_Santos_jourfixe-BlogEntsprechend groß daher  das Selbstbewusstsein, mit dem Orbán den aktuellen Zustand seines Landes darstellte. Seine Erfolgsbilanz würde ihn Auslandskritik mit entsprechender Gelassenheit hinnehmen lassen, gab er auf eine Frage zur Antwort. Gerne und gekonnt kokettierte er mit jenem Hang zur Provokation, der regelmäßig für heftiges Rauschen im ausländischen Blätterwald sorgt. Auch diesmal entsprach er seinem Image, wenn er wieder einmal  eine Ausführung mit „„Ich provoziere Sie jetzt mal …“ begann, um dann in charmantestem Plauderton eine politische Ansicht in überspitzter Form in den Raum zu stellen – und amüsierten bis begeisterten Applaus zu ernten.  Zeitweise habe ich mich, als Teil des Publikums, von ihm regelrecht vorgeführt gefühlt. Dabei redete Orbán weitgehend frei und zeigte sich besonders in der anschließenden Fragestunde als  schlagfertiger Interview-Partner.

Wer diesen Mann als populistischen Simpel disqualifiziert, wird ihm nicht nur nicht gerecht, sondern liefert ihm meiner Meinung nach eine willkommene Breitseite, sich weiter vor seinen Anhängern zu profilieren, als eine Art ungarischer David gegen die Goliaths EU, Auslandspresse und darüber hinaus. In einer Zeit, in der sich Politik immer mehr zu einer Frage von PR-Strategien entwickelt, spielen unangemessene bis unqualifizierte Pressestimmen einem rhetorischen Fechtmeister wie Orbán nur in die Hände, denn dieser Mann weiß offensichtlich die Mechanismen einer breiten Konsensbildung klug für sich zu nutzen.

Und das stimmt mich so nachdenklich. Politiker wollen gewählt werden. Allzu oft um jeden Preis. Auch hierzulande könnte ich Volksvertreter benennen, die sich öffentlichkeitswirksamst als Stammtisch nahe Hardliner präsentieren. Trifft man sie dann in kleinem Rahmen, z. B. im PresseClub, ist man überrascht festzustellen, wie charmant, geistreich und auch tolerant dem politischen Gegner gegenüber sie in Wirklichkeit sind. Also drängt sich die Frage auf, welche Art von politischem Verhalten sich Volkes Geist heranzüchtet? Mehr demokratische Reife wäre von uns allen gefragt.

Die Tatsache, dass ein charismatischer Politiker und/oder eine Partei es schaffen, breite Mehrheiten zu gewinnen, ist leider keineswegs Garant für eine dauerhaft wünschenswerte Politik. Dass sich ein Silberstreif am Horizont schnell in eine Götterdämmerung verwandeln kann, lehrt uns die Geschichte. Aber ebenso, niemals vorschnelle und indifferenzierten Urteile zu fällen. Vielem von dem, was Orbán in seiner Rede äußerte, kann ich weder von meinen politischen noch von meinen ethischen Überzeugungen her zustimmen, doch solange die EU-Regeln eingehalten bleiben, die nicht zuletzt der Wahrung unserer gemeinsamen europäischen Werte dienen, kann ich mich dem Anliegen Edmund Stoibers nach einer möglichst differenzierten Betrachtungsweise  Ungarn gegenüber nur anschließen.

Peter_Lang_Genosse_Rock_n_Roll_Praesentation_PresseClub_Muenchen_Gaby_dos_Santos_jourfixeBlog

Peter Lang während der Präsentation von „Genosse Rock’n Roll“ im abgedunkelten PresseClub, Foto: Elisabeth Sorger

Apropos Ungarn: Wie der Ungar Peter Lang seine Jugend- und erste Musikerzeit in seiner Heimat erlebte, erzählt die multimediale Collage „Genosse Rock’n Roll„, die wir letzten Donnerstag im PresseClub in einer komprimierten Version vorab vorgestellt haben, aus Anlass von Peter Langs 70. Geburtstag…

<< Peter Lang während der Präsentation von „Genosse Rock’n Roll“ im abgedunkelten PresseClub, Foto: Elisabeth Sorger, selbst Ungarin und sehr berührt von Peter Langs Reminiszenzen, die sie in ihre Jugendzeit zurück versetzten.

Im Rahmen der Tagung "ERSTER WELTKRIEG - EINE EUROPÄISCHE ERFAHRUNG" zeige ich am 5.12. unsere Collage zum 1. Weltkrieg

Die Evangelische Akademie in Tutzing: Im Rahmen der Tagung „ERSTER WELTKRIEG – EINE EUROPÄISCHE ERFAHRUNG“ zeige ich am 5.12. unsere Collage zum 1. Weltkrieg

Zuvor hatte mich eine kurzfristige Anfrage der Evangelischen Akademie in Tutzing an den Starnberger See geführt. An diesem idyllischen Ort werde ich am 5. Dezember eine leicht erweiterte und nunmehr komplett bebilderte Fassung der Collage zum 1. Weltkrieg zeigen, die Jon Michael Winkler und ich im Sommer für den Ökumenischen Gedenkgottesdienst in Haidhausen produziert hatten.
Der EKD-Vorsitzende und Landesbischof Heinrich Bedford-Strom mit Friedrich Kardinal Wetter beim Gedenkgottesdienst im Sommer, Foto: K. Stiessberger

Der EKD-Vorsitzende und Landesbischof Heinrich Bedford-Strom mit Friedrich Kardinal Wetter beim Gedenkgottesdienst im Sommer, Foto: K. Stiessberger

Damals nahm übrigens auch der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm teil, der am gleichen Tag, an dem ich die Evangelische Akademie besuchte, zum neuen Ratsvorsitzenden der EKD gewählt wurde. Doppelte Freude herrschte also bei mir, denn Bedford-Strohms Elan hat mich zu einem aktiven Mitglied meiner eigenen Gemeinde werden lassen und seine Posts auf FB verfolge ich mit Interesse, wünschend, dass alle Amtsträger, ob Kirche oder sonstige, soviel Transparenz an den Tag legen würden …

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Dieter Reiter besucht erstmals den PresseClub München in seinem neuen Amt als Münchner OB

„Es macht schon Spaß, Bürgermeister zu sein“, lautete ein Statement von OB Dieter Reiter im Rückblick auf seine ersten 100 Tage im Amt. Man könne dann die Wege beschreiten, die man für sinnvoll halte. Zugleich betonte Reiter aber auch, ein Teamworker zu sein und sich gerne mit seinem Mitarbeiterstab zu besprechen, vor allem wenn er mit seinem Latein am Ende sei. (Ganz neue Töne im Rathaus!) Juristische Einwände seien dabei für ihn nicht prinzipiell hinderlich. So habe er sich in Bezug auf die Bayernkaserne nur seinem Gewissen und dem Artikel 1) des Grundgesetzes verpflichtet gefühlt. Im übrigen werde eine menschenwürdige, vernünftige und integrative Flüchtlingspolitik auch weiterhin ganz oben auf seiner Agenda stehen. Als vordringliches Thema kam auch die zweite Stammstrecke zur Sprache. Langsam sei seine Geduld am Ende, äußerte der OB, schließlich werde das Projekt ja auch nicht billiger. Sollte er vom Freistaat bis Ende des kommenden Quartals keine verbindlichen Zusagen erhalten, so wolle er sich mit dem Stadtrat bzgl. möglicher Alternativ-Lösungen auf rein städtischer Ebene besprechen, möglicherweise mit einem Zurückziehen der anteiligen Finanzierungsmittel.

Reiter bezeichnete sich selbst als „elenden Pragmatiker„. Das lässt sich durchaus auch als Umschreibung für „Macher“ auslegen. Und so hat er bei dem für uns Bürger so wichtigen Berufsstand der ErzieherInnen gleich mal bessere Verdienstmöglichkeiten ge“macht“, in Höhe von € 200,- pro Monat. Nach der Veranstaltung im PresseClub hat sich mein Eindruck verfestigt, für den richtigen Mann Wahlkampf betrieben zu haben. Ich denke, dass unter seiner Führung ein neuer Stil Einzug hält, jenseits allen irritierend staatstragenden Gehabes. Vielmehr erlebte ich unseren neuen OB als angenehm schnörkellos in der Diktion und so auf den Punkt, dass ich diesen ganzen Absatz praktisch aus dem Gedächtnis formulieren konnte. Wie angenehm bei einem Politiker, der auch betont, wie wichtig ihm die Wortkomponente „Bürger“ im „Bürgermeister“ sei, und dass er daher die Bürgersprechstunde, die er wider so manche Warnung bereits eingerichtet hat,  weiter etablieren wolle. Seine langjährigen Erfahrungen als Verwaltungsfachmann werden ihm ebenfalls beim Regieren unserer Stadt sehr zugute kommen. Aus dieser ehemaligen Funktion heraus klärte er viele von uns auch darüber auf, dass München inzwischen so gut wie schuldenfrei sei. Gute Aussichten also insgesamt für meine Wahl-Heimatstadt 😉

Peter_Lang_Genosse_Rock_n_Roll_Europaeische_Schule_Muenchen_Gaby_dos_Santos_Blaesser

Vorschau: Diesen Donnerstag, den 20. November, um 20 Uhr, findet die eigentliche Aufführung von „Genosse Rock’n Roll“ statt, in der Europa Halle der Europäischen Schule, Elise-Aulinger-Str. 21, München-Neuperlach, im Rahmen der ambitionierten Reihe „Europäische Identitäten“.

http://esmunich.de/home/hoehere-schule/projekte/europaeische-identitaeten.html

Koordinator ist Dr. Roland Jerzewski, dem wir diesen Auftritt verdanken, für den die Schule erstmals ihre Pforten der Öffentlichkeit zu einer Abendveranstaltung öffnet. Dies rührt mich ganz besonders, da ich selber meine gesamte Schulzeit auf einer Europäischen Schule verbracht habe, der in Varese/Italien. Jeder Auftritt an der Europäischen Schule in München fühlt sich für mich daher ein wenig ein „back to the roots“ an.

Mehr über die Collage

http://www.jourfixe-muenchen-ev.de/dhtml/jfkatalog/Genosse_Rock_n_Roll_Collage.htm

Eigentlich enthält dieser Blog mehrere Blogs, die ich jedoch zeitnah nicht schreiben konnte und dürfte daher als Lektüre bis Mitte Dezember reichen ;-))  da ich mich nach dem Auftritt am Donnerstag wieder einmal in Kreativ-Klausur begeben werde.


Zum Verzeichnis aller Blogs mit jeweiligem Link

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