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Buschtrommeln für „mau“ – Die Geschäftsidee von „Two Tickets“ – ein Tauschhandel der besonderen Art

Für Couch-Potatoes sind bei dieser Firma – das Logo lässt daran keinen Zweifel – die Stunden angezählt! „Runter vom Sofa, rein in die Stadt!“ lautet der Slogan der deutschlandweit aktiven Berliner Firma „Two Tickets“, der eine pfiffige Marketing-Idee zugrunde liegt: Für einen Mitgliedsbeitrag ab 7,99 im Monat, haben KulturinteressentInnen Zugriff auf Freikarten sowie verloste oder reduzierte Tickets für unterschiedlichste Veranstaltungen in ganz Deutschland.

  • Erlebe die Veranstaltungen immer zu zweit, lerne gern auch andere Stadtentdecker kennen.

Entdecke die Szene sowie neue Veranstaltungsorte!

  • Wir losen dir Freikarten für Veranstaltungen nach deinen Interessen zu. Benachrichtigungen kannst du direkt auf dein Handy empfangen!
  • Lasse dich von unseren Veranstaltungsvorschlägen überraschen und inspirieren.

So deren Angebot im O-Ton auf der Homepage

Stellt sich die Gretchenfrage nach dem Benefit für uns Kunst- und Kulturschaffende, denn Freikarten sind und bleiben nun einmal Freikarten. Droht aber, besonders bei en-suite-Aufführungen, Zuschauerschwund, so füllt uns dieses System die Ränge – statt mit gähnender Leere, mit Klientel für mögliche künftige Mund-zu-Mund-Propaganda!

„Die Probleme begannen, als Mensch bemerkte, dass er Publikum braucht, applaudierendes Publikum … “ Foto von Werner-Bauer aus einer Bildsequenz der jourfixe-Satire nach E. Kishons „Kein Applaus für Podmanitzki“

Für unsere Kulturplattform jourfixe-muenchen hat sich das „Two-Tickets-System“ erstmals 2010 bewährt. Damals gastierten wir mit meinem jourfixe-Historical „Das Lied von Lili Marleen“ bei Heiko Dietz in seinem unvergessenen „Theater … und so fort“ in Schwabing. Leider stellte sich bald heraus, dass mein Konzept multimedialer Bühnen-Collagen/Historicals damals noch zu wenig bekannt war für die beträchtliche Anzahl von Terminen, mit denen wir uns an der Bühne eingebucht hatten. Das Theater blieb ziemlich leer, Tag für Tag. Das Problem daran war nicht nur, dass keiner an solchen Abenden verdiente und der Sohn von Lale Andersen, aus solidarischer Verzweiflung, Abend für Abend Freunden aus eigener Tasche Karten spendierte – nein, das viel größere Problem war – und ist, dass sich bei schlecht besuchten Vorstellungen keine wirklich gute Bühnen-Atmosphäre entwickeln kann, was bei den wenigen Zuschauern noch zusätzlich einen schlechten Eindruck hinterlässt. Die so dringend benötigten Buschtrommeln werden diese danach kaum betätigen. Heiko halte ich bis heute zugute, dass er die Situation ohne ein böses Wort uns gegenüber hinnahm. Und das, obwohl er als Leiter eines privaten Theaters auch mit jeden Cent rechnen musste.

Doch eines Abends war alles anders: der Raum wieder annehmbar gefüllt, die Stimmung entsprechend aufgeräumt – die Kasse allerdings weiterhin auch. Ich staunte Bauklötze, woher diese ganzen Freikarten-BesitzerInnen kamen. Heiko klärte mich daraufhin über das System sowie den Nutzen für uns Veranstalter der „Two Tickets“ auf und bei mir fiel der eine oder andere Groschen dahingehend, warum es sich bei manchen KollegInnen immer einen Tick mehr füllte, als bei uns 😉 Fakt ist: Nicht jede Veranstaltung bekommt man gleichermaßen voll, schon gar nicht bei der heutigen Konkurrenz von TV und Internet und einer Klientel, die es nach einem Arbeitstag im Daten-Overkill nicht auch noch massenweise ins Kulturleben drängt. Inzwischen stelle ich daher routinemäßig, selbst bei erfolgreichem Kartenvorverkauf, zu jeder jourfixe-Veranstaltung mindestens 1 x 2 Karten zur Verlosung bei Two Tickets ein,  allein schon aus PR-Gründen.

Übrigens steht „der Bus mit den Rekruten aus Tel Aviv“ in Ephraim Kishons Satirensammlung „Kein Applaus für Podmanitzki“ für genau die gleiche (Not)Lösung seit Jahrzehnten startbereit, gestaltet sich aber um einiges unhandlicher … 😉


Two Tickets war bisher für mich eine feste, zugleich aber phantomatische Einrichtung aus der virtuellen Marketing-Welt. Daher habe ich meinen Berlin-Aufenthalt u.a. dazu genutzt, die Macherinnen und Macher am Prenzlauer Berg ganz reell in ihrem UR-Berliner-Altbau zu besuchen. Auf dem Titelbild bin ich mit unserer neuen Ansprechpartnerin zu sehen, Frau Dunja Böhnisch.

Details: https://www.twotickets.de/


Verzeichnis aller jourfixe–Blogbeiträge mit jew. Link

 

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Was für ein Herbst!

Was für ein Herbst-Kaleidoskop: Schwarzwald-Expeditionen, eine Veranstaltung mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, unser neuer Oberbürgermeister Dieter Reiter hautnah im PresseClub, ein Engagement an die Evangelische Akademie in Tutzing, eine Demo gegen den Rest der Welt, Chorprobe im Herkulessaal, Vortrag zur Sterbehilfe im Bayerischen Landtag, russischer Tanzabend im Gasteig, Gedenkmarsch der Rosa Liste, Tortenschlacht mit Naomi Isaacs, eigene Aufführungen und und und … Wenn man dann bedenkt, dass ich diesen Herbst mit einer psychosomatischen Reha eingeleitet habe, dann wundert nichts mehr.

Bei dem leidenschaftlich selbst gewählten Lebensstil kann mir keine psychosomatische Klinik auf der ganzen Welt weiterhelfen. Was ich mir dort erträumt hatte, war wohl eine Art Doping-System ohne Nebenwirkungen, um noch mehr aus dieser vielseitigen, schillernden, spannenden Welt in meinem Leben mitnehmen zu können. Da hilft nur eines, was ich mir eh angewöhnt habe: Notbremse ziehen, wenn es mal wieder zu bunt wird!

Gaby dos Santos

Ergotherapeutische Seidentücher, original von mir  in zahllosen Ergotherapie-Stunden produziert, wobei sich dankenswerterweise die Farben stets selbst schattierten, mit schönen Effekten, die mich jedoch bezweifeln lassen, ob wohl wirklich viel eigenes „Dos-Santos-Ich“ in diese Tücher ein-geflossen ist? Die Alternative wäre Körbe flechten gewesen.

Gleichgeschaltet im therapeutischen Hamsterrad fand ich mich jedenfalls in meiner Reha wieder, beraubt aller meiner Möglichkeiten, mir einen eigenständigen, ausgefüllten Alltag zu gestalten. Und das ist mir so gar nicht bekommen. Überhaupt: Unsere Psyche ist unser geistiger Fingerabdruck und daher nicht ohne weiters verallgemeinbar, was in krassem Widerspruch zu dieser Zeit der klammen Kassen steht, in der Massenabfertigung auch im medizinischen Bereich gefragt ist. Jedenfalls hieß es auf Kur „Gruppe, Gruppe“, bis zum Abwinken. Einzig die Gruppentherapie unter Leitung des türkischen Facharztes für Psychosomatik, Dr. Mehmet Tokus, erwies sich als  Highlight-Erfahrung, obwohl auch „Gruppe“:

In obiger Runde lernte ich den persischen Dichter und Sufi-Mystiker RUMI (1202 -1273) sowie mich selbst ein wenig besser kennen. Ein weiteres Merkmal jeder Gruppentherapie, neben der Stuhllanordnung, ist die bereit stehende Kleenex-Box, die hier allerdings schon verräumt und daher auf dieser Abbildung nur angedeutet ist.

Gruppentherapie: Selten so intensiv und in so geistreichem Umfeld geheult – So lässt sich meine Initiation in die Welt der Gruppentherapie zusammenfassen. Durch unseren türkischen Therapeuten und die in dieser Gruppe vorwiegend türkischen Mitpatienten, wehte ein mediterraner Hauch durch den Therapie-Raum. Die Seele wurde anhand der Befindlichkeit einzelner Gruppenmitglieder individuell beleuchtet, auf ebenso einfühlsame wie taktisch kluge Weise. Spannend wurde es immer, wenn sich Dr. Tokus mit halb geschlossenen Augen zurücklehnte, die Gruppe einige Minuten lang in ein beredtes Schweigen fallen ließ, um dann, mit einer durchdacht formulierten Nachfrage, eine Situation aus der Schwebe psychologisch auf DEN EINEN Punkt zu bringen, an dem alle Anwesenden auch ein Stück von sich selbst wiederfanden.  Veranschaulicht wurde das Ganze anhand von Zitaten aus der Welt der Psychoanalyse, aber auch anhand orientalischer Mystik, beispielsweise Zitate von Rumi (s.Foto). Grundsätzlich verkörperte Dr. Tokus für mich etwas von jenem Geist, der den Orient hatte blühen lassen, als Europa sich noch im finstersten Mittelalter befand. Zudem leitete er als „Moderator“, wie er sich bezeichnete, eine Gruppe, in der eine südländisch emotionale und sehr empathische Stimmung herrschte, in der ich mich geborgen fühlte.

Gaby_dos_Santos_schwarzwaelder_LieblingskuhDas euphorische Umarmen von Baumstämmen hingegen, wie von einer anderen Therapeutin angeregt, wäre weniger „meines“ gewesen. Zu barfußtanzend, mal abgesehen davon, dass meine Arme (ausprobieren tue ich alles mal) sich als zu kurz für Baumstämme erwiesen und ich meine Naturverbundenheit eher anhand von Monologen mit Tieren, z. B. mit der erstaunten Kuh links bekunde. (Original-Momentaufnahme)

Schwarzwald_Gaby_dos_SantosAb Woche Drei meiner Seelenrevision am psychosomatischen Fließband erreichte meine Stimmung einen absoluten Tiefpunkt, so dass ich beschloss, die geographische Lage meiner kleinen Reha-Klinik auszunutzen. Statt weiter bei schönstem Sonnenschein in der Lehrküche Vollkornbrote zu produzieren, die ich daheim unter Garantie nie backen würde oder stundenlang in einer Turnhalle Federbälle als sporttherapeuthische Maßnahme zu schlagen, seilte ich mich in die Idylle des Schwarzwalds ab.

Schwarzwald_Stimmungsbild_Gaby_dos_Santos_jourfixe-Blog

Es folgten 10 wunderbare letzte Tage Wanderurlaub, gesponsert von der DRK, für die ich sehr dankbar bin. Alleine auf Wanderschaft, konnte ich endlich wieder meinen Rhythmus selbst bestimmen, überraschende Eindrücke und auch Erfolgserlebnisse sammeln, als ich unbeirrt auf meinen kurzen Beinen einen Haufen Kilos über 800 Höhenmeter und als schwierig eingestufte Routen bergauf schleppte. Dabei bedachte ich besonders schöne Stellen stets mit einer ausgiebigen Zigarettenpause. Schließlich besagte eines von Dr. Tokus orientalischen Zitaten: Das Bargeld ist die Gegenwart …

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Die Plotzsägmühle bei Bad Herrenalb ist bis heute aktiv

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Die wechselvolle Chronik der Ploetzsägmühle im Schwarzwald

Die Plötzsägmühle in der guten alten Zeit

Die Plötzsägmühle in der guten alten Zeit

Politik inmitten Schwarzwälder Idylle

Politik inmitten Schwarzwälder Idylle

Holzbrücke über die Alb

Holzbrücke über die Alb

Die Alb

Die Alb

100 Millionen Jahre haben diese Felsbrocken auf dem Buckel

100 Millionen Jahre alte Felsbrocken

 

 

 

 

Gaby_dos_Santos_jourfixe-muenchen

Back in town, wie schön! Ich hatte mein Leben zurück! Statt „Macht Schokolade glücklich?“ (Angeblich „ja“, wenn man sie als kleines Stück minutenlang auf der Zunge zergehen lässt) erwartete mich nun ein Seminar im Gasteig zum Thema „Europa fördert KULTUR“- aber wie?„, veranstaltet vom Kulturreferat in Kooperation mit dem „Cultural Contact Point“, respektive der für Deutschland zuständigen Anlaufstelle in Bonn. Vormittags wurden all die Punkte aufgezählt, die für die EU-Jury maßgeblich sind, um Fördermittel in einer Höhe auszuschütten, von der hier vor Ort unsereins nur träumen kann. Aber diese Kriterien wollen ja erstmal in ein künstlerisches Konzept eingebunden und mindestens zwei Partner in zwei weiteren EU-Ländern gefunden werden. Nachmittags hieß es dann – wieder einmal – eine Gruppe! bilden und gemeinsam ein fiktives Thema fördergerecht aufzubereiten. Meine Gruppe folgte dem augenzwinkernden Vorschlag des Schauspielers und Regisseurs Jochen Strodthoff: Museumsluft einfangen und an einem anderen, EU-kompatiblen Ort künstlerisch wieder ausschütten. Wie riecht der Schweiß der Besucher im Angesicht der Mona Lisa? Kunst ganz nah am Menschen – oder so … Interessierten Kolleginnen und Kollegen wenden sich an die Hotline Tel. 0228/201 35-0 oder nutzen nachstehenden Link: http://www.creative-europe-desk.de

Demo gegen alles am Rindermarkt

Demo gegen ALLES am Rindermarkt

Meine alte Bekannte Zehra Spindler hatte auf Facebook zur Demo gegen Monsanto aufgerufen. Naomi Isaacs, Cornelia Prössl und ich hielten dies für eine wichtige Aktion und fanden uns am Rindermarkt ein. Ein wenig spannungsgeladen erschien mir die Stimmung schon, als sich der Treffpunkt allmählich füllte. Es fanden sich viele „wir“ ein, die „wir“ aus den 68er/70 und frühen 80er Jahren, ergraut aber doch immer noch voll Elan dabei und mehr oder weniger in unveränderter Kampfaufmachung. Was dann doch dem einen oder anderen in der Menge einen leicht mumifizierten Anstrich verlieh.

Neue globale Verschwörungstheorien in Buchform werden uns Demonstranten am Sendlinger Tor verlesen

Neue globale Verschwörungstheorien in Buchform werden uns Demonstranten am Sendlinger Tor verlesen

Irgendwie schien es um respektive gegen die ganze Welt zu gehen. Wie wir später erfuhren, hatten sich aus organsiatorischen Gründen alle nur möglichen und unmöglichen Splittergruppen zusammen geschlossen. Schade, denn so verwässerte sich jegliches Anliegen und die Aktion glitt ins Fragliche ab, als die Gelegenheit genutzt wurde, um das neueste Druckwerk in Sachen „Globale Verschwörungstheorien“ ausgiebigst anzupreisen, nachdem man – immerhin – bis Sendlinger Tor über die gesperrte Hauptstraße marschiert war, angeführt von brasilianischen Blechrhythmen. Nachdem sich für uns die Veranstaltung immer mehr ihres Sinnes entleerte, zogen wir weiter zum Damenkränzchen mit absolut glücklich machendem Schokoladenkuchen, in welchem wir unsere Weltverbesserungsambitionen für diesen Tag begruben …

Allround-Küsntlerin Naomi Isaachs und ich bei der Tortenschlacht fotografiert von Aniela Adam, www.die-fotografin-iin-muenchen.de

Allround-Küsntlerin Naomi Isaacs und ich bei der Tortenschlacht, fotografiert von Aniela Adams, http://www.die-fotografin-in-muenchen.de

Florian Pronold, Landesvorsitzende der BayernSPD, Bundesumwelt- und Baustaatssekretär zu Gast im PresseClub

Florian Pronold, Landesvorsitzende der BayernSPD, Bundesumwelt- und Baustaatssekretär, zu Gast im PresseClub

Mein Engagement als politisch denkende Bürgerin erhielt bald darauf einen erheblichen Dämpfer – Dachte ich doch, inzwischen über diverse TV-/Print – und Internet-Beiträge alles nur Wissenswerte über TTIP in Erfahrung gebracht zu haben und dann kommt Florian Pronold in den PresseClub und plädiert für ein Überdenken der totalen Ablehnung von TTIP! Hierzu hat die Bayern-SPD auch eine ausführliche, via-Livestream übertragene Debatte ins Netz gestellt und inzwischen ergänzt. Nachstehend der Link

http://bayernspd.de/ttip-debatte/

An dieser Stelle gestehe ich: Momentan habe die politische Bürgerin Gaby dos Santos gar nicht die Zeit, diesen Beitrag durchzuarbeiten, merke mal wieder, wie schwer es arbeitenden Menschen fällt, sich wirklich so umfassend zu informieren, wie es die Themen erfordern würden. Und wann bitte die tägliche Flut an Meldungen auf ihren Wahrheitsgehalt erschöpfend prüfen? Andererseits verleitet Facebook allzu oft zu vorschneller Parteinahme. Damit möchte ich jetzt nicht sagen, dass ich bzgl. TTIP die Seiten wechsle, sondern meine Meinung zurückstelle, bis ich die Zeit finden werde, alles in Ruhe durchzusehen.

Chorprobe im Herkulessaal mit gefühlvollen Smartphone-Anklängen

Chorprobe im Herkulessaal mit gefühlvollen Smartphone-Anklängen

In der selben Woche lud der Chor der Bayerischen Philharmonie zur Generalprobe in den Herkulessaal der Münchner Residenz, zu Haydn’s „Die Schöpfung“, unter der engagierten Leitung von Mark Mast. Spannend an dieser Produktion war die Einbindung des Barockorchesters L’arpa festante, welches Originalinstrumente aus der Zeit einsetzt, wodurch klangtreue Aufführungen nachempfunden werden können. Während des Konzerts beschäftigte mich allerdings noch eine Frage der zwischenmenschlichen Art: Der Bariton–Solo-Engel war, sobald nicht singend, coram publico nonstop mit seinem Smartphone zu Gange und lächelte dabei wie ein Honigkuchen-Pferd in sich hinein. Amors Pfeile aus der virtuellen Welt? Wäre auch ein Aspekt der Schöpfung  ;–)) Mehr zur Bayerischen Philharmonie, die heuer 20. Jubiläum feiert unter http://www.bayerische-philharmonie.de/Startseite

 

Der alljährliche Gedenkmarsch für die homosexuellen NS-Opfer am 20.10. endete vor dem LeTrans

Der alljährliche Gedenkmarsch für die homosexuellen NS-Opfer am 20.10. endete vor dem LeTrans, der Münchner Begegnungsstätte für Lesben und Transsexuelle

Die homosexuellen Häftlinge kennzeichnete ein rosa Winkel. Um dem Lager-Inferno zu entkommen, willigten eine ganze Reihe Schwuler in eine "freiwillige" Kastration ein

Die homosexuellen Häftlinge kennzeichnete ein rosa Winkel. Um dem Lager-Inferno zu entkommen, willigten eine ganze Reihe Schwuler in eine „freiwillige“ Kastration ein

20. Oktober 1938: Mit dem Übergriff auf die Gäste der Schwulenkneipe „Schwarzfischer“  am Oberanger, Ecke Dultstraße, erwies sich „die Hauptstadt der Bewegung“ auch als Vorreiterin der Verfolgung Homosexueller in der NS-Zeit.

Organisiert von der Rosa Liste,  dem Forum Homosexualität, u.a., versammeln sich jedes Jahr an dieser Stelle vorwiegend Schwule und Lesben, zu einem kleinen Marsch mit Lichtern. Und „klein“ war hier für meinen Geschmack ein Störfaktor. Ich finde, dass noch immer zu wenig der noch kleineren Minderheiten innerhalb der unter den Nazis verfolgten Minderheiten gedacht wird. Auch von den betroffenen Gruppen selbst. Etwa 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer habe ich gezählt. Für all das Leid, das hinter diesem Gedenktag steht, noch immer zu wenig.  Zu wenig für all die Schwulen, welche, wie Stadtrat Thomas Niederbühl, Vorsitzender der ROSA LISTE,  in seiner berührenden Rede treffend sagte, kein anderes Verbrechen begangen hatten, als zu lieben. In seiner Ansprache wies er auch auf die erfreuliche Tatsache hin, dass im nächsten Jahr genau an diesem Ort ein Denkmal aufgestellt wird. Außer ihm sprachen Rita Braatz (LETRA) und der Historiker Albert Knoll, Vorstandsvorsitzender des forum homosexualität münchen, Lesben und Schwule in Geschichte und Kultur. Knoll forderte nicht nur zum Gedenken auf, sondern äußerte auch die Hoffnung, dass schon bald ein würdiger Erinnerungsort nah am Ort des Ereignisses entstehen soll. Interessierte können beispielsweise mit Unterstützung des forum über Lebensläufe betroffener Schwuler forschen und sie aufschreiben. (Zitat Homepage „forum homosexxualität münchen“) http://www.forummuenchen.org/

Das Foto zeigt von li.; Frau Dr. Bosselli, Geschäftsführerin des Forums Kirche und SPD, die evangelische Stadtdekanin Barbara Kittelberger, Prof. Dr. Manzeschke, die SPD-Landtagsabgeordnete Diana Stachowitz, Bürgermeisterin a. D. Gertraud Burkert nach der Veranstaltung im Bayerischen Landtag

Von li.; Frau Dr. Bosselli, Geschäftsführerin des Forums Kirche und SPD, Stadtdekanin Barbara Kittelberger, Prof. Dr. Manzeschke, SPD-MDL Diana Stachowitz, Bürgermeisterin a. D. und Münchner Ehrenbürgerin Gertraud Burkert, nach der Veranstaltung am 21.10.14 im Bayerischen Landtag

Im „Forum Kirche und SPD“ folgte am nächsten Abend die Auftaktveranstaltung der Reihe “Sterbehilfe-Palliativmedizin-Hospiz”. Prof- Dr. theol. habil. Arne Manzeschke, LMU München, referierte über „Veränderungen im Gesundheitswesen, unter dem Aspekt „des Umgangs unserer Gesellschaft mit Tod und Sterben“. Mit seinem Vortrag warf Manzeschke vor allem Fragen auf, was ich angesichts des Thema für absolut richtig hielt. Ebenso bestürzt wie nachdenklich stimmten mich die Wortmeldungen einer Reihe von Gästen, die über sehr persönliche Erfahrungen berichteten.  Diese handelten von äußerst qualvollen Sterbeprozessen. Diese Schilderungen ergänzte Stadtdekanin Barbara Kittelberger mit einen sehr leidenschaftlichen Einwurf: Während ihrer Klinikseelsorge habe sie nichts erlebt, was eine Verklärung des Sterbens rechtfertige. „Man stirbt sehr alleine, so alleine, wie man gekommen ist.“ Angesichts solcher Äußerungen fällt es schwer, Forderungen wie der unseres EKD-Vorsitzenden 100%ig beizupflichten, welcher „schmerzfreies Sterben bei liebevoller Betreuung“ propagiert. Ein frommer Wunsch, der aber – noch? – keineswegs der Realität entspricht. Weder von den Möglichkeiten der Schmerztherapie her, noch angesichts des Pflegenotstands. Aber sicher sollte ein Ausbau der Palliativ-Medizin energisch voran getrieben werden. Persönlich halte ich dennoch nichts von einer Legalisierung der Sterbehilfe. Ich denke, den Ärzten ist schon heute ein gewisser Spielraum gegeben, abhängig von deren Gewissen, welches sich ja auch schlecht staatlich reglementieren lassen würde – oder? Diese Frage wird unsere Gesellschaft jedenfalls noch lange begleiten, und ich bin dem Forum Kirche und SPD dankbar, dass es dieses Thema unter verschiedenen Aspekten auch 2015 weiter beleuchten wird. 

Ein weiteres Schwerpunktthema 2015 wird der interreligiöse Dialog sein, für mich, in Hinblick

Ein Stück neuere bayerische Geschichte dargestellt in Kurzbeiträgen und herausgegeben von Franz Maget, Vorsitzender des Forums Kirche und SPD

Ein Stück neuere bayerische Geschichte dargestellt in Kurzbeiträgen und herausgegeben von Franz Maget, Vorsitzender des Forums Kirche und SPD

auf meine geplante Collage zum Reformationsjahr, ebenfalls ein dankbares Thema.

Mehr Informationen zum Forum Kirche und SPD,  über http://sonntags-blog.de/termine/

Peter Lang alias "Genosse Rock'n Roll" 2014, Foto: Werner Bauer

Peter Lang alias „Genosse Rock’n Roll“ 2014, Foto: Werner Bauer

Mein Freund, Sponsor und Kooperationspartner Peter Lang blickt auf eine erfolgreiche Musikerjugend in Ungarn zurück, als Mitbegründer der ungarischen Kultbands OMEGA und HUNGARIA. Mit letzterer gewann er 1968 „Ungar sucht den Superstar“, zu einer Zeit also, als Dieter Bohlen quasi noch in Windeln lag. Entsprechend angesehen ist Peter bis heute in den ungarischen Kreisen Münchens.

  
Daher erhielten wir über das ungarische Online-Magazins Ungarn-Panorama
die Einladung zu einer Veranstaltung mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, zu der die deutsch-ungarische Gesellschaft in die Hanns Seidel Stiftung geladen hatte.

Unter den Gästen fand sich übrigens auch, ganz ungewohnt mit Schlips und Kravatte, Musiker und Produzent Leslie Mandoki, zu meiner Überraschung ein guter alter Bekannter und ehemaliger Kooperationspartner von Peter.

In der Hanns Seidel Stiftung, als Gastgeberin einer Veranstaltung mit Viktor Orbán, die Präsidentin der deutsch-ungarischen Gesellschaft in München, Elisabeth Schosser

In der Hanns Seidel Stiftung, als Gastgeberin einer Veranstaltung mit Viktor Orbán, die Präsidentin der deutsch-ungarischen Gesellschaft in München, Elisabeth Schosser – Foto: Ungarn Panorama

Viktor Orbán kam in Begleitung von Edmund Stoiber, welcher auch die Begrüßungsrede hielt. Kern seiner Rede war ein Appell, Ungarn mit differenzierteren Augen zu betrachten. In diesem Punkt sprach er mir aus der Seele, nicht nur in Bezug auf Ungarn, sondern ganz grundsätzlich: Meiner Meinung nach sollten wir uns ein wenig damit zurückhalten, anderen Ländern öfter mal unsere Auffassung von „political correctness“ aufdrücken zu wollen. Zu Recht wies Viktor Orbán gestern darauf hin, dass jedes Land seine eigene (kulturelle) Geschichte habe und damit andere Verhältnisse, auf die mit unterschiedlichen, nicht eins zu eins übertragbaren Wegen reagiert werden müsse.

Peter Lang mit ca. 6 Jahren

Peter Lang mit ca. 6 Jahren

Was weiß denn ich, ein aus den komfortablen westdeutschen Verhältnissen hervorgegangenes SPD-Mitglied, wie meine politische Einstellung aussähe, wenn man meine Familie unter einem kommunistischen Regime enteignet hätte, mit fatalen Folgen für die Großeltern, wie bei Peter Lang z. B. der Fall? Wenn ich jahrzehntelang durch eine Diktatur in eingeschränkt gewesen wäre? Und würde ich mir weiterhin die Vision einer gesellschaftlichen Chancengleichheit leisten wollen, wenn mich nicht das engmaschige deutsche Sozialnetz sichern würde, ich vielmehr um meine nackte Existenz fürchten oder gar kämpfen müsste? Oder aber Millionen gescheffelt hätte?

Wie auch immer. Man kommt nicht umhin, der Orbán-Regierung zuzugestehen, dass das Land unter ihrer Führung einen Aufschwung erlebt und mit einer entsprechenden absoluten Wahlstimmen-Mehrheit für ihre Fides-Partei quittiert worden ist.

Viktor_Orban_Hanns_Seidel_Stiftung_Gaby_dos_Santos_jourfixe-BlogEntsprechend groß daher  das Selbstbewusstsein, mit dem Orbán den aktuellen Zustand seines Landes darstellte. Seine Erfolgsbilanz würde ihn Auslandskritik mit entsprechender Gelassenheit hinnehmen lassen, gab er auf eine Frage zur Antwort. Gerne und gekonnt kokettierte er mit jenem Hang zur Provokation, der regelmäßig für heftiges Rauschen im ausländischen Blätterwald sorgt. Auch diesmal entsprach er seinem Image, wenn er wieder einmal  eine Ausführung mit „„Ich provoziere Sie jetzt mal …“ begann, um dann in charmantestem Plauderton eine politische Ansicht in überspitzter Form in den Raum zu stellen – und amüsierten bis begeisterten Applaus zu ernten.  Zeitweise habe ich mich, als Teil des Publikums, von ihm regelrecht vorgeführt gefühlt. Dabei redete Orbán weitgehend frei und zeigte sich besonders in der anschließenden Fragestunde als  schlagfertiger Interview-Partner.

Wer diesen Mann als populistischen Simpel disqualifiziert, wird ihm nicht nur nicht gerecht, sondern liefert ihm meiner Meinung nach eine willkommene Breitseite, sich weiter vor seinen Anhängern zu profilieren, als eine Art ungarischer David gegen die Goliaths EU, Auslandspresse und darüber hinaus. In einer Zeit, in der sich Politik immer mehr zu einer Frage von PR-Strategien entwickelt, spielen unangemessene bis unqualifizierte Pressestimmen einem rhetorischen Fechtmeister wie Orbán nur in die Hände, denn dieser Mann weiß offensichtlich die Mechanismen einer breiten Konsensbildung klug für sich zu nutzen.

Und das stimmt mich so nachdenklich. Politiker wollen gewählt werden. Allzu oft um jeden Preis. Auch hierzulande könnte ich Volksvertreter benennen, die sich öffentlichkeitswirksamst als Stammtisch nahe Hardliner präsentieren. Trifft man sie dann in kleinem Rahmen, z. B. im PresseClub, ist man überrascht festzustellen, wie charmant, geistreich und auch tolerant dem politischen Gegner gegenüber sie in Wirklichkeit sind. Also drängt sich die Frage auf, welche Art von politischem Verhalten sich Volkes Geist heranzüchtet? Mehr demokratische Reife wäre von uns allen gefragt.

Die Tatsache, dass ein charismatischer Politiker und/oder eine Partei es schaffen, breite Mehrheiten zu gewinnen, ist leider keineswegs Garant für eine dauerhaft wünschenswerte Politik. Dass sich ein Silberstreif am Horizont schnell in eine Götterdämmerung verwandeln kann, lehrt uns die Geschichte. Aber ebenso, niemals vorschnelle und indifferenzierten Urteile zu fällen. Vielem von dem, was Orbán in seiner Rede äußerte, kann ich weder von meinen politischen noch von meinen ethischen Überzeugungen her zustimmen, doch solange die EU-Regeln eingehalten bleiben, die nicht zuletzt der Wahrung unserer gemeinsamen europäischen Werte dienen, kann ich mich dem Anliegen Edmund Stoibers nach einer möglichst differenzierten Betrachtungsweise  Ungarn gegenüber nur anschließen.

Peter_Lang_Genosse_Rock_n_Roll_Praesentation_PresseClub_Muenchen_Gaby_dos_Santos_jourfixeBlog

Peter Lang während der Präsentation von „Genosse Rock’n Roll“ im abgedunkelten PresseClub, Foto: Elisabeth Sorger

Apropos Ungarn: Wie der Ungar Peter Lang seine Jugend- und erste Musikerzeit in seiner Heimat erlebte, erzählt die multimediale Collage „Genosse Rock’n Roll„, die wir letzten Donnerstag im PresseClub in einer komprimierten Version vorab vorgestellt haben, aus Anlass von Peter Langs 70. Geburtstag…

<< Peter Lang während der Präsentation von „Genosse Rock’n Roll“ im abgedunkelten PresseClub, Foto: Elisabeth Sorger, selbst Ungarin und sehr berührt von Peter Langs Reminiszenzen, die sie in ihre Jugendzeit zurück versetzten.

Im Rahmen der Tagung "ERSTER WELTKRIEG - EINE EUROPÄISCHE ERFAHRUNG" zeige ich am 5.12. unsere Collage zum 1. Weltkrieg

Die Evangelische Akademie in Tutzing: Im Rahmen der Tagung „ERSTER WELTKRIEG – EINE EUROPÄISCHE ERFAHRUNG“ zeige ich am 5.12. unsere Collage zum 1. Weltkrieg

Zuvor hatte mich eine kurzfristige Anfrage der Evangelischen Akademie in Tutzing an den Starnberger See geführt. An diesem idyllischen Ort werde ich am 5. Dezember eine leicht erweiterte und nunmehr komplett bebilderte Fassung der Collage zum 1. Weltkrieg zeigen, die Jon Michael Winkler und ich im Sommer für den Ökumenischen Gedenkgottesdienst in Haidhausen produziert hatten.
Der EKD-Vorsitzende und Landesbischof Heinrich Bedford-Strom mit Friedrich Kardinal Wetter beim Gedenkgottesdienst im Sommer, Foto: K. Stiessberger

Der EKD-Vorsitzende und Landesbischof Heinrich Bedford-Strom mit Friedrich Kardinal Wetter beim Gedenkgottesdienst im Sommer, Foto: K. Stiessberger

Damals nahm übrigens auch der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm teil, der am gleichen Tag, an dem ich die Evangelische Akademie besuchte, zum neuen Ratsvorsitzenden der EKD gewählt wurde. Doppelte Freude herrschte also bei mir, denn Bedford-Strohms Elan hat mich zu einem aktiven Mitglied meiner eigenen Gemeinde werden lassen und seine Posts auf FB verfolge ich mit Interesse, wünschend, dass alle Amtsträger, ob Kirche oder sonstige, soviel Transparenz an den Tag legen würden …

Dieter_Reiter_PresseClub_Muenchen_Gaby_dos_Santos_jourfixe-Blog

Dieter Reiter besucht erstmals den PresseClub München in seinem neuen Amt als Münchner OB

„Es macht schon Spaß, Bürgermeister zu sein“, lautete ein Statement von OB Dieter Reiter im Rückblick auf seine ersten 100 Tage im Amt. Man könne dann die Wege beschreiten, die man für sinnvoll halte. Zugleich betonte Reiter aber auch, ein Teamworker zu sein und sich gerne mit seinem Mitarbeiterstab zu besprechen, vor allem wenn er mit seinem Latein am Ende sei. (Ganz neue Töne im Rathaus!) Juristische Einwände seien dabei für ihn nicht prinzipiell hinderlich. So habe er sich in Bezug auf die Bayernkaserne nur seinem Gewissen und dem Artikel 1) des Grundgesetzes verpflichtet gefühlt. Im übrigen werde eine menschenwürdige, vernünftige und integrative Flüchtlingspolitik auch weiterhin ganz oben auf seiner Agenda stehen. Als vordringliches Thema kam auch die zweite Stammstrecke zur Sprache. Langsam sei seine Geduld am Ende, äußerte der OB, schließlich werde das Projekt ja auch nicht billiger. Sollte er vom Freistaat bis Ende des kommenden Quartals keine verbindlichen Zusagen erhalten, so wolle er sich mit dem Stadtrat bzgl. möglicher Alternativ-Lösungen auf rein städtischer Ebene besprechen, möglicherweise mit einem Zurückziehen der anteiligen Finanzierungsmittel.

Reiter bezeichnete sich selbst als „elenden Pragmatiker„. Das lässt sich durchaus auch als Umschreibung für „Macher“ auslegen. Und so hat er bei dem für uns Bürger so wichtigen Berufsstand der ErzieherInnen gleich mal bessere Verdienstmöglichkeiten ge“macht“, in Höhe von € 200,- pro Monat. Nach der Veranstaltung im PresseClub hat sich mein Eindruck verfestigt, für den richtigen Mann Wahlkampf betrieben zu haben. Ich denke, dass unter seiner Führung ein neuer Stil Einzug hält, jenseits allen irritierend staatstragenden Gehabes. Vielmehr erlebte ich unseren neuen OB als angenehm schnörkellos in der Diktion und so auf den Punkt, dass ich diesen ganzen Absatz praktisch aus dem Gedächtnis formulieren konnte. Wie angenehm bei einem Politiker, der auch betont, wie wichtig ihm die Wortkomponente „Bürger“ im „Bürgermeister“ sei, und dass er daher die Bürgersprechstunde, die er wider so manche Warnung bereits eingerichtet hat,  weiter etablieren wolle. Seine langjährigen Erfahrungen als Verwaltungsfachmann werden ihm ebenfalls beim Regieren unserer Stadt sehr zugute kommen. Aus dieser ehemaligen Funktion heraus klärte er viele von uns auch darüber auf, dass München inzwischen so gut wie schuldenfrei sei. Gute Aussichten also insgesamt für meine Wahl-Heimatstadt 😉

Peter_Lang_Genosse_Rock_n_Roll_Europaeische_Schule_Muenchen_Gaby_dos_Santos_Blaesser

Vorschau: Diesen Donnerstag, den 20. November, um 20 Uhr, findet die eigentliche Aufführung von „Genosse Rock’n Roll“ statt, in der Europa Halle der Europäischen Schule, Elise-Aulinger-Str. 21, München-Neuperlach, im Rahmen der ambitionierten Reihe „Europäische Identitäten“.

http://esmunich.de/home/hoehere-schule/projekte/europaeische-identitaeten.html

Koordinator ist Dr. Roland Jerzewski, dem wir diesen Auftritt verdanken, für den die Schule erstmals ihre Pforten der Öffentlichkeit zu einer Abendveranstaltung öffnet. Dies rührt mich ganz besonders, da ich selber meine gesamte Schulzeit auf einer Europäischen Schule verbracht habe, der in Varese/Italien. Jeder Auftritt an der Europäischen Schule in München fühlt sich für mich daher ein wenig ein „back to the roots“ an.

Mehr über die Collage

http://www.jourfixe-muenchen-ev.de/dhtml/jfkatalog/Genosse_Rock_n_Roll_Collage.htm

Eigentlich enthält dieser Blog mehrere Blogs, die ich jedoch zeitnah nicht schreiben konnte und dürfte daher als Lektüre bis Mitte Dezember reichen ;-))  da ich mich nach dem Auftritt am Donnerstag wieder einmal in Kreativ-Klausur begeben werde.


Zum Verzeichnis aller Blogs mit jeweiligem Link

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Gedanken zum geDENKEN … Bilder des ökumenischen Gedenkgottesdienstes am 31.7. in St. Johann-Baptist

Seit Ende Juli ist die Gedenkzeit definitiv über uns herein gebrochen und hat dem Komponisten Jon Michael Winkler und mir u. a. den Auftrag zu einer jourfixe-Collage eingebracht – und ja, wie die Bilder und das Feedback zeigen, war es ein berührender ökumenischer Gottesdienst. Für mich jedoch mit einem dicken fetten „ABER“ verbunden …

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Bild-Montage aus der jourfixe-Collage „100 Jahre nach Kriegsausbruch“

Wo stehen wir denn eigentlich geistig und moralisch 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges? Wie weit klopfen wir heutzutage Meldungen auf mögliche propagandistische Inhalte ab? Wie weit hinterfragen wir politische Handlungen bzgl. möglicher verborgener Interessen? Wie weit sind unsere eigenen politischen Stellungnahmen noch tolerant, gemäßigt in der Diktion und zuverlässig recherchiert? Oder neigen wir wieder einmal zum propagandistisch gesteuerten Blick durch Zeitgeist-Brillen, wie vor 100 Jahren?

Bildcollage, die den Brief eines gefallenen Soldaten illustriert

Bildcollage, die den Brief eines gefallenen Soldaten illustriert

Noch während ich an meiner Collage zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges arbeitete, zog draußen auf der Rosenheimer Straße ein Pulk Demonstranten vorbei und skandierte „Wir werden siegen“. In diesem Falle gegen Israel. Ohne in irgendeiner Form parteiisch sein zu wollen – mir geht ebenso das Schicksal der palästinensischen Bevölkerung sehr, sehr nahe – erinnerten mich  diese Rufe auf bedrückende Weise mit der Siegeszuversicht von 1914. „Wir werden siegen! Das ist bei solch kraftvollen Willen zum Sieg gar nicht anders möglich.“ schreibt ein deutscher Soldat im August 1914 an seine Familie. Im September 1914 ist er tot.

„Jeder Stoß ein Franzos, jeder Schuß ein Russ!“ wurde damals als Losung verbreitet. Und vieles mehr, denn dem eigentlichen Krieg mit seinen tatsächlichen tödlichen Wunden eilte ein propagandistischer Kampf voraus, gesteuert von den Interessen und/oder Ängsten einiger weniger Männer.

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Weiteres Bild aus der Collage von Gaby dos Santos und Jon M. Winkler (Musik) zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs

In seinem Buch „Europa 1914“ äußert der Publizist Emil Ludwig rückblickend: „Europa Anfang August 1914. Lüge und Leichtsinn, Leidenschaft und Furcht von 30 Diplomaten, Fürsten und Generälen werden friedliche Millionen vier Jahre lang in Mörder, Räuber und Brandstifter aus Staatsräson verwandelt werden, um am Ende den Erdteil verroht, verseucht, verarmt zurückzulassen.“

Und heutzutage? Hocken wir nicht wieder auf einem Pulverfass? Vielleicht, weil der letzte Krieg schon zu lange zurück liegt, um die heutige Generation in dem Ausmaß abzuschrecken, wie unsere Eltern und Großeltern? Kommt ein neuer Kalter oder gar Heißer Krieg auf uns zu? Weil EU und NATO Russland – übrigens entgegen der Absprachen in Zusammenhang mit der deutschen Wiedervereinigung – immer mehr „auf den Pelz rücken“? Ich bin gewiss kein Fan von selbstherrlich regierenden Alpha-Männchen, egal welcher Couleur oder Nationalität. Dass sich aber gerade die USA so scheinheilig empört, weil Putin sich durch die Krim strategisch gegen eine mögliche Nato-Ausbreitung in der Ukraine abgesichert hat, leuchtet mir  ein. Und egal wie ich emotional zu diesem Schritt stehe, die USA, die sich seit jeher mit allen legalen und durchaus auch grenzwertigen bis illegalen Mitteln ihren Einfluss-Bereich weltweit vergrößert und gefestigt hat, sollte von ihren verbalen Provokationen Abstand nehmen. Allen voran Mr. Yes-We-Can-Lichtgestalt und Friedensnobelpreis-Träger! Zumal die Art der Diktion für einen Frieden sichernden Dialog alles andere als hilfreich ist. Deeskalation sieht anders aus, ein ziviler weltpolitischer Umgang auch!

Collage aus Propaganda-Motiven von 1914: Ein gefährlicher Nährboden

Bildcollage aus Propaganda-Motiven von 1914: Ein gefährlicher Nährboden (Quelle: jourfixe-Collage zum 31.7.2014)

Und Putin – ohne schlüssige Beweise – für den Absturz der malaysischen Passagiermaschine persönlich verantwortlich zu machen, ist anti-russische Propaganda auf niedrigstem Niveau. Wie kommt eine für den unverzichtbaren investigativen Journalismus einst so gelobte Zeitung wie der „Spiegel“ zu einem Titelblatt, wie dem von dieser Woche, welches die Bilder toter Passagiere direkt mit Putin in Verbindung bringt, noch dazu bevor die Untersuchungen überhaupt abgeschlossen sind? Erinnert mich sehr an Saddam Husseins angebliche Giftwaffen, Grund für einen Krieg, der die ganze Gegend destabilisiert hat und an dessen Spätfolgen (z.B. ISIS) die Welt noch heute zu leiden hat. Und doch scheint mir die EU auf bedauernswerte Weise wieder am Rockzipfel der USA zu hängen, und ich frage mich, wieso eigentlich in diesem Ausmaß?

Flüchtende Zivilisten in Belgien (Quelle: Bildcollage aus der jourfixe-Produktion zum 31.7.)

Flüchtende Zivilisten in Belgien (Quelle: Bildcollage aus der Produktion zum 31.7.)

Und welchen Sinn hat dieses ganze Hin und Her der Sanktionen? Sie treffen die Bevölkerung und nicht die Machthabenden bei deren Muskelspielchen.  Außerdem bin ich darüber entsetzt, wie Joachim Gauck, ehemals mein Wunschpräsident, als Präsident eines Volkes mit unserer Vergangenheit UND seiner als ehemaliger Pfarrer, sich für eine weitreichendere militärische Beteiligung Deutschlands im internationalen Kräftemessen aussprechen kann. Natürlich geht es manchmal darum, sich und Schwächere zu schützen. „Feindesliebe“ allein löst daher leider bei weitem (noch) nicht alle Probleme der Menschheit, Gaucks Reden jedoch sprengen für meinen Geschmack allzu oft die Grenzen der Verhältnismäßigkeit im Sinne einer Erweiterung der Rolle Deutschlands im globalen Machtpoker. Dabei hatte Deutschland nach dem Krieg die einzigartige Chance einer ausschließlich defensiven Rolle. Ob sich diese wirklich auf Dauer hätte halten lassen, weiß ich nicht. Aber dass sie zu leichtfertig Schröders und Fischers Alpha-Denken geopfert wurde, steht für mich fest. Die Büchse der Pandora steht nun auch für unser Volk weit offen.

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Die zerstörte Christus-Figur von Neuve-Chapelle wacht heute über einem Grabmal des unbekannten Soldaten in Portugal

„Der Mensch hat keine Macht, den Wind aufzuhalten, und hat keine Macht über den Tag des Todes, und keiner bleibt verschont im Krieg, und das gottlose Treiben rettet den Gottlosen nicht. (Prediger 8,8)

So nachzulesen bereits in der Bibel und so geschehen im Ersten und Zweiten Weltkrieg. 1914 stellte Österreich Serbien ein in weiten Teilen unakzeptables Ultimatum, um durch einen Krieg den Erhalt der K&K-Monarchie zu sichern. Wilhelm II., politisch ansonsten isoliert und von Großmachtsträumen beflügelt, stellte sich Österreich zur Seite, in einem Krieg, der nicht nur Millionen Menschen das Leben kosten sollte, sondern auch das Ende von drei Kaisereichen bedeutete.

„… Keiner bleibt verschont im Krieg“, zum bitteren Ende hin nicht einmal mehr die Mächtigen, wenn es auch zunächst das (Fuß)Volk ist, welches geopfert wird.

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In meiner Weltkriegs-Collage äußere ich an einer Stelle: „Heute ehren wir die Toten, die wir gestern opferten!“ Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass wir keine Grundsteine für neue Gedenkstätten legen! Bitte lasst uns Nachrichten hinterfragen, Facebook-Äußerungen überdenken … Und dabei immer im Hinterkopf behalten, dass es hier nicht um Entschlüsse auf Papier und verbale Auseinandersetzungen geht, sondern um Mitmenschen – seit dem 20. Jahrhundert. weltweit.

Hier in unserem bunten München bin ich seit Jahren durch Zusammenarbeit wie auch Freundschaften mit ukrainischen MitbürgerInnen wie mit russischen verbunden, mit MitbürgerInnen jüdischen wie moslemischen Glaubens, mit Bundeswehr-Angehörigen wie mit kompromisslosen Pazifisten, stehe mit einer Vielzahl von Konsulaten und internationalen Kulturinitiativen in bestem Einvernehmen. Ich empfinde mich als ihnen allen verbunden, wohl wissend, dass es für viele Konflikte so leicht keine salomonischen Lösungen wird geben können und es sich leicht (ver)urteilt aus der Perspektive Außenstehender. Viele Konflikte jedoch sind durch eine lange Historie und tiefe Emotionen beschwert. Hier braucht es Dialoge, nicht Hetzschriften und Parolen, auf der großen Weltbühne ebenso, wie unter uns BürgerInnen; Einfühlungsvermögen in andere Sichtweisen, gepaart mit gesunder Vorsicht gegenüber den Interessen derer, die man hierzulande  „Großkopfert“ nennt, Bei uns herrscht zwar Meinungsfreiheit, damit aber auch Propaganda-Freiheit …

Abschließend der Ausschnitt eines Postings von Konstantin Wecker: „Warum kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass bestimmte Medien es geradezu darauf anlegen, die Situation weiter eskalieren zu lassen? Mit immer wieder auch gerne unbewiesenen Behauptungen und peinlich einseitiger Propaganda?
Wissen diese JournalistInnen eigentlich was sie tun?
WIR WOLLEN KEINEN KRIEG !
Und die erste Pflicht aller Journalisten müsste doch sein, nicht gegen irgendeinen Feind, sondern gegen den Krieg mobil zu machen!
Nur zur Erinnerung:
„Nach Kriegsende sollte man die Kriegsliteraten einfangen und von den Kriegsinvaliden auspeitschen lassen“, schrieb Karl Kraus.
Man sollte dies den Kriegsliteraten täglich vor Augen halten.“
(Konstantin Wecker)

In der Regel sollen in meinen Beiträgen positive Aspekte im Vordergrund stehen und so will ich diesen Blog wenigstens positiv mit einigen Bildeindrücken aus dem Ökumenischen Gedenkgottesdienst ausklingen lassen.

Vor der Haidhausener Kirche St. Johann Baptist begrüßen zum Ökumenischen Gottesdienst von links: Dr. Holger Forssman, Erster Pfarrer in St. Johannes - Pater Alfons Friedrich, St. Johann Baptist - Friedrich Kardinal Wetter und der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Vor der Haidhausener Kirche St. Johann Baptist begrüßen zum Ökumenischen Gottesdienst von links: Dr. Holger Forssman, Erster Pfarrer in St. Johannes – Pater Alfons Friedrich, St. Johann Baptist – Friedrich Kardinal Wetter und der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (Quelle: MIR)

Eingebunden in den Gottesdienst waren Geistliche unterschiedlichster Kirchen; ganz links Koordinator Florian Schuppe des Referats für Ökumene der Erzdiözese München-Freising

Eingebunden in den Gottesdienst waren Geistliche unterschiedlichster Kirchen; ganz links Koordinator Florian Schuppe des Referats für Ökumene der Erzdiözese München-Freising

Während das orthodoxe Totengebet rezitiert wurde, hinterlegten die Besucher Zeichen des Gedenkens, wie die rote Mohnblume, dem Gedenksymbol der Briten

Während das orthodoxe Totengebet rezitiert wurde, hinterlegten die Besucher Zeichen des Gedenkens, wie die rote Mohnblume, dem Gedenksymbol der Briten (Quelle: MIR)

Während des Gottesdienstes wurden Namen und Biografien gefallender Soldaten in den Landessprachen verlesen. Von links:
Toni Netzle (München-Haidhausen), Dimitra (Griechenland), Anne Marie de Jonghe (Flandern), Conny Prössl, Isabelle Gregorian (Frankreich) Tatjana Lukina (Russland), Vida Cvetic (Serbien)

Diese Momentaufnahmen wurden netterweise von Tatjana Lukina. der Leiterin des russischen Kulturzentrums MIR in München, zur Verfügung gestellt:

http://www.mir-ev.de/

Da ich durch diese Produktion in der letzten Zeit sehr eingespannt war, warten noch einige spannende Blog-Beiträge auf Sie. Ein Blick ab und an auf diese Seite lohnt also wieder 😉


http://www.jourfixe-muenchen-ev.de/jourfixe_Blog_Verzeichnis.html

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