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Geburtstag auf Wolke 7: Fotostrecke, Kommentare und weiterführende Links zur Künstlerfeier an meinem 60. Geburtstag, 4. Juni 2018, bei Terry Swartzberg in München

Runde Geburtstage verleiten mich regelmäßig zum Kassensturz: Wo genau stehe ich an diesem Stichtag, in Bezug auf meine Pläne, Ziele, Überzeugungen und auf meine Gefühlswelt? Und wer steht an meiner Seite, beziehungsweise mir zur Seite? Nehme ich den aktuellen, sechzigsten Geburtstag zum Maßstab, fällt meine biografische Zwischenbilanz um so vieles besser aus, als mir selbst bislang bewusst war. Von der Zuneigung meiner Gäste fühlte ich mich regelrecht eingelullt, von vielen liebevollen Gesten, Zuwendungen, Worten und künstlerischen Darbietungen. Dass die Gästeliste sich fast ausschließlich aus künstlerischen WegbegleiterInnen und engen KooperationspartnerInnen unterschiedlichstem Datums zusammensetzte, spielte dabei für mich keine Rolle, denn in meinem Leben verlaufen die Grenzen zwischen künstlerischer, beziehungsweise kultureller Arbeitswelt und Privatleben seit Jahrzehnten fließend.

Glücklich – Gaby dos Santos am 60. Geburtstag. Links im Hintergrund Christiane von Nordenskjöld, Kustodin (Ateliermuseum) der Magda-Bittner-Simmet-Stiftung

Die prägnantesten Momentaufnahmen, festgehalten von mehreren Gästen, habe ich in nachstehender Fotostrecke zusammengestellt, kommentierjt und verlinkt, weil diese nicht nur eine schöne Erinnerung für mich – und hoffentlich für meine Gäste – darstellen, sondern auch widerspiegeln, wofür die Kulturplattform jourfixe-muenchen steht. Nachfolgendes Gruppenfoto zeigt zwar nicht alle der geladenen !80 Gästen, aber einen guten Querschnitt:

Kurz vor Beginn der Künstler-Session: HINTEN von links: Manuela Rosenkind (Illustratorin, Autorin „Mia Meilenstein„), Harry Rosenkind (Musik-Promoter, Schlagzeuger der Kultrockband „Sahara“), Elisabeth Sorger (Malerin, Sprecherin der MKG-Münchner Künstlergenossenschaft), Reiner Mauthe, Catherine Houdayer (Modeexpertin), Jörn Pfennig (Lyriker, Bestseller mit „Grundlos zärtlich“), ganz an der Wand Arno Baum (Musik-Booker, Bassist der Progressive-Rockband PROGNOSTIC) und ansatzweise zu sehen Piaistin Masako Ohta; MITTLERE REIHE im Sessel: Ulrike Keil (Musikwissenschaftlerin, Pressechefin von Musikerlebnis/Tonicale, musica femina münchen) mit Ehemann, Michaila Kühnemann (Film- und Radiomacherin RADIO MÜNCHEN, Kabarettistin, Liedermacherin), Peter Lang (Inhaber Artist Studio München, als Musiker Mitbegründer der ungarischen Kultbands Hungaria und Omega), Claudia Cane (Rockröhre), VORNE, neben mir, Christine Weissbarth (Schauspielerin, Moderatorin und Referentin bei der Hanns-Seidel-Stiftung) sowie, halbverdeckt, Cecilia Gagliardi (Sängerin, Gitarristin, Theater im Roßstall/Germering)

Die  Kulturplattform jourfixe-muenchen steht seit fast zwanzig Jahren für kulturelle und künstlerische Vielfalt, mit dem Ziel gegenseitiger Inspiration und der Bildung von Synergien. Diese Vielfalt spiegelte sich in der Geburtstagsfeier wieder: Die Künstler- und Kulturschaffenden des jourfixe sind unterschiedlichster Couleur, doch bilden Know How, Offenheit und Interesse gegenüber anderen Kunstformen, Freude an künstlerischen Synergien und multidisziplinären Projekten einen kittenden, gemeinsamen Nenner. Als Mitglied kann man sich bei uns nicht bewerben; statt dessen spreche ich gezielt Kunst- und Kulturschaffende an, die ich mir als Bereicherung unseres künstlerischen Pools erhoffe, zur Entwicklung gemeinsamer Projekte und gegenseitigen Unterstützung.

Gastgeber Terry Swartzberg, Journalist, PR-Fachmann und Vorsitzender von „Stolpersteine für München e.V.“ stellte mir für meine Geburtstagsfeier sein historisches Häuschen am Nockerberg zur Verfügung und ermöglichte so einen unvergesslichen Abend! Foto: Dirk Schiff (portraitiert.de)

Apropos gegenseitige Unterstützung: Eben mal sein ganzes Haus für die Feier zu meinem 60. Geburtstag zur Verfügung stellen – das macht ihm so schnell keiner nach und entspricht seinem Wesen: Für den Kosmopoliten Terry Swartzberg sind Aufgeschlossenheit, soziales Engagement (u.a. in seinen PR-Kampagnen) und phantasievoll gestaltete Lebensfreude zwei Seiten einer Medaille. Nach rund 25 Jahren als Korrespondent für die International Herald Tribune, gilt sein großes Engagement seit einigen Jahren dem Verein Stolpersteine für München e.V., dem er vorsteht und mit dem er aktuell ein großes Sommerfest vorbereitet, am Mittwoch, 20. Juni 2018, um 20 Uhr, bei freiem Eintritt im Jüdischen Museum München, mehr unter jourfixe-News. Und einmal mehr ist einfach jede/r herzlich willkommen! Ohne Anmeldung und bei freiem Eintritt.

„Gabys gute Geister“ nannte meine Freundin Edith Grube Reiner Mauthe, Marianne Niederkofler, Sigi Blässer und Jon Michael Winkler; Letzterer ist nicht nur mein enger Vertrauter sondern auch Erster Vorsitzender des jourfixe-Vereins. Für mich bedeuten die vier Menschen auf obigem Foto weit mehr als Mainzelmännchen! Mit ihnen ist in Teilen mein Leben verwoben. Fest steht aber auch, dass  ohne deren Hilfe diese Geburtstagsfeier gar nicht zu stemmen gewesen wäre. Der untere Bildteil zeigt einen Ausschnitt des üppigen Büffets: Alle Gäste waren gebeten worden, Speisen und Getränke anstelle von Geschenken mitzubringen. Foto: Stey

 

Geburtstagskind Gaby dos Santos führt Prof. Thomas Pekny, Intendant Komödie im Bayerischen Hof, durch Terry Swartzbergs historisches Domizil am Nockerberg, Foto: Oliver Stey

 

Theaterwelten: Angelica und Lili Fell, Geschäftsführung der inklusiven FBM-Freien Bühne München mit Thomas Pekny, Chef der Komödie im Bayerischen Hof; Foto: Dirk Schiff

 

Kommt Moses nicht zum Berg … Nachdem es im Winter wegen einer Endlosschlange nicht möglich gewesen war, das Rockmuseum im Olyimpiaturm zu erreichen, kam dessen Betreiber, Herbert Hauke eben zu uns. Neben ihm seine Frau Gabi, Tourbegleiterin und Assistentin von Sissi Perlinger; Foto: Schiff

 

Foto links: Die finnische Sängerin Tuija Komi im Gespräch mit musica-femina-Grafikerin Irmgard Voigt; Foto rechts: Claudia Strauch (Strauch Media) im Gespräch mit Behar Heinemann, links und  Petra Windisch de Lates (Vorstand Lebensbrücke e.V. und J.I.M.-Jazzmusiker Initiative München)

 

Foto links: Das Sänger-Ehepaar Maya und Charles Logan; Rechts schneide ich eine der Geburtstagstorten an, die mir Gäste gebacken haben, assistiert von Gabi Hauke, dahinter jourfixe-Gründungsmitglied Angelika Grimm (Sozialpädagogin); Foto: Elisabeth Sorger

 

V.l. Alexander Diepold (Madhouse), hat gerade in München den alljährlichen Gedenktag für die im Holocaust ermordeten Sinti und Roma durchgesetzt, daneben Eva Giesel, Litag Theaterverlag, rechts Uta Horstmann, Bundesverdienskreuzträgerin für ihr lebenslanges Engagement für Sinti & Roma, auf den Stufen Esthera und Artur Silber (Musik-Manager DownTown Studios,PR–Agentur Silberpfeil, Schlagzeuger, u.a. PROGNOSTIC)

 

Unter den Nazis wurden ihre Ethnien unter dem Sammelbegriff „Zigeuner“ verfolgt, doch hier ist Differenzierung angesagt: Von links: Oliver Stey, aus einer Zirkus- und Schausteller-Dynastie, der das größte Privatarchiv dazu führt, die schillernde Behar Heinemann, eine, wie sie es selbst formuliert „stolze Rom“ (Autorin und Kulturmanagerin) sowie der Sinto Alexander Diepold (Madhouse-Chef), dem München seit diesem Jahr einen festen Gedenktag für die verfolgten Sinti & Roma verdankt; Fotos: Dirk Schiff

 

Fotografin Anne Schiff – Mit ihr und ihrer Familie erlebe ich immer wieder kuschelige private Stunden; Rechts Stephanie Bachhuber (Bayer. Staatsoper) Am Vortrag meines Geburtstags feierten wir den 20. Jahrestag unserer Freundschaft! Fotos: Dirk Schiff

 

Geniales Geschenk von Naomi Isaacs (Institute for Charismology): Ein Kaleidoskop – zeitlose Freude! Links von ihr Reiner Mauthe, rechts Sänger Charles B. Logan, an der improvisierten Bar; Rechtes Bild: Ulrich Floßdorf, Traumatherapeuth etc. bei Alexander Diepolds Familienberatungsstelle Madhouse; Foto: Stey

 

Die finnische Sängerin Tuija Komi kam auf Krücken! Und verstand sich mit Gastgeber Terry Swartzberg offensichtlich prima. Für mich ist sie ein veritabler Sonnenschein, kann aber auch „traurig“ und sang später bei der Session à capella ein melancholisches finnisches Gänsehaut-Lied; Fotos: Dirk Schiff

 

Von links: Petra Windisch de Lates (Vorstand Lebensbrücke e.V. und J.I.M.-Jazzmusiker Initiative München), Kriminalautorin Sabine Vöhringer („Die Montez Juwelen„) Michaila Kühnemann, Radio München, Moderatorin, Filmemacherin, Kabarettistin, Musikerin, Foto/Ausschnitte von Oliver Stey

 

Blick von Terry Swarzbergs Terrasse in den Innenhof. Von vorne links: Dr. Ulrich Schäfert, Leiter Kunstpastoral der Erzdiözese,, Grafikerin/Illustratorin Elena Buono, Heidi und Peter Lang, Artist Studio und Kulturjournalistin Heidi Weidner; ganz re. Sängerin Tuija Komi; Foto: Oliver Stey

 

Totale des Innenhofs – Im Vordergrund zu sehen ist Regisseur Rüdiger Nüchtern, ganz hinten wird es Italienisch: An der Wand die Grafikerin und Illustratorin Elena Buono und vor Ihr die Sängerin und Kabarettistin Cecilia Gagliardi, die einer römischen Künstlerdynastie entstammt; Foto: Dirk Schiff

Links neben Musikerin Cecilia Gagliardi (Theater im Roßstall/Germerin) die japanische Pianistin Masako Ohta, bei der ich mich fragte, wie sie aus einem Keyboard in Schoß-Format derart perlende Klänge zu zaubern vermochte. Rechts Sängerin Linda Jo Rizzo, die kürzlich das Hippodrom zum Kochen brachte. Foto-Ausschnitte: Dirk Schiff

Höhepunkt der Feier waren sicherlich die Geburtstagsständchen der MusikerInnen unter den Gästen sowie ein eigens zu meinem Geburtstag getextetes Gedicht SIXTY SEXY GABY des Lyrikers Jörn Pfennig! Große Freude! …

Lyriker Jörn Pfennig, zwei Ausschnitte von Fotos von Dirk Schiff

Vorbemerkung:

Eines Deutschen Dichters Scheitern
ist für ihn und die Welt ein wahrer Graus.
Doch manchmal kann es beide auch erheitern –
probieren wir’s doch einfach mal aus:

Das Gedicht:

Der Deutsche Dichter muss ja nicht denken –
von dieser Pflicht hat sein Volk ihn befreit
um sie dem Deutschen Denker zu schenken
der sich immer schon sehr
aber seither noch mehr
schier unglaublicher Bedeutung erfreut.
(… mehr)

Stimmungsbild während der temperamentvollen Performance von Jazz-Sängerin Jenny Evans; rechts außen Hausherr Terry Swartzberg, neben ihm Jazz-Sänger Thomas de Lates, Foto: Oliver Stey

 

Zwei Momente der Performance von Jazz-Sängerin Jenny Evans: Ein peppiges Lied à capella und aus eigener Feder über die Vorzüge reifer Frauen; Jennys Auftritt berührte mich sehr, denn oft war ich früher in ihrem Jazz-Lokal Jenny’s Place zu Gast gewesen und hätte mir nie träumen lassen, sie einmal als Geburtstagsgast zu begrüßen … Foto-Ausschnitte: Dirk Schiff

 

Csaba Gal, Leiter des Künstlerkreises Kaleidoskop und Cecilia Gagliardi (‚Theater im Roßstall/Germering) singen „Bella Ciao“, das „House Of Rising Sun“ Italiens, Foto: Dirk Schiff

 

Mitwirkende an der Künstlersession: Jazz-Sänger Thomas de Lates und zwei der Musiker der Progressive-Rockband PROGNOSTIC: Keyborder Martin Stellmacher und Sänger Charles B. Logan

 

Vertraute aus wilden Zeiten: Journalistin Daniela Schwan (rechts neben mir). Links zu sehen ist Kabarettistin Karin Engelhard. Dahinter Klaus Onnich, Kurator MVG-Museums – Foto: Dirk Schiff

 

Ein schönes Portrait-Foto von Kulturjournalistin Daniela Schwan; Foto: Dirk Schiff (portraitiert.de)

 

Mit meinem alten Freund aus wilden Datscha-Zeiten, Zarko Mrdjanov, Gitarrist von Massel Tov, meiner Schwägerin Sigi und Heidi Lang vom Artist Studio, Foto: Dirk Schiff

 

Elisabeth Sorger, Malerin und Sprecherin der MKG – Münchner Künstlergenossenschaft, Martin Hubensteiner, Ausstellungsmacher der LV1871, Gaby dos Santos und Christine Weissbarth, Referentin/Moderatorin der Hanns-Seidel-Stiftung, Foto: Dirk Schiff

 

In der Mitte Claudia Weigel, (Parlamentarische Beraterin Hochschul- und Kulturpolitik, Fauenpolitik für die BayernSPD Landtagsfraktion), links Autorin Gunna Wendt, nach deren Biografie über Franziska zu Reventlow wir zur Zeit, gemeinsam mit Musikerin Michaela Dietl, eine Collage zum 100. Todestag produzieren

 

Renate Lettenbauer und Lising Pagenstecher, wie ich Mitglieder von musica femina münchen    und Rockröhre Claudia Cane, die später Janis Joplins „Mercedes Benz“ sang; Foto: Dirk Schiff

 

Meine Freundin Edith Grube, Tochter und Nichte der KZ-Überlebenden Werner und Ernst Grube; Aktivistin (Stolpersteine für München e.V.) und Verwaltungssupervisor bei Madhouse, mit ihrem Mann Robert; Links: Harry Rosenkind (Musikpromoter und Schlagzeuger der Kult-Rockband „Sahara„)

 

Meine Collage über Textdichter Bruno Balz brachte mich mit diesen beiden Herren zusammen: Mein Bühnenpartner Lutz Bembenneck (li) und der „Experte“ für die Talkrunde nach der Aufführung, Albert Knoll, Archivar der KZ-Gedenkstätte Dachau und Vorstand des Forums Homosexualität München,

 

Unsere beiden jourfixe-Fotografen einmal selbst vor der Linse von Oliver Stey: Links: Dirk Schiff/ portraitiert.de und rechts Bernd Sannwald, ein As in abstraktv wirkender Detail-Fotografie

 

Dieses Portrait von Naomi Isaacs fand Dirk Schiff (portraitiert.de) so ansprechend, dass er spontan beschloss, es in seine neue Herbst-Ausstellung „Münchner und Zuagroste“ einzubeziehen. Wie bereits seine erfolgreiche Ausstellung im Vorjahr mit Uschi Glas, „We are all the same“, findet die Vernissage im Hotel Le Méridien statt, diesmal zugunsten von Jutta Speidels HORIZONT e.V.

 

Es ist spät geworden … Christiane von Nordenskjöld, Kustodin (Ateliermuseum) der Magda-Bittner-Simmet-Stiftung im Gespräch mit Jon Michael Winkler;; Foto: Stey

 

Ein glückliches Geburtstagskind sagt: „Danke!“


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„Gedenke, Mensch, dass du Staub bist …“ Eindrücke vom Aschermittwoch der Künstler und vom Besuch des ehemaligen „Führerbaus“

 Gedenke Mensch, dass du Staub bist, und wieder zum Staub zurückkehren wirst. (Genesis 3, 19)

Ein Militärdekan, Monsignore Joachim Simon, zeichnete mir am diesjährigen Aschermittwoch im Münchner Dom das Aschenkreuz auf die Stirn und sprach dabei obigen traditionellen biblischen Vers, der die Vergänglichkeit symbolisiert …

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Das traditionelle Aschenkreuz symbolisiert die Vergänglichkeit

Mit diesem Spruch verbinden sich sowohl meine Erlebnisse vom Aschermittwoch, wie auch die vom darauffolgenden Abend, obgleich beide auf ersten Blick sehr unterschiedlich angelegt waren: Ganz im Zeichen einer katholischen Tradition stand der Aschermittwoch der Künstler, in der Sanitätsakademie der Bundeswehr und im Münchner Dom, während mich der Donnerstag Abend in den ehemaligen „Führerbau“ in der Arcisstraße 12 führte. Den gemeinsame Nenner bildete für mich der Aspekt der „Vergänglichkeit“, der sich als roter Faden durch beide Ereignisse zog.

Seit dem 4. Jahrhundert leitet der Aschermittwoch  die Fastenzeit ein. Höhepunkt des katholischen Gottesdienstes ist dabei das Auftragen eines Aschenkreuzes auf die Stirn der Gläubigen, wobei der Pfarrer für jeden einzeln den biblischen Spruch „Gedenke Mensch …“ wiederholt. Obgleich protestantisch, ist mir inzwischen dieses Ritual ans Herz gewachsen, denn es erinnert mich jeden Aschermittwoch erneut an die Vergänglichkeit und ruft somit auch zu mehr Gelassenheit gegenüber weltlichen Fragen und Zielsetzungen auf. Und es lädt mich ein, bewusster das zu schätzen, was mir im Augenblick gegeben ist.

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Bildausschnitt eines der monumentalen Grabmäler auf dem Alten Südlichen Friedhof in München  (Foto: Werner Bauer)

Die Rückbesinnung auf die Vergänglichkeit erinnert mich zugleich daran, dass Leben und Tod eine Einheit in meinem spirituellen Selbtverständnis bilden sollten, auch wenn es mir nicht immer leicht fällt, das zu akzeptieren, nicht zuletzt weil unsere Spaß-Gesellschaft dem Sensenmann gerne mal die Tarnkappe überstülpt. „Der Tod gehört zum Leben,“ äußerte Bischofsvikar Graf zu Stolberg in einem O-Ton zu meiner Collage über den Alten Südlichen Friedhof. Eine treffende Aussage gerade in Zusammenhang mit einem Ort, an dem sich Grabstätten einst einen regelrechten Wettstreit in puncto Kolossalität lieferten, um nun langsam aber sicher vor der Zeit zu kapitulieren. Den einen oder anderen Eigentümer hätte mein Enkel bei unserem ersten Friedhofsbesuch am liebsten ausgebuddelt, um nachzugucken, was von ihm „übrig“ sei …

Je besser es mir gelingen wird, Vergänglichkeit und Tod als unabänderliche Komponenten meines Lebens anzunehmen, umso leichter werde ich mich damit abfinden und hoffen können. Ein berühmter Cartoonist, sein Name ist mir entfallen, bezeichnete den Tod einmal als Grenzbeamten am Übergang in eine andere, bessere Welt. Ein schöner Gedanke, finde ich, und der Aschermittwoch ist eine gute Gelegenheit, sich dessen zu besinnen.

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Grabmal auf dem Alten Südlichen Friedhof in München (Foto: Werner Bauer)

Dabei kommt mir der  Aschermittwoch der Künstler entgegen, den alljährlich die Erzdiözese München-Freising organisiert. Zurück geht dieser Brauch auf den katholischen französischen Schriftsteller Paul Claudel. Nach dem Zweiten Weltkrieg rief er eine Begegnung katholischer Künstler ins Leben, eine Initiative, die vielerorts von katholischen Kirchen aufgegriffen wurde und sich bis heute erhalten hat. Seit drei Jahren folge ich sehr gerne der Einladung der Erzdiözese, die bereits nachmittags mit einer Veranstaltung beginnt, in welcher der Begriff  „Vergänglichkeit“ mit aktuellen Themen verbunden wird. Dies führte uns im letzten Jahr in die historischen Räumlichkeiten der Münchner Anatomie und dieses Jahr in die Sanitätsakademie der Bundeswehr. Bilder im Spannungsfeld von Militär – Kunst – Religion lautete das diesjährige Motto.

Über diesen Themenbereich hatte ich bereits anlässlich des Blogs zur Münchner Sicherheitskonferenz 2015 nachgedacht und machte mich umso gespannter – und in Pirelli-Männchen-Outfit den Wettern trotzend – auf den Weg zur Kaserne. Bereits am Hartof, auf der Suche nach der Bushaltestelle, erhielt ich Verstärkung durch weitere suchende Gäste in spe und traf dabei erfreulicherweise wieder einmal Christoph Schwarz, zuständig für Film, Comic-Kunst und Theater beim Kulturreferat München. Von ihm erfuhr ich, während der Ausweiskontrolle am Eingang der Kaserne, dass seine ehemalige Chefin Angelika Baumann (s. auch meinen Blog vom Sommer 2014) inzwischen als Friedensbeobachterin an der israelisch-palästinensischen Grenze tätig ist! Alle Achtung, Chapeau und viel Glück, liebe Frau Dr. Baumann!

In der Einlass-Zeit wurde im Hörsaal der Sanitätsakademie das Video „Protest“ der Medienkünstlerin und Malerin Monika Huber gezeigt. „Journalistische Berichterstattung hat sich in den letzten Jahren durch die Möglichkeit der Sozialen Medien und der schnellen Übermittlung von Bildern per Handytechnik gravierend verändert – als unbeteiligter Zuschauer hatte ich das Gefühl, mitten in die Auseinandersetzungen geraten zu sein. Das Video PROTEST ist eine filmische Arbeit zum Thema des täglichen Aufbegehrens und Widerstandes der Menschen, die sich für mehr Demokratie und Veränderung auf die Straßen begeben,“ so die Künstlerin im Info zur Veranstaltung. In ihrem vierminütigen, in Endlosschleife gezeigten Film waren ganz unterschiedliche Sequenzen von Protestaktionen zu sehen, via Handy aufgenommen und bewusst durch zusätzliche Unschärfe verfremdet.

Die einführenden Worte sprach Frau Generalstabsarzt Dr. Erika Franke, Kommandeurin dieser Kaserne! und aktuell ranghöchste Soldatin der Bundeswehr, gefolgt von Vertretern der Erzdiözese und der Militärseelsorge sowie von Wolfgang Küpper, Bayerischer Rundfunk, der auch die anschließende Gesprächsrunde moderierte.

In dieser äußerte u. a. Oberstleutnant Rufin Melletin, dass bei weiten Teilen der Bevölkerung der Anblick uniformierter Soldaten die Assoziation „da kommt der Krieg um die Ecke“ hervorrufe. Tatsächlich aber habe sich das Selbstverständnis der Truppe, im Gegensatz zur einstigen kriegerischen Verklärung, längst zu dem einer „Friedens“-Truppe gewandelt. Anliegen der Bundeswehr sei die Friedenssicherung, nicht der Krieg, was durch neue Bild- Kampagnen verstärkt zum Ausdruck gebracht werden solle. Angesichts seiner Ausführungen wünschte ich mir einmal mehr eine größere gesellschaftliche Aufgeschlossenheit den SoldatInnen und der Institution „Bundeswehr“ gegenüber.

Frauenkirche_David_Russo_Aschermittwoch_der_Kuenstler_Erzdioezese_jourfixe-Blog_Gaby_dos_SantosIn diese Kerbe schlug auch Militärdekan Monsignore Joachim Simon, indem er speziell an uns Kunstschaffende appellierte, den Soldatinnen und Soldaten mit weniger Berührungsängsten gegenüber zu treten. Persönlich denke ich, dass Kunst- und Kulturschaffende, als Spiegelbilder der Gesellschaft, sich unbedingt mit deren Gegebenheiten intensiv befassen sollten. Und dazu gehört meiner Meinung nach auch eine ausgewogene Auseinandersetzung mit unseren MitbürgerInnen in Uniform. Fesselnd fand ich Simons Schilderung der Lebensumstände der Truppen in den Einsatzgebieten. Dabei schilderte er auch, wie, trotz strikt vorgegebenem Säkularismus, das Kreuz bei Gedenkveranstaltungen nach wie vor für die Betroffenen wichtig sei, ganz gleich, ob im Protokoll vorgesehen oder nicht.

„Das „größte, bewegendste, intensivste Bild aber ist das Kreuz“, sagte Kardinal Reinhard Marx in seiner Predigt beim anschließenden Hochamt im Münchner Dom.. „Es ist Ausdruck der erlittenen Gewalt und der Heilung und der Versöhnung.“ Gerade in der am Aschermittwoch beginnenden Fastenzeit „sind wir eingeladen, auf den Gekreuzigten zuzugehen, der unsere Kräfte freisetzt für die Liebe“.  (Zitat: Pressestelle/Erzbischöfliches Ordinariat)

http://www.erzbistum-muenchen.de/Page006352_27678.aspx

Auf den Beitrag, den dabei Kunst und KünstlerInnen leisten können, kam Marx ebenfalls zu sprechen und nannte Picassos „Guernica“-Gemälde als prominentes Beispiel.

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Momentaufnahme aus der Performance von Choreograf David N. Russo am Aschermittwoch der Künstler in der Münchner Frauenkirche

Zuvor hatte der Choreograf David Russo

http://david-russo.com/

unter dem Titel Liebe ist stärker als der Hass – Kehre um und glaube“ ein internationales Tanztheaterprojekt mit 50 Kindern und Jugendlichen im Alter von 7 – 18 Jahren aus 10 Nationen aufgeführt, unter ihnen allein stehende Flüchtlingskinder. Den intensiven Emotionen, die das Zusammenspiel dieser jungen Menschen weckte, vermochte sich wohl kaum jemand der Anwesenden zu entziehen. Untermalt wurde die Tanz-Installation von wohltuend sparsam eingesetzter Musik; ungewöhnlich der dominierende Klang einer Flöte.

Als Wermutstropfen empfand ich, dass ich am anschließenden Abendmahl als Protestantin nicht teilnehmen durfte, was mir gerade  am Aschermittwoch ein besonderes Bedürfnis gewesen wäre. Ich fühlte mich, nach so vielen gemeinschaftlich erlebten, emotionalen Momenten plötzlich ausgeschlossen. Diesbezüglich hoffe ich auf ein Umdenken der katholischen Kirche irgendwann in nicht all zu ferner Zukunft.

jourfixe-Blog_Gaby_dos_SantosDie Lokalität am Donnerstag Abend zeugte ebenfalls von Vergänglichkeit – und von Neubeginn: Der PresseClub München hatte zu einer Führung in die Arcisstr. 12, der Hochschule für Musik und Theater geladen, unter dem Motto: „Vom Münchner Führerbau zur Wiege der Tonkunst“

„Thomas Manns Schwiegereltern Pringsheim residierten in einer Neo-Renaissance-Villa in der Nähe des Königsplatzes, damals Arcisstr. 12. Die Nationalsozialisten sahen im klassizistischen Rahmen dieses Platzes einen geeigneten Standort für ihre Selbstinszenierung und errichteten zwei 1937 eingeweihte zentrale Parteigebäude an der Kreuzung Arcisstr. Brienner Str. , das südliche für die Verwaltung, das nördliche als sogenannter „Führerbau“ für Hitler und seinen Stab – die heutige Arcisstr. 12. Nach 1945 war im ehemaligen „Führerbau“ zunächst das Amerika Haus mit dem Art Collection Point untergebracht, seit 1957 ist es das Hauptgebäude der heutigen Hochschule für Musik und Theater München.“ (Zitat Homepage PresseClub/Archiv)

http://www.presseclub-muenchen.de/veranstaltung-detail/fuehrung-arcisstr-12.html

20150219_190557Dr. Alexander Krause, Kanzler der Musikhochschule, lud zunächst zu einem einführenden Vortrag in das ehemalige Arbeitszimmer Adolf Hitlers. Ich glaube, uns alle überkam ein merkwürdiges Gefühl, als uns klar wurde, an welchem Ort wir uns tatsächlich befanden. Hier hatten 1938 Hitler, Mussolini, Daladier und Chamberlain das sogenannte „Münchner Abkommen“ unterzeichnet, unter der selben Lampe, die nun für uns den Raum beleuchtete! Der Kamin, die Holztäfelungen, das Parkett waren unverändert geblieben. Lediglich hatte man, wie überall im Gebäude, den ursprünglichen Raum etwas verkleinert. Dr. Krause berichtete, dass es bis heute Dozenten gäbe, die sich weigerten, in diesem Raum zu unterrichten! Persönlich empfinde ich es allerdings eher als eine Art Exorzismus, wenn sich gerade hier inzwischen junge Leute dem „Schönen Klang“ widmen.

Stilistisch verkörpert das Haus den marmorisierten Größenwahn nationalsozialistischer Architektur. Daher hatte man es seinerzeit auch, aus rein repräsentativen Erwägungen heraus, mit gleich zwei wuchtigen Eingängen ausgestattet und mit Endlosfluren. Auch für das leibliche Wohl der Gäste war reichlich gesorgt worden, durch eine große Küchenanlage im weitläufigen Untergeschoss, das später als Aufbewahrungsort für Raubkunst diente.

Einschusslöcher an der Tür zum ehemaligen Kartoffelkeller

Einschusslöcher an der Tür zum ehemaligen Kartoffelkeller

Dr. Krause schilderte, wie die Münchner bei Kriegsende den Keller geplündert hatten und führte uns zur zerschossenen Stahltür des ehemaligen Kartoffelkellers, die buchstäblich von Kugeln durchsiebt worden war. Damals herrschten Mangel und entsprechender Pragmatismus, so dass wohl manches Kunstwerk aus diesen Katakomben als Füllmaterial für beschädigte Fenster endete. 1945 kamen die Amerikaner, wovon bis heute Graffittis an den Kellerwänden zeugen. Auf einem Graffitti listet ein G.I. sogar alle seine Kriegsetappen quer durch Europa bis nach München, in den Keller der Arcisstraße, auf! Ein in Stein gemeißeltes Zeitdokument der besonderen Art, ganz im Gegenteil zu eingeritzten Botschaften aus späteren Jahrzehnten, die schließlich dazu führten, dass man diesen Teil der Wand hinter Glas setzte.

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Im München des Dritten Reichs war der „Führerbau“ Teil eines großen Gebäudekomplexes im Besitz der Partei. Bei Bombenangriffen wurde er durch Tarnnetze geschützt, was vermutlich erklärt, warum ausgerechnet ein NS-Regierungskomplex, im Gegensatz zum Großteil der Münchner Altstadt, bis heute so gut erhalten ist – was für die Musikhochschule einige Probleme mit sich bringt: In ihren Zuständigkeitsbereich fallen auch die beiden ehemaligen „Ehrentempel“, einst NS-Kultstätten für die gefallenen Putschisten von 1923. Mit ziemlichem Aufwand ist nun die Musikhochschule verantwortlich für deren „kontrollierten Verfall …“ 

Allgemeine Informationen zum jourfixe-Blog sowie ein Link zur Übersicht aller bisherigen Blog-Beiträge finden sich unter:

http://www.jourfixe-muenchen-ev.de/jourfixe-muenchen_Blog.html

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