„Keine Zensur in städtischen Räumlichkeiten!“ – Das Bündnis für das Recht auf freie Meinungsäußerung lädt zur Pressesekonferenz + Brief des BDS National Committee (BNC) an den Münchner Stadtrat sowie weitere Stimmen zum Thema

Im Juli 2017 reichten die Münchner SPD- und CSU-Stadtratsfraktionen gemeinschaftlich einen Antrag zu Händen von OB Dieter Reiter ein:

Gegen jeden Antisemitismus! – Keine Zusammenarbeit mit der antisemitischen BDS-Bewegung („boykott, divestment and sanctions“)

dessen schwammige Formulierung bezüglich der Auslegung des Begriffs „Antisemitismus“ mich sehr bedenklich stimmt. Und damit stehe ich keineswegs alleine da …

Das Bündnis für das Recht auf freie Meinungsäußerung lädt am Montag, 4. Dezember, um 10.30 Uhr, in das Stadtcafé,  Jakobsplatz 1 zu einem Pressegespräch: 

Abschrift des Einladungstextes: Am 6. Dezember 2017 soll im Verwaltungs- und Personalausschuss des Münchner Stadtrats über eine umstrittene Sitzungsvorlage zum Antisemitismus entschieden werden. Erfahrungsmäss wird sich das  Plenum bei seiner Sitzung am 13.12. dieser Entscheidung anschließen. Sollte diesem Antrag stattgegeben werden, so wäre das unseres Erachtens ein gravierender Eingriff in das im GG Artikel 5 festgelegte Recht der freien Meinungsäußerung, der Informationsfreiheit und der in Artikel 8 geregelten Versammlungsfreiheit.

Die Stadt München würde damit einer Reihe von Organisationen, die sich den Menschenrechten und einer sachlichen Information über die tatsächlichen Gegebenheiten in Israel und Palästina verpflichtet fühlen, nicht länger städtische Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Über unsere Bedenken möchten wir, das Münchner Bündnis für das Recht auf freie Meinungsäußerung, Sie gern in einem Pressegespräch noch  vor der Abstimmung im Stadtratsausschuß informieren.

Dazu wird die in Jerusalem geborene Publizistin Judith Bernstein, Sprecherin der  Jüdisch-Palästinensischen Dialoggruppe, eine kurze Einführung geben. (…) Die Moderation übernimmt die frühere SPIEGEL-Redakteurin Almut Hielscher. Für Auskünfte stehen Ihnen außerdem Wolfgang Killinger, Vorstand Humanistische Union Südbayern, und Vertreter des Palästina Forums München und weitere Bündnisteilnehmer_Innen zur Verfügung.

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Dem Bündnis angeschlossen hat sich auch die Münchner Sektion der IFFF, die im letzten Jahr kurzfristig den bereits zugesagten, städtischen Anita-Augspurg-Preis abgesprochen bekam, weil ihnen BDS-Nähe und somit antisemitische Tendenzen vorgeworfen wurden, worüber ich detailliert in meinem  Blogbeitrag „Verliehen aber nicht vergeben“ berichtet habe.

Brigitte Obermayer, IFFF, 2016

Deren Geschäftsführerin, Brigitte Obermayer, mailte mir heute, unter der Überschrift „Keine Zensur in städtischen Räumen“: (…)  „Ein Bündnis aus Menschenrechts- und Friedensgruppen protestiert gegen die Unterstellung, hinter der Kritik an der israelischen Regierung verberge sich in Wahrheit eine antisemtische Gesinnung. Wir verurteilen Rassismus, Nazi-Terror und Antisemitismus. Es gibt keinen Zweifel am Existenzrecht Israels, aber auch keinen am Existenzrecht Palästinas. (….)“

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Persönlich – und das habe ich immer wieder in Stellungnahmen geäußert – halte ich von Boykotten als politisches Druckmittel wenig bis gar nichts, da es, das hat die jüngere Vergangenheit allzu oft gezeigt, in erster Linie die Ärmsten der Armen trifft und nicht die Verursacher. Welche Haltung man nun aber bzgl. der BDS-Bewegung annimmt, sollte bitte in einer demokratischen Stadtgesellschaft der persönlichen Meinungsfindung überlassen bleiben! (S. hierzu auch meinen Kommentar vom Mai 2017)

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Inzwischen hat sich das BDS National Committee aus Ramallh mit einem Offenen Brief direkt an den Münchner Stadtrat gewandt und führt darin eine Reihe Argumentationen auf, bei denen ich mich frage, ob und wie die AntragstellerInnen im Münchner Stadtrat diese widerlegen können:

Das BDS National Committee (BNC), das breiteste Bündnis der palästinensischen Zivilgesellschaft, grüsst Sie aus Ramallah im israelisch besetzten Westjordanland. Gleichzeitig bedauern wir zutiefst den unerfreulichen Anlass dieses Schreibens.

Der von Ihnen diskutierte Antrag erhebt den schwerwiegenden Vorwurf des Antisemitismus gegen unsere Menschenrechtsbewegung und sieht vor, gegen Personen und Organisationen, die unsere Bewegung in der Stadt München unterstützen, Sanktionen einzuleiten. Als direkt Betroffene erwarten wir im Namen von Fairness, dass Sie unserer Stellungnahme zu diesem Vorwurf Aufmerksamkeit schenken und diesen Antrag nicht unterstützen:

  1. Der Ihnen vorliegende Antrag verschweigt, dass die Definition des Begriffs “Antisemitismus”, welche der Verurteilung der BDS- Bewegung zugrunde liegt, von der EU-Agentur für Grundrechte abgelehnt wird.

Bereits 2013 erklärte die EU-Agentur für Grundrechte (Agency for Fundamental Rights, FRA), dass die sogenannte “EUMC Arbeitsdefinition” niemals eine brauchbare und für die EU gültige Antisemitismusdefinition darstellte, und dass diese deshalb zusammen mit anderen nicht-offiziellen EU-Dokumenten von der Webseite der FRA gelöscht wurde…

»» Vollständiger Brief

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Abschließend möchte ich nochmals aus der Dankesrede von Ernst Grube zitieren, die er nach Erhalt des Georg-Elser Preises 2017 hielt:

(…) Weil im Münchner Rathaus Kritik an der Siedlungs- und Besatzungspolitik der israelischen Regierung unter Antisemitismus Verdacht geraten ist, sollen keine kommunalen Räume mehr für kritische Sichtweisen zur Verfügung gestellt werden. Dieser absurde Vorwurf trifft jetzt nicht nur die jüdisch palästinensische Dialoggruppe, sondern auch die Humanistische Union. Auch ich fühle mich getroffen und des Antisemitismus verdächtigt.

Es mag mühsam und unbequem sein – Verständigung, auch die Klärung von Missverständlichem kommt nur über die respektvolle Auseinandersetzung, unter Einbeziehung der Rechte und Interessen aller zustande. Der Münchner Stadtrat sollte alles tun, um den Dialog für eine gerechte und friedliche Lösung des Nahost-Konfliktes auch in München zu fördern. (…)

Dem ist nichts hinzuzufügen, finde ich …

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Der Vollständigkeit halber hier noch der Aufruf:  „Hände weg von der Meinungsfreiheit“ ,  dem ich mich als eine der ErstunterzeichnerInnen im September angeschlossen habe.

Übersicht der zitierten und weiterer Blogbeiträge  mit weiterführenden Links und Dokumentationen:

10.11.2017
Eindrücke zur Verleihung des Georg–Elser–Preises 2017 an Ernst Grube, Link zur Dankesrede, Videoclips, Fotos
20.04.2017
Absage der Tagung
an der
Evangelischen Akademie Tutzing
Nahost-Politik im Spannungsdreieck:
Israelisch–palästinensische Friedensgruppen
als Lernorte für deutsche Politik?
22.04.2017
.
an der Evangelischen Akademie Tutzing
Einleitender Kommentar zum SZ-Artikel vom 21.4.17

17.04.2016
Der Anita–Augspurg–Preis 2015 zwischen Posse und Politikum

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Herbergssuche – Münchner Muslime seit Mai auf der Suche nach einem Gebetsraum

Jesuiten bieten Münchner Musliminnen und Muslimen für ihr Freitagsgebet Raum in der Michaelskirche … Diese Meldung im Mai 2017 klang erst einmal sehr berührend, setzte sie doch ein Zeichen für wahrhaftige interkonfessionelle Solidarität, wie sie gerade jetzt nur wünschenswert sein kann.

Soweit so gut und schön, doch diese Schlagzeile steht auch für ein  für die Münchner Muslime schwerwiegendes Problem: Der Verlust ihrer angestammten Gebetsräume in der Münchner Innenstadt und somit, wie jede/r Gläubige jeglicher Konfession nachvollziehen kann, der Verlust einer spirituellen Heimstatt; ein Problem, das seither medial für Aufsehen sorgt:

So schrieb Stephanie Lahrtz, Kolumnistin der Neuen Züricher Zeitung bereits am 20.5.2017: Weil sie immer beliebter und somit immer voller wurden, mussten sie schließen. Die Rede ist nicht etwa von besonders angesagten Szenekneipen, sondern von Moscheen in der bayrischen Landeshauptstadt. In den letzten Monaten ist die Zahl muslimischer Einwohner in München stark gestiegen. Derzeit leben nach offiziellen Schätzungen über 100 000 in der Stadt. Jeden Freitag benötigen die in der Innenstadt Berufstätigen für das obligatorische Gebet eine Moschee in der Nähe ihres Arbeitsplatzes. Zuletzt kamen in die Gebetsräume der Altstadt, meist unauffällige Gebäude in Hinterhöfen, statt einiger Dutzend bis zu 400 Menschen. Manchem blieb nur der Bürgersteig für sein Gebet. (…)

Vorläufiger Sitz des MFI ist das Gebäude in der Hotterstraße, bis Mai auch Sitz der Innenstadt-Moschee

Plastisch schildert Dunja Ramadan in der SZ die Zustände, die zur Schließlung der letzten Moschee in der Innenstadt führten: Gebetrsräume draußen vor der Tür„: Beim Niederknien stießen die Betenden mit dem Kopf an den Rücken ihres Vordermannes, beim Aufstehen schmerzten vielen die Knie vom Sitzen auf der Treppenkante oder auf dem Asphalt des Parkplatzes im Hof. Bis in den Gebetsraum schafften es viele Gläubige nicht, im Münchner Forum für Islam (MFI) war die Tür zur Moschee häufig bereits vor Beginn des Freitagsgebets geschlossen. Von außen rüttelten einige Nachzügler an der Tür, klopften, gingen einen Schritt zurück, um zu sehen, ob sie auch wirklich richtig stehen.“ (…)

Ehemalige Altstadt-Moschee in der Hotterstr.

Schließlich wurde aus Brandschutzgründen auch diese Moschee in der Hotterstraße geschlossen. Junge Muslime beschlossen darauf hin, ein öffentliches Freitagsgebet auf dem Münchner Marienplatz abzuhalten, sagten es aber, nach heftigen Drohungen, kurzfristig wieder ab, aus Angst vor Repressalien. (…) „Darüber waren viele Glaubensbrüder und Muslimverbände sogar froh,“ so Lahrtz/NZZ,  denn man wollte weder Feinden ein Forum bieten, noch die Stadt zu Unrecht an den Pranger stellen. Vermutlich hätte man sich tatsächlich einige Sympathien mit solch einer Aktion verscherzt, hätte sie doch wegen des gewählten Ortes sehr plakativ gewirkt – und nicht jeder Passant hätte das eigentliche Anliegen, eine Herbergssuche, erkannt. (…)

Seither befinden sich unsere muslimischen Mitbürger_Innen „on tour“:  Auf die Michaelskirche,  als kurzfristige Alternative zum Open Air-Gottesdienst am Marienplatz, folgten die altehrwürdigen Hallen der Münchner Kammerspiele, was sogar dem überregionalen Wochenmagazin Focus einen Beitrag wert war.

Erkan Inan, im Vorstand von mfi und Migrationsbeirat und Kulturveranstalter der dem mfi angegliederten Reihe „Kritisch denken“ sowie des Festivals „AusArten“

Erkan Inan, Vorstandsmitglied des MFI – Münchner Forum für Islam – und Organisator von dessen Kulturprogramm „kritisch denken“ sowie Mitglied im Migrationsbeirat, fand in einem Post warme Worte für die viele Unterstützung aus der Stadtgesellschaft:

„Danke an alle die sich seit Wochen ‚mit‘ den Muslimen solidarisch zeigen und sich gemeinsan mit uns einsetzen. Ob Kunst- und Kulturschaffende oder Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften, alle versuchen Räumlichkeiten für das Freitagsgebet zu finden.

Ganz nach dem Motto: Gemeinsam für mehr WIR!

Sie haben sich nicht von Populisten einschüchtern lassen und sich persönlich eingesetzt.

Vielleicht schaffen wir es auch langfristige Lösungen zu finden, zumindest während des Ramadan wäre es sehr schön und eine wohlwollende Geste. Hierbei lege ich vor allem eine große Hoffnung in Herrn OB Dieter Reiter.

In diesem Sinne möchten wir uns für diese Woche ganz besonders bei dem Kulturreferenten der LH München Herrn Dr. Hans-Georg Küppers und dem Intendanten der Münchner Kammerspiele Herrn Matthias Lilienthal bedanken. Ein ganz besonderer Dank geht vor allem an Herrn Stadtrat Marian Offman (CSU), der sich als Mensch und gläubiger Jude einsetzt. Er hat sich auch in der Vergangenheit stets gegen die Rechtspopulisten gestellt und klare Kante gezeigt. Ich sage Chapeau!

Mitglieder des SPD-Stadtrats treffen sich mit Münchner Muslim_Innen: Von links u.a. Julia Schönfeld-Knor u. Cumali Naz, SPD-Stadtrat, dann Erkan Inan, MFI / Migrationsbeirat

Vielen Dank auch an die SPD Stadtfraktion, die sich gestern Zeit genommen hat um sich die Sorgen der Muslime direkt anzuhören. Es war ein ehrliches und konstruktives Gespräch, dass uns allen Hoffnung gemacht hat. Für ihr Engagement bedanken wir uns herzlichst bei Stadträtin Julia Schönfeld-Knor und Ihren Kollegen wie Herrn Stadtrat Cumali Naz.“

Doch leider blieb die Karavane der Gläubigen auch während des Ramadans in Bewegung: Es folgten Freitagsgebete in Räumlichkeiten der evangelisch-reformierten Kirche, der evangelischen Stadtakademie und der Stiftung Sternenstaub. Danach bot das  KKV Hansa-Haus in der Brienner Straße Asyl.

Der Ramadan ist inzwischen längst passé, doch feste neue Räumlichkeiten für das Freitagsgebet in der Münchner Innenstadt sind noch immer nicht in Sicht. Auch wurde ein Roundtable zu diesem Problem, ursprünglich für Juni angesetzt, auf Oktober verschoben. Auf die Bitte  der „Gebetsnomaden“, doch wenigstens eine Sporthalle für nur eine Stunde in der Woche zum Freitagsgebet nutzen zu dürfen, erwiederte ein Vertreter, dass dann jeder beliebige Sportverein mit ähnlichen Anliegen kommen könne … 

Titelbild des jourfixe-Blogbeitrags „Münchner Muslime als gesellschaftliche Chance“, Okt. 2015

Natürlich bietet sich im Zusammenhang auch wieder die Argumentation von wegen „Trennung von Religion und Staat an“. Doch haben sich nicht Glaubensfragen längst zum Politikum entwickelt, angesichts des IS-Terrors, der auf einer Pervertierung des Islam gründet? Sollten daher wir, als Stadtgesellschaft, nicht besser eine Institution wie das MFI – Münchner Forum für Islam -unterstützen, das einen gemäßigten europäischen Islam vertritt und die Ausbildung von Imamen in Deutschland? Statt uns via DITIP  (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) weiterhin aus Erdogans Türkei mit Imamen versorgen zu lassen, Einflussnahmen nicht ausgeschlossen? Dass nunmehr der Gebetsraum fehlt, liegt nicht zuletzt daran, dass das MFI – Münchner Forum für Islam – für den Bau einer großen Moschee (geplant in der Dachauer Straße), mit integriertem Kulturforum, konsequent Geldgeber aus dem arabisch-wahhabitischen Raum abgelehnt hatte, um sich religiös konservativer Einflussnahme zu entziehen.

Imagefilm zum geplanten Großprojekt „Münchner Forum für Islam“

[Die Vision eines spirituellen und interkulturellen Zentrums in München bleibt, trotz nahmhafter Unterstützer_Innen, wie z. B. die evangelische Stadtdekanin Barbara Kittelberger, der griechisch-orthodoxe Erzpriester Apostolos Malamoussis oder auch Alt-OB Christian Ude, vorerst ein Traum …]

Wäre es nicht von städtischer Seite aus sinnvoll, wie auf interkonfessioneller Ebene bereits geschehen, „Muslimisches Leben in München als gesellschaftliche Chance“ zu erkennen und entsprechend konsequent zu unterstützen, nicht zuletzt im Sinne einer besseren Integration vorwiegend muslimischer Flüchtlinge und effektiveren Prävention islamistischer Radikalisierung?


FR, 22. September bis MO, 9. Oktober 2017

Zu einem „Perspektivwechel durch Kunst“ lädt das „AusARTen-Festival“, verastaltet auch in diesem Jahr wieder vom MFI – Münchner Forum für Islam, in der Hotterstr. 16, unter Leitung von Erkan Inan.

Kooperationspartner sind das Kulturreferat der Landeshauptstadt München, das Jugend Kulturwerk, die Fachstelle für Demokratie, Allianz Kulturstiftung, MUCA Museum und voraussichtlich noch die Kammerspiele, weitere Kooperationspartner_Innen sind im Gespräch.

Nachstehender Post vermittelt erste Informationen zur breiten Programmpalette des diesjährigen Festivals, auf dem Laufenden hält die Facebook-Seite https://m.facebook.com/ausarten.muenchen/

Geboten sind Comic, Graffiti, Theater, Fotografie, Calligraffiti, Poetry-Slam, Musik, Film …
Ausserdem stehen zwei Impuls-Vorträge auf dem Programm, zum Thema „Ausgrenzung und Rassismus“, jeweils mit anschließ
ender Podiumsdiskussion in spannender Runde. > Zum Programm-Download (PDF)


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„Selbstverglorifizierendes Geschmatze“ – Verbitterung in ziganen Kreisen nach der Gedenkfeier zum Jahrestag des OEZ-Anschlags

Als „selbstverglorifizierende Geschmatze“ kritisiert Oliver Stey die Reden von Ministerpräsident Horst Seehofer und Oberbürgermeister Dieter Reiter zum Jahrestag des Anschlags am Münchner OEZ. Oliver  entstammt der Zirkus-Familie Stey, bezeichnet sich sich daher selbst als „Gaukler und Komödiant bzw. Reisender“ und zählt somit, wie Sinti, Roma und Jenische, zur ziganen Minderheit unserer Bevölkerung, die unter den neun Opfern des OEZ-Attentats junge Menschen aus ihren Reihen beklagen.

Dieter Reiter Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München Gedenkfeier Jahrestag des OEZ-Anschlags

Mit seiner Rede vermochte Oberbürgermeister Dieter Reiter nicht jeden zu erreichen; Foto: Oliver Stey

Bitter stößt Stey an der Rede des Oberbürgermeisters dessen Lob über den gelungenen Einsatz der Münchner Sicherheitskräfte auf. Das hätten die Angehörigen – mit einigen von denen er selbst eng verbunden ist – in diesem Rahmen nun wirklich nicht brauchen können. Zudem hätte das einen unguten Vorgeschmack auf Wahlkampf vermittelt, unangemessen bei einer solchen Gedenkfeier.

Eine sehr emotionale und auch kritische Rede hielt die Mutter des getöteten Can Leyla, Foto: O. Stey

Er verwies dabei auch auf die Rede, die die Mutter eines der Opfer gehalten und in der sie ein Versagen des Systems angeprangert habe. [Wird in Kürze als Video-Clip noch eingefügt.] „In der Tat hätte ein präventives Erkennen der seelischen Struktur des Attentäters, schon lange Zeit vor seiner Tat, viel größeren Nutzen bei der Erhaltung unserer gesellschaftlichen Sicherheit mit sich gebracht“, (…) schreibt Stey dazu auf Facebook. Nachdem sich der OB bisher – aus welchen Gründen auch immer – noch auf keiner einzigen, der ziganen Minderheit gewidmeten Veranstaltung habe blicken lassen, sei seine Teilnahme an dieser Gedenkfeier, noch dazu mit dieser Rede, ziemlich überflüssig gewesen, so Stey sinngemäß.

Noch mehr Frustration und Ablehnung löste in ziganen Kreisen die Rede des Ministerpräsidenten aus: Wie schon Dieter Reiter während der Trauerfeier 2016, im bayerischen Landtag, erwähnte er den „Antisemitismus„, den es gelte, zu bekämpfen, nicht aber den „Antiziganismus„! Er wünsche sich, „dass dieses neue Denkmal auch zum Mahnmal wird, ein Mahnmal für Frieden und Verständigung, für Hilfsbereitschaft und Solidarität, für Miteinander und Mitmenschlichkeit. Geben wir Hass und Gewalt, Hassparolen und Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus keine Chance.“ (Quelle/Details: muenchen.de)

Der Auschwitz-Überlebende Sinto Peter Höllenreiner (Bildmitte mit vierbeiniger Begleitung) bei der Gedenkfeier

Ein allgemeines Bekenntnis gegen Rassismus hätte schon gereicht, beklagte auch Alexander Diepold, Leiter des Beratungszentrums für Sinti und Roma „Madhouse“, aber angesichts der Tatsache, dass sich unter den Todesopfern junge Deutsche mit Sinti- respektive Roma-Wurzeln befanden, hätte, wenn schon der „Antisemitismus“, dann auch der „Antiziganismus“ Erwähnung finden müssen!

Sicher handelt es sich hier um einen Lapsus, doch zeigt dieser einmal mehr auf, dass die Präsenz von ziganen Mitbürger_Innen in unserer Mitte allzu oft schlichtweg übersehen wird, es sei denn in Zusammenhang mit Mißständen und „Täterzuschreibungen„, wie es Alexander Diepold mir gegenüber in einem Telefonat formulierte.

Edith Grube Stolpersteine in München Alexander Diepold Sinti und Roma Beratunszentrum Madhouse München

Alexander Diepold mit Aktivistin Edith Grube

Als aktuelles Beispiel nannte er den Beitrag in der Süddeutschen Zeitung, vom  4. Juli 2017 > Kriminalität > Titel „Wo ist Johnny?“ Erzählt wird von der kriminellen Karriere von „Johnny, dem Zigeuner„, als liefere dessen ethnische Abstammung die Begründung für seine kriminelle Vita gleich mit. Noch immer ist das Klischee der nomadenhaften, kriminellen und schmutzigen „Zigeuner“ in unserer Vorstellung verwurzelt. Reißerische Berichte über neueste Vergehen und bettelnde Banden von“Zigeunern“ untermauern solcherart Vorurteile und stehen einer differenzierten Betrachtung im Weg. Sicher ist die Anfälligkeit für Straftaten seitens Roma, die dem Prekariat in ihren Heimatländern im Osten zu entfliehen suchen, größer, als unter der Villenbevölkerung Grünwalds, was aber den sozialen Umständen und nicht der Ethnie geschuldet ist.

Nicht wahrgenommen als solche werden hingegen die integrierten ziganen Mitbürger_Innen, die mitten unter uns leben. Oft verschleiern sie sogar selbst ihre Herkunft, aus Angst vor beruflichen wie privaten Nachteilen.

Marcella Reinhardt, Bildausschn. Oliver Stey

Marcella Reinhardt, Mitbegründerin und Vorsitzende des Regionalverbandes deutscher Sinti und Roma in Augsburg, erzählte einmal, sie habe sich früher immer als Italienerin ausgegeben … Wie auch immer, zigane Mitbürger_Innen werden in negativen Zusammenhängen wahrgenommen oder gar nicht. Eine Forumulierung im Stil von „Johnny – das Zigeuner-Opfer“- dürfte  als Schlagzeile schwer zu finden sein. Alexander Diepold beklagt im Zusammenhang den medialen Umgang mit einem schrecklichen Anschlag im Münchner Bahnhofsviertel, am 2. November 2016: „In dem betroffenen Wohnhaus, einer Schrottimmobilie, waren an südosteuropäische Mitbürger, zu horrenden Preisen, mehr oder weniger verschimmelte Zimmer vermietet worden. Dort (Dachauer Str. 24) wurde ein Brandanschlag verübt, bei dem ein junger Vater, mit seinen 9 und 16jährigen Töchtern, bulgarische Roma, starben. Beim OEZ-Anschlag kamen zwei junge Sinti, Roberto Rafael und Guiliano Kollmann, zu Tode. Insgesamt kamen also im letzten Jahr in München fünf junge Menschen aus der Minderheit der Sinti und Roma bei Anschlägen ums Leben, doch dass es sich bei den Opfern um Angehörige unserer , Minderheiten handelte, kam überhaupt nicht zur Sprache.“

Das Denkmal für die Opfer des Anschlags am Olympia-Einkaufszentrum am 22.7.2016, Foto: Oliver Stey

Täglich konfrontiert mit diesen Problemen wird Alexander Diepold, in der von ihm geleiteten Beratungsstelle „Madhouse„, die sein Lebenswerk ist und am 26. September 30. Jubiläum feiert. [Hierüber werde ich an gleicher Stelle zeitnah berichten.] Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Jubiläum, in der Öffentlichkeit, auf medialer wie auf politischer Ebene, die Würdigung erfährt, die unsere Gesellschaft nicht nur dieser städtischen Einrichtung sondern auch deren ziganer Zielgruppe schuldet.

Alexander Diepold ist Geschäftsführer von „Madhouse“, der Beratungsstelle für Sinti und Roma in München, die am 26.9.2017 ihr 30jähriges Bestehen feiert!

Von ihrer Musik lassen wir uns ach so gerne verzaubern und von ihrer Carmen verführen, die Menschen hinter diesen Gemeinplätzen jedoch sind wir noch immer nicht imstande noch wirklich willens, angemessen wahrzunehmen. Dieses Manko fand nun wieder eine traurige, wenn auch sicher versehentliche, Bestätigung im Rahmen der Rede von Ministerpräsident Horst Seehofer. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ihm, beziehungsweise seinem Reden-Schreiber zwangsläufig eine tatsächliche Nähe zu den Opfern fehlte.

Im Gebet vereint … Foto: Oliver Stey

Doch sollte es nicht bei solchen Ansprachen, die in Zusammenhang mit Tragödien stattfinden, jenseits von Protokoll und politischem Kalkül, um Respekt für die Opfer und um ein wenig Trost für die Hinterbliebenen gehen? Dieses ist im Fall von zumindest fünf der Opfer des OEZ Anschlags nicht gelungen, nicht 2016 und erneut nicht 2017 und sorgt inzwischen für entsprechenden Unmut – um die Stimmung in der ziganen Bevölkerung euphemistisch zu umschreiben.

Persönlich würde ich mir wünschen, dass bei solchen Anlässen unsere „Offiziellen“ Tribut durch Anwesenheit zollen, das Wort jedoch geistlichen Begleiter_Innen  und vor allem den Betroffenen selbst überlassen sollten …


R.I.P. Armela Segashi

R.I.P. Can Leyla

R.I.P. Dijamant Zabérgja

R.I.P. Guiliano Kollmann

R.I.P. Hüseyin Dayicik

R.I.P. Roberto Rafael

R.I.P. Sabine S.

R.I.P. Selcuk Kilic

R.I.P. Sevda Dag


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Somewhere Over The Rainbow in München … Zur Einweihung des Bodendenkmals für die in der NS-Zeit verfolgten Schwulen und Lesben

Für Stadtrat Thomas Niederbühl stellte diese städtische Zeremonie mit Sicherheit eine Sternstunde da: In pastelligen Farben, in bewusster Anlehnung an den Regenbogen, erinnert ab sofort ein Bodendenkmal an die in der NS-Zeit verfolgten Schwulen und Lesben in München! Wie Thomas Niederbühl in seiner Ansprache erzählte, währte sein Kampf für eine solche Gedenkstätte über 30 Jahre. Allein hat er ihn nicht geführt, aber für den nötigen politischen Nachdruck gesorgt, seit er 1996 sein Amt als europaweit erster offen schwuler Stadtrat für die Rosa Liste antrat, die den Anspruch der LGBT-Community in München vertritt, ihr Leben“Ganz normal anders“ zu gestalten.

Vorne links: Claudia Stamm (Zeit zu Handeln), dahinter Thomas Niederbühl (Rosa Liste) und „Die Schwestern der perpetuellen Indulgenz„, mit dem Münchner Stadtmuseum und der Synagoge der IKG München als Hintergrund: Ja, München ist BUNT! Foto: Stephan Rescher

Das Münchner Stadtmuseum UND die Jüdische Synagoge im Hintergrund, Schwulen und Lesben im Vordergrund, links im Bild Claudia Stamm, ehemalige Landtagsabgeordnete und Gründerin der Bürgerrechtsbewegung „Zeit zu Handeln“, hinter ihr Thomas Niederbühl, der wohl noch immer Europa-weit einzige Stadtrat einer „Rosa Liste“. Dazwischen, unübersehbar in ihrer Aufmachung, Mitglieder  Der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz/Abtei Bavaria. Man sollte sich aber durch deren schrill-farbigen Auftritt nicht täuschen lassen über die Ernsthaftigkeit ihres Anliegens:

Andreas Unterforsthuber von der Münchner Regenbogenstiftung, mit einer „Schwester der Perpetuellen Indulgenz“, Foto: Raymund Spiegel

Wir sind Teil einer international tätigen Gemeinschaft, die sich seit 1979 für HIVPrävention, Lebensfreude und gesellschaftliche Gleichstellung von trans-, homo- und bisexuellen Menschen einsetzt, wie sie sich auf Ihrer Homepage vorstellen. Ihr Erkennungszeichen: Man erkennt uns am weiß grundierten Gesicht, das an den Tod durch AIDS erinnern soll. Dazu setzen wir farbliche Akzente, um symbolisch das Leben und die Freunde darzustellen. 

Eine „Schwester der Perpetuellen Indulgenz/Abtei Bavaria“ mit Rita Braaz, Rosa Liste

Überhaupt empfand ich die bunte Mischung des Publikums, ein Querschnitt unserer Stadtgesellschaft als einzigartig. Wohltuend zahlreich hatten sich u.a. eingefunden, nur um einige zu nennen: Vertreter_Innen der Stadt, wie die Stadträte Marian Offman (CSU), Haimo Liebich und Christian Vorländer (SPD) und Lydia Dietrich, Beppo Brem und Florian Roth für die Münchner Grünen sowie Rita Braaz, Rosa Liste, und Andreas Unterforsthuber von der Münchner Regenbogenstiftung

Rede von Ulla von Brandenburg, Schöpferin des Denkmals. In der ersten Reihe u.a.: Barbara Kittelberger, Stadtdekanin der EKD (mit rotem Top), daneben Dr. Michael Stephan, Leiter  des Stadtarchivs, ganz rechts Hans-Georg Küppers, Kulturreferent der Landeshauptstadt München und OB Dieter Reiter (SPD), Foto: Edith Grube

Foto: Münchner Aids Hilfe via Thomas Niederbühl

Für die musikalische Umrahmung sorgte der Münchner Regenbogen-Chor, dirigiert von meiner Vereinsfreundin Mary Ellen Kitchens (musica femina München).  Als der Evergreen „Over The Rainbow“ von Judy Garland aus gegebenem Anlass angestimmt wurde, wurde mir ganz und gar emotional zumute, zumal auch meine Freundinnen nicht fehlten: Sinteza Ramona Röder, die einmal mehr extra aus Ingolstadt angereist war und natürlich Aktivistin Edith Grube.

Erich Schneeberger, Vorstand im Landesverband der Sinti und Roma mit Ramona Röder; Foto: E. Grube

Edith stellte sich mit ihrem „Stolperstein-Button“ als personifizierte Gretchenfrage in die erste Reihe, vis à vis von OB Reiter und Kulturreferent Hans-Georg Küppers, denn sie kämpft seit Jahren, gemeinsam mit dem Verein „Stolpersteine für München“ um Terry Swartzberg, für die Legalisierung dieser in den Boden eingelassenen Gedenksteine, deren eingravierter Text an Opfer des Holocaust erinnert. Diese Form des Erinnern jedoch lehnen deren Gegner_Innen gerade wegen der in ihren Augen unangemessenen Bodenlage ab …

90 qm Bodendenkmal; Foto: Gudrun Lux

Bei dem neuen Denkmal für die verfolgten Schwulen und Lesben jedoch handelt es sich ebenfalls um ein Bodendenkmal, das bewusst als solches ausgewählt wurde, wie auch aus den Reden von Oberbürgermeister Reiter, Kulturreferent Hans-Georg-Küppers und der Künstlerin selbst hervorging; gerade wegen seiner unmittelbaren Erlebbarkeit durch Begehbarkeit, zudem direkt am Ort des Übergriffs auf die Schwulenkneipe „Schwarzfischer“ 1934, seitens der Nationalsozialisten gelegen. Da frage ich mich schon, warum in ein und der selben Stadt, dieses Bodendenkmal als eben ein solches gelobt wird, während die Stolpersteine weiterhin verboten bleiben, weil sie, laut den Gegner_Innen, am Boden keine würdige Form des Gedenkens ermöglichen?

Die Stolpersteine lehnt sie als Gedenkform vehement ab: Charlotte Knobloch, Präsidentin der IKG München; an der Einweihung dieses Bodendenkmals nahm sie jedoch teil …

Die Opfer würden hier nochmals mit Füßen getreten, lautet eines ihrer Argumente.

Am selben Tag war Gunter Demnig, Schöpfer der Stolpersteine zusammen mit Frau Katja zur Verlegung 21 weiterer Stolpersteine auf privatem Grund angereist und schloss sich danach der Einweihung des Denkmals am Oberanger an. Katja Demnig äußerte später via Facbook: Wir freuen uns sehr, dass diese bislang so unbeachtete Gruppe endlich Aufmerksamkeit geschenkt bekommt — auch in München. Deshalb sind wir gerne zur Eröffnung gegangen.“ 

Katja und Gunter Demnig, unter den Zuschauer_Innen, Foto: E. Grube

Dass sich einmal der Schöpfer der Stolpersteine und deren vielleicht erbittertste Gegnerin, Charlotte Knobloch auf ein und derselben Veranstaltung einfinden würden, hätte ich mir nie träumen lassen!

Jon Michael Winkler und Gaby dos Santos, Kulturplattform jourfixe-muenchen; Foto: Edith Grube

Überhaupt erfüllten mich die bekannten Gesichter unterschiedlichster Couleur, die ich unter den Zuschauern ausmachte, mit einem Gefühl der Zuversicht, was den Facettenreichtum unserer Stadtgesellschaft anbelangt, als ein farbenfrohes heterogenes Miteinander: Ja,  München, die ehemalige Hauptstadt der Bewegung, ist längst bunt geworden …

Foto: OB Dieter Reiter, Facebook via Thomas Niederbühl

Daran erinnerte Albert Knoll, Vorstand des Forums Homosexualität in einem anschließenden Vortrag, im Rahmen eines Empfangs im Jüdischen Museum München, von dem ich nachstehend die Kernausschnitte veröffentliche:

Es sind ja nur ein paar farbige Betonplatten an der Ecke Oberanger / Dultstraße – und doch haben sie so viel Bedeutung, wie kaum sonst irgendwo auf der Welt Betonplatten Bedeutung haben. (…)

Ausschnitt des Bodendenkmals: Das rosa Dreieck steht für die rosa Wimpel, die die homosexuellen KZ-Häftlinge kennzeichneten

Ich freue mich, dass das Kunstwerk nach so langer Planungszeit endlich fertig geworden ist, ein Tag auf den das forum homosexualität münchen, auf den die Rosa Liste und die interessierte Community schon lange gewartet hat. Das Kunstdenkmal ist damit Ausdruck des Willens der Stadt München, die bislang stiefmütterlich behandelte Opfergruppe der homosexuellen Männer und Frauen wahrzunehmen und ihr einen gebührenden Platz in der kommunalen Gedenklandschaft zu gewähren. Das zeugt von Respekt und gleichzeitig auch der Anerkenntnis, dass die nach 1945 fortgesetzte Verfolgung ein Unrecht war, dessen sich die Bundesrepublik bekennen muss. Vor 25 Jahren noch undenkbar: der § 175 war noch in Kraft, die Rosa Liste noch nicht im Stadtrat; die Bereitschaft in Gesellschaft und Politik, die „vergessenen“ oder besser gesagt, die bis dahin „ausgegrenzten“ Opfer des Nationalsozialismus zu würdigen, war damals nicht gegeben. Das hat sich geändert.

Albert Knoll während seiner Rede im Jüdischen Museum; Foto: queerelations

Das Terrorregime des Nationalsozialismus hat das Leben von Tausenden von schwulen Männern auf dem Gewissen und es hat das Leben von abertausenden von Lesben und Schwulen massiv beeinträchtigt und beschädigt. Der § 175 war der einzige Strafrechtsparagraph, bei dem es keine Geschädigten gab – bei dem der Staat seine Macht über die Geburtenrate ausspielen wollte – letztlich die Aufsicht über die Schlafzimmer der Deutschen haben wollte. Homosexuelle Männer wurden zu Staatsfeinden erklärt.

Historische Abbildung des „Schwarzfischers“

Im Sommer 1934 verordnete Gauleiter Adolf Wagner eine groß angelegte Razzia. „Zur Gesunderhaltung unseres Volkes“ – so das Zitat – „muß künftig gegen jede Art der Betätigung widernatürlicher Unzucht mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln eingeschritten werden.“ Daten aus den Rosa Listen wurden gesammelt, die Einsatzkräfte der Polizei aufgestockt für eine Großaktion, die dann am 20. Oktober 1934 mit aller Gewalt durchgeführt wurde. Parkanlagen und Bedürfnisanstalten wurden durchsucht und alle Gäste aus den Schwulenlokalen „Zum Schwarzfischer“in der Dultstraße und „Arndthof“ am Glockenbach verhaftet. Diese reichsweit erste Großrazzia brachte fast 150 Münchner vor den Vernehmungsbeamten, der entschied, dass jeder Dritte von ihnen „vorläufig in Schutzhaft genommen“ wurde und nach Dachau kam. Damit war die Aktion noch nicht zu Ende. Im Morgengrauen durchsuchte die Polizei die Wohnungen von Männern, die in den berüchtigten „Rosa Listen“ eingetragen waren, z.B. die des aus Niederösterreich zugezogenen Franz Kopriva, der 1930 hier Arbeit fand. Kopriva stand in der Homosexuellen-Liste der bayerischen Polizei als „Wiederholungstäter“. Im Zuge der Razzia durchsuchten die Beamten seine Wohnung in der Seidlstraße nahe dem Hauptbahnhof und verhafteten ihn und einen Mann, der sich bei ihm aufhielt. Nach zwei Tagen wurde er – ohne Einschaltung der Justiz – ins KZ nach Dachau überstellt. Lesben waren vom Strafgesetzbuch verschont, der § 175 galt nur für Männer. Es gibt aber einige Quellen, dass lesbische Frauen in Gefängnisse und Konzentrationslager gebracht wurden. Sie wurden offiziell aus politischen, rassischen oder sozialhygienischen Gründen verfolgt. Eine eigenständige weibliche Sexualität negierte die damalige Gesellschaft und die Nationalsozialisten sahen keine „bevölkerungspolitische Gefahr“. Das Ziel des NS-Staates war es, eine einheitliche Volksgemeinschaft aus dem Boden zu stampfen. Da war kein Platz für Lesben oder Schwule, sie wären letztlich alle zu „Gemeinschaftsfremden“ erklärt worden. Beispiele für Lebensgeschichten Münchner homosexueller Frauen im Nationalsozialismus konnten wir bislang nicht finden.

Das Jahr 1945 bedeutete für homosexuelle Männer weder Befreiung noch das Ende von Verfolgung und Kriminalisierung. Viele kamen wieder in Haft, der § 175 war weiterhin gültig. Erst im Jahr 1969 wurde das Totalverbot aufgehoben. 1994 entschied sich der Bundestag für das Ende der strafrechtlichen Diskriminierung und 2002 beschloss er die Rehabilitierung der vor NS-Gerichten verurteilten Männer. Erst jetzt hat die Bundesregierung eine Vorlage zur Rehabilitierung der Männer eingebracht, die aufgrund des Paragrafen 175 in der Nachkriegszeit verurteilt wurden. Eine Hürde für die Aufhebung der Urteile wird dabei bleiben: die Männer werden nachweisen oder bezeugen müssen, dass der Sexualpartner älter als 16 Jahre war, also doch eine Einzelfallprüfung.

Der anschließende Empfang im nahegelegenen Jüdischen Museum am St.. Jakobsplatz, Foto: queerelations

Zum Schluss: Ich bedanke mich herzlich bei den Verantwortlichen, die diesen Festakt im Jüdischen Museum ermöglicht haben. Es ist ja nur ein kleiner Sprung vom neuen Mahnmal am Oberanger hinüber zum Jakobsplatz, wo an die Massenvernichtung der Juden erinnert wird. Im unterirdischen Verbindungsgang zur Synagoge sind die Namen der Münchner jüdischen Opfer zu lesen. Mit Sicherheit waren einige Schwule und Lesben darunter. Deren Namen sind uns unbekannt. Wichtig ist aber etwas ganz anderes: es gibt kein Gegeneinander der Opfer / des Opfergedenkens. Die heutige Raumwahl zeigt vielmehr, dass es ein Hand in Hand derjenigen gibt, die an diese brutalen Zeiten erinnern. Das ist wichtig, denn wie es sich in jüngster Zeit zeigt, die Verharmloser, die Verleugner und die Gegner eines Gedenkens, alte und neue Rechtsradikale formieren sich wieder und fordern uns alle, die wir entschlossen sind, die demokratischen Werte zu verteidigen, zum Handeln heraus. Mahnmale werden mutwillig beschädigt, Juden, Lesben und Schwule sehen sich zunehmend Beleidigungen und Gewalt ausgesetzt. Wir werden ein waches Auge darauf haben, damit Jakobsplatz und Oberanger weiterhin würdige Orte der Zusammenkunft und des Gedenkens bleiben.

Albert Knoll, links mit Thomas Niederbühl, Foto: Stephan Rescher

Soweit die bewegende Rede von Albert Knoll, bewegend besonders, wenn man bedenkt und wie auch von Thomas Niederbühl in seiner Eröffnungsrede erwähnt (s. Youtube-Beitrag am Ende),  dass der internationale Opferverband in Dachau lange Zeit verhinderte, dass ein Gedenkstein für die homosexuellen Opfer errichtet werden durfte. Auch in Hinblick auf die (meiner Meinung nach unsägliche) Diskussion, ob denn das neue Mahnmal auch verfolgten Lesben gewidmet werden solle, äußerte Thomas Niederbühl, dass es  keine Opferhierarchien geben dürfe! Recht hat er, finde ich, schließlich ist und bleibt jedes Opfer eines zuviel!

Gerade wenn es in der heutigen Zeit plötzlich dramatischerweise wieder gilt, sich üblen Anfängen brauner Gesinnung zu erwehren, dann ist die Geste des „Hand in Hand Gehens“, wie sie Albert Knoll anspricht, und wie man sie Dienstag an Oberanger und Jakobsplatz erleben durfte, in ihrer Symbolik nicht hoch genug zu bewerten.

Nachstehend nochmals die prägnantesten Momente der Feier am Oberanger, festgehalten in einem Video von Wolfgang Troescher

<p><a href="https://vimeo.com/223362203">Einweihung des Denkmals f&uuml;r die homosexuellen Opfer der NS-Zeit</a> from <a href="https://vimeo.com/troescher">Wolfgang Tr&ouml;scher</a> on <a href="https://vimeo.com">Vimeo</a>.</p>

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„Kommt herbei zu einem gleichen Wort zwischen uns …“ Muslimisches Leben in München als gesellschaftliche Chance

„Wir brauchen Kulturdolmetscher“, sagte der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel in einer Rede in Mainz; man könne schließlich nicht erwarten, dass jeder Flüchtling gleich ein lupenreiner „Verfassungspatriot“ sei. Diesbezüglich jedoch könnten unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger mit Migrationshintergrund wertvolle Hilfestellung leisten.

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Mitglieder der „Flüchtlingshilfe Muenchner Muslime“ beim Großeinkauf von Socken, Quelle: FMM

Und das tun sie auch längst, wie ich im September bei einer Pressekonferenz der „Flüchtlingshilfe Münchner Muslime V.i.G“ selbst erfuhr. In deren Selbstdarstellung heißt es: Münchner Muslime sind multikulturell und bringen daher eine große Sprach- und Kulturvielfalt mit. Zudem zeichnen wir uns durch unterschiedlichste Bildungshintergründe aus“.

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Pressekonferenz der „Flüchtlingshilfe Münchner Muslime“ im Gemeinderaum der Pasinger Moschee. In der Mitte Aida Dedovic, Foto: MFI

Aida Dedovic, die informelle Leiterin der neuen Vereinigung, ergänzt in der Süddeutschen Zeitung: “ ‚Wir sind alle multilingual, wir haben einen großen Erfahrungsschatz.“ Diese Erfahrung haben sie zuletzt auch eingebracht. Fluechtlingshilfe_Muenchner_Muslime_Aida_Dedovic_Muenchner_Forum_Islam_jourfixe-BlogVor allem am Hauptbahnhof und in den Notquartieren, aber auch in den Unterkünften in der Bayern- und Funkkaserne. Sie haben gedolmetscht, sie haben Spenden bei Unternehmen gesammelt, sie haben sich in die Helferlisten eingetragen, nicht als Muslime, sondern als Personen, die Farsi können oder Essen austeilen wollen. Und denen sich gerade neu ankommende Flüchtlingsfrauen mitunter leichter öffnen, wenn auch ihr Gegenüber in der Helferweste ein Kopftuch trägt.‘

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Mitglieder der FLÜCHTLINGSHILFE MÜNCHNER MUSLIME, in der Mitte, hinten, Aida Dedovic sowie Vertreter der gastgebenden Pasinger Moschee, dritter von links Imam Idriz, MFI

Dedovic sehe die aktuelle Flüchtlingskrise als „Riesenchance“ sowohl für unsere Stadt, wie auch für unsere muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger; geeignet, Vorurteile auszuräumen, die von mehr oder weniger latenter Islamophobie geprägt sind,“ so die Süddeutsche weiter.

Heinrich Bedford Strohm zum Islam in Deutschland

H. Bedford-Strohm, 2015

„Der FRIEDLICHE Islam gehört zu Deutschland“ äußerte Anfang dieses Jahres auch Heinrich Bedfort-Strohm, Ratsvorsitzender der evangelischen Kirche.

Für diesen Islam steht das  „Münchner Forum für Islam (MFI) aus deren Broschüre ich einige Passagen zitiere:

Das MFI setzt sich für ein aufgeklärtes und rationales Islamverständnis ein. In Deutschland wird es muslimischen Theologen und Imamen heute möglich sein, Mechanismen des rationalen Denkens (Idschtihad) und der Innovation (Tadschdid) in das Religionsverständnis einzubringen und Fehlentwicklungen zu korrigieren. In diesem Sinne wird angestrebt, theologische Aus- und Fortbildungsangebote für Imame in deutscher Sprache aufzubauen, ebenso für Religionsunterricht, religiöse Dienstleitungen (wie z.B. Eheschließungen, Bestattungen) anzubieten, und Aufklärung über den Islam in dem hier dargestellten Sinn für die Öffentlichkeit zu leisten.MFI_jourfixe-Blog_Muenchner_Forum_fuer_Islam

Das MFI ist rational und reformorientiert, aber mit einer Tradition in Einklang, die offen für neue Auslegungen ist. Das MFI beschäftigt sich nicht mit Formen sondern mit Inhalten. Unterschiede im Denken, Glauben und in Rechtsmeinungen lassen wir beiseite und wollen uns auf die verbindenden Normen und Werte konzentrieren.

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Aussenfassade von Altstadt-Moschee und MFI, Hotterstraße

Das MFI lehnt pseudoreligiösen Aberglauben, Übertreibungen und Extremismus entschieden ab und basiert auf einem Islamverständnis in Einklang mit Wissenschaft, Vernunft, Ethik und Seele. Der Gesandte Gottes Muhammed (s) hat die Menschen eindringlich davor gewarnt, „in religiösen Dingen die Grenzen zu überschreiten“, das normale Maß, den gesunden Menschenverstand, also das Herz des Menschen, außer Acht zu lassen.“

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Iman Idriz, Stadtdekanin Kittelberger (EKD), Petra und Dieter Reiter, Münchner OB, am Marienplatz, Foto: MFI

Link zum Image-Film des MFI, in dem auch Vertreter/Innen unserer Stadt zu Wort kommen, u. a. die evangelische Stadtdekanin Barbara Kittelberger, Bürgermeister Josef Schmid und Apostolos Malamoussis, Erzpriester der griechisch-orthodoxen Gemeinde.

Das MFI plant ein großes Bauvorhaben, dazu schreibt die SZ im Juli 2015: „An den Rand des Kreativquartiers will der Verein ein Gemeindezentrum bauen, das neben dem Gebetsraum für 800 Muslime auch eine Bibliothek, ein Museum, Akademieräume und einen für alle Bürger offenen Andachtsraum umfasst, einen öffentlichen Platz sowie Restaurant und Café. Der erste Entwurf des Architekten Alen Jasarevic mit seiner raffiniert gestalteten Fassade stieß in der Öffentlichkeit auf breite Zustimmung.“

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Modell des geplanten Münchner Forums für Islam in der Dachauer Straße, Foto: MFI

Mehr über den Verein MFI, einschließlich einer Broschüre zum geplanten Bau, findet sich unter www.islam-muenchen.de

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Spenden dringend benötigt, Foto: MFI

Ob dieses Projekt wirklich realisiert werden kann, hängt jetzt unter anderem davon ab, ob die Initiatoren bis Ende das Jahres den Kaufpreis für das von der Stadt reservierte Grundstück zusammen bekommen werden. Geld aus Saudi Arabien ist keines zu erwarten, weil das MFI kategorisch jede Einflussnahme seitens potentieller Geldgeber ablehnt

Zum Vorstand des MFI zählt nicht zuletzt Benjamin Idriz, eine der zentralen Figuren, wenn nicht DIE zentrale Figur der Münchner Muslime für interreligiösen Dialog. Seit 1995 ist er Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg e.V. und seit 2009 Vorsitzender des Vereins “Münchener Forum für Islam” e.V. Darüber hinaus ist er Autor des Buchs „Grüß Gott, Herr Imam – Eine Religion ist angekommen(Diederichs Verlag, 2010).

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Imam Benjamin Idriz, Foto: MFI

Der Untertitel „Eine Religion ist angekommen“ liest sich vielversprechend und trifft durchaus zu. Ebenso zutreffend ist aber leider auch, dass längst noch nicht alle Muslime wirklich bei uns angekommen sind. Der  ZDF-Beitrag „Ein Staat, zwei Welten“ greift diese Problematik ebenso anschaulich wie Besorgnis erregend auf und stellt die Gretchen-Frage:  „Wie die etwa 800.000 Flüchtlinge in die Gesellschaft integriert werden, ist eine Frage unserer Zukunft. Werden sie in Parallelwelten abtauchen oder lernen, unser Wertesystem zu akzeptieren? Toleranz dürfe nicht dazu führen, dass sich in unserer Gesellschaft solche Parallelgesellschaften mit eigenen Regeln ausbreiten, so die Dokumentation, denn „… in unserem Recht spiegelt sich die Wertevorstellung unserer Gesellschaft!“,  wie ein deutscher Richter im Film betont.

Entsprechend fordert auch Sigmar Gabriel, dass das Gesetz immer über der Religion stehen müsse und keiner in unserer Gesellschaft sein Bekenntnis über andere stellen dürfe.

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Standbild aus der ZDF-Dokumentation von 2013 „Ein Staat – zwei Welten“

Ebenso forderte kürzlich der Journalist Jakob Augstein eine „neue Leitkultur“. Den Begriff „Leitkultur“, laut Arte,  hatte ursprünglich der Politologe Bassam Tibi geprägt. „Er benutzte ihn, um grundlegende gesellschaftliche Werte zu beschreiben, wie Demokratie, Laizismus, Aufklärung und Menschenrechte.“ Der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz wandelte den Begriff 2000 ab, in dem er  (…)“ bemängelte, es gebe keine allgemein akzeptierte Definition mehr von dem, „was wir unter unserer Kultur verstehen„. Diese „Leitkultur“ verstand Merz als Gegenmodell zur „multikulturellen Gesellschaft“, die man in den Reden der damaligen rot-grünen Regierung oft wiederfand. (…)“

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Jakob Augstein fordert eine „neue Leitkultur“, Foto: ARD

Augsteins Haltung eignet sich aber nicht als später Triumph für Merz, denn Augstein bezieht sich vielmehr auf Bassam Tibi. Unsere Gesellschaft müsse auf den Wandel, der sich längst in ihr vollzogen habe, eingehen und sich über eine gemeinschaftliche Leitkultur neu definieren. Diese aktualisierte Leitkultur solle eine Art verbindlich schützenden Überbau bilden, unter dem sich kulturelle Vielfalt positiv entfalten könne. Diese Forderung wiederholte er kürzlich bei MAISCHBERGER und erntete sogleich Gegenwind. Es könne nicht angehen, dass wir (Deutsche) uns nun auch noch nach den Migranten richteten, befand sinngemäß die Sprecherin einer Bürgerinitiative.  Hier war sie wieder spürbar, die Angst vor dem Verlust des Vetrauten durch das Schreckgespenst einer „Überfremdung“ …

Monotheistische_Religionen_Interreligioeser_Dialog_Halbmond_David-Stern_Kreuz_jourfixe-Blog_Gaby_dos_SantosFür mich steht fest, dass sich das „Rad der Zeit“ nicht mehr zurück drehen lässt. Wozu auch? Es lebt sich doch recht gut in dieser inzwischen bunten Gesellschaft? Nun gilt es, sich diese zu vergegenwärtigen und im positiven Sinne zu bewahren. Insofern stimme ich Jakob Augstein zu und habe mich ein wenig unter Muslimen in München umgesehen.

Da unsereins zur Zeit viel über Islam und Islamismus diskutiert – oft auch schwadroniert – man aber eigentlich nicht viel Konkretes darüber weiß, begann ich meine Recherche mit dem 3-teiligen Dokumentarfilm  „Mohammed, der Prophet“  von Faris Kermani und Ziauddin Sardaran. Die Dokumentation zeigt ein faszinierendes Portrait des großen Religionsstifters und geschickten Staatsmannes, obwohl – oder gerade weil – der Beitrag auch kritische Stimmen zu Wort kommen lässt. Aufschlussreich fand ich auch den Einblick in Mohammeds Lehren im historischen Kontext und den Zusammenhang zwischen den drei monotheistischen Religionen.

PHOENIX MOHAMMED - DER PROPHET, "Erste Offenbarungen", am Mittwoch (26.08.15) um 20:15 Uhr. Filmregisseur Faris Kermani © PHOENIX/ZDF, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter PHOENIX-Sendung bei Nennung "Bild: PHOENIX/ZDF" (S2). PHOENIX-Kommunikation, Tel: 0228/9584-196, Fax: -199, presse@phoenix.de

Empfehlenswert! MOHAMMED – DER PROPHET, Teil 1: „Erste Offenbarungen“, Filmregisseur Faris Kermani, Ausstrahlung 26.8.2015  © PHOENIX/ZDF

Mohammed bezeichnet die Juden und Christen übrigens als Volk der Schrift. Im Koran 3:64 steht:

„Sprich: ‚O Volk der Schrift, kommt herbei zu einem gleichen Wort zwischen uns, daß wir nämlich Allah allein dienen und nichts neben Ihn stellen, und daß nicht die einen von uns die anderen zu Herren annehmen neben Allah.‘ Und so sie den Rücken kehren, so sprechet: ‚Bezeuget, daß wir Muslime sind‘.“

Koran Vignette

Koran Vignette

Die drei Religionen verbindet auch, dass ihre Heiligen Schriften Tora, Bibel und Koran in einem altertümlichen Stil und in einer bildhaften, nicht immer eindeutigen Sprache abgefasst sind. Bei falscher Lesart ergibt sich daraus emotionaler und schlimmstenfalls auch ganz realer Zündstoff; jener der zu den Kreuzzügen im Mittelalter führte, jener, der jüdische Siedler dazu treibt, sich in palästinensischen Gebieten niederzulassen und eben auch jener Zündstoff, durch den für die Islamisten ein „Dschihad“, ein ihrer Auffassung nach „Heiliger Krieg“, entflammt ist.

Muslime_Islam_Koran

Der Koran – das Heilige Buch der Muslime

Zum Begriff „Dschihad“ sowie zu weiteren „25 Fragen zum Islam“ bin ich im Internet auf folgende Erläuterung gestoßen:

„Oft werden in den Medien Begriffe wie ‚Dschihad‘ und “heiliger Krieg“ genannt und gleichgesetzt. Im Islam gibt es den Begriff des heiligen Krieges nicht. Gemeint ist eigentlich das Wort ‚Dschihad‘, welches ‚Anstrengung‘ oder genauer ‚sich auf dem Wege Gottes anstrengen‘ bedeutet. Jede Anstrengung im Alltagsleben, die unternommen wird, um Gott zufriedenzustellen, kann als Dschihad betrachtet werden. Eine der höchsten Stufen des Dschihad ist es, sich gegen die Herrschaft eines Tyrannen zu erheben und ihm die Wahrheit zu sagen. Gegen sein Ego zu kämpfen und sich von schlechten Verhaltensweisen fernzuhalten, ist ebenfalls eine große Anstrengung auf dem Wege Gottes. Zum Dschihad gehört auch, dass man zu den Waffen greift, um den Islam oder ein muslimisches Land zu verteidigen. Diese Art des Dschihad muß von einer religiösen Führung oder von einem muslimischen Staatsoberhaupt, das dem Koran und der Sunna (dem Beispiel des Propheten Muhammad) folgt, ausgerufen werden.“ *Originaltitel: 25 Most Frequently Asked Questions About Islam, Dr. Shahid Athar, 1993

Mekka_Makkah_Hadsch_Islam_Kaaba_jourfixe-Blog_Gaby_dos_Santos

Die Kaaba in Mekka ist das Ziel der großen Wallfahrt (Haddsch), die jeder Muslim einmal in seinem Leben unternehmen soll, sofern er dazu in der Lage ist. Die Pilger umrunden sie siebenmal gegen den Uhrzeigersinn und preisen dabei Allah; diese Umrundung wird Tawāf (‏طواف‎) genannt. (Quelle: Wikipedia)

Den letzten obigen Passus bzgl. des Einsatzes von Waffen muss man im historischen Kontext betrachten: Die Kaaba in Mekka war schon vor Mohammed ein religiöses Zentrum für Pilger aus allen Ecken Arabiens, die dort einer Vielzahl unterschiedlicher Gottheiten huldigten und viel Geld in die Stadt brachten. Die damals in Mekka herrschende Kaste empfand Mohammed, mit seiner neuen monotheistischen Glaubenslehre, als politische wie finanzielle Bedrohung. Mohammed  floh daher und ließ sich mit seinen Getreuen in Medina nieder. Es folgten zahlreiche blutige Auseinandersetzungen mit den Heeren Mekkas. Dennoch hat Mohammed immer betont, dass der bewaffnete Kampf nur der Verteidigung dienen dürfe. 

Wie oft musste ich mir in letzter Zeit anhören, Religion (und damit war keineswegs nur der Islam gemeint) stifte nichts als Unheil! Aber sind es nicht immer wir Menschen selbst, die die Gebote Gottes pervertieren?

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Die 16 Münchner Imame formulieren die Erklärung: „Nicht im Namen Allahs … Und nicht in unserem Namen!” Foto: MFI

Erschüttert über die Greueltaten des IS wandten sich im September 2014 die 16 Münchner Imame mit der Deklaration „Nicht im Namen Allahs … Und nicht in unserem Namen!“ an die Öffentlichkeit. Nachstehend Ausschnitte:

„(…) Weil wir Muslime sind, sind wir entsetzt über die Verbrechen, die im Namen unserer Religion im Irak und in Syrien begangen werden! (…)

Wir sind zutiefst traurig über die Zerschlagung der uralten Tradition des Miteinanders im Nahen Osten, wo Menschen unterschiedlichen Glaubens und vielfältiger Kulturen seit Hunderten von Jahren zusammenleben.

Wir solidarisieren uns mit Christen, Juden, Jesiden, Schiiten oder Sunniten – wer auch immer wo auch immer unter Gewalt, Terror und Vertreibung leidet.

Wir wehren uns dagegen, dass der Hass aus anderen Regionen der Welt nach Deutschland gebracht werden soll, und arbeiten für ein friedliches Miteinander hier in Deutschland, wo wir zuhause sind.

Wir Imame, die Verantwortung in unseren Gemeinden übernommen haben, um die Botschaft des Islam weiterzutragen, engagieren uns seit Jahren für ein friedliches Zusammenleben in Deutschland und setzen uns in unseren Predigten und in unserem Wirken in den Gemeinden für ein aufgeklärtes und gemäßigtes Religionsverständnis ein, gemäß dem Koran und der Tradition.

Wir leiden unter den aktuellen Nachrichten ja nicht weniger als andere, sondern mehr, weil es unsere Religion ist, die dabei so unbeschreiblich pervertiert wird. Müssen die Imame lauter schreien? Ja, müssen sie! Denn es sind die Irren, die Ungebildeten und Fehlgeleiteten, die Gewalttäter allerorten, die das Bild unserer Religion nach außen bestimmen. Und es ist unsere Aufgabe – wessen sonst! – dagegen aufzutreten. Wir können nur an alle appellieren, nicht uns hier an den Wahnsinnstaten anderer, wo auch immer auf der Welt, zu messen. Nicht uns, und nicht DEN Islam. So wie wir nicht das Christentum und nicht das Judentum an dem messen wollen und werden, was Einzelne oder extremistische Strömungen an Leid verursachen.

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„Imame verurteilen den IS-Terror“   SZ-Artikel von Bernd Kastner, September 2014

(…) Der Koran verurteilt das Töten Unschuldiger in der entschiedensten Formulierung, die denkbar ist:

مَنْ قَتَلَ نَفْسًا بِغَيْرِ نَفْسٍ أَوْ فَسَادٍ فِي الْأَرْضِ فَكَأَنَّمَا قَتَلَ النَّاسَ جَمِيعًا وَمَنْ أَحْيَاهَا فَكَأَنَّمَا أَحْيَا النَّاسَ جَمِيعًا
Wer ein menschliches Wesen tötet, ohne (dass es) einen Mord (begangen) oder auf der Erde Unheil gestiftet (hat), so ist es, als ob er alle Menschen getötet hätte. Und wer es am Leben erhält, so ist es, als ob er alle Menschen am Leben erhält.“ (Koran: 5/32)

Unser Prophet Muhammed sagt:
لهدم الكعبة حجراً حجرا أهون من قتل مسلم
In den Augen Gottes ist es eine geringeres Vergehen, die Kaaba zu zerstören, als einen friedliebenden Menschen zu töten.

Dem Frieden gilt der gemeinsame Ruf aller Religionen. Barmherzigkeit ist mit weitem Abstand diejenige Aussage, die uns der Koran am häufigsten über Gott vor Augen hält. Allah selbst ist السلام „as-salam“, der Friede, und der wahre Muslim, der während seines Gebetes täglich dieses Wort immer wieder ausspricht, ist derjenige Mensch, der in Frieden mit Gott, mit sich selbst, seiner Umgebung, allen Menschen, Tieren und Pflanzen sowie mit dem ganzen Kosmos lebt. Allah fordert die Muslime dazu auf, die Botschaft des Friedens zu verbreiten und sich selbst ihrem Gegner gegenüber gerecht zu verhalten, um damit sein Herz zu erweichen und aus ihm einen Freund zu machen:

وَلا تَسْتَوِي الْحَسَنَةُ وَلا السَّيِّئَةُ ادْفَعْ بِالَّتِي هِيَ أَحْسَنُ فَإِذَا الَّذِي بَيْنَكَ وَبَيْنَهُ عَدَاوَةٌ كَأَنَّهُ وَلِيٌّ حَمِيمٌ
Und nimmer sind das Gute und das Böse gleich. Wehre (das Böse) in bester Art ab, und siehe da, der, zwischen dem und dir Feindschaft herrschte, wird wie ein treuer Freund sein.“ (Koran: 41/34)

Als eine Konsequenz aus dem koranischen Gebot:

يَاأَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا ادْخُلُوا فِي السِّلْمِ كَافَّةً
Ihr, die ihr glaubt! Tretet allesamt ein in den Frieden“ (Koran: 2/208)

müssen die Muslime in der ganzen Welt lautstark ihre Parteinahme für den Frieden entschieden und unmissverständlich, überall und unablässig kundtun. Islam bedeutet: der friedliebende Gehorsam Allah gegenüber, friedliche Akzeptanz und friedliche Praxis des Glaubens im Namen Allahs. Muslim bedeutet: der „friedliebende Mensch“, der Mensch, der Frieden auf Erden verbreitet. Dies bekundet der Prophet Muhammed (s) am besten, indem er den Muslim folgendermaßen beschreibt:

المسلم من سلم الناس من لسانه ويده
Der Muslim d.h. der friedliebende Mensch, ist verantwortlich dafür, dass die anderen friedliebenden Menschen vor seinen Händen und Worten sicher sind.

Wir rufen die Politik dazu auf, – in transparenter Weise gemeinsame Wege mit den Moscheegemeinden zu finden, wie wir den Extremismus effektiv bekämpfen können. Der Generalverdacht, unter den wir oft gestellt werden, ist kontraproduktiv und hat die Situation immer weiter verschärft! Die Politik muss dringend differenzierter vorgehen und unterscheiden, von welcher Seite tatsächliche Gefahr ausgeht, diese entschieden bekämpfen – aber ebenso entschieden mit denjenigen zusammenarbeiten und sie engagiert unterstützen, die den Islam richtig interpretieren und dadurch sehr viel effektiver gegen Missbrauch vorgehen können. (…)!

Link zur vollständigen Deklaration 

Am "Tag der Offenen Moschee 2015" erklärt ein Mitglied des MFI den Besuchern das geplante Bauvorhaben

Am „Tag der Offenen Moschee 2015“ erklärt ein Mitglied des MFI den Besuchern das geplante Bauvorhaben, Foto: MFI

Inzwischen war ich selbst schon zweimal zu Besuch im Münchner Forum für Islam, das vorläufig seinen Sitz in den Räumlichkeiten der Münchner Altstadt-Moschee, in der Hotterstraße 16 hat. Erstmals war ich zum „Tag der Offenen Moschee“ dort, den die islamischen Religionsgemeinschaften in Deutschland seit 1997 jedes Jahr am 3. Oktober  veranstalten. Eine deutsche Muslima führte mich durch die Räumlichkeiten und im Anschluss setzen wir uns zu einem Gespräch zusammen, das ich als  sehr anregenden Austausch zwischen zwei Frauen auf spiritueller Suche empfand.

Das Freitagsgebet beginnt in der Sommerzeit um 13.30 Uhr und im Winter um 12.30 Uhr, Foto: MFI

Das Freitagsgebet beginnt in der Sommerzeit um 13.30 Uhr, im Winter um 12.30 Uhr, Foto: MFI

Letzte Woche nahm ich erstmals am Freitagsgebet teil. Die Rituale eines Gottesdienstes, egal welcher Glaubensrichtung, rein sachlich beschreiben zu wollen, halte ich für wenig Erfolg versprechend. Hinter den festgeschriebenen, sichtbaren Abläufen verbirgt sich die Symbolik eines tieferen Sinnes. Und den kann nur jeder für sich selbst nachempfinden, vorausgesetzt man spürt das Bedürfnis, sich auf ein solches spirituelles Erlebnis einzulassen. Kürzlich wurde ich gefragt, ob man als „Ungläubige(r)“ denn überhaupt eine Moschee betreten dürfe?

Imam Idriz beim Freitagsgebet

Imam Idriz beim Freitagsgebet, Foto: MFI

Auf meine Nachfrage hin, teilte mir Imam Idriz mit, in der Moschee in Penzberg und in der Altstadt-Moschee in München sei jeder zum Freitagsgebet willkommen. Natürlich könne er nur für diese beiden Orte sprechen. Die Freitags-Predigt wird grundsätzlich auf Deutsch gehalten, der Gottesdienst beginnt während der Sommerzeit um 13.30 Uhr und im Winter um 12.30 Uhr und dauert ca. eine Stunde …As-salamu_aleiukm_wa_rahmetulla_Friede_Gnade_sei_mit_Eucch

Hinzufügen möchte ich noch die Bildbeschreibung, die ich auf der FB-Seite des Münchner Forums für Islam gefunden habe: „Wer den Gebetsritus der Muslime kennt, weiß, dass das Gebet mit ‚Allahu-akbar‘ (Gott ist der Größte) beginnt und sich dieser Spruch in allen Phasen des Gebetes wiederholt, nur nicht am Ende des Gebetes. Der Betende endet sein Gebet nicht mit ‚Allahu-akbar‘, sondern mit ‚As-salamu aleiukm wa rahmetullah‘, ‚der Friede und die Gnade sei mit euch!‘ Er wendet seinen Kopf zur rechten und zur linken Seite und verkündet den Frieden an alle Menschen und sagt: ‚Gott, Du bist der Friede selbst. Von Dir kommt Friede, und zu Dir führt der Friede zurück‘. Mit diesem Ritus macht sich der Muslim bewusst: So wie ich während des Gebetes nicht Böses gesprochen, gedacht oder getan habe, bleibe ich bis zum kommenden Gebet, in meinem Umfeld, mit allen Menschen, die sich zu meiner rechten und zu meiner linken Seite befinden, friedlich!‘ … „

Ähnlich unserem evangelischen Friedensgruß nach dem Abendmahl, so habe ich den Abschluss des muslimischen Gebets empfunden. Bewundernswert finde ich die Disziplin, mit der die frommen Muslime ihren Glauben ausüben, der soviel mehr verlangt, mehr an Gebeten, mehr an Verzicht und Ritualen, als es die Ausübung meines Glaubens fordert. Besonders in der heutigen, so durchgetakteten Zeit!

Das Kopftuch - ein polarisierendes Accessoire ...

Das Kopftuch – ein polarisierendes Thema

Bei meinen Besuchen in der Hotterstraße musste ich immer wieder feststellen, wie tief verwurzelt Vorurteile und Klischees in mir steckten und weiterhin stecken, wie so oft, wenn man von Gegebenheiten nur ansatzweise Ahnung hat. Begegnet man ihnen dann tatsächlich, zeigen sie sich anders als erwartet. Beispiele: Die deutsche Muslima, mit der ich mich so angeregt unterhalten habe, war kein unterdrücktes Mauerblümchen sondern eine selbstbewusste Akademikerin  – doch ja, sie trug sehr wohl das Kopftuch, ebenso trägt es die eine ihrer Töchter – doch nein, die andere trägt es nicht … Nein, der Imam sah nicht streng, asketisch oder gar düster aus – ja, er wirkte lebensbejahend und in Zivil eher wie ein Dressman – und  ja, er gab mir tatsächlich die Hand, mir, einer Frau, obgleich ein anderer Imam doch gerade der CDU-Politikerin Julia Klöckner den Händedruck verweigert hatte, auf  Grund ihres Geschlechts  ..?

Foto: MFI

Foto: MFI

Klischees können sich in der Realität bestätigen und  zeitgleich durch sie zurecht gerückt werden! Ich glaube, unsere sogenannte „abendländische“ Gesellschaft sollte bereit sein, ein wenig genauer hinzuschauen und den interreligiösen Dialog zu suchen, wo immer möglich, statt sich in diffusen Ängsten zu verlieren. Die Osmanen stehen nicht vor Wien! Sicher, der Islamismus, der macht auch mir Angst, große Angst …

„Wir haben auch Angst“, erwiderte letzten Freitag der Imam  …

Das Münchner Forum für Islam - Vision und Chance für ALLE Münchnerinnen und Münchner

Das Münchner Forum für Islam – Vision und Chance für ALLE Münchnerinnen und Münchner, Foto: MFI

Der Seher Johannes schreibt: „Ich sah einen Engel fliegen mitten durch den Himmel, der hatte ein ewiges Evangelium zu verkündigen denen, die auf Erden wohnen, allen Nationen und Stämmen und Sprachen und Völkern.“

(Offenbarung des Johannes 14,6)


Ein Großteil des Bildmaterials für diesen Blog wurde mir bereits am Wochenende seitens des Münchner Forums für Islam zur Verfügung gestellt und weitere Fotos von Aida Dedovic, Vorsitzende der Flüchtlingshilfe Münchner Muslime. Beiden danke ich für das Entgegenkommen und Vertrauen.


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In der Löwengrube? Ministerpräsident Horst Seehofer im PresseClub

Wohin auch immer in der Welt er während seiner langen politischen Laufbahn gekommen sei, sei „Bayern schon da gewesen“, äußerte der Ministerpräsident heute Vormittag launig im Rahmen von knapp zwei Stunden, in denen er im PresseClub Rede und Antwort stand. Angesichts der aktuellen politischen Lage und weil er schon länger nicht mehr im Club zu Gast gewesen war, fiel der Medienandrang entsprechend groß aus: ARD, ZDF, RTL sowie die lokalen Medien BR und TV München hatten sich jeweils in mehrköpfiger Teamstärke in den überschaubaren Räumlichkeiten des Clubs eingefunden. Dazu Vertreter der Printmedien jeglicher Couleur … und mittendrin eine Bloggerin, die kaum eine Chance auf einen guten Schnappschuss hatte, angesichts des Andrangs 😉

Daniela Philippi, die herzlich entspannte Pressesprecherin des Ministerpräsidenten, erschien als erste. Persönlich habe ich sie sehr positiv in Erinnerung, seit ich bei Vorbereitungen zur Verleihung des Simon-Snopkowski-Preises in einer  kniffligen protokollarischen Frage nicht weiter wusste und mich an sie wandte. Kollegialität statt Allüren – wie schon in früheren Blogs erwähnt, nicht immer und überall ein selbstverständliches Verhalten! Auch mein Name war ihr erfreulicherweise in Erinnerung geblieben. Wir stellten fest: „Philippi“ – „dos Santos“ = zwei sehr nützlich markante Namen im PR-Geschäft …

Kurz vor knappp fand sich erwartungsgemäß auch Charlotte Knobloch, Präsidentin der Jüdischen Gemeinde München ein, inklusive Bodyguards und der vertrauten Aureole wichtiger Unnahbarkeit. Ein Eindruck, der vielleicht täuscht, aber Unnahbare lernt – per Definition – kaum jemand näher kennen. Jedenfalls eskortierte das übliche gezischte „Ach ja, da ist ja auch wieder Charlotte“  ihren Gang durch die inzwischen drangvolle Enge des Raumes. Die Dame hat sich offensichtlich in der Stadt nicht nur Freunde gemacht, nicht zuletzt wegen ihres vielerorts als eigenmächtig empfundenen Engagements GEGEN die Verlegung von Gedenk-Stolpersteinen.  Zu diesen s. auch die engagiert von Terry Schwarzberg betreute Seite: https://www.facebook.com/groups/stolpersteine.muenchen/

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Alle Kameras richten sich auf den bayerischen Ministerpräsidenten. Ganz links im Bild Charlotte Knobloch, Präsidentin der Jüdischen Gemeinde München

Der Ministerpräsident traf pünktlichst ein, eine Eigenschaft, die mir schon früher positiv bei ihm aufgefallen und leider nicht sehr verbreitet ist. Im Gegenteil. „Wichtig“ lässt gerne warten. Angenehm fand ich auch, dass Horst Seehofer, als er vor die Wahl gestellt wurde, ob er zunächst eine Rede halten oder gleich Fragen beantworten wolle, sich für letzteres entschied. Mit (häufig sorgfältig austarierten) Ansprachen habe ich so meine Probleme, während hingegen Fragen im PresseClub spontan gestellt und beantwortet werden.

Zu PEGIDA: Unser Vorsitzender, Ruthard Tresselt, startete gleich mit der ersten Frage „in die Vollen“: Was denn der Herr Ministerpräsident zu der pauschalen Aburteilung der PEGIDA Anhänger seitens des deutschen Justizministers als „Nazis in Nadelstreifen“ meine. Spannende Frage, deren Antwort elegant umgangen wurde. Seehofer erklärte „diese Bewegung für überschätzt“. Auch habe er gehofft, dass PEGIDA, nach den tragischen Vorfällen in Frankreich, ihre Kundgebungen absagen würde. Lob aber gebühre der Bevölkerung, gerade in München, die so massiv opponiert und so demonstriert habe, dass man mit den „abscheulichen Parolden der PEGIDA-Rädelsführer nichts am Hut habe“. Grundsätzlich solle man bei Kundgebungen zwar immer hinterfragen, was die Menschen auf die Straße treibe, aber in „keine Olympiade der Parolen“ einsteigen.

Sehr gut fand ich, dass der Ministerpräsident, in Zusammenhang mit seinem Bedauern bezüglich der Vorgänge in Paris, ausdrücklich das Erscheinen des palästinensischen Präsidenten würdigte und als ein wichtiges Zeichen wertete – Letzteres wiederum mit Blick in Richtung von Frau Knobloch. Dieses Detail im Rahmen der Pariser Trauerfeierlichkeiten hatte ich als seitens der Medien unbefriedigend unkommentiert empfunden.

Bayern und die 3 Säulen der CSU:  Der Ministerpräsident betonte, Bayern sei nach wie vor ein christlich geprägtes Land, das in einer langen langen christlich-jüdischen (mit Blick auf Frau Knobloch) Tradition stünde, sich an den christlichen Sittengesetzen und der christlichen Soziallehre orientiere. Diese Haltung beinhalte auch Respekt für andere Religionen und darüber hinaus für deren freie Entfaltung. Daraus resultiere „die Weltoffenheit Bayerns„.

Vorratsdatenspeicherung: Von Charlotte Knobloch auf seine Einstellung zur Vorratsdatenspeicherung befragt, zeigte sich Seehofer erwartungsgemäß als „pro“, allerdings unter strikten Auflagen, also nur nach richterlicher Genehmigung und bei Verdacht auf schwere Straftaten. Auch die Kanzlerin teile diese Ansicht. Er gehe  davon aus, dass die Vorratsdatenspeicherung früher oder später kommen werde, weil unverzichtbar in einer globalisierten Welt.  Seehofer sprach sich für eine „wehrhafte Demokratie“ aus und bedauerte die Unzulänglichkeit der EU-Außengrenzen. Hier müssten die Vereinbarungen zuverlässiger umgesetzt werden, als bisher. Dies habe de Maizière auch bei der letzten EU-Innenminister-Konferenz eins zu eins so kundgetan.

Flüchtlingspolitik/Integration in Bayern: Ein kurdischer Journalist schnitt das Thema an, zu dem Seehofer ein „3-Säulen-Modell“ für den Freistaat skizzierte:

1. Humanität und Solidarität bei der Aufnahme von Flüchtlingen: Und- nicht nur Kirchen und humanitäre Verbände würden hier Engagement und Solidarität zeigen, sondern inzwischen auch breite Teile der Bevölkerung, ganz im Unterschied zu der Flüchtlingsbewegung Ende der 80er / Anfang der 90er Jahre. Ebenso positiv zeige sich die Bevölkerung übrigens gegenüber der Anwerbung ausländischer Fachkräfte, die vor 20 Jahren noch als Konkurrenz betrachtet worden waren. Seehofer wies auch darauf hin, dass in Bayern der Anteil an Migranten höher sei, als beispielsweise in Berlin.

2. Gerechtigkeit: Gerade im Sinne einer breiten Solidarisierung mit Flüchtlingen in schweren Notsituationen, sei jedoch den Bürgern nicht zu vermitteln, wenn auch, wie zum Beispiel häufig aus den Balkan-Staaten, Menschen Asyl beantragten, deren Existenz nicht gleichermaßen bedroht sei, wie die anderer Flüchtlinge. Eine Einhaltung der Rechtsordnung sei hier unabdingbar.

Diesen Punkt empfand ich als etwas zu schwarz-weiß abgehandelt. Ich finde: Man muss nicht unmittelbar vom Tod bedroht sein, um sich dennoch in der Heimat Umständen ausgeliefert zu fühlen, die wir in Deutschland als unzumutbar empfinden würden.

3. Hilfeleistungen in den Heimatländern vor Ort: Gegen den dritten Punkt in Seehofers Modell lässt sich wiederum nichts einwenden. Vor allem Hilfe zur Selbsthilfe ist dringend gefordert, aber leisten wir Wohlstandsländer diesbezüglich auch wirklich genug? Um dies  beurteilen zu können, fehlen mir leider – wieder einmal – die nötigen Hintergrundzahlen.

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Daniela Philippi, die Pressesprecherin, folgt konzentriert den Ausführungen ihres Chefs

 Seehofers Rückzug aus der Politik/Presse-Spekulationen: Zur Sprache kam natürlich auch Seehofers Ankündigung, sich nach der nächsten Landtagswahl zurück ziehen zu wollen. Erwähnt wurden dabei natürlich die Presse-Gerüchte um einen möglichen Rückzug vom Rückzug, falls es Seehofer nicht gelingen sollte, sein Amt „harmonisch auf die nächste Generation“ zu übertragen. Solcherart Spekulationen wies Seehofer entschieden zurück. Eine nahtlose Übergabe des Amtes sei dabei sein Ziel, dann wäre seines ein „rundes Werk„, und er sehe in keiner Weise, warum sich dieser Vorsatz nicht erfüllen sollte.

Nun ja, sein Wunsch in unser aller Ohren, aber diesbezüglich befinden wir uns a) auf politischem Parkett und b) hier in Bayern und wenn ich zurückblicke, was sich in der jüngeren Vergangenheit, nach dem Tod von Franz Joseph Strauß bzw. dem Abgang von Stoiber, für Rangeleien, Kungeleien und Schlammschlachten rund um die Nachfolge abgespielt haben, dann bin ich mir keineswegs sicher, ob alles so nahtlos ablaufen wird, wie heute in Aussicht gestellt.

Seehofer schmunzelte, im Duo mit seiner Pressesprecherin, bei seiner lakonischen Feststellung:„Es freut mich zu lesen, was ich so denke“.  Er überlege sich von Fall zu Fall sehr genau, ob er einen solchen Beitrag kommentieren oder übergehen solle. Kürzlich habe er verwundert die Kanzlerin angerufen, weil laut Presse der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, die Maut kritisiert haben sollte. Seehofer habe davon nichts gewusst, ebenso wenig wie Angela Merkel … Jedenfalls laut Seehofer. „Beliebt“ wie die Maut allgemein ist, würde es mich nicht wundern, wenn da doch so das eine oder andere Wort des Vorbehalts zunächst gefallen und dann zurück genommen worden wäre. Aber nun spekuliere ja ich!!!

In puncto EU forderte Seehofer mehr Zusammenhalt in großen Fragen, wie den derzeitigen humanitären und weniger EU in den kleinen Fragen. Und was die Gen-Technik anbelange, so bleibe Bayern Gen-frei und habe darüber auch alleine zu entscheiden, nicht die EU!  „Gut gebrüllt Bayerischer Löwe!“, kann ich nur beistimmen …

Seehofer_Ministerpraesident_Bayern_im_PresseClub_vor_ARD_ZDF_RTL-jourfixe-Blog_Gaby_dos_Santos

Bayerische Ministerpräsidenten erlebe ich ein Stück weit als „Bayerische Löwen“, den heutigen „Löwen“ als in einer Löwengrube voller kritischer Journalisten, …

Zu diesem Punkt und bezüglich vieler weiterer Punkte, die ich in diesem Blog teilweise zusammengefasst habe. Heute erlebte ich alles in allem und wie so oft im PresseClub, einen ganz anderen Menschen, als auf Grund von Medienberichten erwartet. Aber, um beim Bild zu bleiben, der Löwe befand sich auch gerade in einer Löwengrube voller kritischer Journalisten … Die Krux mit aller Politik, die über kommunale Belange hinausgeht, ist ja genau die: Wo endet die Wahrhaftigkeit und wo beginnt rhetorisches Taktieren? Und ist erstere unhaltbar und letztere unvermeidbar in der Großen Politik? Politik in einer Demokratie bleibt ein ständiger Balance-Akt der Kompromisse, der sich von Außenstehenden nie ganz nachvollziehen, geschweige denn bewerten lässt. Umso wichtiger bleibt für mich der persönliche Eindruck UND das persönliche Weiterverfolgen politischer Entwicklungen in Bezug auf die zuvor geäußerten Statements. In diesem Fall sehe ich dem politischen Aschermittwoch der CSU gespannt entgegen …

Und übrigens: Mal sehen, wie sich nächsten Donnerstag die FDP auf ihrem Neujahrsempfang positioniert. Davon werde ich in Kürze an gleicher Stelle berichten.

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Seitens Herrn Dr. h.c. Georg Engel, Chefredakteur und Herausgeber des Online-Magazins Ungarn-Panorama

http://www.ungarnpanorama.com/201404/startseite.php

sind mir nachträglich die Links einiger Ausschnitte obiger Pressekonferenz mit Ministerpräsident Horst Seehofer netterweise übermittelt worden, die ich, mit Dank an Herrn Engel, meinem Beitrag hinzufüge.

Ministerpräsident Horst Seehofer im PresseClub München Teil 1
Diskussion über: Pegida, Meinungsfreiheit, Sicherheitspolitik, Migration, Vorratsdatenhalterung
Moderator: Ruthart Tresselt, Vorsitzender des Internationalen PresseClubs München.
http://youtu.be/kC1ynEq5yJM

Ministerpräsident Horst Seehofer im PresseClub München Teil 2
Diskussion über: Sengen-Abkommen,  Aussenkontrolle, Integration, Zuwanderung
Moderator: Ruthart Tresselt, Vorsitzender des Internationalen PresseClubs München.
http://youtu.be/zpYiObfYgy0

Ministerpräsident Horst Seehofer im PresseClub München Teil 3
Diskussion über: Rücktritt, Migration, Wiedereinreise, Bayernkaserne
Moderator: Ruthart Tresselt, Vorsitzender des Internationalen PresseClubs München.
http://youtu.be/L0EtamqzlMs

Ministerpräsident Horst Seehofer im PresseClub München Teil 4
Diskussion über: Stammstrecke, Konzertsaal, Länderfinanzausgleich
Moderator: Ruthart Tresselt, Vorsitzender des Internationalen PresseClubs München.
http://youtu.be/G0EMPDkBbcs


Zum Verzeichnis aller Blogs mit jeweiligem Link

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Was für ein Herbst!

Was für ein Herbst-Kaleidoskop: Schwarzwald-Expeditionen, eine Veranstaltung mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, unser neuer Oberbürgermeister Dieter Reiter hautnah im PresseClub, ein Engagement an die Evangelische Akademie in Tutzing, eine Demo gegen den Rest der Welt, Chorprobe im Herkulessaal, Vortrag zur Sterbehilfe im Bayerischen Landtag, russischer Tanzabend im Gasteig, Gedenkmarsch der Rosa Liste, Tortenschlacht mit Naomi Isaacs, eigene Aufführungen und und und … Wenn man dann bedenkt, dass ich diesen Herbst mit einer psychosomatischen Reha eingeleitet habe, dann wundert nichts mehr.

Bei dem leidenschaftlich selbst gewählten Lebensstil kann mir keine psychosomatische Klinik auf der ganzen Welt weiterhelfen. Was ich mir dort erträumt hatte, war wohl eine Art Doping-System ohne Nebenwirkungen, um noch mehr aus dieser vielseitigen, schillernden, spannenden Welt in meinem Leben mitnehmen zu können. Da hilft nur eines, was ich mir eh angewöhnt habe: Notbremse ziehen, wenn es mal wieder zu bunt wird!

Gaby dos Santos

Ergotherapeutische Seidentücher, original von mir  in zahllosen Ergotherapie-Stunden produziert, wobei sich dankenswerterweise die Farben stets selbst schattierten, mit schönen Effekten, die mich jedoch bezweifeln lassen, ob wohl wirklich viel eigenes „Dos-Santos-Ich“ in diese Tücher ein-geflossen ist? Die Alternative wäre Körbe flechten gewesen.

Gleichgeschaltet im therapeutischen Hamsterrad fand ich mich jedenfalls in meiner Reha wieder, beraubt aller meiner Möglichkeiten, mir einen eigenständigen, ausgefüllten Alltag zu gestalten. Und das ist mir so gar nicht bekommen. Überhaupt: Unsere Psyche ist unser geistiger Fingerabdruck und daher nicht ohne weiters verallgemeinbar, was in krassem Widerspruch zu dieser Zeit der klammen Kassen steht, in der Massenabfertigung auch im medizinischen Bereich gefragt ist. Jedenfalls hieß es auf Kur „Gruppe, Gruppe“, bis zum Abwinken. Einzig die Gruppentherapie unter Leitung des türkischen Facharztes für Psychosomatik, Dr. Mehmet Tokus, erwies sich als  Highlight-Erfahrung, obwohl auch „Gruppe“:

In obiger Runde lernte ich den persischen Dichter und Sufi-Mystiker RUMI (1202 -1273) sowie mich selbst ein wenig besser kennen. Ein weiteres Merkmal jeder Gruppentherapie, neben der Stuhllanordnung, ist die bereit stehende Kleenex-Box, die hier allerdings schon verräumt und daher auf dieser Abbildung nur angedeutet ist.

Gruppentherapie: Selten so intensiv und in so geistreichem Umfeld geheult – So lässt sich meine Initiation in die Welt der Gruppentherapie zusammenfassen. Durch unseren türkischen Therapeuten und die in dieser Gruppe vorwiegend türkischen Mitpatienten, wehte ein mediterraner Hauch durch den Therapie-Raum. Die Seele wurde anhand der Befindlichkeit einzelner Gruppenmitglieder individuell beleuchtet, auf ebenso einfühlsame wie taktisch kluge Weise. Spannend wurde es immer, wenn sich Dr. Tokus mit halb geschlossenen Augen zurücklehnte, die Gruppe einige Minuten lang in ein beredtes Schweigen fallen ließ, um dann, mit einer durchdacht formulierten Nachfrage, eine Situation aus der Schwebe psychologisch auf DEN EINEN Punkt zu bringen, an dem alle Anwesenden auch ein Stück von sich selbst wiederfanden.  Veranschaulicht wurde das Ganze anhand von Zitaten aus der Welt der Psychoanalyse, aber auch anhand orientalischer Mystik, beispielsweise Zitate von Rumi (s.Foto). Grundsätzlich verkörperte Dr. Tokus für mich etwas von jenem Geist, der den Orient hatte blühen lassen, als Europa sich noch im finstersten Mittelalter befand. Zudem leitete er als „Moderator“, wie er sich bezeichnete, eine Gruppe, in der eine südländisch emotionale und sehr empathische Stimmung herrschte, in der ich mich geborgen fühlte.

Gaby_dos_Santos_schwarzwaelder_LieblingskuhDas euphorische Umarmen von Baumstämmen hingegen, wie von einer anderen Therapeutin angeregt, wäre weniger „meines“ gewesen. Zu barfußtanzend, mal abgesehen davon, dass meine Arme (ausprobieren tue ich alles mal) sich als zu kurz für Baumstämme erwiesen und ich meine Naturverbundenheit eher anhand von Monologen mit Tieren, z. B. mit der erstaunten Kuh links bekunde. (Original-Momentaufnahme)

Schwarzwald_Gaby_dos_SantosAb Woche Drei meiner Seelenrevision am psychosomatischen Fließband erreichte meine Stimmung einen absoluten Tiefpunkt, so dass ich beschloss, die geographische Lage meiner kleinen Reha-Klinik auszunutzen. Statt weiter bei schönstem Sonnenschein in der Lehrküche Vollkornbrote zu produzieren, die ich daheim unter Garantie nie backen würde oder stundenlang in einer Turnhalle Federbälle als sporttherapeuthische Maßnahme zu schlagen, seilte ich mich in die Idylle des Schwarzwalds ab.

Schwarzwald_Stimmungsbild_Gaby_dos_Santos_jourfixe-Blog

Es folgten 10 wunderbare letzte Tage Wanderurlaub, gesponsert von der DRK, für die ich sehr dankbar bin. Alleine auf Wanderschaft, konnte ich endlich wieder meinen Rhythmus selbst bestimmen, überraschende Eindrücke und auch Erfolgserlebnisse sammeln, als ich unbeirrt auf meinen kurzen Beinen einen Haufen Kilos über 800 Höhenmeter und als schwierig eingestufte Routen bergauf schleppte. Dabei bedachte ich besonders schöne Stellen stets mit einer ausgiebigen Zigarettenpause. Schließlich besagte eines von Dr. Tokus orientalischen Zitaten: Das Bargeld ist die Gegenwart …

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Die Plotzsägmühle bei Bad Herrenalb ist bis heute aktiv

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Die wechselvolle Chronik der Ploetzsägmühle im Schwarzwald

Die Plötzsägmühle in der guten alten Zeit

Die Plötzsägmühle in der guten alten Zeit

Politik inmitten Schwarzwälder Idylle

Politik inmitten Schwarzwälder Idylle

Holzbrücke über die Alb

Holzbrücke über die Alb

Die Alb

Die Alb

100 Millionen Jahre haben diese Felsbrocken auf dem Buckel

100 Millionen Jahre alte Felsbrocken

 

 

 

 

Gaby_dos_Santos_jourfixe-muenchen

Back in town, wie schön! Ich hatte mein Leben zurück! Statt „Macht Schokolade glücklich?“ (Angeblich „ja“, wenn man sie als kleines Stück minutenlang auf der Zunge zergehen lässt) erwartete mich nun ein Seminar im Gasteig zum Thema „Europa fördert KULTUR“- aber wie?„, veranstaltet vom Kulturreferat in Kooperation mit dem „Cultural Contact Point“, respektive der für Deutschland zuständigen Anlaufstelle in Bonn. Vormittags wurden all die Punkte aufgezählt, die für die EU-Jury maßgeblich sind, um Fördermittel in einer Höhe auszuschütten, von der hier vor Ort unsereins nur träumen kann. Aber diese Kriterien wollen ja erstmal in ein künstlerisches Konzept eingebunden und mindestens zwei Partner in zwei weiteren EU-Ländern gefunden werden. Nachmittags hieß es dann – wieder einmal – eine Gruppe! bilden und gemeinsam ein fiktives Thema fördergerecht aufzubereiten. Meine Gruppe folgte dem augenzwinkernden Vorschlag des Schauspielers und Regisseurs Jochen Strodthoff: Museumsluft einfangen und an einem anderen, EU-kompatiblen Ort künstlerisch wieder ausschütten. Wie riecht der Schweiß der Besucher im Angesicht der Mona Lisa? Kunst ganz nah am Menschen – oder so … Interessierten Kolleginnen und Kollegen wenden sich an die Hotline Tel. 0228/201 35-0 oder nutzen nachstehenden Link: http://www.creative-europe-desk.de

Demo gegen alles am Rindermarkt

Demo gegen ALLES am Rindermarkt

Meine alte Bekannte Zehra Spindler hatte auf Facebook zur Demo gegen Monsanto aufgerufen. Naomi Isaacs, Cornelia Prössl und ich hielten dies für eine wichtige Aktion und fanden uns am Rindermarkt ein. Ein wenig spannungsgeladen erschien mir die Stimmung schon, als sich der Treffpunkt allmählich füllte. Es fanden sich viele „wir“ ein, die „wir“ aus den 68er/70 und frühen 80er Jahren, ergraut aber doch immer noch voll Elan dabei und mehr oder weniger in unveränderter Kampfaufmachung. Was dann doch dem einen oder anderen in der Menge einen leicht mumifizierten Anstrich verlieh.

Neue globale Verschwörungstheorien in Buchform werden uns Demonstranten am Sendlinger Tor verlesen

Neue globale Verschwörungstheorien in Buchform werden uns Demonstranten am Sendlinger Tor verlesen

Irgendwie schien es um respektive gegen die ganze Welt zu gehen. Wie wir später erfuhren, hatten sich aus organsiatorischen Gründen alle nur möglichen und unmöglichen Splittergruppen zusammen geschlossen. Schade, denn so verwässerte sich jegliches Anliegen und die Aktion glitt ins Fragliche ab, als die Gelegenheit genutzt wurde, um das neueste Druckwerk in Sachen „Globale Verschwörungstheorien“ ausgiebigst anzupreisen, nachdem man – immerhin – bis Sendlinger Tor über die gesperrte Hauptstraße marschiert war, angeführt von brasilianischen Blechrhythmen. Nachdem sich für uns die Veranstaltung immer mehr ihres Sinnes entleerte, zogen wir weiter zum Damenkränzchen mit absolut glücklich machendem Schokoladenkuchen, in welchem wir unsere Weltverbesserungsambitionen für diesen Tag begruben …

Allround-Küsntlerin Naomi Isaachs und ich bei der Tortenschlacht fotografiert von Aniela Adam, www.die-fotografin-iin-muenchen.de

Allround-Küsntlerin Naomi Isaacs und ich bei der Tortenschlacht, fotografiert von Aniela Adams, http://www.die-fotografin-in-muenchen.de

Florian Pronold, Landesvorsitzende der BayernSPD, Bundesumwelt- und Baustaatssekretär zu Gast im PresseClub

Florian Pronold, Landesvorsitzende der BayernSPD, Bundesumwelt- und Baustaatssekretär, zu Gast im PresseClub

Mein Engagement als politisch denkende Bürgerin erhielt bald darauf einen erheblichen Dämpfer – Dachte ich doch, inzwischen über diverse TV-/Print – und Internet-Beiträge alles nur Wissenswerte über TTIP in Erfahrung gebracht zu haben und dann kommt Florian Pronold in den PresseClub und plädiert für ein Überdenken der totalen Ablehnung von TTIP! Hierzu hat die Bayern-SPD auch eine ausführliche, via-Livestream übertragene Debatte ins Netz gestellt und inzwischen ergänzt. Nachstehend der Link

http://bayernspd.de/ttip-debatte/

An dieser Stelle gestehe ich: Momentan habe die politische Bürgerin Gaby dos Santos gar nicht die Zeit, diesen Beitrag durchzuarbeiten, merke mal wieder, wie schwer es arbeitenden Menschen fällt, sich wirklich so umfassend zu informieren, wie es die Themen erfordern würden. Und wann bitte die tägliche Flut an Meldungen auf ihren Wahrheitsgehalt erschöpfend prüfen? Andererseits verleitet Facebook allzu oft zu vorschneller Parteinahme. Damit möchte ich jetzt nicht sagen, dass ich bzgl. TTIP die Seiten wechsle, sondern meine Meinung zurückstelle, bis ich die Zeit finden werde, alles in Ruhe durchzusehen.

Chorprobe im Herkulessaal mit gefühlvollen Smartphone-Anklängen

Chorprobe im Herkulessaal mit gefühlvollen Smartphone-Anklängen

In der selben Woche lud der Chor der Bayerischen Philharmonie zur Generalprobe in den Herkulessaal der Münchner Residenz, zu Haydn’s „Die Schöpfung“, unter der engagierten Leitung von Mark Mast. Spannend an dieser Produktion war die Einbindung des Barockorchesters L’arpa festante, welches Originalinstrumente aus der Zeit einsetzt, wodurch klangtreue Aufführungen nachempfunden werden können. Während des Konzerts beschäftigte mich allerdings noch eine Frage der zwischenmenschlichen Art: Der Bariton–Solo-Engel war, sobald nicht singend, coram publico nonstop mit seinem Smartphone zu Gange und lächelte dabei wie ein Honigkuchen-Pferd in sich hinein. Amors Pfeile aus der virtuellen Welt? Wäre auch ein Aspekt der Schöpfung  ;–)) Mehr zur Bayerischen Philharmonie, die heuer 20. Jubiläum feiert unter http://www.bayerische-philharmonie.de/Startseite

 

Der alljährliche Gedenkmarsch für die homosexuellen NS-Opfer am 20.10. endete vor dem LeTrans

Der alljährliche Gedenkmarsch für die homosexuellen NS-Opfer am 20.10. endete vor dem LeTrans, der Münchner Begegnungsstätte für Lesben und Transsexuelle

Die homosexuellen Häftlinge kennzeichnete ein rosa Winkel. Um dem Lager-Inferno zu entkommen, willigten eine ganze Reihe Schwuler in eine "freiwillige" Kastration ein

Die homosexuellen Häftlinge kennzeichnete ein rosa Winkel. Um dem Lager-Inferno zu entkommen, willigten eine ganze Reihe Schwuler in eine „freiwillige“ Kastration ein

20. Oktober 1938: Mit dem Übergriff auf die Gäste der Schwulenkneipe „Schwarzfischer“  am Oberanger, Ecke Dultstraße, erwies sich „die Hauptstadt der Bewegung“ auch als Vorreiterin der Verfolgung Homosexueller in der NS-Zeit.

Organisiert von der Rosa Liste,  dem Forum Homosexualität, u.a., versammeln sich jedes Jahr an dieser Stelle vorwiegend Schwule und Lesben, zu einem kleinen Marsch mit Lichtern. Und „klein“ war hier für meinen Geschmack ein Störfaktor. Ich finde, dass noch immer zu wenig der noch kleineren Minderheiten innerhalb der unter den Nazis verfolgten Minderheiten gedacht wird. Auch von den betroffenen Gruppen selbst. Etwa 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer habe ich gezählt. Für all das Leid, das hinter diesem Gedenktag steht, noch immer zu wenig.  Zu wenig für all die Schwulen, welche, wie Stadtrat Thomas Niederbühl, Vorsitzender der ROSA LISTE,  in seiner berührenden Rede treffend sagte, kein anderes Verbrechen begangen hatten, als zu lieben. In seiner Ansprache wies er auch auf die erfreuliche Tatsache hin, dass im nächsten Jahr genau an diesem Ort ein Denkmal aufgestellt wird. Außer ihm sprachen Rita Braatz (LETRA) und der Historiker Albert Knoll, Vorstandsvorsitzender des forum homosexualität münchen, Lesben und Schwule in Geschichte und Kultur. Knoll forderte nicht nur zum Gedenken auf, sondern äußerte auch die Hoffnung, dass schon bald ein würdiger Erinnerungsort nah am Ort des Ereignisses entstehen soll. Interessierte können beispielsweise mit Unterstützung des forum über Lebensläufe betroffener Schwuler forschen und sie aufschreiben. (Zitat Homepage „forum homosexxualität münchen“) http://www.forummuenchen.org/

Das Foto zeigt von li.; Frau Dr. Bosselli, Geschäftsführerin des Forums Kirche und SPD, die evangelische Stadtdekanin Barbara Kittelberger, Prof. Dr. Manzeschke, die SPD-Landtagsabgeordnete Diana Stachowitz, Bürgermeisterin a. D. Gertraud Burkert nach der Veranstaltung im Bayerischen Landtag

Von li.; Frau Dr. Bosselli, Geschäftsführerin des Forums Kirche und SPD, Stadtdekanin Barbara Kittelberger, Prof. Dr. Manzeschke, SPD-MDL Diana Stachowitz, Bürgermeisterin a. D. und Münchner Ehrenbürgerin Gertraud Burkert, nach der Veranstaltung am 21.10.14 im Bayerischen Landtag

Im „Forum Kirche und SPD“ folgte am nächsten Abend die Auftaktveranstaltung der Reihe “Sterbehilfe-Palliativmedizin-Hospiz”. Prof- Dr. theol. habil. Arne Manzeschke, LMU München, referierte über „Veränderungen im Gesundheitswesen, unter dem Aspekt „des Umgangs unserer Gesellschaft mit Tod und Sterben“. Mit seinem Vortrag warf Manzeschke vor allem Fragen auf, was ich angesichts des Thema für absolut richtig hielt. Ebenso bestürzt wie nachdenklich stimmten mich die Wortmeldungen einer Reihe von Gästen, die über sehr persönliche Erfahrungen berichteten.  Diese handelten von äußerst qualvollen Sterbeprozessen. Diese Schilderungen ergänzte Stadtdekanin Barbara Kittelberger mit einen sehr leidenschaftlichen Einwurf: Während ihrer Klinikseelsorge habe sie nichts erlebt, was eine Verklärung des Sterbens rechtfertige. „Man stirbt sehr alleine, so alleine, wie man gekommen ist.“ Angesichts solcher Äußerungen fällt es schwer, Forderungen wie der unseres EKD-Vorsitzenden 100%ig beizupflichten, welcher „schmerzfreies Sterben bei liebevoller Betreuung“ propagiert. Ein frommer Wunsch, der aber – noch? – keineswegs der Realität entspricht. Weder von den Möglichkeiten der Schmerztherapie her, noch angesichts des Pflegenotstands. Aber sicher sollte ein Ausbau der Palliativ-Medizin energisch voran getrieben werden. Persönlich halte ich dennoch nichts von einer Legalisierung der Sterbehilfe. Ich denke, den Ärzten ist schon heute ein gewisser Spielraum gegeben, abhängig von deren Gewissen, welches sich ja auch schlecht staatlich reglementieren lassen würde – oder? Diese Frage wird unsere Gesellschaft jedenfalls noch lange begleiten, und ich bin dem Forum Kirche und SPD dankbar, dass es dieses Thema unter verschiedenen Aspekten auch 2015 weiter beleuchten wird. 

Ein weiteres Schwerpunktthema 2015 wird der interreligiöse Dialog sein, für mich, in Hinblick

Ein Stück neuere bayerische Geschichte dargestellt in Kurzbeiträgen und herausgegeben von Franz Maget, Vorsitzender des Forums Kirche und SPD

Ein Stück neuere bayerische Geschichte dargestellt in Kurzbeiträgen und herausgegeben von Franz Maget, Vorsitzender des Forums Kirche und SPD

auf meine geplante Collage zum Reformationsjahr, ebenfalls ein dankbares Thema.

Mehr Informationen zum Forum Kirche und SPD,  über http://sonntags-blog.de/termine/

Peter Lang alias "Genosse Rock'n Roll" 2014, Foto: Werner Bauer

Peter Lang alias „Genosse Rock’n Roll“ 2014, Foto: Werner Bauer

Mein Freund, Sponsor und Kooperationspartner Peter Lang blickt auf eine erfolgreiche Musikerjugend in Ungarn zurück, als Mitbegründer der ungarischen Kultbands OMEGA und HUNGARIA. Mit letzterer gewann er 1968 „Ungar sucht den Superstar“, zu einer Zeit also, als Dieter Bohlen quasi noch in Windeln lag. Entsprechend angesehen ist Peter bis heute in den ungarischen Kreisen Münchens.

  
Daher erhielten wir über das ungarische Online-Magazins Ungarn-Panorama
die Einladung zu einer Veranstaltung mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, zu der die deutsch-ungarische Gesellschaft in die Hanns Seidel Stiftung geladen hatte.

Unter den Gästen fand sich übrigens auch, ganz ungewohnt mit Schlips und Kravatte, Musiker und Produzent Leslie Mandoki, zu meiner Überraschung ein guter alter Bekannter und ehemaliger Kooperationspartner von Peter.

In der Hanns Seidel Stiftung, als Gastgeberin einer Veranstaltung mit Viktor Orbán, die Präsidentin der deutsch-ungarischen Gesellschaft in München, Elisabeth Schosser

In der Hanns Seidel Stiftung, als Gastgeberin einer Veranstaltung mit Viktor Orbán, die Präsidentin der deutsch-ungarischen Gesellschaft in München, Elisabeth Schosser – Foto: Ungarn Panorama

Viktor Orbán kam in Begleitung von Edmund Stoiber, welcher auch die Begrüßungsrede hielt. Kern seiner Rede war ein Appell, Ungarn mit differenzierteren Augen zu betrachten. In diesem Punkt sprach er mir aus der Seele, nicht nur in Bezug auf Ungarn, sondern ganz grundsätzlich: Meiner Meinung nach sollten wir uns ein wenig damit zurückhalten, anderen Ländern öfter mal unsere Auffassung von „political correctness“ aufdrücken zu wollen. Zu Recht wies Viktor Orbán gestern darauf hin, dass jedes Land seine eigene (kulturelle) Geschichte habe und damit andere Verhältnisse, auf die mit unterschiedlichen, nicht eins zu eins übertragbaren Wegen reagiert werden müsse.

Peter Lang mit ca. 6 Jahren

Peter Lang mit ca. 6 Jahren

Was weiß denn ich, ein aus den komfortablen westdeutschen Verhältnissen hervorgegangenes SPD-Mitglied, wie meine politische Einstellung aussähe, wenn man meine Familie unter einem kommunistischen Regime enteignet hätte, mit fatalen Folgen für die Großeltern, wie bei Peter Lang z. B. der Fall? Wenn ich jahrzehntelang durch eine Diktatur in eingeschränkt gewesen wäre? Und würde ich mir weiterhin die Vision einer gesellschaftlichen Chancengleichheit leisten wollen, wenn mich nicht das engmaschige deutsche Sozialnetz sichern würde, ich vielmehr um meine nackte Existenz fürchten oder gar kämpfen müsste? Oder aber Millionen gescheffelt hätte?

Wie auch immer. Man kommt nicht umhin, der Orbán-Regierung zuzugestehen, dass das Land unter ihrer Führung einen Aufschwung erlebt und mit einer entsprechenden absoluten Wahlstimmen-Mehrheit für ihre Fides-Partei quittiert worden ist.

Viktor_Orban_Hanns_Seidel_Stiftung_Gaby_dos_Santos_jourfixe-BlogEntsprechend groß daher  das Selbstbewusstsein, mit dem Orbán den aktuellen Zustand seines Landes darstellte. Seine Erfolgsbilanz würde ihn Auslandskritik mit entsprechender Gelassenheit hinnehmen lassen, gab er auf eine Frage zur Antwort. Gerne und gekonnt kokettierte er mit jenem Hang zur Provokation, der regelmäßig für heftiges Rauschen im ausländischen Blätterwald sorgt. Auch diesmal entsprach er seinem Image, wenn er wieder einmal  eine Ausführung mit „„Ich provoziere Sie jetzt mal …“ begann, um dann in charmantestem Plauderton eine politische Ansicht in überspitzter Form in den Raum zu stellen – und amüsierten bis begeisterten Applaus zu ernten.  Zeitweise habe ich mich, als Teil des Publikums, von ihm regelrecht vorgeführt gefühlt. Dabei redete Orbán weitgehend frei und zeigte sich besonders in der anschließenden Fragestunde als  schlagfertiger Interview-Partner.

Wer diesen Mann als populistischen Simpel disqualifiziert, wird ihm nicht nur nicht gerecht, sondern liefert ihm meiner Meinung nach eine willkommene Breitseite, sich weiter vor seinen Anhängern zu profilieren, als eine Art ungarischer David gegen die Goliaths EU, Auslandspresse und darüber hinaus. In einer Zeit, in der sich Politik immer mehr zu einer Frage von PR-Strategien entwickelt, spielen unangemessene bis unqualifizierte Pressestimmen einem rhetorischen Fechtmeister wie Orbán nur in die Hände, denn dieser Mann weiß offensichtlich die Mechanismen einer breiten Konsensbildung klug für sich zu nutzen.

Und das stimmt mich so nachdenklich. Politiker wollen gewählt werden. Allzu oft um jeden Preis. Auch hierzulande könnte ich Volksvertreter benennen, die sich öffentlichkeitswirksamst als Stammtisch nahe Hardliner präsentieren. Trifft man sie dann in kleinem Rahmen, z. B. im PresseClub, ist man überrascht festzustellen, wie charmant, geistreich und auch tolerant dem politischen Gegner gegenüber sie in Wirklichkeit sind. Also drängt sich die Frage auf, welche Art von politischem Verhalten sich Volkes Geist heranzüchtet? Mehr demokratische Reife wäre von uns allen gefragt.

Die Tatsache, dass ein charismatischer Politiker und/oder eine Partei es schaffen, breite Mehrheiten zu gewinnen, ist leider keineswegs Garant für eine dauerhaft wünschenswerte Politik. Dass sich ein Silberstreif am Horizont schnell in eine Götterdämmerung verwandeln kann, lehrt uns die Geschichte. Aber ebenso, niemals vorschnelle und indifferenzierten Urteile zu fällen. Vielem von dem, was Orbán in seiner Rede äußerte, kann ich weder von meinen politischen noch von meinen ethischen Überzeugungen her zustimmen, doch solange die EU-Regeln eingehalten bleiben, die nicht zuletzt der Wahrung unserer gemeinsamen europäischen Werte dienen, kann ich mich dem Anliegen Edmund Stoibers nach einer möglichst differenzierten Betrachtungsweise  Ungarn gegenüber nur anschließen.

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Peter Lang während der Präsentation von „Genosse Rock’n Roll“ im abgedunkelten PresseClub, Foto: Elisabeth Sorger

Apropos Ungarn: Wie der Ungar Peter Lang seine Jugend- und erste Musikerzeit in seiner Heimat erlebte, erzählt die multimediale Collage „Genosse Rock’n Roll„, die wir letzten Donnerstag im PresseClub in einer komprimierten Version vorab vorgestellt haben, aus Anlass von Peter Langs 70. Geburtstag…

<< Peter Lang während der Präsentation von „Genosse Rock’n Roll“ im abgedunkelten PresseClub, Foto: Elisabeth Sorger, selbst Ungarin und sehr berührt von Peter Langs Reminiszenzen, die sie in ihre Jugendzeit zurück versetzten.

Im Rahmen der Tagung "ERSTER WELTKRIEG - EINE EUROPÄISCHE ERFAHRUNG" zeige ich am 5.12. unsere Collage zum 1. Weltkrieg

Die Evangelische Akademie in Tutzing: Im Rahmen der Tagung „ERSTER WELTKRIEG – EINE EUROPÄISCHE ERFAHRUNG“ zeige ich am 5.12. unsere Collage zum 1. Weltkrieg

Zuvor hatte mich eine kurzfristige Anfrage der Evangelischen Akademie in Tutzing an den Starnberger See geführt. An diesem idyllischen Ort werde ich am 5. Dezember eine leicht erweiterte und nunmehr komplett bebilderte Fassung der Collage zum 1. Weltkrieg zeigen, die Jon Michael Winkler und ich im Sommer für den Ökumenischen Gedenkgottesdienst in Haidhausen produziert hatten.
Der EKD-Vorsitzende und Landesbischof Heinrich Bedford-Strom mit Friedrich Kardinal Wetter beim Gedenkgottesdienst im Sommer, Foto: K. Stiessberger

Der EKD-Vorsitzende und Landesbischof Heinrich Bedford-Strom mit Friedrich Kardinal Wetter beim Gedenkgottesdienst im Sommer, Foto: K. Stiessberger

Damals nahm übrigens auch der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm teil, der am gleichen Tag, an dem ich die Evangelische Akademie besuchte, zum neuen Ratsvorsitzenden der EKD gewählt wurde. Doppelte Freude herrschte also bei mir, denn Bedford-Strohms Elan hat mich zu einem aktiven Mitglied meiner eigenen Gemeinde werden lassen und seine Posts auf FB verfolge ich mit Interesse, wünschend, dass alle Amtsträger, ob Kirche oder sonstige, soviel Transparenz an den Tag legen würden …

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Dieter Reiter besucht erstmals den PresseClub München in seinem neuen Amt als Münchner OB

„Es macht schon Spaß, Bürgermeister zu sein“, lautete ein Statement von OB Dieter Reiter im Rückblick auf seine ersten 100 Tage im Amt. Man könne dann die Wege beschreiten, die man für sinnvoll halte. Zugleich betonte Reiter aber auch, ein Teamworker zu sein und sich gerne mit seinem Mitarbeiterstab zu besprechen, vor allem wenn er mit seinem Latein am Ende sei. (Ganz neue Töne im Rathaus!) Juristische Einwände seien dabei für ihn nicht prinzipiell hinderlich. So habe er sich in Bezug auf die Bayernkaserne nur seinem Gewissen und dem Artikel 1) des Grundgesetzes verpflichtet gefühlt. Im übrigen werde eine menschenwürdige, vernünftige und integrative Flüchtlingspolitik auch weiterhin ganz oben auf seiner Agenda stehen. Als vordringliches Thema kam auch die zweite Stammstrecke zur Sprache. Langsam sei seine Geduld am Ende, äußerte der OB, schließlich werde das Projekt ja auch nicht billiger. Sollte er vom Freistaat bis Ende des kommenden Quartals keine verbindlichen Zusagen erhalten, so wolle er sich mit dem Stadtrat bzgl. möglicher Alternativ-Lösungen auf rein städtischer Ebene besprechen, möglicherweise mit einem Zurückziehen der anteiligen Finanzierungsmittel.

Reiter bezeichnete sich selbst als „elenden Pragmatiker„. Das lässt sich durchaus auch als Umschreibung für „Macher“ auslegen. Und so hat er bei dem für uns Bürger so wichtigen Berufsstand der ErzieherInnen gleich mal bessere Verdienstmöglichkeiten ge“macht“, in Höhe von € 200,- pro Monat. Nach der Veranstaltung im PresseClub hat sich mein Eindruck verfestigt, für den richtigen Mann Wahlkampf betrieben zu haben. Ich denke, dass unter seiner Führung ein neuer Stil Einzug hält, jenseits allen irritierend staatstragenden Gehabes. Vielmehr erlebte ich unseren neuen OB als angenehm schnörkellos in der Diktion und so auf den Punkt, dass ich diesen ganzen Absatz praktisch aus dem Gedächtnis formulieren konnte. Wie angenehm bei einem Politiker, der auch betont, wie wichtig ihm die Wortkomponente „Bürger“ im „Bürgermeister“ sei, und dass er daher die Bürgersprechstunde, die er wider so manche Warnung bereits eingerichtet hat,  weiter etablieren wolle. Seine langjährigen Erfahrungen als Verwaltungsfachmann werden ihm ebenfalls beim Regieren unserer Stadt sehr zugute kommen. Aus dieser ehemaligen Funktion heraus klärte er viele von uns auch darüber auf, dass München inzwischen so gut wie schuldenfrei sei. Gute Aussichten also insgesamt für meine Wahl-Heimatstadt 😉

Peter_Lang_Genosse_Rock_n_Roll_Europaeische_Schule_Muenchen_Gaby_dos_Santos_Blaesser

Vorschau: Diesen Donnerstag, den 20. November, um 20 Uhr, findet die eigentliche Aufführung von „Genosse Rock’n Roll“ statt, in der Europa Halle der Europäischen Schule, Elise-Aulinger-Str. 21, München-Neuperlach, im Rahmen der ambitionierten Reihe „Europäische Identitäten“.

http://esmunich.de/home/hoehere-schule/projekte/europaeische-identitaeten.html

Koordinator ist Dr. Roland Jerzewski, dem wir diesen Auftritt verdanken, für den die Schule erstmals ihre Pforten der Öffentlichkeit zu einer Abendveranstaltung öffnet. Dies rührt mich ganz besonders, da ich selber meine gesamte Schulzeit auf einer Europäischen Schule verbracht habe, der in Varese/Italien. Jeder Auftritt an der Europäischen Schule in München fühlt sich für mich daher ein wenig ein „back to the roots“ an.

Mehr über die Collage

http://www.jourfixe-muenchen-ev.de/dhtml/jfkatalog/Genosse_Rock_n_Roll_Collage.htm

Eigentlich enthält dieser Blog mehrere Blogs, die ich jedoch zeitnah nicht schreiben konnte und dürfte daher als Lektüre bis Mitte Dezember reichen ;-))  da ich mich nach dem Auftritt am Donnerstag wieder einmal in Kreativ-Klausur begeben werde.


Zum Verzeichnis aller Blogs mit jeweiligem Link

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