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Geburtstag auf Wolke 7: Fotostrecke, Kommentare und weiterführende Links zur Künstlerfeier an meinem 60. Geburtstag, 4. Juni 2018, bei Terry Swartzberg in München

Runde Geburtstage verleiten mich regelmäßig zum Kassensturz: Wo genau stehe ich an diesem Stichtag, in Bezug auf meine Pläne, Ziele, Überzeugungen und auf meine Gefühlswelt? Und wer steht an meiner Seite, beziehungsweise mir zur Seite? Nehme ich den aktuellen, sechzigsten Geburtstag zum Maßstab, fällt meine biografische Zwischenbilanz um so vieles besser aus, als mir selbst bislang bewusst war. Von der Zuneigung meiner Gäste fühlte ich mich regelrecht eingelullt, von vielen liebevollen Gesten, Zuwendungen, Worten und künstlerischen Darbietungen. Dass die Gästeliste sich fast ausschließlich aus künstlerischen WegbegleiterInnen und engen KooperationspartnerInnen unterschiedlichstem Datums zusammensetzte, spielte dabei für mich keine Rolle, denn in meinem Leben verlaufen die Grenzen zwischen künstlerischer, beziehungsweise kultureller Arbeitswelt und Privatleben seit Jahrzehnten fließend.

Glücklich – Gaby dos Santos am 60. Geburtstag. Links im Hintergrund Christiane von Nordenskjöld, Kustodin (Ateliermuseum) der Magda-Bittner-Simmet-Stiftung

Die prägnantesten Momentaufnahmen, festgehalten von mehreren Gästen, habe ich in nachstehender Fotostrecke zusammengestellt, kommentierjt und verlinkt, weil diese nicht nur eine schöne Erinnerung für mich – und hoffentlich für meine Gäste – darstellen, sondern auch widerspiegeln, wofür die Kulturplattform jourfixe-muenchen steht. Nachfolgendes Gruppenfoto zeigt zwar nicht alle der geladenen !80 Gästen, aber einen guten Querschnitt:

Kurz vor Beginn der Künstler-Session: HINTEN von links: Manuela Rosenkind (Illustratorin, Autorin „Mia Meilenstein„), Harry Rosenkind (Musik-Promoter, Schlagzeuger der Kultrockband „Sahara“), Elisabeth Sorger (Malerin, Sprecherin der MKG-Münchner Künstlergenossenschaft), Reiner Mauthe, Catherine Houdayer (Modeexpertin), Jörn Pfennig (Lyriker, Bestseller mit „Grundlos zärtlich“), ganz an der Wand Arno Baum (Musik-Booker, Bassist der Progressive-Rockband PROGNOSTIC) und ansatzweise zu sehen Piaistin Masako Ohta; MITTLERE REIHE im Sessel: Ulrike Keil (Musikwissenschaftlerin, Pressechefin von Musikerlebnis/Tonicale, musica femina münchen) mit Ehemann, Michaila Kühnemann (Film- und Radiomacherin RADIO MÜNCHEN, Kabarettistin, Liedermacherin), Peter Lang (Inhaber Artist Studio München, als Musiker Mitbegründer der ungarischen Kultbands Hungaria und Omega), Claudia Cane (Rockröhre), VORNE, neben mir, Christine Weissbarth (Schauspielerin, Moderatorin und Referentin bei der Hanns-Seidel-Stiftung) sowie, halbverdeckt, Cecilia Gagliardi (Sängerin, Gitarristin, Theater im Roßstall/Germering)

Die  Kulturplattform jourfixe-muenchen steht seit fast zwanzig Jahren für kulturelle und künstlerische Vielfalt, mit dem Ziel gegenseitiger Inspiration und der Bildung von Synergien. Diese Vielfalt spiegelte sich in der Geburtstagsfeier wieder: Die Künstler- und Kulturschaffenden des jourfixe sind unterschiedlichster Couleur, doch bilden Know How, Offenheit und Interesse gegenüber anderen Kunstformen, Freude an künstlerischen Synergien und multidisziplinären Projekten einen kittenden, gemeinsamen Nenner. Als Mitglied kann man sich bei uns nicht bewerben; statt dessen spreche ich gezielt Kunst- und Kulturschaffende an, die ich mir als Bereicherung unseres künstlerischen Pools erhoffe, zur Entwicklung gemeinsamer Projekte und gegenseitigen Unterstützung.

Gastgeber Terry Swartzberg, Journalist, PR-Fachmann und Vorsitzender von „Stolpersteine für München e.V.“ stellte mir für meine Geburtstagsfeier sein historisches Häuschen am Nockerberg zur Verfügung und ermöglichte so einen unvergesslichen Abend! Foto: Dirk Schiff (portraitiert.de)

Apropos gegenseitige Unterstützung: Eben mal sein ganzes Haus für die Feier zu meinem 60. Geburtstag zur Verfügung stellen – das macht ihm so schnell keiner nach und entspricht seinem Wesen: Für den Kosmopoliten Terry Swartzberg sind Aufgeschlossenheit, soziales Engagement (u.a. in seinen PR-Kampagnen) und phantasievoll gestaltete Lebensfreude zwei Seiten einer Medaille. Nach rund 25 Jahren als Korrespondent für die International Herald Tribune, gilt sein großes Engagement seit einigen Jahren dem Verein Stolpersteine für München e.V., dem er vorsteht und mit dem er aktuell ein großes Sommerfest vorbereitet, am Mittwoch, 20. Juni 2018, um 20 Uhr, bei freiem Eintritt im Jüdischen Museum München, mehr unter jourfixe-News. Und einmal mehr ist einfach jede/r herzlich willkommen! Ohne Anmeldung und bei freiem Eintritt.

„Gabys gute Geister“ nannte meine Freundin Edith Grube Reiner Mauthe, Marianne Niederkofler, Sigi Blässer und Jon Michael Winkler; Letzterer ist nicht nur mein enger Vertrauter sondern auch Erster Vorsitzender des jourfixe-Vereins. Für mich bedeuten die vier Menschen auf obigem Foto weit mehr als Mainzelmännchen! Mit ihnen ist in Teilen mein Leben verwoben. Fest steht aber auch, dass  ohne deren Hilfe diese Geburtstagsfeier gar nicht zu stemmen gewesen wäre. Der untere Bildteil zeigt einen Ausschnitt des üppigen Büffets: Alle Gäste waren gebeten worden, Speisen und Getränke anstelle von Geschenken mitzubringen. Foto: Stey

 

Geburtstagskind Gaby dos Santos führt Prof. Thomas Pekny, Intendant Komödie im Bayerischen Hof, durch Terry Swartzbergs historisches Domizil am Nockerberg, Foto: Oliver Stey

 

Theaterwelten: Angelica und Lili Fell, Geschäftsführung der inklusiven FBM-Freien Bühne München mit Thomas Pekny, Chef der Komödie im Bayerischen Hof; Foto: Dirk Schiff

 

Kommt Moses nicht zum Berg … Nachdem es im Winter wegen einer Endlosschlange nicht möglich gewesen war, das Rockmuseum im Olyimpiaturm zu erreichen, kam dessen Betreiber, Herbert Hauke eben zu uns. Neben ihm seine Frau Gabi, Tourbegleiterin und Assistentin von Sissi Perlinger; Foto: Schiff

 

Foto links: Die finnische Sängerin Tuija Komi im Gespräch mit musica-femina-Grafikerin Irmgard Voigt; Foto rechts: Claudia Strauch (Strauch Media) im Gespräch mit Behar Heinemann, links und  Petra Windisch de Lates (Vorstand Lebensbrücke e.V. und J.I.M.-Jazzmusiker Initiative München)

 

Foto links: Das Sänger-Ehepaar Maya und Charles Logan; Rechts schneide ich eine der Geburtstagstorten an, die mir Gäste gebacken haben, assistiert von Gabi Hauke, dahinter jourfixe-Gründungsmitglied Angelika Grimm (Sozialpädagogin); Foto: Elisabeth Sorger

 

V.l. Alexander Diepold (Madhouse), hat gerade in München den alljährlichen Gedenktag für die im Holocaust ermordeten Sinti und Roma durchgesetzt, daneben Eva Giesel, Litag Theaterverlag, rechts Uta Horstmann, Bundesverdienskreuzträgerin für ihr lebenslanges Engagement für Sinti & Roma, auf den Stufen Esthera und Artur Silber (Musik-Manager DownTown Studios,PR–Agentur Silberpfeil, Schlagzeuger, u.a. PROGNOSTIC)

 

Unter den Nazis wurden ihre Ethnien unter dem Sammelbegriff „Zigeuner“ verfolgt, doch hier ist Differenzierung angesagt: Von links: Oliver Stey, aus einer Zirkus- und Schausteller-Dynastie, der das größte Privatarchiv dazu führt, die schillernde Behar Heinemann, eine, wie sie es selbst formuliert „stolze Rom“ (Autorin und Kulturmanagerin) sowie der Sinto Alexander Diepold (Madhouse-Chef), dem München seit diesem Jahr einen festen Gedenktag für die verfolgten Sinti & Roma verdankt; Fotos: Dirk Schiff

 

Fotografin Anne Schiff – Mit ihr und ihrer Familie erlebe ich immer wieder kuschelige private Stunden; Rechts Stephanie Bachhuber (Bayer. Staatsoper) Am Vortrag meines Geburtstags feierten wir den 20. Jahrestag unserer Freundschaft! Fotos: Dirk Schiff

 

Geniales Geschenk von Naomi Isaacs (Institute for Charismology): Ein Kaleidoskop – zeitlose Freude! Links von ihr Reiner Mauthe, rechts Sänger Charles B. Logan, an der improvisierten Bar; Rechtes Bild: Ulrich Floßdorf, Traumatherapeuth etc. bei Alexander Diepolds Familienberatungsstelle Madhouse; Foto: Stey

 

Die finnische Sängerin Tuija Komi kam auf Krücken! Und verstand sich mit Gastgeber Terry Swartzberg offensichtlich prima. Für mich ist sie ein veritabler Sonnenschein, kann aber auch „traurig“ und sang später bei der Session à capella ein melancholisches finnisches Gänsehaut-Lied; Fotos: Dirk Schiff

 

Von links: Petra Windisch de Lates (Vorstand Lebensbrücke e.V. und J.I.M.-Jazzmusiker Initiative München), Kriminalautorin Sabine Vöhringer („Die Montez Juwelen„) Michaila Kühnemann, Radio München, Moderatorin, Filmemacherin, Kabarettistin, Musikerin, Foto/Ausschnitte von Oliver Stey

 

Blick von Terry Swarzbergs Terrasse in den Innenhof. Von vorne links: Dr. Ulrich Schäfert, Leiter Kunstpastoral der Erzdiözese,, Grafikerin/Illustratorin Elena Buono, Heidi und Peter Lang, Artist Studio und Kulturjournalistin Heidi Weidner; ganz re. Sängerin Tuija Komi; Foto: Oliver Stey

 

Totale des Innenhofs – Im Vordergrund zu sehen ist Regisseur Rüdiger Nüchtern, ganz hinten wird es Italienisch: An der Wand die Grafikerin und Illustratorin Elena Buono und vor Ihr die Sängerin und Kabarettistin Cecilia Gagliardi, die einer römischen Künstlerdynastie entstammt; Foto: Dirk Schiff

Links neben Musikerin Cecilia Gagliardi (Theater im Roßstall/Germerin) die japanische Pianistin Masako Ohta, bei der ich mich fragte, wie sie aus einem Keyboard in Schoß-Format derart perlende Klänge zu zaubern vermochte. Rechts Sängerin Linda Jo Rizzo, die kürzlich das Hippodrom zum Kochen brachte. Foto-Ausschnitte: Dirk Schiff

Höhepunkt der Feier waren sicherlich die Geburtstagsständchen der MusikerInnen unter den Gästen sowie ein eigens zu meinem Geburtstag getextetes Gedicht SIXTY SEXY GABY des Lyrikers Jörn Pfennig! Große Freude! …

Lyriker Jörn Pfennig, zwei Ausschnitte von Fotos von Dirk Schiff

Vorbemerkung:

Eines Deutschen Dichters Scheitern
ist für ihn und die Welt ein wahrer Graus.
Doch manchmal kann es beide auch erheitern –
probieren wir’s doch einfach mal aus:

Das Gedicht:

Der Deutsche Dichter muss ja nicht denken –
von dieser Pflicht hat sein Volk ihn befreit
um sie dem Deutschen Denker zu schenken
der sich immer schon sehr
aber seither noch mehr
schier unglaublicher Bedeutung erfreut.
(… mehr)

Stimmungsbild während der temperamentvollen Performance von Jazz-Sängerin Jenny Evans; rechts außen Hausherr Terry Swartzberg, neben ihm Jazz-Sänger Thomas de Lates, Foto: Oliver Stey

 

Zwei Momente der Performance von Jazz-Sängerin Jenny Evans: Ein peppiges Lied à capella und aus eigener Feder über die Vorzüge reifer Frauen; Jennys Auftritt berührte mich sehr, denn oft war ich früher in ihrem Jazz-Lokal Jenny’s Place zu Gast gewesen und hätte mir nie träumen lassen, sie einmal als Geburtstagsgast zu begrüßen … Foto-Ausschnitte: Dirk Schiff

 

Csaba Gal, Leiter des Künstlerkreises Kaleidoskop und Cecilia Gagliardi (‚Theater im Roßstall/Germering) singen „Bella Ciao“, das „House Of Rising Sun“ Italiens, Foto: Dirk Schiff

 

Mitwirkende an der Künstlersession: Jazz-Sänger Thomas de Lates und zwei der Musiker der Progressive-Rockband PROGNOSTIC: Keyborder Martin Stellmacher und Sänger Charles B. Logan

 

Vertraute aus wilden Zeiten: Journalistin Daniela Schwan (rechts neben mir). Links zu sehen ist Kabarettistin Karin Engelhard. Dahinter Klaus Onnich, Kurator MVG-Museums – Foto: Dirk Schiff

 

Ein schönes Portrait-Foto von Kulturjournalistin Daniela Schwan; Foto: Dirk Schiff (portraitiert.de)

 

Mit meinem alten Freund aus wilden Datscha-Zeiten, Zarko Mrdjanov, Gitarrist von Massel Tov, meiner Schwägerin Sigi und Heidi Lang vom Artist Studio, Foto: Dirk Schiff

 

Elisabeth Sorger, Malerin und Sprecherin der MKG – Münchner Künstlergenossenschaft, Martin Hubensteiner, Ausstellungsmacher der LV1871, Gaby dos Santos und Christine Weissbarth, Referentin/Moderatorin der Hanns-Seidel-Stiftung, Foto: Dirk Schiff

 

In der Mitte Claudia Weigel, (Parlamentarische Beraterin Hochschul- und Kulturpolitik, Fauenpolitik für die BayernSPD Landtagsfraktion), links Autorin Gunna Wendt, nach deren Biografie über Franziska zu Reventlow wir zur Zeit, gemeinsam mit Musikerin Michaela Dietl, eine Collage zum 100. Todestag produzieren

 

Renate Lettenbauer und Lising Pagenstecher, wie ich Mitglieder von musica femina münchen    und Rockröhre Claudia Cane, die später Janis Joplins „Mercedes Benz“ sang; Foto: Dirk Schiff

 

Meine Freundin Edith Grube, Tochter und Nichte der KZ-Überlebenden Werner und Ernst Grube; Aktivistin (Stolpersteine für München e.V.) und Verwaltungssupervisor bei Madhouse, mit ihrem Mann Robert; Links: Harry Rosenkind (Musikpromoter und Schlagzeuger der Kult-Rockband „Sahara„)

 

Meine Collage über Textdichter Bruno Balz brachte mich mit diesen beiden Herren zusammen: Mein Bühnenpartner Lutz Bembenneck (li) und der „Experte“ für die Talkrunde nach der Aufführung, Albert Knoll, Archivar der KZ-Gedenkstätte Dachau und Vorstand des Forums Homosexualität München,

 

Unsere beiden jourfixe-Fotografen einmal selbst vor der Linse von Oliver Stey: Links: Dirk Schiff/ portraitiert.de und rechts Bernd Sannwald, ein As in abstraktv wirkender Detail-Fotografie

 

Dieses Portrait von Naomi Isaacs fand Dirk Schiff (portraitiert.de) so ansprechend, dass er spontan beschloss, es in seine neue Herbst-Ausstellung „Münchner und Zuagroste“ einzubeziehen. Wie bereits seine erfolgreiche Ausstellung im Vorjahr mit Uschi Glas, „We are all the same“, findet die Vernissage im Hotel Le Méridien statt, diesmal zugunsten von Jutta Speidels HORIZONT e.V.

 

Es ist spät geworden … Christiane von Nordenskjöld, Kustodin (Ateliermuseum) der Magda-Bittner-Simmet-Stiftung im Gespräch mit Jon Michael Winkler;; Foto: Stey

 

Ein glückliches Geburtstagskind sagt: „Danke!“


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Große Musik in Taschenformat – PROGNOSTIC, die neue Progressive-Rockband überzeugt im Wohnzimmer

„Es ist Musik, die fortschreitet. Sie nimmt eine Idee und entwickelt sie, statt sie einfach zu wiederholen. Pop-Songs bestehen aus Wiederholung, Riffs und Einfachheit. Progressive Musik nimmt ein Riff, kehrt sein Inneres nach Außen, stellt es auf den Kopf, spielt es dann wieder andersherum und erkundet so sein Potenzial.“ So beschreibt der Musiker Keith Emerson  das von ihm mitgestaltete Genre „Progressive Rock„.

Musiker Keith Emerson 2010 bei einem Auftritt, Foto > Quelle

Ehrlich gesagt war mir bis dahin diese Musik aus meiner Jugend zwar bekannt, aber nie wirklich ein Begriff gewesen, bis mich Artur Silber, seines Zeichens Rock-Schlagzeuger, Studiobesitzer, Musikverleger und (PR)Manager vor einiger Zeit anrief.

Artur Silber, musikalisches Urgestein und Drummer u.a. von PROGNOSTIC

Überraschung und Freude auf meiner Seite. Überraschung, weil wir eine gefühlte Ewigkeit nichts von einander gehört hatten. Freude, weil ein Anruf von Artur, der sich in einem Feature der Jüdischen Allgemeinen selbst als „musikalisches Urgestein der Münchner Szene“ bezeichnete, auf jeden Fall was Spannendes versprach. Was mochte dieser kulturelle Tausendsassa da wohl wieder am Köcheln haben?

Unter dem was er dann berichtete, konnte ich mir zunächst nicht wirklich etwas vorstellen; vom Pressetext her klang das neue Bandprojekt allerdings vielversprechend: Mit PROGNOSTIC hat Münchens Bandszene ein neues Flaggschiff: Die vierköpfige Formation lädt bei ihren Konzerten ein zu einer musikalischen Hommage an den „Progressive Rock“ der 70er – vom Magazin Musikexpress als „Königsklasse der Rockmusik“ bezeichnet. Musik wie ein Sog aus geballter Leidenschaft und hoher Musikalität. Rockmusik also, in Zwischentexten kommentiert von einem versierten Rock-Journalisten und präsentiert im Wohnzimmer des Keyboarders. Der Hinweis auf einen kleinen privaten Rahmen, in dem ein ganzes Rockkonzert stattfinden sollte, ließ mich aufhorchen, beschwor doch gerade diese Musikrichtung Lautstärke, sehr viel Lautstärke, lange Haare, sehr lange Haare, sehr lässige Klamotten, viel Bier und riesige Hallen vor meinem Inneren Auge herauf – das Erscheinungsbild der Rebellion meiner Generation wider dem Establishment. Wie sich dies alles auf das Format eines Wohnzimmers würde zusammenfalten lassen, interessierte mich brennend.

Gaby dos Santos vor der Uraufführung von PROGNOSTIC im Wohnzimmer von Martin Stellmacher (Keyboards/Voc)

Zu Recht: Die Uraufführung, die ich in der Wohnzimmeratmosphäre bei Martin Stellmacher erlebte, dem Keyboarder der Band, entsprach dem so oft beschworenen und selten erreichten Revival eines klassischen Salonabends  in modernem Gewand: Gepflegtes Ambiente, konzentriertes Publikum und eine Interpretation auf hohem künstlerischem Niveau, allerdings nicht, wie Anno dazumal, dargeboten von der Dame des Hauses oder der Höheren Tochter, sondern von einer, klanglich wie optisch, homogen auftretenden Band, mit einem Leadsänger, der, dank seines Hintergrunds auch als Musical-Interpret, die Songs intensiv interpretierte.

Unvergessene Kompositionen wie „Tarkus“ von Emerson, Lake & Palmer wechseln sich ab mit Songs u.a. von Genesis, Rush, Peter Gabriel und UK. Ein wertvolles Stück Musikgeschichte – episch, melodisch, bombastisch. Nicht geklont, aber spannend interpretiert!“ so der Info-Text zur Band. In der Tat. Auch, dass weniger oft mehr ist, fand ich hier eindrucksvoll bestätigt.

Die reduziert, akustisch spielende Besetzung, inklusive eines noch viel reduzierteren Drum Sets, brachten mir die Komplexität der Kompositionen so nah wie nie und fokussierte auf das ausgefeilte Spiel jedes einzelnen der Musiker, deren Erscheinungsbild dem gepflegten Joe Cocker der letzten Jahre sehr viel näher kam, als dem Langhaar/T-Shirt-Look unser aller Jugendjahre. Dazu äußert PROGNOSTIC auf ihrer Homepage: Was kann der Grund dafür sein, dass ein paar „ältere Herren“ nach 30 oder mehr Jahren Bühnenerfahrung und unzähligen Konzerten noch nicht genug haben und eine neue Band starten? Richtig: die Leidenschaft für Musik. (…) 

Die Perspektive, sowohl in Bezug auf den Musikstil, als auch auf die Band, richtet sich somit nach vorne. Auf der Startseite von PROGNOSTIC findet sich  ein bezeichnendes Zitat von US-Schauspieler William Shatner, alias „Captain Kirk“ des Raumschiffs Enterprise:

„I think that prog rock is the science fiction of music. Science fiction speculates on what the future might be and look like and how we’ll get there, and yet there’s always a central theme of humanity, or there should be. Progressive rock has the same concept of exploration into the parts of the music world that hasn’t been explored.” 

 

Michael Fuchs-Gamböck

Doch wurde bei der Uraufführung auch der Vergangenheit Tribut gezollt, anhand der musikhistorischen Erläuterungen und Reminiszenzen des Journalisten und Autors Michael Fuchs-Gamböck.  Dass hier ein gewichtiger Vertreter des Rock-Journalismus moderierte, erschloss sich schnell,  denn die persönlich erlebten Anekdoten, die er hier Revue passieren ließ, betrafen die FrontRow-Protagonisten der internationalen Rockwelt. Die Schilderung unterhaltsamer Kuriositäten wechselte ab mit Zitaten von Rockstars, deren Tiefe bewies, was für komplexe Individualisten, mit entsprechenden Klangbotschaften, sich hinter der Einheitsfassade einer rebellischen Musikbewegung verbargen – und immer noch verbergen. Zwar sind wir Rebellen von damals längst Teil des Establishments, doch dieses „immer noch“ in puncto musikalischer und lebensphilosophischer Refelktion besteht weiterhin.

PROGNOSTIC – Von links: Arno Baum (b), Martin Stellmann (p), Charles B. Logan (voc), Artur Silber (dr)

Musik, Interpreten und Publikum sind gereift. Jenseits von Berufsjugendlichen und dem so viel beschworenen Zielpublikum der 20 bis 49jährigen, gibt es uns, das große ergraute Potential an Zuschauern –

Progressive Rock in Pocket Format

Und wir sind gerne bereit, in Eintrittsgelder zu investieren, die uns Acts mit der Art von Musik bieten, mit der wir groß geworden sind, die sich aber im Laufe der Jahre ebenso weiter entwickelt hat, wie wir, die wir von der Zahl her sicher weit mehr, als nur ein Nischenpublikum bilden. Hier würde ich mir mehr Mut seitens der Veranstalter wünschen und mehr Bereitschaft seitens staatlicher und städtischer Institutionen, sich mit dieser Form von Musik intensiver auseinander zu setzen und sie als kulturelles Gut zu fördern. Weil sie die Gründung eines Rockmuseums planten, sprachen die RockliebhaberInnen Gabi und Herbert Hauke vor Jahren bei dem Vertreter einer Kulturbehörde vor und bekamen sinngemäß zur Antwort, München brauche kein Museum für Langhaarige und Drogensüchtige. Zugegebenermaßen befindet sich besagter Mitarbeiter nicht mehr im Amt und das Rockmuseum längst im ersten Stock des Münchner Olympiaturms, aber auch weiterhin in privater Hand des Ehepaar Hauke, auf deren Risiko und Kosten. Exemplarisch?

Da nun mit dem Schwabinger Podium  auch das letzte Traditionslokal im Herzen Münchens für speziell diese Musikrichtung geschlossen hat, wählte die Band PROGNOSTIC für ihre Welturaufführung das Taschenformat und schaffte damit quasi ein neues Hörerlebnis innerhalb der Rockmusik. Hoffentlich wird dieses anspruchsvolle Projekt auch von kulturellen EntscheidungsträgerInnen wahrgenommen und dahingehend gewürdigt , dass auch dieses Genre gefördert und dadurch wieder einem breiteren Publikum zugänglich gemacht wird, durchaus auch in konzertantem Rahmen, um den Facettenreichtum dieser Musik richtig zur Geltung kommen zu lassen, als vielschichtiges Musikangebot, dass sich im Übrigen keinesfalls nur an NostalgikerInnen aus unserer Generation wendet!

Welcome back my friends to the show that never ends … (Greg Lake)


The Show Goes On: Artur Silber vor dem Plakat zum nächsten Gig

… und da die Show nicht endet, geht sie schon nächsten Monat hochkarätig weiter:

27. und 28. Februar, Einl. 20.30 Uhr, Beginn 21 Uhr

im NightClub, Bayerischer Hof  > Reservierungen/Details

Martin Fuchs-Gamböck wird mit seinen Zwischenmoderationen weiterhin an einer Reihe der PROGNOSTIC-Konzerte teilnehmen.

Auch für private Veranstaltungen in den eigenen vier Wohnzimmerwänden kann die Band gebucht werden..

Über alle weiteren Termine informiert die PROGNOSTIC-Homepage, unter „wann“


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