Allgemein

„Auch Heilige liegen am Boden“ Zum „Bürgerbegehren für Stolpersteine auf öffentlichem Grund in München“ eine Pressenkonferenz – Zu Gast: Avi Primor, von 1993 – 1999 Israelischer Botschafter in Deutschland

Nach seiner Meinung zu den Stolpersteinen befragt, fand Avi Primor auf der Pressekonferenz der neuen Initiative  BÜRGERBEGEHREN für Stolpersteine auf öffentlichem Grund in München deutliche Worte: Er verneige sich vor dieser Form des Gedenkens. In Israel sei es von Bedeutung, wie Deutschland sich heute darstelle und inzwischen könnten andere europäische Länder in Bezug auf das „Wiedergutmachen“ von Deutschland lernen. Im übrigen gehe es nicht darum, israelische Bräuche nach Deutschland zu bringen, sondern darum, dass sich Gedenken in Landessitte vollziehe. Und führte als Beispiel die in steinernen Sarkophagen in den Boden eingelassenen Heiligen unserer Kathedralen an. „Auch Heilige liegen in Deutschland am Boden …“

Avi Primor, israelischer Botschafter in der BRD von 1993 – 1999, zu Gast auf der Pressekonferenz des Vereins „Bürgerbegehren für Stolpersteine auf öffentlichem Grund in München e.V.„, mit den Vorstandsmitgliedern, v.l. RALPH DEJA, Berater und Aktivist für interreligiöse und interkulturelle Dialoge, DOROTHEE PIERMONT, ehem. Mitglied im Europäischen Parlament (vorm. b. Die Grünen), HILDEBRECHT BRAUN, Rechtsanwalt und liberaler Politiker und DAGMAR FÖST-REICH, Dipl. Kauffrau

„Durch das Lesen der Inschriften der Messingsteine verbeugen wir uns wortwörtlich vor den Menschen, die dem Nationalsozialismus zum Opfer fielen,“ heißt es auf der Homepage des Zentralrats der Juden auf die Frage

UNTERSTÜTZT DER ZENTRALRAT DER JUDEN DIE VERLEGUNG VON STOLPERSTEINEN?

Und weiter: Der Präsident des Zentralrats, Dr. Josef Schuster, und das Präsidium des Zentralrats, halten die Stolpersteine für eine sehr gute und würdige Art des Gedenkens an die Opfer der Schoa. Durch die Stolpersteine kommen die Menschen im Alltag mit dem Thema für sie überraschend und unvorhergesehen in Berührung. Stolpersteine verdeutlichen, dass jene Menschen, die grausam ermordet wurden, mitten unter uns gelebt haben und dass ihre Entrechtung und Verfolgung vor aller Augen passiert ist. > MEHR

Wartet auf seine Verlegung: Ein Stolperstein für Hans Scholl, Gallionsfigur der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, gezeigt bei der PK

Damit bezieht der Zentralrat eine gegensätzliche Position zu Charlotte Knobloch, der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, in deren Augen durch Stolpersteine die Opfer des Holocaust erneut mit Stiefeln getreten würden. Nicht zuletzt auf Grund ihrer Interventionen bleibt in München, anders als in unzähligen Städten bundes- und europaweit, das Verlegen von Stolpersteinen auf öffentlichem Grund untersagt, nach zwei entsprechenden Stadtratsbeschlüssen, 2005 und 2015.

Stattdessen schlägt München einen kostspieligen Sonderweg ein. Statt Stolpersteinen (120 €, Fläche 10×10 cm) sollen Stelen (1.000 €, 6×6 cm) oder Tafeln an Hauswänden (500 €, 16×16 cm) an die Opfer erinnern. Stelen machen u.a. wegen ihrer tiefen Verankerung im Boden ein aufwendiges Genehmigungsverfahren und Tafeln die Zustimmung jedes einzelnen Miteigentümers eines Gebäudes erforderlich. Es ist daher abzusehen, dass nur wenige Stelen und Tafeln installiert werden. So wird aber das ungeheure Ausmaß der Massenvernichtung von Menschen nicht erkennbar, führt der neu gegründete Verein Bürgerbegehren für Stolpersteine auf öffentlichem Grund in München e.V. auf seiner Homepage an und beginnt ab nächster Woche mit dem Sammeln der für ein Bürgerbegehren erforderlichen Mindestzahl von 35.000 Unterschriften. Bei diesem Verein handelt es sich um eine überparteiliche Gruppierung, die, mit dem demokratischen Instrument eines Bürgerbegehrens, das Thema „Stolpersteine auch in München“ erneut vor den Stadtrat bringen möchte.

Juni 2017, alles bereit zur Verlegung von Stolpersteinen in der Münchner Ickstattstraße; Quelle: Christian Michelides, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=60453194

Für eine Aufhebung dieses Verbotes setzt sich seit vielen Jahren bereits unermüdlich die Initiative Stolpersteine auch für Münchenein, unter Vorsitz von Terry Swartzberg und hat zwischenzeitlich eine ganze Reihe von Verlegungen auf privatem Grund durchgeführt. Eine weitere und bislang größte Verlegung von Stolpersteinen ist für Montag, den 11. November 2018 angesetzt, mit 34 weiteren Stolpersteinen an 11 unterschiedlichen Verlegungsorten! Ein Meilenstein, doch ist die Verlegung von Stolpersteinen auf privatem Grund meiner Meinung nach nur als  Interimslösung geeignet, denn, wie der Münchner Drehbuchautor Peter Probst, nach einer Verlegung von Stolpersteinen für Holocaust-Opfer aus seiner Verwandschaft anmerkte: Für uns Angehörige ist heute ein Tag der Erleichterung. (…) Es gibt wieder einen Ort, an dem wir gedenken können, einen Ort auch, der andere zum Nachdenken bringen kann (…)

Juni 2017: Autorin und Moderatorin Amelie Fried blieb nur das Fotografieren der Zeremonie ihres Mannes Peter Probst. Ihr wurde bislang die Verlegung von Stolpersteinen für ihre Angehörigen verwehrt.

Aber wir bleiben traurig und empört. Empört wegen des nach wie vor geltenden Verbots der Stadt, Stolpersteine auf öffentlichem Grund zu verlegen. Neben mir steht meine Frau Amelie Fried. Auch aus ihrer Familie wurden Mitglieder aus München deportiert und von den Nazis umgebracht. Auch sie würde sich für Max und Lilli Fried, die in Auschwitz starben, von Herzen Stolpersteine wünschen. Sie hat beim Besitzer des Hauses im Färbergraben nachgefragt – der letzten freiwilligen Adresse der beiden – und eine mehr als unfreundliche Absage bekommen. Das ist die brutale Folge des städtischen Verbots: Angehörige, die nichts Anderes wollen, als auf eine Art zu gedenken, die in über 1000 deutschen Städten möglich ist, werden erneut gedemütigt. (…) MEHR

Umso mehr freut mich, dass sich jetzt in München eine weitere Initiative anschickt, das Verbot der Verlegung von Stolpersteinen auf öffentlichem Grund, diesmal mit politischen Mitteln, zu kippen und hoffe auf eine Bündelung von Kräften seitens beider Münchner Stolperstein-Initiativen, die dringend benötigt wird, angesichts einer äußerst engagierten Opposition.

Dem Sammeln von Unterschriften für das Bürgerbegehren sehe ich deshalb auch aus statistischer Neugier gerne entgegen, da mich brennend interessiert, ob es sich bei den Stolperstein-Gegner_Innen um tatsächlich eine Mehrheit innerhalb unserer Stadtgesellschaft handelt, wie teilweise kolportiert, oder vielmehr um die persönliche Einstellung einzelner, aber umso einflussreicher Bürgerinnen und Bürger … So äußert der ehemalige Münchner Bürgermeister Christian Ude am Ende eines Interviews 2017 in der ZEIT: Das Thema Stolpersteine hat mich lange belastet. Schließlich war mir aber die Freundschaft und Zustimmung von Charlotte Knobloch und der israelitischen Kultusgemeinde, die ich jedes Jahr bei der Chanukka-Feier am Jakobsplatz in München spüren durfte, unendlich wichtiger. MEHR

Eine derart einseitige Darstellung und Entscheidungsfindung seitens des vormals Ersten Vertreters unserer Stadt, in mehreren Passagen des Interviews, empfinde ich, als jemand, die die Vorgänge um die Stolpersteine ausgiebig recherchiert und verfolgt hat, schon bedenklich! Und unfair gegenüber uns Stolperstein-Befürwortern! Gedenken an sich ist doch ein sehr individueller, emotionaler und daher subjektiver Vorgang, dessen Wahrnehmung sich entsprechend schwer auf sachlicher Ebene erfassen oder gar bewerten lässt.

AVI PRIMOR, israelischer Botschafter in der BRD von 1993 – 1999 zwischen HILDEBRECHT BRAUN, Rechtsanwalt und liberaler Politiker, RALPH DEJA, Berater und aktiv im interreligiösen und interkulturellen Dialog sowie Dorothee Piermont, ehemaliges Mitglied im Europäischen Parlament für DIE GRÜNEN, alle drei Vorstandsmitglieder des „Bürgerbegehrens“

Somit bleibt für mich auch unverständlich, dass gerade München, die ehemalige Hauptstadt der Bewegung, heute den Nachkommen von Holocaust-Opfern verwehrt, sich für eine Form des Gedenkens zu entscheiden, die sie sich wünschen, und die in anderen Städten und Ländern Gang und Gebe ist, nämlich die der Stolpersteine, als ein Kunstprojekt für Europa von Bildhauer Gunter Demnig konzipiert.

Bildhauer Gunter Demnig ist nicht nur der Schöpfer der Stolpersteine – Ein Kunstprojekt für Europa, vielmehr reist er auch persönlich zur Verlegung an, hier im August 2018, in Pitten; Quelle: Wikipedia

Zumal die Genehmigung, Stolpersteine auf öffentlichem Grund zu verlegen, IN KEINEM FALL bedeuten würde, dass diese gegen den Willen von Nachkommen und ohne eingehende vorherige Prüfung seitens einer zeitgeschichtlich kompetenten Kommission erteilt würde.

Längst ist die Debatte zu einem Politikum geworden, zu dessen Leidtragenden leicht die Betroffenen werden können, wie im Fall von Peter Jordan. Seine Eltern hat er zuletzt als 15jähriger gesehen und im Holocaust verloren. Nachdem in Berlin, in den späten 1990er Jahren, erstmals Stolpersteine verlegt worden waren, die zwar erst im Nachhinein, dann aber problemlos vom Senat genehmigt wurden, folgte Peter Jordan in München diesem Beispiel und verlegte in der Mauerkircher Straße, dem letzten Domizil seiner Eltern Fritz und Paula Jordan, Stolpersteine. Die Stadt jedoch ließ diese postwendend, da nicht genehmigt, wieder herausreißen, was bei mir die Frage nach Pietät aufwirft: Muss denn etwas unbedingt ausgeführt werden, nur weil einem die Macht dazu gegeben ist? Erst im Sommer dieses Jahres wurden für die ermordeten Eltern des mittlererweile 96jährigen Peter Jordan, seitens der Landeshauptstadt München, Stelen aufgestellt.

26. Juli 2018: Eine Stele für seine ermordete Mutter! Dass er diesen Moment noch erleben durfte … Der 96jährige Peter Jordan war extra aus London angereist.

Auch wenn es gut gemeint ist. München braucht keinen Streit über die richtige Form des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, kommentiert postwendend nach der Pressekonferenz Martin Bernstein, Polizeireporter bei der Süddeutschen Zeitung, in der Ausgabe vom 04.09.2018, unter dem Titel Das Bürgerbegehren für Stolpersteine ist falsch.  Als „falsch“ empfinde ich vielmehr, dass in München, was die Gedenkkultur anbelangt, nicht nur Verbote noch immer Persönlichkeitsrechte beschneiden, sondern dass darüber hinaus oft verunglimpft wird, wer dagegen hält! Solche Mittel der Auseinandersetzung zeugen nicht von Demokratieverständnis, ein Bürgerbegehren anzustreben hingegen schon!


Das Bürgerbegehren für Stolpersteine auf öffentlichem Grund auch in München e.V.

wird telefonisch betreut von Vorstandsmitglied Dorothee Piermont. Unter Tel. (089) 33 03 78 04 beantwortet sie gerne Frage zu Punkten, die möglicherweise aus der, weil brandneuen, Homepage http://www.buergerbegehren-stolpersteine-muenchen.de noch nicht hervorgehen.

Natürlich können Anliegen auch via Email übermittelt werden: info@buergerbegehren-stolpersteine-muenchen.de


Wir bitten um Ihre Mithilfe, vor allem um Ihre Unterschrift
Wenn Sie uns weiter unterstützen und spenden wollen, bitte auf das Konto:

IBAN: DE95 7015 0000 1005 3156 74

Wir sind gemeinnützig und stellen Spendenbescheinigungen aus. (O-Ton der Homepage)


Weitere Beiträge zum Thema „Stolpersteine in München“ im jourfixeblog.wordpress.com:

–   Stolpersteine auch in München
–   Terry Swartzbergs Steine des Anstosses
–   Die Liebe zu ihrer Mutter kostete sie das Leben!

Advertisements
Standard
Allgemein

Herbergssuche – Münchner Muslime seit Mai auf der Suche nach einem Gebetsraum

Jesuiten bieten Münchner Musliminnen und Muslimen für ihr Freitagsgebet Raum in der Michaelskirche … Diese Meldung im Mai 2017 klang erst einmal sehr berührend, setzte sie doch ein Zeichen für wahrhaftige interkonfessionelle Solidarität, wie sie gerade jetzt nur wünschenswert sein kann.

Soweit so gut und schön, doch diese Schlagzeile steht auch für ein  für die Münchner Muslime schwerwiegendes Problem: Der Verlust ihrer angestammten Gebetsräume in der Münchner Innenstadt und somit, wie jede/r Gläubige jeglicher Konfession nachvollziehen kann, der Verlust einer spirituellen Heimstatt; ein Problem, das seither medial für Aufsehen sorgt:

So schrieb Stephanie Lahrtz, Kolumnistin der Neuen Züricher Zeitung bereits am 20.5.2017: Weil sie immer beliebter und somit immer voller wurden, mussten sie schließen. Die Rede ist nicht etwa von besonders angesagten Szenekneipen, sondern von Moscheen in der bayrischen Landeshauptstadt. In den letzten Monaten ist die Zahl muslimischer Einwohner in München stark gestiegen. Derzeit leben nach offiziellen Schätzungen über 100 000 in der Stadt. Jeden Freitag benötigen die in der Innenstadt Berufstätigen für das obligatorische Gebet eine Moschee in der Nähe ihres Arbeitsplatzes. Zuletzt kamen in die Gebetsräume der Altstadt, meist unauffällige Gebäude in Hinterhöfen, statt einiger Dutzend bis zu 400 Menschen. Manchem blieb nur der Bürgersteig für sein Gebet. (…)

Vorläufiger Sitz des MFI ist das Gebäude in der Hotterstraße, bis Mai auch Sitz der Innenstadt-Moschee

Plastisch schildert Dunja Ramadan in der SZ die Zustände, die zur Schließlung der letzten Moschee in der Innenstadt führten: Gebetrsräume draußen vor der Tür„: Beim Niederknien stießen die Betenden mit dem Kopf an den Rücken ihres Vordermannes, beim Aufstehen schmerzten vielen die Knie vom Sitzen auf der Treppenkante oder auf dem Asphalt des Parkplatzes im Hof. Bis in den Gebetsraum schafften es viele Gläubige nicht, im Münchner Forum für Islam (MFI) war die Tür zur Moschee häufig bereits vor Beginn des Freitagsgebets geschlossen. Von außen rüttelten einige Nachzügler an der Tür, klopften, gingen einen Schritt zurück, um zu sehen, ob sie auch wirklich richtig stehen.“ (…)

Ehemalige Altstadt-Moschee in der Hotterstr.

Schließlich wurde aus Brandschutzgründen auch diese Moschee in der Hotterstraße geschlossen. Junge Muslime beschlossen darauf hin, ein öffentliches Freitagsgebet auf dem Münchner Marienplatz abzuhalten, sagten es aber, nach heftigen Drohungen, kurzfristig wieder ab, aus Angst vor Repressalien. (…) „Darüber waren viele Glaubensbrüder und Muslimverbände sogar froh,“ so Lahrtz/NZZ,  denn man wollte weder Feinden ein Forum bieten, noch die Stadt zu Unrecht an den Pranger stellen. Vermutlich hätte man sich tatsächlich einige Sympathien mit solch einer Aktion verscherzt, hätte sie doch wegen des gewählten Ortes sehr plakativ gewirkt – und nicht jeder Passant hätte das eigentliche Anliegen, eine Herbergssuche, erkannt. (…)

Seither befinden sich unsere muslimischen Mitbürger_Innen „on tour“:  Auf die Michaelskirche,  als kurzfristige Alternative zum Open Air-Gottesdienst am Marienplatz, folgten die altehrwürdigen Hallen der Münchner Kammerspiele, was sogar dem überregionalen Wochenmagazin Focus einen Beitrag wert war.

Erkan Inan, im Vorstand von mfi und Migrationsbeirat und Kulturveranstalter der dem mfi angegliederten Reihe „Kritisch denken“ sowie des Festivals „AusArten“

Erkan Inan, Vorstandsmitglied des MFI – Münchner Forum für Islam – und Organisator von dessen Kulturprogramm „kritisch denken“ sowie Mitglied im Migrationsbeirat, fand in einem Post warme Worte für die viele Unterstützung aus der Stadtgesellschaft:

„Danke an alle die sich seit Wochen ‚mit‘ den Muslimen solidarisch zeigen und sich gemeinsan mit uns einsetzen. Ob Kunst- und Kulturschaffende oder Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften, alle versuchen Räumlichkeiten für das Freitagsgebet zu finden.

Ganz nach dem Motto: Gemeinsam für mehr WIR!

Sie haben sich nicht von Populisten einschüchtern lassen und sich persönlich eingesetzt.

Vielleicht schaffen wir es auch langfristige Lösungen zu finden, zumindest während des Ramadan wäre es sehr schön und eine wohlwollende Geste. Hierbei lege ich vor allem eine große Hoffnung in Herrn OB Dieter Reiter.

In diesem Sinne möchten wir uns für diese Woche ganz besonders bei dem Kulturreferenten der LH München Herrn Dr. Hans-Georg Küppers und dem Intendanten der Münchner Kammerspiele Herrn Matthias Lilienthal bedanken. Ein ganz besonderer Dank geht vor allem an Herrn Stadtrat Marian Offman (CSU), der sich als Mensch und gläubiger Jude einsetzt. Er hat sich auch in der Vergangenheit stets gegen die Rechtspopulisten gestellt und klare Kante gezeigt. Ich sage Chapeau!

Mitglieder des SPD-Stadtrats treffen sich mit Münchner Muslim_Innen: Von links u.a. Julia Schönfeld-Knor u. Cumali Naz, SPD-Stadtrat, dann Erkan Inan, MFI / Migrationsbeirat

Vielen Dank auch an die SPD Stadtfraktion, die sich gestern Zeit genommen hat um sich die Sorgen der Muslime direkt anzuhören. Es war ein ehrliches und konstruktives Gespräch, dass uns allen Hoffnung gemacht hat. Für ihr Engagement bedanken wir uns herzlichst bei Stadträtin Julia Schönfeld-Knor und Ihren Kollegen wie Herrn Stadtrat Cumali Naz.“

Doch leider blieb die Karavane der Gläubigen auch während des Ramadans in Bewegung: Es folgten Freitagsgebete in Räumlichkeiten der evangelisch-reformierten Kirche, der evangelischen Stadtakademie und der Stiftung Sternenstaub. Danach bot das  KKV Hansa-Haus in der Brienner Straße Asyl.

Der Ramadan ist inzwischen längst passé, doch feste neue Räumlichkeiten für das Freitagsgebet in der Münchner Innenstadt sind noch immer nicht in Sicht. Auch wurde ein Roundtable zu diesem Problem, ursprünglich für Juni angesetzt, auf Oktober verschoben. Auf die Bitte  der „Gebetsnomaden“, doch wenigstens eine Sporthalle für nur eine Stunde in der Woche zum Freitagsgebet nutzen zu dürfen, erwiederte ein Vertreter, dass dann jeder beliebige Sportverein mit ähnlichen Anliegen kommen könne … 

Titelbild des jourfixe-Blogbeitrags „Münchner Muslime als gesellschaftliche Chance“, Okt. 2015

Natürlich bietet sich im Zusammenhang auch wieder die Argumentation von wegen „Trennung von Religion und Staat an“. Doch haben sich nicht Glaubensfragen längst zum Politikum entwickelt, angesichts des IS-Terrors, der auf einer Pervertierung des Islam gründet? Sollten daher wir, als Stadtgesellschaft, nicht besser eine Institution wie das MFI – Münchner Forum für Islam -unterstützen, das einen gemäßigten europäischen Islam vertritt und die Ausbildung von Imamen in Deutschland? Statt uns via DITIP  (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) weiterhin aus Erdogans Türkei mit Imamen versorgen zu lassen, Einflussnahmen nicht ausgeschlossen? Dass nunmehr der Gebetsraum fehlt, liegt nicht zuletzt daran, dass das MFI – Münchner Forum für Islam – für den Bau einer großen Moschee (geplant in der Dachauer Straße), mit integriertem Kulturforum, konsequent Geldgeber aus dem arabisch-wahhabitischen Raum abgelehnt hatte, um sich religiös konservativer Einflussnahme zu entziehen.

Imagefilm zum geplanten Großprojekt „Münchner Forum für Islam“

[Die Vision eines spirituellen und interkulturellen Zentrums in München bleibt, trotz nahmhafter Unterstützer_Innen, wie z. B. die evangelische Stadtdekanin Barbara Kittelberger, der griechisch-orthodoxe Erzpriester Apostolos Malamoussis oder auch Alt-OB Christian Ude, vorerst ein Traum …]

Wäre es nicht von städtischer Seite aus sinnvoll, wie auf interkonfessioneller Ebene bereits geschehen, „Muslimisches Leben in München als gesellschaftliche Chance“ zu erkennen und entsprechend konsequent zu unterstützen, nicht zuletzt im Sinne einer besseren Integration vorwiegend muslimischer Flüchtlinge und effektiveren Prävention islamistischer Radikalisierung?


FR, 22. September bis MO, 9. Oktober 2017

Zu einem „Perspektivwechel durch Kunst“ lädt das „AusARTen-Festival“, verastaltet auch in diesem Jahr wieder vom MFI – Münchner Forum für Islam, in der Hotterstr. 16, unter Leitung von Erkan Inan.

Kooperationspartner sind das Kulturreferat der Landeshauptstadt München, das Jugend Kulturwerk, die Fachstelle für Demokratie, Allianz Kulturstiftung, MUCA Museum und voraussichtlich noch die Kammerspiele, weitere Kooperationspartner_Innen sind im Gespräch.

Nachstehender Post vermittelt erste Informationen zur breiten Programmpalette des diesjährigen Festivals, auf dem Laufenden hält die Facebook-Seite https://m.facebook.com/ausarten.muenchen/

Geboten sind Comic, Graffiti, Theater, Fotografie, Calligraffiti, Poetry-Slam, Musik, Film …
Ausserdem stehen zwei Impuls-Vorträge auf dem Programm, zum Thema „Ausgrenzung und Rassismus“, jeweils mit anschließ
ender Podiumsdiskussion in spannender Runde. > Zum Programm-Download (PDF)


Verzeichnis aller jourfixe–Blogbeiträge mit jeweiligem Link

Standard