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„Schlägerbobbe mit Herz“ – Portrait der Münchner Aktivistin Edith Grube, die im Oktober 2018 vor Gericht muss

Als ich im September 2018 meiner Freundin Edith zum Geburtstag gratulieren wollte, lies sie mal eben die neueste Bombe aus ihrer bewegten Vita als Kultur- und Politaktivistin platzen: Am 17. Oktober steht sie in München vor Gericht! Dazu schreibt erläutert der deutsch-türkische Blogger und Polit-Aktivist Kerem SchambergerEdith Grube soll 2250;- € Strafe zahlen, weil sie von meiner Facebookseite zwei Beiträge mit YPG-Symbolen* geteilt hat. Dies hat sie natürlich nicht akzeptiert und nun kommt es zum ersten Prozess in diesem Fall in München. Es wird der Auftakt einer langen Reihe von Prozessen in diese Richtung sein*. Umso wichtiger ist es dem Gericht zu zeigen, dass wir alle solidarisch an der Seite von Edith und allen anderen Verfolgten stehen. (…) Ebenso berichtet das investigative Magazin MONITOR über diesen Fall. *(Bei der YPG handelt es sich um die mit den USA verbündete kurdische Miliz, nicht etwa um die verbotene PKK)
Wer aber ist eigentlich diese Frau, Freundin und Weggefährtin, deren Aktivitäten ich erst seit zwei Jahren begleite und die mir dennoch in vielerlei Hinsicht so nahe steht? Erstmals getroffen haben wir uns bei einer Führung durch die neue Münchner Synagoge am St. Jakobsplatz im Frühsommer 2016 und kurz darauf bei der ersten großen Verlegung von Stolpersteinen auf privatem, aber öffentlich gut einsehbarem Grund. Diese Aktion führte uns kreuz und quer durch das Münchner Zentrum und bot ausgiebig Zeit für erste Gespräche. Dabei erläuterte mir Edith, dass sie zwar aktiv die Initiative „Stolpersteine für München e.V.“ unterstütze, bewusst dort aber nicht Mitglied sei, um unabhängig  von jenen Rücksichtnahmen zu bleiben, die die Mitgliedschaft in einem Verein mehr oder weniger beinhaltet. Ebenso wenig liegt ihr die verzwirbelte und alles weich spülende Rhetorik, die, im Namen politisch erforderlicher Kompromisse, unsere Volksvertreter*Innen zwangsläufig kennzeichnet. Meiner Meinung nach muss es ebenso „political correctness“ wie außerparlamentarischen Klartext geben, das eine jeweils als Korrektiv des anderen, wobei Edith, ebenso wie ich, uns letzterem verschrieben haben. – Weil wir gar nicht anders können 😉

Die große Stolperstein-Verlegung im Juli 2016 auf privatem Grund in München hat Edith Grube und mich zusammen geschweißt … Foto: Terry Swartzberg, Vorstand „Stolpersteine für München e.V.“

Leidenschaftlich engagiert, mit fundiertem Sachwissen und dabei mitunter im Ausdruck herzerfrischend baiuwarisch-krachert, so lesen sich im Internet die Posts von Edith Grube, auf die ich vor einiger Zeit aufmerksam wurde, nicht zuletzt, weil Edith weitestgehend die selben politischen Standpunkte und Werte wie ich vertritt, seinerzeit vor allem allem in Bezug auf das Verbot der Verlegung von Stolpersteinen in München und der Sorge wegen des wachsenden Rechtsrucks in unserer Gesellschaft. Allerdings positioniert sich Edith kompromissloser, ist sie doch im Schatten des Holocaust aufgewachsen:

1938 lebten die Grubes in einer Wohnung der jüdischen Gemeinde. Bevor sie von dort vertrieben wurden, erlebten sie vom Wohnzimmerfenster aus noch die Zerstörung der Alten Hauptsynagoge

Ihr Vater Werner und ihr Onkel Ernst Grube waren, als Söhne einer Jüdin, die in die protestantische Familie Grube eingeheiratet hatte, noch am 21. Februar 1945, gemeinsam mit der Mutter, von den Nationalsozialisten nach Theresienstadt deportiert worden. Der späte Zeitpunkt der Deportation rettete ihnen das Leben und war der Charakterstärke des „arischen“ Vaters zu verdanken. Dieser hatte sich stets einer Scheidung von seiner jüdischen Frau widersetzt, trotz massiven Drucks des Regimes. Ernst Grube äußerte gegenüber Edith, dass ihm dadurch von seinem Vater zum zweiten Mal das Leben geschenkt worden sei. Wer kann das schon von  seinem Papa sagen, kommentierte Edith, als sie mir einmal die Geschichte ihrer Familie erzählte. Zivilcourage bewies Großvater Grube auch im alltäglichen Umgang mit nationalsozialistischen Verfügungen. So unternahm er mit seinen Buben Werner und Ernst einen Ausflug in den Tierpark Hellabrunn , obwohl jüdischen Kindern der Zutritt zum Zoo verboten war. Der Vater zog den Kindern einfach einen Mantel über deren Judenstern und ermöglichte ihnen einen Nachmittag voller kindlicher Freude und einem Hauch Normalität. Die Notwendigkeit zu Zivilcourage und politischer Wachsamkeit ergibt sich für Edith entsprechend schon aus der Chronik ihrer Familie …

Ernst Grube während seiner bemerkenswerten Dankesrede zum Georg-Elser-Preis 2017 im NS-Dokumentationszentrum München. Sehr traurig für Edith, dass ihr Vater diesen Augenblick, im Kreis der Familienangehörigen, nicht mehr erleben durfte; Foto: Titelmotiv meines entsprechenden Blogbeitrags

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass sich die Brüder Grube nach dem Krieg für die Aufklärung über den Holocaust, für  Menschenrechte und Demokratie engagierten. Ediths Vater Werner Grube starb bereits vor einigen Jahren, ihr Onkel Ernst Grube jedoch ist aktuell Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau sowie Landessprecher der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes. 2017 wurde er von der Landeshauptstadt München mit dem Georg-Elser-Preis ausgezeichnet. Dabei heißt es unter anderem in der Begründung der Jury:  Nicht die Bequemen verteidigen die Demokratie …

Seltener Freizeit-Spass: Werner Grube beim Tanz mit der Ex-Schwiegertochter, um 1980

…. und oft erweisen sie sich auch im Familienkreis als keine ganz einfachen Zeitgenossen … Der Gedanke, einmal hinter die Kulissen einer solchen Familie blicken zu dürfen, beschäftigte mich schon einige Zeit, und so bat ich Edith um ein Interview darüber, was es für sie bedeutet, „eine Grube“ zu sein. Tochter eines Vaters zudem, dessen Jähzorn ihm den Spitznamen „Louis de Funes“ eingebracht hatte. Edith skizzierte das Familienbild konsequenter Linker. Ediths Mutter Josepha teilte das politische Engagement ihres Mannes. Beide Eltern verbanden sich mit politisch Gleichgesinnten, um gemeinsam dafür kämpfen dass Nazis nicht wieder an die Macht kommen. Mama hat mit vielen Jugoslawinnen zusammen gearbeitet, war Personal-Rätin und in der Gewerkschaft.

Klein-Edith (ganz rechts) als „Heidenkind“ bei einer Prozession; Foto Anfang der 1960er Jahre, Haidhausen

Edith fühlte früh, dass ich nicht gleich war mit den anderen. Ich war die kleinste, nicht getauft, besuchte aber den angegliederten Kindergarten eines katholischen Knabenheims am Johannisplatz, denn beide Eltern mussten arbeiten, Mama als Putzfrau im Deutschen Museum und mein Vater als selbstständiger Malergehilfe, erinnerte sich Edith, die damals mit ihren Eltern im Herzen Haidhausens wohnte. Bereits dort zeigte sich ihr ausgeprägter Eigensinn. Weil ich mich so aufgeführt habe, gelang es Klein-Edith sogar, vom eigentlich obligatorischen Mittagsschlaf entbunden zu werden, was einzigartig in der Geschichte aller Kindergärten dieser Welt sein dürfte … 😉

Wildfang Edith auf dem Spielplatz vor der Kirche St. Johann Baptist in Haidhausen, Anfang der 1960er Jahre

Dass sie sich ständig auf Konfrontationskurs begab, führt Edith auch darauf zurück, dass sie 10 Jahre nach ihrem Bruder Bernhard geboren wurde, dem sie die vielen Freiheiten des Älteren neidete. Aber vor allen dürfte sich die traumatische Vergangenheit des Vaters und der Großeltern auf sie ausgewirkt haben. Schon mit circa sechs, sieben Jahren begleitete sie den Vater zu Mai-Kundgebungen, Demos sowie Gedenkveranstaltungen im KZ-Dachau, ohne damals die Zusammenhänge zu begreifen. Vielmehr blieben ihr solcherart Veranstaltungen als Remmidemmi mit Fahnen in Erinnerung, bei denen wir Kinder fangen gespielt haben.

Die Brüder Ernst (li) und Werner Grube, Holocaust-Überlebende und sehr verschiedene Seiten einer Medaille

Damals lagen hinter den Grube-Brüdern bereits bewegte Jahre der Nachkriegszeit, in die das Schicksal zwei blutjunge traumatisierte Männer entlassen hatte, die dafür brannten, der Welt die Augen zu öffnen, für das Schreckliche, das sie erlebt hatten. Doch die Nachkriegsgesellschaft zeigte kein Interesse, wollte in die Zukunft blicken. Im Haus der Grubes hingegen standen der persönliche Einsatz dafür, dass sich sowas nie wiederholt und die damit verbundene politische Arbeit, immer an erster Stelle. Dabei orientierten sich die Brüder, als Gegenreaktion zum NS-Regime, politisch nach links, obgleich zu der Zeit bereits ein Amerika-Aufenthalt hinter Werner lag, aber da war er ja noch Jude und noch nicht Kommunist, kommentiert im Nachgang die Tochter.

Babyfoto von Edith Grube, die 10 Jahre nach ihrem Bruder Bernhard zur Welt kam

Die Vergangenheit des Vaters nahm in ihrer Kindheit zunächst nur zögerlich Gestalt an. Auf dem Firmenschild der Grubes prangte neben dem Namenszug Malerbetrieb – Werner Grube öfter mal ein hingeschmierter Davidstern … Zu Hause gab es auch einen Kasperl, den hatte Werner Grube von seinem Kindheitsfreund Bernhard Ostertag geschenkt bekommen, mit der Zusicherung: „Wir sehen uns wieder.“ Doch stattdessen fuhr der kleine Bernhard nichts ahnend in den Tod. Dass sein Sohn nach dem Freund aus Kindertagen benannt werden würde, stand für Werner Grube noch vor seiner Eheschließung fest und so kam es dann auch. Für Nachzüglerin Edith hatte der sowohl beruflich wie auch politisch stark eingebundene Vater wenig Zeit. Im Rückblick kann sie sich nicht daran erinnern, jemals auf dem Schoss meines Vaters gesessen zu sein. Eine einzige Kino-Vorstellung besuchte er mit ihr, die daher unvergessen blieb: „Walt Disneys Dschungelbuch“. Vielmehr wurden der kleinen Edith – zwar nicht ganz kindgerecht, aber auch nicht verkehrt – praktische Kenntnisse vermittelt, wie der Umgang mit einer Laubsäge und das Tapezieren. Er lehrte sie aus dem, was Du hast, mit dem geringsten Aufwand das Beste zu machen.

Edith Grube kurz vor dem Teenager-Alter

Auf Grund der DKP-Beziehungen des Vaters ging es ab 1970 für Edith jedes Jahr zur Jungpionier-Erholung in die DDR. Sie berichtete mir in schillernden Farben von einem gemeinschaftlichen Klo auf Donnerbalken, Bungalows mit Stockbetten, – ich immer im obersten -, Pioniertüchern in Rot und in Blau, zu binden mit einem bestimmten Knoten und dem obligatorischen Morgenappell. Die Aufenthalte erstreckten sich immer über zwei bis drei Wochen und machten Edith anfangs großen Spaß. Sie spielte zusammen mit den anderen Kiddies von Parteigenossen. Man war gut beschäftigt, aber irgendwann empfand Edith ihre DDR-Kameraden als zu aufdringlich: Die wollten von mir Jeans und Mickey Mouse und so, und das hat mir die Luft genommen. An ihren letzten Aufenthalt im Ferienlager,1977, erinnert Edith sich noch besonders gut: Da ist der Elvis gestorben. Das war vielleicht ein Geheule im Bungalow! Mädchen und Jungens schliefen in getrennten Bungalows – und ich bin dann nachts immer zu den Jungs rüber …

Edith in jungen Jahren

Über seine Jugend in der NS-Zeit sprach der Vater nie; es gab genug anderes zu tun, zum einen als selbstständiger Handwerker, sowie auf Kundgebungen, gegen den  Vietnam-Krieg, es gab die Spannungen um Israel, die Friedensbewegung der Hippie Flowerzeiten. Die Schatten der Vergangenheit gewahrte die junge Edith weiterhin nur am Rande, wenn bei uns das Firmenschild mit dem wieder einmal mit Schmierereien verunstaltet worden war. Als dann noch auf der Plakatwand gegenüber der Satz „Judas verrecke“ zu lesen war, reichte es Werner Grube. Erwandte sich an die Polizei und stellte sich als „Werner ISRAEL Grube“ vor.– Israel ist doch ein Staat? wunderte sich die kleine Edith. Der Vater klärte auf. Die Polizeit tat – nichts! Mit den Jahren schlichen sich verstärkt Anzeichen eines neu aufkeimenden Rechtsextremismus in das Leben der Grubes ein: Da haben wir im 2. Stock einen von der Wehrsportgruppe Hofmann wohnen gehabt, den hab ich verprügelt, nachdem dieser antisemitische Tiraden zum besten gegeben hatte. Beschwerden bei der Polizei seien weiterhin sinnlos gewesen – Eine Erfahrung, aus der heraus Edith ihre zupackende Art entwickelt hat, frei nach dem Motto: „Hilf Dir selbst zu Deinem Recht, dann wird Dir geholfen!“ Und die ihr in jüngeren Jahren den Spitznamen „Schlägerbobbe“ einbrachte.

Edith in der für sie so typischen kämpferischen Pose, in den späten 1990er Jahren als Bedienung in Haidhausen

Der DKP vermochte Edith mit zunehmendem Alter nicht mehr viel abzugewinnen, so dass sie sich später der Eingliederung in die SDAJ (Soziale Deutsche Arbeiter Jugend) verweigerte, weil man in solchen politischen Zirkeln nur zusammen hockt und diskutiert, und das alles ganz ohne Gaudi. Auf Dauer erschien dem kritisch beobachtendem Teenager das alles zu doktrinär, so dass sie sich häufiger Grundsatz-Debatten mit ihrem Vater lieferte. Warum er denn im Westen lebe, wenn ihm das DDR-System soviel mehr zusagte? Mit der Zeit wurden Edith aber auch die Zusammenhänge klar, die zum politischen Tunnelblick des Vaters geführt hatten: Seine Befreiung aus dem Konzentrationslager, in letzter Minute, durch die Rote Armee. Als umso bedrückender erlebte er den Zusammenbruch des Kommunismus, blieb aber Zeit seines Lebens dieser Ideologie verbunden. Gemeinsam mit seinem Bruder Ernst trat er in späteren Jahren häufig als Zeitzeuge auf und sprach von jenen Erlebnissen, über die er daheim schwieg. Ich habe immer darauf gewartet, dass er mir  freiwillig etwas erzählt, war mit ihm auf diversen Veranstaltungen, habe gesehen, wie sein Mund schmal und sein Gesicht fahl wurde, sich Schweißperlen bildeten … Ich denke, es fällt einem leichter, Fremden gegenüber von schockierenden Erlebnissen und Eindrücken zu sprechen, weil der Rahmen dort kein persönlicher ist.

Edith mit Ehemann Robert am 60. Geburtstag von Gaby dos Santos,, im Haus von Terry Swartzberg, Juni 2018

Es gab jedoch einen Menschen, dem sich Werner Grube vor seinem Tod doch etwas mehr zu öffnen vermochte: Robert, Ediths späterer Ehemann, der mit seiner mentalen Nähe zu ihrem Vater die Weichen für die Nähe auch zu ihr stellte … Viele ihrer politischen und kulturellen Aktivitäten teilt er; allerdings mit Edith bei allem mitzuhalten, würde kein Mensch schaffen. Ich am allerwenigsten, doch hat mir Edith, im Rahmen meiner gesundheitlichen Möglichkeiten, gleich nach unserem Kennenlernen bei den Stolperstein-Aktionen, Zugang zu einer weiteren, für mich bis dahin unbekannten Welt verschafft: Die der unter uns, oft inkognito bzgl. ihrer ethnischen Abstammung, lebenden Minderheit der Sinti und Roma, über die unsere Mehrheitsgesellschaft bis heute kaum Konkretes weiß. Eines Tages „schleppte“ – anders lässt es sich im Nachgang kaum formulieren – mich Edith zu einer Institution namens „Madhouse„. Allein schon der Name verwirrte mich. Ich erfuhr, dass es sich hierbei um das Familienberatungszentrum für Sinti und Roma in München handelte, quasi im Alleingang vom Sinto Alexander Diepold vor 30 Jahren gegründet; eine dringend nötige Maßnahme, denn während die jüdische Minderheit gleich nach dem Krieg Reparationen erhielt, blieben die Lebensumstände der ziganen Ethnien in Deutschland lange prekär.

2.10.2016: Edith Grube, vorne, hat mich mit den Sinti-Schwestern Silvana und Ramona bekannt gemacht, sowie mit (ganz rechts) der Roma-Soziologin und Filmemacherin Iovanca Gaspar, Madhouse-Mitarbeiterin

Und da Edith keine Freundin halber Sachen ist, begann sie tatkräftig, Alexander Diepold bei seinem Anliegen zu unterstützen, einen festen Gedenktag für die in der NS-Zeit aus München deportierten und ermordeten Sinti und Roma zu etablieren. Seit 2018 steht nunmehr der 13. März als fester Termin in der Erinnerungs-Agenda der Landeshauptstadt München fest: Ihre Geschichten sind unsere Erinnerungen … Nach Monaten als Ehrenamtliche arbeitet Edith inzwischen offiziell als Verwaltungsangestellte bei Madhouse und koordiniert zudem die kulturelle Zusammenarbeit von Alexander Diepold, in Fragen der Sinti- und Roma-Kultur, mit der Kulturplattform jourfixe-muenchen, bei der er jetzt Mitglied ist.

Red Carpet und Promis? Kein Thema fur Edith, die gerade Chansonnier Albrecht von Weech (rechts sitzend) („Kann denn Liebe Sünde sein? – Bruno Balz„) über die Lebenssituation der Sinti und Roma aufklärt; Oktober 2017, bei der Benefiz-Vernissage „We Are All The Same“ von jourfixe-Mitglied, Fotokünstler Dirk Schiff

Neben Angelica Fell, geschäftsführender Vorstand der inklusiven Freien Bühne München, empfinde ich Edith als die begnadetste und eloquenteste – manchmal fast zu sehr 😉 – Netzwerkerin überhaupt! Immer wieder erlebe ich, wie Edith die Fäden – respektive Menschen – zu irgendeiner neuen, politisch und oder kulturell wirksamen Task Force zusammen führt. Widerspruch zwecklos! Dabei stattet sie alle von ihr Auserkorenen mit dem jeweils erforderlichen Hintergrundwissen aus. Kein Wunder, sondern folgerichtig, dass ich kurz nach unserem Kennenlernen feststellen durfte, dass sich mein bester Freund und jourfixe-Vorstand Jon Michael Winkler und Edith bereits seit den 1990er Jahren kennen und schätzen, als sie in Jons Stammkneipe als Bedienung arbeitete. Dank Edith haben sich in meinem Leben in letzter Zeit viele Kreise geschlossen … Hinzu kommt ihre große Hilfsbereitschaft: Wann auch immer in den beiden letzten Jahren Not am Mann bzw. an mir Frau herrschte, fand sich Edith ohne Umschweife bereit, ob als Begleitperson nach einer Gastroskopie oder als ehrenamtliche Kassenkraft bei meinem letzten Auftritt im Gasteig.

Kennen und mögen sich schon lange: Jon Michael Winkler und Edith als ehrenamtliche Kassierer, im Sommer  2018 im Gasteig, zur Aufführung des Historicals  „Franzsiska zu Reventlow

Auf Grund ihres angeborenen Selbstverständnisses als Aktivistin, liest Edith ununterbrochen, recherchiert, vergleicht und analysiert Posts und Prints jedweder Art und leitet im Netz weiter, wie viele andere auch, was ihr wissenswert erscheint. Geprägt durch die Biografie ihrer Familie, hat dabei für Edith jedes Thema Priorität, das sich mit Menschenrechten und deren Beschneidung auseinander setzt. Ein für die Tochter eines halbjüdischen Holocaust-Überlebenden und politischen Aktivisten nachvollziehbares Verhalten. So jemand gehört meiner Meinung nach nicht wegen irgendwelcher juristischen Spitzfindigkeiten vor ein Strafgericht gestellt! Obwohl – oder gerade weil – in Bayern und insbesondere in München, mitunter die Uhren etwas anders zu ticken scheinen …

Edith Grube mit Gaby dos Santos 2017 im NS-Dokumentationszentrum in München

Edith Grubes erster Prozess-Termin ist Mittwoch, 17.10.18, 11:30 Uhr, Amtsgericht München, Nymphenburger Str. 16, Raum A124


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Geburtstag auf Wolke 7: Fotostrecke, Kommentare und weiterführende Links zur Künstlerfeier an meinem 60. Geburtstag, 4. Juni 2018, bei Terry Swartzberg in München

Runde Geburtstage verleiten mich regelmäßig zum Kassensturz: Wo genau stehe ich an diesem Stichtag, in Bezug auf meine Pläne, Ziele, Überzeugungen und auf meine Gefühlswelt? Und wer steht an meiner Seite, beziehungsweise mir zur Seite? Nehme ich den aktuellen, sechzigsten Geburtstag zum Maßstab, fällt meine biografische Zwischenbilanz um so vieles besser aus, als mir selbst bislang bewusst war. Von der Zuneigung meiner Gäste fühlte ich mich regelrecht eingelullt, von vielen liebevollen Gesten, Zuwendungen, Worten und künstlerischen Darbietungen. Dass die Gästeliste sich fast ausschließlich aus künstlerischen WegbegleiterInnen und engen KooperationspartnerInnen unterschiedlichstem Datums zusammensetzte, spielte dabei für mich keine Rolle, denn in meinem Leben verlaufen die Grenzen zwischen künstlerischer, beziehungsweise kultureller Arbeitswelt und Privatleben seit Jahrzehnten fließend.

Glücklich – Gaby dos Santos am 60. Geburtstag. Links im Hintergrund Christiane von Nordenskjöld, Kustodin (Ateliermuseum) der Magda-Bittner-Simmet-Stiftung

Die prägnantesten Momentaufnahmen, festgehalten von mehreren Gästen, habe ich in nachstehender Fotostrecke zusammengestellt, kommentierjt und verlinkt, weil diese nicht nur eine schöne Erinnerung für mich – und hoffentlich für meine Gäste – darstellen, sondern auch widerspiegeln, wofür die Kulturplattform jourfixe-muenchen steht. Nachfolgendes Gruppenfoto zeigt zwar nicht alle der geladenen !80 Gästen, aber einen guten Querschnitt:

Kurz vor Beginn der Künstler-Session: HINTEN von links: Manuela Rosenkind (Illustratorin, Autorin „Mia Meilenstein„), Harry Rosenkind (Musik-Promoter, Schlagzeuger der Kultrockband „Sahara“), Elisabeth Sorger (Malerin, Sprecherin der MKG-Münchner Künstlergenossenschaft), Reiner Mauthe, Catherine Houdayer (Modeexpertin), Jörn Pfennig (Lyriker, Bestseller mit „Grundlos zärtlich“), ganz an der Wand Arno Baum (Musik-Booker, Bassist der Progressive-Rockband PROGNOSTIC) und ansatzweise zu sehen Piaistin Masako Ohta; MITTLERE REIHE im Sessel: Ulrike Keil (Musikwissenschaftlerin, Pressechefin von Musikerlebnis/Tonicale, musica femina münchen) mit Ehemann, Michaila Kühnemann (Film- und Radiomacherin RADIO MÜNCHEN, Kabarettistin, Liedermacherin), Peter Lang (Inhaber Artist Studio München, als Musiker Mitbegründer der ungarischen Kultbands Hungaria und Omega), Claudia Cane (Rockröhre), VORNE, neben mir, Christine Weissbarth (Schauspielerin, Moderatorin und Referentin bei der Hanns-Seidel-Stiftung) sowie, halbverdeckt, Cecilia Gagliardi (Sängerin, Gitarristin, Theater im Roßstall/Germering)

Die  Kulturplattform jourfixe-muenchen steht seit fast zwanzig Jahren für kulturelle und künstlerische Vielfalt, mit dem Ziel gegenseitiger Inspiration und der Bildung von Synergien. Diese Vielfalt spiegelte sich in der Geburtstagsfeier wieder: Die Künstler- und Kulturschaffenden des jourfixe sind unterschiedlichster Couleur, doch bilden Know How, Offenheit und Interesse gegenüber anderen Kunstformen, Freude an künstlerischen Synergien und multidisziplinären Projekten einen kittenden, gemeinsamen Nenner. Als Mitglied kann man sich bei uns nicht bewerben; statt dessen spreche ich gezielt Kunst- und Kulturschaffende an, die ich mir als Bereicherung unseres künstlerischen Pools erhoffe, zur Entwicklung gemeinsamer Projekte und gegenseitigen Unterstützung.

Gastgeber Terry Swartzberg, Journalist, PR-Fachmann und Vorsitzender von „Stolpersteine für München e.V.“ stellte mir für meine Geburtstagsfeier sein historisches Häuschen am Nockerberg zur Verfügung und ermöglichte so einen unvergesslichen Abend! Foto: Dirk Schiff (portraitiert.de)

Apropos gegenseitige Unterstützung: Eben mal sein ganzes Haus für die Feier zu meinem 60. Geburtstag zur Verfügung stellen – das macht ihm so schnell keiner nach und entspricht seinem Wesen: Für den Kosmopoliten Terry Swartzberg sind Aufgeschlossenheit, soziales Engagement (u.a. in seinen PR-Kampagnen) und phantasievoll gestaltete Lebensfreude zwei Seiten einer Medaille. Nach rund 25 Jahren als Korrespondent für die International Herald Tribune, gilt sein großes Engagement seit einigen Jahren dem Verein Stolpersteine für München e.V., dem er vorsteht und mit dem er aktuell ein großes Sommerfest vorbereitet, am Mittwoch, 20. Juni 2018, um 20 Uhr, bei freiem Eintritt im Jüdischen Museum München, mehr unter jourfixe-News. Und einmal mehr ist einfach jede/r herzlich willkommen! Ohne Anmeldung und bei freiem Eintritt.

„Gabys gute Geister“ nannte meine Freundin Edith Grube Reiner Mauthe, Marianne Niederkofler, Sigi Blässer und Jon Michael Winkler; Letzterer ist nicht nur mein enger Vertrauter sondern auch Erster Vorsitzender des jourfixe-Vereins. Für mich bedeuten die vier Menschen auf obigem Foto weit mehr als Mainzelmännchen! Mit ihnen ist in Teilen mein Leben verwoben. Fest steht aber auch, dass  ohne deren Hilfe diese Geburtstagsfeier gar nicht zu stemmen gewesen wäre. Der untere Bildteil zeigt einen Ausschnitt des üppigen Büffets: Alle Gäste waren gebeten worden, Speisen und Getränke anstelle von Geschenken mitzubringen. Foto: Stey

 

Geburtstagskind Gaby dos Santos führt Prof. Thomas Pekny, Intendant Komödie im Bayerischen Hof, durch Terry Swartzbergs historisches Domizil am Nockerberg, Foto: Oliver Stey

 

Theaterwelten: Angelica und Lili Fell, Geschäftsführung der inklusiven FBM-Freien Bühne München mit Thomas Pekny, Chef der Komödie im Bayerischen Hof; Foto: Dirk Schiff

 

Kommt Moses nicht zum Berg … Nachdem es im Winter wegen einer Endlosschlange nicht möglich gewesen war, das Rockmuseum im Olyimpiaturm zu erreichen, kam dessen Betreiber, Herbert Hauke eben zu uns. Neben ihm seine Frau Gabi, Tourbegleiterin und Assistentin von Sissi Perlinger; Foto: Schiff

 

Foto links: Die finnische Sängerin Tuija Komi im Gespräch mit musica-femina-Grafikerin Irmgard Voigt; Foto rechts: Claudia Strauch (Strauch Media) im Gespräch mit Behar Heinemann, links und  Petra Windisch de Lates (Vorstand Lebensbrücke e.V. und J.I.M.-Jazzmusiker Initiative München)

 

Foto links: Das Sänger-Ehepaar Maya und Charles Logan; Rechts schneide ich eine der Geburtstagstorten an, die mir Gäste gebacken haben, assistiert von Gabi Hauke, dahinter jourfixe-Gründungsmitglied Angelika Grimm (Sozialpädagogin); Foto: Elisabeth Sorger

 

V.l. Alexander Diepold (Madhouse), hat gerade in München den alljährlichen Gedenktag für die im Holocaust ermordeten Sinti und Roma durchgesetzt, daneben Eva Giesel, Litag Theaterverlag, rechts Uta Horstmann, Bundesverdienskreuzträgerin für ihr lebenslanges Engagement für Sinti & Roma, auf den Stufen Esthera und Artur Silber (Musik-Manager DownTown Studios,PR–Agentur Silberpfeil, Schlagzeuger, u.a. PROGNOSTIC)

 

Unter den Nazis wurden ihre Ethnien unter dem Sammelbegriff „Zigeuner“ verfolgt, doch hier ist Differenzierung angesagt: Von links: Oliver Stey, aus einer Zirkus- und Schausteller-Dynastie, der das größte Privatarchiv dazu führt, die schillernde Behar Heinemann, eine, wie sie es selbst formuliert „stolze Rom“ (Autorin und Kulturmanagerin) sowie der Sinto Alexander Diepold (Madhouse-Chef), dem München seit diesem Jahr einen festen Gedenktag für die verfolgten Sinti & Roma verdankt; Fotos: Dirk Schiff

 

Fotografin Anne Schiff – Mit ihr und ihrer Familie erlebe ich immer wieder kuschelige private Stunden; Rechts Stephanie Bachhuber (Bayer. Staatsoper) Am Vortrag meines Geburtstags feierten wir den 20. Jahrestag unserer Freundschaft! Fotos: Dirk Schiff

 

Geniales Geschenk von Naomi Isaacs (Institute for Charismology): Ein Kaleidoskop – zeitlose Freude! Links von ihr Reiner Mauthe, rechts Sänger Charles B. Logan, an der improvisierten Bar; Rechtes Bild: Ulrich Floßdorf, Traumatherapeuth etc. bei Alexander Diepolds Familienberatungsstelle Madhouse; Foto: Stey

 

Die finnische Sängerin Tuija Komi kam auf Krücken! Und verstand sich mit Gastgeber Terry Swartzberg offensichtlich prima. Für mich ist sie ein veritabler Sonnenschein, kann aber auch „traurig“ und sang später bei der Session à capella ein melancholisches finnisches Gänsehaut-Lied; Fotos: Dirk Schiff

 

Von links: Petra Windisch de Lates (Vorstand Lebensbrücke e.V. und J.I.M.-Jazzmusiker Initiative München), Kriminalautorin Sabine Vöhringer („Die Montez Juwelen„) Michaila Kühnemann, Radio München, Moderatorin, Filmemacherin, Kabarettistin, Musikerin, Foto/Ausschnitte von Oliver Stey

 

Blick von Terry Swarzbergs Terrasse in den Innenhof. Von vorne links: Dr. Ulrich Schäfert, Leiter Kunstpastoral der Erzdiözese,, Grafikerin/Illustratorin Elena Buono, Heidi und Peter Lang, Artist Studio und Kulturjournalistin Heidi Weidner; ganz re. Sängerin Tuija Komi; Foto: Oliver Stey

 

Totale des Innenhofs – Im Vordergrund zu sehen ist Regisseur Rüdiger Nüchtern, ganz hinten wird es Italienisch: An der Wand die Grafikerin und Illustratorin Elena Buono und vor Ihr die Sängerin und Kabarettistin Cecilia Gagliardi, die einer römischen Künstlerdynastie entstammt; Foto: Dirk Schiff

Links neben Musikerin Cecilia Gagliardi (Theater im Roßstall/Germerin) die japanische Pianistin Masako Ohta, bei der ich mich fragte, wie sie aus einem Keyboard in Schoß-Format derart perlende Klänge zu zaubern vermochte. Rechts Sängerin Linda Jo Rizzo, die kürzlich das Hippodrom zum Kochen brachte. Foto-Ausschnitte: Dirk Schiff

Höhepunkt der Feier waren sicherlich die Geburtstagsständchen der MusikerInnen unter den Gästen sowie ein eigens zu meinem Geburtstag getextetes Gedicht SIXTY SEXY GABY des Lyrikers Jörn Pfennig! Große Freude! …

Lyriker Jörn Pfennig, zwei Ausschnitte von Fotos von Dirk Schiff

Vorbemerkung:

Eines Deutschen Dichters Scheitern
ist für ihn und die Welt ein wahrer Graus.
Doch manchmal kann es beide auch erheitern –
probieren wir’s doch einfach mal aus:

Das Gedicht:

Der Deutsche Dichter muss ja nicht denken –
von dieser Pflicht hat sein Volk ihn befreit
um sie dem Deutschen Denker zu schenken
der sich immer schon sehr
aber seither noch mehr
schier unglaublicher Bedeutung erfreut.
(… mehr)

Stimmungsbild während der temperamentvollen Performance von Jazz-Sängerin Jenny Evans; rechts außen Hausherr Terry Swartzberg, neben ihm Jazz-Sänger Thomas de Lates, Foto: Oliver Stey

 

Zwei Momente der Performance von Jazz-Sängerin Jenny Evans: Ein peppiges Lied à capella und aus eigener Feder über die Vorzüge reifer Frauen; Jennys Auftritt berührte mich sehr, denn oft war ich früher in ihrem Jazz-Lokal Jenny’s Place zu Gast gewesen und hätte mir nie träumen lassen, sie einmal als Geburtstagsgast zu begrüßen … Foto-Ausschnitte: Dirk Schiff

 

Csaba Gal, Leiter des Künstlerkreises Kaleidoskop und Cecilia Gagliardi (‚Theater im Roßstall/Germering) singen „Bella Ciao“, das „House Of Rising Sun“ Italiens, Foto: Dirk Schiff

 

Mitwirkende an der Künstlersession: Jazz-Sänger Thomas de Lates und zwei der Musiker der Progressive-Rockband PROGNOSTIC: Keyborder Martin Stellmacher und Sänger Charles B. Logan

 

Vertraute aus wilden Zeiten: Journalistin Daniela Schwan (rechts neben mir). Links zu sehen ist Kabarettistin Karin Engelhard. Dahinter Klaus Onnich, Kurator MVG-Museums – Foto: Dirk Schiff

 

Ein schönes Portrait-Foto von Kulturjournalistin Daniela Schwan; Foto: Dirk Schiff (portraitiert.de)

 

Mit meinem alten Freund aus wilden Datscha-Zeiten, Zarko Mrdjanov, Gitarrist von Massel Tov, meiner Schwägerin Sigi und Heidi Lang vom Artist Studio, Foto: Dirk Schiff

 

Elisabeth Sorger, Malerin und Sprecherin der MKG – Münchner Künstlergenossenschaft, Martin Hubensteiner, Ausstellungsmacher der LV1871, Gaby dos Santos und Christine Weissbarth, Referentin/Moderatorin der Hanns-Seidel-Stiftung, Foto: Dirk Schiff

 

In der Mitte Claudia Weigel, (Parlamentarische Beraterin Hochschul- und Kulturpolitik, Fauenpolitik für die BayernSPD Landtagsfraktion), links Autorin Gunna Wendt, nach deren Biografie über Franziska zu Reventlow wir zur Zeit, gemeinsam mit Musikerin Michaela Dietl, eine Collage zum 100. Todestag produzieren

 

Renate Lettenbauer und Lising Pagenstecher, wie ich Mitglieder von musica femina münchen    und Rockröhre Claudia Cane, die später Janis Joplins „Mercedes Benz“ sang; Foto: Dirk Schiff

 

Meine Freundin Edith Grube, Tochter und Nichte der KZ-Überlebenden Werner und Ernst Grube; Aktivistin (Stolpersteine für München e.V.) und Verwaltungssupervisor bei Madhouse, mit ihrem Mann Robert; Links: Harry Rosenkind (Musikpromoter und Schlagzeuger der Kult-Rockband „Sahara„)

 

Meine Collage über Textdichter Bruno Balz brachte mich mit diesen beiden Herren zusammen: Mein Bühnenpartner Lutz Bembenneck (li) und der „Experte“ für die Talkrunde nach der Aufführung, Albert Knoll, Archivar der KZ-Gedenkstätte Dachau und Vorstand des Forums Homosexualität München,

 

Unsere beiden jourfixe-Fotografen einmal selbst vor der Linse von Oliver Stey: Links: Dirk Schiff/ portraitiert.de und rechts Bernd Sannwald, ein As in abstraktv wirkender Detail-Fotografie

 

Dieses Portrait von Naomi Isaacs fand Dirk Schiff (portraitiert.de) so ansprechend, dass er spontan beschloss, es in seine neue Herbst-Ausstellung „Münchner und Zuagroste“ einzubeziehen. Wie bereits seine erfolgreiche Ausstellung im Vorjahr mit Uschi Glas, „We are all the same“, findet die Vernissage im Hotel Le Méridien statt, diesmal zugunsten von Jutta Speidels HORIZONT e.V.

 

Es ist spät geworden … Christiane von Nordenskjöld, Kustodin (Ateliermuseum) der Magda-Bittner-Simmet-Stiftung im Gespräch mit Jon Michael Winkler;; Foto: Stey

 

Ein glückliches Geburtstagskind sagt: „Danke!“


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„Ihre Geschichten sind unsere Erinnerungen“ – Eindrücke, Bilder, Videos & Anmerkungen zum 75. Jahrestag der Deportation der Münchner Sinti & Roma

„Ihre Geschichten sind unsere Erinnerungen“ – lautete ein Kernsatz von Mitveranstalter Alexander Diepold an diesem außergewöhnlichen Tag, den die Landeshauptstadt München, nach 75 Jahren, erstmals dem Gedenken an die deportierten und zum größten Teil ermordeten Sinti, Reisenden, RomaJenischen, Gaukler & Komödianten widmete. Siehe dazu auch den jourfixe-Blogbeitrag „Porajmos“: „Das Verschlingen“.

Sinteza Ramona Röder im Herbst 2016 bei Eröffnung der Ausstellung über die Verfolgung der Sinti, Roma, Jenischen, Reisenden, Gaukler & Komödianten in der NS-Zeit – Ramonas Vater wurde ein Opfer der Experimente an Zigeunerkindern von NS-Arzt Josef Mengele. Ramonas Kommentar: „Der Mengele war so ein schöner Mann! Wie konnte er nur?“ Foto: Stey

Wie schon im Herbst 2016, bei der Eröffnung der ersten Münchner Ausstellung, die der Verfolgung der Sinti und Roma gewidmet war, herrschte auf dem Münchner Platz der Opfer des Nationalsozialismus eine sehr familiäre Atmosphäre, was leider auch daran lag, dass sich seitens der Münchner „Mehrheitsgesellschaft“ weniger BürgerInnen vor Ort einfanden, als erhofft, ein Umstand, der sicher auch der Uhrzeit geschuldet war, tagsüber, mitten in der Arbeitswoche … sowie dem eisigen Wind.

Vertrauter Umgang: Ganz links. Dipl. Sozialarbeiterin Uta Horstmann, die für ihr lebenslanges Engagement für Sinti & Roma 2016 das Bundesverdienstkreuz erhielt; sitzend Erich Schneeberger, bayerischer Landesvorsitzender im Verband deutscher Sinti & Roma, li. dahinter Roberto Paskowski, Vorstandsmitglied im Landesverband Bayern deutscher Sinti und Roma, daneben der KZ-Überlebende Peter Höllenreiner, re. Alexander Diepold, Gründer und Leiter, seit 30 Jahren von Madhouse – Münchner Beratungsstelle für Sinti & Roma und Initiator dieser erstmaligen Münchner Gedenkreihe, neben ihm Archivar Oliver Stey (Angehöriger der „Gaukler & Komödianten“)

Mitglieder der Familie Höllenreiner, die ich schon beim Gedenkgottesdienst getroffen hatte, den Angelika (hinten) als Sängerin mitgestaltet hatte; Foto: O. Stey

Das „Hallo“ dafür war umso lebhafter. Man kennt einander, ist oft, zumindest über drei Ecken, mit einander verwandt und beklagt gemeinsam zahlreiche Familienmitglieder unter den Opfern des Holocaust.

Mit Initator Alexander Diepold , selbst ein Sinto und Gründer/Leiter von Madhouse München, Foto: Roberto Paskowski

 

 

Auch für mich fanden an diesem Nachmittag viele Wiedersehen statt, mit FreundInnen und lieben Bekannten, die in den letzten zwei Jahren mehr und mehr zum Bestandteil meines engeren Umfelds geworden sind.

An diesem Dienstag waren wir auch im Bibbern vereint, da sich der Platz als äußerst zugig erwies. Mir taten vor allem die Musiker leid: Violinist Sandro Roy und Gitarrist Walter Abt spielten auf einer Bühne, die zwar überdacht, seitlich und hinten aber nicht geschützt war!  Ich tippte auf Fingerübungen „in ganz klamm“. 😦 Das tat jedoch dem Wohlklang keinen Abbruch.  Profi-Künstler entfalten auch unter widrigen Umständen ihr Können!

Mit Gitarrist Walter Abt und Violinist Sandro Roy mochte man an diesem Tag mit Sicherheit nicht tauschen! Es zog gnadenlos von allen Seite, doch das Duo hielt sich souverän.

Das Ausmass der Deportationswelle, die die Münchner Sinti und Roma Gemeinde im März 1943 überrollte, wurde bei der Gedenkfeier dadurch veranschaulicht, dass die Namen der Opfer, ergänzt durch die Daten zu Festnahme,  dem Ziel der Deportation und – in den meisten Fällen – auch dem Tag der Ermordung, verlesen wurden.

Marco, ein Mitglied der Familie Höllenreiner verliest die Namen und Daten zu den Deportationen in seiner Familie, die besonders massiv betroffen war. Im Hintergrund Alexander Adler, ein junger Sinto, der sich als Mediator in Schulen engagiert

Die Liste der „ziganen“ Münchner NS-Opfer nahm gefühlt kein Ende, und ich fragte mich, warum nur, bis zur Anerkennung des erlittenen Leids der Sinti und Roma während des Krieges und auch noch in den nachfolgenden Jahrzehnten, soviel Zeit hatte vergehen müssen?

Im obigen Video  von Gerhard Hallermayer (gh-film) finden sich die Reden von OB Reiter, Erich Schneeberger und Alexander Diepold

Eine junge Sinteza verliest Namen ihrer in der NS-Zeit verfolgten Angehörigen, ein Sinto hört bewegt zu; Foto: Oliver Stey

Die Ausgrenzung von Holocaust-Opfern nach dem Krieg griff auch Madhouse-Chef Alexander Diepold in seiner Rede auf, aus der ich ausschnittsweise zitiere:

Alexander Diepold bei seiner Rede; Foto Roberto Paskowski

„75 Jahre hat es gedauert, dass auch der Minderheit der Sinti und Roma in der Weise erinnert wird, dass sie hier, am Platz der Opfer der Nationalsozialisten geehrt und gewürdigt werden. (…) Vor einigen Jahren waren hier die Opfergruppen einzeln benannt, nicht aber Sinti und Roma. (…) Dieser Platz, an dem das Ewige Licht brennt und nicht mehr ausgeht, ist nun der Ort, an dem allen, wirklich ALLEN Opfern des Holocaust gedacht wird. (…) Das Licht steht dafür, dass Menschlichkeit, auch unter der Unterdrückung, nicht ausgelöscht werden kann.“ (Die ganze Rede im obigen Video)

Die Ansprache von OB Dieter Reiter, wurde seitens der Münchner Sinti & Roma durchweg sehr positiv aufgenommen; Foto: R. Paskowski

Dieser Gedenktag kam – ebenso wie der Staatsvertrag mit dem Freistaat Bayern im Februar 2018 – wie Oberbürgermeister Dieter Reiter es in seiner Rede formulierte – „nicht zu früh, aber besser heute als nie“. Stimmt! Schließlich gibt es immer noch genug zu tun, nicht nur in Hinblick auf die historische Aufarbeitung des „Porajmos“  (deutsch: „das Verschlingen“), dem Holocaust der Sinti und Roma, sondern auch in Hinblick auf die weiterhin bestehenden Defizite bzgl. einer kompletten Gleichstellung dieser Volksgruppe innerhalb unserer Mehrheitsgesellschaft in München, in Bayern, in Deutschland und europaweit!

Alexander Diepold, Initator der Gedenkwoche, im Interview; Foto: Behar Heinemann

Entsprechend schloss Alexander Diepold seine Ansprache mit den Worten: Wir hoffen, dass ein solcher Gedenktag und ein entsprechendes Rahmenprogramm auf die Sensibilisierung politischer Handlungsträger sowie zur Überwindung antiziganistischer Wahrnehmung in der Verwaltung beitragen kann. (…)“  – „… und ebenso in weiten Teilen der Bevölkerung,“ möchte ich hinzufügen. Wie viel Aufklärungsarbeit diesbezüglich noch vonnöten ist, stelle ich in meinem eigenen Umfeld immer wieder fest … Noch immer ist das Klischee der nomadenhaften, kriminellen und schmutzigen „Zigeuner“ in unserer Vorstellung verwurzelt. Reißerische Berichte über neueste Vergehen und bettelnde Banden von “Zigeunern“ untermauern solcherart Vorurteile und stehen einer differenzierten Betrachtung im Weg. (…)  Oft gar nicht als solche wahrgenommen werden hingegen die integrierten ziganen Mitbürger_Innen und oft sind sie es selbst, die noch immer ihre Identität verschleiern, aus – leider durchaus begründeter – Angst vor beruflichen wie privaten Nachteilen. (mehr in meinem jourfixe-Blogbeitrag 25.7.17).

Solidarisch: CSU-Stadtrat Marian Offman (re), Mitglied im Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern, mit dem bayerischen Landesvorsitzenden deutscher Sinti & Roma, E. Schneeberger

Daher bemühe ich mich, durch Berichterstattung über die Social-Media-Seiten meiner Kulturplattform jourfixe-muenchen sowie im jourfixe-Blog ein wenig zu einer den Tatsachen entsprechenden Wahrnehmung beizutragen. Was für mich als journalistisches Interesse im Herbst 2016 begann, ist mir inzwischen zu einer persönliches Herzensangelegenheit geworden!

Behar Heinemann, eine „stolze Rom“, wie sie sich selbst bezeichnet,  führt die Klischees einer „Zigeunerin“ ad absurdum: Attraktiv, gebildet, weitläufig vernetzt, arbeitet sie als Fotografin, Coach und Autorin, u.a. der vielbeachteten Biographie „Romani Rose, ein Leben für die Menschenrechte

Als unser aller Aufwärm-Station, bis zur Abendveranstaltung im Rathaus, diente dann der „Pub“ im Münchner Ratskeller, nicht wirklich zur Freude des Personals, das sich wenig fröhlich zeigte, angesichts der großen, bunten Menschengruppe, die sich unvermittelt eingefunden hatte.

„Gitano“ Josè Alfredo Maya/Spanische Delegation, Sinteza Ramona Röder, Patrick Treuvelot, Edith Grube/Kuratorin Madhouse, Sonja Günther-Mamudova, Münchner Ratskeller, Foto: Stey

Meine Freundin Ramona meinte, es läge daran, dass man sie als Sinti identifiziert habe. Beweisen ließ sich Ramonas Vermutung nicht, jedoch zeigte die Äußerung, wie sehr Ramona die Vorurteile sensibilisiert haben, denen sie ihr ganzes Leben lang als Sinteza ausgesetzt war …

Soziologin „Die starken Frauen der Sinti“ und preisgekrönte Filmemacherin Duii Roma„, Iovanca Gaspar, mit Ehemann Josef, beide Madhouse-Mitarbeiter

Jedenfalls setzte ich mich mit der Soziologin und Filmemacherin (Duii Roma), Iovanca Gaspar, an einen Tisch, gemeinsam mit ihrem Sohn, dem Pianisten, Komponisten und Musikwissenschaftler Adrian Gaspar (s. Foto u.), der für den Dokumentarfilm seiner Mutter einen bemerkenswerten Soundtrack vertont und im Carl-Orff-Saal des Gasteigs uraufgeführt hat. Adrian lebt und arbeitet vorwiegend in der Wiener Szene, leitet aber seit Januar in München die Impro-Musikreihe BRIDGEBEAT Jam, jeweils am letzten Mittwoch im Monat, im Kulturzentrum 2411.

Ein Roma-Pianist und ein Sinti-Geiger = zwei ausgezeichnete Musiker, beim kollegialen Plausch im Münchner Ratskeller: Adrian Gaspar, ein Macher der Wiener Musikszene (li) und der bereits international gefeierte Sandro Roy (re)

Die letzte Station der Gedenkfeierlichkeiten führte ins Münchner Rathaus, zu einem dieser hochoffiziellen Empfänge. Erstmals in der bundesrepublikanischen Chronik Münchens hatten sich dazu zahlreiche RepräsentantInnen der hiesigen Sinti- und Roma-Gemeinde im großen Sitzungssaal, der Schaltzentrale unserer Stadt eingefunden und teilweise ganz selbstverständlich in der ersten Reihe niedergelassen, die protokollarisch normalerweise, neben den Veranstaltern und unmittelbar Mitwirkenden, den Honoratioren der Stadt vorbehalten ist.

Gaby dos Santos, dahinter Ramona Röder, Romani Rose

Mir gefiel dieser ungewohnte Ausbruch aus den ehernen Regularien des Protokolls -mitten hinein in die zwischenmenschliche Parität. Doch standen auch genug leere Stühle zur Verfügung, da von städtischen FunktionsträgerInnen an diesem Abend eher wenige zu sehen waren, abgesehen von  der unermüdlichen Charlotte Knobloch, Präsidentin der IKG München, sowie einigen wenigen anderen, die durch ihre Anwesenheit Solidarität bekundeten,

Romani Rose im Gespräch mit Ilse Snopkowski, Foto: O. Stey

wie Ilse Ruth Snopkowski, Ehrenpräsidentin der Gesellschaft zur Förderung jüdischer Kultur und Tradition, für die ich 2011/2012 die Büroleitung und Organisation der 25. Jüdischen Kulturtage übernommen hatte. Als krank extra entschuldigt hatten sich der Grünen-Stadtrat Florian Roth sowie Claudia Stamm – Vorsitzende der Partei mut. Beide Politiker unterstützen die Interessen der Münchner Sinti und Roma schon seit einiger Zeit.

Bei der Rede von Erich Schneeberger, bayerischer Landesvorsitzender der deutschen Sinti & Roma: V. l. Dr. Andreas Häusler/Stadtarchiv, 3. vor dem Gang: Zeitzeuge Peter Höllenreiner, Romani Rose/Vorsitzender des deutschen Zentralrats der Sinti & Roma, Christine Strobl/SPD/2. Bürgermeisterin. Nach dem Mittelgang, v.li.: Polizeipräsident Hubertus Andrä, daneben Charlotte Knobloch/Vorsitzende der IKG München, neben ihr zwei Damen aus der Sinti-Gemeinde, eine davon, rechts außen, ist die Großmutter eines der Opfer des OEZ-Anschlags

Doch Sitzordnung hin oder her, befand man sich, mit dem Rathaus als Veranstaltungsort, im städtischen „LaLa-Land“ des Protokolls, das  – für mich – oft schwer nachvollziehbaren Hierarchien und Regeln folgt.

Behar Heinemann u. Marcella Reinhard/Regionalverband dt. Sinti & Roma in Augsburg (Bildmitte) im Gespräch mit Polizeipräsident Andrä; Foto: Stey

So begrüßte Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD),  neben dem Bundesvorsitzenden des Zentralrats deutscher Sinti und Roma, Romani Rose  und dem bayerischen  Landesvorsitzenden, Erich Schneeberger, die protokollarischen V.I.P.s und die Redner des Abends, wie der Münchner Polizeipräsident, Hubertus Andrä, außerdem die zwei anwesenden Stadträte, darunter mein SPD-Parteigenosse Christian Vorländer.

Die Münchner Bürgermeisterin Christine Strobl  (SPD) bei ihrer Begrüßungsrede im großen Sitzungssaal des Rathauses; Foto: Behar Heinemann

Nur Alexander Diepold, Initiator, in Kooperation mit u.a. der Landeshauptstadt München sowie dem Stadtarchiv UND Schlüsselfigur von Gedenktag und Themenwoche, blieb unerwähnt!? War möglicherweise einfach versäumt worden, seinen Namen unserer Bürgermeisterin in die Rede zu schreiben? Kann vorkommen, würde aber auch gewisse Schwachpunkte eines „Protokolls“ belegen, das, in den Spähren des „Honorigen“ konzipiert, Gefahr läuft, die eigentlichen ProtagonistInnen einer Veranstaltung zeitweilig zur Staffage geraten zu lassen. Selbst seit Jahrzehnten Veranstalterin, tat mir Alexander Diepold in diesem Moment menschlich sehr leid, da ich, auf Grund eigener Erfahrungen ahnte, wie viel Kraft und noch mehr Zeit er in die Verwirklichung dieses Anlasses gesteckt haben musste.

Romani Rose, Bundesvorsitzender Zentralrat deutscher Sinti & Roma

Dass in Folge auch der Bundesvorsitzende des Zentralrats deutscher Sinti und Roma, der von mir stets verehrte Romani Rose, Alexander Diepold und dessen Verdienste ebenfalls mit keinem Wort erwähnte, vermag ich nicht nachzuvollziehen, sind ihm doch das Engagement und die Verdienste Alexander Diepolds bekannt? Aber, wie gesagt, bleibt das Protokoll für mich sowieso ein Buch mit sieben Siegeln.

Erich Schneeberger; Foto: R. Paskowski

Glücklicherweise erwähnte danach zumindest der bayerische Landesvorsitzende deutscher Sinti und Roma, Erich Schneeberger, Alexander Diepold namentlich und sprach ihm seinen Dank aus! Außerdem begrüßte er in seiner Ansprache – vermutlich ein protokollarischer Routine geschuldeter Lapsus, „die hohe Geistlichkeit“, die tatsächlich aber komplett fehlte. Was für ein Manko, angesichts der unrühmlichen historischen Rolle einer zumindest unterlassenen Hilfeleistung, die die Kirche bei der Verfolgung der „Zigeuner“ im Dritten Reich spielte! > Siehe dazu Romani Roses Schilderungen im ZDF/bei Markus Lanz/12.09.14, Passage ab ca. Minute 6.

Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä hielt im Rathaus eine ungeschönte Rede zur Rolle der Polizei bei der Verfolgung der Sinti und Roma

Als Respekt einflößend, weil ebenso ungeschönt wie zukunftsweisend, empfand ich hingegen die Rede des Polizeipräsidenten Hubertus Andrä: (…) „Die Deportation von Münchner Kindern, Frauen und Männern heute vor 75 Jahren war ein Verbrechen. Es war ein Verbrechen aus rassistischen Gründen, begangen durch Angehörige und unter Mitwirkung der Münchner Polizei. Daran gibt es nichts zu deuteln. (…) Es ist mir eine Ehre, vor den Überlebenden, den Angehörigen der Opfer und den Menschen, die nicht müde wurden, auf das ihnen angetane Unrecht hinzuweisen, ein Grußwort sprechen zu dürfen. Dafür bin ich Ihnen sehr dankbar. Die Münchner Polizei ist sich ihrer Verantwortung vor der Vergangenheit bewusst. Wir schließen unsere Augen nicht vor der Schuld, die Münchner Polizeibeamte im
Nationalsozialismus auf sich geladen haben. (…) Die Diskriminierung der Sinti und Roma hat eine lange europäische Geschichte. Vorbehalte sind teilweise tief im kollektiven Bewusstsein verankert. Mangelndes Wissen über Geschichte und Gegenwart der Sinti und Roma gehen einher mit der Unterstellung einer Neigung zu abweichendem, ja kriminellem Verhalten. Diese gesellschaftlichen Vorurteile waren die Grundlage der Sondererfassung der Menschen durch die Polizei spätestens seit dem 19. Jahrhundert.

Die Rolle der (Münchner) Polizei bei der Verfolgung der Sinti und Roma war auch Thema einer gesonderten Veranstaltung im Polizeipräsidium; Foto: Oliver Stey

Erst im Jahr 1965 wurde die Dienststelle aufgelöst, die Kartei in den Jahren 1970 bis 1974 vernichtet. Für die Münchner Polizei geht es bei Ermittlungen um Taten und Täter, ohne Ansehen der jeweiligen Person, aber niemals um Abstammung oder Herkunft. Wir verstehen uns als Hüter der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und treten für die Sicherheit aller hier lebenden Menschen ein. (…) Die Vergangenheit sei  für die Gegenwart unerlässlich und würde an die jungen Polizeibeamten weitergegeben, als Hüter unserer demokratischen Gesellschaftsform. Solche Reden, in denen, statt irgendwelcher Floskeln, persönliche Empfindungen und Reflexionen spürbar werden, werten offizielle Empfänge für mich immer wieder auf, weil DER MENSCH hinter den WürdenträgerInnen, in berührenden Momentaufnahmen, wieder sichtbar wird …

Zu solchen besonderen Momenten – wie hätte es anders sein können – zählte auch die Rede von Peter Höllenreiner, der als Kind die medizinischen Versuche und Höllen verschiedener NS-Konzentrationslager überlebt hat. „Ich bin ein verfolgter DEUTSCHER.“  So bezeichnete sich der Münchner Sinto und Zeitzeuge selbst bei seiner Gänsehaut-Rede, die immer wieder – unter dem Druck seiner Gefühle – ins Stocken geriet.

Der Münchner Sinto und Zeitzeuge Peter Höllenreiner mit Alexander Diepold (Madhouse) während seiner Rede im großen Sitzungssaal des Rathauses; Foto: Edith Grube

Peter Höllenreiner, Alexander Diepold; Foto: Roberto Paskowski, 13.3.2018

Die Rede von Peter Höllenreiner machte mehr als betroffen, als er von seinen Kindheitserinnerungen erzählte. Nur wenige Tage vor seinem 4ten Geburtstag wurde er mit seiner Familie und weiteren Sinti von München in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Insgesamt waren es über 140 Münchner Sinti und Roma die man als „Zigeuner“ diffamierte und verfolgte. Viele der Deportierten wurden ermordet. So verlor die Familie Höllenreiner allein 36 Familienmitglieder,“ erinnert Aktivistin Edith Grube in der Beschreibung zu ihrem Facebook-Foto weiter oben.

Die Rede von Zeitzeuge Peter Höllenreiner ist eine einzige Anklage, nicht zuletzt auch der Umgang der Bundesrepublik mit der „ziganen“ Minderheit in den Jahrzehnten nach dem Krieg. „Eine große Enttäuschung“, so Peter Höllenreiner.

Der Junge aus Auschwitz, E-Book, Paperback, ISBN: 9783745053517 von Maria Anna Willer

„Nachdem er die Hölle mehrerer Konzentrationslager überlebt hat, kommt Peter Höllenreiner 1945 als Sechsjähriger zurück in seine Geburtsstadt München. Seine Schulzeit beginnt und die Welt begegnet ihm, als ob nichts gewesen wäre. ‚Hintere, in die letzte Bank!‘, heißt es in der Schule. Die Ausgrenzung geht weiter. Peter Höllenreiner und seine Familie waren der nationalsozialistischen Verfolgung als sogenannte „Zigeuner“ ausgesetzt gewesen. Trotz Demokratie, neuer Regierungsform und der Erklärung von Menschenrechten – die alten Vorurteile blieben weiterhin: „Zick zack Zigeunerpack!“ Eine Lehrstelle hätte er als Sinto nie bekommen. Seine Kinder bekamen später auch keine. Die Ausgrenzung zog sich weiter durch die nächsten Generationen. Und immer wieder stand er als Sinto unter Generalverdacht. Er habe das Schlechte mit der Mutterbrust eingesogen, unterstellt ihm ein Richter. Doch Peter (….) schafft es, nach den traumatischen Kinderjahren ein erfolgreiches Leben zu führen – trotzdem er ohne Schulabschluss und Berufsausbildung ist. Er hat eine Gabe und weiß sie zu nutzen: Er kann Altes von Neuem unterscheiden. Er handelt mit Antiquitäten, später mit Schmuck. Er pachtet ein Geschäft in der Theatinerstraße. Inkongnito natürlich, als Sinto hätte er ein Geschäft in dieser Lage nie bekommen. ‚Wir mussten uns immer beweisen.‘ Seine Vergangenheit streift er ab, so gut es geht. Auch seine Tätowierung am linken Unterarm.“ 

(Quellen der o.g. Zitate: Klappentext der Biografie (kursiv) und meine zeitnahen Posts, 13.3., direkt aus dem Rathaus)

Der Junge aus Auschwitz, Edition Kindle,

Erst 2015 Jahren besucht Peter Höllenreiner erstmals wieder Auschwitz und erlebt er dort, nach eigenem Bekunden,einen der Höhepunkte seines Lebens: Papst Franziskus trifft holocaustüberlebenden Sinto Peter Höllenreiner beim stillen Gebet in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau 

Aus meinem Post 13.3.: Lange war es ihm gelungen, seine Erinnerungen zu verdrängen. Nun holen sie ihn immer stärker ein. ‚Jetzt habe ich jede Nacht Alpträume.‘ Sichtlich schwer fällt ihm auch, von seinen Erlebnissen im KZ zu erzählen. Immer wieder bricht ihm die Stimme … Ich ertrage es kaum noch, ihm zuzuhören. Abschließend wünscht er sich, die aktuellen Fortschritte im Umgang mit „seinen Menschen“ hätte er in seiner Jugend erleben dürfen und fügt in seiner Rede, an den Polizeipräsidenten gewandt, hinzu: „Ich wünsche mir, dass das jetzt begonnene Gespräch weitergeführt wird. Rassismus darf nicht unter den Tisch gekehrt werden“ (…) „Wir möchten uns nie mehr verstecken müssen!“

Zu Recht „Stehende Ovationen“ für Peter Höllenreiner nach seiner Rede im Rathaus; Foto Erich Neubauer

Nach seiner Rede gab es Standig Ovations für Peter Höllenreiner. In meinem Facebook-Post notierte ich: Musikalischer Ausklang mit Sandro und seinem Trio. Zum dahin schmelzen. Begeisterter Applaus und würdiger Abschluss dieses Tages ganz im Zeichen des Gedenkens an die Deportation und Ermordung der Münchner Sinti, Roma, Jenischen, Reisenden, Gaukler und Komödianten. Und hoffnungsvoller Auftakt zu einem neuen festen Termin in der jährlichen Münchner Kulturagenda.

Bürgermeisterin Christine Strobl u. Peter Höllenreiner, Foto: Stey

Bürgermeisterin Christine Strobl schließt die Veranstaltung, wohltuend abseits aller protokollarischen Diktate, mit der für sie typischen Münchner Herzlichkeit und dem Fazit, dass sie selten eine so berührende Veranstaltung erlebt habe, nicht zuletzt wegen der Rede Peter Höllenreiners. Sie dankt ihm mit der Feststellung, dass sie beide die Münchnerische Färbung in der Aussprache verbinde. Liebenswert.😊Und quot erat demonstrandum: Wir ALLE sind Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt und dieses Landes, in dem die Sinti schon seit Jahrhunderten unter uns leben! Und augenscheinlich allmählich auch immer mehr mit uns! Nach dieser Veranstaltung fühle ich mich fast schon wieder versöhnt mit den protokollarischen Gegebenheiten solcher Veranstaltungen   Fast. .. (Ende meiner Posts vom 13.3.18)

… denn auf die vielen emotionalen Höhepunkten folgte … ein abruptes Ende der Veranstaltung! Seit Beginn meiner Kulturarbeit 1994 habe ich unzählige städtische und staatliche Empfänge erlebt, aber noch nie, dass nicht zumindest ein Getränk im Anschluss an eine Veranstaltung gereicht worden wäre, zumal eine ganze Reihe von Gästen extra angereist und schon seit dem Nachmittag vor Ort in München gewesen waren.

Am Ende, ganz jenseits des Protokolls, begrüßt Christine Strobl „Gitano“ Josè Alfredo Maya/Spanische Delegation Neben ihm der wunderbar einfühlsame Psychologe Aldo Rivera der Münchner Beratungsstelle Madhouse; Foto: Stey

Journalist Erich Neumann schreibt dazu auf My Heimat.deObwohl sogar eine Delegation aus Spanien und Serbien vor Ort war, zeigte sich die Weltstadt mit Herz nicht gerade von ihrer besten Gastgeberseite, als mit dem offiziellen Ende auch keine Möglichkeit zu einem weiteren Austausch mehr bestand und ein abruptes Auseinanderdriften der Teilnehmer wenig schönen Ausklang bedeutete, obwohl ein kleiner Stehempfang dies ebenso abgefangen hätte, als es dem Anlass angemessen gewesen wäre.

Mein Fazit: In den vergangenen beiden Jahren hat sich mehr in Bezug auf die Aufarbeitung des „Porajmos“ und die Gleichstellung der Sinti & Roma in München getan, als in den 73 Jahren zuvor. Einen ersten Meilenstein setzte 1980 ein Hungerstreik auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau, angeführt von Romani Rose, der eine breitere Öffentlichkeit für dieses Thema sensibilisierte. Abgesehen von der überfälligen Unterzeichnung des Staatsvertrages, hat sich nun in München vor allem Alexander Diepold Siebenmeilen-Stiefel übergestreift:

Vor einem Jahr noch, am  berichtete Viktoria Spinrad in der Süddeutschen Zeitung, unter dem Titel Soll das alles sein?“:  Sie sind von den Nazis verfolgt worden, bis heute fühlen sich viele von ihnen diskriminiert: Die Sinti und Roma in München wollen stärker gehört werden. Bei einer Veranstaltung im Eine-Welt-Haus fordern sie unter anderem einen Gedenktag und ein würdiges Mahnmal (…)

Dieser feste Münchner Gedenktag, alljährlich am 13.März, ist nun eingeführt! Chapeau allen, die mit unermüdlichem Engagement dazu beigetragen haben, ihn für uns Münchnerinnen und Münchner zu verwirklichen, seitens der Stadt ebenso wie seitens der Sinti- und Roma-AktivistInnen!


Weitere themenverwandte jourfixe-Blogbeiträge:

Gedenkgottesdienst für die in der NS–Zeit ermordeten Sinti & Roma
Zum 75. Jahrestag der ersten Deportation von Sinti & Roma aus München, am 13.03.1943,
eine Veranstaltungsreihe vom 08. bis 19.03.2018
Verbitterung aus ziganen Kreisen
nach der Gedenkfeier zum Jahrestag des OEZ-Anschlags

Der „eingebettete“ Video-Clip stammt – mit herzlichem Dank – von Gerhard Hallermayer, GH-Film HD, YouTube Kanal


Ein ausführlicher und ergänzender Artikel von Erich Neumann zu dieser Veranstaltung findet sich unter www.myheimat.de


Auf der Homepage des BR findet sich eine ausführliche Übersicht mit zahlreichen Illustrationen Zur Geschichte der Sinti und Roma: Der lange Weg von Indien nach Deutschland“ 


Verzeichnis aller jourfixe–Blogbeiträge mit jew. Link

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Allgemein

„Wir können vergeben, wenn wir im Herzen Gottes Liebe tragen …“ Gedenkgottesdienst für die in der NS-Zeit ermordeten Sinti & Roma

 „Wir vergessen nicht unsere Menschen – aber wir können vergeben, wenn wir im Herzen Gottes Liebe tragen“  beschwor einer der Predikanten die Sinti- und Roma-Gemeinde Freier Christen Jeschua München JGM, die sich zum Gedenkgottesdienst in der Erlöserkirche München eingefunden hatte.

Einer der Prediger beim Gedenkgottesdienst für die ermordeten Münchner „Zigeuner“ im Dritten Reich, 10.03.2018, Erlöserkirche

Ich trau mich von Vergebung und Versöhnung zu reden … Vergebung ist ein Grundprinzip des Glaubens. Menschlich gesehen ist sie nicht möglich, im Göttlichen sehr wohl.“ So lauteten sinngemäß die Kernaussagen der Predigten, die am Samstag Abend, dem 10. März 2018, den „ziganen“ Opfern des NS-Regimes in München gewidmet waren; den Sinti, Reisenden, Roma, Jenischen, Gaukler & Komödianten, die die nationalsozialistische Rassenideologie unter dem Sammelbegriff „Zigeuner“ verfolgt hatte.

Deportation von Sinti und Roma 1940, Quelle: Bundesarchiv, zum Focus-Artikel von 2016: „Der Hass auf Roma wächst: Hat Europa nichts aus seiner Geschichte gelernt?“

Dennoch stand das Gebot der „Vergebung“ im Zentrum dieser Andacht, ein göttliches Gebot, das jedes Kommunionkind und alle KonfirmandInnen mit auf ihren  religiösen Weg bekommen; so häufig wiederholt und seit so vielen Jahrhunderten herunter gebetet, dass es in unserem säkularen Alltag oft nur noch als sinnentleerte Formel erscheint.

Ein Sinti-Predikant beim Gedenk-Gottesdienst, 10.3.18

Nicht so bei diesem Gottesdienst – Mit jedem inbrünstigen „Amen“ – „So soll es sein!“ mit dem Gemeindemitglieder vielstimmig die Aufforderungen zu Vergebung quittierten, verwandelte sich das uralte biblische Gebot in tatsächlich gelebtes Christentum: In dieser Kirche bekannten sich Mitmenschen zu Vergebung und Versöhnung gegenüber unserer Mehrheitsgesellschaft, obwohl sie ALLE in ihren Familien Opfer des NS-Regimes beklagen, darüber hinaus Jahrzehnte um Wiedergutmachung zu kämpfen hatten und bis heute diskriminiert werden! Diese Haltung rührte und beschämte mich zugleich, erst recht, als einer der Sprecher „(…) wir sind nicht schmutzig (…)“ in seiner Rede betonte, ein Vorurteil, dass sich noch immer hartnäckig in unserer Mehrheitsgesellschaft hält.

Obgleich ich mich bei diesem Gottesdienst eher als passive, wenn auch beseelte Teilnehmerin sah, riss mich die hier praktizierte Form religiöser Andacht, die ich sonst nur von „schwarzen“ Gospel-Gottesdiensten aus dem TV kenne, emotional mit. „Lasst uns einfach Jesus Christus feiern!“ hieß es immer wieder.

„Lasst uns einfach Jesus feiern!“ – Momentaufnahme des Gedenkgottesdienstes, vorletzte Reihe: Alexander Diepold, Leiter von Madhouse gGmbH, der Münchner Beratungsstelle für Sinti & Roma

Es wurde gesungen, rhytmisch geklatscht, man wog sich zur Musik hin und her, öffnete die empor gestreckten Hände und damit ganz sich selbst oder betete eng umschlungen. Solcherart selbstvergessene Hingabe, „aus dem Bauch heraus“, wie ich sie in der Freien Christen Gemeinde Jeshua München erlebte, bedarf jedoch der Wahrhaftigkeit! Bis heute erinnere ich mich mit einem Gefühl des „Fremdschämens“ an einen ökumenischen Gospel-Gottesdienst, den ich vor einiger Zeit in München besucht habe: Verkrampft kichernde Priester, die in ihren Soutanen herum hopsten und sich offensichtlich selbst als gaaaanz fortschrittlich cool empfanden. Diese Form kirchlicher PR bedient, meiner Meinung nach, falls überhaupt, nur den Zeitgeist, nicht aber den Glauben und die allgemeine Glaubwürdigkeit schon gar nicht!

Andachtslied in Romanes

Anders verhielt es sich in dieser Gemeinde, denn Musik, wie auch einer der Prediger betonte, gehört zum „ziganen“ Lebensgefühl. „Wir haben unseren Hunger weg gesungen,“ äußerte  er von der Kanzel aus. Mit diesem Ausspruch allerdings erntete er ein ebenso ungläubiges wie herzliches Gelächter. „Hunger weg gesungen? Häh?“ Meine Freundin Ramona grinste mich ungläubig fragend an. „Wir haben uns doch nicht den Hunger weg gesungen?“ Und schon lachte sie wieder und mit ihr die ganze Gemeinde, worauf der Prediger mit den Achseln zuckte und, verschmitzt, sinngemäß meinte: „Naja, vielleicht habe ich da ja etwas zu dick aufgetragen. Aber trotzdem. Musik ist wichtig für uns. Lasst uns durch sie Christus feiern!“ Humor „konnte“ man hier also auch! 😉

Doch natürlich prägten nicht nur spirituell intensive und heitere Momente diesen Gottesdienst, der vor allem dem Gedenken der Opfer des „Porajmosgewidmet war (deutsch: „das Verschlingen“), ein RomanesBegriff für den Völkermord  an den europäischen Sinti und Roma, Reisenden, Jenischen, Gaukler & Komödianten, in der Zeit des Nationalsozialismus.

So berichtete Alexander Diepold, Gründer und Leiter, seit 30 Jahren, von Madhouse gGmbH, der Beratungsstätte für Sinti & Roma in München, wie schwer es noch heute Überlebenden des „Porajmos fällt, über die traumatischen Erlebnisse zu sprechen, derer sie als Kinder Zeuge wurden.

Marco Höllenreiner – Auch seine Familie beklagt zahlreiche Opfer des „Porajmos

Ein schweres Erbe, sehr schwer auch für die nachfolgenden Generationen … Dennoch schwang überwiegend Positives in den Ansprachen mit – ebenso wie unbedingter Mut zur Hingabe an den Glauben, die in der Aufforderung gipfelte, man solle die „Bibel lesen wie kleine Kinder. (…) Unser Volk hat kein Land, aber ein Zuhause und einen Papa im Himmel.“ –  Worte, die mich in ihrer Schlichtheit zutiefst berührten!

Der selbe Redner wies zudem darauf hin, dass man nun schon 1000 Jahre überlebt und sich seine Kultur erhalten habe. Diesen kulturellen Reichtum gelte es nun, den „Deutschen“ vorzuführen.

Die aktuelle Veranstaltungsreihe, vom 8. bis 19. März 2018 in München, stellt für mich einen ersten Schritt in diese Richtung dar, für die sich auch Alexander Diepold persönlich sehr eingesetzt hat. Sie beinhaltet Themen wie die Verfolgung der Minderheit vor, während und nach der NS-Zeit sowie den aktuellen Antiziganismus in der Gesellschaft. Darüber hinaus werden Einblicke in das vielfältige kulturelle Leben der Sinti und Roma vermittelt, Führungen, Spaziergänge und Poetry Slam geboten. Zusätzlich zu den im Flyer aufgeführten Terminen, bietet Madhouse, in seinen Räumlichkeiten in der Landwehrstraße 43, noch weitere Veranstaltungen an. Eine Übersicht ALLER Programme findet sich HIER


Die Gottesdienste in der Freien Christen Gemeinde Jeshua München – JGM finden jeden Samstag Abend um 18 Uhr statt, in der Erlöserkirche München, Hanauer Str. 54, 3 Gehminuten von der U3, Olympia-Einkaufszentrum.


Focus-Artikel von 2016: „Der Hass auf Roma wächst: Hat Europa nichts aus seiner Geschichte gelernt?“


Thema nahe jourfixe-Blogbeiträge:

28.02.2018
Zum 75. Jahrestag der ersten Deportation von Sinti & Roma aus München, am 13.03.1943,
eine Veranstaltungsreihe vom 08. bis 19.03.2018
25.07.2017
Verbitterung aus „ziganen“ Kreisen nach der Gedenkfeier zum Jahrestag des OEZ-Anschlags

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„Porajmos“: „das Verschlingen“ Zum 75. Jahrestag der ersten Deportation von Sinti & Roma aus München, am 13.März 1943, eine Veranstaltungsreihe vom 08. bis 19. März 2018

Das Romanes-Wort Porajmos [poraɪmos] (auch Porrajmos, deutsch: „das Verschlingen“) bezeichnet den Völkermord  an den europäischen Sinti und Roma in der Zeit des Nationalsozialismus. Er bildet einen Höhepunkt der langen Geschichte von Diskriminierung und Verfolgung. Die Zahl der Opfer ist nicht bekannt. Nach unterschiedlichen Schätzungen liegt sie innerhalb einer großen Spannbreite, ist jedoch sechsstellig. Wie der Völkermord an den Juden (Shoa) steht Porajmos für den Versuch der kollektiven Vernichtung. Jeder, der von den nationalsozialistischen  Erfassungsinstanzen – im Altreich ein Verbund aus pseudowissenschaftlichen und kriminalpolizeilichen Gutachtern, außerhalb oft spontan entscheidende Akteure der Verfolgung – dem „Zigeunertum“ zugeordnet wurde, war grundsätzlich von Vernichtung bedroht. Dem lag die rassistische Deutung der Angehörigen der Minderheit als „fremdrassige“ „geborene Asoziale“ zugrunde. „Zigeuner“ wurden zu Objekten eines „doppelten“, des ethnischen wie des sozialen Rassismus. (Quelle: Wikipedia )

Familie Höllenreiner 1942; Viele Angehörige der großen Familie wurden am 13. März 1943 nach Auschwitz deportiert, nur wenige überlebten .© Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma

Dass somit auch Sinti und Roma dem Rassenwahn der Nationalsozialisten zum Opfer fielen, ist bis heute in der Mehrheitsgesellschaft nicht wirklich präsent. Oft nur vage entsinnt man sich, von medizinischen Experimenten an „Zigeunerkindern“ gehört zu haben, wie zuletzt im TV-Beitrag „Die unheilvolle Narbe“ von Constanze Hegetusch oder von „Zigeunerlagern“. Über die tatsächliche Dimension des  Porajmos jedoch ist noch immer wenig bekannt. Ebenso wurde die fortwährende Ausgrenzung der Sinti & Roma in der Bundesrepublik lange nicht wirklich thematisiert. Auch der Kampf Betroffener um Wiedergutmachung zog sich über Jahrzehnte hin; viele Opfer, körperlich wie seelisch durch den Porajmos gezeichnet, gaben vorzeitig auf. Erstmals 1980 sensibilisierte ein Hungerstreik auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau, angeführt von Romani Rose, eine breitere Öffentlichkeit für dieses Thema.

Beendigung des Hungerstreiks in der Evangelischen Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau, 1980: Uta Horstmann, Anton Franz, Dronja Peter, Hans Braun, Romani Rose, Jakob Bamberger, Fritz Greußing, Franz Wirbel (v.l.n.r.) (Zentralrat Deutscher Sinti und Roma)

Bis heute Galionsfigur der Bürgerrechtsbewegung und Vorsitzender des Zentralrats der Sinti & Roma in Deutschland, engagiert Romani Rose sich weiterhin mit ungebrochener Leidenschaft für die Gleichstellung dieser Minderheit in unserer Gesellschaft und für die bewusste Erweiterung des Begriffes „Holocaust“ AUCH auf seine Ethnie, im Sinne einer verbesserten Wahrnehmung des „Porjamos“ in unserer Mehrheitsgesellschaft. Leider erlebe auch ich immer wieder – und habe wiederholt darüber geschrieben – dass in offiziellen Reden oft ausschließlich der „Antisemismus“ zur Sprache kommt, „Antiziganismus“ oder  „Rassismus“ jedoch unerwähnt bleiben.

Engagierte Aktivisten: Romani Rose rechts, mit Alexander Diepold/Madhouse, Bildmitte, 2016, im NS-Dokumentationszentrum München, links Drehbuchautor Peter Probst; Foto: Oliver Stey

Doch jetzt stellt die Landeshauptstadt München, gemeinsam mit dem Stadtarchiv München, die Geschichte und aktuelle Lebenssituation der Sinti und Roma in München in den Mittelpunkt einer umfassenden Veranstaltungsreihe, vom 8. bis 19. März 2018: Dies geschieht in Kooperation mit der Familienberatungs- und Begegnungsstätte Madhouse, die seit über 30 Jahren von unserem jourfixe-Mitglied Alexander Diepold geleitet wird. Auszug aus dem Programm-Flyer:

Cover des Programm-Flyers

Am 13. März 2018 jährt sich zum 75. Mal der Tag, an dem die Münchner Polizei 130 Sinti und Roma aus München und Umgebung in das Vernichtungslager Auschwitz Birkenau deportieren ließ. Mit dem „Auschwitz-Erlass“ hatte Heinrich Himmler am 16. Dezember 1942 den Auftakt für die reichsweiten Deportationen der Sinti und Roma in das Vernichtungslager Auschwitz gegeben, auch als „Zigeunerlager“ bezeichnet. Schon am 8. März 1943 begannen in München die Verhaftungen ganzer Familien. Bis heute ist die Zahl der ermordeten Kinder, Frauen und Männer nicht exakt zu bestimmen; der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma geht von etwa 500 000 Menschen aus, die den Mordaktionen und den grausamen Bedingungen in den Konzentrationslagern zum Opfer fielen. (…)

Die Landeshauptstadt München ehrt die Opfer dieses Völkermords in einer Gedenkveranstaltung am 13. März 2018 im Rathaus.

Sandro Roy, Foto: Ch. Hartmann

Den musikalischen Teil dieses Festakts für geladene Gäste bestreitet der virtuose Sandro Roy, einer der schillernsten  Namen der jungen Generation von Klassik- und Jazzgeigern, mit seinem Trio.

Zuvor werden am Platz der Opfer des Nationalsozialismus die Namen der deportierten Münchner Sinti und Roma verlesen.

Die Veranstaltungsreihe umfasst Themen wie die Verfolgung der Minderheit vor, während und nach der NS-Zeit sowie den aktuellen Antiziganismus in der Gesellschaft. Darüber hinaus werden Einblicke in das vielfältige kulturelle Leben der Sinti und Roma vermittelt, Führungen, Spaziergänge und Poetry Slam geboten. Zusätzlich zu den im Flyer aufgeführten Terminen, bietet Madhouse, in seinen Räumlichkeiten in der Landwehrstraße 43, noch weitere Veranstaltungen an. Eine Übersicht ALLER Programme findet sich HIER

Adrian Gaspar – Quelle

Musik und deren Interpreten – wie könnte es anders sein 😉 – wird bei der gesamten Veranstaltungsreihe eine Rolle spielen. Neben Geiger Sandro Roy ist u.a. das Lancy Falta Syndicate vertreten. Einen interaktiven Antiziganismus-Workshop gestaltet der Pädagoge und Musiker Adrian Gaspar, mit dem Ziel, Vorurteile gegenüber Sinti und Roma abzubauen.

Schon im Vorfeld dieser Veranstaltungsreihe eine erfreuliche Nachricht:

Erich Schneeberger, Vorsitzender des Landesverbandes der Sinti und Roma in Bayern; Quelle

Bayern hat am 20. Februar 2018 einen Staatsvertrag mit dem Landesverband der Sinti und Roma unterschrieben, der deren Rechte schützen und Wiedergutmachung sein soll …  >>>  BR-Mediathek


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„Selbstverglorifizierendes Geschmatze“ – Verbitterung in ziganen Kreisen nach der Gedenkfeier zum Jahrestag des OEZ-Anschlags

Als „selbstverglorifizierende Geschmatze“ kritisiert Oliver Stey die Reden von Ministerpräsident Horst Seehofer und Oberbürgermeister Dieter Reiter zum Jahrestag des Anschlags am Münchner OEZ. Oliver  entstammt der Zirkus-Familie Stey, bezeichnet sich sich daher selbst als „Gaukler und Komödiant bzw. Reisender“ und zählt somit, wie Sinti, Roma und Jenische, zur ziganen Minderheit unserer Bevölkerung, die unter den neun Opfern des OEZ-Attentats junge Menschen aus ihren Reihen beklagen.

Dieter Reiter Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München Gedenkfeier Jahrestag des OEZ-Anschlags

Mit seiner Rede vermochte Oberbürgermeister Dieter Reiter nicht jeden zu erreichen; Foto: Oliver Stey

Bitter stößt Stey an der Rede des Oberbürgermeisters dessen Lob über den gelungenen Einsatz der Münchner Sicherheitskräfte auf. Das hätten die Angehörigen – mit einigen von denen er selbst eng verbunden ist – in diesem Rahmen nun wirklich nicht brauchen können. Zudem hätte das einen unguten Vorgeschmack auf Wahlkampf vermittelt, unangemessen bei einer solchen Gedenkfeier.

Eine sehr emotionale und auch kritische Rede hielt die Mutter des getöteten Can Leyla, Foto: O. Stey

Er verwies dabei auch auf die Rede, die die Mutter eines der Opfer gehalten und in der sie ein Versagen des Systems angeprangert habe. [Wird in Kürze als Video-Clip noch eingefügt.] „In der Tat hätte ein präventives Erkennen der seelischen Struktur des Attentäters, schon lange Zeit vor seiner Tat, viel größeren Nutzen bei der Erhaltung unserer gesellschaftlichen Sicherheit mit sich gebracht“, (…) schreibt Stey dazu auf Facebook. Nachdem sich der OB bisher – aus welchen Gründen auch immer – noch auf keiner einzigen, der ziganen Minderheit gewidmeten Veranstaltung habe blicken lassen, sei seine Teilnahme an dieser Gedenkfeier, noch dazu mit dieser Rede, ziemlich überflüssig gewesen, so Stey sinngemäß.

Noch mehr Frustration und Ablehnung löste in ziganen Kreisen die Rede des Ministerpräsidenten aus: Wie schon Dieter Reiter während der Trauerfeier 2016, im bayerischen Landtag, erwähnte er den „Antisemitismus„, den es gelte, zu bekämpfen, nicht aber den „Antiziganismus„! Er wünsche sich, „dass dieses neue Denkmal auch zum Mahnmal wird, ein Mahnmal für Frieden und Verständigung, für Hilfsbereitschaft und Solidarität, für Miteinander und Mitmenschlichkeit. Geben wir Hass und Gewalt, Hassparolen und Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus keine Chance.“ (Quelle/Details: muenchen.de)

Der Auschwitz-Überlebende Sinto Peter Höllenreiner (Bildmitte mit vierbeiniger Begleitung) bei der Gedenkfeier

Ein allgemeines Bekenntnis gegen Rassismus hätte schon gereicht, beklagte auch Alexander Diepold, Leiter des Beratungszentrums für Sinti und Roma „Madhouse“, aber angesichts der Tatsache, dass sich unter den Todesopfern junge Deutsche mit Sinti- respektive Roma-Wurzeln befanden, hätte, wenn schon der „Antisemitismus“, dann auch der „Antiziganismus“ Erwähnung finden müssen!

Sicher handelt es sich hier um einen Lapsus, doch zeigt dieser einmal mehr auf, dass die Präsenz von ziganen Mitbürger_Innen in unserer Mitte allzu oft schlichtweg übersehen wird, es sei denn in Zusammenhang mit Mißständen und „Täterzuschreibungen„, wie es Alexander Diepold mir gegenüber in einem Telefonat formulierte.

Edith Grube Stolpersteine in München Alexander Diepold Sinti und Roma Beratunszentrum Madhouse München

Alexander Diepold mit Aktivistin Edith Grube

Als aktuelles Beispiel nannte er den Beitrag in der Süddeutschen Zeitung, vom  4. Juli 2017 > Kriminalität > Titel „Wo ist Johnny?“ Erzählt wird von der kriminellen Karriere von „Johnny, dem Zigeuner„, als liefere dessen ethnische Abstammung die Begründung für seine kriminelle Vita gleich mit. Noch immer ist das Klischee der nomadenhaften, kriminellen und schmutzigen „Zigeuner“ in unserer Vorstellung verwurzelt. Reißerische Berichte über neueste Vergehen und bettelnde Banden von“Zigeunern“ untermauern solcherart Vorurteile und stehen einer differenzierten Betrachtung im Weg. Sicher ist die Anfälligkeit für Straftaten seitens Roma, die dem Prekariat in ihren Heimatländern im Osten zu entfliehen suchen, größer, als unter der Villenbevölkerung Grünwalds, was aber den sozialen Umständen und nicht der Ethnie geschuldet ist.

Nicht wahrgenommen als solche werden hingegen die integrierten ziganen Mitbürger_Innen, die mitten unter uns leben. Oft verschleiern sie sogar selbst ihre Herkunft, aus Angst vor beruflichen wie privaten Nachteilen.

Marcella Reinhardt, Bildausschn. Oliver Stey

Marcella Reinhardt, Mitbegründerin und Vorsitzende des Regionalverbandes deutscher Sinti und Roma in Augsburg, erzählte einmal, sie habe sich früher immer als Italienerin ausgegeben … Wie auch immer, zigane Mitbürger_Innen werden in negativen Zusammenhängen wahrgenommen oder gar nicht. Eine Forumulierung im Stil von „Johnny – das Zigeuner-Opfer“- dürfte  als Schlagzeile schwer zu finden sein. Alexander Diepold beklagt im Zusammenhang den medialen Umgang mit einem schrecklichen Anschlag im Münchner Bahnhofsviertel, am 2. November 2016: „In dem betroffenen Wohnhaus, einer Schrottimmobilie, waren an südosteuropäische Mitbürger, zu horrenden Preisen, mehr oder weniger verschimmelte Zimmer vermietet worden. Dort (Dachauer Str. 24) wurde ein Brandanschlag verübt, bei dem ein junger Vater, mit seinen 9 und 16jährigen Töchtern, bulgarische Roma, starben. Beim OEZ-Anschlag kamen zwei junge Sinti, Roberto Rafael und Guiliano Kollmann, zu Tode. Insgesamt kamen also im letzten Jahr in München fünf junge Menschen aus der Minderheit der Sinti und Roma bei Anschlägen ums Leben, doch dass es sich bei den Opfern um Angehörige unserer , Minderheiten handelte, kam überhaupt nicht zur Sprache.“

Das Denkmal für die Opfer des Anschlags am Olympia-Einkaufszentrum am 22.7.2016, Foto: Oliver Stey

Täglich konfrontiert mit diesen Problemen wird Alexander Diepold, in der von ihm geleiteten Beratungsstelle „Madhouse„, die sein Lebenswerk ist und am 26. September 30. Jubiläum feiert. [Hierüber werde ich an gleicher Stelle zeitnah berichten.] Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Jubiläum, in der Öffentlichkeit, auf medialer wie auf politischer Ebene, die Würdigung erfährt, die unsere Gesellschaft nicht nur dieser städtischen Einrichtung sondern auch deren ziganer Zielgruppe schuldet.

Alexander Diepold ist Geschäftsführer von „Madhouse“, der Beratungsstelle für Sinti und Roma in München, die am 26.9.2017 ihr 30jähriges Bestehen feiert!

Von ihrer Musik lassen wir uns ach so gerne verzaubern und von ihrer Carmen verführen, die Menschen hinter diesen Gemeinplätzen jedoch sind wir noch immer nicht imstande noch wirklich willens, angemessen wahrzunehmen. Dieses Manko fand nun wieder eine traurige, wenn auch sicher versehentliche, Bestätigung im Rahmen der Rede von Ministerpräsident Horst Seehofer. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ihm, beziehungsweise seinem Reden-Schreiber zwangsläufig eine tatsächliche Nähe zu den Opfern fehlte.

Im Gebet vereint … Foto: Oliver Stey

Doch sollte es nicht bei solchen Ansprachen, die in Zusammenhang mit Tragödien stattfinden, jenseits von Protokoll und politischem Kalkül, um Respekt für die Opfer und um ein wenig Trost für die Hinterbliebenen gehen? Dieses ist im Fall von zumindest fünf der Opfer des OEZ Anschlags nicht gelungen, nicht 2016 und erneut nicht 2017 und sorgt inzwischen für entsprechenden Unmut – um die Stimmung in der ziganen Bevölkerung euphemistisch zu umschreiben.

Persönlich würde ich mir wünschen, dass bei solchen Anlässen unsere „Offiziellen“ Tribut durch Anwesenheit zollen, das Wort jedoch geistlichen Begleiter_Innen  und vor allem den Betroffenen selbst überlassen sollten …


R.I.P. Armela Segashi

R.I.P. Can Leyla

R.I.P. Dijamant Zabérgja

R.I.P. Guiliano Kollmann

R.I.P. Hüseyin Dayicik

R.I.P. Roberto Rafael

R.I.P. Sabine S.

R.I.P. Selcuk Kilic

R.I.P. Sevda Dag


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