Allgemein

Geburtstag auf Wolke 7: Fotostrecke, Kommentare und weiterführende Links zur Künstlerfeier an meinem 60. Geburtstag, 4. Juni 2018, bei Terry Swartzberg in München

Runde Geburtstage verleiten mich regelmäßig zum Kassensturz: Wo genau stehe ich an diesem Stichtag, in Bezug auf meine Pläne, Ziele, Überzeugungen und auf meine Gefühlswelt? Und wer steht an meiner Seite, beziehungsweise mir zur Seite? Nehme ich den aktuellen, sechzigsten Geburtstag zum Maßstab, fällt meine biografische Zwischenbilanz um so vieles besser aus, als mir selbst bislang bewusst war. Von der Zuneigung meiner Gäste fühlte ich mich regelrecht eingelullt, von vielen liebevollen Gesten, Zuwendungen, Worten und künstlerischen Darbietungen. Dass die Gästeliste sich fast ausschließlich aus künstlerischen WegbegleiterInnen und engen KooperationspartnerInnen unterschiedlichstem Datums zusammensetzte, spielte dabei für mich keine Rolle, denn in meinem Leben verlaufen die Grenzen zwischen künstlerischer, beziehungsweise kultureller Arbeitswelt und Privatleben seit Jahrzehnten fließend.

Glücklich – Gaby dos Santos am 60. Geburtstag. Links im Hintergrund Christiane von Nordenskjöld, Kustodin (Ateliermuseum) der Magda-Bittner-Simmet-Stiftung

Die prägnantesten Momentaufnahmen, festgehalten von mehreren Gästen, habe ich in nachstehender Fotostrecke zusammengestellt, kommentierjt und verlinkt, weil diese nicht nur eine schöne Erinnerung für mich – und hoffentlich für meine Gäste – darstellen, sondern auch widerspiegeln, wofür die Kulturplattform jourfixe-muenchen steht. Nachfolgendes Gruppenfoto zeigt zwar nicht alle der geladenen !80 Gästen, aber einen guten Querschnitt:

Kurz vor Beginn der Künstler-Session: HINTEN von links: Manuela Rosenkind (Illustratorin, Autorin „Mia Meilenstein„), Harry Rosenkind (Musik-Promoter, Schlagzeuger der Kultrockband „Sahara“), Elisabeth Sorger (Malerin, Sprecherin der MKG-Münchner Künstlergenossenschaft), Reiner Mauthe, Catherine Houdayer (Modeexpertin), Jörn Pfennig (Lyriker, Bestseller mit „Grundlos zärtlich“), ganz an der Wand Arno Baum (Musik-Booker, Bassist der Progressive-Rockband PROGNOSTIC) und ansatzweise zu sehen Piaistin Masako Ohta; MITTLERE REIHE im Sessel: Ulrike Keil (Musikwissenschaftlerin, Pressechefin von Musikerlebnis/Tonicale, musica femina münchen) mit Ehemann, Michaila Kühnemann (Film- und Radiomacherin RADIO MÜNCHEN, Kabarettistin, Liedermacherin), Peter Lang (Inhaber Artist Studio München, als Musiker Mitbegründer der ungarischen Kultbands Hungaria und Omega), Claudia Cane (Rockröhre), VORNE, neben mir, Christine Weissbarth (Schauspielerin, Moderatorin und Referentin bei der Hanns-Seidel-Stiftung) sowie, halbverdeckt, Cecilia Gagliardi (Sängerin, Gitarristin, Theater im Roßstall/Germering)

Die  Kulturplattform jourfixe-muenchen steht seit fast zwanzig Jahren für kulturelle und künstlerische Vielfalt, mit dem Ziel gegenseitiger Inspiration und der Bildung von Synergien. Diese Vielfalt spiegelte sich in der Geburtstagsfeier wieder: Die Künstler- und Kulturschaffenden des jourfixe sind unterschiedlichster Couleur, doch bilden Know How, Offenheit und Interesse gegenüber anderen Kunstformen, Freude an künstlerischen Synergien und multidisziplinären Projekten einen kittenden, gemeinsamen Nenner. Als Mitglied kann man sich bei uns nicht bewerben; statt dessen spreche ich gezielt Kunst- und Kulturschaffende an, die ich mir als Bereicherung unseres künstlerischen Pools erhoffe, zur Entwicklung gemeinsamer Projekte und gegenseitigen Unterstützung.

Gastgeber Terry Swartzberg, Journalist, PR-Fachmann und Vorsitzender von „Stolpersteine für München e.V.“ stellte mir für meine Geburtstagsfeier sein historisches Häuschen am Nockerberg zur Verfügung und ermöglichte so einen unvergesslichen Abend! Foto: Dirk Schiff (portraitiert.de)

Apropos gegenseitige Unterstützung: Eben mal sein ganzes Haus für die Feier zu meinem 60. Geburtstag zur Verfügung stellen – das macht ihm so schnell keiner nach und entspricht seinem Wesen: Für den Kosmopoliten Terry Swartzberg sind Aufgeschlossenheit, soziales Engagement (u.a. in seinen PR-Kampagnen) und phantasievoll gestaltete Lebensfreude zwei Seiten einer Medaille. Nach rund 25 Jahren als Korrespondent für die International Herald Tribune, gilt sein großes Engagement seit einigen Jahren dem Verein Stolpersteine für München e.V., dem er vorsteht und mit dem er aktuell ein großes Sommerfest vorbereitet, am Mittwoch, 20. Juni 2018, um 20 Uhr, bei freiem Eintritt im Jüdischen Museum München, mehr unter jourfixe-News. Und einmal mehr ist einfach jede/r herzlich willkommen! Ohne Anmeldung und bei freiem Eintritt.

„Gabys gute Geister“ nannte meine Freundin Edith Grube Reiner Mauthe, Marianne Niederkofler, Sigi Blässer und Jon Michael Winkler; Letzterer ist nicht nur mein enger Vertrauter sondern auch Erster Vorsitzender des jourfixe-Vereins. Für mich bedeuten die vier Menschen auf obigem Foto weit mehr als Mainzelmännchen! Mit ihnen ist in Teilen mein Leben verwoben. Fest steht aber auch, dass  ohne deren Hilfe diese Geburtstagsfeier gar nicht zu stemmen gewesen wäre. Der untere Bildteil zeigt einen Ausschnitt des üppigen Büffets: Alle Gäste waren gebeten worden, Speisen und Getränke anstelle von Geschenken mitzubringen. Foto: Stey

 

Geburtstagskind Gaby dos Santos führt Prof. Thomas Pekny, Intendant Komödie im Bayerischen Hof, durch Terry Swartzbergs historisches Domizil am Nockerberg, Foto: Oliver Stey

 

Theaterwelten: Angelica und Lili Fell, Geschäftsführung der inklusiven FBM-Freien Bühne München mit Thomas Pekny, Chef der Komödie im Bayerischen Hof; Foto: Dirk Schiff

 

Kommt Moses nicht zum Berg … Nachdem es im Winter wegen einer Endlosschlange nicht möglich gewesen war, das Rockmuseum im Olyimpiaturm zu erreichen, kam dessen Betreiber, Herbert Hauke eben zu uns. Neben ihm seine Frau Gabi, Tourbegleiterin und Assistentin von Sissi Perlinger; Foto: Schiff

 

Foto links: Die finnische Sängerin Tuija Komi im Gespräch mit musica-femina-Grafikerin Irmgard Voigt; Foto rechts: Claudia Strauch (Strauch Media) im Gespräch mit Behar Heinemann, links und  Petra Windisch de Lates (Vorstand Lebensbrücke e.V. und J.I.M.-Jazzmusiker Initiative München)

 

Foto links: Das Sänger-Ehepaar Maya und Charles Logan; Rechts schneide ich eine der Geburtstagstorten an, die mir Gäste gebacken haben, assistiert von Gabi Hauke, dahinter jourfixe-Gründungsmitglied Angelika Grimm (Sozialpädagogin); Foto: Elisabeth Sorger

 

V.l. Alexander Diepold (Madhouse), hat gerade in München den alljährlichen Gedenktag für die im Holocaust ermordeten Sinti und Roma durchgesetzt, daneben Eva Giesel, Litag Theaterverlag, rechts Uta Horstmann, Bundesverdienskreuzträgerin für ihr lebenslanges Engagement für Sinti & Roma, auf den Stufen Esthera und Artur Silber (Musik-Manager DownTown Studios,PR–Agentur Silberpfeil, Schlagzeuger, u.a. PROGNOSTIC)

 

Unter den Nazis wurden ihre Ethnien unter dem Sammelbegriff „Zigeuner“ verfolgt, doch hier ist Differenzierung angesagt: Von links: Oliver Stey, aus einer Zirkus- und Schausteller-Dynastie, der das größte Privatarchiv dazu führt, die schillernde Behar Heinemann, eine, wie sie es selbst formuliert „stolze Rom“ (Autorin und Kulturmanagerin) sowie der Sinto Alexander Diepold (Madhouse-Chef), dem München seit diesem Jahr einen festen Gedenktag für die verfolgten Sinti & Roma verdankt; Fotos: Dirk Schiff

 

Fotografin Anne Schiff – Mit ihr und ihrer Familie erlebe ich immer wieder kuschelige private Stunden; Rechts Stephanie Bachhuber (Bayer. Staatsoper) Am Vortrag meines Geburtstags feierten wir den 20. Jahrestag unserer Freundschaft! Fotos: Dirk Schiff

 

Geniales Geschenk von Naomi Isaacs (Institute for Charismology): Ein Kaleidoskop – zeitlose Freude! Links von ihr Reiner Mauthe, rechts Sänger Charles B. Logan, an der improvisierten Bar; Rechtes Bild: Ulrich Floßdorf, Traumatherapeuth etc. bei Alexander Diepolds Familienberatungsstelle Madhouse; Foto: Stey

 

Die finnische Sängerin Tuija Komi kam auf Krücken! Und verstand sich mit Gastgeber Terry Swartzberg offensichtlich prima. Für mich ist sie ein veritabler Sonnenschein, kann aber auch „traurig“ und sang später bei der Session à capella ein melancholisches finnisches Gänsehaut-Lied; Fotos: Dirk Schiff

 

Von links: Petra Windisch de Lates (Vorstand Lebensbrücke e.V. und J.I.M.-Jazzmusiker Initiative München), Kriminalautorin Sabine Vöhringer („Die Montez Juwelen„) Michaila Kühnemann, Radio München, Moderatorin, Filmemacherin, Kabarettistin, Musikerin, Foto/Ausschnitte von Oliver Stey

 

Blick von Terry Swarzbergs Terrasse in den Innenhof. Von vorne links: Dr. Ulrich Schäfert, Leiter Kunstpastoral der Erzdiözese,, Grafikerin/Illustratorin Elena Buono, Heidi und Peter Lang, Artist Studio und Kulturjournalistin Heidi Weidner; ganz re. Sängerin Tuija Komi; Foto: Oliver Stey

 

Totale des Innenhofs – Im Vordergrund zu sehen ist Regisseur Rüdiger Nüchtern, ganz hinten wird es Italienisch: An der Wand die Grafikerin und Illustratorin Elena Buono und vor Ihr die Sängerin und Kabarettistin Cecilia Gagliardi, die einer römischen Künstlerdynastie entstammt; Foto: Dirk Schiff

Links neben Musikerin Cecilia Gagliardi (Theater im Roßstall/Germerin) die japanische Pianistin Masako Ohta, bei der ich mich fragte, wie sie aus einem Keyboard in Schoß-Format derart perlende Klänge zu zaubern vermochte. Rechts Sängerin Linda Jo Rizzo, die kürzlich das Hippodrom zum Kochen brachte. Foto-Ausschnitte: Dirk Schiff

Höhepunkt der Feier waren sicherlich die Geburtstagsständchen der MusikerInnen unter den Gästen sowie ein eigens zu meinem Geburtstag getextetes Gedicht SIXTY SEXY GABY des Lyrikers Jörn Pfennig! Große Freude! …

Lyriker Jörn Pfennig, zwei Ausschnitte von Fotos von Dirk Schiff

Vorbemerkung:

Eines Deutschen Dichters Scheitern
ist für ihn und die Welt ein wahrer Graus.
Doch manchmal kann es beide auch erheitern –
probieren wir’s doch einfach mal aus:

Das Gedicht:

Der Deutsche Dichter muss ja nicht denken –
von dieser Pflicht hat sein Volk ihn befreit
um sie dem Deutschen Denker zu schenken
der sich immer schon sehr
aber seither noch mehr
schier unglaublicher Bedeutung erfreut.
(… mehr)

Stimmungsbild während der temperamentvollen Performance von Jazz-Sängerin Jenny Evans; rechts außen Hausherr Terry Swartzberg, neben ihm Jazz-Sänger Thomas de Lates, Foto: Oliver Stey

 

Zwei Momente der Performance von Jazz-Sängerin Jenny Evans: Ein peppiges Lied à capella und aus eigener Feder über die Vorzüge reifer Frauen; Jennys Auftritt berührte mich sehr, denn oft war ich früher in ihrem Jazz-Lokal Jenny’s Place zu Gast gewesen und hätte mir nie träumen lassen, sie einmal als Geburtstagsgast zu begrüßen … Foto-Ausschnitte: Dirk Schiff

 

Csaba Gal, Leiter des Künstlerkreises Kaleidoskop und Cecilia Gagliardi (‚Theater im Roßstall/Germering) singen „Bella Ciao“, das „House Of Rising Sun“ Italiens, Foto: Dirk Schiff

 

Mitwirkende an der Künstlersession: Jazz-Sänger Thomas de Lates und zwei der Musiker der Progressive-Rockband PROGNOSTIC: Keyborder Martin Stellmacher und Sänger Charles B. Logan

 

Vertraute aus wilden Zeiten: Journalistin Daniela Schwan (rechts neben mir). Links zu sehen ist Kabarettistin Karin Engelhard. Dahinter Klaus Onnich, Kurator MVG-Museums – Foto: Dirk Schiff

 

Ein schönes Portrait-Foto von Kulturjournalistin Daniela Schwan; Foto: Dirk Schiff (portraitiert.de)

 

Mit meinem alten Freund aus wilden Datscha-Zeiten, Zarko Mrdjanov, Gitarrist von Massel Tov, meiner Schwägerin Sigi und Heidi Lang vom Artist Studio, Foto: Dirk Schiff

 

Elisabeth Sorger, Malerin und Sprecherin der MKG – Münchner Künstlergenossenschaft, Martin Hubensteiner, Ausstellungsmacher der LV1871, Gaby dos Santos und Christine Weissbarth, Referentin/Moderatorin der Hanns-Seidel-Stiftung, Foto: Dirk Schiff

 

In der Mitte Claudia Weigel, (Parlamentarische Beraterin Hochschul- und Kulturpolitik, Fauenpolitik für die BayernSPD Landtagsfraktion), links Autorin Gunna Wendt, nach deren Biografie über Franziska zu Reventlow wir zur Zeit, gemeinsam mit Musikerin Michaela Dietl, eine Collage zum 100. Todestag produzieren

 

Renate Lettenbauer und Lising Pagenstecher, wie ich Mitglieder von musica femina münchen    und Rockröhre Claudia Cane, die später Janis Joplins „Mercedes Benz“ sang; Foto: Dirk Schiff

 

Meine Freundin Edith Grube, Tochter und Nichte der KZ-Überlebenden Werner und Ernst Grube; Aktivistin (Stolpersteine für München e.V.) und Verwaltungssupervisor bei Madhouse, mit ihrem Mann Robert; Links: Harry Rosenkind (Musikpromoter und Schlagzeuger der Kult-Rockband „Sahara„)

 

Meine Collage über Textdichter Bruno Balz brachte mich mit diesen beiden Herren zusammen: Mein Bühnenpartner Lutz Bembenneck (li) und der „Experte“ für die Talkrunde nach der Aufführung, Albert Knoll, Archivar der KZ-Gedenkstätte Dachau und Vorstand des Forums Homosexualität München,

 

Unsere beiden jourfixe-Fotografen einmal selbst vor der Linse von Oliver Stey: Links: Dirk Schiff/ portraitiert.de und rechts Bernd Sannwald, ein As in abstraktv wirkender Detail-Fotografie

 

Dieses Portrait von Naomi Isaacs fand Dirk Schiff (portraitiert.de) so ansprechend, dass er spontan beschloss, es in seine neue Herbst-Ausstellung „Münchner und Zuagroste“ einzubeziehen. Wie bereits seine erfolgreiche Ausstellung im Vorjahr mit Uschi Glas, „We are all the same“, findet die Vernissage im Hotel Le Méridien statt, diesmal zugunsten von Jutta Speidels HORIZONT e.V.

 

Es ist spät geworden … Christiane von Nordenskjöld, Kustodin (Ateliermuseum) der Magda-Bittner-Simmet-Stiftung im Gespräch mit Jon Michael Winkler;; Foto: Stey

 

Ein glückliches Geburtstagskind sagt: „Danke!“


Verzeichnis aller jourfixe–Blogbeiträge mit jew. Link

 

 

 

 

Advertisements
Standard
Allgemein

Jürgen Draeger – Aus dem Füllhorn eines Künstlers und Kultur-Chronisten

Dass Jürgen Draeger schon mit 19 Jahren, menschlich wie künstlerisch, den erfolgreichen Textdichter Bruno Balz nachhaltig beeindruckte, wundert mich nicht: Der Schauspieler, Maler und Kultur-Chronist Jürgen Draeger zählt zu den vielseitigsten Künstlerpersönlichkeiten, die mir je begegnet sind. Mitunter höre und sehe ich Jahre nichts von ihm. Lebt jedoch der Kontakt wieder auf, so kann ich davon ausgehen, dass er einmal mehr Überraschendes für mich in petto haben wird, denn diesem Mann gehen Ideen, weitreichende Pläne und künstlerische Inspirationen nie aus!

Der künstlerisch vielseitige Jürgen Draeger, 2013, in seinem Berliner Atelier; Quelle: Wikipedia

Da ich bis Ende der 70er Jahre im Ausland gelebt habe, erfuhr ich erst durch meine Freundin, der ehemaligen Prominentenwirtin in Münchens Altem Simpl,  Toni Netzle, von der künstlerischen Strahlkraft meines „Zeitzeugen“ während seiner Münchner Zeit. In der für sie typischen, baiuwarisch-trockenen Art kommentierte sie: „Jürgen Draeger?  Ja der war doch selbst eine DIVA!“

Jürgen Draeger bei der Uraufführung der Bruno-Balz-Collage, Allotria Keller, Münchner Künstlerhaus, 2004

In der Tat beeindruckt die Vielfalt der Lebensstationen Jürgen Draegers: Sein erster Bühnenerfolg wurde am Schillertheater Berlin eine Rolle in Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“. Mit einer Hauptrolle in Jürgen Rolands Film „Polizeirevier Davidswache“ wurde Draeger 1964 über Nacht zum Idol der jungen Generation. (…) Für den Film „Roma“ engagierte ihn Federico Fellini 1971 als Kostüm- und Dekorzeichner. Draeger studierte 1975 auf Oskar Kokoschkas Sommerakademie in Salzburg die Technik von Radierungen und Kupferstichen. Für eine Reportage über den Maler Marc Chagall wurde Draeger vom Magazin Stern als Fotograf verpflichtet. Ebenso fotografierte er Porträts für das Zeit-Magazin. (…) In den 1970er-Jahren lebte der Künstler vor allem in München.  (Quelle: Wikipedia)

Von Jürgen Draeger – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0: Pastell auf handgeschöpften Büttenpapier 51,5 x 76,5 cm, März 1982 „Die französische Schauspielerin Jeanne Moreau als Madame Lysiane“ in dem letzten Rainer Werner Fassbinder Film „QUERELLE“ nach dem gleichnamigen Roman von Jean Genet. Das Bildnis ist während einer Drehpause im CCC-Filmstudio Berlin in der Dekoration des Oscar-Preisträgers Rolf Zehetbauer („Cabaret„) entstanden. Das Kostüm stammt von Babara Baum.“

Auf Wunsch des Regisseurs Rainer Werner Fassbinder begleitete Jürgen Draeger zeichnerisch 1982 die Verfilmung des „Skandal-Romans“ Querelle von Jean Genet im Berliner Filmstudio. (…)  Am 14. März 1988 verstarb sein Lebensgefährte Bruno Balz in BadWiessee.

Die Bildcollage von Gaby dos Santos aus dem Historical Kann denn Liebe Sünde sein?“ zeigt u.a.  Jürgen Draeger mit Bruno Balz auf einer gemeinsamen Schiffsreise

Jürgen Draeger überführt seinen Freund zurück in die Heimatstadt Berlin. Nach einer Karenzzeit von 10 Jahren, die sich Bruno Balz ausbedungen hatte, beginnt Draeger, vom wechselvollen und auch tragischen Schicksal des Menschen Bruno Balz hinter der Glamourfassade des  UFA-Texters Zeugnis abzulegen.

20 Jahre nach dem Tod des Textdichters Bruno Balz, veröffentlicht die Stadt Berlin folgende Pressemitteilung: Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen nimmt teil an der Enthüllung einer Gedenktafel zu Ehren des Textdichters Bruno Balz durch Kulturstaatssekretär André Schmitz am morgigen Mittwoch, dem 21.5.2008, um 16.00 Uhr, an dem Haus Fasanenstr. 60, 10719 Berlin. Die Würdigung werden der Komponist und Aufsichtsratsvorsitzende der GEMA, Prof. Christian Bruhn und der Schauspieler und Maler Jürgen Draeger vornehmen.

Auf Grundlage der Gedenktafel für Bruno Balz eine Bildcollage aus dem jourfixe-Historical „Kann denn Liebe Sünde sein? – Bruno Balz“

Jürgen Draeger sitzt auf einem mit rotem Samt bezogenen Sofa, das einst Zarah Leander gehörte, in seiner Wohnung in Berlin-Mitte am Monbijouxpark, 220 Quadratmeter groß. (…) So nachzulesen im Beitrag von Björn Stephan im SZ-Magazin (April 2018). Das erinnert mich an meine erste Begegnung mit Jürgen Draeger, 2004. Damals traute ich mich kaum, am Ende jener dunkelroten Polster Platz zu nehmen, auf denen Jahrzehnte zuvor  die legendäre Zarah zu ruhen pflegte 😉 Nach Berlin geführt hatte mich die Recherche zu meinem jourfixe-Historical „Kann denn Liebe Sünde sein? – Bruno Balz„. Geplant war lediglich ein Zeitzeugen-Interview mit Jürgen Draeger, als Grundlage für ein Musikportrait.

Textdichter Bruno Balz versorgte erfolgreich das „Who is Who“ der UFA mit Durchhaltesongs; Bildcollage von Gaby dos Santos aus dem jourfixe-Historical „Kann denn Liebe Sünde sein? „

Beim Abhören des Gespräch-Mitschnitts, der nur als Gedächtnisstütze hätte dienen sollen, stellte ich fest, wie sehr Jürgen Draegers Schilderungen fesselten! So sehr, dass ich sie nicht nur in das Skript abtippte, sondern auch gleich, in Form von O-Ton-Einblendungen, in die Produktion integrierte. Nicht immer weisen diese Tondateien Runfunk-Qualität auf, da sie aber spontan entstanden, bilden sie auf wahrhaftige Weise ein bis dahin beinahe unbekanntes Kapitel deutscher Kulturgeschichte ab: Der Überlebenskampf eines homosexuellen Künstlers, sowohl im Dritten Reich, als auch noch in der Adenauer-Ära, in der Homosexualität, laut Paragraph 175, weiterhin unter Strafe stand! 

Verwoben mit Bildcollagen aus dem umfassenden Bild- und Dokumente-Material, das Jürgen Draeger mir zur Verfügung stellte, entstand ein farbiger Multimedia-Teil, den ich mit Textvortrag und vor allem mit zahlreichen Livesongs aus dem umfassenden Repertoire von Bruno Balz kombinierte.

Während meines vierstündigen Interviews hatte mich Jürgen Draeger weit hinter die Gute-Laune-Fassade weltberühmter UFA-Songs wie „Sing, Nachtigall sing„, „Waldemar“ oder „Davon geht die Welt nicht unter“ blicken lassen. Der Lebensrealität ihres Schöpfers gegenüber gestellt, eröffnete sich mir die ungeahnte Doppelbödigkeit der Balz’schen Texte, durch die sich der Autor stets seine Freiräume bewahrt hatte. Um diesen Umstand besser zu veranschaulichen, interpretiert in meiner Bühnenfassung inzwischen ein Mann, der Münchner Chansonnier Albrecht von Weech die unsterblichen Lieder. Mit Komponist und Musikproduzent Thomas Erich Killinger am Piano, habe ich das Konzept eines männlichen Lied-Interpreten für die Balz-Songs zuletzt 2016, im NS-Dokumentationszentrum in München, im Vorfeld der Eröffnung des Denkmals für die im Dritten Reich verfolgten Münchner Homosexuellen, umgesetzt. (Siehe hierzu auch den jourfixe-Blogbeitrag  „Rosa Winkel“ )

Meine Balz-Biografie wurde in den letzten Jahren in verschiedenen Bühnen, im Kulturzentrum Gasteig, in der VHS und schließlich auch im NS-Dokumentationszentrum in München aufgeführt. Tatsächlich aber gehört sie, mit all ihren Bilddokumenten, Texten sowie Draegers O-Tönen endlich einmal in Berlin erzählt, der Heimatstadt von Balz und Draeger. Und auch meine Geburtsstadt – und lebenslanger Sehnsuchtsort … Zurück in diese Stadt geführt hat mich letztlich immer wieder Bruno Balz, erstmals, nach Jahrzehnten der Abwesenheit, 2004 und zuletzt Anfang dieses Jahres, auf der Suche nach einer angemessenen Bühne für „Kann denn Liebe Sünde sein? – Bruno Balz

Das „Delphi“-Theater in Berlin: Unscheinbare Aussenfassade, überwältigendes Innenleben …

Mit dem „Delphi-Theater“, einem ehemaligen Stummfilmkino aus den 20er Jahren wäre der ideale Spielort eigentlich auch schon gefunden. Berlin beschwört per se an allen Ecken  seine Vergangenheit als Mekka internationaler Kunst und Kultur herauf. Doch noch mehr Patina strahlt, in seiner Geschlossenheit, das Ambiente des Delphi aus, nicht zufällig kürzlich auch Drehort von Babylon Berlin! Zugleich vermittelt die wuchtige Gewölbestruktur ein Gefühl steinerner Dominanz, ideal für die Thematik meiner Biografie. Einer dortigen Aufführung im Weg steht bislang vor allem die noch ungeklärte Finanzierung, um die ich mich erst werde kümmern können, wenn meine aktuelle Produktion zum 100. Todestag der „barfüßigen“ Gräfin Franziska zu Reventlow Ende Juli abgeschlossen ist.

Inzwischen gibt es auch bezüglich Jürgen Draeger – wie könnte es anders sein 😉 – viel Neues zu vermelden. Im Oktober letzten Jahres hat er geheiratet. Sein Mann Pietro kümmert sich inzwischen als „Graue Eminenz“ um das Allround-Management des Künstlers.

Im Artist Studio von Peter Lang (links), UG, im Münchner Künstlerhaus, daneben Robert Eckert/Isarflimmern TV, Gaby dos Santos und ganz rechts Pietro Draeger

Letzten Freitag habe ich Pietro Draeger persönlich  im Artist Studio München kennengelernt, anlässlich eines Treffens gemeinsam mit Robert Eckert, Geschäftsführer von Isarflimmern TV und dabei erfahren, dass Jürgen Draeger derzeit eine autobiografische Werkschau auf !Kuba vorbereitet. Dazu hat das Ehepaar Draeger in letzter Zeit die Karibik-Insel häufiger besucht und steht in regem Austausch mit dem kubanischen Botschafter in Berlin und seinem deutschen Amtskollegen in Havanna.

Auch ein filmisches Portrait über Jürgen Draeger ist derzeit im Gespräch, und ich hoffe sehr, dass es verwirklicht wird, soviel Spannendes wie dieser Mann aus seinem „Jahrhundertleben“ (Zitat Süddeutsche Zeitung) als Künstler und Zeitzeuge zu berichten hat, und das, über die Geschichte seiner Lebensfreundschaft mit Bruno Balz hinaus, unbedingt dokumentiert gehört!

Was nicht bedeuten soll, dass Bruno Balz jemals jemanden ganz aus seinem Bann entlässt: Seit Januar 2013 arbeitet Jürgen Draeger an seinem neuen Bilderzyklus „Sünde sein“, einer Hommage an den Textdichter Bruno Balz …  (Quelle: Wikipedia)


Weiterführende Links:

 ATELIER DRAEGER im Rathenau-Saal   

Jürgen Draeger auf Wikipedia  –  SZ-Portrait 2018

Das Bruno Balz Archiv             www.bruno-balz.com

Kann denn Liebe Sünde sein? “ >  jourfixe-Historical von Gaby dos Santos, erzählt in O-Tönen von Jürgen Draeger


Verzeichnis aller jourfixe–Blogbeiträge mit jew. Link

Standard
Allgemein

Rosa Winkel – Zum Gedenken an die homosexuellen NS-Opfer, Blog-Beitrag mit einer Rede des Historikers Albert Knoll sowie Präsentation der gleichnamigen Themenreihe

Die Nacht vom 20. auf den 21. Oktober 1934 wurde für viele schwule Männer in Bayern und vor allem in München zu einem Schock, der ihr Leben verändern sollte. Damals fand die erste massive Razzia gegen Schwule statt, die im nationalsozialistischen Deutschland durchgeführt wurde. Sie wurde der Auftakt zu einer jahrelangen massiven Drangsalierung und Bedrohung, der Auftakt zu Denunziation unter Kollegen und Nachbarn, der Auftakt zur Inhaftierung in Gefängnissen und Konzentrationslagern, der Auftakt zu medizinischen Versuchen, Kastrationen und schließlich Morden, die in vielen Fällen ungesühnt bleiben sollten. München war auch in dieser Hinsicht eine unrühmliche „Hauptstadt der Bewegung“.

SA Chef Ernst Röhm Ernst Röhm mit Eisernem Kreuz und Hakenkreuzarmbinde im August 1933 bei einer SS-Veranstaltung auf dem Truppenübungsplatz Döberitz Von Bundesarchiv, Bild 102-15282A / o.Ang. / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12685396

SA Chef Ernst Röhm im August 1933; Quelle

Bereits am 3. Juli 1934, vier Tage nach der Ermordung des homosexuellen SA-Stabschefs Ernst Röhm, fasste der Münchner Gauleiter Adolf Wagner den Plan zu einem brutalen Vorgehen gegen männliche Homosexuelle in München und ganz Bayern.

Im Wortlaut hieß es: „Zur Gesunderhaltung unseres Volkes muß künftig gegen jede Art der Betätigung widernatürlicher Unzucht mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln eingeschritten werden. Zur gründlichen Säuberung und Befreiung unseres Volkskörpers von dieser Pest ist nun für die allernächste Zeit ein schlagartiges Vorgehen in ganz Bayern beabsichtigt.“

Wagner gab vor, die Jugend schützen zu wollen. In Wahrheit wollte er sich auf Kosten einer Opfergruppe, die ohnehin schon mit wenig Rückhalt aus der Bevölkerung rechnen konnte, weder von der Familie, noch von Arbeitskollegen, Nachbarn oder der Kirche, wollte er sich auf Kosten eines schwachen Gegners profilieren. Lesbische Frauen waren zwar nicht durch den § 175 RStG unmittelbar bedroht, sie waren aber gleichwohl der gesellschaftlichen Ächtung ausgesetzt.

Allein in München waren mehr als 50 Polizei­beamte im Einsatz. Die Razzia erstreckte sich auf Parkanlagen, den Engli­schen Garten und auf Bedürfnisanstalten. Vier Gefangenentransportwagen fuhren vor die beiden noch bestehenden Schwulenloka­le „Schwarzfischer“, der sich hier an der Dultstraße Nr. 2, Ecke Oberanger befand und den „Arndthof“ und sämtliche Besucher, es waren fast 100, wurden abtransportiert. Das Ergebnis dieser bayernweiten Razzia: mehrere hundert Personen wurden vorläufig festgenommen und erkennungsdienstlich behandelt, davon allein in München 145. Sofort nach dem Eintreffen bei der Polizeidirektion wurden die Festgenommenen verhört, womöglich gefoltert. Am nächsten Vormittag wurden viele wieder entlassen. Jedoch 39 Männer aus München und 9 weitere aus Nürnberg, die bereits in der Rosa Liste gespeichert waren, wurden in das KZ Dachau gebracht.

Die Razzia traf vor allem Schwule aus der Unterschicht, Arbeiter und auch Strichjungen, für die der öffentliche Raum der Kneipen und Klappen die einzige Möglichkeit des Kennenlernens war. Der Gauleiter war verstimmt, denn er wollte mit seiner Aktion vor allem Intellektuelle und das gehobene Bürgertum treffen. Doch damit war die Razzia noch nicht beendet. Bereits Monate vorher suchte die Sittenpolizei aus der Kartei von ca. 5000 Personen – der berüchtigten Rosa Liste – zahlreiche Opfer heraus, die sie als „Gefährliche Gewohnheitsverbrecher“ markierte. Sie alle waren bereits einmal nach § 175 verurteilt worden.

Bildtafel zum § 175 aus der Multimedia-Collage "Kann denn Liebe Sünde sein? - Bruno Balz, Hitlers Hitschreiber"

Bruno Balz – eines von unzähligen Opfern des „Schwulenparagraphen 175“ Bildtafel  aus der Multimedia-Collage „Kann denn Liebe Sünde sein?“

Am 21. Oktober morgens um sechs Uhr wurden deren Wohnungen durchsucht. So stürmte die Polizei die Wohnung von Franz Kopriva in der Seidlstraße nahe dem Münchner Hauptbahnhof ohne Vorankündigung und ging äußerst rabiat vor. Sie traf ein schwules Liebespaar an. Der jüngere versuchte sich noch zu verstecken. Es war zwecklos. Die Beamten stöberten den 18-jährigen unter dem Bett auf. Sein Partner war der 34-jährige Franz Kopriva. Er stammte aus einfachen Verhältnissen und kam 1930 aus Österreich nach München. Hier fand er Arbeit. An bekannten Treffpunkten lernte er junge Männer kennen. Seit 1931 wurde er immer wieder zu geringen Haftstrafen verurteilt. Verhängnisvoll war, dass er nun in der Homosexuellen-Liste der bayerischen Polizei als Wiederholungstäter eingetragen war. Robert und Franz wurden sofort festgenommen. Franz, der ältere, galt als der Verführer und sollte schwer bestraft werden: Er wurde nach Dachau gebracht und wie seine Leidensgenossen isoliert in einer Baracke untergebracht. Sie war auch in der Nacht hell erleuchtet und scharf bewacht, so daß kein Kontakt zwischen den Häftlingen möglich war. Die SS im Konzentrationslager glaubte mit Essensentzug und besonders schwerer Arbeit Homosexuelle zu Heterosexuellen umerziehen zu können.
Was hier vor 82 Jahren begann, war der Auftakt zur offenen Hatz auf Schwule. 1935 wurde der § 175 verschärft. Sexualität musste sich dem Staatsziel der Bevölkerungsvermehrung unterwerfen. Von nun an galten Homosexuelle als Staatsfeinde. Ihre Todesrate in den Konzentrationslagern stieg in den 1940er Jahren auf über 50%. 

Homosexuelle KZ-Häftlinge in einer Bildcollage von Gaby dos Santos aus der Produktion "Kann denn Liebe Sünde sein? Bruno Balz, Hitlers Hitschreiber"

Homosexuelle KZ-Häftlinge in einer Bildcollage von Gaby dos Santos aus der Produktion „Kann denn Liebe Sünde sein?–  Bruno Balz, Hitlers Hitschreiber“

Die mit dem Leben davongekommen sind, warteten vergeblich auf eine Entschädigung oder auf ein Wort der Entschuldigung. Die Verfolgung von erwachsenen Männern, die einvernehmliche sexuelle Kontakte hatten, ging weiter und endete erst nach weiteren 20 Jahren. 

Albert Knoll, Historiker, Vorstand des Vereins Forum Homosexualität München und Archivar der Gedenkstätte Dachau

Albert Knoll, Historiker, Vorstand des Vereins Forum Homosexualität München und Archivar der Gedenkstätte Dachau

Soweit im Wortlaut die Rede, die Albert Knoll am 20. Oktober 2009 am Münchner Oberanger hielt, an genau jener Stelle, an der 75 Jahre zuvor in der Schwulenkneipe „Schwarzfischer“ die Verfolgung der Münchner Schwulen begonnen hatte. Knoll ist Historiker, Vorstand des Vereins Forum Homosexualität München, Archivar der Gedenkstätte Dachau und widmet sich seit Jahren der historischen Aufarbeitung der Ausgrenzung und Verfolgung (Münchner) homosexueller Männer. Entsprechend beendete er damals seine Rede mit einem Appell: „Die Stadt München hat eine Verpflichtung, ihre Bürger an diese „vergessene Opfergruppe“ zu erinnern. Sie sollte sie in das „offizielle Gedächtnis“ einbinden und ihr ein würdiges Angedenken gestalten, wenn möglich an einem authentischen Ort wie diesem.“

Die Stadt reagierte. Bereits im letzten Herbst sollte am Oberanger eine Gedenkstätte eingeweiht werden: Mahnmal und Erinnerung an die Menschen verachtenden Vorgänge, die an diesem Ort 1934 eine noch grausamere Dimension gegenüber schwulen Mitbürgern annahmen. Die Einweihung wurde in Folge auf 2016 verschoben, für unsere Kulturplattform jourfixe-muenchen Anlass, in diesem Herbst unter dem Titel „Rosa Winkel“ eine begleitende Themenreihe zu konzipieren. Inzwischen steht die Themenreihe fest, das Einweihungsdatum des Mahnmal jedoch nicht (mehr). Es wurde auf noch unbestimmte Zeit verschoben. Natürlich habe ich keinen Einblick in die Gründe, die die Landeshauptstadt veranlasst haben, diese Einweihung ein weiteres Mal kurzfristig zu vertagen. Allerdings hoffe ich darauf, dass sie in allernächster Zeit nachgeholt werden möge, denn die Zeiten stehen politisch derart auf „Sturm“, wie ich es mir vor einigen Jahren noch nicht hätte träumen lassen.

Noch 2004 empfand ich eine Vita, wie die des schwulen Textdichters „Bruno Balz“, der von den Nazis sowohl verfolgt, wie auch als Hitschreiber instrumentalisiert wurde, als eine Art tragisches historisches Kuriosum. Entsprechend inszenierte ich es damals gemeinsam mit Sängerin Andrea Giani als Kapitel aus einer  – glücklicherweise – vergangenen Zeit. Auch noch 2012, als ich gemeinsam mit dem Historiker Christian Sepp (Autor der Biografie über Sophie Charlotte, Sisis unglücklicher Schwester) die Produktion um eine Reihe historischer Fakten und Musiken ergänzte, ordnete ich sie für mich unter „Episode aus der NS-Historie“ ein.

In diesem Herbst nun wird die „Bruno-Balz“-Collage im Münchner NS-Dokumentationszentrum erneut in Reprise gehen, mit dem Schweizer Schauspieler Andreas Michael Roth als Sprecher sowie Peter John Farrowski als Interpret der unvergessenen Chansons von Bruno Balz, vorwiegend in Vertonungen von Michael Jary. Schon 2012 hatte ich mich bewusst dafür entschieden, die wunderbare Stimme von Andrea Giani durch eine männliche Stimme zu ersetzen, um so die Doppelbödigkeit der Balz’schen Liedtexte erfahrbar zu machen, auf die mich Jürgen Draeger, Lebensgefährte und Nachlassverwalter von Bruno Balz (www.bruno-balz.com) wiederholt aufmerksam gemacht hatte. So textete Balz, kaum aus Gestapo-Haft entlassen, für den Zarah-Leander-Blockbuster „Die große Liebe“ munter: „Mein Wahlspruch heißt: Erlaubt ist, was gefällt: Mein Leben für die Liebe, jawohl! Mein ganzes Glück ist Liebe, jawohl! Ich kann nun mal nicht anders, ich muss nun mal so sein, ein Herz wie mein Herz ist nicht gern allein – Und Nächte ohne Liebe, oh nein!“ 

In Zusammenhang mit meinen Recherchen zu der „Bruno-Balz-Collage“ habe ich immer schon den nahtlosen Übergang von einer toleranten Weimarer Republik in die Enge der NS-Diktatur als erschreckend empfunden. Inzwischen, 2016, bei nochmaliger Durchsicht meiner Produktion, macht mir dieser damals so rasant vollzogene Bruch freiheitlicher Werte richtiggehend Angst. Nie hätte ich mir träumen lassen, dass ich eines Tages in unserer Gesellschaft erschreckende Parallelen zum „Marsch ins Dritte Reich“ feststellen würde. Dabei können wir für uns noch nicht einmal jene katastrophalen wirtschaftlichen Zustände reklamieren, die u.a. Deutschland damals in die NS-Diktatur trieben. Wer hier und heute jammert, tut dies im historischen Vergleich auf äußerst hohem Niveau. Für viele BürgerInnen scheint ein (historisch mitverursachter) Flüchtlingsstrom auszureichen, alle Unsäglichkeiten unserer jüngeren Vergangenheit ganz schnell unter einen Tisch zu kehren, der längst dem Stammtisch „böser Volkes Stimmen“ wieder gefährlich nahe kommt. Und die richten sich immer und zuallererst gegen jene Minderheiten, die sich in puncto Herkunft und/oder Lebensentwurf von der Masse unterscheiden.

Dagegen gilt es für mich anzugehen, unter anderem ganz konkret beim alljährlichen Gedenkmarsch für die verfolgten Münchner Schwulen, veranstaltet vom  Forum Homosexualität München und gefördert durch das Kulturreferat München,

am Donnerstag Abend, 20.Oktober 2016, um 19 Uhr, am historischen Treffpunkt Dultstraße Nr. 2, Ecke Oberanger

Auch die „Rosa Liste“ München ruft zu diesem Marsch auf. Diese kommunal-politische Gruppierung hat in unserer Stadt erfolgreich seit den 90er Jahren die negativ besetzte historische Bedeutung des Begriffs „Rosa Liste“ durch reale politische Mitgestaltung neu definiert, allen voran dank des Engagements von Stadtrat Thomas Niederbühl (s. auch den Blog-Beitrag Ganz normal anders?). Dabei frage ich mich, ob nicht gerade wir heterosexuell lebenden Mitbürgerinnen und Mitbürger uns nicht auch verstärkt an dieser Gedenkveranstaltung beteiligen und damit ein Zeichen der Solidarität setzen sollten? Gerade jetzt!!!

(Titelbild: Albert Knoll, Gedenkmarsch 2015, rechts im Bild)


Nachstehend eine Übersicht der weiteren Veranstaltungsbeiträge:

Freitag, 21.10., 19 Uhr, NS–Dokumentationszentrum , Brienner Straße 34, Platzres. Tel. Tel. 233-67000, Eintritt frei,  Künstlerportrait:  „Kann den Liebe Sünde sein?“ –Bruno Balz
Als Schwuler verfolgt, als Hitlers Hitschreiber instrumentalisiert … Mitwirkende:
Toni Netzle (Einführung), Peter John Farrowski (Gesang)
Andreas Michael Roth (Regie, Textvortrag)
Gaby dos Santos (Produktion, Textvortrag; Bildcollagen) Im Anschluss Podiumsdiskussion moderiert von Albert Knoll
Historiker, Vorstand des Vereins Forum Homosexualität München
und Archivar der Gedenkstätte Dachau.

DI, 15.11., 19.30 Uhr, SUB – Schwules Kommunikations- u. Kulturzentrum München,  Müllerstr. 14, Tel. 8563464-00, Eintritt frei
„Gottes verstoßene Kinder?“
Essayistischer Vortrag von
  Jon Michael Winkler, der die Vereinbarkeit von Homosexualität und Spiritualität in der abendländischen Kulturgeschichte hinterfragt
Podiumsgäste der anschließenden Diskussion:
Thomas Niederbühl, Stadtrat der Rosa Liste, Politiker und studierter Theologe
Ludwig Schmidinger, Pastoralreferent, Bischöflicher Beauftragter für KZ-Gedenkstättenarbeit in der Erzdiözese München und Freising, 

Außerdem angefragt: Vertreter_Innen der evangelischen Kirche; Details folgen 


  Download (PDF) der Themenreihe „Rosa Winkel“

Die Themenreihe wurde realisiert mit freundlicher Unterstützung:

 

 

 

 

 


Zum Verzeichnis aller bisherigen jourfixe-Blogbeiträge mit jeweiligem Link  

 

Standard
Allgemein

Was für ein Herbst!

Was für ein Herbst-Kaleidoskop: Schwarzwald-Expeditionen, eine Veranstaltung mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, unser neuer Oberbürgermeister Dieter Reiter hautnah im PresseClub, ein Engagement an die Evangelische Akademie in Tutzing, eine Demo gegen den Rest der Welt, Chorprobe im Herkulessaal, Vortrag zur Sterbehilfe im Bayerischen Landtag, russischer Tanzabend im Gasteig, Gedenkmarsch der Rosa Liste, Tortenschlacht mit Naomi Isaacs, eigene Aufführungen und und und … Wenn man dann bedenkt, dass ich diesen Herbst mit einer psychosomatischen Reha eingeleitet habe, dann wundert nichts mehr.

Bei dem leidenschaftlich selbst gewählten Lebensstil kann mir keine psychosomatische Klinik auf der ganzen Welt weiterhelfen. Was ich mir dort erträumt hatte, war wohl eine Art Doping-System ohne Nebenwirkungen, um noch mehr aus dieser vielseitigen, schillernden, spannenden Welt in meinem Leben mitnehmen zu können. Da hilft nur eines, was ich mir eh angewöhnt habe: Notbremse ziehen, wenn es mal wieder zu bunt wird!

Gaby dos Santos

Ergotherapeutische Seidentücher, original von mir  in zahllosen Ergotherapie-Stunden produziert, wobei sich dankenswerterweise die Farben stets selbst schattierten, mit schönen Effekten, die mich jedoch bezweifeln lassen, ob wohl wirklich viel eigenes „Dos-Santos-Ich“ in diese Tücher ein-geflossen ist? Die Alternative wäre Körbe flechten gewesen.

Gleichgeschaltet im therapeutischen Hamsterrad fand ich mich jedenfalls in meiner Reha wieder, beraubt aller meiner Möglichkeiten, mir einen eigenständigen, ausgefüllten Alltag zu gestalten. Und das ist mir so gar nicht bekommen. Überhaupt: Unsere Psyche ist unser geistiger Fingerabdruck und daher nicht ohne weiters verallgemeinbar, was in krassem Widerspruch zu dieser Zeit der klammen Kassen steht, in der Massenabfertigung auch im medizinischen Bereich gefragt ist. Jedenfalls hieß es auf Kur „Gruppe, Gruppe“, bis zum Abwinken. Einzig die Gruppentherapie unter Leitung des türkischen Facharztes für Psychosomatik, Dr. Mehmet Tokus, erwies sich als  Highlight-Erfahrung, obwohl auch „Gruppe“:

In obiger Runde lernte ich den persischen Dichter und Sufi-Mystiker RUMI (1202 -1273) sowie mich selbst ein wenig besser kennen. Ein weiteres Merkmal jeder Gruppentherapie, neben der Stuhllanordnung, ist die bereit stehende Kleenex-Box, die hier allerdings schon verräumt und daher auf dieser Abbildung nur angedeutet ist.

Gruppentherapie: Selten so intensiv und in so geistreichem Umfeld geheult – So lässt sich meine Initiation in die Welt der Gruppentherapie zusammenfassen. Durch unseren türkischen Therapeuten und die in dieser Gruppe vorwiegend türkischen Mitpatienten, wehte ein mediterraner Hauch durch den Therapie-Raum. Die Seele wurde anhand der Befindlichkeit einzelner Gruppenmitglieder individuell beleuchtet, auf ebenso einfühlsame wie taktisch kluge Weise. Spannend wurde es immer, wenn sich Dr. Tokus mit halb geschlossenen Augen zurücklehnte, die Gruppe einige Minuten lang in ein beredtes Schweigen fallen ließ, um dann, mit einer durchdacht formulierten Nachfrage, eine Situation aus der Schwebe psychologisch auf DEN EINEN Punkt zu bringen, an dem alle Anwesenden auch ein Stück von sich selbst wiederfanden.  Veranschaulicht wurde das Ganze anhand von Zitaten aus der Welt der Psychoanalyse, aber auch anhand orientalischer Mystik, beispielsweise Zitate von Rumi (s.Foto). Grundsätzlich verkörperte Dr. Tokus für mich etwas von jenem Geist, der den Orient hatte blühen lassen, als Europa sich noch im finstersten Mittelalter befand. Zudem leitete er als „Moderator“, wie er sich bezeichnete, eine Gruppe, in der eine südländisch emotionale und sehr empathische Stimmung herrschte, in der ich mich geborgen fühlte.

Gaby_dos_Santos_schwarzwaelder_LieblingskuhDas euphorische Umarmen von Baumstämmen hingegen, wie von einer anderen Therapeutin angeregt, wäre weniger „meines“ gewesen. Zu barfußtanzend, mal abgesehen davon, dass meine Arme (ausprobieren tue ich alles mal) sich als zu kurz für Baumstämme erwiesen und ich meine Naturverbundenheit eher anhand von Monologen mit Tieren, z. B. mit der erstaunten Kuh links bekunde. (Original-Momentaufnahme)

Schwarzwald_Gaby_dos_SantosAb Woche Drei meiner Seelenrevision am psychosomatischen Fließband erreichte meine Stimmung einen absoluten Tiefpunkt, so dass ich beschloss, die geographische Lage meiner kleinen Reha-Klinik auszunutzen. Statt weiter bei schönstem Sonnenschein in der Lehrküche Vollkornbrote zu produzieren, die ich daheim unter Garantie nie backen würde oder stundenlang in einer Turnhalle Federbälle als sporttherapeuthische Maßnahme zu schlagen, seilte ich mich in die Idylle des Schwarzwalds ab.

Schwarzwald_Stimmungsbild_Gaby_dos_Santos_jourfixe-Blog

Es folgten 10 wunderbare letzte Tage Wanderurlaub, gesponsert von der DRK, für die ich sehr dankbar bin. Alleine auf Wanderschaft, konnte ich endlich wieder meinen Rhythmus selbst bestimmen, überraschende Eindrücke und auch Erfolgserlebnisse sammeln, als ich unbeirrt auf meinen kurzen Beinen einen Haufen Kilos über 800 Höhenmeter und als schwierig eingestufte Routen bergauf schleppte. Dabei bedachte ich besonders schöne Stellen stets mit einer ausgiebigen Zigarettenpause. Schließlich besagte eines von Dr. Tokus orientalischen Zitaten: Das Bargeld ist die Gegenwart …

Historische_Plotzsaegmuehle_Schwarzwald_Gaby_dos_Santos

Die Plotzsägmühle bei Bad Herrenalb ist bis heute aktiv

Historie_der_Ploetzsaegmuehle_im_Schwarzwald_Bad_Herrenalb_Gaby_dos_Santos

Die wechselvolle Chronik der Ploetzsägmühle im Schwarzwald

Die Plötzsägmühle in der guten alten Zeit

Die Plötzsägmühle in der guten alten Zeit

Politik inmitten Schwarzwälder Idylle

Politik inmitten Schwarzwälder Idylle

Holzbrücke über die Alb

Holzbrücke über die Alb

Die Alb

Die Alb

100 Millionen Jahre haben diese Felsbrocken auf dem Buckel

100 Millionen Jahre alte Felsbrocken

 

 

 

 

Gaby_dos_Santos_jourfixe-muenchen

Back in town, wie schön! Ich hatte mein Leben zurück! Statt „Macht Schokolade glücklich?“ (Angeblich „ja“, wenn man sie als kleines Stück minutenlang auf der Zunge zergehen lässt) erwartete mich nun ein Seminar im Gasteig zum Thema „Europa fördert KULTUR“- aber wie?„, veranstaltet vom Kulturreferat in Kooperation mit dem „Cultural Contact Point“, respektive der für Deutschland zuständigen Anlaufstelle in Bonn. Vormittags wurden all die Punkte aufgezählt, die für die EU-Jury maßgeblich sind, um Fördermittel in einer Höhe auszuschütten, von der hier vor Ort unsereins nur träumen kann. Aber diese Kriterien wollen ja erstmal in ein künstlerisches Konzept eingebunden und mindestens zwei Partner in zwei weiteren EU-Ländern gefunden werden. Nachmittags hieß es dann – wieder einmal – eine Gruppe! bilden und gemeinsam ein fiktives Thema fördergerecht aufzubereiten. Meine Gruppe folgte dem augenzwinkernden Vorschlag des Schauspielers und Regisseurs Jochen Strodthoff: Museumsluft einfangen und an einem anderen, EU-kompatiblen Ort künstlerisch wieder ausschütten. Wie riecht der Schweiß der Besucher im Angesicht der Mona Lisa? Kunst ganz nah am Menschen – oder so … Interessierten Kolleginnen und Kollegen wenden sich an die Hotline Tel. 0228/201 35-0 oder nutzen nachstehenden Link: http://www.creative-europe-desk.de

Demo gegen alles am Rindermarkt

Demo gegen ALLES am Rindermarkt

Meine alte Bekannte Zehra Spindler hatte auf Facebook zur Demo gegen Monsanto aufgerufen. Naomi Isaacs, Cornelia Prössl und ich hielten dies für eine wichtige Aktion und fanden uns am Rindermarkt ein. Ein wenig spannungsgeladen erschien mir die Stimmung schon, als sich der Treffpunkt allmählich füllte. Es fanden sich viele „wir“ ein, die „wir“ aus den 68er/70 und frühen 80er Jahren, ergraut aber doch immer noch voll Elan dabei und mehr oder weniger in unveränderter Kampfaufmachung. Was dann doch dem einen oder anderen in der Menge einen leicht mumifizierten Anstrich verlieh.

Neue globale Verschwörungstheorien in Buchform werden uns Demonstranten am Sendlinger Tor verlesen

Neue globale Verschwörungstheorien in Buchform werden uns Demonstranten am Sendlinger Tor verlesen

Irgendwie schien es um respektive gegen die ganze Welt zu gehen. Wie wir später erfuhren, hatten sich aus organsiatorischen Gründen alle nur möglichen und unmöglichen Splittergruppen zusammen geschlossen. Schade, denn so verwässerte sich jegliches Anliegen und die Aktion glitt ins Fragliche ab, als die Gelegenheit genutzt wurde, um das neueste Druckwerk in Sachen „Globale Verschwörungstheorien“ ausgiebigst anzupreisen, nachdem man – immerhin – bis Sendlinger Tor über die gesperrte Hauptstraße marschiert war, angeführt von brasilianischen Blechrhythmen. Nachdem sich für uns die Veranstaltung immer mehr ihres Sinnes entleerte, zogen wir weiter zum Damenkränzchen mit absolut glücklich machendem Schokoladenkuchen, in welchem wir unsere Weltverbesserungsambitionen für diesen Tag begruben …

Allround-Küsntlerin Naomi Isaachs und ich bei der Tortenschlacht fotografiert von Aniela Adam, www.die-fotografin-iin-muenchen.de

Allround-Küsntlerin Naomi Isaacs und ich bei der Tortenschlacht, fotografiert von Aniela Adams, http://www.die-fotografin-in-muenchen.de

Florian Pronold, Landesvorsitzende der BayernSPD, Bundesumwelt- und Baustaatssekretär zu Gast im PresseClub

Florian Pronold, Landesvorsitzende der BayernSPD, Bundesumwelt- und Baustaatssekretär, zu Gast im PresseClub

Mein Engagement als politisch denkende Bürgerin erhielt bald darauf einen erheblichen Dämpfer – Dachte ich doch, inzwischen über diverse TV-/Print – und Internet-Beiträge alles nur Wissenswerte über TTIP in Erfahrung gebracht zu haben und dann kommt Florian Pronold in den PresseClub und plädiert für ein Überdenken der totalen Ablehnung von TTIP! Hierzu hat die Bayern-SPD auch eine ausführliche, via-Livestream übertragene Debatte ins Netz gestellt und inzwischen ergänzt. Nachstehend der Link

http://bayernspd.de/ttip-debatte/

An dieser Stelle gestehe ich: Momentan habe die politische Bürgerin Gaby dos Santos gar nicht die Zeit, diesen Beitrag durchzuarbeiten, merke mal wieder, wie schwer es arbeitenden Menschen fällt, sich wirklich so umfassend zu informieren, wie es die Themen erfordern würden. Und wann bitte die tägliche Flut an Meldungen auf ihren Wahrheitsgehalt erschöpfend prüfen? Andererseits verleitet Facebook allzu oft zu vorschneller Parteinahme. Damit möchte ich jetzt nicht sagen, dass ich bzgl. TTIP die Seiten wechsle, sondern meine Meinung zurückstelle, bis ich die Zeit finden werde, alles in Ruhe durchzusehen.

Chorprobe im Herkulessaal mit gefühlvollen Smartphone-Anklängen

Chorprobe im Herkulessaal mit gefühlvollen Smartphone-Anklängen

In der selben Woche lud der Chor der Bayerischen Philharmonie zur Generalprobe in den Herkulessaal der Münchner Residenz, zu Haydn’s „Die Schöpfung“, unter der engagierten Leitung von Mark Mast. Spannend an dieser Produktion war die Einbindung des Barockorchesters L’arpa festante, welches Originalinstrumente aus der Zeit einsetzt, wodurch klangtreue Aufführungen nachempfunden werden können. Während des Konzerts beschäftigte mich allerdings noch eine Frage der zwischenmenschlichen Art: Der Bariton–Solo-Engel war, sobald nicht singend, coram publico nonstop mit seinem Smartphone zu Gange und lächelte dabei wie ein Honigkuchen-Pferd in sich hinein. Amors Pfeile aus der virtuellen Welt? Wäre auch ein Aspekt der Schöpfung  ;–)) Mehr zur Bayerischen Philharmonie, die heuer 20. Jubiläum feiert unter http://www.bayerische-philharmonie.de/Startseite

 

Der alljährliche Gedenkmarsch für die homosexuellen NS-Opfer am 20.10. endete vor dem LeTrans

Der alljährliche Gedenkmarsch für die homosexuellen NS-Opfer am 20.10. endete vor dem LeTrans, der Münchner Begegnungsstätte für Lesben und Transsexuelle

Die homosexuellen Häftlinge kennzeichnete ein rosa Winkel. Um dem Lager-Inferno zu entkommen, willigten eine ganze Reihe Schwuler in eine "freiwillige" Kastration ein

Die homosexuellen Häftlinge kennzeichnete ein rosa Winkel. Um dem Lager-Inferno zu entkommen, willigten eine ganze Reihe Schwuler in eine „freiwillige“ Kastration ein

20. Oktober 1938: Mit dem Übergriff auf die Gäste der Schwulenkneipe „Schwarzfischer“  am Oberanger, Ecke Dultstraße, erwies sich „die Hauptstadt der Bewegung“ auch als Vorreiterin der Verfolgung Homosexueller in der NS-Zeit.

Organisiert von der Rosa Liste,  dem Forum Homosexualität, u.a., versammeln sich jedes Jahr an dieser Stelle vorwiegend Schwule und Lesben, zu einem kleinen Marsch mit Lichtern. Und „klein“ war hier für meinen Geschmack ein Störfaktor. Ich finde, dass noch immer zu wenig der noch kleineren Minderheiten innerhalb der unter den Nazis verfolgten Minderheiten gedacht wird. Auch von den betroffenen Gruppen selbst. Etwa 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer habe ich gezählt. Für all das Leid, das hinter diesem Gedenktag steht, noch immer zu wenig.  Zu wenig für all die Schwulen, welche, wie Stadtrat Thomas Niederbühl, Vorsitzender der ROSA LISTE,  in seiner berührenden Rede treffend sagte, kein anderes Verbrechen begangen hatten, als zu lieben. In seiner Ansprache wies er auch auf die erfreuliche Tatsache hin, dass im nächsten Jahr genau an diesem Ort ein Denkmal aufgestellt wird. Außer ihm sprachen Rita Braatz (LETRA) und der Historiker Albert Knoll, Vorstandsvorsitzender des forum homosexualität münchen, Lesben und Schwule in Geschichte und Kultur. Knoll forderte nicht nur zum Gedenken auf, sondern äußerte auch die Hoffnung, dass schon bald ein würdiger Erinnerungsort nah am Ort des Ereignisses entstehen soll. Interessierte können beispielsweise mit Unterstützung des forum über Lebensläufe betroffener Schwuler forschen und sie aufschreiben. (Zitat Homepage „forum homosexxualität münchen“) http://www.forummuenchen.org/

Das Foto zeigt von li.; Frau Dr. Bosselli, Geschäftsführerin des Forums Kirche und SPD, die evangelische Stadtdekanin Barbara Kittelberger, Prof. Dr. Manzeschke, die SPD-Landtagsabgeordnete Diana Stachowitz, Bürgermeisterin a. D. Gertraud Burkert nach der Veranstaltung im Bayerischen Landtag

Von li.; Frau Dr. Bosselli, Geschäftsführerin des Forums Kirche und SPD, Stadtdekanin Barbara Kittelberger, Prof. Dr. Manzeschke, SPD-MDL Diana Stachowitz, Bürgermeisterin a. D. und Münchner Ehrenbürgerin Gertraud Burkert, nach der Veranstaltung am 21.10.14 im Bayerischen Landtag

Im „Forum Kirche und SPD“ folgte am nächsten Abend die Auftaktveranstaltung der Reihe “Sterbehilfe-Palliativmedizin-Hospiz”. Prof- Dr. theol. habil. Arne Manzeschke, LMU München, referierte über „Veränderungen im Gesundheitswesen, unter dem Aspekt „des Umgangs unserer Gesellschaft mit Tod und Sterben“. Mit seinem Vortrag warf Manzeschke vor allem Fragen auf, was ich angesichts des Thema für absolut richtig hielt. Ebenso bestürzt wie nachdenklich stimmten mich die Wortmeldungen einer Reihe von Gästen, die über sehr persönliche Erfahrungen berichteten.  Diese handelten von äußerst qualvollen Sterbeprozessen. Diese Schilderungen ergänzte Stadtdekanin Barbara Kittelberger mit einen sehr leidenschaftlichen Einwurf: Während ihrer Klinikseelsorge habe sie nichts erlebt, was eine Verklärung des Sterbens rechtfertige. „Man stirbt sehr alleine, so alleine, wie man gekommen ist.“ Angesichts solcher Äußerungen fällt es schwer, Forderungen wie der unseres EKD-Vorsitzenden 100%ig beizupflichten, welcher „schmerzfreies Sterben bei liebevoller Betreuung“ propagiert. Ein frommer Wunsch, der aber – noch? – keineswegs der Realität entspricht. Weder von den Möglichkeiten der Schmerztherapie her, noch angesichts des Pflegenotstands. Aber sicher sollte ein Ausbau der Palliativ-Medizin energisch voran getrieben werden. Persönlich halte ich dennoch nichts von einer Legalisierung der Sterbehilfe. Ich denke, den Ärzten ist schon heute ein gewisser Spielraum gegeben, abhängig von deren Gewissen, welches sich ja auch schlecht staatlich reglementieren lassen würde – oder? Diese Frage wird unsere Gesellschaft jedenfalls noch lange begleiten, und ich bin dem Forum Kirche und SPD dankbar, dass es dieses Thema unter verschiedenen Aspekten auch 2015 weiter beleuchten wird. 

Ein weiteres Schwerpunktthema 2015 wird der interreligiöse Dialog sein, für mich, in Hinblick

Ein Stück neuere bayerische Geschichte dargestellt in Kurzbeiträgen und herausgegeben von Franz Maget, Vorsitzender des Forums Kirche und SPD

Ein Stück neuere bayerische Geschichte dargestellt in Kurzbeiträgen und herausgegeben von Franz Maget, Vorsitzender des Forums Kirche und SPD

auf meine geplante Collage zum Reformationsjahr, ebenfalls ein dankbares Thema.

Mehr Informationen zum Forum Kirche und SPD,  über http://sonntags-blog.de/termine/

Peter Lang alias "Genosse Rock'n Roll" 2014, Foto: Werner Bauer

Peter Lang alias „Genosse Rock’n Roll“ 2014, Foto: Werner Bauer

Mein Freund, Sponsor und Kooperationspartner Peter Lang blickt auf eine erfolgreiche Musikerjugend in Ungarn zurück, als Mitbegründer der ungarischen Kultbands OMEGA und HUNGARIA. Mit letzterer gewann er 1968 „Ungar sucht den Superstar“, zu einer Zeit also, als Dieter Bohlen quasi noch in Windeln lag. Entsprechend angesehen ist Peter bis heute in den ungarischen Kreisen Münchens.

  
Daher erhielten wir über das ungarische Online-Magazins Ungarn-Panorama
die Einladung zu einer Veranstaltung mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, zu der die deutsch-ungarische Gesellschaft in die Hanns Seidel Stiftung geladen hatte.

Unter den Gästen fand sich übrigens auch, ganz ungewohnt mit Schlips und Kravatte, Musiker und Produzent Leslie Mandoki, zu meiner Überraschung ein guter alter Bekannter und ehemaliger Kooperationspartner von Peter.

In der Hanns Seidel Stiftung, als Gastgeberin einer Veranstaltung mit Viktor Orbán, die Präsidentin der deutsch-ungarischen Gesellschaft in München, Elisabeth Schosser

In der Hanns Seidel Stiftung, als Gastgeberin einer Veranstaltung mit Viktor Orbán, die Präsidentin der deutsch-ungarischen Gesellschaft in München, Elisabeth Schosser – Foto: Ungarn Panorama

Viktor Orbán kam in Begleitung von Edmund Stoiber, welcher auch die Begrüßungsrede hielt. Kern seiner Rede war ein Appell, Ungarn mit differenzierteren Augen zu betrachten. In diesem Punkt sprach er mir aus der Seele, nicht nur in Bezug auf Ungarn, sondern ganz grundsätzlich: Meiner Meinung nach sollten wir uns ein wenig damit zurückhalten, anderen Ländern öfter mal unsere Auffassung von „political correctness“ aufdrücken zu wollen. Zu Recht wies Viktor Orbán gestern darauf hin, dass jedes Land seine eigene (kulturelle) Geschichte habe und damit andere Verhältnisse, auf die mit unterschiedlichen, nicht eins zu eins übertragbaren Wegen reagiert werden müsse.

Peter Lang mit ca. 6 Jahren

Peter Lang mit ca. 6 Jahren

Was weiß denn ich, ein aus den komfortablen westdeutschen Verhältnissen hervorgegangenes SPD-Mitglied, wie meine politische Einstellung aussähe, wenn man meine Familie unter einem kommunistischen Regime enteignet hätte, mit fatalen Folgen für die Großeltern, wie bei Peter Lang z. B. der Fall? Wenn ich jahrzehntelang durch eine Diktatur in eingeschränkt gewesen wäre? Und würde ich mir weiterhin die Vision einer gesellschaftlichen Chancengleichheit leisten wollen, wenn mich nicht das engmaschige deutsche Sozialnetz sichern würde, ich vielmehr um meine nackte Existenz fürchten oder gar kämpfen müsste? Oder aber Millionen gescheffelt hätte?

Wie auch immer. Man kommt nicht umhin, der Orbán-Regierung zuzugestehen, dass das Land unter ihrer Führung einen Aufschwung erlebt und mit einer entsprechenden absoluten Wahlstimmen-Mehrheit für ihre Fides-Partei quittiert worden ist.

Viktor_Orban_Hanns_Seidel_Stiftung_Gaby_dos_Santos_jourfixe-BlogEntsprechend groß daher  das Selbstbewusstsein, mit dem Orbán den aktuellen Zustand seines Landes darstellte. Seine Erfolgsbilanz würde ihn Auslandskritik mit entsprechender Gelassenheit hinnehmen lassen, gab er auf eine Frage zur Antwort. Gerne und gekonnt kokettierte er mit jenem Hang zur Provokation, der regelmäßig für heftiges Rauschen im ausländischen Blätterwald sorgt. Auch diesmal entsprach er seinem Image, wenn er wieder einmal  eine Ausführung mit „„Ich provoziere Sie jetzt mal …“ begann, um dann in charmantestem Plauderton eine politische Ansicht in überspitzter Form in den Raum zu stellen – und amüsierten bis begeisterten Applaus zu ernten.  Zeitweise habe ich mich, als Teil des Publikums, von ihm regelrecht vorgeführt gefühlt. Dabei redete Orbán weitgehend frei und zeigte sich besonders in der anschließenden Fragestunde als  schlagfertiger Interview-Partner.

Wer diesen Mann als populistischen Simpel disqualifiziert, wird ihm nicht nur nicht gerecht, sondern liefert ihm meiner Meinung nach eine willkommene Breitseite, sich weiter vor seinen Anhängern zu profilieren, als eine Art ungarischer David gegen die Goliaths EU, Auslandspresse und darüber hinaus. In einer Zeit, in der sich Politik immer mehr zu einer Frage von PR-Strategien entwickelt, spielen unangemessene bis unqualifizierte Pressestimmen einem rhetorischen Fechtmeister wie Orbán nur in die Hände, denn dieser Mann weiß offensichtlich die Mechanismen einer breiten Konsensbildung klug für sich zu nutzen.

Und das stimmt mich so nachdenklich. Politiker wollen gewählt werden. Allzu oft um jeden Preis. Auch hierzulande könnte ich Volksvertreter benennen, die sich öffentlichkeitswirksamst als Stammtisch nahe Hardliner präsentieren. Trifft man sie dann in kleinem Rahmen, z. B. im PresseClub, ist man überrascht festzustellen, wie charmant, geistreich und auch tolerant dem politischen Gegner gegenüber sie in Wirklichkeit sind. Also drängt sich die Frage auf, welche Art von politischem Verhalten sich Volkes Geist heranzüchtet? Mehr demokratische Reife wäre von uns allen gefragt.

Die Tatsache, dass ein charismatischer Politiker und/oder eine Partei es schaffen, breite Mehrheiten zu gewinnen, ist leider keineswegs Garant für eine dauerhaft wünschenswerte Politik. Dass sich ein Silberstreif am Horizont schnell in eine Götterdämmerung verwandeln kann, lehrt uns die Geschichte. Aber ebenso, niemals vorschnelle und indifferenzierten Urteile zu fällen. Vielem von dem, was Orbán in seiner Rede äußerte, kann ich weder von meinen politischen noch von meinen ethischen Überzeugungen her zustimmen, doch solange die EU-Regeln eingehalten bleiben, die nicht zuletzt der Wahrung unserer gemeinsamen europäischen Werte dienen, kann ich mich dem Anliegen Edmund Stoibers nach einer möglichst differenzierten Betrachtungsweise  Ungarn gegenüber nur anschließen.

Peter_Lang_Genosse_Rock_n_Roll_Praesentation_PresseClub_Muenchen_Gaby_dos_Santos_jourfixeBlog

Peter Lang während der Präsentation von „Genosse Rock’n Roll“ im abgedunkelten PresseClub, Foto: Elisabeth Sorger

Apropos Ungarn: Wie der Ungar Peter Lang seine Jugend- und erste Musikerzeit in seiner Heimat erlebte, erzählt die multimediale Collage „Genosse Rock’n Roll„, die wir letzten Donnerstag im PresseClub in einer komprimierten Version vorab vorgestellt haben, aus Anlass von Peter Langs 70. Geburtstag…

<< Peter Lang während der Präsentation von „Genosse Rock’n Roll“ im abgedunkelten PresseClub, Foto: Elisabeth Sorger, selbst Ungarin und sehr berührt von Peter Langs Reminiszenzen, die sie in ihre Jugendzeit zurück versetzten.

Im Rahmen der Tagung "ERSTER WELTKRIEG - EINE EUROPÄISCHE ERFAHRUNG" zeige ich am 5.12. unsere Collage zum 1. Weltkrieg

Die Evangelische Akademie in Tutzing: Im Rahmen der Tagung „ERSTER WELTKRIEG – EINE EUROPÄISCHE ERFAHRUNG“ zeige ich am 5.12. unsere Collage zum 1. Weltkrieg

Zuvor hatte mich eine kurzfristige Anfrage der Evangelischen Akademie in Tutzing an den Starnberger See geführt. An diesem idyllischen Ort werde ich am 5. Dezember eine leicht erweiterte und nunmehr komplett bebilderte Fassung der Collage zum 1. Weltkrieg zeigen, die Jon Michael Winkler und ich im Sommer für den Ökumenischen Gedenkgottesdienst in Haidhausen produziert hatten.
Der EKD-Vorsitzende und Landesbischof Heinrich Bedford-Strom mit Friedrich Kardinal Wetter beim Gedenkgottesdienst im Sommer, Foto: K. Stiessberger

Der EKD-Vorsitzende und Landesbischof Heinrich Bedford-Strom mit Friedrich Kardinal Wetter beim Gedenkgottesdienst im Sommer, Foto: K. Stiessberger

Damals nahm übrigens auch der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm teil, der am gleichen Tag, an dem ich die Evangelische Akademie besuchte, zum neuen Ratsvorsitzenden der EKD gewählt wurde. Doppelte Freude herrschte also bei mir, denn Bedford-Strohms Elan hat mich zu einem aktiven Mitglied meiner eigenen Gemeinde werden lassen und seine Posts auf FB verfolge ich mit Interesse, wünschend, dass alle Amtsträger, ob Kirche oder sonstige, soviel Transparenz an den Tag legen würden …

Dieter_Reiter_PresseClub_Muenchen_Gaby_dos_Santos_jourfixe-Blog

Dieter Reiter besucht erstmals den PresseClub München in seinem neuen Amt als Münchner OB

„Es macht schon Spaß, Bürgermeister zu sein“, lautete ein Statement von OB Dieter Reiter im Rückblick auf seine ersten 100 Tage im Amt. Man könne dann die Wege beschreiten, die man für sinnvoll halte. Zugleich betonte Reiter aber auch, ein Teamworker zu sein und sich gerne mit seinem Mitarbeiterstab zu besprechen, vor allem wenn er mit seinem Latein am Ende sei. (Ganz neue Töne im Rathaus!) Juristische Einwände seien dabei für ihn nicht prinzipiell hinderlich. So habe er sich in Bezug auf die Bayernkaserne nur seinem Gewissen und dem Artikel 1) des Grundgesetzes verpflichtet gefühlt. Im übrigen werde eine menschenwürdige, vernünftige und integrative Flüchtlingspolitik auch weiterhin ganz oben auf seiner Agenda stehen. Als vordringliches Thema kam auch die zweite Stammstrecke zur Sprache. Langsam sei seine Geduld am Ende, äußerte der OB, schließlich werde das Projekt ja auch nicht billiger. Sollte er vom Freistaat bis Ende des kommenden Quartals keine verbindlichen Zusagen erhalten, so wolle er sich mit dem Stadtrat bzgl. möglicher Alternativ-Lösungen auf rein städtischer Ebene besprechen, möglicherweise mit einem Zurückziehen der anteiligen Finanzierungsmittel.

Reiter bezeichnete sich selbst als „elenden Pragmatiker„. Das lässt sich durchaus auch als Umschreibung für „Macher“ auslegen. Und so hat er bei dem für uns Bürger so wichtigen Berufsstand der ErzieherInnen gleich mal bessere Verdienstmöglichkeiten ge“macht“, in Höhe von € 200,- pro Monat. Nach der Veranstaltung im PresseClub hat sich mein Eindruck verfestigt, für den richtigen Mann Wahlkampf betrieben zu haben. Ich denke, dass unter seiner Führung ein neuer Stil Einzug hält, jenseits allen irritierend staatstragenden Gehabes. Vielmehr erlebte ich unseren neuen OB als angenehm schnörkellos in der Diktion und so auf den Punkt, dass ich diesen ganzen Absatz praktisch aus dem Gedächtnis formulieren konnte. Wie angenehm bei einem Politiker, der auch betont, wie wichtig ihm die Wortkomponente „Bürger“ im „Bürgermeister“ sei, und dass er daher die Bürgersprechstunde, die er wider so manche Warnung bereits eingerichtet hat,  weiter etablieren wolle. Seine langjährigen Erfahrungen als Verwaltungsfachmann werden ihm ebenfalls beim Regieren unserer Stadt sehr zugute kommen. Aus dieser ehemaligen Funktion heraus klärte er viele von uns auch darüber auf, dass München inzwischen so gut wie schuldenfrei sei. Gute Aussichten also insgesamt für meine Wahl-Heimatstadt 😉

Peter_Lang_Genosse_Rock_n_Roll_Europaeische_Schule_Muenchen_Gaby_dos_Santos_Blaesser

Vorschau: Diesen Donnerstag, den 20. November, um 20 Uhr, findet die eigentliche Aufführung von „Genosse Rock’n Roll“ statt, in der Europa Halle der Europäischen Schule, Elise-Aulinger-Str. 21, München-Neuperlach, im Rahmen der ambitionierten Reihe „Europäische Identitäten“.

http://esmunich.de/home/hoehere-schule/projekte/europaeische-identitaeten.html

Koordinator ist Dr. Roland Jerzewski, dem wir diesen Auftritt verdanken, für den die Schule erstmals ihre Pforten der Öffentlichkeit zu einer Abendveranstaltung öffnet. Dies rührt mich ganz besonders, da ich selber meine gesamte Schulzeit auf einer Europäischen Schule verbracht habe, der in Varese/Italien. Jeder Auftritt an der Europäischen Schule in München fühlt sich für mich daher ein wenig ein „back to the roots“ an.

Mehr über die Collage

http://www.jourfixe-muenchen-ev.de/dhtml/jfkatalog/Genosse_Rock_n_Roll_Collage.htm

Eigentlich enthält dieser Blog mehrere Blogs, die ich jedoch zeitnah nicht schreiben konnte und dürfte daher als Lektüre bis Mitte Dezember reichen ;-))  da ich mich nach dem Auftritt am Donnerstag wieder einmal in Kreativ-Klausur begeben werde.


Zum Verzeichnis aller Blogs mit jeweiligem Link

Standard