„Ich drücke mit großem Vergnügen die Tasten …“ Der Komponist und Autor Thomas Erich Killinger am Piano des Historicals „Kann denn Liebe Sünde sein?“ über den schwulen UFA-Textdichter Bruno Balz, Reprise am 20.2., Pasinger Fabrik

… ich drücke mit großem Vergnügen die Tasten … ein wirklich hörens- und sehenswertes Ereignis … , schreibt der Komponist, Arrangeur und Autor Thomas Erich Killinger auf seiner offiziellen Facebook-Seite. anlässlich der bevorstehenden Wiederaufnahme meines Historicals „Kann denn Liebe Sünde sein? Bruno Balz, Hitlers heimlicher Hitschreiber.

Ein solches Statement schmeichelt zum einen, ist aber zum anderen für Produzent*Innen der Freien Künstlerszene unverzichtbar, wenn es darum geht, jemanden für ein Projekt zu gewinnen, der über das übliche Budget eigentlich nicht zu finanzieren wäre. Das gilt in meinem Fall für die Kooperation mit Thomas Erich Killinger, der für gewöhnlich mit umfangreichen Musik- und Musical-Produktionen befasst ist.

Thomas Erich Killinger dokumentierte einige Musik-Produktionen aus seiner kompositorischen  Feder in einer Bildcollage auf seiner offiziellen Facebook-Seite 

2016 stand eine Aufführung im NS-Dokumentationszentrum München an, und mein damaliger musikalischer Leiter war auf der Suche nach Playbacks für die beiden wichtigsten Chansons! Es handelte sich um Lieder die eine thematische Klammer im Stück bilden, um Das Lila Lied, die Hymne der Berliner Schwulen von 1925 und um Zeig der Welt nicht Dein Herz (1938), jener Song, der einem persönlichen Lebensmotto von Bruno Balz entspricht. Jedoch handelte es sich bei diesen zwei Titeln um offensichtlich musikhistorische Raritäten, die, anders als geläufige Zarah-Leander-Hits wie  Davon geht die Welt nicht unter oder Waldemar, als Playback nicht verfügbar waren. Die Aufführung rückte näher und meine Nervosität wuchs, als es zwei Tage vor unserem Auftritt plötzlich auf dem Anrufbeantworter hieß: „Gaby, wir haben jetzt einen Pianisten …“ 

Gemeint war Thomas Erich Killinger, der laut eigener Homepage, wie auch laut Wikipedia, eine erfreulich vielseitige künstlerische Vita auf hohem Niveau aufwies. Killinger, obgleich selbst eine „Hete“ (wie heterosexuelle Männer mitunter in der LGBT-Communitiy genannt werden) fühlte sich von der Thematik des Stücks, der Verfolgung schwuler Männer in der NS- und Nachkriegs-Zeit (§ 175), aus dem Stand heraus angesprochen. Daher schlug er spontan vor, nicht Playbacks einzuspielen, sondern selbsti, inklusive eigenem E-Piano aufzutreten! Die Erklärung dafür lieferte er mir bei einem Facebook-Chat im Anschluss an die Aufführung nach:

Killinger bei seinem ersten Bruno-Balz-Auftritt, 2016, NS-Dokuzentrum München

… nicht nur, weil ich die Menschen schätze, die sich für dieses Programm einsetzen, nein auch und besonders berührt und interessiert mich Bruno BalzDieses Statement Killingers schloss den Künstler Jürgen Draeger ein, dem als Zeitzeuge eine Schlüsselrolle in der Produktion zukommt, als letzter Lebensgefährte und Nachlass-Verwalter von Bruno Balz. In O-Ton-Einblendungen enthüllt Draeger ein bislang nur fragmentarisch bekanntes Kapitel deutscher Kulturgeschichte in so packenden Schilderungen, dass Killinger bereits nach der ersten Probe sinngemäß äußerte: Mein Einsatz hat sich für mich jetzt schon gelohnt. Eine bemerkenswert idealistische Einstellung in einer Branche, die für besonders harte Existenzkämpfe steht!

Seither hat Killinger die Weiterentwicklung der Produktion mit seinem Bühnen-Know How maßgeblich unterstützt und Schauspieler Lutz Bembenneck als Erzähler ins Ensemble geholt. Schließlich konnten wir noch den namhaften Chansonnier Albrecht von Weech als Interpret der UFA-Hits von Bruno Balz gewinnen. Und wieder investierte Thomas Erich Killinger viel Herzblut und noch mehr Zeit, um gemeinsam mit Albrecht von Weech einen mitreißenden Livemusik-Teil für das Historical zu entwickeln. Das Foto links zeigt die beiden Künstler 2018, bei Proben im Schwabinger Haus von Albrecht von Weech (im Foto links).

Soviel Einsatz wurde bei unserer Aufführung im November 2018, in der Pasinger Fabrik, mit einem ausführlichen Beitrag in der Süddeutschen Zeitung „Zarahs Wunder“ belohnt und mit einer ausverkauften Vorstellung in der geräumigen Wagenhalle des Theaters.

V.l.: Thomas Erich Killinger, Albrecht von Weech, Lutz Bembenneck, Gaby dos Santos; November 2018, Pasinger Fabrik/Wagenhalle

Daher wurde jetzt kurzfristig eine Reprise angesetzt, Mittwoch, 20.2., 19.30 Uhr, Pasinger Fabrik/Wagenhalle


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