THE MAN BEHIND: Crooner Thomas de Lates, Jazz-Sänger und neuer Erster Vorsitzender der Kulturplattform jourfixe-muenchen

Thomas de Lates singt …, hieß es urplötzlich, vor ca. 15 Jahren, in der Rundmail meiner langjährigen kulturellen Weggefährtin Petra Windisch.

Inzwischen verheiratet: Thomas de Lates und Petra Windisch de Lates

Ich stutzte, wie wahrscheinlich ein Großteil der Münchner Szene. Thomas de … WER? – War das am Ende wieder so jemand, der aus dem Nichts heraus die Chuzpe besaß,  sich auf einer Bühne selbstdarstellen zu wollen? Jemand, der meinte, von jetzt auf gleich in die übergroßen Fußstapfen jener treten zu können, die nicht nur über tatsächliches Talent verfügen, sondern auch Jahre in künstlerische Work Outs und Klinken putzen investiert haben und auch weiter investieren? Denn leider wimmelt es in den Künstlerszenen dieser Welt auch von eben jenen Möchtegerne, die, angelockt vom Scheinwerferlicht, nichts weiter darstellen, als personifizierte Selbstüberschätzung! Kein Wunder daher, dass selbst Quereinsteiger*Innen, die sowohl Talent wie auch die Bereitschaft zu Hingabe und lebenslangem Lernen mitbringen, zunächst einmal negativ beäugt werden, nach dem Motto: Da kann ja jede/r kommen!

Dabei entscheiden sich heutzutage immer mehr Menschen in der Mitte ihres Lebens dazu, ihm ein ganz neues, nunmehr der Kunst gewidmetes Kapitel hinzu zu fügen. So auch Thomas, wie in der unterhaltsamen Kurzbiografie nachzulesen ist, die das Jazzfest München 2015, anlässlich seines Auftritts mit dem Andi-Lutter-Trio veröffentlichte:

Nachkriegszeit in Deutschland: Um nach der Flucht aus Budapest erfolgreich die Familie durchzubringen, singt die Mutter in US-Offizierclubs – hauptsächlich Operettenmelodien (meist a capella). Und zuhause, beim Abwaschen, lehrt sie den Sohn ungarische Volkslieder. Der Vater hört abends Schellackplatten mit Zigeunermusik. Das prägt.

Dann, wegen schlechter Englischnoten: nachdrücklich verdonnert zu Radio Time, nämlich AFN – und zwar all day long! Also: Country Western, Musical-Melodien und Boogie Woogie. Und nach Schulschluss, in der Eisdiele: Elvis aus der Music-Box, just for fun. Resultat: Klassenbester im Fach Englisch. Auch das prägt.

Am Gymnasium wirkungsvoller Musikunterricht mit Klassik von Bach bis Bartók, von Susato bis Stravinsky. Und schließlich, auf einer Party im Service-Club der Münchener Henry-Kaserne: die Begegnung mit einer (unerreichbar) schönen Army-Angestellten, Grapefruitsaft aus der Dose und Jazz von Dave Brubeck – „Time Out“! Das prägt – und infiziert endgültig mit dem Jazz-Virus.

Der große Jazzpianist Joe Haider in den 70er Jahren im seinerzeit legendären Münchner Domicil; Foto: Sepp Werkmeister

Von da an Jazzabende im Schwabinger Domicile – andächtig Joe Haider, Pony Poindexter und Dollar Brand gelauscht. Zuhause ausgiebige LP-Sessions mit Musik von Arlen bis Zawinul; zugleich auch dar ganze Pop – von den Beatles bis zu Zappa. Später perkussive Weltmusik – von Algerien bis Zimbabwe, von Amerika bis Asien.Eine folgenreiche Bildungsreise durch den musikalischen Kosmos, von E bis U.

Und dann: in einem Schwabinger Jazzclub, ein Geburtstags-Ständchen für die Freundin („You Go To My Head“), am Klavier der Friedrich-Gulda-Schüler Edgar Wilson. Daraufhin die prompte Empfehlung der Clubchefin und Popsängerin Linda Jo Rizzo: „Ou, dou hasd ain woundebahr Stieme – du musd uhnbediengd was mahken!“ Ein Jahr später folgt der erste Gig, Dezember 2003.

Inspiriert von Vocal Heroes wie Johnny Hartman, Tony Bennett, Mark Murphy, Kurt Elling und Alan Harris sowie von Jazz-Divas wie Sarah Vaughan, Ella Fitzgerald, Carmen McRae, Cleo Laine und Dianne Reeves, kultiviert Thomas de Lates seither als markanter Crooner vor allem das klassische Repertoire aus der goldenen Ära amerikanischer Swing- und Jazz-Standards.

Crooner Thomas de Lates mit dem Andi Lutter Trio
„As Time Goes By“ – Unvergessen Toms Interpretation des Klassikers aus „Casablanca“ zu meinem 60. Geburtstag

Flankiert von namhaften Musikern der Münchener Jazzszene, begeistert er mit seinem samtigen und ausdrucksstarken Bariton das Publikum durch Hingabe, souveräne Werkstreue (…) und einer musikalischen Gefühlstiefe, der Mann und Frau sich nicht entziehen kann 😉 Zunächst getrieben von einer Mischung aus Neugier und Solidarität für Quereinsteiger*Innen, wie auch ich eine bin, besuchte ich das erste Konzert von Tom, auf das schon bald weitere Besuche folgten, denn ich mochte auf Anhieb Toms schnörkellose aber gefühlvolle Interpretationen der amerikanischen Evergreens, die vor meinem inneren Auge die Welt der großen Hollywood-Held*Innen und ihrer Romanzen in Moll, Samt und Seide heraufbeschwören … Unvergessen sein Geburtstagsständchen zu meinem 60: As Time Goes By … You just remember this … Zum Dahinschmelzen, ebenso wie der selten gewordene K & K (königlich-kaiserliche) Charme mit dem Crooner Thomas de Lates seine Auftritte moderiert.

Cover der im Artist Studio München produzierten CD

Von Billy Strayhorn auf Anhieb zutiefst beeindruckt, begann er vor einigen Jahren, sich intensiv mit dessen Kompositionen zu befassen. Das Ergebnis: eine erlesene Auswahl von Werken, um die Genialität dieses Jazz-Giganten beispielhaft zu präsentieren. Die musikalische Hommage, in Zusammenarbeit mit dem Andy-Lutter-Trio, fand so starken Anklang, dass sich daraus schließlich die Einladung zu einem entsprechenden CD-Projekt ergab, nämlich THE MAN BEHIND – aufgenommen im Münchener Artist-Studio und dann vorgestellt im renommierten Münchener Jazzclub Unterfahrt sowie im Bayerischen Rundfunk!

Die CD-Produktion fand auch bei der US-amerikanischen Billy-Strayhorn-Foundation so große Beachtung, dass Video-Ausschnitte der Release-Aufführung (s. obiges Video) auf deren Homepage übernommen wurden.

Gerade kommt der Crooner von einem erfolgreichen Gastspiel im Duo mit Pianist Oliver Hahn aus Passau zurück, mit einer so positiven Kritik im Gepäck, dass die Skeptiker der ersten Stunden ein für alle Mal verstummen dürften. (S. Abbildung links)

Neben seinen eigenen Auftritten organisiert er mit Frau Petra auch regelmäßig Wohnzimmer-Konzerte, die sich regen Zulaufs erfreuen und sich in einem gesonderten Artikel beschrieben finden: Salon reloaded

Seit Januar 2019 hat Thomas de Lates zudem den Vorsitz im jourfixe-muenchen e.V. von unserem langjährigen Vorstand Jon Michael Winkler übernommen, der sich von der Bühne zurück gezogen hat, nicht ohne ein bitteres Fazit zu jenen Brettern zu hinterlassen, die eben NICHT JEDEM FÜR IMMER die Welt bedeuten: Die Stille schluckt den Schlußakkord! 

Verständlicherweise macht das Engagement für einen Künstlerverein keinen Sinn mehr für jemand, der nicht länger Kunstschaffender sein möchte; daher freue ich mich, das sich jetzt Thomas de Lates bereit erklärt hat, Jon Michael Winkler  als Erster Vorsitzender des jourfixe-muenchen abzulösen. Glücklicherweise geht uns – und vor allem mir, Jon zumindest als enger Freund und Ehrenvorsitzender des Vereins nicht ganz verloren. Ohne ihn an meiner Seite wäre es mir niemals gelungen, das jourfixe-Netzwerk über die Jahre derart auszuweiten.

01.01.2019: Erste Besprechung von Gaby dos Santos mit dem neuen Ersten Vorsitzenden der Kulturplattform jourfixe-muenchen

Das verdeutlicht sich mir im Rückblick immer mehr, während ich mich zugleich anschicke, nunmehr zusammen mit Tom de Lates der jourfixe-Chronik neue Kapitel hinzu zu fügen …


Apropos Quereinsteiger: Heutzutage entscheiden sich immer mehr Menschen in der Mitte ihres Lebens dafür, nochmals eine ganz neue Richtung einzuschlagen, so auch in der Kunst, gerne ohne Netz und doppelten Boden, aber durchaus mit Verstand und vor allem mit Professionalität. Das gilt nicht zuletzt für mich und weitere Kolleg*Innen unserer Kulturplattform jourfixe-muenchen, wie

die finnische Sängerin Tuija Komi > SZ Interview, 2018: Sing, sing, sing!

die englische Sängerin, Dozentin und Leiterin des  Institute Of Charismology Naomi Isaacs > Und ich gehe heue noch – Vom Ausstieg ins Leben


Verzeichnis aller jourfixe–Blogbeiträge mit jew. Link

3 Kommentare zu „THE MAN BEHIND: Crooner Thomas de Lates, Jazz-Sänger und neuer Erster Vorsitzender der Kulturplattform jourfixe-muenchen

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