Blicke über den Tellerrand auf neue Kooperationen: Kulturforum München West in Pasing und die „Färberin“ bei Murnau, mit Swissical und Chihuahua-Blues-Company, jetzt auch „Sonntags um drei“

Ein bekanntes Phänomen: Bei uns Kunstschaffenden konzentriert sich oft jegliches Denken und Fühlen – und überhaupt alle Wahrnehmung – auf die eigene Kreativität. Man kreist nonstop um sich selbst und räumt sich keine keine Zeit für einen Blick über den kulturellen Tellerrand ein. Verständlich, oft aber auch kontraproduktiv, bietet doch gerade die Auseinandersetzung mit der Außenwelt dringend benötigte neue Impulse – und den einen oder anderen Anhaltspunkt zur Verbesserung der eigenen Arbeiten, vor allem dann, wenn diese aus dem Schaffensprozess von Kolleg*Innen stammen. Aus diesem Grund habe ich vor nunmehr fast 5 Jahren begonnen, Blicke über unsere Kulturplattform jourfixe-muenchen hinaus zu werfen, indem ich mir die Zeit stehle, externe Veranstaltungen zu besuchen, mich detaillierter mit der Arbeit von anderen Kunst- und Kulturschaffenden auseinandersetze und in Social-Media-Posts sowie im jourfixeblog.wordpress.com darüber berichte. Dieser Entschluss fordert mir die Bereitschaft ab, hin und wieder freiwillig meine Kreativ-Klausur zu verlassen, um einige Stunden der Kunst anderer zu widmen und hat mir inzwischen die farbigsten Jahre meiner gesamten kulturellen Vita beschert!

Als wie fruchtbar sich allein schon ein Abstecher zur Veranstaltung eines Kollegen erweisen kann, durfte ich kürzlich, im Rahmen eines Blueskonzertes erfahren, den der unermüdliche Norbert – Bertl – Seitz im (neuen) Alten Wirt in Moosach veranstaltet hatte, eine Mundart-Rock-Blues-Swing-Nacht, frei nach dem Motto „Bayerisch (Wolfgang Weise) trifft Schwizerdütsch“ in Gestalt der FÄRBERIN.

Norbert Seitz‘ Lichtanlage verlieh dem Veranstaltungssaal im (neuen) Alten Wirt in Moosach eine stimmungsvolle Atmosphäre. Links Liedpoet Wolfgang Weise, in der Mitte, als Glanzlicht des Abends, wörtlich ebenso wie sinnbildlich, Sylvia Richard-Färber, alias DIE FÄRBERIN; 14.9.2018

Es war ein schwüler Freitag Abend im September und der Biergarten des Lokals leider voller, als die Bühne, was auch daran lag, dass der Bauer – respektive das Münchner Publikum – nicht unbedingt „frisst“, was es nicht kennt, eine dem Programmüberangebot einer Großstadt geschuldete Saturiertheit, die Gastspiele problematisch gestaltet, wenn sie nicht unter einem Label oder im Rahmen eines Festivals erfolgen. Die 30 bis 40 Zuschauer*Innen jedoch, die den Weg in den Veranstaltungssaal gefunden hatten, genossen sichtlich den Abend, was großteils der Performance von Sylvia Richard Färber geschuldet war. Die gelernte Opernsängerin bestach nicht nur gesanglich sondern auch mit beachtlichem Sprachwitz bei ihren Moderationen, bei denen sie reichlich Unterhaltsames aus dem Vergleich zwischen Deutsch und Schwizerdütsch präsentierte, sehr zur Freude der Schweizer Kulturkonsulin, die höchst persönlich und mit mehrköpfiger Begleitung erschienen war, um ihre Eidgenossin live on stage zu erleben! Mit angereist zum Auftritt war auch eine Abordnung der Färber’schen Tierschar; Chihuahuas, Namensgeber der aktuellen Band um Sylvia, „The Chihuahua Blues Company“ verfolgten in Mannschaftsstärke, aber lärmgeschützt, aus sicherer Entfernung, ebenfalls, doch eher schläfrig, das Geschehen …

Der Blick über diesen kulturellen Tellerrand hat sich gelohnt: Swizerdütsches in Bild und Ton bietet die gelernte Opernsängerin und Percussionistin Silvia Richard Färber, mit ihrer „Chihuahua Blues Company“ und in ihren Swissical-Einlagen. Rechts hält sie ein deutsch/schweizerischer Wörterbuch! Zudem ist sie Autorin und Malerin.

Eine Blues singende, malende Opernsängerin mit schweizerdeutsch/deutschem Wörterbuch!, die Lyrik schreibt, das Swissical erfunden hat und zwar nah bei München, aber in einem anderen Einzugsgebiet lebt und arbeitet, bereichert inzwischen schon das Künstlernetzwerk unseres Vereines.

Aktuell startet Sylvia Richard-Färber wieder ihre Reihe Sonntags um drei in Oberhausen. Den Münchner Kolleg*Innen, denen ein Sonntag-Susflug vorschwebt, kann ich nur raten, sich mit Sylvia wegen eines Gast-Auftritts in Verbindung zu setzen und ihren kleinen Kunst-Kosmos bei Murnau zu besuchen. Selbiges hoffe auch ich, in allernächster Zeit, nachholen zu können 😉


 

Einen weiteren Blick über den Tellerrand habe ich vor einiger Zeit in München-Pasing geworfen, als ich zu Gast bei einem der Kulturstammtische war, den das KULTURFORUM MÜNCHEN-WEST regelmäßig für Mitglieder ebenso wie für allgemeines Publikum – nach Anmeldung – ausrichtet. Der nächste Kulturstammtisch findet übrigens am Mittwoch, den 28. November um 19.30 Uhr statt, zu Gast Tobias Melle, Musiker & Fotograf: Da hören die Augen mit! Gäste willkommen, Eintritt frei, im Hofbräu Obermenzing, Verdistr. 125 Ecke Grandlstr. Bus 160 ab Bhf. Pasing Nordseite, Halt Wöhlerstr. >Details

Was Pasing für mich als Kunst- und Kulturschaffende so interessant macht, ist die Tatsache, dass es sich, was das Publikum anbelangt, um ein eigenständiges Einzugsgebiet handelt, aber innerhalb einer Viertelstunde von München aus zu erreichen ist. Diesen Bonus bemerkte ich bereits bei der Aufführung von Kann denn Liebe Sünde sein? – Bruno Balz in der Pasinger Fabrik, als uns viel und vor allem ganz neues Publikum besuchte. Auch die Landeshauptstadt München engagiert sich vor ihren Toren, nicht nur in der Pasinger Fabrik, sondern auch mit dem Pasinger Ebenböckhaus. Die Villa bietet Raum für ein Artists-in-Residence Programm, sowie, in den Sommermonaten, für ein Veranstaltungsprogramm in Park und Erdgeschoss.

Mit Ulrike Turner, stellvertretende Vorsitzende beim Kulturstammtisch im September 2018

Attraktiv für Publikum wie Künstler*Innen sind zudem das breit gefächerte und zugleich anspruchsvolle Kulturangebot des Forum München West sowie ein offensichtlich vielseitig interessiertes Publikum, wie ich bei meinem Stammtisch-„Engagement“ feststellen durfte. Anregende Gespräche, Kultur-Affinität und herzerwärmende Gastfreundschaft, fasste ich im Nachgang für mich zusammen; keine Selbstverständlichkeit! Als Künstler*In rechnet man vielmehr bei Auftritten in neuem Umfeld zunächst einmal mit allem möglichen, auf einer Skala von „kurios“ bis „inakzeptabel“.

Für mich stand bezüglich des Kulturstammtisches in München-Pasing danach jedenfalls fest, dass dieser Besuch nicht mein letzter sein würde … Zugleich schlug ich einen kooperativen Austausch ab 2019 vor, was unseren jourfixe-Mitgliedern Kontakt- und Anlaufmöglichkeiten über München hinaus bietet und dem Kulturforum München West eine (PR)Plattform nach München hin.

Im September 2018 zu Gast beim Kulturstammtisch mit Naomi S. Isaacs; Fotografin: Barbara Bacher

Die Aktivitäten dieses Kulturvereins umfassen jedoch weit mehr, als den Kulturstammtisch mit seinen wechselnden Gästen und fordern großen Respekt ein, vor allem, wenn man bedenkt, dass sie seit über 15 Jahren von Ehrenamtlichen geplant, organisiert und durchgeführt werden! Was für ein Aufwand hinter solcherart Engagement steckt, vermag nur zu erahnen, wer sich selbst einmal als Veranstalter*In versucht hat.

Einen Veranstaltungsschwerpunkt dieser Kultur-Initiative bilden die Kammermusik in Pasing und die Rathaus-Ausstellungen. Bei letzteren handelt es sich in der Regel um Exponate Bildender Künstler*Innen, aktuell jedoch um die zeitgeschichtliche Retrospektive VOR 100 JAHREN: DIE REVOLUTION IN PASING – 1918/19.

Notgeld der Stadt Pasing, 1918. Quelle Pasinger Archiv e.V., von mir übernommen aus der Programmübersicht des KULTURFORUM MÜNCHEN-WEST

Diese  Ausstellung läuft vom 8. November 2018 bis 7. Mai 2019 im Pasinger Rathaus, im Foyer, begleitet von einer Reihe unterschiedlichster Programme, wie z. B. einer KRIMI-LESUNG:  (MO, 26.11. 18 Uhr) mit Kriminal-Autor Robert Hültner: „Kajetan und die Sache Koslowski“ in der Stadtbibliothek, Bäckerstr. 9, Eintritt 8 € , für Mitglieder 5 €.

Ein weiterer Programmpunkt in dieser Reihe ist eine LESUNG ZU H.F.S. BACHMAIER, am Montag 3. Dezember 2018, um 19.30 Uhr: Franz Adam und Thomas Betz lesen Texte von bzw. über den Pasinger „Revolutionsschriftsteller und Verleger“ H. F. S. Bachmair im Ebenböckhaus, Ebenböckstr. 11, Eintritt 8 € , für Mitglieder 5 €

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