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„Am Anfang war der Auftakt“ – Kurzportrait des russischen Komponisten Vladimir Genin zum Jubiläumskonzerts am Sonntag, 15.4.2018, um 20 Uhr, im Münchner Gasteig

„Etwas über meine Musik zu sagen, fällt mir schwer. Eigentlich braucht nur solche Musik eine Beschreibung, die selbst nicht genug aussagekräftig ist. Wir leben in einer Zeit der „konzeptionellen“ Kunst: Das bedeutet, dass ein Kunstwerk aus eigener Kraft nicht viel bewirken kann; es ist ohne eine verwickelte, ausgeklügelte und pseudophilosophische Deutung kaum lebensfähig. Ein auffallender Titel, Erklärungen des Autors oder eines Kunstwissenschaftlers – das sind all die Krücken, auf denen sich ein Werk heutzutage zum Publikum schleppt. (…)“

Vladimir Genin am Piano; Foto: Homepage/Gallery

Mit dieser Betrachtung empfängt der russische Komponist Vladimir Genin die Besucher seiner Homepage und lässt dabei sogleich ahnen, dass man es hier, im allerbesten Sinne, mit einer eher komplexen Persönlichkeit zu tun hat, die unter anderem Genins langjährige Freundschaft mit dem bedeutenden russischen Komponisten Georgi Sviridov  begründete.

In einem Interview im Dezember 2015 schilderte er seinem Kollegen Jon Michael Winkler, in einem Interview für den jourfixe-Blog, wie es dazu kam.

Gespräch über Georgi Swiridow und das Wesen der Musikwelt an sich: Jon Michael Winkler, musikalischer Leiter der Kulturplattform jourifxe-muenchen mit Komponist Vladimir Genin (re.) im Artist Studio München, Dezember 2015

Der Musikprofessor Genins (…) „hatte mir damals die Aufgabe erteilt, ein Werk von Swiridow zu analysieren. Ich war zunächst nicht begeistert davon, aber als ich daran arbeitete, erkannte ich die Tiefe und Kunstfertigkeit seiner Musik und dementsprechend motiviert schrieb ich darüber. Ich wusste ja nicht, dass mein Professor die Arbeit an Swiridow zum Lesen weiterleiten würde. Darauf folgte eine Einladung an mich auf seine Datscha in der Nähe von Moskau, wo viele bekannte russische Künstler und Wissenschaftler lebten. Auf der einstündigen Autofahrt schärfte mir mein Professor ein, Swiridow ja nicht zu widersprechen und auf keinen Fall mit ihm zu diskutieren, denn er wusste, wie aufbrausend und stur Swiridow sein konnte.

Vladimir Genin, 1989, Zeitungsfoto, USA

JMW: Und haben Sie sich daran gehalten?

VG: Nein, das konnte ich nicht! Als er über einen Zeitungsartikel sprach, war ich anderer Meinung und eröffnete mit der, spätestens seit der öffentlichen Verdammung Dr. Schiwagos , in Russland eigentlich fatalen Floskel: „Also, ich habe das zwar nicht gelesen, aber…“. Schon war die Diskussion in vollem Gang.  (…)

JMW: Da hatten sich wohl zwei Feuerköpfe getroffen! Das passt auch sehr gut zu dem Brief den Swiridow Ihnen nach Ihrer ersten Begegnung schrieb:Ich bin dem Schicksal sehr dankbar für die Gelegenheit, durch die Begegnung mit Ihnen das intensive Leben der neuen Generation empfinden zu dürfen. Behalten Sie dieses Feuer– das wertvollste auf der Welt, weil das Leben ohne es verlischt, verfault… Ich habe viel in meinem Leben gesehen und lernte dieses Feuer zu schätzen.“ (…)

Vladimir Genin wurde am 31. März 1958 in Moskau in eine russische Künstlerdynastie hinein geboren. Beide Eltern waren Musiker,  sein Vater Michail Genin erlangte zudem später als Schriftsteller große Bekanntheit. Genins Großvater wiederum, der Maler Jossif Spinel, wirkte in 60 Filmen als Bühnenbildner mit, darunter in den Klassikern Iwan der Schreckliche und Alexander Newski von Sergej Eisenstein.  Seine breit angelegte Ausbildung erhielt Genin am Moskauer Staatlichen Tschaikowski Konservatorium.

Vladimir Genin am Piano; Foto: Homepage/Gallery

Seine Studien- und erste Schaffenszeit in der damaligen Sowjetunion gestaltete sich für den jungen Freigeist nicht einfach, doch ein Ventil fand sich:  „Kultur war für uns kein Luxus, sondern ein Mittel, das uns half, dort, wo kein offener Protest möglich war, Mensch zu bleiben. „ erläuterte Vladimir Genin Jon Michael Winkler im Interview von 2015. Dennoch empfand Genin das kulturpolitische Klima in Russland auf Dauer als wenig befriedigend. Bereits seit 1997 lebt und arbeitet er inzwischen als Komponist, Pianist und Musikpädagoge in München.

LP-Cover: The Plaint Of-Andrei Bogolubsky – Great Prince Of Vladimir – komponiert von Vladimir Genin

Seine Werke wurden von Sinfonieorchestern, zahlreichen Kammerensembles und Chören in Europa, Russland und in den USA aufgeführt sowie auf internationalen Festivals u.a. in Moskau, Lviv und Belgrad, erschienen auf CDs und wurden von mehreren Verlagen in Deutschland und Russland veröffentlicht.

Zeitnah zum runden Geburtstag Vladimir Genins steht ein großes Jubiläumskonzert im Münchner Kulturzentrum Gasteig an,

Sonntag, den 15. April 2018, im Kleinen Konzertsaal 

Ein hochkarätiges Ensemble > The Menuhin Academy Soloists  (Switzerland) > Sybille Diethelm (Sopran), Guido Schiefen (Cello), Olga Domnina (Piano) sowie Violinist Valeriy Sokolov (mit einer veritablen Stradivari von 1703!), spielt Werke von Genin:

Sinfonietta für Streicher (im Auftrag von Kammerphilharmonie dacapo München, 2010)
“Les Fleurs du Mal“ Lieder aus dem Vokalzyklus nach Ch. Baudelaire für Sopran, Cello und Klavier (2013)
“Sieben Melodien für das Zifferblatt“ Fragmente vom Klavierzyklus (2011)
Pietà – Uraufführung Kammerkonzert für Violine und Streicher (im Auftrag von Valeriy Sokolov, 2016)

Restkarten über München Ticket

Gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München, mit freundlicher Unterstützung von Ries & Erler Musikverlag Berlin

 „Ich hoffe, dass sich die Menschen ohne Deutungen direkt von meiner Musik angesprochen fühlen.“  (Vladimir Genin)

Mehr zu Vladimir Genin auf   WIKIPEDIA          Zur HOMEPAGE von Vladimir Genin


„Der Ewigkeit verpflichtet“ – Der russische Komponist Georgi Swiridow (1915 – 1998) aus Sicht seines Freunds und Kollegen Vladimir Genin; Interview vom Dezember 2015


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