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Die filmischen Geschichten des Carl Schmitt – Ein Treffen mit dem Filmproduzenten und Emmy Preisträger

Dass Filmproduzent Carl Schmitt für unser Treffen das geschichtsträchtige Café an der Hauptwachefrüher Polizeiwache und Gefängnis – heute Café, Bar und Restaurant“ in der Frankfurter Innenstadt vorschlug, passte ins Bild. Wo immer mir Carl bislang begegnet ist, waren außergewöhnliche Momente der Geschichte und die Geschichten dahinter nicht fern …

So bereits bei unserer ersten Zusammenarbeit, als ich im Rahmen eines jourfixe-Abends den von Carl produzierten Dokumentarfilm „Das Leben geht weiter“ präsentierte, für den er gerade in den USA mit einem Emmy Award ausgezeichnet worden war. Erzählt wird das skurril makabere  Making Of eines unvollendet gebliebenen deutschen Propagandafilms in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs.

2008, nach der Filmvorführung von „Lebenswende“ im Gasteig: Links Radzvan Georgescu mit seiner Frau, daneben Gaby dos Santos, dahinter Carl Schmitt, ganz vorne die damalige rumänische Generalkonsulin

„Lebens(W)ende“ wiederum ist ein dokumentarischer Roadmovie, in dem sich Razvan Georgescu, nachdem bei ihm ein inoperabler Gehirntumor diagnostiziert wurde, mit der Endlichkeit des Lebens filmisch auseinander setzt. Dazu besuchte er Künstler in aller Welt , die entweder todkrank waren, wie Maler Jörg Immendorff, hier in seinem letzten TV-Interview – oder dem Tod knapp entronnen. In München präsentierten wir diese – ebenfalls preisgekrönte – Produktion von Carl Schmitt in Kooperation mit dem rumänischen Generalkonsulat in der Stadtbibliothek des Münchner Kulturzentrums Gasteig, im Herbst 2008.

Auf Grund meiner Erfahrung, dass ein Treffen mit Carl auch immer ein Treffen mit einer faszinierenden neuen Geschichte bedeutet, war ich nun sehr gespannt zu hören, was er anschließend produziert hatte. Zu Recht: „Sushi in Suhl“ beispielsweise ist ein 2012 uraufgeführter deutscher Spielfilm über die Geschichte des 15 Jahre lang einzigen japanischen Restaurants in der DDR und seines Kochs Rolf Anschütz. Auf Wikipedia findet sich dazu ein Eintrag, der viel über die Herangehensweise von Carl Schmitt an seine Stoffe aussagt: „Nachdem der Filmproduzent Carl Schmitt in einem Film von Fritz Pleitgen das erste Mal von Rolf Anschütz (1932–2008) hörte, war er sofort fasziniert und nahm Kontakt mit Anschütz auf. Er führte vor dem Tod von Anschütz ausführliche Interviews mit ihm. So entstanden 24 Stunden Tonaufnahmen. Nach dem anfänglichen Plan eines Dokumentarfilms über Rolf Anschütz gab Schmitt diesen nach Auswertung des Interviewmaterials auf. Stattdessen entschied er sich für einen Spielfilm „frei nach einer wahren Geschichte“ – wie es im Vorspann des Films heißt –, dessen Grundlage die Interviews bildeten. Nach Aussage Schmitts ist der Film „kein politischer Film. Er ist weder ein Film über die DDR noch über Deutschland. Im Mittelpunkt steht Rolf Anschütz, Koch und Gastronom aus Leidenschaft, […] es ist die Geschichte eines Mannes, der glaubte einen Traum verwirklichen zu müssen, den er eigentlich gar nicht hatte. Am Ende musste er erkennen, dass er sich und seine Familie nur selbst belogen hatte.‘ “ Den Blick über das Naheliegende  und dadurch Verallgemeinernde – hier die Lebenssituation in der DDR – hinaus, auf das persönliche Scheitern eines Einzelnen zu richten und dadurch eine besondere Perspektive zu entfalten, fasziniert mich an diesem filmischem Konzept Carls besonders. 

Aktuell ist Carl Schmitt als „Production Manager“ für den Hessischen Rundfunk tätig und ansonsten weiterhin mit seinem unerschöpflichen Ideen-Fundus befasst, wie sich im Verlauf unseres heutigen Treffens bald zeigte. Und auch ich hatte diesmal für Carl einen dieser geschichtlichen Stoffe in petto, die das Leben so spannend zu gestalten weiß …


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