Künstlerisch „dazwischen“ – nicht „daneben“! Zur Dankesrede von Autorin Gunna Wendt, Schwabinger Kunstpreisträgerin 2017

Neben Schauspieler Thorsten Krohn und Wolfgang Schlick mit seiner Express Brass Band, war es Gunna Wendt, die den diesjährigen Schwabinger Kunstpreis erhielt, persönlich überreicht von einem wie immer geistreich launigen Kulturreferenten Hans-Georg Küppers.

Autorin Gunna Wendt mit Hans-Georg Küppers, Kulturreferent der Landeshauptstadt München, Foto: SPD-Stadtrat Haimo Liebich

Gunna, seit letztem Jahr auch Mitglied der Kulturplattform jourfixe-muenchen, nutzte ihre Dankesrede zu einer überfälligen Betrachtung bezüglich des Umgangs mit der „literarischen Biografie“, was sich leider genau so auf alle künstlerischen Genres übertragen lassen, die nicht in eine Schublade passen und deren Kernaussage ich, nach nochmaliger Lektüre, ungekürzt wiedergeben möchte:

„(…) Die literarische Biografie ist ein Genre, mit dem sich die Literaturkritik und Literaturwissenschaft schwer tut – im deutschsprachigen Raum. Sie ist fast aus allen Förderprogrammen – allen voran der Deutsche Literaturfonds – ausgeschlossen.

Man weiß sie nicht so recht einzuordnen: so zwischen Fiktion und Dokumentation. Werden Fußnoten verwendet, heißt es, das störe den Lesefluss. Wenn nicht, erfolgt oft der Vorwurf der mangelnden Wissenschaftlichkeit, obwohl diese gar nicht beansprucht wurde. Ja, die professionelle Rezeption tut sich schwer mit diesem Genre, aber die Leserinnen und Leser zum Glück nicht!

Als Biografin bewegt man sich immer so dazwischen – ein Raum, in dem ich mich – zugegeben – ganz wohlfühle, denn dann ist man in keiner Schublade. Und hatte nicht schon der argentinische Autor Julio Cortázar, der neben Thomas Bernhard, einer meiner großen literarischen Favoriten ist, sich selbst als „hartnäckigen Bewohner von Zwischenbereichen“ bezeichnet. Durch ihn habe ich viel zum Thema Biografie gelernt – genauso wie von dem französischen Philosophen Gilles Deleuze, dessen schmaler Band „Kafka – für eine kleine Literatur“ nach wie vor unerreicht ist, wenn man Elementares über Kafka und über Biografie erfahren will.

Aber die Zeiten ändern sich – „The times they are a-changing“ – Bob Dylan hat den Literatur-Nobelpreis bekommen, auch wenn die Diskussionen darüber, ob seine Songtexte Literatur sind, nicht abreißen. (…)“

First Row in der Verwaltungszentrale der Stadtsparkasse München: Schwabinger Kunstpreisträger_Innen 2017, vierte von links etwas verdeckt: Gunna Wendt, Stifter: ganz rechts Stefan Hattenkofer/Vorstand Stadtsparkasse München, daneben Kulturreferent Hans-Georg Küppers; Foto: SPD-Stadtrat Haimo Liebich

Danke, Gunna, für Deine Bücher, die ich gerade deshalb so liebe, weil sie einer realen Vergangenheit entstammen, die Du zum Leben erweckst, danke, weil Deine Protagonist_Innen immer auch Querdenker_Innen sind, in denen ich mich oft und gerne wiederfinde und danke für obigen Ausschnitt aus Deiner gestrigen Rede, in der sich auch die Problematik meines künstlerischen Schaffens wiederspiegelt, das sich auch keinem festen Fördertopf zuordnen lässt – und, wie ich gerade sehe, auch auf eine ganze Reihe anderer Kolleg_Innen zutrifft.

Zur Verleihung des Schwabinger Kunstpreises 2017 an Gunna Wendt siehe auch meinen Ankündigungs-Beitrag mit der Jury-Begründung im jourfixe-Blog

Das Titelbild stammt von Journalist und Autor Johann Türk und wurde von mir durch das jourfixe-Logo ergänzt.


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