„Mythos Lili Marleen – Ein Lied an allen Fronten“

Das Bild zeigt ein Pärchen auf dem Rückweg, zwischen Laterne und Kasernentor, verloren in einem verwunschenen Wald – einer zerbombten Kulisse aus dem Ersten Weltkrieg … Damals, 1915, nahm nämlich die Geschichte des kleinen Liedchens von der Lili Marleen ihren Anfang und trat eine lange, tragische Reise an, die an die Kriegschauplätze dieser Welt dieser Welt führte .. bis heute.

Dessen Etappen begleitet das Historical „Mythos Lili Marleen“ von Gaby dos Santos, eine Lesung zu historischen Bild-, Klang und Ton-Einblendungen, in denen zahlreiche Zeitzeuginnen wie Sängerin Lale Andersen und Komponist Norbert Schultze zu Wort kommen, unter Verwendung des Hörfunk-Features „Lili Andersen – Lale Marleen“ von Bettina Leder-Hindemith / Sabine Milewski (Hessischer Rundfunk/2000).

Wer aber war sie eigentlich, diese Lili Marleen und wie gelang es ihr, die Schicksale unterschiedlichster Künstler und Künstlerinnen bis heute zu verknüpfen? Und im Dritten Reich sogar Goebbels zu trotzen. Der mochte das Lied überhaupt nicht, befand, es hafte ihm Leichengeruch an. Zu Recht: Die Urfassung des Textes schrieb der Grafiker und Autor Hans Leip als junger Soldat 1915, wenige Tage bevor er an die Front musste. Die letzten Strophen fügte er nachträglich hinzu, noch unter dem Eindruck der Schreckensbilder, denen er im Krieg begegnet war. Sogar eine kleine Melodie schrieb der vielseitige Künstler, die im Historical zu hören ist.

Li: Rudolf Zink sen., Komponist der Urfassung von „Lili Marleen“, re: Cover von Leips „Kleiner Hafenorgel“, aus der der Text stammt

Der Text fand Eingang in sein Buchband „Die kleine Hafenorgel“, dessen Texte, darunter besagte „Lili Marleen“ gleich von mehreren Komponisten vertont wurden. Einer von ihnen, Norbert Schultze, schaffte mit seiner Version der „Lili“ den großen Durchbruch und spendete damit Freund und Feind via Radio Belgrad täglich ein paar Minuten Frieden. Gleichzeitig stand Schultze auf der Gehaltsliste von Goebbels, da er sich auf das Vertonen schmissiger Propaganda-Texte verstand; ein Makel, der nach dem Krieg an ihm haften blieb.

Auch Lale Andersen, die unvergessene Interpretin, blieb unter die Laterne gebannt – ein Leben lang – und ihr jüngster Sohn, Michael Wilke, gleich mit. Mit ihm war ich befreundet, ganz privat und schon lange bevor ich meine Bühnenarbeit begann. Michael verstarb vor kurzem. Ihm ist diese Reprise gewidmet … So schließen sich schicksalhaft Kreise, denn über ihn habe ich Toni Netzle kennengelernt, 2010, während der Uraufführung meines „Lili-Marleen-Historicals im Gasteig.

Gasteig-Premiere 2010: V.li: Rudolf Zink jr. (Sohn des Komponisten Rudolf Zink) Dorli Diehl (Tochter des Simpl-Wirts, 1935-1943, Theo Prosel), Brigitt Salvatori-Galland (Witwe von Komponist Norbert Schultze), Michael Wilke (Sohn von Lale Andersen), Toni Netzle halbverdeckt (Simpl-Wirtin 1960 – 1992), Gaby dos Santos, Mathias Deinert (Lale Andersen Archiv)

Gemeinsam mit der prominenten Münchner Schauspielerin, Autorin und ehemaligen Simpl-Wirtin Toni Netzle ging Gaby dos Santos (Buch/Produktion) im Mai 2017 mit ihrem Lili-Marleen-Historical in Reprise, aus Anlass des Todes von Lale Andersens Sohn Michael Wilke. Gezeigt wurde die Produktion im Rahmen der Filmseminar-Reihe der Hanns-Seidel-Stiftung, moderiert von Christine Weissbarth.

Im Anschluss referierte Oberstleutnant a.D. Wolfgang Ohlert über die Bedeutung des Liedes bis heute, für die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, das leider immer noch gesungen wird – an den Kriegschauplätzen dieser Welt …

Dazu mehr in Kürze in einer Nachlese

Mehr auch im jourfixe-Blogbeitrag „Lili Marleen untot im Simpl“


Verzeichnis aller jourfixe-Blogbeiträge mit jew.Link

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Ein Gedanke zu “„Mythos Lili Marleen – Ein Lied an allen Fronten“

  1. Pingback: Im Schatten der Laterne – Nachlese zur Aufführung des „Lili Marleen“-Historicals in der Hanns-Seidel-Stiftung München | jourfixeblog

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