Gründe zur Absage der Tagung in der Evangelischen Akademie in Tutzing: Kommentar zum SZ-Artikel 21.4. und Nachtrag zum Blogbeitrag 20.4.

Nach Absage bzw. „Vertagung“ der Tagung „Nahost-Politik im Spannungsdreieck: Israelisch-palastinensische Friedensgruppen als Lernorte für deutsche Politik!“ nun, via SZ-Artikel vom 21.4.17,  geht es nun um die Gründe, die zur Absage einer Veranstaltung geführt haben, bei welcher der Dialog und das gemeinsame palästinensisch-israelische Ringen um Frieden im Vordergrund gestanden wäre. Mit der Evangelischen Akademie in Tutzing als stimmigem Veranstaltungsort:

Diese Gründe, die diesmal der Direktor der Evangelischen Akademie, Udo Hahn, der SZ gegenüber ausführt, erscheinen mir wie eine vertraute, gute alte Platte mit Sprung: Unter den Organisator_Innen der geplanten Tagung befand sich eine Person, die der Boykottkampagne „BDS“ („Boykott, Divestment and Sanctions“) gegen Israel nahe steht , mit dem Ziel, die Regierung zu einer Kursänderung in Bezug auf Palästina zu bewegen. Allerdings wäre das Thema „BDS“ in keiner Weise Gegenstand der Tagung gewesen, so dass für mich diese Absage – wieder einmal – unverständlich ist. Es stimmt mich bedenklich, mitzuerleben, dass hier in München und Umgebung Israel kritische Haltungen/Äußerungen dazu führen können, dass Menschen ausgegrenzt und Veranstaltungen abgesagt werden, wobei  Charlotte Knobloch und ihr Umfeld in der IKG München eine entscheidende Rolle spielen.
„Israel kritisch“ wird dabei automatisch mit „Israel feindlich“ gleichgesetzt und das wiederum mit „Antisemitismus“. Eine Argumentationskette, die ich für konstruiert halte. Können denn nicht Kritik und daraus abgeleitete Maßnahmen, gerade auch aus dem Wunsch heraus erfolgen, endlich den Frieden in Israel und damit auch nachhaltig dessen Existenz zu sichern? Abgesehen davon, dass sich durchaus auch israelische Staatsbürger_Innen und jüdische Mitbürger_Innen für BDS-Sanktionen aussprechen. Und sind nicht Boykott-Maßnahmen  (meiner Ansicht nach „leider“) weltweit als politisches Druckmittel verbreitet und akzeptiert?

Was die Wahl politischer Mittel anbelangt, muss um diese in einer demokratischen Gesellschaft gestritten werden dürfen, aber bitte in angemessener Form und ohne Repressalien für Andersdenkende! Genau das Gegenteil davon habe ich jedoch in letzter Zeit immer wieder erlebt, wenn es um Themen ging, zu denen die Vertreter_Innen der IKG München um Charlotte Knobloch herum ein Meinungsmonopol für sich beanspruchen. Was mich an deren Anspruch schockiert, ist nicht der – nachvollziehbare – Wunsch, eigene Vorstellungen durchzusetzen, sondern die Wahl der Mittel dazu, durch die der Ruf von Kontrahent_Innen massiv in Frage gestellt, wenn nicht gar nachhaltig beschädigt wird. (Details dazu in den unten aufgelisteten Blogbeiträgen)

Da werden Fluten von Mails an Entscheidungsträger_Innen versandt oder Beiträge in anonymen! Blogs lanciert, in denen in aggressivem Ton die Absage von nicht genehmen Veranstaltungen gefordert und immer wieder auch erreicht wird. So wie diesmal in Tutzing.

Auf der Strecke bleiben engagierte Mitbürger_Innen, anregende Veranstaltungen und auf Dauer auch ein gutes Stück Meinungsfreiheit. Leider blicken wir Bürger_Innen ja nicht bis in die Hinterzimmer unserer Entscheidungsträger_Innen, können also nicht genau benennen, welcher Druck von wem, wann, auf was ausgeübt wird. Dass aber Druck ausgeübt wird, zeigt sich spätestens, wenn wieder einmal, wie jetzt, eine Veranstaltung abgesagt bzw. auf Nimmerwiedersehen verschoben wird.


Im SZ-Artikel finden sich Details zur Absage, sowie der Link zu einem weiteren SZ-Bericht, der ähnliche Vorgänge in der Schwabinger Erlöserkirche im September letzten Jahres beschreibt, als dort ein Benefiz-Konzert abgesagt wude


Details zu meinen o.g. zusammengefassten Beobachtungen finden sich in meinen nachstehenden jourfixe-Blogbeiträgen:
April 2017: Absage der Tagung „Nahost-Politik im Spannungsdreieck: Israelisch-palastinensische Friedensgruppen als Lernorte für deutsche Politik?“
Juli 2016: Stolpersteine auch in München
Frühjahr 2016: Verliehen aber nicht vergeben – Zur Aberkennung des Anita-Augspurgpreises 2015
Herbst 2016: Terry Swartzbergs Steine des Anstosses


Zum Verzeichnis aller jourfixe-Blogbeiträge mit jew. Link

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3 Gedanken zu “Gründe zur Absage der Tagung in der Evangelischen Akademie in Tutzing: Kommentar zum SZ-Artikel 21.4. und Nachtrag zum Blogbeitrag 20.4.

  1. Vielen Dank an Gabi Geisler für das Feedback, mit einer ganzen Reihe interessanter Details, die mir so noch nicht bekannt waren und ich noch nicht Gelegenheit hatte, nachzurecherchieren.

    Was allerdings die gerichtlichen Auseinandersetzungen um Charlotte Knobloch anbelangt, so habe ich gerade zwei Links von Judith Bernstein (herzlichen Dank) zugesandt bekommen, mit weiteren Einzelheiten:

    1) Knobloch verliert vor Gericht – Süddeutsche Zeitung, 30. November 2016
    http://www.sueddeutsche.de/muenchen/antisemitismus-streit-knobloch-verliert-vor-gericht-1.3273975

    2) Veröffentlicht am 15. Oktober 2016 von Abi Melzer
    http://der-semit.de/abmahnung-gegen-charlotte-knobloch/

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  2. Gabi Geisler schreibt:

    Beim Suchen nach „gezielt gekillten“ Vorträgen bin ich schon auf 22 „gezielt gekillte Veranstaltungen“ gestoßen. Ich fand auch „gezielt gekillte Bankkonten“. Nur in Bayreuth wurden die falschen Antisemitismus-Diffamierungen (bei codepink) überprüft. Daher wurden diese verworfen.

    Dazu gibt es in D eine gut organisierte Gruppe von rechtsradikalen Zionisten, die teilweise von einem Benjamin Weinthal koordiniert wird. Dies und mehr läßt sich durch google einfach nachprüfen, z.Bsp. mit „Epstein Wien Weinthal“, usw.

    Ein Norman Finkelstein, Ilan Pappe, Shlomo Sand, Abi Melzer, jvp.org, IJAN.org, usw. haben Aufrittsverbot (obwohl es immer völlig legale Veranstaltungen sind – völlig legal!). Obwohl bei uns die Redefreiheit durch das Grundgesetz geschützt ist!

    Ich muß dabei immer an „den langen Arm der Mafia“ denken, der in einer TV-Serie immer wieder präsentiert wurde. Diesmal werden die Heckenschützen nicht mehr genannt.

    Denn seit Frau Knobloch (wie Jutta Dittfurth) wegen falscher Antisemitismus-Diffamierungen gerichtlich verurteilt worden ist, muß es wohl „undercover“ laufen.

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  3. Pingback: Absage der Tagung „Nahost-Politik im Spannungsdreieck: Israelisch-palastinensische Friedensgruppen als Lernorte für deutsche Politik?“ | jourfixeblog

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