Pyramidale Party zum 10jährigen Bestehen des August Dreesbach Verlags

Am Freitag, den 3. Februar 2017, feierte der August Dreesbach Verlag sein 10jähriges Jubiläum; Grund zum gratulieren, in einer Zeit in der, wie es der Publizist Christian Nürnberger einmal formulierte, „immer mehr Menschen Bücher schreiben“ (möchten) „doch immer weniger Menschen Bücher lesen“. Der Don-Quichottismus, sich gerade in einer solchen Zeit mit einem kleinen, feinen Verlag auf dem enger werdenden Literaturmarkt zu engagieren, zeugt von Kampfgeist und einem Individualismus, der sich auch in der Gästeschar wiederspiegelte, die meine Freundin, die Autorin und ehemalige Simpl-Wirtin Toni Netzle und ich stundenlang mit Gusto beobachteten.

Die Münchner Autorin, Schauspielerin und ehemalige Prominentenwirtin im Alten Simpl, Toni Netzle (re) zusammen mit Gaby dos Santos, 03.02.17,  August Dreesbach Verlag, Foto: Elisabeth Sorger

Nicht der gewohnte Einheitsbrei aus der bildungsbürgerlichen Kulturelite unserer Stadt, die sich vor lauter „elitär“ nicht einmal selbst zu zelebrieren traut, bevölkerte die Verlagsräumlichkeiten, sondern eine bunte Mischung ausgeprägter Persönlichkeiten, mit viel Nonchalance in Kleidung und Auftreten, dem Kosmos von Historie und Literatur entsprungen; darunter eine ganze Reihe Autor_Innen des Verlags, die sich hier einer individuellen Betreuung in einem Umfang erfreuen dürfen, den ein großer Verlag so gar nicht zu leisten imstande oder auch willens wäre, da sich dort die Betreuung auf die jeweiligen Top-Literaten des Hauses konzentrieren muss. Entsprechend formuliert auch der Verlag in der Selbstdarstellung auf der Homepage: Gemeinsam mit unseren Autoren wollen wir ansprechende Bücher machen: gründlich recherchiert und gut geschrieben, sorgfältig lektoriert, ästhetisch gestaltet und professionell hergestellt.

Benannt wurde der Verlag nach dem deutschen Poltiker August Dreesbach (1844 – 1906), wozu der Verlag auf seiner Website schreibt: (…) 1890 zog er als erster badischer Sozialdemokrat in den Reichstag ein. Als Geschäftsleiter der Mannheimer Volksstimme und Redakteur des Pfälzisch-Badischen Volksblattes war ihm zudem das Recht der freien Meinungsäußerung ein Anliegen, außerdem setzte er sich für den Zugang aller Schichten zu Bildung und Wissen ein. August Dreesbach starb am 25.11.1906 in Berlin. Geradlinigkeit und das Einstehen für die eigenen Ansichten, gepaart mit politischem Idealismus – diese Eigenschaften machten August Dreesbach im ausgehenden 19. Jahrhundert zu einem individuellen, starken Charakter, dessen Vorstellungen und Bestrebungen in der damaligen Zeit manches Mal aneckten.

Gründe genug, August Dreesbach ein Denkmal zu setzen und unseren von Optimismus und Idealismus geprägten Verlag nach ihm zu benennen, der sich zunächst das Verlegen historischer Bücher zur Aufgabe machte. Dass wir mit den neu hinzugekommenen Schwerpunkten Kunst und Typografie neue Wege beschreiten, wäre sicherlich auch im Sinne von August Dreesbach gewesen! (…)

Nomen est omen … und so steht an der Spitze des Verlags die junge, charismatische Leiterin Dr. Anne Dreesbach, die sich auch als Autorin einbringt. Als Gastgeberin der Jubiläumsfeier empfing sie ihre Gäste in stimmungsvoll dekoriertem Ambiente und mit einer Büffetbandbreite an – vor allem – süßen Sünden, die durchaus mit dem Catering der legendären Lambertz-Parties konkurrieren konnten … Das Auge aß und trank, via Champagner-Pyramide, eifrig mit. Nur Toni Netzle widerstand, erlag statt dessen einer Biografie über König Otto I. von Bayern, dem unglücklichen Bruder von „Kini“ Ludwig II. und verzog sich in eine Ecke, um sofort mit der Lektüre zu beginnen. Das Buch hat sie seitdem nicht mehr verlassen 😉

Natürlich war auch dessen Autor Jean Louis Schlim zugegen, ein Luxemburger, der sich ausgerechnet dem königlich-bayerischen Colorit verschrieben hat: (…) Im Besonderen befasst er sich mit der Technikbegeisterung des bayerischen Königs Ludwig II., zu der er mehrere Publikationen veröffentlicht hat … „ und über eine mehr als umfangreiche Sammlung über den unvergessenen bayerischen Kini verfügt.

Autor Christian Sepp, Foto

Es war unser Freund, Autor Christian Sepp (Foto) gewesen, der einen Teil unserer jourfixe-Clique eingeladen hatte. Beim Verlag brachte er vor einiger Zeit seine vielbeachtete Biografie über „Sophie Charlotte – Sisis leidenschaftliche Schwester“ heraus.“ Die Prinzessin verbrannte an ihrer Leidenschaftlichkeit buchstäblich mit Seele und Leib. In Kürze kommt die dritte Auflage dieser spannenden Biografie auf den Markt. Details zu Autor und Buch habe ich vor einiger Zeit in dem jourfixe-Blogbeitrag „Sophie Charlotte -eine Frau, die zu früh lebte“ zusammengefasst.

Dazu habe ich Christians Sepps Biografie geradezu verschlungen, weil sie gleich zwei meiner persönlichen Themen-Schwerpunkte abdeckt: (Bayerische) Geschichte und das Schicksal von Frauen, die, Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts, tragischerweise zu früh lebten und/oder denen es tatsächlich gelang, sich in einer von Männern dominierten Geschäftswelt durchzusetzen, wie die frühere Grande Dame des Filmgeschäfts Ilse Kubaschewski (1907 – 2001). Der Co-Gastgeber, Autor und Historiker Dr. Michael Kamp (www.historische-projekte.de) hat für seine Biografie über Kubaschewski kürzlich Toni Netzle als Zeitzeugin interviewt, da es kaum prominente (deutsche und punktuell internationale) Protagonist_Innen des 20. Jahrhunderts gibt, denen Toni nicht begegnet ist. Aus diesem Grund nutze auch ich meine Freundin des öfteren als Haut überzogenes Nachschlagewerk der Zeitgeschichte. Auch auf die Biografie von Dr. Kamp, die in Kürze vorgestellt werden wird, bin ich schon sehr gespannt. Eine Frau im Filmgeschäft der UFA und der Adenauer-Ära? Beide Epochen standen nun wahrlich nicht für emanzipierte Frauenbilder!

„Na, wo soll ich denn jetzt bloß hingucken?“ Gaby dos Santos etwas desorientiert neben Malerin Elisabeth Sorger

Mit von der Partie (obiges Foto) an diesem Abend war auch unsere jourfixe-Freundin, die Malerin Elisabeth Sorger, Pressesprecherin der MKG (Münchner Künstlergenossenschaft). Auch in diesem Jahr ist sie wieder mit Exponaten unter den ausstellenden Künstler_Innen bei der MKG Jahresausstellung 2017 (3. 3. – 26. 3.) im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst München vertreten. Auf der Party ging es uns allerdings mal nicht um die unser aller Leben so sehr bestimmende Kunst, vielmehr testete ich Spaßes halber mit Elisabeth die Foto-Box vor Ort, ein herrlicher aber auch irritierender Zeitvertreib, denn: Elisabeth groß, ich klein und die Technik bzw. der Fokus der Linse nicht ganz nachvollziehbar 😉 Entsprechend desorientiert wirkt mein Blick im fotografischen Endergebnis, siehe Fotostrecke oben.

Ein herzliches „merci“ für eine in vielerlei Hinsicht pyramidale Party, alles Gute und vor allem noch ein langes erfolgreiches Bestehen dem August Dreesbach Verlag und viel Fortune bei seinem individuellen Kampf gegen alle Windmühlen unserer virtuellen Welt!


Zum Verzeichnis aller bisherigen jourfixe-Blogbeiträge mit jeweiligem Link

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