Krista Posch: Ein Tisch, ein Stuhl und großes Theater

Man kennt sie aus dem TV, von den großen Bühnen des deutschsprachigen Raumes und als Synchronstimme der wunderbaren Charlotte Rampling: Schauspielerin und Sängerin Krista Posch. Ebenso aber schlägt ihr Herz für die künstlerischen Entfaltungsmöglichkeiten, die nur ein intimer Bühnenrahmen bieten kann.

Krista_Posch_Glaube_Liebe_Hoffnung_Theater_am_Tisch

Ö. v. Horváth 1919

Darauf zugeschnitten hat sie ihr Format „Theater am Tisch“ entwickelt und Ödön von Horváths Drama „Glaube, Liebe, Hoffnung – Ein kleiner Totentanz in fünf Bildern“ adaptiert und schreibt dazu: „Ich habe mir dieses berührend-absurde, immer aktuelle Stück für mein THEATER AM TISCH  ausgesucht. Horváth hat „Glaube Liebe Hoffnung“ 1932 nach Informationen von Gerichtsreporter Lukas Kristl geschrieben. 

Es ist eine ‚Lesung‘ der anderen Art … Eine SpiellesungWie schon in Felix Mitterers STIGMA spreche lese spiele ich das ganze Theaterstück.

Theater_am_Tisch_Krista_Posch_Ödön_von_Horvath_Glaube_Liebe_Hoffnung_jourfixe-Blog

Krista Posch 2016 in der Adaption von „Glaube, Liebe, Hoffnung“ für ihr „Theater am Tisch“; Foto: P. Ludwig

Mit dem ganzen Körper schlüpfe ich in alle Rollen und so entsteht das Theaterstück vor dem inneren Auge des Zuschauers und er sieht / hört / erkennt ( auch sich )  wieder / lächelt / nimmt Anteil an den verschiedenen Figuren : 

Foto: P. Ludwig, 2016

Foto: P. Ludwig, 2016

Elisabeth, die ihren Wandergewerbeschein dringend wieder braucht…

Alfons Klostermeyer, der Schupo, der Liebe und Pflicht nicht auf die Reihe bekommt –

Die Ober-, Vize- und einfachen Präparatoren des Anatomischen Instituts –

Foto: P. Ludwig, 2016

Foto: P. Ludwig, 2016

Maria, die sich auf ihre Lebenserfahrung beruft und reingelegt wird –

Der Baron mit dem Trauerflor –

Irene Prantl mit ihrer Büstenhalter- und Korsettfirma –

Foto: P. Ludwig, 2016

Foto: P. Ludwig, 2016

Joachim, der tollkühne Lebensretter –
und nicht zu vergessen die Frau Amtsgerichtsrat, die auch mal mit ihrem Mann ins Kino möchte …

Für die „BühnenMusik“ zum Theater am Tisch sorgt diesmal der Komponist Peter Ludwig, der die musikalischen Bühnen – Bilder erstellt und mich live am Klavier begleitet …“

Kürzlich durfte ich nun endlich selbst erleben, was BÜHNE KANN, sobald die künstlerischen Voraussetzungen bei den Interpreten gegeben sind: In diesem Fall, zum einen Pianist und Komponist Peter Ludwig, der ebenso sparsam wie wirkungsvoll den Live-Soundtrack zu Ödon von Horvaths „Glaube, Liebe, Hoffnung“ in der Pasinger Fabrik spielte.

Mai 2016 - Theaterbühne, Pasinger Fabrik; Foto: K. Posch

Mai 2016 – Theaterbühne, Pasinger Fabrik; Foto: K. Posch

Zum anderen verkörperte Krista Posch Horváths „Totentanz in fünf Bildern“, so der Untertitel, mit einer Intensität, die mich von Anfang bis Ende derart gebannt hielt, dass keinerlei Längen aufkamen, obgleich diese Adaption  mit einem einzigen Tisch als Requisite auskam – gemäß Krista Poschs Konzept eines „Theaters am Tisch“, mit ihr selbst als einziger Darstellerin aller Figuren des Stücks.

„Diese Art von Theater ist ein eigenes Genre, leider viel zu selten angeboten,“ lautet ein Gästebuch-Eintrag auf der Website von Theater am Tisch. Und fährt fort: „Ich habe durch die ‚konzertante Aufführung‘ das Stück neu erlebt und erstmals schätzen gelernt. Es ist durch Kristas Poschs Sprache und Spiel, ergänzt um Gesang und Klavierbegleitung, auf sein Eigentliches reduziert. Diese Reduktion schafft Freiraum. Ich kann mir die Personen vorstellen. Dadurch komme ich ihnen nahe. ich könnte mich hernach sogar mit ihnen unterhalten. Die Absturzgefahr bei einer solchen Inszenierung ist hoch, aber nicht bei Krista Posch. Sie hielt den Spannungsbogen. Was für eine Leistung! H.v.V.“

Auch mein Freund und Kollege Jon Michael Winkler und ich stimmten überein, dass uns dieses Stück mit großem Ensemble wohl kaum gleichermaßen berührt hätte, wie in der Darbietung des zierlichen Power-Pakets Krista Posch, die hier ihr ganzes Können und ihre ganze Liebe zum Schauspiel einfließen ließ.

Krista Posch, Foto: Janine Guldener

Krista Posch, Foto: Janine Guldener

Gerade wegen der reduzierten Umsetzung des Stücks  trat die Ausweglosigkeit, in der sich Protagonistin Elisabeth von Anfang an befindet, besonders hervor, gefangen in einem Strudel schicksalhafter Verkettungen und bitterböser Dialoge.  Ebenso erschien uns, durch dieses Format, die innere Zerrissenheit der einzelnen Charaktere besonders nachvollziehbar. Ergänzend kommentiert wurde die Handlung durch einige, wirkungsvoll platzierte Gänsehaut-Chansons. Lange wirkte auf mich noch das letzte Lied nach, Zeilen von Ödön von Horváth , vertont von Peter Ludwig.

Von Anfang an chancenlos: Horvaths Elisabeth in "Glaube, Liebe, Hoffnung"; Foto: P. Ludwig

Von Anfang an chancenlos: Horváths Elisabeth in „Glaube, Liebe, Hoffnung“; Foto: P. Ludwig

„Ein wirklich toller Abend!!!!! Ein Stück, das unter die Haut geht, ein wunderbares Lese-Spielen durch Krista Posch, bescheiden aber präzise kongenial begleitet und unterstützt durch Peter Ludwig! Kunst, ganz egal welche, sollte die Essenz in uns berühren. Diesen Anspruch erlaube ich mir, auch in unserer Zeit! Der Abend gestern hat es bei mir getan!!!!! Super! G.R.“

Auch ich bin sehr nachdenklich nach Haus gefahren. Mir war, als würde mich das Leben, mit all seiner Wucht, die ich auf der Bühne erlebt hatte, nun auf dem Heimweg begleiten …

Den Soundtrack zu Krista Posch's Horvath-Adaption liefert in kongenialer Weise Peter Ludwig; Foto: Posch

Reduzierte Bühnenausstattung, darstellerische Intensität in Krista Poschs Format „Theater am Tisch“; Foto: Posch

(…) Wir haben noch den Rest der Nacht damit verbracht, über dieses Ereignis zu diskutieren. Das war in diesem Fall sinnvoller, als schlafen. Danke Krista Posch. So soll Theater sein. R.T.“, heißt es in einem Auszug aus einem weiteren Eintrag.

Ich postete im Mai 2016:Krista Poschs Theater am Tisch empfinde ich als wunderbar moderne Interpretation der Kunstform „Theater“, allerdings wirklich gut erlebbar nur in der Intimität kleinerer Bühnen. Umso dankbarer bin ich dafür, dass die Liebe zum Schauspiel Krista Posch von den großen Bühnen und TV-Bildschirmen ab und an in die sogenannte „Freie Bühnenszene“ lockt.

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Was ‚Glaube, Liebe, Hoffnung anbelangt so wünsche ich Krista Poschs Inszenierung und Peter Ludwigs musikalischer Begleitung, eine breite und nachhaltige Würdigung von 90 Minuten wirklich großer Kunst! Hinsichtlich „Theater am Tisch“ hoffe ich auf ein baldiges Da Capo mit weiteren Bühnenstücken. Das wäre eine wirkliche Bereicherung der Kleinkunstbühnen-Landschaft, die sich allzu oft, um rentabel zu bleiben, in Comedy-Endlosschleifen um Leib und Seele lacht …“ (Mai 2016)

Mit Hilfe des Kulturreferats ist mir für München nun ein Da Capo gelungen: Donnerstag, den 6. April 2017, um 19.30 Uhr, wird „Glaube, Liebe, Hoffnung“ im Münchner Gasteig aufgeführt >

Karten an der Abendkasse oder über München Ticket

Bereits am Donnerstag, 30. März, um 20 Uhr, ist das Stück im Bosco/Gauting zu sehen.

 


Zu Krista Poschs BLOG


Zu Krista Posch: Ole Schultheis – Kunst.Projekt.Agentur


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