jourfixe-Blog_wordpress_com_by_Gaby_dos_Santos

*Glück für nur € 1,50 …* und weitere Betrachtungen zu einem Jahr jourfixe-Blog

So kurz vor knapp am 23.12. herrscht hektische Betriebsamkeit im „Allerlei“-Laden. Ich stehe mit Enkel in einer Ewig-Schlange an der Kasse an, genervt vom Anstehen, wie alle anderen um mich herum auch. Enkel will plötzlich eines dieser Glückschweinchen für Silvester gekauft haben. Ich schlage ihm den Wunsch ab. „Das ist doch zu nichts zu gebrauchen, herausgeschmissenes Geld.“Antwort Enkel: „Glück kann doch jeder brauchen, für nur € 1,50 …“

Jeder in der Warteschlange lacht.

In diesem Sinne wünsche ich am heutigen ersten Geburtstag meines jourfixe-Blogs allen Leserinnen und Lesern 2015 viel Erfolg bei einer ebenso gradlinigen Glücksbeschaffung wie der meines Enkels!

😉

Gaby_dos_Santos_jourfixe-Blog_Werner_Bauer_Foto_2014

Gaby dos Santos vor einem Jahr fotografiert von Werner Bauer anlässlich des Starts eines jourfixe-Blogs zum 15. jourfixe-Jahrestag

Heute vor einem Jahr habe ich mit meinem Blog begonnen, ursprünglich um meine 20 Jahre „Kunst und Kultur“ zu bewerben sowie 15 Jahre Kulturplattform jourfixe-muenchen. Irgend etwas musste sich aus PR-Gründen zu unserem Jubiläum ja tun und Budget für eine größere öffentliche Veranstaltung war wieder einmal nicht da. Als Alternative bot sich an, einen Blog ins Leben zu rufen, um dies als Aktion zum Jubiläum in der Öffentlichkeit dokumentieren zu können. Damit, dass meine Blogs auch tatsächlich täglich LeserInnen finden würden, hatte ich nicht gerechnet. Und möchte mich aufrichtig für das Interesse bedanken!

Ausschnitt aus dem wordpress-Jahresbericht:

Gaby_dos_Santos_Cable_Car_jourfixe-Blog_wordpress_com

BildCollage nach einer Zeichnung von Dustin Olsen

Eine Cable Car in San Francisco fasst 60 Personen. Dieses Blog wurde in 2014 etwa 2.400 mal besucht. Eine Cable Car würde etwa 40 Fahrten benötigen um alle Besucher dieses Blogs zu transportieren.

Mit 41 Besuchern war der 1. September der geschäftigste Tag des Jahres. „Bin dann mal weg …“ war der beliebteste Beitrag an diesem Tag.

Diese Rückmeldung hat mich besonders erstaunt, denn in diesem Blog hatte ich mich lediglich, in Anlehnung an Hape Kerkelings Bestseller, für einige Wochen aus dem zivilisatorischen Hamsterrad abgemeldet. Ein sehr persönlicher und auch funktionaler Beitrag („Werde einige Wochen nicht erreichbar sein …“), dessen Resonanz zeigt, dass das Interesse an den Mitmenschen sich auf einer sehr persönlichen Basis abspielt und so auch am besten vermittelt; eine wohltuende Erkenntnis, die mir zeigt, dass die tatsächliche „Gaby dos Santos“, bzw. ihre emotional subjektiven Beiträge, von einer ganzen Reihe LeserInnen angenommen wird.

jourfixe-Blog_AT_wordpress_com_by_Gaby_dos_Santos_jourfixe-muenchen

Aus dem selben Grund hat mich der PresseClub München zum Jahresende aufgefordert, aus meinem Blog „Sternstunden im PresseClub“ einen Beitrag für die kommende Ausgabe des PresseClub-Magazins heraus zu arbeiten, was mich natürlich zusätzlich motiviert.

Gaby_dos_Santos_jourfixe-Blog_Emotionen

BildCollage „Emotionen“ von Gaby_dos_Santos, Details:
http://www.jourfixe-muenchen-ev.de/Gaby_dos_Santos.html

Auch künftig werde ich mich in meinen Blogs zwar an recherchierte Fakten halten, im Ausdruck aber nicht verbiegen, sondern in meinen Beiträgen, wie auch in meinen multimedialen Produktionen, der emotionale Mensch bleiben, der ich nun einmal bin. Das Fazit aus einem Jahr jourfixe-Blog erteilt mir dazu endlich den unbewusst ersehnten Freibrief: „Lachen, heulen, beleidigt sein, Eitelkeiten, Herzblut, Leidenschaft, Temperatmentsausbrüche …“ – zu all dem stehe ich nun befreiter, wissend, dass ich mit all diesen Regungen nicht alleine dastehe – und ebenso wenig mit dem Bedürfnis, sie auszudrücken. Wer in aller Welt hat uns eigentlich suggeriert, dass man immer und überall cool zu sein hat? Ich bin es nicht, aber ist es überhaupt irgendjemand, hinter der Fassade einer von PR und protokollarischen Diktaten glatt polierten Gesellschaft? Diese angestrebte „coolness“, nannte sich früher „contenance“, nur dass man in der guten alten Zeit wenigstens noch nicht haufenweise Geld in Therapien investierte, um die Folgen solcher kollektiven Selbstverleugnung auszubügeln. Wie oft fühlte ich mich anderen Zeitgenossen unterlegen, nur weil ich meine Emotionen nie ganz zu verbergen vermag? Schluss damit! 2015 richte mich in meiner Persönlichkeit konfortabler ein, zumindest bis zu dem Punkt, an dem ein verletzbar machender Seelenstriptease einsetzen oder ich meine Umwelt in einem Tsunami aus Emotionen ertränken würde. Oder meine Angst vor Ablehnung wieder mal die Oberhand über Wahrhaftigkeit gewinnt …

Gelesen wurde mein Blog 2014 in 35 Ländern, u. a. an exotischen Orten, wie Indonesien. Außerdem in Japan, in der Türkei, Australien etc. Schade, dass ich  nie erfahren werde, wessen Interesse ich wo geweckt habe und warum.

Denn – und jetzt kommen wir zum enttäuschenden Aspekt meines ersten Blog-Jahres – ich wurde zwar nicht nur aufgerufen, sondern auch tatsächlich „besucht“, nur die Kommentare zu meinen Beiträgen blieben überschaubar. Zur Feedback-Problematik nachstehend ein Post von Jon Michael Winkler:

Jon M. Winkler

Jon M. Winkler

,Durch einen alten Freund erfuhr ich die Tage, dass er meine Postings hier wohl aufmerksamer liest, als ich es selbst gedacht hätte. Ich konnte es auch nicht wissen, da er nie einen Kommentar dazu schrieb. Wie oft andere sich genauso verhalten, vermag ich natürlich nicht zu sagen, aber es stimmt mich nachdenklich, dass sich Leser möglicherweise eines Kommentars enthalten – aus welchen Gründen auch immer. Weil die „politischen“ Themen einen aufregen und man nicht hinsehen will, weil „man ja doch nichts ändern könne“? Weil man sich, von welcher Seite auch immer „beobachtet“ fühlt und nicht auffallen will? Ich selbst bin beim Betrachten der gesellschafts- und weltpolitschen Lage immer in einem Spagat, denn ich will mich selbst nicht herunterziehen, bedrücken und in die Verzweiflung treiben lassen und außerdem die eigene Absichten in meinem Leben, dem „Wahren, Guten und Schönen“ entgegen zu streben, nicht aus dem Auge verlieren und noch weniger beschädigen lassen. Aber wie Theodor W. Adorno schon sagte: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“. Spiritualität kann nicht apolitisch sein – und umgekehrt. Wenn wir eine bessere Welt für uns alle wollen, werden wir um beides nicht herumkommen, denn wir können nur bei uns selbst beginnen. Und der Anfang kann nur in der Überwindung der Gleichgültigkeit liegen, wie Manès Sperber so treffend schreibt: „Wir stoßen in der Geschichte unfehlbar auf die Gleichgültigkeit, sobald wir von der Erforschung der Taten zur Untersuchung der Zustände übergehen. Jeder Machtherrschaft ist sie stets die sicherste Stütze, der verlässlichste Schutz gewesen. Nur in den seltenen Augenblicken, da die Gleichgültigen in Bewegung geraten sind, ist der Machtapparat zum Teufel gegangen.“ Das sollte uns allen zu denken geben… In diesem Sinne wünsche ich Euch, all meinen FreundInnen und Freunden hier auf facebook, für das Neue Jahr Gesundheit, den Einklang mit Euch selbst und uns allen eine friedlichere, gerechtere Welt. Euer Jon Michael

Muenchen_worldwide_jourfixe-Blog_Gaby_dos_Santos_wordpress

Danke zunächst an Jon Michael Winkler für die vielen wertvollen Denkansätze und Zitate, die sein Beitrag enthält. Oft stehen uns aber vermutlich weder allgemein grassierende Gleichgültigkeit noch Furcht, sich zu exponieren, im Weg, wie die Verbreitung der Anti-Pegida-Bewegungen beweist – sondern der Mangel an Zeit. Diesbezüglich fasse ich mich an meine eigene Nase: Häufig reagiere ich in Facebook auf Beiträge, die ich an sich für wünschenswert halte, nur deshalb nicht, weil mir wieder einmal die Zeit fehlt, Hintergrund-Recherchen dazu zu führen, geschweige denn, längere Beiträge gründlich zu lesen oder gar zu kommentieren. Aber ich habe dieses Problem auch zu einem Vorsatz 2015 gemacht: Mehr Blicke über den Tellerrand!!!

In diesem Zusammenhang bin ich auf einen weiteren Blog gestoßen, der mir seit Weihnachten viel Freude bereitet hat, nicht zuletzt mit einem Adventskalender aus täglichen Kurzkrimis. „Marie Bastide erzählt die Welt“ nennt sich dieser auch optisch sehr ansprechend und anregend gestaltete Blog.

https://mariebastide.wordpress.com/

Abschließend: Wo auch immer Du/Sie auf der Welt meinen Blog lest, lasst doch bitte von Euch hören? Wer seid Ihr alle, hinter den Zahlen der Statistik, wie nehmt Ihr meine Gedanken auf, wie seid Ihr überhaupt auf mich aufmerksam geworden? Wie lebt Ihr? Was ist Euch wichtig? Denn bzgl. dieser Fragen bin ich bislang an die Grenzen der E-Kommunikation gestoßen …

Ihre/Eure Gaby dos Santos


 

 

 

 

 

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