Lange Nacht der Musik 2014, Artist Studio München, jourfixe-Collage Kein Applaus für Podmanitzki, Gaby dos Santos, Peter Lang

Vierzehnundeine Lange Nacht kultureller Vielfalt und Toleranz – Nachlese, Bilder, O-Töne und Links

Alljährlich präsentieren sich während einer Langen Nacht – der Musik oder Museen – gleichberechtigt große Kulturtempel neben kirchlichen Einrichtungen, Musikkneipen und sonstigen ausgefallenen Orten, Subkultur neben Hochkultur, „E“(rnste) Kunst und „U“(nterhaltung) – Tür an Tür! Dieser integrative Ansatz ist ein Glücksfall für die Münchner Szene, in der sich so manche Seilschaft als elitär empfindet und weniger etablierten KollegInnen stutenbissigst die eine oder andere Tür zu versperren sucht.

Bayerisches Staatsballett, Glockenbachwerkstatt, Lange Nacht der Musik, jourfixeBlog

Kulturelle Bandbreite bei der Langen Nacht der Musik: links: Glockenbachwerkstatt, rechts Bayerisches Staatsballett

"Die Theatermaske verdrückt eine Träne" - Bildmotiv des jourfixe-muenchen e. V.

Bild: Gaby dos Santos

Dagegen verdeutlicht jede Lange Nacht eindrucksvoll, dass sich die Kulturszene einer Stadt erst über die Summe ihrer unterschiedlichsten künstlerischen Aktivitäten definiert.  Beweis dafür ist die enorme Bandbreite an künstlerischen Angeboten und Spielstätten sowie die ebenso große Bandbreite an Publikum.

O-Ton Verena Thiel, seit 2004 Projektleiterin der Langen Nacht der Musik: Persönliches Fazit >>>

Organisiert werden diese Großveranstaltungen seit nunmehr 15 Jahren vom überschaubaren Team der Münchner Kultur GmbH. Ihr Konzept, anfangs von vielen Seiten noch mit Skepsis bedacht, hat sich inzwischen zu einer festen Einrichtung in der Münchner Kultur-Agenda entwickelt – und zwar nach wie vor als private Initiative! Link zum O-Ton Ralf Gabriel Die Lange Nacht ist eine private Initiative >>>

Dass die Lange Nacht für alle Mitwirkenden auf Augenhöhe ausgelegt ist, zeigt sich bereits bei der vorangehenden Pressekonferenz: Auf dem Podium präsentiert Geschäftsführer Ralf Gabriel sowohl KooperationspartnerInnen kleinerer oder neuer Locations, z.B. 2014 das Musiklokal Pigalle, wie auch VertreterInnen großer Häuser, wie Gasteig. Auch für den allgemeinen Kulturbetrieb maßgebliche Institutionen finden hier eine Plattform, z. B. 2014 erstmals die ZAV, früher bekannt unter der Bezeichnung „Künstlerdienst“, der Agentur für Arbeit München und Gastgeberin der diesjährigen Pressekonferenz.

ZAV, Künstlerdienst München, Agentur für Arbeit München

Das ZAV (Künstlerdienst München) präsentierte ein Spektrum seiner KünstlerInnen

Künstler-Fachvermittlung mit 50 Jahren Marktpräsenz:

http://www.arbeitsagentur.de/web/content/DE/service/Ueberuns/WeitereDienststellen/ZentraleAuslandsundFachvermittlung/Ueberuns/Kuenstlervermittlung/Detail/index.htm?dfContentId=L6019022DSTBAI526087

Christina Stürmer, BMW Welt

Christina Stürmer zum Auftakt der Musiknacht bei der BMW-Welt, Foto: O. Rayermann

DIE OFFENHEIT DER KULTUR-GMBH GEGENÜBER ALLEN KULTURELLEN STRÖMUNGEN entspringt einer seit 15 Jahren unveränderten Grundmotivation Ralf Gabriels: Kulturelle Hemmschwellen und  Vorurteile abbauen, Besucher auch für verstecktere Seiten des Münchner Kulturlebens öffnen und andererseits einen Star wie Christina Stürmer, Auftaktsakt 2014, einer breiten Menge zugänglich machen. Dazu ein weiterer O-Ton von Ralf Gabriel >>> Anekdote

Einige kritische Äußerungen wiederholen sich mit jeder Langen Nacht: Oft beklagen Musiker und kleinere Locations die geringe Beteiligung am Ticket-Erlös. Hierbei muss aber bitte bedacht werden, dass die Kultur-GmbH, als privater Veranstalter, auch alle Risiken und erhebliche Kosten selbst trägt, wie GEMA , Shuttlebusse, Werbekosten, etc.

Als Mitwirkende Erster Stunde bzw. seit der ersten Musiknacht im Jahr 2000, kann ich nur davor abraten, eine Mitwirkung an der Langen Nacht als Einnahme-Quelle einzuplanen. Die Veranstaltungen sind vielmehr eine 1a)-PR-Plattform aufzufassen, gerade auch für kulturelle Nischen und/oder ausgefallene Beiträge, wie z. B. unsere jourfixe-Collagen sowie für (noch) unbekannte Locations. Für den jourfixe-muenchen e. V. haben sich aus der Präsenz bei der Langen Nacht einige der wichtigsten Kontakte, Engagements und Produktionsaufträge ergeben.

Daher bemühe ich mich bei jeder Teilnahme, die Chancen zu nutzen, welche uns die breite Öffentlichkeit dieser Veranstaltung bietet; vor allem den jeweiligen  jourfixe-Beitrag durch eine möglichst ausgefeilte Gestaltung im Programmheft zu profilieren, welches in einer Auflage von ca. 100.000 Exemplaren Verbreitung findet. Wer von uns aus der Freien Szene kann sich normalerweise Werbemaßnahmen in diesem Umfang leisten? Und bei der Veranstaltung selbst, ein gutes Show-Programm vorausgesetzt, mit stetigem Zuschauer-Aufkommen rechnen?

O-Ton Ralf Gabriel: Die Lange Nacht als PR-Plattform 

Elina Goto, Alter Südlicher Friedhof München, Lange Nacht der Musik 2013

Elina Goto friert bei der Musiknacht 2013 auf dem Alten Südfriedhof, Foto: Robert Dreher

Bei der Langen Nacht der Musik 2014 trotzten unerwartet viele ZuschauerInnen der Kälte und dem Regen, um eine öffentliche Probe zur jourfixe-Collage auf dem Alten Südlichen Friedhof Open Air zu erleben! Und in diesem Jahr erfreuten sich sowohl das Artist Studio, als auch wir eines permanenten Zuschauerstroms zu unserer multimedialen Collage „Kein Applaus für Podmanitzki“, mit Livemusik von Peter Lang! Obgleich der doppelbödige und eher kulturkritisch angelegte Unterton der Produktion sicher nicht zum Schenkelklopfen nach einem Fußball-Sieg einlud. Aber, wie gesagt, das Publikum der Langen Nacht setzt sich so unterschiedlich zusammen, dass jede Art Programm auch seine Zuschauer findet.

Artist Studio im Künstlerhaus, Peter Lang, Kishon, Kein Applaus für Podmanitzki, jourfixe-Collage

Peter Lang, Inhaber des Artist Studio und Multi-Instrumentalist in Aktion bei der Musiknacht 2014

Werner Bauer Foto, Kein Applaus für Podmanitzki, Martin Wichmann

Wichmann alias Podmanitzki, Foto: W. Bauer

Einen aufregenden Abend lang konnten wir also stetig wechselndem Publikum die Figur unseres Alter Egos „Jarden Podmanitzki „vorstellen. Mit dieser Collage „aus der nicht immer schönen Welt der Schönen Künste“ wollten wir unseren Künstler-Kollegen, wie auch uns selbst, eine Hommage zum jourfixe-Jubiläumsjahr bieten. Denn: Kishons Podmanitzki ist einer von uns – der „berühmteste aller unbekannten, mittelmäßig erfolgreichen Künstler„. Für uns war es daher eine Herzensangelenheit, diesen Alias aller KünstlerInnen, ganz nah an den Zuschauern, in einem historischen Münchner Künstler-Gewölbe aufleben zu lassen. Vor einem Publikum, das sich uns gezielt aus der breiten Programm-Palette ausgesucht hatte, bereit, sich auf unseren speziellen Humor einzulassen – und zugleich unsere Wirklichkeit ein wenig besser kennen zu lernen. So dokumentiert die Collage u.a. realistisch, unter welchen Umständen und mit wie viel Herzblut in der Freien Theaterszene Kunst entsteht, dabei immer an den Grenzen technischer  Möglichkeiten stoßend und meist an der breiteren Öffentlichkeit vorbei – außer eben bei der Langen Nacht!

Werner Bauer Photography, Kishon, jourfixeCollage

Foto-Collage nach einer Idee von Fotograf Werner Bauer

Link zur Website mit Video/O-Ton Martin Wichmann in einer Doppelrolle als Kunstkritiker Kunstetter und Theaterleiter Spitz, mit Fotos von Werner Bauer; Adaption nach Kishons Episode „Wie Du mir, so ich Dir!“

http://www.jourfixe-muenchen-ev.de/dhtml/jfkatalog/Zwei_aus_der_Kunstszene.html

Es geht in unserer Kishon-Adaption ebenso wie im Alltag vieler Kunstschaffender um das Überleben durch Tingeltangel und um das Bewahren von wenigstens etwas Würde gegenüber einem Kultur-Establishment, dass einen  nicht gelten lassen will. Und es geht um große Träume, die längst begraben sind. – Oder vielleicht doch nicht ganz?

Als ich mich um Mitternacht auf den Heimweg machte, pulsierte die Stadt noch immer, auf diese spezielle Art, welche die Atmosphäre der Langen Nächte auszeichnet. Eine deutsche Stadt zu fortgeschrittener Stunde noch immer in  Bewegung und zwar Generationen übergreifend  – Shuttle-Busse, Sonder-Tram – Eine lebendige Stimmung, die mich an meine Jugend in südlichen Ländern erinnert. Ein wenig Lago Maggiore, ein Hauch von Rio, etwas lärmendes Athen … Und künstlerisch spürte ich, trotz aller Erschöpfung wieder jenen Elan, der mich den Satz aus dem jüdischen Volkslied „Soll Seyn“ nachempfinden lässt, mit dem ich, auf uns Künstler gemünzt, die Kishon-Collage beende:

Zitat_jourfixeCollage_Musiknacht_jourfixeBlog

Dafür danke ich dem Team der Münchner Kultur GmbH und wünsche ihm, ebenso wie meinen KollegInnen und mir noch viele erfolgreiche Lange Nächte künstlerischer Teilhabe!

Weitere Links:

O-Ton von Ralf Gabriel zu den Anfängen der Langen Nächte in München >>>

Werner Bauer fotografiert bei einer Veranstaltung im Artist Studio

Werner Bauer in Aktion im Artist Studio

Die Linse von Fotograf Werner Bauer richtet sich nicht nur in unserer Bild/Klang-Collage fest auf die Welt der berühmten oder auch erfolgreichen unbekannten Künstler >>>

http://www.bauerwerner.com/portraits/artists/artists.html

 

Peter Lang Inhaber Artist Studio im Münchner Künstlerhaus

Das Artist Studio von Peter Lang ist eine eigenständige Firma im UG des Münchner Künstlerhauses

Nicht nur zur Langen Nacht geben sich im Artist Studio Künstler unterschiedlichster Couleur und unterschiedlichsten Bekanntheitsgrad die Klinke in die Hand >>>

http://www.artist-studio.de/gaestefotos/

Fotos zu den diversen Programmen der Langen Nacht der Musik 2014 mit freundlicher Genehmigung von Verena Thiel/Münchner Kultur Gmbh

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