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Ira Blazejewska – Künstlerin in Münchner Avantgarde Tradition

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Der Alte Simpl
historischer Flyer

Mit München verbinden viele voller Nostalgie jene undefinierbar verklärten Bohème-Zeiten, als „München noch Schwabing war“, beseelt von großen Lebens/KünstlerInnen, wie die Literaten und Karikaturisten des Simplizissimus, wie Kati Kobus, Wirtin des nach der Satirezeitschrift benannten Künstlerlokals „Alter Simpl“ (wenn auch in Max-Vorstadt gelegen), wie Franziska von Reventlow.

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Franziska von Reventlow
Schwabinger Freigist

Die barfüßige Gräfin, Künstlerin und Gelegenheitsprostituierte, pflegte Schwabing als „Wahnmoching“ zu bezeichnen und mit ihrem exzessiven Lebensstil unsicher  zu machen. Mit Nostalgie hatte das damalige Künstlertum keineswegs zu tun, die Protagonisten, wenn auch ihrer Stadt verbunden, waren im Denken und Schaffen vorwärts gerichtet  – Avantgardisten eben.

Längst vergangene Zeiten! Meiner Meinung nach dürfte man aber, bei aller Liebe zur Münchner Kulturgeschichte, auf die heutige Münchner Kunst – und Kulturszene ruhig ein wenig stolzer sein! Aber: Wenig gilt der Prophet im eigenen Land … Schließlich muss er in der gegenwärtigen Realität seiner Kunst nachgehen, in welcher  (noch) nichts und niemand Zeit genug hatte, sich zur Legende zu verklären.

Geblieben ist derweil eine weit verbreitete Sehnsucht, jenes vormalige  Münchner Camelot „wahrer“ Künstlerschaft wieder zu beleben und um sich zu scharen. An gutem Willen und entsprechend immer neu entstehenden Künstlertreffs mangelt es daher nicht. Aber die Anfangseuphorie solcher Unternehmungen erstickt meist schnell in der Erkenntnis, dass das Eröffnen eines solchen Treffs noch lange nicht den Laden füllt, weder mit Gästen noch mit Musen, die ihre zechenden Klientel vor Ort zu Meisterwerken inspirieren könnten. Gute Absicht alleine reicht nicht, den Geist der Kunst voran zu treiben; es bedarf vielmehr einer Persönlichkeit mit Ausdauer, Talent und vor allem mit Zugkraft.

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Künstlerin
Ira Blazejewska

Eine davon ist sicher die schillernde Ira Blazejewska, eine künstlerische Allrounderin, die stetig zwischen Malerei, klassischem Gesang, Performance, Chanson und außergewönlichen Programm-Konzepten pendelt. Ihre Aktivitäten, ob in München oder in Paris entfaltet, kennzeichnet ein eigenwilliger Stil, geprägt von noch nicht dagewesenen, ausgefallenen bis schrägen Einfällen: „Avantgarde-Style“, der sich aber niemals in Verkopftheiten verliert. Dazu ist Ira eine viel zu leidenschaftliche Künstlerin! Und folgt damit jener avantgardistischen Tradition, die einst den Ruf der Münchner Kunstschaffenden begründete . Meiner Meinung nach verdienen unsere VorVorKollegInnen mehr als nur nostalgische Reminiszenzen, nämlich ein Fortführen des kreativen Schaffens in München, jetzt – und mit den künstlerischen Ausdrucksformen  unserer Zeit.

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Ira und Mitstreiter Karl Deterin beim „Zug der Krawallianer“

Zum 50. Jahrestag der Schwabinger Krawalle rief Blazejewska die „KrawallKarawane“ins Leben, eine Veranstaltung die im Vorfeld einiges Stirnrunzeln verursachte, weil sie ihr Projekt weder genauer definieren konnte, noch wollte. Ganz schlimm! 😉 Viele verstanden nicht, dass es keineswegs um ein konzeptionelles Festzurren ging, sondern um ein  „erst mal tun und dann wachsen lassen“. Inzwischen hat sich aus dieser KrawallKarawane eine Veranstaltungsreihe entwickelt, die  im Herzen Schwabings, bei Heppel und Ettlich, eine stimmige Heimat gefunden hat: „Blood, Shit & Champagne“, nennt Ira die Reihe, die sie unter wechselnden Mottos.

An dieser Stelle übergebe ich das virtuelle Wort direkt an Ira:

(…) „Nachdem wir im letzten Jahr mit unserer „KrawallKarawane“, einer Veranstaltung, die mehrere traditionelle Münchner Locations bespielte, und der Dada-Wiesn, die wir an der Schaustelle zur Wiedereröffnung der PdM mit unserem Co-Kurator Ecco Meinecke inszenierten,  eine Veranstaltungreihe unter dem Label „Blood, Shit & Champagne“eröffnet haben, nehmen wir uns nun erneut eines Themas an, das uns ein Anliegen ist: das Wasser.

Fern von jedem erhobenen Zeigefinger, mit viel schwarzem Humor und einer Prise Avantgarde mischen sich wieder sub – und high-culture in unserem „WasserSalon„. Erneut geht es darum, die Münchner Kultur-Energien aus den verschiedensten Ecken zu vereinen:

So gibt es Lieder der unterschiedlichsten Art, Brecht muss natürlich dabei sein, einen Opheliafilm mit Performance von Christa Sturm, die einen Lehrauftrag für Performance in München hat,  Nikolai Vogel, der die Wortspiele in der Muffathalle organisiert, liest über eine Überschwemmung aus seinem Roman  „Plug In“, den er auch beim Bachmannpreis vorgestellt hat; , Künstler veranstalten eine audiovisuelle Live –  Aktion, Rachmaninoff wird neben Beatboxing zu hören sein, unser comedy-man führt mit bösen harten Fakten durch den Abend.

Sonntag, den 11.Mai 2014 – Theater „Heppel & Ettlich“

Beginn: 20 Uhr (Einlass 19.00 Uhr)

Eintritt: 17 €/12 €

Für die ersten Gäste gibt’s ein Glas Champagner inklusive.

….und sonst gibt es natürlich wieder Champagner zu basisdemokratischem Preis. „

(… Ira Blazejewska)

………………………………………………………………………………………………………….

Wie viel Herzblut in einer solchen Veranstaltungsreihe steckt und was für ein Aufwand es ist, ein solches Programm thematisch auf den Punkt zu bringen und mit den richtigen Künstlern zu besetzen, kann ich Ira sehr gut aus meiner Zeit als Veranstalterin der jourfixe-Künstlertreffen nachempfinden. Zuletzt hatte ich Jon Michael Winkler bei seiner Café Bohème-Reihe zur Seite gestanden. Irgendwann hatten wir dann genug von Pannen, zickenden Gast-Darstellern und riesen PR-Aufwand für vergleichsweise wenig Publikum. Kurzum, wir wurden älter, so alt, dass für uns das Schmerzensgeld nicht mehr reichte 😉

Umso mehr freue ich mich, wenn mal wieder jemand vom Format von Ira Blazejewska sich dieser Lücke im Kulturleben annimmt. Von Herzen toi, toi, toi, liebe Ira!


http://www.jourfixe-muenchen-ev.de/jourfixe_Blog_Verzeichnis.html

 

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