Von Jacky Jacobs am Rosenheimer Platz

Eine tieftraurige Geschichte, die sich vielleicht zu einem Happy End bringen lässt?

Jacky Jacobs, BISS-Verkäufer am Rosenheimer Platz und sein kleiner wuscheliger Hund gehörten zum festen Bestand des Souterrains zur S-Bahn. Ich habe diesen Menschen immer bewundert, wie er, trotz leichter Sprach – und Gehbehinderung, immer gut gelaunt die BISS feil bot. Und doch habe ich ihm niemals eine Zeitung abgekauft. Sicher, als Kunstschaffende bin ich selber oft klamm, aber 3,- € hätten „drin sein sollen“. Da ich mich aber vor langer Zeit einmal von einem BISS-Mitarbeiter verraten gefühlt hatte, blieb ich stur und eilte mit diesem halben Gedanken „ach, irgendwann sollte ich ihm doch mal eine Zeitung abkaufen, auch wenn es BISS ist!“ weiter in meinen Alltag hinein. Wie man es so handhabt, wenn es einem zu kompliziert erscheint, sich mit etwas Bestimmten näher auseinander zu setzen. „Keine Zeit“ bietet sich heutzutage als Entschuldigung dazu ja bestens an …

Und nun ist mir schlimmstenfalls keine Zeit mehr gegeben – um Jacky Jacobs eine BISS abzukaufen.

Nachdem ich selbst viele Wochen krank und daher nicht am Rosenheimer Platz gewesen war, erfuhr ich erst gestern, dass zur selben Zeit, in der ich, ins Bett verdonnert, mich selbstmitleidig als das Elendste unter den Geschöpfen empfand, Jacky Jacobs um sein Leben kämpfte. Und kaum, dass er aus dem Koma erwacht war, starb auch noch sein Hund. Jacky Jacobs gab trotzdem nicht auf, mit dem Ziel vor Augen, an seinem Geburtstag sein Alltagsleben wieder aufnehmen zu können. Doch leider ist dieser Wunsch bislang nicht in Erfüllung gegangen.

Viele weitere Details zu dieser berührenden Begebenheit finden sich in der aktuellen BISS. Vom vertretenden Kollegen am Rosenheimer Platz habe ich zudem ein Info-Schreiben von Karin Lohr, Geschäftsführerin BiSS e. V. erhalten, welches ich in Auszügen an Sie/Euch weiterleiten möchte:

„Liebe Freunde und Stammkunden von Jacky Jacobs,
 
heute am 22. April hat Herr Jacobs Geburtstag. Zur Feier des Tages wollte an an seinen alten Standplatz kommen, aber sein Gesundheitszustand lässt es noch nicht zu. Er ist noch im Krankenhaus. Wenn Sie ihm eine Karte oder einen Brief geben wollen, nimmt das sein Kollege, Herr Dind, gerne entgegen und gibt es weiter.  …“

Wenn ich mir überlege, wie leicht und oft ich wegen Nichtigkeiten in Selbstmitleid versinke oder was für Sehnsüchte mich umtreiben, dann beschämt mich der Gedanke, dass andererseits ein Mensch um seine Genesung kämpft, der sich nur danach sehnt, sein gewohntes und sicher nicht einfaches Leben als BISS-Verkäufer in unserem Viertel wieder aufzunehmen.

Leider fällt es schwer, sich im Normalzustand zu vergegenwärtigen, wie gut es dagegen mir geht und wie viel mehr Dankbarkeit ich, nicht zuletzt in Taten, zum Ausdruck bringen sollte. Ich hoffe, dass mir dieser Vorfall dabei hilft und dass ich doch noch bald die Chance bekomme, Jacky Jacobs eine BISS abzukaufen. Ich bete darum.


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