Streifzug München: SPD-Wahlkampf, Begegnung mit Autor Peter Schneider, Kirchenkabarett und eine Weltenbummlerin am Start

Am 7. Februar fand mein Debüt als SPD-Wahlkämpferin statt: Am Rosenheimer Platz zusammen mit

http://anne-huebner.de/

unsere Stadtratskandidatin sowie Günter Wolf Flyer ans Volk bringen. Das Positive daran: Man bekommt zu den WählerInnen unmittelbaren Kontakt und einen ziemlich konkreten Eindruck dessen, was die Bürger wirklich bewegt. Und das lautet zur Zeit ziemlich oft „Politik-Verdrossenheit“. Mein gebetsmühlenartig vorgebrachtes Credo, dass der politische Ist-Zustand gerade mehr Engagement seitens der BürgerInn erfordere, überzeugte potentielle Wahl-AbstinenzlerInnen nicht wirklich. Vielleicht wäre es gut, wenn auch mehr BundestagspolitikerInnen sich mal wahlkämpfend auf Deutschlands Strassen tummeln würden. Weniger Elfenbein-Turm wäre da garantiert. Angenehme Nebenerscheinung ganz anderer Natur: Ich konnte beim Flyer verteilen tüchtig an“smilen“, wen und wann ich wollte … und noch dazu für eine gute Sache. 😉

Und traf dabei prompt meine neuen jourfixe-Vereinsfreunde Martine und Roland Jerzewski. Roland unterrichtet an der Europäischen Schule in München und engagiert sich dort auch kulturpolitisch. Kennen und schätzen gelernt haben wir uns bereits 2010, anlässlich eines Engagements an der Europäischen Schule 2010 mit Jons Collage zu Frederic Chopin, im Rahmen eines Projektes zu „20 Jahre Mauerfall“. Daran knüpft Rolands neues Projekt „Europäische Identitäten“ an. Zitat von der Homepage der Europäischen Schule in München:

„Eines der Leitmotive der Europäischen Schule ist die Multikulturalität, wie sie ständig und intensiv schulintern gelebt und erlebt wird. Diese europäische Kulturvielfalt basiert nicht nur auf den verschiedenen Nationen, Sprachen und Kulturen, sondern findet innerhalb vieler Familien ihren eigenen Ausdruck. Unsere häufig aus diesem Umfeld stammenden Schüler sind von Haus aus interkulturell und zwei- oder mehrsprachig. Für diese Kinder und Jugendlichen kann die Situation „zwischen den Stühlen“ mit einer nicht immer leicht definierbaren Identität eine Quelle von Zweifeln und Verunsicherung sein; gleichzeitig ist diese Polyvalenz aber auch eine große Chance in einer multipolaren, globalisierten Zukunft.“  

HS_Literaturveranstaltung_Peter_Schneider 013

http://esmunich.de/home/hoehere-schule/projekte/europaeische-identitaeten.html

Nachdem ich selbst meine  Schulzeit auf einer Europäischen Schule in Varese/Italien verbracht habe, kann ich dem nur zustimmen. Mehr von dieser Veranstaltungsreihe durfte ich bald selbst in der Europäischen Schule erleben: Eine literarische Matinée mit Erfolgsautor Peter Schneider, der seinen Auftritt mit einem Plädoyer für ein vereintes Europa der kulturellen Vielfalt einleitete. Auf Grund meiner Biografie plädiere ich ebenfalls für ein gemeinsames Europa, aber ein auf kommerziellen Interessen reduziertes Europa, sondern eines der gegenseitigen Hilfestellung, nicht aus falschem Gutmenschetum heraus, sondern weil letztlich das Wohlergehen jeden einzelnen Staates zum Wachstum der gesamten Union beitragen wird. (Man denke nur an die aufblühende deutsche Wirtschaft  in der westlichen Welt der 50er und 60er Jahre …) Bei der Gelegenheit lud Peter Schneider die Münchner Schüler ein, an der Konferenz „Europa streitet“ am 2. Mai in Berlin teilzunehmen, für die er sich gerade, in Koop. unter anderem mit Joschka Fischer, stark macht, und an der ich hoffe, auch teilzunehmen.

v. li.: Roland Jerzweski, Peter Schneider, Schuldirektor Rudolph Ensing

v. li.: Roland Jerzweski, Peter Schneider, Schuldirektor Rudolph Ensing

Seine Lesung eröffnete Schneider mit der Präsentation seines neuesten Buches, für mich als Lektüre sicherlich ein „muss“, denn es beruht auf Schneiders tatsächlicher Familiengeschichte. „Die Lieben meiner Mutter“ – erzählt von dem in den 40er Jahren ungewöhnlich mutigen Bekenntnis einer verheirateten Frau zu einem „amour fou“.  Abschließend las Schneider noch aus seinem 2001 erschienen Buch „Und wenn wir nur eine Stunde gewinnen“. Dieses Werk schlägt auf begrüßenswerte Weise in die gleiche Kerbe, wie das weise jüdische Sprichwort „Wer nur eine Seele rettet, rettet die ganze Welt“ und erinnert an die stillen Helden in Deutschland, die, unter Einsatz des Lebens, einen Beitrag zur Rettung Verfolgter leisteten. Für dieses Buch wurde Schneider von der Presse teilweise heftig kritisiert. Sinngemäß: Er wolle das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte beschönigen.

Peter Schneiders neues Buch: Die Lieben meiner Mutter

Peter Schneiders neues Buch: Die Lieben meiner Mutter

Diese Reaktion – leider – wundert mich nicht wirklich. Sie ist symptomatisch, was die Aufarbeitung unserer Vergangenheit anbelangt und könnte auf Dauer auch kontraproduktiv wirken. Gefordert ist, nicht zuletzt auch in Hinblick auf die kommenden Generationen, eine differenzierte Auseinandersetzung, im Sinne möglichst intensiver Lernerfahrungen, statt einem „Mea-Culpa-Masochismus“ in Endlosschleife, der nichts bewirkt und höchstens abstumpft. In diesem speziellen Fall, wie auch der Autor selbst erläuterte, ging es u. a. ja gerade darum aufzuzeigen, dass es durchaus möglich war, zu helfen, im Rahmen der eigenen, entsprechend beschränkten, Mittel. Ob ich persönlich selbst soviel Zivilcourage hätte? Hoffentlich muss ich das niemals herausfinden. Mehr

http://esmunich.de/home/hoehere-schule/aktuelles/aktuelles-detail/article/mutterherz-und-liebesschmerz.html

„Jede (kriegerische) Situation von Fall zu Fall persönlich neu und differenziert überdenken“ lautete sinngemäß  der Rat einer Münchner Pfarrerin zu meiner Frage, ob denn absoluter Pazifismus wirklich immer den Frieden bewahren könne und welche Haltung der christliche Glaube gebiete. Das eigene Gewissen sei stets aufs Neue gefragt. Meines bezweifelt, dass Pazifismus ausnahmslos sinnvoll ist – man denke nur an Chamberlain und seine gescheiterte Appeasement-Politik – In jedem Fall aber sollte Krieg nur das ultimative Mittel sein, und wir in Deutschland haben die Pflicht und Chance zugleich, auf Grund unserer Geschichte besonders zurückhaltend zu reagieren. Das Befürworten unseres Bundespräsidenten, nota bene noch dazu eines Geistlichen, einer künftig verstärkten militärischen Präsenz unserer Truppen weltweit, empfinde ich als plumpe Anbiederung auf weltpolitischem Parkett, anlässlich der Münchner Sicherheitskonferenz 2014. Wir, mit der historischen Chance auf militärische Zurückhaltung, sollten diese auch nutzen! Wobei ich keineswegs Anti-Bundeswehr eingestellt bin, im Gegenteil, im Zuge meines „Lili-Marleen“-Projektes viele SoldatInnen als sehr engagierte und tiefgründige Mitmenschen kennen und schätzen gelernt habe und welche die Bereitschaft zeigen, für uns alle gegebenenfalls ihr Leben zu riskieren.

Was die Sicherheitskonferenz an sich anbelangt: Es gibt so viele attraktive Orte rund um München, wo auch die Politik regelmäßig „klausurt“. Könnte man nicht bitte die gesamte Sicherheitskonferenz dahin ausquartieren? Alle Jahre wieder Chaos in der Stadt, verursacht durch eine Veranstaltung, die die MünchnerInnen nicht wirklich schätzen … Sicherheitskonferenz goes Schloss Elmau oder so?

Samstag Abend hallten ungewöhnliche Sprüche durch die Markus-Kirche: Die PfarrerInnen des Kirchenkabaretts „Das Weißblaue Beffchen“ beleuchteten Kirchenalltag, Gemeinde und Pfarrwesen auf ungewöhnliche, deftige Weise. Es durfte gelacht werden und es wurde gelacht, wenn der Tod in einer EKD-Version des Brandner-Kaspers von einem auf Seelsorge trainierten Geistlichen überlistet wird, wenn der betont lässig daher kommende Jugendpfarrer Bier kippend sein Leid klagt und das Publikum zu einem Gangam-Style mit interkofessionellem Gestus animiert wird. Ein paar schräge Töne im Gesang vielleicht, aber wirklich gekonnt die darstellerische Leistung des Ensembles, von denen ich einen erst kürzlich hatte predigen gehört. Ein Genuss, nicht nur für KirchgängerInnen, der nur leider durch meinen müde gewordenen Enkel zur Pause bei mir zu einem verfrühten Abgang führte. Aber: Ich komm wieder, keine Frage!

http://www.kirchenkabarett.de/

Verabschiedet habe ich dieser Tage dann noch meine Freundin, jourfixe-Kollegin und Gesamtkunstwerk Naomi Isaacs (Autorin, Sängerin, Coach, Lebenskünstlerin). Zwar wird sie uns keine „Postkarte aus Bali“ schicken, so der Titel ihres bemerkenswerten Märchenbuchs für Erwachsene, aber sicher den einen oder anderen Post aus Leipzig, Singapur und Thailand. Schön, dass sie danach fest zu Markus Woelfle und mir ins Viertel zieht! Bon voyage derweil, Naomi. Wir halten Stellung in Haidhausen!

Soweit für heute. Ich werde mich ab sofort in die Vorbereitungen zur Langen Nacht der Musik am 15. Mai vertiefen und Ihnen/Euch zu gegebener Zeit mehr davon berichten.

* Alle Fotos dieser Seite stammen von Carolin Neudeck, Europäische Schule München

Advertisements
Standard

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s