„Nicht die Bequemen verteidigen die Demokratie …“ Eindrücke zur Verleihung des Georg–Elser–Preises 2017 an Ernst Grube, Link zur Dankesrede, Videoclips, Fotos

Weiterlesen

Advertisements
Standard

Handycalypse Now – Vorschau auf Thomas Erich Killingers Musical-Premiere am 9.11.2017: „Der verrückte Handyladen“

Kein einziger Tropfen Blut fließt im GrusicalDer verrückte Handyladen“ von Komponist, Librettist und Arrangeur Thomas Erich Killinger, konzipiert in Anlehnung an das Musical Little Shop of Horrors (Der kleine Horrorladen) von Alan Menken. Doch gierte es im Bühnenhit von 1982 der pflanzlichen Protagonistin noch ganz reell nach Blut, so dürstet es  ihrem heutigen Pendant, einem bösartigen kleinen Smartphone namens „Mrs. Alice“, nunmehr nach virtuellen Feeds und sein Unwesen treibt es zeitgemäß in einem Handy-Laden, im Comic-Stil gestaltet von Tamara Oswatitsch  (Bühne und Kostüme).

„Die Handygirls“ – eine Art moderne Andrew Sisters -kommentieren das Geschehen, dargestellt von  Sampaguita Mönck   –   Dalma Viczina,   –   Julia Haug

In schrillen Kostümen agieren die Darsteller eher aneinander vorbei als mit einander. Zwischenmenschliche Berührung sei der Welt abhanden gekommen, beklagt daher, in einem besonders anrührenden Moment der Inszenierung, eine alte Obdachlose  (in einer O-Ton-Einspielung von jourfixe-Kollegin Naomi Isaacs).

„Die ‚Old Lady‘ in ‚Funk, funk, chant, chant‘ wird gesungen und gefeatured von Naomi Isaacs

Zurecht! – Die plakativ gehaltenen Dialoge scheinen einzelnen Comic-Blasen entsprungen und verstärken den Eindruck eines entseelten Ambientes …

Ein entseeltes Ambiente im Zeitalter der virtuellen Kommunikation; Bildcollage Killinger

Noch beschränkt sich der Handlungsradius der unheilvollen Mrs. Alice auf besagten Handyladen. Hier verleibt sie sich, in Form intimster Datensätze,  menschliche Seelen durch Handauflegen ein. Fatalerweise wächst mit zunehmender Menge an Feeds auch die Macht dieses elektronischen Ungeheuers, das perfideste seiner Art, seit Computer HAL im Film „2001 – Odyssee im Weltraum“ sein Unwesen trieb!

„Mrs. Alice“ wird als androgynes Etwas im Business-Anzug dargestellt von Ben Schobel, Abb. Killinger

Daher dürfte dem Publikum das Lachen beinahe im Hals stecken bleiben, angesichts des immer weiter ausufernden „handycalyptischen“ Szenarios. Schließlich droht Mrs. Alice sogar, die Weltherrschaft an sich zu reißen, unterstützt von einer Armada an Alice-Klonen!

Sich diesem multimedialen Overkill entgegenzustellen vermag nur eine große Liebe (Sebastian Killinger & Marina Granchette), die hier, wie in jedem klassischen Muscial, natürlich nicht fehlt. Doch wird es den Herzen in einem Happyend gelingen, die Elektronik zurück in ihre Schranken weisen?

Bei allem Unterhaltungswert stellt „Der verrückte Handyladen“ unseren vermehrt virtuellen Kommunikationsstil in Frage und versteht sich als Plädoyer für menschliches Miteinander – und für die Liebe. Diese und weitere Facetten des Menschlichen vermittelt Thomas Erich Killinger in pointenreichen Texten und einem opulenten Soundtrack, für den er kompositorisch alle Register seines Könnens und seiner Erfahrung im Musikgeschäft zieht. Dabei verbindet er ebenso einfühlsam wie „swingend“ unterschiedlichste musikalische Stile zu einem Musikerlebnis für die ganze Familie.

Die phantasievoll absurd von Killinger skizzierten Figuren des Stücks werden von Christiane Brammer in Szene gesetzt, die der breiten Öffentlichkeit durch ihre Rolle als Bea Faller in der TV-Serie Die Fallers – Eine Schwarzwaldfamilie bekannt wurde. Darüber hinaus ist sie auch die Chefin der Premierenbühne, das Hofspielhaus München, ein idyllisches Off-Theater im Herzen der Altstadt, von dem aus hoffnungsvollerweise, statt der unheilvollen Mrs. Alice, „Der verrückte Handyladen“ selbst seinen Eroberungszug starten wird  😉

Ab DO, 9. November 2017, 20:00 Uhr

Hofspielhaus Umgebungsplan

Kartenbestellung

Termine (Achtung, einige Termine ausverkauft!)

Thomas Erich Killinger      Ensemble

„Der verrückte Handyladen“ > auch auf Facebook



Verzeichnis aller jourfixe–Blogbeiträge mit jeweiligem Link

 

Standard

„Ich bekomme soviel zurück“- Ein langes Vorgespräch mit Petra Windisch de Lates, Mitbegründerin (1989) und Vorstand der Deutschen Lebensbrücke e.V. sowie der Jazzmusiker Initiative München

Das Foto zeigt mich langem Gespräch mit meiner jourfixe-Kollegin Petra Windisch de Lates, die mir von ihrer Arbeit bei der Deutschen Lebensbrücke e.V. berichtete, deren Gründungsmitglied (1989) und Vorstand sie ist. Mir boten sich Einblicke in eine Hilfsorganisation, die nach dem Credo tätig ist, dass wirkungsvolle Hilfe nicht nur empathischer sondern auch qualitativ hoher Güte bedarf. Entsprechend steht Petra mit beidem Beinen geerdet in ihrem Manager-Job! Für eine vergleichbareTätigkeit in Wirtschaft oder Industrie würde sie ein Vielfaches verdienen, „aber ich bekomme soviel zurück„, von den Kindern und deren Eltern, denen sie mit der Deutschen Lebensbrücke eine Zukunft schenken konnte. Ab und an geht der Kampf um eine solche Zukunft verloren, auch davon berichtete mir Petra in bewegenden Worten. Doch die positiven Erlebnisse würden überwiegen. Dennoch, mit der Veränderung der Medienlandschaft und auch des allgemeinen Lebensstandards, sei Spendensammeln schwerer geworden.

Ehrenamtlich engagiert sich die studierte Biologin für Jazz, u.a. im Vorstand von J.I.M., der Jazzmusiker Initiative München. Mit ihrem Mann, Sänger Thomas de Lates, führt sie zudem einen „Salon reloaded

Ein ausführlicher, bebilderter jourfixe-Blogbeitrag folgt im November.


Verzeichnis aller jourfixe–Blogbeiträge mit jeweiligem Link

Standard

„theater … und so fort“: Tipps, Ersatzspielorte, Kasperltheater im Newsletter von Theaterleiter Heiko Dietz

Wie viele unserer Münchner Leserinnen und Leser bereits mitbekommen haben, wird das „theater … und so fort“ von Heiko Dietz derzeit renoviert, ein Umstand, der für TheatermacherInnen der Freien Szene einem Supergau gleich kommt.

Glücklicherweise bieten KollegInnen Ersatzspielorte auf ihren Bühnen für das sehenswerte und durch das Kulturreferat München geförderte Programm des „theaters und so fort“. Nachstehend die akutellen Tipps, Termine sowie ein erneuter Spendenaufruf, aus dem heutigen Newsletter von Heiko Dietz:

Hallo zusammen!
Trotz aller Widrigkeiten rund um unseren Wasserschaden können wir dennoch ein paar gute Nachrichten vermelden… Doch vorab: Wir sind nach wie vor auf Spenden angewiesen.
THETA e.V., der Rechtsträger des Theaters ist gemeinnützig. Sie können Ihre Spende also steuerlich geltend machen. Sie haben zwei Möglichkeiten, uns zu unterstützen:
Über unsere online-Spenden-Kampagne oder per Überweisung direkt auf das Spendenkonto > THETA e.V.

Doch nun zu den guten Nachrichten: Nämlich, den stattfindenden Vorstellungen…
Bitte beachten Sie die unterschiedlichen Spielorte!!!

DIESE MÄNNER von Mayo Simon
07.10.       im TEAMTHEATER SALON (20.00 h)
12.-14.10. im THEATER IM FRAUNHOFER (20:30 h)

DIE MAXVORTÄDTER KELLERMORDE – Improvisierte Kriminalstücke
09.10.                   im THEATER IM FRAUNHOFER
13.11. und 11.12. im BLUTENBURGTHEATER

ABGEBRÜHT – Die Lesebühne für Leute mit Geschichte(n)
16.10.                    im THEATER KLEINES SPIEL, Neureutherstr. 12 / Eingang um die Ecke in der Arcisstr.

KASPERLTHEATER FÜR KINDER – Kasperl und die Brotzeit
ab November)     im Saal der Max-Emanuel-Brauerei

Wir bitten Sie, Ihre Tickets ausschließlich über unsere Homepage zu beziehen. Sie entlasten damit die anderen Theater, die uns beherbergen. Zudem verfügen diese Theater über kein eigenes Kartenkontingent.
Vielen Dank für Ihr Verständnis.
Ihr ‚theater…und so fort‘-Team


Aktuelles Programm als PDF-Download


Aus dem „theater … und so fort“, eines der besten Freien Theater Münchens, erreichen uns seit Wochen immer neue Hiobsbotschaften, zwar tapfer mit Galgenhumor und viel Talent zum Troubleshooting gewürzt, dennoch – wer sich bewusst ist, wie knapp man als Kunst– und Kulturschaffende/r im Normalfall über die Runden kommt und erst recht als Theaterleiter/In, kann man nur mit Heiko Dietz mitfühlen und für ihn hoffen, dass dieses Desaster mit dem Jahreswechsel tatsächlich ein Ende haben möge!

Heiko Dietz schreibt in einem Newsletter: Bei uns wird fleißig saniert. Nach aktuellem Stand müssen ca. 80% des Theaters komplett renoviert werden…

Die Toiletten müssen gänzlich erneuert werden. Aber auch die Bühne, sowie die Tribüne und der gesamte Zuschauerraum. Das dauert…

Wir konnten aber ein paar Vorstellungen zu anderen Theatern rüber retten.

Bitte besuchen Sie uns auch an diesen Orten!
Wir können jeden Zuschauer brauchen! 

(Quelle: jourfixeNews)


Verzeichnis aller jourfixe–Blogbeiträge mit jeweiligem Link

Standard

„We Are All The Same“ – Blick hinter die Kulissen eines ungewöhnlichen Projekts von Fotokünstler Dirk Schiff

„We All The Same“ ist ein Titel mit einer eindeutigen, fast banalen Aussage, der aber schon beim zweiten Hinsehen aneckt! Wir sind doch nicht alle gleich?

V.li.: Serena/ehrenamtliche Flüchtlingshelferin, Sahra Wagenknecht/Politikerin DIE LINKE, Anuj Sharma/Designer, Darlington/Flüchtling

Im Gegenteil, es lebe der Individualismus, beseelt wie wir gerade hierzulande vom Zeitgeist der Ichbezogenheit sind. Und tatsächlich zeichnet ja auch jeden von uns etwas einzigartiges aus. Um das hervorzuheben, hat Dirk Schiff alle seine Modelle vor ein und dem selben dunkeln Hintergrund abgelichtet. Dieses puristische Konzept ist zwar nicht überall gleichermaßen auf Begeisterung gestoßen, die Konsequenz des Fotokünstlers in diesem Punkt hat sich jedoch gelohnt: Entstanden sind eindrucksvolle Momentaufnahmen von Menschen unterschiedlichster Couleur, ob nun Promi oder Flüchtling, Kind oder älterer Mensch, ob aus Europa, Asien, Afrika oder den USA.

Mir persönlich entlockt diese Vielfalt an Einzigartigem großen Respekt vor jedem einzelnen der Modelle, die zudem vor dem Grundgesetz ja alle gleich sein sollten. Betonung auf „sollten“.

Der Fotoband WE ARE ALL THE SAME von Dirk Schiffportraitiert.de,  € 22,50 im SHOP SALON Literatur VERLAG von Franz Westner, Hardcover, 102 Seiten, ISBN-13 : 978-3-939321-79-8 Mit Zitaten u. Portraits ganz unterschiedlicher Prominenter, Flüchtlinge und Menschen von nebenan

Uschi Glas schreibt dazu im Vorwort zum begleitenden Fotobuch: „Es geht nicht darum, dass wir alle gleich sind, sondern dass wir alle Menschen sind. Und dass es alle verdienen, gleich behandelt zu werden; vor dem Gesetz, bei der Wohnungssuche, bei der Bewerbung um einen Arbeitsplatz – und nicht zuletzt in der Schule.
Besonders wichtig ist mir Chancengerechtigkeit. Das ist das, was ich unter Gleichheit verstehe: Schon Kinder sollen unabhängig von ihrer sozialen oder ethnischen Herkunft die gleichen Möglichkeiten haben.“

Fotograf Dirk Schiff mit Uschi Glas und Make-up-Artist Coriful

Entsprechend tatkräftig hat sie Dirk Schiffs Projekt unterstützt, der einen Teil des Erlöses an ihren Verein „brotZeit e.V.“ spenden wird, den anderen an die „Flüchtlingshilfe München e.V.“  Unter anderem vermittelte die Schauspielerin Dirk über „brotZeit e.V.“ den Kontakt zu Kindern aus unterschiedlichsten Ländern, mit denen dem Fotograf einige der intensivsten Aufnahmen seiner Serie gelang.

Nicht um Brotzeit sondern um Haute Cusine drehte sich hingegen das Shooting in Johann Lafers Table d’Or, zu dem der bekannte TV-Koch Dirk in vollem Ornat empfing …

Dirk Schiff mit Sternekoch Johann Lafers, in dessen Gourmet-Tempel „Table d’or“

Auf das sicherlich ungewöhnlichste Fotoshooting begleitete ich Dirk Schiff selbst: Es führte uns in die Berge Südtirols, wo der legendäre Bergsteiger Reinhold Messner eines seiner Bergmuseen betreibt. Erwartet hatten wir eine Hochburg voller Messner-Devotionalien; statt dessen empfing uns zwar tatsächlich eine Burg auf felsigem Terrain (Verbotschild für Highheels inklusive!), allerdings ausgestaltet zu einem märchenhaft anmutendem Panoptikum, voller Erinnerungen an Messners Touren über die Bergmassive dieser Welt:

Foto-Audienz bei einem ganz Großen: In Reinhold Messners Bergmuseum, Bozen, Juni 2017, Foto Dirk Schiff

Eine Grotte mit Souveniers aus den Anden, in Lichtspiele getaucht, ein Turmzimmer mit sakralen Gegenständen aus dem Himalaya, beseelt mittels einer Klang-Installation. An den ungewöhnlichsten Stellen, auf Glastüren, am Gemäuer, in Steinboden eingelassen, verteilten sich philosophische Zitate von „A“ wie Aristoteles, bis „Y“ wie Neil Young. Eine schmaler Steg führte zum Rundgang über die Burgmauern und bot einen umwerfenden Blick über Bozen. Die ausrangierten Sessel einer Schwebebahn luden zur Pause ein und Buddhas bevölkerten das Gelände ebenso, wie historische Elemente aus dem Mittelalter und moderne Skulpturen.

Selfies kann Dirk auch besser als ich; hier vor einem monumentalen Berggemälde mit Messner in dessen Museum bei Bozen, Juni 2017

Reinhold Messner selbst erwies sich als beinahe scheu, ganz das Gegenteil des Bildes, das er bei öffentlichen Auftritten vermittelt. Mich schüchtert soviel Zurückhaltung ja ein, nicht so Dirk, dem es – ich weiß nicht wie – gelang, in kürzester Zeit diesen Mann fotografisch genau als den Menschen einzufangen, der sein Leben zu großem inneren Reichtum verdichtet und für die Nachwelt zusammengetragen hat. 

Albrecht von Weech

Überhaupt bot sich Dirk Schiff, im Rahmen seiner Fotoshootings, ein Programm absoluter Kontraste. Dennoch ist es ihm gelungen, auch bei den extravagantesten Modellen, zum Kern ihrer Persönlichkeit durchzudringen, wie zum Beispiel bei Albrecht von Weech, Conférencier, Chansonnier und aktuell jourfixe-Künstler im Historical Kann denn Liebe Sünde sein? – Bruno Balz

„Mich hat beeindruckt, welche Geschichte hinter den Gesichtern von Menschen steckt, …“   so Dirk Schiff. Er berichtet weiter: „Für das Projekt wurden Flüchtlinge, Prominente und Personen wie Sie und ich fotografiert.“ In der Tat finden sich in der Ausstellung Publizisten wie Walter Kohl neben ehrenamtlichen Flüchtlingshelferinnen wie Serena (s. Foto ganz oben), Weltstars wie Mario Adorf neben Schwabinger Ikonen, wie die ehemalige Prominentenwirtin des Alten Simpls, Toni Netzle, der Posterkönig Wolfgang Roucka oder der Stadtschreiber von Minga, W. A. Riegerhof (Hallo, KIR München), bekannte TV-Gesichter, wie Telenovela-Star Louisa von Spies oder Florian Stadler, „Influencer“, wie Jeanette Graf und Journalisten, wie Robert Pölzer, BUNTE-Chefredakteur .

W. A. Riegerhof, Stadtschreiber von Minga (u.a. Hallo, KIR München)

Für mich persönlich jedoch bewirkte  „We Are All The Same“, dass ich dank des Shootings nicht nur ein wunderschönes Foto von mir bekommen habe, das ich seitdem als Profil-Foto auf allen Social-Medias nutze, sondern auch, dass ich Dirk und seine bezaubernde Familie während dieser Zusammenarbeit kennen und schätzen gelernt habe, eine sicher nachhaltige Verbindung, auch über dieses Projekt hinaus …

Dirk und ich diskutieren Einstellungen beim Fotoshootings zu „We Are All The Same“, März 2017, Foto: Anne Schiff

Ausgestellt werden die Bilder im Hotel Le Méridien Munich. Le Méridien steht für über 100 Hotels und Resorts weltweit und bildet schon seit einiger Zeit Schnittstellen zwischen dem Reisen und der Kunst, nicht zuletzt mit dem Projekt „Unlock Art – Kunst entschlüsseln“ in Partnerschaft mit namhaften Kunst- und Kulturstätten weltweit. Hier in München besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem MUCA – Museum of Urban and Contemporary Art.

Die Vernissage findet „mit großem Bahnhof“ am Mittwoch, den 4. Oktober 2017 statt, als Resonanz auf die vielen bekannten Persönlichkeiten, die es Dirk Schiff gelungen ist, für dieses Projekt ins Boot zu holen, wohl wissend, dass klingende Namen für verstärktes öffentliches Interesse sorgen und dabei die Aufmerksamkeit auf sein Kernanliegen bündeln würden:

Modou, Flüchtling aus Senegal

Eine Lanze für all die Menschen zu brechen, die unserer Hife bedürfen, durch Empathie, Respekt und vor allem auch ganz konkret durch Spenden! Entsprechend werden zur Vernissage auch VertreterInnen weiterer Hilfsorganisationen erwartet: Allen voran Jutta Speidel, die sich für Dirks Projekt als Modell zur Verfügung gestellt hat und selbst, mit ihrem Verein „Horizont e.V.“, alleinerziehenden Müttern in prekärer Lage beisteht. Desweiteren Petra Windisch de Lates, Gründerin und Leiterin, seit nunmehr fast !28 Jahren, der Deutschen Lebensbrücke e.V.

Angesagt zur Vernissage hat sich auch ein neues jourfixe-Mitglied, das sich mit dem Anliegen dieser Benefiz-Veranstaltung ganz besonders identifizieren dürfte: Der syrische Schriftsteller Foud Yazij. In seiner Heimat zählte er zu den bekanntesten Autoren, bis er sich zu einem der Wortführer des Arabischen Frühlings in Homs aufschwang und fliehen musste. Danke eines Stipendiums des PEN-Clubs Deutschland lebt er aktuell in München, wo er an einem neuen Buch arbeitet, in dem er seine Sicht auf die politischen Ereignisse der letzten Jahre in Syrien, in Romanform, darstellen wird.

„(…) Straßenlaternen flüstern leise – Auf vertraute Art und Weise – Unsere Geschichten, denn in jedem Stück Asphalt von dir – Steckt was von mir (…)“ 

<iframe width=“427″ height=“240″ src=“https://www.youtube.com/embed/Z2ykIYKus2I&#8220; frameborder=“0″ allowfullscreen>

So lautet eine Zeile aus dem Song der jungen Liedermacherin Julia Kautz, die als musikalisches Highlight bei der Vernissage auftritt:  Auch sie ist eine „Zugereiste“, die mit dieser Liebeserklärung an ihre Wahl-Heimatstadt München derzeit im aktuellen Werbespot der Stadtwerke München zu hören ist, der auf Hochrotation im Kino, TV, Internet und Radio läuft. Mit ihrem Lied schließt sich an diesem Abend thematisch ein Kreis, denn so unterschiedlich wir wirken und handeln mögen, in unseren Bedürfnissen und Sehnsüchten sind wir uns alle gleich …


Verzeichnis aller jourfixe–Blogbeiträge mit jeweiligem Link

Standard

„Milton’s Tower – oder die schönheit der dinge“ – Besuch bei Proben zum aktuellen, inklusiven Bühnenstück der Freien Bühne München

 „Das ist unser Leuchtturm und er ist wunderschön, weil hier das Gras unter all den Sternen leise schläft.“

heißt es in „MILTON’S TOWER – oder die schönheit der dinge“. Die Poesie dieser Zeilen steht für den Zauber, der die aktuelle Produktion der Freien Bühne München prägt.

Antonia Neumayer  – („Selkie“/Heyne Verlag) Autorin des Stücks, mit Dino „Tommy“

Den Text geschrieben hat die junge Autorin Antonia Neumayer. „Ihre große Leidenschaft gehört der Fantastik„, schreibt ihr Verlag über sie und entsprechend bewährt hat sich die Zusammenarbeit mit der Freien Bühne München bei diesem Stück, in dem behinderte und nicht behinderte DarstellerInnen gemeinsam spielen. Dass die Dialoge dennoch auf die jeweiligen SprecherInnen zugeschnitten wirken, liegt an der Art, wie dieses Stück erarbeitet wurde, nämlich in einer Reihe von improvisatorischen Prozessen, wie mir die Autorin nach der Probe erläuterte. Sie habe dann die Dialoge in eine feste Form gegossen. Jan Meyer, künstlerischer Leiter der FBM und Regisseur des Stücks, entwickelte daraus eine fantastische Reise durch die Welt der Ängste und Träume, auf die uns die fünf Protagonisten mitnehmen, auf der Suche nach sich selbst. Sie alle hat es auf einen Leuchtturm verschlagen, um dessen Erhalt sie sich kümmern. Dabei hat ein Sturm sie ganz auf sich  zurückgeworfen.

Von links: Ernst Strich, Magdalena Meier, (halb verdeckt) Luisa Wöllisch, Dennis Fell-Hernandez, Regina Gommel, in einer Szene aus „Milton’s Tower“, einer Produktion 2017,  der inkulsiven Freien Bühne München

Eine im Film und auf der Bühne häufiger gewählte Ausgangssituation, die hier jedoch eine ganz neue Perspektive entfaltet, auf Grund der Impulse, die die behinderten Mitwirkenden in das Spiel einbringen. Zu Unrecht wird inklusive Theaterarbeit oft mit einer gönnerhaften Haltung quittiert, nach dem Motto: „Soll den armen Behinderten doch auch einmal die Freude des Mitspielens vergönnt sein“.

Dennis Fell-Hernandez, Luisa Wöllisch und Ernst Strich

Diese Haltung entspringt reiner Unkenntnis. Vielmehr erlebe ich bei integrativen Inszenierungen, dass sie dem Publikum eine erweiterte Perspektive auf die Welt bieten, gerade dadurch, dass behinderte Mitmenschen, auf Grund ihrer besonderen Lebenssituation, eine ganz eigene und auch bewusstere Sichtweise auf das Leben mitbringen, als es in herkömmlichen Biografien der Fall ist, in denen so viel mehr selbstverständlich scheint. So schreibt auch die Freie Bühne München in ihrer Selbstdarstellung „WIR„: Inklusion – das bedeutet Vielfalt als Gewinn, ein buntes Miteinander, ohne Ausgrenzung, Diskriminierung und Behinderung durch Barrieren.

Schauspielerin Magdalena Meier

Nicht durch die schlichte szenische Wiedergabe gesellschaftlicher Normen fesselt mich ein Stück , sondern dadurch, dass mich sein Spiel darüber hinaus führt, zu neuen Überlegungen und – im besten Fall – Erkenntnissen. Und das Ganze bitte für mich in jenem Bühnenmodus, der – jenseits aller Kopflastigkeiten – schlichtweg verzaubert, durch Darstellung, Licht, Requisiten und einer ganzen Kaskade inszenatorischer Ideen. Für mich ist das der Magnet, der mich, trotz aller modernen Medien, noch immer ins Theater zieht und erklärt, warum sich diese Kunstform nicht schon mit den klugen Alten Griechen erschöpft hat, die bereits damals alle großen und kleinen, ewigen Themen des Menschen in Szene setzten.

Der Theaterwissenschaftler und Regisseur Jan Meyer, hier bei den Proben zu „Milston’s Tower“ (15.9.17), ist auch künstlerischer Leiter der Freien Bühne München

Auf all diese wunderbaren Zutaten des Theaters traf ich gestern, obwohl noch längst nicht alle Lichteffekte zum Einsatz kamen, und die Texte noch nicht komplett verinnerlicht waren.

Luisa Wöllisch wurde an der Freien Bühne München zur Schauspielerin ausgebildet; hinter ihr Ernst Strich

Besonders verzaubert hat mich das Spiel von Luisa Wöllisch, die zu jenen Künstlerinnen und Künstlern gehört, bei denen eine unerklärliche Ausstrahlung einsetzt, sobald sie eine Bühne betreten. Neben dieser Qualität kommt bei ihr aber auch solide erlerntes Handwerk hinzu: Nach ihrem Schulabschluss begann sie 2014 eine Berufsqualifizierende Maßnahme an der Freien Bühne München. Seit dem ist sie fester Teil des Ensembles. 2016 spielte sie in ihrem ersten Kinofilm „Die Grießnockernaffäre“ mit. Ab 2018 wird sie neben ihrer Tätigkeit als Schauspielerin zum ersten Mal auch als Schauspielcoach für die Freie Bühne tätig sein. (Quelle: > Homepage der Freien Bühne München)

Die Freie Bühne München ist das erste inklusive Theater in Bayern. Entsprechend ihrem Anspruch, Talente zu entdecken, zu fördern und Räume zum Ausprobieren zu schaffen. Schauspieler, Techniker, das Regieteam, mit und ohne Behinderung, sind Kollegen auf Augenhöhe, die gemeinsam professionell Theater machen.

Premiere: 29. September, 20 Uhr, Black Box, Gasteig München
Karten gibt es auf www.muenchenticket.de


Weitere Termine:

05. Oktober 2017, 20:00 Uhr, abraxas Theaterhaus Augsburg
Karten gibt es unter: 0821/32 46 355 (abraxas Büro)

13. Oktober 2017, 19:00 Uhr, Kleines Theater Haar
Karten gibt es auf: www.reservix.de

14. Oktober 2017, 19:30 Uhr, Wagenhalle, Pasinger Fabrik München
Karten gibt es hier oder unter 089-82 92 90 79

18. November 2017, 19:00 Uhr, Stadttheater Weilheim
Karten gibt es unter 0881/68 611 oder 0881/68 612 – Kreisboten Verlag

Aktueller Trailer
weitere Trailer und Teaser auf unserer vimeo-Seite


Verzeichnis aller jourfixe–Blogbeiträge mit jeweiligem Link

Standard

Arrivederci, servus Theodora „Dorli“ Diehl! Abschied von der sanften Matriarchin eines Münchner Künstlerklans

Zum Abschied in der überfüllten Aussegnungshalle sang der Schlossherr von Weitersroda, der Liedermacher, Kabarettist und Polit-Aktivist Prinz Chaos II. alias Florian Kirner, noch einmal das berühmte Lied „I hab die schönen Maderln net erfunden …“ für seine Großmutter Theodora „Dorli“ Diehl. Geschrieben hatte es einst ihr Vater, Theo Prosel, in einer einzigen Nacht in der Künstlerkneipe Simplicissimus in München, die später auch als Alter Simpl bekannt wurde. Dort steuerte er ab 1934 als Wirt, Kabarettist und Programmgestalter das legendäre Lokal pfiffig durch düstere Zeiten, bis zur schweren Bombardierung 1944. An Prosels Seite seine Frau, die Sopranisten Julia Prosel und die drei Töchter: Dorli, die Älteste sowie Resi und Trude.

Bildcollage zu Simpl-Wirt Theo Prosel aus dem Historical „Das Lied von Lili Marleen“; Augangsfotos: Prosel-Klan

Für die drei heranwachsenden Töchter erwies sich das elterliche Lokal als Panoptikum, denn die Familie lebte in einer Wohnung über dem Simpl; dadurch lernten Theodora „Dorli“ Diehl und ihre Schwestern viele Künstler_Innen kennen, die damals dort ein- und ausgingen, darunter Karl ValentinLiesl Karlstadt und nicht zuletzt Lale Andersen, wie sich Dorli, die Älteste, 2010 in meinem Historical „Das Lied von Lili Marleen“ zusammen mit Schwester Resi Prosel (+ 2010) erinnert, mit dem für sie so typischen, pfiffigen Humor, gepaart mit scharfer Beobachtungsgabe: (Abschrift – sinngem. und nach Gehör – eines O-Tons a.d. BR-Feature „Simpl am Abend – erquickend und labend“ von Eva Demmelhuber):

Die drei Prosel-Schwestern in den 1930er Jahren, v. links: Dorli, Trude und Resi; Quelle: Prosel-Klan/2010

Wir Kinder waren natürlich ganz narrisch auf die Lale. Da haben wir schon in einem kleinen Zimmer geschlafen, oberhalb der Bühne, wo gerade  nur drei Betten rein gingen. Dazwischen war ein kleiner Zwischenraum, da haben wir uns immer gestritten, wer in den rein durfte, wenn die Lale gesungen hat. Die hat man immer raufgehört, ja. Wer sich dahinlegen durfte und das Ohrwaschl auf den Fußboden, um das zu hören. Ja, für die haben wir gschwärmt, ja, ja sehr geschwärmt.

Lale Andersen, damals noch Wilke, Anfang der 30er Jahre mit Sohn Michael Wilke vor dem Plakat zu einem ihrer Simpl-Auftritte; Quelle: Michael Wilke

Das war einfach a Persönlichkeit, das kann man nicht schildern, erstens war sie sehr norddeutsch, schön war sie nicht, aber interessant irgendwie und ihre Lieder waren gut – ja – und ihre Stimme war unverwechselbar. Ich sag ja ned, dass sie weißgott wie schön war, die Stimme. Uns hats halt gefallen.

Da hatte sie natürlich tolle Lieder, so mit unanständigem Hintergrund manchmal und die haben wir dann immer lauthals in der Schule gesungen, zur Freude der Lehrer. (…) > Tonprobe von Dorli/Resi Prosel eines solchen unanständigen Liedes 😉

Lale Andersen, (Lili Marleen) 30er Jahre, auf der Auer Dult mit Simpl-Wirt Theo Prosel, Dorlis Vater, Quelle: Prosel-Klan

  • Lale selbst erinnert sich später an die Zeit: Damals im Simpl, das war noch als Endrikat auf der Bühne stand mit seinem dicken Adressbuch, und der Ringelnatz, der sich immer an eine Säule anlehnen musste, um beim Singen nicht allzu sehr hin und her zu schwanken und das Gleichgewicht zu verlieren …

    Die junge Dorli (Mitte) tritt hier in „Gondrells Bonbonniere“ auf, Foto von Anfang der 1940er Jahre; Quelle: Theodora Diehl Gedenkseite von Tochter Gabriele Kirner Bammes

Es war auch Lale Andersen, die Dorli empfahl, sich unbedingt als Schauspielerin ausbilden zu lassen, was das junge Mädchen auch tat:  Am 2. April 1941 bestand sie die Abschlussprüfung vor der Reichstheaterkammer und war nun „Staatlich geprüfte Schauspielerin“ .Sie trat u.a. auf im „Simpl“, im „Regina-Palasthotel“ und in „Gondrells Bonbonniere“, schreibt Tochter Gabriele Kirner-Bammes auf der Gedenkseite, die sie zur Erinnerung an ihre Mutter im Internet veröffentlicht hat.

Die Bühne führte Dorli auch mit ihrem Mann, dem Schriftsteller, Journalist und Schauspieler Walther Diehl  zusammen und in eine 53 Jahre andauernde Ehe, die erst 1994, mit dem Tod Walther Diehls, endete. Das Lokal seiner Schwiegereltern verewigte er in der Chronik: „Die Künstlerkneipe Simplicissimus„. Das Vorwort dazu schrieb Konstantin Wecker, langjähriger Kollege von Enkel Prinz Chaos II. alias Florian Kirner … Der stand nun, im August 2017, vor der Trauergemeinde und sang jenes Lied seines Ur-Großvaters: „I hab die schönen Maderln net erfunden …“ … Spätestens jetzt überkam uns Trauergästen die Rührung. Auch mir stiegen Tränen in die Augen, worüber ich mich ein wenig schämte. Da ich Dorli nur selten begegnet war, fühlte es sich ein wenig unangemessen für mich an, mich der Gruppe all der Trauernden anzuschließen, die sie doch viel besser gekannt hatten, wie der Künstlerkreis 83 und der Künstlerkreis Kaleidoskop, dem ich inzwischen auch (wieder) angehöre und der an diesem Tag durch dessen ehemaligen Leiter, Conrad Cortin vertreten wurde. Andererseits zollten meine Tränen auch einer Frau Tribut, deren Persönlichkeit mich von der ersten Begegnung an beeindruckt hatte!

Gasteig-Premiere von „Das Lied von Lili Marleen mit den Zeitzeug/Innen, v. li.: Rudolf Zink jr. (Sohn des Komponisten der ersten Fassung von Lili Marleen), Dorli Diehl (Tochter von Simpl-Wirt Theo Prosel), Brigitt Schultze Galland (Witwe des Komponisten Norbert Schultze), Michael Wilke (Sohn von Sängerin Lale Andersen), halbverdeckt: Toni Netzle (ehemalige Simpl-Wirtin), Gaby dos Santos (Autorin der Collage), re.: Mathias Deinert (Lale–Andersen–Archiv)

Persönlich kennengelernt hatte ich Dorli, ebenso wie die meisten anderen Mitglieder des Prosel-Klans bei der Gasteig-Premiere meiner „Lili-Marleen“-Collage und alle überredet, im Rahmenprogramm noch einmal die „Simpl-Revue“ aufzuführen.

Erst in späten Jahren war Dorli im „Künstlerkreis 83“ und im „Künstlerkreis Kaleidoskop“ wieder aufgetreten und dort sah man sie im Juni 2008 in der Revue „Der Simpl-Goethe und die Nachtigall“, einer Veranstaltung zur 850-Jahr-Feier der Stadt München, in der vier Generationen unserer Familie mitwirkten. Am 1. Februar 2011 wurde diese Revue zu Ehren meiner Großeltern, Theo und Julia Prosel, in veränderter Form im „theater… und so fort“ in München-Schwabing wiederholt, wobei meine Mutter diesmal mit ihren Erinnerungen durch den Abend führte – und sie sprach und agierte völlig frei und ohne Spickzettel, denn dieser wäre gegen ihre Berufsehre als Schauspielerin gewesen. Und das kurz vor ihrem 90. Geburtstag!“ so Tochter Gabriele auf der Gedenkseite.  Ganz so haben es damals mein Freund und jourfixe-Vorsitzender Jon Michael Winkler und ich auch empfunden: Dorli Diehls Auftritt an diesem Abend war ein Paradebeispiel wahrer Bühnenpräsenz!

Dorli Diehl – die filigrane Matriarchin – führt mit fast 90 Jahren souverän durch die „Simpl-Revue“, künstlerisch begeleitet von 4 Generationen Prosel-Klan! Die Projektion zeigt ihre Mutter, die Sopranistin Julia Prosel in den 20er Jahren. Foto: Gedenkseite

In dieser Zeit überraschte sie mich auch damit, plötzlich über Email erreichbar zu sein und kurz danach auch noch via Facebook! Der elektronischen Medien bediente sie sich in Folge auch, um sich mit über 90 Jahren unter die Buchautor_Innen zu begeben. Nur der Not koan Schwung lass’n lautet stimmig der Titel ihrer Autobiografie.

Bestellung der Biografie unter: Gabriele Kirner-Bammes: kirner-bammes (at) t-online.de
Tel. 08141/72 4 72 Der Versand erfolgt mit Rechnung, 12,90 € zzgl. Versandkosten

Als sie ihre Lebenserinnerungen herausbrachte, trat die bereits 91-jährige Karlsfelderin richtig ins Rampenlicht. Sie tingelte von einer Lesung zur nächsten und begeisterte ihre Zuhörer mit ihrer unglaublichen Geschichte. In der Münchner Drehleier trat sie mit ihren Töchtern, dem Schwiegersohn, den Enkeln und der Urenkelin auf. Vier Generationen spielten Szenen aus dem „Simpl“, wobei die alte Dame mit ihrer unglaublichen Präsenz und Energie allen anderen die Show stahl. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich so alt werden muss, um berühmt zu werden“, sagte sie damals der SZ. Humor war immer ihr Rezept gegen alle Widrigkeiten des Lebens und ist es bis zum Schluss geblieben., so im Nachruf von SZ-Online nachzulesen, der sie als „Eine Ikone der Schwabinger Künstlerwelt“ betitelt.

„DIE PROSELS“: Von hinten links im Uhrzeigersinn: Ur-Enkelin Svenja Heise, an die sich das Gesangstalent der Ur-Ur-Großmutter,  Sopranistin Julia Prosel, weitervererbt hat –  Urenkel und Liedermacher Prinz Chaos II. alias Florian Kirner, – daneben Peter Bammes mit Gattin Gabriele Kirner Bammes (eine Tochter von Dorli), die im Duo für den Roggensteiner Bänkelgsang stehen – gefolgt von Dorlis Tochter Karin Lehndorfer; ganz vorne Theodora „Dorli“ Diehl mit Enkelin, der Sängerin Heida Lehndorfer

Fast bis zuletzt fand Theodora „Dorli“ Diehl Mittel und Wege, aktiv im künstlerischen ebenso, wie im sonstigen Leben zu stehen. Noch im Mai hatte ich mit ihr ein langes Telefonat geführt, in dem wir uns gegenseitig bezüglich unserer aktuellen Aktivitäten auf Stand brachten. Anfang August gratulierte ich via Facebook noch zu ihrem 96. Geburtstag; ein Gruß, der sie schon nicht mehr erreicht haben dürfte, wie mir später Tochter Gabriele berichtete. Ganz am Ende hielt das Leben für Dorli noch eine Phase kurzer Krankheit bereit. Bis dahin aber hatte sie das Leben bejahend und resolut gemeistert, stets mit einem feinsinnigen Lächeln um die Lippen, filigran, wie ihre ganze Erscheinung. Zwar stand sie gewissermaßen als Matriarchin einem ganzen Künstlerklan vor, der vier Generationen umfasste, doch wirkte ihr Auftreten nie fordernd oder laut. Sie umspannte ihre Familie mit ihrer Liebenswürdigkeit; so habe ich es empfunden und wohl ebenso die zahlreichen Weggefährt_Innen, die sich auf dem Obermenzinger Friedhof eingefunden hatten, um „ihrer“ Dorli Diehl die letzte Ehre zu erweisen, darunter viele Künstler-Kolleg_Innen.

Mich wird Theodora „Dorli“ Diehl sicher weiter begleiten, in den Begegnungen mit ihrer Familie, dem O-Ton in der „Lili-Marleen“-Collage und vor allem als Vorbild und Beispiel dafür, dass es sich jederzeit und also auch im Herbst des  (künstlerischen) Lebens noch voller Bravour durchstarten lässt!

Arrivederci, servus, liebe Dorli!


Mehr zu Dorli Diehls bewegtem Leben – 1921 bis 2017 – > 

Meine Mutter Theodora ‚Dorli‘ Diehl  – Ein Leben in Bildern, mit textlichen Erläuterungen von Tochter Gabriele Kirner Bammes

Theo Prosel – Dichtender Simpl-Wirt und Münchner Kabarettlegende


Verzeichnis aller jourfixe–Blogbeiträge mit jeweiligem Link

Standard